Kammweg-Führer von der Jeschkenkoppe bei Reichenberg bis zum Rosenberg bei Tetschen mit Berücksichtigung der anschliessenden Kammwege

Part 6

Chapter 63,213 wordsPublic domain

Unser Weg geht weder r. noch l. in Schanzendorf, sondern quer über die Jonsdorfer Straße hinweg, sodann auf einem guten Gemeindefahrwege zwischen den Häusern geradeaus weiter, immer den Jonsberg zur Rechten, bis wir nach 5 Min. am letzten Hause, dem Gasthause »zum Roß« vorbeikommen. Gleich dahinter lesen wir auf einem Wegweiser: »Nach den Mühlsteinbrüchen, nach Niederkrombach-Lichtenwalde, Grenzweg über die Kühhutje«. Hier haben wir nach l. auch wieder einen weiten Ausblick zwischen Kleis und Mergtaler Limberg hindurch auf den Grünerberg, Ortelsberg, das Schwoikaer Gebirge und den Koselrücken hinter einander. Wir wenden uns nach r. und erreichen nach 3½ Min. den Waldrand am =Plissenberge=, und zwar an seiner nordöstlichen, 644 _m_ hohen Kuppe (auch »Schanzberg« geheißen), während seine höchste Erhebung in der Mitte 659 _m_ und seine südwestliche Kuppe 605 _m_ mißt; er bildet nämlich einen fast 3 _km_ langen Rücken aus Klingstein auf einer, dem östlichen Flügel des Elbesandsteingebirges vorgelagerten Stufe zwischen Schanzendorf und Niederlichtenwalde. Hier machen wir kurzen Halt und erfreuen uns an dem herrlichen +Ausblicke+ rückwärts gegen Ost und Süd, der besonders eindrucksvoll auf diejenigen sein muß, die die Tour umgekehrt machen.

Ost: Vor uns die letzten Häuser von Schanzendorf, dahinter der Johannisstein zwischen Jonsberg (l.) und Hochwald (r.). Südost: Tolz und Roll hinter einander. Süd: Limberg, r. hinter einander Lauf-, Kamnitz- und Tachaberg, r. davon der schopfige Eichberg im Kummergebirge, r. dahinter der gr. Peschkaben bei Dauba, dann der Maschwitzer Berg und der Wilsch, mit welchem die Aussicht südwestlich abschließt.

Fichtenwald nimmt uns auf; am Waldsaume beachten wir noch die dort blühende Arnika, dann steigen wir durch 13 Min. fast immer aufwärts auf breitem Fahrwege, den hie und da der sattgrün glänzende Rippenfarn (~Blechnum spicant Roth~) besäumt. Ein Grenzstein mit der Jahreszahl 1694 steht daselbst: wir sind wieder an der Landesgrenze! Der Weg, ein prächtiger Sandweg, führt 4 Min. weiter zu einer wichtigen Wegteilung: während der Fahrweg geradeaus weiter nach Niederlichtenwalde hinab führt, biegen wir nach r. auf einen holprigen Fußweg ab, der entlang der Landesgrenze zumeist ziemlich steil abwärts führt. Gleich anfangs haben wir wieder einen lang entbehrten Ausblick, nämlich nach r., wo der +Rehstein+, ein merkwürdig geformter Sandsteinfels, steil aus dem Waldesdunkel emporsteigt. Man sieht über die Jonsdorfer Felsen hinweg auf die ausgedehnten Häuserreihen von Herwigsdorf und Seifersdorf mit der Landeskrone im Hintergrunde. Nach 12 Min. ist man unten bei einem Wirtschaftsstreifen (l.) angelangt, über den hinweg man die steilen Gebilde der Rabensteine unmittelbar vor sich sieht, darüber die Lausche, von der sich, den Kleis im Hintergrunde, die Ortschaften Jägerdörfel, Ober- und Niederlichtenwalde nach l. herab ziehen. Hier steht ein Grenzstein mit der Jahreszahl 1783. Noch 2 Min. und wir sind beim Hauptgrenzstein V auf dem höchsten Punkte der Straße, die von Niederlichtenwalde herauf über Neujonsdorf (Gasthaus »zur Gondelfahrt« 20 Min.) zur +Station Jonsdorf+ (45 Min.) führt. Dieselbe kreuzend, sind wir nach 3 Min. oben bei den waldumschlossenen =Rabensteinen= (543 _m_). So heißt eine schon seit dem 14. Jahrh. bekannte abenteuerliche Felsengruppe auf der Landesgrenze, deren abgesondert aufragende, bienenwabenartig ausgewitterte und über und über mit gelbem Schwefelmoos (~Lepraria ochroleuca Ach.~) bedeckte Sandsteinkegel die wunderlichsten Naturspiele (Profile von Menschenköpfen, solche eines Löwen- und Pferdekopfes) zeigen, je nach dem Standpunkte, den man einnimmt. Auf der Plattform am Fuße des östlichen Kegels auf böhmischer Seite erbaute 1877 ein Lichtenwalder Insasse eine +Gastwirtschaft+, die im Laufe der Jahre mehrfachen Änderungen (1885 infolge Brandes) unterzogen wurde. Aus den Fenstern der Gastwirtschaft blickt man südlich l. auf den Plissenberg bei Niederlichtenwalde, r. auf den Steinberg bei Oberlichtenwalde und zwischen durch auf Grünerberg und Ortelsberg hinter einander. Von dem über eine Holztreppe besteiglichen Kegel hat man eine zwar nicht großartige, aber immerhin schöne und seltene +Aussicht+, die sich mit der vom »Falkensteine« deckt, einem gegenüber auf sächsischer Seite aufragenden, ähnlich geformten und etwas höheren Felsen, welcher 1879 ebenfalls durch Stufen zugänglich gemacht wurde.

