Part 8
Süd: Mittelberg und gr. Eibenberg vor dem Hackelsberge, dazwischen ein Teil des Kirchdorfes Falkenau mit dem Buchberge; zwischen diesem und dem Breitfelde (r.) die Spitze des Langenauer Berges; über dem Breitfelde der Wilsch; hinter dem Blottendorfer und dem mit ihm zusammenhängenden Sonneberger Rücken liegt quer der Koselrücken, dem die Ruine des dahinterliegenden Ronberges in der Mitte aufzusitzen scheint, überwölbt von der kapellengekrönten Glocke des Georgsberges im Hintergrunde; weiter r. Steinschönau hinter dem gleichnamigen Berge; dahinter der Hofberg bei Sandau, r. davon hinten der Geltsch jenseits der Rabensteiner und Hundorfer Höhe, und hinter ihm die doppeltürmige Hasenburg bei Lobositz. Südwest: Vorn der kl. Schöber, dahinter der schwarze Himpelberg, links davon der Schindlhengst zwischen kl. (r.) und gr. Ahrenberg; r. über letzteren hinaus der Donnersberg weit draußen; r. hinter dem kl. Schöber der betürmte Kaltenberg, l. davon der Borschen bei Bilin als Abschluß einer Talsenkung, die von kulissenförmig hinter einander geschobenen Höhenzügen gebildet wird (l. Bockner Höhe, Kronhübel, Reichner Höhe, Zinkensteinrücken, Nemschner Hochebene und hohe Wostrai, r. Parlosa, Tannbusch bei Wöhlen, Hortau, Siebenberge, Padloschin); r. vom Kaltenberge der Rosenberg (Turm), zwischen beiden der betürmte Schneeberg vor der Erzgebirgswand. West: Das Kreibitztal mit Oberkreibitz, Schönfeld (l. davon), Stadt Kreibitz (teilweise vom Plissenberge verdeckt), Niederkreibitz, Rennersdorf mit dem Kreuzberge, hinten der gr. Zschirnstein; r. von Rennersdorf die Dittersbacher Felsen, die Prebischwände, die beiden Winterberge mit dem Lilienstein und Höhen von Dresden (Windberg), dazwischen und mit dem Königstein hinter Pabst- und Pfaffenstein zur Linken. Nordwest: Kleinsemmering mit dem Bahnhofe Schönfeld zwischen Plissen- und Fladenberg; dahinter l. der Irig und die Hochbuschkuppe (Turm) hinter einander, r. Unger (Turm), Schweizerkrone und Tanzplan (Turm); vor diesem im Mittelgrunde das Steingeschütte hinter Teichstatt; r. davon in nördl. Richtung die Stadt Schönlinde hinter dem Spiegel des Bernsdorfer Teiches, l. anschließend Falkenhain und Neuforstwalde, dahinter der betürmte Valtenberg jenseits Schnauhübel (Kirche) und des Zeidler Plissenberges, r. die Wolfsbergspitze (Turm), der Pirsken und Botzen hinter einander. Nordost: Vorn Tannendorf, darüber der Kreuzberg, l. von ihm die Kirche von Grund, r. die von Sankt Georgental; dann folgen hinter einander die Kirchdörfer Seifhennersdorf und Eibau, der Kottmar (Turm) mit dem Löbauer Berge l. und dem Rotsteine r., endlich die Jauernicker Berge. Links vom Kreuzberge die zusammenhängenden Ortschaften Sofienhain, Obergrund, Lichtenstein und Lichtenberg mit dem Lichtenberger Teiche, darüber Schönborn (Kirche), weiter Rumburg, dann Georgswalde, Philippsdorf und Gersdorf, l. von Rumburg der Rauchberg (Turm), l. von diesem die Spitze der Altehrenberger Kirche, dahinter der Jüttelsberg und weiter der Mönchswald bei