Kino und Erdkunde Lichtbühnen-Bibliothek Nr. 7

Part 8

Chapter 83,049 wordsPublic domain

4. Die _Lichtbilderei_ GmbH., M._Gladbach_, verfügt über nicht weniger als 450 Lichtbilderserien, von denen die erste der 13 Untergruppen der _Erdkunde_ gewidmet ist (Land und Leute -- Deutschland, deutsche Kolonien, Ausland). Auch die Abteilungen »Naturwissenschaft«, »Industrie und Technik«, »Handwerk«, »Landwirtschaft«, »Volkswirtschaft« u. a. bieten manchen ergänzenden Stoff. Die Lichtbilderei, die unter Mitwirkung des Volksvereins-Verlags vor sieben Jahren gegründet wurde, verfolgt auf geschäftlicher Grundlage den Zweck, die Projektionskunst durch künstlerischen Geschmack und wissenschaftliche Gründlichkeit in der Auswahl der Bilder und durch die Beigabe von Vortragstexten, die sich über den vielfach üblichen oberflächlichen Dilettantismus erheben, zu einem ernsthaften Mittel für die möglichst allseitige tiefgehende und nachhaltige Bildung breitester Volksschichten zu erheben und so ein vorbildliches Musterinstitut zu werden. Als Verfasser der geographischen und ethnographischen Vortragstexte wirken hervorragende Fachleute. Bilder und Texte werden an jedermann verliehen. Katalog kostenlos. Über ihre Filmverleihzentrale siehe unten. Verkauft und verleiht auch Apparate und Zubehör.

5. _Ed. Liesegang, Düsseldorf._ Der Katalog verzeichnet eine große Auswahl erd- und völkerkundlicher Serien sowie solche aus den Gebieten »Naturkräfte und Naturwissenschaft«. Besonders zahlreich (mit Betonung von Architektur und Kunst) die Serien »Italien, Palästina und Deutschland«. Eine große Menge in »Woodburydruck« (eine Art getöntes Gelatinerelief, das viel transparenter als die aus undurchsichtigem Metallniederschlag bestehenden Silberkopien sein soll). Meist nur Serienverleihung. Verkauft auch Apparate usw.

6. Die _Neue Photographische Gesellschaft, Steglitz-Berlin_, verleiht nicht, sondern verkauft. Die umfassende Sammlung geographischer Lichtbilder (Album mit 110 verkleinerten Bildertafeln je 15 Bilder Mk. 20 auch leihweise) ist von Prof. Dr. Deckert an der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften in Frankfurt a. M., die betreffs Geologie des Norddeutschen Flachlandes von Prof. Dr. Wahnschaffe, Berlin, zusammengestellt. Außerdem zahlreiche aus andern Naturwissenschaften. Die Diapositive sind teils im Kontaktverfahren, teils im nassen Verfahren hergestellt. (Katalog »Das photographische Anschauungsmittel« 2 M.)

7. _Richard Rösch, Dresden-A._ Viele Serien erdkundlicher Bilder. Verleiht auch einzeln (10 Pf. für Bild und Woche).

8. _E. A. Seemanns Lichtbildanstalt, Leipzig._ Serien China und Marokko; ferner (hauptsächlich in künstlerischer Hinsicht) Regensburg und Nürnberg. Zum Teil farbig (Dreifarbenaufnahmen und Lumière). »Durch bestimmte Herstellungsmethoden wird die Schicht und das Glas des Diapositivs vor den Gefahren großer Hitze bewahrt, wodurch auch bei hoher Lichtstärke ein besonderer Schutz (Wasserkammer) entbehrlich wird.« (Farbenproben, die ich gesehen habe, waren _sehr_ schön; und das Feuerschutzverfahren wäre ja für Mitbenutzung im Kino sehr wertvoll!) Projektionseinrichtungen.

9. _Unger & Hoffmann_, A.-G., _Dresden-A._ Sehr großes Lager geographischer und naturwissenschaftlicher Bilder. Serienverleihung. Ansichtssendungen, auch _Papierabzüge_ zur Auswahl. Führen auch Apparate usw.