West: Die Lausche, l. unter ihr Jägerdörfel. Südwest: Der Steinberg, davor Ober- und Niederlichtenwalde, dahinter der Kleis, mehr nach l. der Glasertberg vor dem Schwoikaer Gebirge. Süd: Grüner- und Ortelsberg hinter einander. Südost: Plissenberg. Ost: Johannisstein, l. davon die Jonsdorfer Mühlsteinbrüche, dahinter der Jonsberg, an seinem Fuße l. Kirchdorf Jonsdorf, weiter draußen Zittau und Reibersdorf. Nordost: In geringer Entfernung die Nonnenklunzen, l. dahinter Herwigsdorf und Seifersdorf, am Horizonte die Landeskrone. Nord: Buch- und Sonneberg ganz nahe.

Die Einschicht »Rabenstein« gehört zu dem nur einige Minuten südlich entfernten, langhin zur Seite der Sandsteinbasis des Plissenberges am Zwittebache, der hier am Lauschepaß seinen Ursprung hat, sich erstreckenden, schon im Jahre 1391 mitten im »gelichteten« Markwalde bestandenen, heutigen Weberdorfe =Niederlichtenwalde= (164 Häuser mit Zollamts-Expositur), aus welchem Orte die Waldhornbläser Hammer stammen, die Ende des 18. Jahrh. viel Aufsehen mit ihrer Kunst machten. Im siebenjährigen und im Kartoffelkriege hatten die Österreicher bei Niederlichtenwalde, u. a. auch auf dem Rabenstein, Beobachtungsposten aufgestellt.

