Kammweg-Führer von der Jeschkenkoppe bei Reichenberg bis zum Rosenberg bei Tetschen mit Berücksichtigung der anschliessenden Kammwege

Part 9

Chapter 93,206 wordsPublic domain

Wir folgen der Kaiserstraße nach l. und haben nach 5 Min. auf einer Waldlichtung l. der Straße das =Forsthaus Kreuzbuche=, zugleich »Gasthaus zur Kreuzbuche«, vor uns auf der Sattelhöhe (535 _m_) zwischen dem kl. und gr. Ahrenberge. Der Name der Örtlichkeit hängt mit dem Gefechte zusammen, welches am 19. Juli 1757 die Preußen auf ihrem Rückzuge gegen österreichische Truppen daselbst zu bestehen hatten. Die damals Gefallenen wurden an der alten Straße in der Nähe des jetzigen Forsthauses, das aber erst später gelegentlich der Anlage der heutigen Straße erbaut wurde, beerdigt; man brachte daselbst an einer Buche ein Bildnis des Gekreuzigten an und nannte die Lichtung im Walde mit den Soldatengräbern »bei der Kreuzbuche«; so heißt sie noch heute, wenn auch das Kreuz nicht mehr an einer Buche, sondern gegenüber dem Forsthause an der r. Seite der Straße, wo beschattete Bänke und Tische zum Ausruhen einladen, an einem Lärchenbaume hängt. Die Örtlichkeit ist aber nicht bloß kriegsgeschichtlich, sondern auch volksgeschichtlich von Interesse; hier zog sich gegen den Schöber und weiterhin in der Richtung des Kammweges zum Jeschken der uralte Markwald, die Grenzscheide zwischen den Wenden oder Sorben und den Tschechen, und heute noch gilt diese Richtungslinie als Grenze des sogenannten Niederlandes, des nördlichsten Böhmens. Die Einschicht »Kreuzbuche« gehört zu dem 30 Min. s. entfernten Dorfe +Hillemühl+ (+Bahnstation+) im Kamnitzbachtale, wohin eine Waldstraße längs des Wiesenwassers von der Kaiserstraße kurz vor dem Forsthause l. abzweigt.

Auf halbem Wege dahin führt l. 50 Schritte seitab ein Weg zu dem vom Lokalklub Hillemühl des Nordb. Exkursions-Klubs erschlossenen =Wasserfall= mitten in prächtiger Waldung. Er wird vom Wiesenwasser gebildet, das unter der Kreuzbuche entspringt und auch Fallwasser heißt, weil es wenigstens zehnmal gezwungen ist, ganz beträchtliche Sprünge über hohe Felsen zu machen. Der Hauptfall ist ungefähr 10 _m_ hoch und setzt sich unterhalb noch ebenso weit in Abstufungen fort; er verdient deshalb hohe Beachtung, weil er nicht bloß so ziemlich der einzige in dieser Gegend ist, sondern auch mit manchem vielgenannten in den deutschen Mittelgebirgen den Vergleich aushalten kann. -- Der gr. =Ahrenberg= (Ahornberg), an dessen Westabhange der Wasserfall sich befindet, ist eine 705 _m_ hohe, bewaldete Basaltkuppe, die man von der Kreuzbuche aus in 35 Min. besteigen kann. Wenn auch an absoluter Höhe dem Kaltenberge um 26 _m_ nachstehend, ist der gr. Ahrenberg nach räumlicher Ausdehnung und nach seiner zentralen Lage als der König des Kreibitzer Berglandes anzusehen. Die +Aussicht+ beschränkt sich nur auf N. und O., vom Rande des Steilabfalles aus, der den Berg in die Ferne hin wie abgehackt erscheinen läßt, ist aber immerhin lohnenswert. W.: Kaltenberg. NW.: Buchhübel; zwischen beiden die Kuppen der sächsischen Schweiz, ganz hinten der Borsberg bei Pillnitz (in der Einsenkung zwischen gr. und kl. Winterberg); l. vom Buchhübel der Tanzplanberg (Turm), r. der Irig. N.: Kreibitz hinter den beiden Himpelbergen, r. davon Kleinsemmering, weiter die Kirche von Schönborn und dahinter der betürmte Kottmar. NO.: Der gr. Eibenberg, dah. Schöber, Tannenberg, Ruine Tollenstein, Warnsdorfer Spitzberg; r. vom Tannenberge die Lausche hinter dem Friedrichsberge. O.: Hochwald (Turm) hinter dem Hackelsberge, r. davon die Jeschkenkoppe. SO.: Über Falkenau der Kleis, r. davon die beiden Bösige. Am n. Fuße des gr. Ahrenberges, in dem dort anstehenden Sandsteine, findet sich ein verbrochener Stollen, die sog. »Silbergrube«, in der man wahrscheinlich nach Eisenerzen gesucht hat.