10. _Emil Weises Buchhandlung, Dresden-A._ Farbig: Palästina, Orient, Sachsen, Indien, Rhein, Deutsche Kolonien (Mission). Serien mit Text.

11. _York & Son_, 67, Lancaster Road, Notting Hill, London W. Katalog mit großer Auswahl, 1 Schilling. Nur Verkauf. Sehr viel geographische Serien.

Zu diesen Firmen (weiteres Material für spätere Auflagen usw. erwünscht!) treten nun einige Vereine und Institute, die ihre Bilder nur an Mitglieder oder unter Beschränkungen verleihen.

12. _Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung_, Berlin NW 52, Lüneburger Str. 51 (an 8000 angeschlossene Vereine!). Dieser gemeinnützige Verein verleiht nur an Mitglieder (Schulen und andere Bildungsinstitute) usw. Falls Vortragstexte mitgeliefert werden, nur mit diesen. (Diese Maßregel wird mit dem im Titel bezeichneten Zweck begründet.) Einzelne Bilder (außer »Tierwelt«) werden nicht verliehen, wohl aber verkauft. Die Texte stammen aus der Feder von Fachleuten. 254 Serien, von welchen die überwiegende Zahl erdkundlichen und naturwissenschaftlichen Inhalts sind. Betreffs Kinematographie siehe unten. Stellt auch Apparate und Vorführer usw.

13. _Süddeutsche Lichtbilderzentrale, München._ Ist eine Einrichtung der Hauptstelle süddeutscher katholischer Arbeitervereine. Verleihen und verkaufen auch Apparate. (Näheres siehe unter Kinematographie.)

14. _Verein Naturschutzpark, Sitz Stuttgart_, Pfizerstr. 5. Verleiht kostenlos nur zur Agitation für die Schaffung und Förderung von Naturschutzparken. Bilder und Texte.

15. _Stiftung für Heimatschutz_, Verwaltungssitz Meiningen. Besitzt eine große Lichtbildersammlung betreffend Heimatschutz.

16. Die _Gesellschaft für wirtschaftliche Ausbildung_ (Frankfurt a. M.), 17. _Großh. Techn. Hochschule Darmstadt_ (Prof. Dr. Greim) verleihen nicht. 18. Die _Oberschulbehörde Lübeck_ besitzt zahlreiche erdkundliche Lichtbilder in den höhern und mittlern Schulen.