Bautzen; zwischen diesem und dem Löbauer Berge (Turm) spannt sich eine Bergkette mit dem betürmten Czornebog (hinter dem Lichtenberger Teiche) und Bilebog. R. von Georgental im Lausebachtale Niedergrund, dann Warnsdorf, Großschönau, Hainewalde; l. über Warnsdorf der Burgsberg (Warte), dann hinter einander der Warnsdorfer Spitzberg, der Oderwitzer Spitzberg, der Hutberg bei Herrnhut, die Königshainer Berge und die Landeskrone; knapp am Lauschekamme l. der Breiteberg bei Großschönau, dann Hörnitz bei Zittau. Ost: Vorn Dorf und Ruine Tollenstein, l. dahinter Innozenzendorf vor dem Ziegenrücken; r. von diesem die Finkenkoppe, zwischendurch die Lausche, weiter der Sonnen- und Jonsberg, endlich im Hintergrunde l. das Isergebirge mit der Tafelfichte, r. das Riesengebirge mit der Schneekoppe; von der Finkenkoppe r. die Jeschkenkoppe. Südost: Im Schöbersattel Dürreberg und Mergtaler Limberg hinter einander, weiter der Silberstein, hinten die zweispitzige Ruine Trosky vor dem Kosakow und den Lomnitzer Bergen. Rechts vom Schöber der Friedrichsberg, dann der Tolzberg, dazwischen der Dewin mit dem Hammerspitz, draußen der Wiskersch mit Kapelle und der Musky bei Münchengrätz; r. vom Tolzberge hinter einander der Glaserter, der Grüner Berg und der Roll; r. von diesem die beiden Buchberge bei Hühnerwasser, davor der Laufberg. Hinter der Station Tannenberg zu Füßen, neben der die Tannteiche heraufglitzern, ist der gr. Buchberg, an ihm r. der ruinengekrönte Bösig; r. davon bis zum Kleis der Wratner Berg (Turm) und die Hauskaer Berge, davor der Tachner Berg hinter dem Kummergebirge, näher das Schwoikaer Gebirge, ganz vorn der Hamrichberg; r. vom Kleis das Daubaer Gebirge, davor der Maschwitzer Berg und vor diesem Ruine Habichtstein.
Wer hier die Kammtour abbrechen will, hat die Wahl zwischen den +Bahnstationen Tannenberg+ und +Grund-Georgental+, zu ersterer 40, zu letzterer 50 Min.
Tannenberg-Kaltenberg (3¾ Std.).
Zum Abstiege vom Tannenberge benützen wir einen Teil des Aufstiegweges, bis zur Wegteilung nämlich (4 Min.), wo man einen herrlichen Blick auf die zu Füßen liegende, waldumschlossene Station Tannenberg hat. Hier biegen wir r. ab und wandern einen anfangs fast ebenen und erst später mehr sich senkenden Weg abwärts, an dessen bebuschten Gehängen zahlreiche, weit umher kriechende Stengel von doppelährigem Bärlapp (~Lycopodium clavatum L.~) auffallen und auch Exemplare des selteneren Haller'schen Reitgrases (~Calamagrostis Halleriana DC.~) zu finden sind. Nach 10 Min. mündet von rechts der steilere Abstieg vom Berge ein; nach weiteren 5 Min. kommen wir zu einer Wegkreuzung vor einem +Kruzifix+; wir wandern geradeaus weiter und nach 2 Min. links ab. Gleich darauf treten wir aus dem Walde und haben einen prachtvollen Blick auf die betürmte Wolfsbergspitze, die sich in einer Ausbuchtung des Georgentaler Galgenberges (593 _m_) scharf abzeichnet, symmetrisch flankiert vom Zeidler Plissenberge l. und dem Pirsken r., während der Valtenberg (Turm) den Hintergrund bildet.