Der Kammweg folgt, am Fuße des +kl. Ahrenberges+ hin, während die dunklen Kuppen des Schindelhengst- und gr. Ahrenberges l. verschwinden, der nach B. Kamnitz weiter führenden Waldstraße noch 6 Min. und biegt dann r. ab auf einen steinigen Fahrweg, der zwischen hohem Mischwald zumeist eben verläuft. Durch das goldgrüne Laubdach der Buchen irren einzelne Sonnenstrahlen nieder auf den feuchten Boden und werden vom lichthungrigen Völkchen der mannigfaltigsten +Kräuter+ begierig aufgesogen, die hier auf der Verwitterungserde des Basaltes mit besonderer Vorliebe gedeihen und die Gastfreundschaft mit einer Fülle kleiner Reize entgelten: Christophskraut (~Actaea spicata L.~), Bingelkraut (~Mercurialis perennis L.~), Zahnwurz (~Dentaria bulbifera L.~ und ~Dentaria enneaphylla L.~), weiße Pestwurz (~Petasites albus Gärtn.~), Süße Wolfsmilch (~Euphorbia dulcis L.~), Quirlblättrige Weißwurz (~Polygonatum verticillatum All.~), Einblütiges Perlgras (~Melica uniflora Retz.~), Sauerklee (~Oxalis acetosella L.~) u. s. w., vor allem aber Freund Waldmeister (~Asperula odorata L.~).

Mittlerweile haben wir den südl. Fuß des +Auberges+ (688 _m_) umgangen und werden seiner nach 13 Min., nach Überschreiten zweier Wasseradern, die dem Wiesenbache zufließen, r. ganz nahe über einer Wiese ansichtig. Noch 1 Min. und auch l. wird der +Ausblick+ frei auf den schroff aufsteigenden Goldberg, l. an ihm vorüber auf die vor dem Forstberge sich weit hindehnende Stadt Steinschönau. Am Südabhange des Auberges zwischen Wiesen weiterschreitend, treten nach und nach l. von Steinschönau andere Kuppen ins Gesichtsfeld: vorn der schroffe Mittenberg bei Preschkau, dahinter der Steinschönauer Berg, noch weiter der Sonnebergrücken; dann l. vom Mittenberg vorn der Schäferberg, dahinter der Bildstein, an den sich nach l. der Blottendorfer Kamm, das Breitfeld und der gr. Buchberg anschließen; zwischen den letzteren beiden zeigt sich hinter den Häusern von Falkenau-Kittlitz die Spitze des Kleis; der gr. Ahrenberg schließt am weitesten l. das Bild ab.

Nach 5 Min. kommt r. am Auberge vorüber der Kaltenberg zum Vorschein, vor uns der Himmertschberg, zwischen beiden hinten der prächtige Rosenberg.

Hier zweigt l. ein Fahrweg in 10 Min. zum =Goldberge= (654 _m_) ab, dessen Besuch jedem klettergeübten Wanderer anzuraten ist. Der Gipfel wird von einem durch zwei Scharten unterbrochenen, ziemlich scharfen Grat gebildet; nach Süd fällt der durch eine starke Polarität sich auszeichnende Fels senkrecht zu mächtigen Schutthalden ab; die Westseite zeigt schöne Absonderungsrisse des basaltischen Gesteins; ein Bruch auf der uns zugekehrten Nordostseite zeigt vorzüglich abgesonderte, gleich stark in einer Länge von mindestens 20 _m_ verlaufende Basaltsäulen. Der höchste Punkt ist besetzt mit einem Strauch der Alpen-Johannisbeere (~Ribes alpinum L.~); nach Südost verdecken Buchen die Aussicht; die anderen Richtungen gewähren höchst malerische Ausblicke.