Ganz anders als bei den Lichtbildern liegt die Sache auf dem Gebiete der _erdkundlichen Kinematographie_. Während ein einmal hergestelltes gutes Lichtbild und Negativ ein »Schatz fürs Leben« ist, ist in der Kinematographie alles in beständigem Fluß. Die teuren erdkundlichen Aufnahmen, die oft mit großen Reisekosten usw. hergestellt worden sind, verlieren ein Vierteljahr nach dem Erscheinen der ersten Positive jede »Aktualität«, d. h. sie sind in den Augen der Kinobesitzer und Filmverleihanstalten Ladenhüter. Und nach wenigen Jahren ist es unwahrscheinlich, daß auch nur das Negativ davon noch vorhanden ist. Das hat zwei Hauptursachen: erstens die große Inanspruchnahme auch der Negative durch das Kopieren, wodurch sie nach einer verhältnismäßig geringen Zahl von Abzügen ebenso »verregnen« (und dies dann natürlich auf weitere Abzüge übertragen würden) wie vielgebrauchte Positive. Zweitens aber ist ein Zurückgreifen auf ältere Aufnahmen, wie mehrmals bemerkt, im Kinogeschäftsorganismus weder vorgesehen und bequem durchführbar noch gewünscht. Wer erdkundliche Kinofilme unter gegenwärtigen Umständen benutzen will, hat dazu also im Grunde nur _einen_ Weg: er lasse sich die Prospekte über die wöchentlichen Neuerscheinungen regelmäßig zusenden, fahre, wenn etwas ihn interessiert, zum angegebenen Zeitpunkt nach Berlin, lasse es sich dort zeigen und kaufe es gegebenenfalls, um es dann so lange liegen zu lassen, bis der Zeitpunkt des Gebrauches kommt. Selbst in den Fabriken gibt es begreiflicherweise keine Positive, es sei denn, daß einmal zufällig eins liegen geblieben ist -- welches Kapital würde sonst in solchem bloßen Vorführungsmaterial tot liegen! Erst eine Organisation, wie ich sie beschrieben habe, kann bei geregeltem Filmkauf durch Reforminteressenten da Wandel bringen. Vollkommen verfehlt ist natürlich auch der Glaube, dem man in dilettantischen Reformkreisen so oft begegnet, daß Kinotheater und Filmverleihanstalten -- von vereinzelten zufälligen Ausnahmen abgesehen -- gute Einzelbilder für gute Worte oder Geld abgeben könnten. Wenn eine Verleihanstalt oder ein Kinotheater selbst erdkundliche Filme kauft, so werden diese natürlich sofort einem der üblichen Gesamt-Programme eingefügt und machen mit diesem die Runde durch die darauf abonnierten Kinotheater. Daß sie während dieser Zeit nicht willkürlich herausgenommen werden können, leuchtet ein, und ebenso, daß sie, wenn sie frei werden, eben »ausrangiert« sind, d. h. in einem Zustande, in dem sie nur eben noch für -- »Kinoreform«vorstellungen gut sind (?). -- Der Ankauf einzelner Filme ist aber ebenfalls eine praktisch für den einzelnen kaum durchführbare Sache. Wer unsere Vortrags- und Vereinsverhältnisse kennt, weiß, daß es kaum durchführbar ist, ein eventuell in die Tausende gehendes Kapital in ein einzelnes Programm zu stecken, zumal die Vorführung dann noch jedesmal bedeutende besondere Kosten verursacht. Da sind als für Vereine, Schulen, einzelne Redner usw. einstweilen rettender Ausweg die _Kinoreformverleihinstitute_ willkommen. Das sind Verleihanstalten, die ausschließlich Kinoreformbedürfnissen dienen wollen. Da diese Bedürfnisse aber wenigstens einstweilen noch geschäftlich kaum ins Gewicht fallen, auch die ganze Einrichtung immer noch einen nur vorläufigen Ausweg darstellt, so liegt diese Art von Filmverleih zurzeit fast ausschließlich in den Händen gemeinnützig arbeitender Volksbildungsvereine. Von diesen sind mir drei bekannt geworden.

1. Die _Gesellschaft zur Verbreitung von Volksbildung_, Berlin NW 52 (siehe oben), hat neben ihrem Lichtbilderdienst auch eine Verleihung von kinematographischen Apparaten und Filmen eingerichtet. Außerhalb Berlins und der Vororte werden die Apparate in der Regel nur behufs Vorführung durch einen eignen Monteur der Gesellschaft verliehen. Die Verleihung erfolgt nur an Mitglieder der Gesellschaft (Schulen, Behörden, Vereine, Reformkinos usw.). Das Verzeichnis weist 31 eigne, daher sofort verleihbare Filme auf, freilich nur wenig erdkundliche. Es ist jedoch eine bedeutende Summe für den Ausbau dieses Unternehmens eingestellt worden. Es werden nur je etwa 1000, gewöhnlich 2000 m zusammen verliehen. Außerdem vermittelt die Gesellschaft aber auch das Leihen von andern Filmen. (Ich möchte hier die Bemerkung einfügen, daß juristisch nach Hellwig nicht von einem »Leihen«, sondern »Pachten« der Filme gesprochen werden muß.) Ich würde außerdem Programme, die allein 1000 oder gar 2000 m Filme umfassen, für viel zu lang halten. Ich gehe dabei von der meines Erachtens aber schon allgemein anerkannten Auffassung aus, daß 1. Filme nur in Verbindung mit Lichtbildern und Vortrag vorführbar sind (so zeigen es auch die neuen Programmbeispiele der Gesellschaft zur Verbreitung von Volksbildung), 2. der Vortrag nicht während der Filmvorführung, sondern nur dazwischen stattfinden darf. Auf diese Weise dauert mit den unentbehrlichen Pausen ein Programm mit etwa 800 m schon reichlich 2 Stunden. Außerdem stellt die Gesellschaft ihren Mitgliedern ein »_Wanderkino_« zur Verfügung, das Apparate, Filme und Lichtbilder (ganze Programme), zwei Vorführungen täglich (eine mit Lichtbildern) und Erläuterungen umfaßt. Für die Filme werden Aufnahmen mit Farbenphotographie bevorzugt (darunter sind wohl kolorierte Filme zu verstehen). -- In ähnlicher Weise versorgt