Denjenigen, die den Kammweg von den Rabensteinen zur Lausche schon kennen, sowie für diejenigen, die die Kammtour hier unterbrechen und etwa der +Station Zwickau+ (1¾ Std.) oder der +Station Großschönau+ (1½ Std.) oder der +Station Jonsdorf+ zustreben, empfehlen wir folgenden Abstecher. Denselben Weg, wie man heraufgekommen, wieder auf die Straße und auf dieser l. im Walde abwärts; nach 15 Min. den Fußweg l., und von diesem nach 2 Min. r. aufwärts durch eine 2 _m_ breite und 15 _m_ hohe natürliche Felsengasse hinan zu den =Nonnenklunzen=, einer Gruppenreihe mächtiger, wild zerklüfteter Sandsteinfelsen (536 _m_), von denen einige Form und Gestalt von Nonnen haben. Auf der Höhe derselben, die seit 1846 zugänglich gemacht ist, befindet sich seit 1860 eine, zuletzt 1903 erneuerte +Gastwirtschaft+ (Nachtlager für 7 Personen) mit Gesellschafts- und +Echoplatz+ (siebenfach, ein Böllerschuß 50 Pf.) und einer +Aussichtsanlage+ auf dem über eine Brücke besteiglichen Basteifelsen, der »Nonnenhöhe«, an der mehrere Gedenktafeln angebracht sind, darunter auch eine an den König Friedrich August II. von Sachsen. Man hat im Osten zu Füßen Neujonsdorf vor dem Jonsberge, im fernen Hintergrunde r. die Ausläufer des Isergebirges mit der Tafelfichte; weiter r. vorn die Mühlsteinfelsen, darüber den Hochwaldturm, l. vom Jonsberg das Zittauer Talbecken vor der Landeskrone im Hintergrunde; im Süden die über den Wald schauenden Rabensteine, l. der Plissenbergrücken, r. weiter rückwärts der spitze Kleis, westlich die Lausche. Vom Gesellschaftsplatze steigt man sodann durch die Gastwirtschaft und über die Stufen hinab, geht am Ende derselben l. fort in 3 Min. auf die angenehme Waldstraße, die Jonsdorf mit Oberwaltersdorf verbindet; auf dieser l. trifft man nach 11 Min. jenseits des »hohlen Steines« wieder auf den Kammweg, der von den Rabensteinen herkommt.

Den Rabenstein verlassend, steigen wir auf sandigem Waldwege, den Falkenstein r., steil über Stufen 3 Min. lang abwärts zu den Grenzsteinen 75--73, um gleich wieder durch 2½ Min. anzusteigen. Oben ein hübscher Rückblick auf den Rabenstein. Nun wiederum 1 Min. steil im Zickzack über Stufen hinab auf eine Wiese, wo wir eine Ursprungsader des Zwittebaches queren und auf den Grenzhauptstein IV stoßen; l. ist der Steinberg bei Oberlichtenwalde sichtbar. Wir biegen aber gleich wieder in Wald, von der Landesgrenze nach r. ab, und erreichen langsam ansteigend in 12 Min. auf einer Waldblöße die von +Jonsdorf+ (r.) herkommende Straße (Wegweiser): umblickend gewahren wir jenseits des Rabensteins den Hochwald. Wir wenden uns l. auf die Straße, kommen gleich wieder in Wald und haben erst nach 7 Min. wieder einen freien +Ausblick+: geradeaus die Lausche, nach Süden aber einen überraschenden Durchblick zwischen Plissen- und Steinberg über Niederlichtenwalde hinweg auf Lauf- und Wellnitzberg mit dem Kamnitzberge bei Reichstadt inmitten, mit den Bösigen neben den Buchbergen l., und dem Ortelsberge r. Eine Bank daselbst ladet im Genusse dieses Ausblickes zu einigem Verweilen ein. Gleich dahinter schließt sich wieder der Wald, nur die Lausche bleibt in der Richtung der Straße sichtbar. Ziemlich eben weiter sind wir nach 7 Min. am =Lauschepaß= angelangt, der 564 _m_ hohen Sattelhöhe zwischen der Lausche und dem Sonneberge (630 _m_), über den die Landesgrenze schneidet und wo auf österreichischer Seite das zu Oberlichtenwalde gehörige Gasthaus »zur Wache«, sächsischerseits das zu Neuwaltersdorf gehörige Gasthaus »Rübezahl« steht; hier auf der Hauptwasserscheide zwischen Oder und Elbe, wo auch die Knieholzkiefer in einer vereinzelten Gruppe anzutreffen sein soll, hat einerseits der Waltersdorfer Bach, ein Zufluß des Lausebaches bzw. der Mandau, andererseits der Zwittebach, ein Zufluß der Polzen, seinen Ursprung; nördlich führt die Zollstraße über Waltersdorf nach Großschönau, südlich über Niederlichtenwalde nach Zwickau. Ein Wegweiser daselbst belehrt über Richtungen und Entfernungen.