Zwischen Wiesen, auf denen Wohlverleih (~Arnica montana L.~) in kräftigen Exemplaren wächst, eben weiter wandernd, sind wir nach 3 Min. beim ersten Hause von +Hasel+; unter uns zieht sich l. das Dorf, darüber zeigt sich l. vom Himmertschberge der Huttenberg, noch weiter l. der Lotterberg und hinter ihm die Doberner Höhe mit Parlosa. Am Auberg-Walde (r.) entlang, an den die Häuser grenzen, wenden wir uns l. auf die Dorfstraße, die wir in 3 Min. erreichen, unmittelbar bei Franz Büchse's Gasthause »zum Kaltenberg«, wo man ganz gut aufgehoben ist. =Dorf Hasel=, das sich eines sehr hohen Alters rühmen kann, zieht sich mit seinen 150 Häusern zu beiden Seiten des Haselbaches, der oberhalb des Dorfes am Kaltenberge entspringt, lang hingestreckt in steiler Talschlucht sö. abwärts von 550 _m_ bis 400 _m_ Seehöhe gegen das Kamnitztal und eignet sich vermöge seiner echt alpinen, zwischen Waldbergen geschützten Lage vorzüglich zum Sommeraufenthalte, wozu in 3 Gast- und 6 Privathäusern Wohnungen verfügbar sind zum Wochenpreise von 4 ~K~ aufwärts für eine Person. Es besteht hier eine Abteilung des Gebirgsvereines für die böhmische Schweiz nebst Studentenherberge, eine Zwirnfabrik, mehrere Bleichen, ferner ein schönes Schulhaus, zu dessen Bau der als eines Bauern Sohn in Hasel 1810 geborene und in B. Kamnitz am 28. Aug. 1889 verstorbene Fabriks- und Herrschaftsbesitzer Franz Preidl Edler v. Hassenbrunn 20000 ~K~ beitrug.

Bei Hasel wurde am 19. Juli 1757, nach der Schlacht bei Kolin, ein Teil der auf dem Rückzug von Leipa über B. Kamnitz und Kreibitz nach Zittau befindlichen preußischen Armee, gegen 45000 Mann unter den Generälen v. Schmettau, Winterfeld, v. Seydlitz und dem Prinzen von Bayern, von österreichischen Kroaten und Hußaren unter General Beck, welche die Waldungen am Kaltenberg zur Sicherung der Paßstraße B. Kamnitz-Hasel-Kreibitz, sowie der Straße nach Niederkreibitz, welche über Kunersdorf den Westfuß des Berges umzieht, besetzt hielten, überfallen, und mußte nach langem, den ganzen Tag währendem, blutigem Gefechte einen großen Teil seiner Bagage- und Munitionswägen, sowie die mitgeführten Pontons im Stiche lassen. Der heftigste Kampf fand in der sog. »Dreh« zwischen Hasel und Kunersdorf, dann beim »grünen Kreuz« nächst Unterhasel, auf den Hasler »Felgen«, am Breitenberge, im blauen Meere, auf dem Klötzerplane, bei der Judenbrücke, in den Tschakert'schen Gräbern bei Kaltenbach und an noch andern Stellen, die von daher ihren Namen führen (Kriegerwiese, Preußenhau), statt. Beim Streurechen und Holzmachen fand man bis in die neueste Zeit Kugeln, Rüstzeug und Waffen, die zum Teil noch von Hasler Insassen verwahrt werden.