2. _die Süddeutsche Lichtbilderzentrale München_ (siehe oben) die ihr angeschlossenen Vereine mit fertig zusammengestellten »Volksbildungsabenden«, die Lichtbilder, Filme, Vortrag, Gedichte, Lieder u. a. umfassen (Wanderkino). Die mir mitgeteilten Programme machen einen sehr ansprechenden und geschmackvollen Eindruck.

3. Bei weitem die meisten Filme dieser Art (schätzungsweise 500, nebst 101 fertigen Programmen), darunter eine große Menge erdkundliche und andere naturwissenschaftliche, hält die _Lichtbilderei_ GmbH., M._Gladbach_ (siehe oben), bereit, und ihr Verleihsystem ist wohl auch das beweglichste, das sich daher den Bedürfnissen von Schulen, Bildungsvereinen, Reformkinos usw. am meisten anpassen läßt. (Kataloge »Belehrende Filme für Schule und Volk« -- »Belehrende Programme für Volk und Schule«.) Da die Lichtbilderei auch eine Verleihanstalt für Kinos selbst hat (die natürlich nur, wenn auch mit Zugeständnissen an manche Vorurteile des Kinobesitzerdurchschnitts, sittlich einwandfreie und geschmacklich diskutable Programme liefert), so ist sie in der Lage, der Reformsache bedeutende Opfer zu bringen. Wer also für einzelne Vorträge und Veranstaltungen einigermaßen frei wählen will (im allgemeinen können natürlich auch hier nicht Filmteile, sondern nur ganze Filme abgegeben werden), der findet hier am ehesten, und zwar zu sehr billigen Bedingungen, was er braucht.

Die Lichtbilderei ist aber auch im Begriffe, die weitern in dieser Schrift geforderten Verbesserungen zu organisieren, indem sie aktuelle, vollständig ausgearbeitete Reformprogramme -- freilich nicht nur erdkundliche, sondern von jedem rechtmäßigen Gebiete der Kinematographie -- gebrauchsfertig mit allem Zubehör (Filme, Lichtbilder, Texte, Musik, ausführliche Vorführungsanweisungen usw.) _unmittelbar für den geschäftlichen Turnus in Kinotheatern bereitstellt_. Die Ausarbeitung dieser Programme liegt in meiner Hand (_Reformprogramme Häfker_). Damit ist der wesentliche Schritt zur Verpflanzung wirklicher Kinoreform in die Kinotheater getan, _wohin sie gehört_ -- denn alle Versuche außerhalb dieser Theater sind, abgesehen von der Unterrichtskinematographie, ja doch nur Anregungen und Versuche, die stets zu einer gewissen Unvollkommenheit verurteilt, mindestens auf die Dauer ohne große Opfer nicht durchführbar sind.