Gleich hinter dem erwähnten Kruzifix, wo auch von dem r. liegenden Dorfe Tollenstein ein Weg einmündet, kann man, den Kleinsemmeringer Weg l. lassend, geradeaus einen Abstecher auf den 12 Min. entfernten =Georgentaler Kreuzberg= (Granit, 563 _m_), machen. Der Name hängt mit einer Kapelle »zum hl. Kreuz« zusammen, welche 1764 erbaut, 1817 eingeweiht und 1882 durch einen Turm an der Hauptfront erweitert wurde. Sie ist das Wanderziel zahlreicher frommer Waller. Aber auch die +Aussicht+ ist eine bemerkenswerte; an ihr erfreute sich auch am 21. Sept. 1779 Kaiser Josef II. Besonders schön ist der Überblick nördlich über die 138 _m_ niedriger liegende, freundliche Stadt Georgental; dahinter tief im Tale Ober- und Niedergrund, darüber Schönborn r. vom Lichtenberger Teich; westlich liegt der Galgenberg, r. daneben Teichstatt, der Bernsdorfer Teich, dahinter die Wolfsbergspitze; östlich jenseits des Häusermeeres von Warnsdorf und Großschönau die Stadt Zittau. Zur Bequemlichkeit der Besucher hat die Abteilung Georgental des Gebirgsvereines für das nördlichste Böhmen 1895 an den schönsten Aussichtspunkten nach allen 4 Weltgegenden Ruhebänke aufgestellt, -- Auf dem Kreuzberge stehen wir auf einem geologisch höchst interessanten Boden. In dem Granite, der sich hier -- wie schon früher auf unserem Wege am Ziegenrücken bei Innozenzendorf (S. 44) -- gegen den Sandstein abgrenzt, findet sich nämlich eine ziemlich ausgedehnte Partie von Gneis und eingezwängt zwischen ihr und dem Granit eine +Grauwackenscholle+, welche sw. von St. Georgental den Wein- und Galgenberg bis zu Hampel's Bleiche einnimmt. Diese Grauwacke nun ist von Erzgängen durchzogen, welche Kupferkies, silberhältigen Bleiglanz und Zinkblende enthalten und wiederholt seit der Mitte des 15. Jahrh. bergmännisch abgebaut wurden, in ausgedehntestem Maße aber unter dem Grundherrn Georg v. Schleinitz, dem +St. Georgental+ als Bergstadt ihre Gründung (1548--1553) verdankt. Der letzte Abbauversuch geschah Mitte der achtziger Jahre des vorigen Jahrh.
Wer den Umweg über =Georgental= machen will, steigt über Stufen, an den Kreuzwegstationen vorüber durch eine schöne Allee hinab. Die auch von Sommerfrischlern aufgesuchte Stadt hat 250 Häuser, namhafte Sammtfabrikation, ein Kriegerdenkmal (seit 2. Okt. 1904), eine Studentenherberge und ist Sitz einer Abteilung des Gebirgsvereines für das nördlichste Böhmen. Aus Georgental stammt außer anderen der berühmte Gesangsmeister Joh. Alois Miksch, geb. 1765, gest. 1845 in Dresden. Beachtenswert sind die an der Außenseite der 1612 erbauten Kirche eingemauerten Sandsteinkugeln mit Löwen- und Menschengesichtern, die vielleicht einst Säulenknäufe oder Wandzierraten im Rittersale der Burg Tollenstein gewesen sein mögen. Der Weg zur +Station Grund-Georgental+ (15 Min.) führt nördlich weiter. Um aber den Kammweg wieder zu erreichen, wendet man sich westlich auf die Kreibitzer Straße und schlägt sodann die südlich von dieser abzweigende, am Schmelzewasser aufwärts führende Straße nach Tannendorf (30 Min.) ein.
Der Kamm-Weg führt vom Waldrande ab, während dem man r. über die Wiesenflächen hinweg einen hübschen Blick auf Obergrund mit Sofienhain, auf die Lichtenberger Windmühle und die Schönborner Kirche darüber und auf den betürmten Kottmar im Hintergrunde hat, in 10 Min. hinunter auf die Straße in =Tannendorf= (22 H.), auch Telle genannt, eine in der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. entstandene Ansiedlung, die sich seit einer Reihe von Jahren, Dank der herrlichen Waldlage und des vorzüglichen Wassers, der vollkommensten Ruhe und Abgeschiedenheit zur +Sommerfrische+ aufgeschwungen hat. In 4 Gast- und 2 Privathäusern findet man gute Unterkunft, in den Gasthäusern »Wildner« und »zum Tannenwald« auch volle Verpflegung zu mäßigen Preisen. Die Nahrungsmittel werden aus Sankt Georgental (30 Min.) beschafft, von wo am West-Ende des Dorfes die Straße einmündet.