Noch eine kurze Wegstrecke und wir betreten den freien, mit Äckern und Wiesen bedeckten Sattel oberhalb des Dorfes; r. schaut der Auberg auf uns herab, l. erhebt sich noch beiläufig 150 _m_ hoch der Kaltenberg; vom S. her grüßt aus dem Kamnitztale der steile, ruinengekrönte Schloßberg, dahinter erblicken wir die Steinschönauer Hochfläche, weiterhin den Geltsch und Berge des Mittelgebirges. Zur Spitze des =Kaltenberges= leitet eine originelle, von der Gebirgsvereinssektion Hasel 1887 bis 1890 geschaffene Weganlage, S-förmig, gepflastert, 2 _m_ breit, deren Unbequemlichkeit, die besonders beim Abwärtsgehen trotz des an der steilsten Stelle angebrachten Geländers große Vorsicht erheischt, durch den prächtigen Laubwald ausgeglichen wird. Jedem Naturfreund, zumal dem Botaniker, muß das Herz aufgehen angesichts der Üppigkeit und Mannigfaltigkeit des +Pflanzengewühls+, womit der Boden des herrlichen Bergwaldes geziert ist. Abgesehen von verschiedenen seltenen Pflanzen, wie ~Cineraria sudetica Koch~ (Sudeten-Aschenkraut), ~Poa sudetica Haenke~ (Riesengebirgs-Rispengras), ~Veronica montana L.~ (Berg-Ehrenpreis), ~Arum maculatum L.~ (Geflecktblättrige Zehrwurz), ~Lunaria rediviva L.~ (Mondviole), ~Circaea alpina L.~ (Alpen-Hexenkraut), ~Ribes alpinum L.~ (Alpen-Johannisbeere), ~Lilium martagon L.~ (Türkenbund), ~Lycopodium annotinum L.~ (Sprossender Bärlapp) u. a., erscheinen viele bekannte Pflanzen, Vergißmeinnicht, Anemonen, Lungenkraut, Primel und Sauerklee in ganz auffälliger Größe und Farbenpracht. Unter dem Gestein finden sich zierliche Schnecken (~Helix personata Lk.~, ~Clausilia laciniata~). Ohne große Anstrengung ist die Spitze des Berges in 25 Min. von der Hochmatte ab erreicht. Seine aus olivinreichem Basalt bestehende Kuppe bildet den Endpunkt und zugleich die höchste Erhebung (731 _m_) im Kreibitzer Gebirge, wie der westliche Flügel der zentralen Gruppe des Nordböhmischen Sandsteingebirges gewöhnlich genannt wird. Seiner hervorragenden Lage wegen diente der Berg, im Volksmunde »Kalenberg« geheißen, bei der einstigen Triangulierung Böhmens als Dreieckspunkt, wie ein noch vorhandener Stein mit der Inschrift: »~Monumentum astronomico-geometricum~« beweist. Auch zum Nummerngucken diente er. Im J. 1854 ließ der Grundherr Fürst Ferd. Kinsky auf dem Gipfel, damals nach ihm »Fürst Ferdinand-Stein« benannt, einen hölzernen Aussichtsturm und eine fliegende Schankwirtschaft daneben errichten und einen Weg von Kaltenbach, bzw. von Dittersbach her, der nahe dem Gipfel in den Kammweg einmündet und um 1890 von der Gebirgsvereinssektion Kaltenbach um- und ausgebaut wurde, anlegen. Im J. 1865 mußte der baufällige Turm wieder abgetragen werden; es war dies, abgesehen von dem 1825 errichteten Josefsturm auf dem Schöninger im Böhmerwalde, der erste Aussichtsturm in Böhmen. Am 15. Juli 1888 wurde dann neuerdings ein +Aussichtsturm+ (Eintritt 20 ~h~) der öffentlichen Benützung übergeben, den der Gebirgsverein für die böhmische Schweiz um den Kostenbetrag von mehr als 6000 ~K~ aufstellen ließ. Er stellt ein pyramidenförmiges Eisengerüst dar, ruht auf 80 _cm_ hohem Steinsockel, hat eine Höhe von 16·3 _m_ und ist über eine Wendeltreppe in 7 Windungen mit 92 Stufen ersteiglich; die Plattform faßt 25 Personen. Neben dem Turme wurde durch den Fürsten Ferdinand Kinsky ein schönes Blockhaus für +Gastwirtschaft+ und Fremdenbeherbergung mit einem Kostenaufwande von mehr als 4000 ~K~ errichtet und am 14. Mai 1893 eröffnet. Einer der im Freien stehenden, aus einem einzigen Baumdurchschnitte bestehenden Tische läßt auf die Mächtigkeit der hier gedeihenden Riesenbäume, von denen schon mancher berühmt geworden ist, schließen. Prächtig schmeckt ein Trunk kühlen Kamnitzer Bieres im Schatten des rauschenden Bergwaldes, an den sich so manche +Sage+ knüpft: vom Bier aus einer angebohrten Buche, mit dem ein reisender Handwerksbursche die Holzarbeiter labte; von dem Holzhauer, der im Walde immer trockenes Brod aß und sich dann aus seiner Axt, die er in einen Stock schlug, Milch in einen darunter stehenden Topf laufen ließ; von dem Nachtjäger, der einem gewissen Prauschke erschien und ins Gesicht pfauchte, als sich dieser ein »Stiefkind« -- den schwächeren von zwei Stämmen, die auf einem Stocke gewachsen sind -- holen wollte; vom Salzborn, wo sich die Hasler ihren Salzbedarf geholt haben sollen, bis sich die Obrigkeit ins Mittel legte, u. a. m.