Bestrebungen, den Kinotheatern und namentlich den Schulen ganze Programme und einzelne Filme zugänglich zu machen, werden auch vom Rektor _Lemke_, Storckow (Mark) nicht ohne Sachkenntnis und praktischen Blick vertreten. Es würde mich zu weit über den Gegenstand dieser Schrift hinausführen, diese Bewegung eingehend zu besprechen; dies geschieht an anderer Stelle. Vorläufig ist auch hier sowohl dem Rektor _Lemke_ wie der Firma _Pathé Frères_ gegenüber (mit der er in engem Zusammenhange steht) _Vorsicht_ anzuraten, da die kinoreformerischen Zugeständnisse von dieser Seite mit viel Phrasen, abzulehnenden Geschäftsinteressen und -- besonders von Pathé Frères -- mit dem Bestreben verbunden sind, andere, ernster zu nehmende und gründlichere Kinoreformarbeit zu hintertreiben. So willkommen und erfreulich selbstverständlich gerade die Zugeständnisse leistungsfähiger Firmen an die Sache der Kinoreform sind, so unbedingt ist doch dem Laien zur Überlegung zu empfehlen, was mir kürzlich eine besonders der Förderung der wissenschaftlichen und Schulkinematographie dienende, ernstzunehmende Zeitschrift schrieb: »Es macht so den Anschein, als ob sich unter dem Titel wissenschaftlicher Film manches verbergen würde, was, unter der Lupe besehen, sich als etwas ganz anderes entpuppt. Leider ist es nun mal so, daß große Firmen nur einen redegewandten Reiseschriftsteller oder Reisevertreter zu harmlosen Schulmännern zu schicken brauchen, um alsbald mit einem an schönen Phrasen überreichen Empfehlungsschreiben dieser Herren tüchtig Reklame zu machen. Solche Fälle lassen sich mehrere aufzählen.« Das kann ich nur Wort für Wort bestätigen und füge hinzu, daß verantwortungsloser und launischer Kinoreformdilettantismus der Sache mehr geschadet hat als die gesamte Schundproduktion gewisser Firmen.

Firmen, die erdkundliche Filme im weitern Sinne des Wortes regelmäßig in die Welt senden, sind u. a. _Urban_ (London), _Eclipse_ (Paris), _Cines_ (Rom), _Raleigh & Robert_ (Paris), _Edison_ (Amerika), _Pathé Frères_ (Paris), _Eclair_ (Paris), _Gaumont_ (Paris), _Neue Photographische Gesellschaft_ (Berlin), _Meßters Projektion_ (Berlin), _Expreß-Films_ (Freiburg i. B.). Alle diese Firmen haben (außer Expreß?) ihre deutschen Vertretungen und Filialen in Berlin, zum Teil auch in andern deutschen Städten. Die meisten bringen etwa als ein Achtel ihrer Wochenproduktion »aktuelle« (d. h. nicht »gestellte«) Filme, darunter naturgemäß viele geographische. Besondere (englische und französische) Kataloge darüber -- die aber nicht dauernd maßgeblich sind -- bringen u. a. die Firmen _Urban_, _Eclipse_, _Radios_ gemeinsam heraus. Einen deutschen Auszug daraus erhält man von der Firma Eclipse (Berlin). Von den andern lasse man sich die regelmäßigen Prospekte schicken. Besondere Mitteilungen machten mir die folgenden Firmen:

1. _Expreß-Films-Co._, GmbH., _Freiburg i. B._ Redaktion und Verlag »Der Tag im Film«, erste und älteste internationale _tägliche_ kinematographische Berichterstattung. -- Diese Firma fertigt _nur_ Naturaufnahmen und »Aktualitäten« (wissenschaftliche Filme, Militär, Industrie, Sportbilder usw.) und hat besondere Expeditionen dazu teils ausgerüstet, teils ausgesandt. Abzüge von allen bisher erschienenen erdkundlichen Filmen werden an Händler (nur? -- warum?) unverbindlich für 80 Pf. für das Meter verkauft. Begleittexte usw. und Material dazu werden stets an Ort und Stelle gesammelt. Intelligente geeignete Leute werden in Kursen zu Aufnahmeoperateuren ausgebildet. Besonders wertvoll sind natürlich die Expeditionsbilder, von denen die Firma folgende Liste aufstellt:

_Expeditionsbilder_

Eine Reise quer durch Afrika.

Eine Reise durch Indien.

Eine Reise in die arktischen Regionen.

Die deutsche arktische Zeppelin-Luftschiff-Studienreise 1910 nach Spitzbergen unter Leitung Sr. Kgl. Hoheit Prinz Heinrich von Preußen und Sr. Exzellenz Graf v. Zeppelin.

Die Besteigung des Himalaja durch Se. Kgl. Hoheit den Herzog der Abruzzen, Welthöhenrekord 7493 m.

Die Molukken-Expedition der Herren Dr. Deninger und Dr. Tauern.

Die Expedition des Herrn Dr. Koch (Grünberg) nach dem Quellgebiet des Amazonenstromes.

Die schweizerische Grönland-Expedition des Herrn Dr. A. de Quervain.