Beim Gasthause »zum Tannenwald« verlassen wir das Dorf, lassen nach 2 Min. die Straße nach St. Georgental r. und schneiden, nun wieder im Walde, nach 8 Min. einen Fahrweg, der in 5 Min. zu der r. Hand auf einer Waldlichtung gelegenen, zu Tannendorf und Obergrund gehörigen, aber erst später zur Ansicht kommenden Einschicht »+Hampels Bleiche+«, auch »Neue Welt« genannt, hinaufführt, senken uns dann allmählich nach l. zu über zwei Ursprungsäderchen des +Fischbaches+, eines Zuflusses des Grund- bzw. Lausebaches, hinweg -- Fundort von üppigem Waldhabichtskraut (~Hieracium vulgatum Fries~) -- und umgehen sodann, allmählich wieder ansteigend, den r. gelegenen +Fladenberg+ (543 _m_), der seinen Namen von einem Ritter von Flade haben soll, der hier einst eine Glashütte leitete, wobei wir l. des kl. +Schöbers+ (676 _m_) mit seinen wild sich häufenden Klingsteinblöcken ansichtig werden, die auf dem Gipfel unregelmäßig anstehen und ein liegendes Gesicht vortäuschen, weshalb der Berg auch Gesichtsberg oder Riesenkopf genannt wird. In 20 Min. stehen wir am Bahndamme der Böhm. Nordbahn, dem entlang wir uns nach rechts wenden, zunächst in 4 Min. zum +Bahnviadukt+ und dann in weiteren 4 Min. auf der Oberkreibitzer Straße zu der einschichtig ziemlich hoch (489 _m_), mitten im Walde zwischen Plissen- (599 _m_) und Fladenberg auf der Hauptwasserscheide zwischen Elbe und Oder, an der von Oberkreibitz-Schönfeld nach Teichstatt führenden Straße gelegenen =Station Schönfeld= gelangen, dem Knotenpunkte der Linien Prag-Leipa-Georgswalde-Ebersbach und Warnsdorf-Bodenbach der Böhm. Nordbahn.
Unmittelbar neben derselben befindet sich die =Kuranstalt Kleinsemmering=, die samt den Stationsgebäuden zur Gemeinde Teichstatt gehören. Den Grund zu dieser Kuranstalt, deren Benennung durch die Steigungsverhältnisse der Bahn und den kleinalpinen Charakter der umgebenden Gebirgslandschaft gerechtfertigt erscheint, legte der Schönfelder Industrielle Emanuel Tschinkel, indem er gleich nach Eröffnung der Böhm. Nordbahn 1869 vom Grundherrn Fürsten Ferd. Kinsky eine größere Waldparzelle erwarb und daselbst eine große Restauration mit zwei Glasveranden nebst Stallungen, Speisegarten, Musikpavillon, Zierpark, Wasserleitung, (Raimundsbrunnen) und einen nahezu 11 _ha_ großen Tiergarten anlegte, wozu dann 1873 und 1874 der Bau der Villa Raimund mit 12 Fremdenzimmern und 1882 ein von eisenhältigen Quellen des Plissenberges gespeistes Badehaus mit 4 bequemen Zellen kam. Seit 1885 gehörte die Anstalt den Brüdern C. G. und F. Hermann, Fabriksbesitzern in Warnsdorf und Isertal. Unter ihnen schwang sich Kleinsemmering infolge mannigfacher Verbesserungen und Erweiterungen zu einem trefflich geleiteten Luft- und Terrainkurorte empor. Seit 1904 ist Ernst Seibt, Kaufmann in Reichenberg, Besitzer, der den Kurort den Fortschritten der Neuzeit entsprechend umgestaltet hat. Es stehen 30 heizbare Zimmer in 5 Logierhäusern zum Wochenpreise von 6--30 ~K~ zur Verfügung; Leihbibliothek, Konzertsaal, Briefablage u. a. sind vorhanden; der auf einer nach SO. abfallenden Lehne sich hinziehende Wildpark bietet mit seinem dichten Wald, seinen Wiesenplätzen, Felspartien und seinem Teiche mannigfache Abwechslung und Zerstreuung. Die Kursaison dauert von Mai bis September.