=Waltersdorf=, zerfallend in Alt- und Neuwaltersdorf, ist ein freundliches Kirchdorf mit 2400 Einwohnern, bedeutender Zwillich-, Wollwaren- und Papiererzeugung und zieht sich vom Lauschepaß längs der Straße fast bis Großschönau; ein Denkmal erinnert an den daselbst 1786 geborenen Hofkapellmeister Friedrich Schneider (gest. 1853); auf dem 646 _m_ hohen +Buchberge+ östlich des Dorfes steht ein Denkmal Kaiser Friedrich III. und eine 1880 vom Waltersdorfer Gebirgsvereine errichtete Schutzhütte.

Auf österreichischer Seite grenzen außer der »Wache« keine Häuser an die Paßhöhe; +Niederlichtenwalde+, wohin die Straße führt, ist 2 _km_ entfernt und =Jägerdörfel=, ein aus 18 Häusern und einem kaiserlichen Forsthause bestehendes, unmittelbar am Süd-Fuße der Lausche gelegenes Weberdorf, das einen Ortsteil von Oberlichtenwalde bildet, ist auf ansteigender Waldstraße 20 Min. entfernt, das schon 1391 bestandene Bauerndorf =Oberlichtenwalde= selbst (128 Häuser), in der Richtung dieser Straße nach 15 Min. weiter. Im Jahre 1778 wurde hier der kaiserliche General De Vins durch die einmarschierenden Preußen überrumpelt, so daß er sich bei Nacht auf einem Fußsteige auf den Limberg zurückziehen mußte; am 19. September 1779 besuchte deshalb Kaiser Josef II. die Örtlichkeiten dieses kriegerischen Ereignisses. Von +Jägerdörfel+ führt in 30 Min. ein im Jahre 1851, aus Anlaß eines in Aussicht gestellten Besuches des Kaisers Ferdinand I. angelegter, sehr bequemer Zickzackweg, der sogenannte »böhmische Weg«, auf die +Lausche+, in den auch von Neuhütte her ein Touristenweg einmündet und den man bis zum »Rondeau« am Beginne des Zickzackweges befahren kann. Wir schlagen diesen Weg jedoch nicht ein.

Wir folgen dem Kammzeichen, das uns bei der »Wache« quer über die Straße auf einen Fahrweg weist, der 1892 vom Zittauer Rat an Stelle eines seit 1823 bestandenen Steilweges angelegt wurde und an der nördlichen Lehne des Berges, an Ruhbänken vorüber, in 35 Min. auf den Gipfel führt, anfangs am Waldrande und allmählich ansteigend, wobei man einen prächtigen +Ausblick+ nach Großschönau hat, zum Schluß auf ziemlich steilem Zickzackwege mit zwei scharfen Kehren durch prächtigen Buchenwald; in ihn mündet unterwegs r. ein geraderer Weg von Waltersdorf-Großschönau und ein anderer von Tollenstein.