Die deutsche Hilfsexpedition Lerner nach Spitzbergen zur Auffindung der Schröder-Strantz-Expedition.

Die offizielle Reise Sr. Kgl. Hoheit des Kronprinzen von Griechenland in die eroberten Gebiete.

»Mit der Kamera in der Schlachtfront«, Aufnahmen vom griechisch-bulgarischen Krieg, welche unsere Reporter auf Befehl Sr. Majestät des Königs von Griechenland aufgenommen haben usw. usw.

Auch sonst weisen die Listen eine Fülle geographischer Aufnahmen auf. Es ist hier wie überall zu berücksichtigen, daß die internationalen Firmen auch Aufnahmen untereinander austauschen oder sie gegenseitig für bestimmte Länder unter ihre geschäftlichen Fittiche nehmen.

Besonders interessant ist die Bemerkung der Firma: »_In Deutschland ist für belehrende Filme großer Rückschritt zu verzeichnen, in England und Amerika großer Fortschritt._«

Diese -- auch sonst bestätigte -- Bemerkung überrascht mich durchaus nicht. Die Ursachen sind zum Teil aus dieser meiner Schrift zu ersehen. Wir Deutschen unterscheiden uns von andern Völkern dadurch, daß wir, besonders wo »Wissenschaft« und »Bildung« in Betracht kommen, entweder gründlich mittun wollen oder gar nicht. Wenig Völker stehen auf solcher Höhe wissenschaftlicher, keines auf solcher Höhe pädagogischer und volkserzieherischer Gewissenhaftigkeit wie das deutsche; niemand kann sich nach Feinheit und Durchgeistigung der Lehrmethoden, niemand nach dem Stande _allgemeiner_ bewußter ästhetischer Volkskultur mit uns messen. Das führt gewiß einerseits auch gerade in Deutschland zu unliebsamen Erscheinungen: Pedanterie, Trockenheit, »Schulmeisterei«, beflissene Vielgeschäftigkeit, Übersehen des Wesentlichen und Hängenbleiben in Kleinigkeitskrämerei, weltfremder »Idealismus«. Gewiß, solche Nebenerscheinungen auch in der Kinoreform selbst haben viel dazu beigetragen, die Jugend und das Volk von »Reform«programmen eher abzuschrecken. Das Beiwort »belehrend« mußte durch solchen Zusammenhang einen unangenehmen Beigeschmack bekommen. Ebenso wie mit Worten wie »Bildung« und »Gebildete« bei uns viel Mißbrauch getrieben wird. (Es ist bezeichnend, daß andere Sprachen überhaupt keine Bezeichnung für diesen Begriff haben.) So kommt es wohl, daß die Massen anderswo -- zumal wo, wie in Frankreich, England, Amerika, ein frischerer internationaler Wind, mehr Odem vom Weltmeer, weht als leider immer noch bei uns, geographische, ethnographische usw. Bilder leichter und lieber aufgenommen werden. Man nimmt sie eben hin, wie sie sind, empfindet sie gar nicht als besonders »belehrend«, denkt sich nicht viel dabei und macht noch weniger Ansprüche. Wenn uns Deutschen das Spielzeug gefallen soll, so muß es solider und namentlich feiner ausgeführt sein. Das Bessere -- wovon wir infolge unserer verhältnismäßig hohen allgemeinen Volksbildung doch mindestens ein Gefühl in uns tragen -- ist hier der Feind auch des »Guten«. Das bloße Gaffen befriedigt uns nicht, wir wollen auch für den Geist was haben. In Deutschland wird die erdkundliche Geographie nicht eher durchdringen, als bis sie in dem Geiste, dem ich in dieser und meiner vorigen Schrift Ausdruck gegeben habe, durchgeführt ist. Filme allein, und wenn sie noch so gut sind, sind nur -- Rohstoff.