Die +Aussicht+ vom Turme, auf welchem 1895 von der Sektion Hasel ein Panorama angebracht wurde, ist eine vielgerühmte; sie wetteifert mit der vom Hochwald, Lausche und Tannenberg. Während gegen O. und NW. große Waldgebiete sich ausbreiten, blickt man gegen N. und S. über zahlreiche zusammenhängende Ortschaften in schier unbegrenzte Weiten. Aus dem prächtigen Waldmeere der näheren und weiteren Umgebung erheben sich Dutzende von Bergen, in mehrfachen Reihen hinter einander malerisch gruppiert, jeder in seiner Form eigenartig, die meisten bewaldet, viele als kahle dunkle Felsen und Zacken hineingereckt in den blauen Himmel.

N.: Über Niederkreibitz zeigt sich l. vom Irig hinter der Daubitzer Kirche die betürmte Wolfsbergspitze und l. hinter ihr der Zeidler Plissenberg, Pirsken und Botzen hinter einander; über den Irig hinaus der Czornebog. An Niederkreibitz r. anschließend Stadt Kreibitz, dahinter Teichstatt mit dem Bernsdorfer Teiche und darüber hinaus der betürmte Kottmar, hinter welchem r. die Landeskrone den Horizont besäumt. NO.: Vorn die beiden Himpelberge, dahinter Oberkreibitz vor dem Plissenberge, r. hinter diesem die Schönborner Höhe mit der Lichtenberger Windmühle, noch weiter zurück die Burgsbergwarte bei Warnsdorf, der Warnsdorfer und Oderwitzer Spitzberg; r. hinter dem schwarzen Himpelberge der betürmte Tannenberg über dem kl. Schöber. O.: Vorn der kl. Ahrenberg, l. dahinter der Schindelhengst, l. hinter diesem der kl. und gr. Eibenberg, über letzterem die Finkenkoppe und ober dieser der Gipfel der Lausche mit der Bergwirtschaft; r. am kl. Ahrenberge der Auberg, zwischen beiden hindurch der gr. Ahrenberg, l. hinter diesem der Hackelsberg und hinter diesem, über dem Sattel von Antonienhöhe der betürmte Hochwald; draußen im Hintergrunde l. das Isergebirge mit der Tafelfichte, r. Höhen des Riesengebirges (Kesselkoppe, hohes Rad), davor die Jeschkenkoppe. SO.: Vorn der Goldberg, zwischen ihm und dem Auberge das Hillemühltal, darüber die Falkenauer Berge mit dem spitzen Kleis vor dem Roll, und den Bösigen, zwischen welchen beiden im Hintergrunde die zweizackige Trosky-Ruine erscheint; gerade über dem Goldberge, im Sattel von Parchen, der betürmte Spitzberg bei Leipa; r. vom Goldberge der Mittenberg bei Preschkau und der Steinschönauer Berg, r. hinter diesem Steinschönau und in derselben Richtung Ruine Altperstein hinter dem Maschwitzer Berge. S.: Der Koselrücken, dahinter der Wilsch und r. an ihm in weiter Ferne der Prager Laurenzibergturm; r. vom Wilsch der ruinengekrönte Ronberg hinter dem Kamnitzer Schloßberge. SW.: der Geltsch (Richtung Nolde-B. Kamnitz-Sattelberg), Hasenburg bei Lobositz, Zinkenstein, Lobosch (hinter dem Ziegenrücken bei Bensen), hohe Wostrai