Die =Lausche= ist die höchste Erhebung (791 _m_) im Bereiche des Sandsteingebirges. Sie besteht aus Klingstein und überragt etwa 140 _m_ ihre Basis im zentralen Teile des Gebirges; bis zum Jahre 1631 hieß der Berg allgemein Mittags- oder Spitzberg, und die nördliche niedrigere Kuppe Hickelstein. In heidnischer Zeit soll daselbst eine Sonnengottheit (Bilwise) verehrt worden sein. Der +Sage+ nach zeigt sich auf der Lausche, aber äußerst selten, ein wunderbarer Vogel, fast wie ein Adler gestaltet, aber bunter und mit wunderlichem, glänzendem Gefieder; dieser Vogel ist ein verzauberter Prinz aus dem Böhmerlande, der noch immer seiner Erlösung harrt durch einen Jäger, der niemals auch nur das Geringste entfremdet habe. Im dreißigjährigen Kriege und in den Napoleon'schen Kriegen diente das Waldesdunkel der Lausche, in welchem noch 1608 Wölfe hausten, den Bewohnern der Umgebung als Zufluchtsstätte. Manche +pflanzliche Seltenheit+ stößt dem Kenner auf: Alpen-Weidenröschen (~Epilobium alpinum L.~), langblättrige Sternmiere (~Stellaria longifolia Fries~), zweiblütiges Veilchen (~Viola biflora L.~), Knotenfuß (~Streptopus amplexifolius DC.~), Alpenlattich (~Mulgedium alpinum Less.~), lockerblütige Ragwurz (~Orchis laxiflora Lam.~), herzblättrige Zweiblatt-Orche (~Listera cordata R. Br.~), Braun's Schildfarn (~Aspidium Braunii Spenn.~), Lanzenschildfarn (~Aspidium lonchitis Sw.~), russige Grübchenflechte (~Sticta fuliginosa Ach.~), und noch manche andere. Der geräumige Gipfel trägt außer einer kleinen steinernen Kapelle und außer einer Triangulierungssäule der mitteleuropäischen Gradmessung eine +Gastwirtschaft+ (Nachtlager mit Frühstück Mk. 1·50), deren erste Anlage bis zum Jahre 1822 zurückreicht; im Jahre 1882 wurden die Baulichkeiten bequemer und zeitgemäßer hergerichtet und gleichzeitig ein 10 _m_ hohes hölzernes +Umschaugerüst+ (Benützung 10 Pf.) errichtet, auf welchem 1892 der Gebirgsverein in Waltersdorf eine Orientierungstafel anbrachte; derselbe Verein hat 1895 an einem Pavillon neben dem Gasthause zwei Tafeln befestigt, auf denen die Entfernungen näherer und fernerer bekannter Punkte angegeben sind. Ein kais. deutscher und ein kaiserlich österreichischer Postkasten befindet sich am Gasthause; auch ist seit 1893 eine kaiserlich deutsche +Fernsprechstelle+ daselbst. Mitten durch das Gasthaus schneidet die Landesgrenze, so daß man entweder in der böhmischen, als Nr. 143 zu Oberlichtenwalde, oder in der sächsischen, als Nr. 334 zu Waltersdorf gehörigen Gaststube einkehren kann. Seit 1826 steht neben dem Gasthause eine Glasbude, worin im Jahre 1881 Ignaz Kriesche aus Steinschönau sein fünfzigjähriges Geschäftsjubiläum feierte.

Die Lausche ist seit jeher ein Aussichtspunkt ersten Ranges; viele Tausende, darunter die Könige Friedrich August II. (1823 und 1850) und König Johann von Sachsen, auch der Astronom David (1825), besuchten und besuchen jahraus jahrein von nah und fern dieselbe, um sich an der entzückenden und umfassenden Aussicht zu erfreuen und auch wohl das Schauspiel eines Sonnenaufganges zu genießen. Die +Aussicht+ ist ganz eigenartig deshalb, weil sich gegen Norden die langen Ortschaften der volk- und industriereichsten Gegend Deutschlands und Österreichs fast ohne Unterbrechung hinziehen. Rundsicht-Aufnahmen bekommt man auf dem Berge zu kaufen.