Wir verlassen, dem Kammzeichen weiter folgend, die gastliche Stätte auf einem Fußwege, der hinter den Stallungen der Kuranstalt am Wildparkzaune entlang, anfangs durch einen schattigen Hohlweg am Gehänge des +Plissenberges+ hin, dann über die liebliche Pilzwiese in 20 Min. abwärts ins Kreibitzbachtal nach =Oberkreibitz= führt. Oberhalb der ersten Häuser des 170 Nummern zählenden Industrialortes, noch besser von dem in der Nähe sich erhebenden +Tomelsberge+ (463 _m_, Basalt, Totenstein), hat man einen prächtigen Überblick über die zusammenhängenden Orte Oberkreibitz und Schönfeld auf die im Halbkreis angeordneten Bergkuppen des Kreibitzer Gebirges: den kl. Schöber l., dann den gr. Eibenberg, den kl. Eibenberg, den Schindelhengst (dahinter die Spitze des gr. Ahrenberges) und die beiden Himpelsberge (dahinter den Buchhübel); neben Schönfeld l. die Juliushöhe im Vordergrunde.
Im Weiterschreiten durch den schon 1457 urkundlich genannten Ort bemerkt man als vorherrschende Erwerbszweige Zwirnerei und Glasverfeinerung. Letztere Industrie ist sehr alt, da schon im 15. Jahrh., vermutlich schon vor den Hussitenkriegen, daselbst eine Glashütte im Betriebe stand, welche mit dem anschließenden Gute bis 1612 der Familie Friedrich gehörte und im Jahre 1847 dem Neubaue der jetzigen Glasfabrik Platz machte, die 1867 an die Kittel'schen Erben (Franz Zahn) gelangte, seit 1882 Eigentum der Firma Michel und Mayer war, derselben, die auch die Glasfabriken in Teichstatt und Haida besaß, und seit 1904 »A. Mayer & Sohn« firmiert. Sie steht rechts an der Straße, die von der Station Schönfeld herab nach Kreibitz führt und gerade bei ihr kommt der Fußweg von Kleinsemmering herab. Der »Hof«, gegenüber dem Gasthause »zum Herrenhause« -- von dessen Terrasse man einen hübschen Blick über den Mühlteich (bei der Rittermühle, jetzigen Glasschleiferei) auf den Tannenberg und den kl. Schöber hat -- ist so ziemlich das älteste Gebäude im ganzen Kreibitzer Kessel.
Ein Umweg über =Kreibitz=, die Perle des Kreibitztales, beansprucht keinen besonderen Zeitverlust. Man erreicht die Stadt auf der Straße weiter längs des Kreibitzbaches in 20 Min.; sie liegt am Kreuzungspunkte der Warnsdorf-Kamnitzer Reichsstraße mit der Oberkreibitz-Niederkreibitzer, zu beiden Seiten des Kreibitzbaches, über den hier eine altertümliche, hochgewölbte Steinbrücke mit zwei Barock-Heiligenstatuen aus dem Jahre 1751 führt, hat 250 Häuser, eine reiche Industrie (vorherrschend Zwirnerei und Baumwollwaren-Erzeugung, auch ein schon 1500 bestandenes Bräuhaus), eine Gedenktafel am Hause Nr. 135 zur Erinnerung an Kaiser Josef II., der hier als Gast des Viehhändlers Kasimir Eschler am 21. Sept. 1779 übernachtete, eine andere am Hause neben dem schönen, gothischen Rathause zur Erinnerung an den berühmten Naturforscher Thaddäus Haenke, der daselbst 1761 geboren wurde, eine zum Teil noch aus dem 16. Jahrhunderte stammende Kirche mit uralten Glocken, und ist Sitz der Abteilung Kreibitztal des Gebirgsvereines für das nördlichste Böhmen. Ihr ältestes Privilegium stammt aus dem Jahre 1383. Man folgt sodann von Kreibitz der südlich nach B. Kamnitz führenden Ärarialstraße, in die nach 45 Min. l. die Schönfelder Straße, und mit ihr der Kamm-Weg einmündet. Auf dem Wege dahin kommt man nach wenigen Min. am +Lindenhübel+ (398 _m_) l. der Straße vorüber, von dem man sich des Anblickes des Gebirges östlich gegen den Talschluß hin erfreuen und zugleich ein interessantes Naturspiel wahrnehmen kann, nämlich »die schlafende Jungfrau«, gebildet von dem gesichtsähnlichen Umrisse des kl. Schöbers mit dem anschließenden Tannenberge und dessen Ausläufern.