und die Höhen bei Nemschen (jenseits der Hortauer Höhen), im Hintergrunde der Donnersberg, näher die Doberner Höhe mit Parlosa (über dem Rabsteiner Stationsgebäude jenseits des Himmertschberges) und die betürmte Kolmer Scheibe, im Vordergrunde der Ottenberg, hinter ihm draußen die Wand des Erzgebirges bis zum Schönwalder Spitzberg, der hinter dem vorliegenden Schneeberge (Turm) noch sichtbar ist. Diesem ist im W. vorgeschoben der betürmte Rosenberg; hinter diesem zeigen sich die Höhen von Gottleuba, näher und hinter einander gestellt Zirkelstein, Kuppelberge, Pabststein und Königstein, sodann Kaiserkrone und Lilienstein, anschließend der gr. Winterberg (Turm). NW.: Zu Füßen Dorf Kaltenbach, darüber Rennersdorf mit dem Kreuzberge, dahinter der Dittersbacher Felsenkessel; hinter der Kirche von Dittersbach der Rauschenberg, das Prebischtor und noch weiter das alte Schloß Stolpen r. vom Waizdorfer und Gickelsberge jenseits Schandau, weiter r. der betürmte Unger, Tanzplan (Turm), Valtenberg (Turm), Botzen, Zeidler Plissenberg und Pirsken.

Höchst lehrreich ist die Rundsicht für den Gesteinskundigen. Nach N., O. und S. überlagern den Sandstein mächtige Decken aus Basalt und Klingstein mit zahlreich aufsitzenden Domen, Kuppen und Hörnern. Sie schützen den leicht zerstörbaren Sandstein vor dem Einflusse der Erosionskräfte und bewahren ihn vor der Abtragung, so daß er nur an den Talseiten angeschnitten werden konnte und diese mit den charakteristischen Wollsackformen ziert. Im W. fehlte das vulkanische Riesenkonservierungsmittel, und der Quader mußte bis auf den Rest, der gegenwärtig die böhmisch-sächsische Schweiz bildet, der Erosion und Denutation anheimfallen.

So lehrreich aber in der Regel Rundsichten für die topographischen Verhältnisse sind, so selten geben sie eine derartige ästhetische Befriedigung, wie vereinzelte malerische Ausblicke. Wer letztere am Kaltenberge sucht, muß sich beim Abstiege nach einigen Schritten r. dem oberen Rande der vom Wege aus sichtbaren Brockhalde zuwenden. Von hier aus, wie von verschiedenen anderen Punkten der riesigen Schutthalden am Südhang des Berges findet der Wanderer herrliche Ausblicke, zu denen das wirre Steinmeer mit uralten, zerzausten Wettertannen einen recht wirksamen Vordergrund bildet.

Wer hier die Kammtour unterbrechen will, hat die Wahl zwischen den +Bahnstationen Hillemühl+ (1¼ Std.) und +B. Kamnitz+ (1¾ Std.). In letzterer Stadt, die des Sehenswerten viel bietet, befindet sich eine Sektion des Gebirgsvereines für die böhmische Schweiz nebst Studentenherberge.

Kaltenberg-Rosenberg (5 Std.).

Der Abstieg vom Kaltenberge geschieht auf demselben Wege wie der Aufstieg, bis zum Gasthause »zum Kaltenberg« in +Oberhasel+ (20 Min.).