Von der Tafelfichte und den Bergen bei Haindorf im Osten beginnend, schließen sich nach r. die anderen Kuppen des Isergebirges (Vogelkoppen, Taubenhaus, Siechhübel) an, vor ihnen Stadt und Schloß Friedland, die Hemmerichberge, Reichenau mit Umgebung, Gickelsberg und Hohenwald bei Grottau. Im Südosten liegen nahe die vielgestaltigen Felsen und Berge bei Jonsdorf und Oybin, dahinter Hochwald (Turm) und Falkenberg, weiter das Jeschkengebirge mit der Koppe und am Horizont das Riesengebirge mit dem Reifträger, hohen Rad, Kesselkoppe und Schneekoppe, dem Keil-, Fuchs- und Schwarzenberge; weiter r. im Mittelgrunde Schloß Lämberg und die Stadt Deutschgabel, dahinter die Berge bei Wartenberg mit dem Dewin, weiter draußen die Lomnitzer Berge bei Gitschin, der Welisch, Kosakow, Ruine Trosky bei Turnau, Musky bei Münchengrätz. Im Süden der Mergtaler Limberg, Tolz und Roll hinter einander, r. davon die Bösige und der Höhenzug von Kleinbösig (Kirche) bis zu den Hauskaer Bergen, davor Altperstein (Ruine) und Maschwitzer Berg, noch näher das Schwoikaer Gebirge -- in welcher Richtung seinerzeit der Dresdner Topograph Albert Schiffner die Türme von Melnik und den Dom von Prag gesehen haben will -- und der Ortelsberg. Im Südwesten erhebt sich über dem Grüner, Glaserter und Dürrberge der betürmte Spitzberg bei Leipa, dahinter der breitkuppige Wilsch, näher der Kottowitzer und Langenauer Berg jenseits der Stadt Haida, davor der Kleis, noch näher der gr. Friedrichsberg, der gr. Buchberg bei Falkenau, der Blottendorfer und Sonneberger Rücken; r. hinter diesem der Hutberg (Turm) auf der Rabensteiner Höhe, die Munkerer Höhe, der Geltsch, anschließend die Elbeberge (Aarhorst) vor dem Milleschauer. Im Westen die Kuppen des Kreibitzer Gebirges mit dem Kaltenberge (Turm), der Rosenberg und hohe Schneeberg (Türme), das Erzgebirge mit dem Geising; weiter r. erblickt man über der nahen Finkenkoppe die Ruine Tollenstein und den Tannenberg (Turm), die Dittersbacher Felsen, die Zschirnsteine, den Lilienstein, gr. Winterberg (Turm), den Borsberg bei Pillnitz, den Gickelsberg bei Hohnstein, den Unger und den Tanzplan (beide betürmt). Diesen folgen nordwestlich über dem Lichtenberger Teiche und Schönborn (Kirche) die betürmte Wolfsbergspitze, der Valtenberg (Turm), Zeidler Plissenberg, Pirsken, Botzen und Jüttelsberg, im Hintergrunde das Kamenzer Gebirge. Nordöstlich zieht sich das Lausitzer Mittelgebirge mit dem Czornebog und Bilebog (Türme); daran schließen sich Kottmar (Turm), der ebenfalls betürmte Löbauer Berg mit der Stadt Löbau, der Rotstein, Oderwitzer und Warnsdorfer Spitzberg mit der Burgsbergwarte, in größerer Entfernung die Königshainer Berge, die Landeskrone und der Jauerniker Berg an. Nordöstlich tritt das Königsholz und der Breiteberg hervor; weit schweift der Blick nach Schlesien hinein bis Greifenberg, zu den Höhen bei Lauban und Marklissa, zum Probsthainer Berg, um endlich bei Neustadtel wieder auf die Tafelfichte zu treffen; im Vordergrunde schließen sich die häuserreichen Städte und Kirchdörfer Rumburg, Seifhennersdorf, Warnsdorf, Großschönau, dann Waltersdorf, Hainewalde und Zittau an einander, dahinter die Häuserreihen von Gersdorf, Ebersbach, Walddorf, Eibau, Leutersdorf, Oderwitz u. a. m.

Wer die Kammtour gegen den Tannenberg nicht fortsetzt, sondern den Abstieg auf eine Bahnstation beabsichtigt, kann folgende Wege einschlagen: auf sächsischer Seite über Waltersdorf zur +Station Jonsdorf+ (1¼ Std.), zur +Station Großschönau+ (1½ Std.) und zur +Station Warnsdorf+ (1¾ Std.), auf böhmischer Seite an Jägerdörfel vorüber immer durch Wald zur +Haltestelle Neuhütte+ (1½ Std.).

Lausche-Tannenberg (2¾ Std.).

Beim Abstiege von der Lausche folgen wir der Waldstraße, die uns hinaufgebracht, dem »sächsischen« Wege, ein Stück zurück bis zur unteren Kehre (10 Min.) und biegen dann links ab. Auf durchaus ebenem Waldfahrwege treffen wir nach 12 Min. auf die Landesgrenze und nehmen Abschied vom sächsischen Boden, auf dem wir von der Tobiaskiefer her mit wenigen Unterbrechungen gewandelt. Wir treffen hier auf einen l. von Oberlichtenwalde über +Jägerdörfel+ einmündenden Fahrweg und wandeln entlang den Grenzsteinen 23 bis 14 auf dem sogenannten +Lauschekamm+, einer Art Hochebene weiter, bis wir nach 15 Min. beim =Vogelherd=, auch »Dreiecker« genannt, angelangt sind, dem 660 _m_ hohen Sattel zwischen Finkenkoppe (789 _m_) l. und dem Buchberge (712 _m_) r., von wo wir südlich einen Ausblick auf den großen Friedrichsberg haben.