Bei der Glasfabrik grenzt Oberkreibitz an =Schönfeld=. Nun auf der Kreibitzer Straße einige hundert Schritte nach rechts, bis uns das Kammzeichen auf die Straße verweist, die links durch Schönfeld abbiegt. Währenddem kommt rechts die Stadt Kreibitz zu Gesicht und über sie hinaus zwischen den Himpelbergen (l.) und dem Irig bei Daubitz (r.) die Dittersbacher Felsenwelt, während l. Tannenberg und kl. Schöber mit der Juliushöhe im Vordergrunde im Gesichtsfelde bleiben. Die Bewohner von Schönfeld, das 1709 auf Gründen, die ehemals zur Oberkreibitzer Glashütte gehörten, angelegt wurde, über 100 Häuser zählt, Post- und Telegraphenamt, eine schöne Turnhalle (seit 1903), auch eine Studentenherberge (in der einladenden Schröter'schen Restauration l. an der Straße, die zugleich Auskunftsstelle der Gebirgsvereins-Abteilung Kreibitztal ist) aufweist, haben im Allgemeinen dieselben Erwerbszweige wie die von Oberkreibitz. Vor der Restauration befindet sich die Schröter'sche Zwirnfabrik (mit 6000 Spindeln), weiter die 1840 gegründete Strick- und Häkelgarnfabrik der Firma Ig. Schröter's Sohn, deren Erzeugnisse als Schönfelder Strickwolle eine Spezialität bilden. Unweit der Restauration befindet sich auch die Stammfabrik der bis 1903 bestandenen Firma Aug. Tschinkel Söhne und zugleich der Ausgangspunkt der österreichischen Zichorienfabrikation, die hier von Aug. Tschinkel 1806 zur Zeit der Kontinentalsperre eingeführt wurde. Die seit dem Jahre 1862 daneben bestandene Chokoladenfabrik wurde 1889 nach Lobositz verlegt und mit der dortigen Zuckerwaren- und Kaffeesurrogatfabrik verbunden, wo sie heute noch als Eigentum einer Aktiengesellschaft im Betriebe steht. Auch eine Leimfabrik wurde vor einigen Jahren in Schönfeld errichtet.
Ganz nahe ö. beim Orte (15 Min.) erhebt sich die =Juliushöhe=, ein zierlicher Basalthügel (514 _m_), von welchem sich das ganze Kreibitztal mit seinen Waldbergen überblicken läßt; besonders w. und nw., wo sich das Tal zwischen den Himpelbergen (l.) und dem Plissenberge (r.) öffnet, ist der Ausblick fesselnd. Die Stadt Kreibitz jenseits Schönfeld hält die Mitte; l. derselben hat man die Dittersbacher Felsen, dahinter die Zschirnsteine, den Zirkelstein (gerade hinter dem spitzen Marienfelsen), den Pfaffen- und Pabststein und den gr. Winterberg (hinter dem Rudolfstein); r. von Kreibitz trifft der Blick auf den Irig, hinter ihm auf den betürmten Tanzplan b. Nixdorf, weiter r. über Oberkreibitz im Vordergrunde auf den Pickelstein vor dem Rücken des Steingeschüttes, im Hintergrunde auf den betürmten Valtenberg.