Wer hier die Kammwanderung unterbrechen und zur +Bahnstation B. Kamnitz+ (1¼ Std.) will, der geht auf der Straße durchs Dorf hinab. In 20 Min. ist er wieder auf der Kaiserstraße, die l. von der Kreuzbuche herkommt und über Oberkreibitz nach B. Kamnitz abwärts führt.

Wir aber wandern vom genannten Gasthause ab, wo neben einer kleineren Linde, die das Kammzeichen trägt, eine prächtige Doppellinde steht, auf einem ziemlich steinigen Wege längs eines lebenden Zaunes niederwärts. Vor uns genau im Süden haben wir den Goldberg, knapp r. neben ihm den kahlen Kegel des Silberberges, r. von diesem den Kamnitzer Schloßberg, hinter welchem l. die Scheibenwarte bei Meistersdorf zuhöchst aufragt; r. vor dem Schloßberge ist der Noldenfelsen, dahinter der Sattelberg bei Henne und noch weiter der Freudenberg mit der Bockner Höhe.

Nach 4 Min. kommen wir am »Gasthaus zu Oberhasel« (r.) vorüber und nach weiteren 2 Min. beim letzten Hause von +Oberhasel+. Hier haben wir einen schönen Blick l. über das lang sich hinziehende Unterdorf am Silberberge vorüber auf den Kamnitzer Schloßberg, der sich hinten gegen den Forst und den Sonnebergrücken abhebt.

Wir wandern nun r. zwischen Feldern eben fort; der Waldrand des Kaltenberges bleibt zurück. Vor uns haben wir den wie abgehackt aussehenden Himmertschberg und links von ihm den Lotterberg, hinter uns den Mittenberg und Steinschönauer Berg vor dem Bildstein. Nach 4 Min. kommen wir zu einem +Holzkreuz+ zwischen zwei Linden; gleich hinter demselben steht ein Pfahl mit dem Kammzeichen. Der Weg geht aber nicht geradeaus weiter, wie man vermuten könnte, sondern wendet sich l. auf zwei kleine, in dem freien Gelände gut sichtbare Lindenbäumchen zu, zwischen denen ein Pfahl mit einem +Marienbilde+ und dem Kammzeichen steht. Gleich nachher folgt ein gepflasterter, aber beraster Weg und es öffnet sich ein +Gründel+, in das ein fast unbetretener Pfad hinabführt. Das Gründel ist von kräftigen Buchen gesäumt; schon am ersten Baume hängt das Kammzeichen. Wir halten uns zur Seite der Buchen. Hinter dem Gründel kreuzen sich mehrere Fahrwege. Wir halten uns rechts und geradeaus weiter aufwärts auf den Pfahl zu, der oben auf der +Sattelhöhe+ zwischen Himmertschberg (l.) und Kaltenberg (r.) steht und das Kammzeichen trägt (10 Min.). Hier ist die Wasserscheide zwischen dem Kamnitz- und Kreibitzbache, bezw. zwischen einem Zuflusse des Hasler Baches und einem Bächlein, das n. durch das Limpacher Loch, an das sich, nebenbei bemerkt, viele Sagen vom Limbauer knüpfen, in den Kaltenbach fließt.

Wir wandern an der nördl. Lehne des 539 _m_ hohen, basaltischen +Himmertschberges+ weiter, unter Rückblicken auf den Fischberg, unter welchem Namen die beiden Kuppen des Gold- und Silberberges bei Hasel zusammengefaßt zu werden pflegen. Wo sich der Weg etwas mehr hebt, gewinnt man auch einen Ausblick l. am Kaltenberge vorüber auf die Dittersbacher Felsen. Uns zur Seite r. zieht sich ein tiefer und breiter, mit Laubhölzern bewachsener +Grund+, der alsbald hinter dem Zeichenpfahl beginnt, anfänglich durch Äcker von unserem Wege geschieden ist, später aber denselben innerhalb seines bebuschten Saumes aufnimmt. Nach 12 Min. wendet sich der Weg vom Grunde l. ab und etwas lehnan auf freies Ackerland.