Über die +Finkenkoppe+, die 30 Min. entfernt ist und eine weite Aussicht gegen Böhmen von ihrer westlichen Lehne gewährt, zieht der Gebirgsrücken in einem nach Süden ausgreifenden Bogen weiter; wir verlassen ihn beim Vogelherd, um ihn erst beim Tannenberge wieder zu treffen. Unser Weg führt in der bisherigen Richtung weiter, während die Landesgrenze im rechten Winkel nach Norden abbiegt, und führt uns jetzt auf breiter Waldstraße mit bedeutendem Gefälle abwärts, zwischen den phonolitischen Berghängen des Dachsensteins (l., 600 _m_) und des Hörnels (r., 643 _m_), immer längs des +Kohlhauwassers+, das rechter Hand neben der Straße dem Lausebache, einem Aste der Mandau, nach Niedergrund plätschernd zufließt, während wir l. die Ursprungsadern des zum Polzengebiete gehörigen Etschbaches zu suchen haben. Funde von sprossendem und zypressenblättrigem Bärlapp (~Lycopodium annotinum L.~ und ~complanatum L.~), sowie von scheidigem Wollgras (~Eriophorum vaginatum L.~) im Walde zur Seite sind da nichts Seltenes; vereinzelt dagegen ist die Blaudistel (~Mulgedium alpinum Less.~).

Nach 30 Min. -- ein paar hundert Schritte hinter dem +Fürstenbrunnen+, der 6 Schritte l. von der Straße ein kleines, mit Basaltsäulen eingefaßtes Bassin bildet -- biegen wir bei einer Waldwiese (r.) von der Straße, die uns in 30 Min. zur +Station Grund-Georgental+ weiter leiten würde, l. in den Wald ab und steigen über den schmalen, aus gneisführendem Granit bestehenden und die Grenze gegen das Sandsteingebirge bildenden =Ziegenrücken= hinweg in 15 Min. in das liebliche Wiesental von +Innozenzendorf+ hinab. Wir überschreiten auf einem Stege das +Goldflössel+, welches das Tal bewässert, queren eine Wiese und stehen beim Gasthause »zum Ritterhof« auf der verkehrsreichen Kaiserstraße, die r. in 30 Min. nach Sankt Georgental, bzw. zur +Station Grund-Georgental+, l. in 1 Std. über den Schöbersattel (607 _m_) zur +Haltestelle Neuhütte+ führt. =Innozenzendorf=, auch »Buschdörfel« geheißen, hat 34 Häuser, liegt 450 _m_ hoch zwischen waldigen Höhen und ist Sommerfrische für bescheidenere Ansprüche; Unterkunft und Verpflegung bieten die Gasthöfe »Ritterhof«, »Germania« und »Wendler«; die Bedürfnisse werden nach Bedarf aus Georgental beschafft. Der Ort scheint an Stelle des 1469 zerstörten, noch 1699 erwähnten Glasendorf zu stehen, das zum Teil, verschiedenen Funden nach zu schließen, am benachbarten Nesselberge (östlich) gestanden haben soll, um die heute noch bestehende, jedenfalls alte Buschmühle angelegt worden zu sein. Der jetzige Name kommt zuerst 1711 vor; wird beachtet, daß Papst Innozenz XII. von 1691--1700 die Tiara trug, und daß Anton Florian von Liechtenstein als Botschafter 1691 bei der Papstwahl in Rom anwesend war, so ergibt sich sowohl die Erklärung des Namens wie die Person des Gründers. In Innozenzendorf wurde am 26. Juni 1819 der Dichter Cölestin Johann Johne geboren, der 1858 am 2. Dezember als Augustinerordenspriester und Gymnasialprofessor in Leipa starb. In den Sandsteinbrüchen des Dachsloches unweit des Jägerhauses (östlich der Straße) gibt es interessante +Versteinerungen+ von Meeresbewohnern, am häufigsten darunter ist ein herzförmiger See-Igel und ein viel- und dickstängliger Seeschwamm.