In der Nähe der Schröter'schen Strickwollefabrik, dort wo sich der +Eisenhübel+ mit hübschem Blick auf das bachdurchflossene und teichglitzernde Tal zwischen ihm und den. kl. Himpelberge erhebt, teilt sich die den Ort durchziehende Straße. Links führt sie zwischen dem kl. Eibenberge (598 _m_) und dem, eine liebliche Aussicht bietenden Aschenstein (605 _m_, r.) über den 527 _m_ hohen Sattel im westlichen Flügel des zentralen Teiles des nordböhmischen Sandsteingebirges in 1 Std. zur +Bahnstation Falkenau+ im Kamnitzbachtale; unsere Straße aber führt r. weiter. Am Ende der letzten Häuser von Schönfeld haben wir vor uns r. die beiden Himpelberge, geradeaus den Schindelhengst, rückwärts den Tannenberg und daneben den gr. und kl. Eibenberg. Hier steht an der Straße der +Hochbehälter+ der am 19. Juli 1904 eröffneten Wasserleitung für die Gemeinden des Kreibitztales aus vier am nö. Abhange des +Schindelhengstberges+ entspringenden Quellen. Die Straße quert dann den 486 _m_ h. Sattel zwischen Schindelhengst (650 _m_, l.), und dem höheren der beiden Himpelberge, dem sog. »kleinen« oder schwarzen +Himpelberge+ (633 _m_, r.), und trifft in 30 Min. auf die Kaiserstraße, die von Kreibitz her nach B. Kamnitz führt, wo wir nahe vor uns den kl. Ahrenberg oder +Breitenberg+ (613 _m_) -- interessant wegen der knolligen Form des Basalts inmitten frischgrüner Waldpartien und als Kampfstätte im Gefechte am 19. Juli 1757 -- und rechter Hand etwas entfernter den als Aussichtspunkt bekannten Buchhübel (554 _m_) haben.
Wem harmlose Kletterei und ein kurzer Kampf mit sparrigem Strauchwerk die Wanderfreuden erhöhen, dem ist der Aufstieg auf den =schwarzen Himpelberg= anzuraten, einen wilden Gesellen mit steilen Abstürzen und ungeheuren Blockhalden basaltischen Gesteins, vor deren mächtigem Druck die Vegetation bescheiden zurückgewichen ist. Die freien Gipfelfelsen lohnen die Mühe durch eine Fülle mannigfaltiger malerischer Ausblicke. W.: An dem greifbar vorliegenden Kaltenberge r. vorüber der betürmte Rosenberg, l. hinter ihm der gleichfalls betürmte hohe Schneeberg und r. hinter diesem der Schönwalder Spitzberg; r. vom Rosenberge die Kirchdörfer Rosendorf und Arnsdorf hintereinander. NW.: Über dem vorgelagerten niedrigeren Himpelberg hinweg der Buchhübel, zwischen beiden hindurch der gr. Winterberg (Turm), l. von diesem Königstein, Pabst- und Pfaffenstein, über den Buchhübel hinaus der gr. Zschirnstein, dahinter der Geisingberg im Erzgebirge; r. vom Buchhübel im Hintergrunde hinter einander Saupsdorf (Kirche), Tanzplan und Valtenberg (Türme). N.: Kreibitz, dahinter die betürmte Wolfsbergspitze zwischen Irig (l.) und Steingeschütte. NO.: Oberkreibitz vor dem Plissenberge, l. dahinter der Czornebog (Turm), r. der ebenfalls betürmte Kottmar und r. vor diesem die Kirche von Schönborn bei Rumburg. O.: Die Juliushöhe hinter Schönfeld, dann der betürmte Tannenberg mit seinem wilden Trabanten, dem kl. Schöber; weiter r. der gr. und der kl. Eibenberg, zwischendurch der Mittelberg. SO.: Der Schindelhengst in nächster Nähe, l. an ihm vorüber rückwärts der gr. Buchberg bei Falkenau und l. hinter ihm die Jeschkenkoppe. S.: Der gr. Ahrenberg r. hinter dem Schindelhengst.