2. =Société des Etablissements _Gaumont_=, _Paris, Deutsche Gaumont-Gesellschaft m.b.H., Berlin_. Bringt jede Woche ein bis zwei erdkundliche Filme heraus. Ältere Aufnahmen können nur nach Katalog hergestellt werden. _Teile_ von Negativen werden nicht kopiert. Erdkundliche Aufnahmen wurden unter Mitwirkung von Gelehrten, Lehrern und Forschungsreisenden, solche für Schulzwecke unter Aufsicht eines Pädagogen gemacht. »Der sprechende Film Gaumont« ist meines Wissens nur eine neue Synchronvorrichtung, die für erdkundliche Aufnahmen nicht in Betracht kommt; doch wurde u. a. ein krähender Hahn damit gezeigt. Die Firma rühmt sich auch, »_eine komplette Lösung der Naturfarbenkinematographie_« gefunden zu haben. Die Erfindung, die Kinemacolor übertreffen soll, wird von der Presse sehr gelobt. Von Gaumont wurden u. a. die Südpolaufnahmen der Expeditionen Shackleton und Scott gemacht. »Wir hoffen, daß die Schulen endlich einsehen werden, welche materiellen Opfer die großen Filmfabriken im Interesse der Schulkinematographie bringen.« Es liegt im Interesse dieser Filmfabriken, daß sie der Organisation einer Filmmesse usw., wie ich sie vorgeschlagen habe, ebenso wie andern Bestrebungen zur _Verwirklichung_ von Reformbestrebungen nicht wie bisher Gleichgültigkeit entgegenbringen oder gar Schwierigkeiten machen. Nur wenn Naturfilme in einem Zustande, der allen Ansprüchen entspricht, in den Verkehr kommen, wird ihre Herstellung für die Fabriken nicht mehr ein _Opfer_ sein.

3. Die Firma _Meßters Projektion_ GmbH., _Berlin_ S 61, erzeugt etwa 20 v. H. erdkundliche Aufnahmen, darunter solche von Prof. C. H. Schillings (Berlin), Prof. Dr. Neuhaus, Prof. Dr. Bockenheimer, Sr. Hoheit Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg, Marinemaler Rave (Schröder-Strantz-Expedition). Hat auch Aufnahmen eigens für Schulzwecke gemacht. Auf Begleittexte, Material dazu usw. hat die Firma keinen Wert gelegt. Baut auch besondere Apparate für Schule und Liebhaberzwecke, für Expeditionen (leichtes Gewicht usw.); u. a. einen Apparat, mittels dessen auf einen Film oder Reihen Bilder nebeneinander genommen werden können. »Wir halten die Bestrebung, naturwissenschaftliche Filme zu machen, durch den Mangel an Käufern für solche Bilder für nicht rentabel.«

4. Die _Neue Photographische Gesellschaft_ A.-G., _Berlin-Steglitz_, deutsche Vertretung für wissenschaftliche Filme: _Gesellschaft für wissenschaftliche Filme und Diapositive_ GmbH., _Berlin, Wilhelmstr. 1a_, bringt außer andern naturwissenschaftlichen Filmen auch erdkundliche (allgemeine und astronomische Geographie, Aufnahmen von Meeresstürmen in der biologischen Anstalt in Helgoland unter Leitung von Prof. Dr. Berndt, aus der Folge »Aus dem Leben des Meeres«). Unter den Aufnehmenden Herr G. N. Mendel, der sich viel mit naturwissenschaftlichen Studien beschäftigt hat. »Wir halten es für angebracht, daß die Schule sich mit den Kinobesitzern in Verbindung setzt derart, daß die Kinobesitzer wöchentlich oder zweimal wöchentlich wissenschaftliche Kinovorstellungen unter Leitung der Schule zu billigern Preisen abgeben.«

Aus sonst eingelaufenen Antworten auf unsere Fragebogen ist -- abgesehen von Verneinungen sämtlicher Fragen und Antwortablehnungen -- hervorzuheben: eine »Klasse für sich« sind Institute wie die »_Urania_« sowie die »_Treptower Sternwarte_« in Berlin, die auch die Kinematographie in den Dienst ihrer volksbildenden Tätigkeit gestellt haben. Die »Treptower Sternwarte« (Dir. Archenhold) berichtet, trotzdem die Programme nur »belehrend« sind, daß die Vorträge, namentlich auch die Sondervorstellungen vor Vereinen, großen Beifall finden.