Part 5
Nun r. ab den grasigen, vom Erbauer des Kurhauses als nächste Verbindung mit +Bahnhof Oybin+ (30 Min.) angelegten =Fürstensteig=, an »Adolfs Ruheplatz« (r.) vorüber, in 4 Min. empor auf den bewaldeten Grat, wo von rechts her der vielbegangene Touristenweg (blauer Balken auf weißem Grunde) durch die romantische +Felsengasse+ vom Töpfer, bzw. von Oybin, einmündet (Ruhebank). Nun l. durch den Wald auf die von Lückendorf nach Oybin führende +Kammstraße+ hinab (4 Min.), die wir beim Kurhaus verlassen. Auf dieser r. (2 Min.) zu einer wichtigen Wegkreuzung auf weiter Blöße beim sog. =Kammloche= unmittelbar an der Landesgrenze und auf der Hauptwasserscheide (564 _m_) mit prächtigem Rückblicke auf das Jeschkengebirge zwischen Pfaffenstein (l.) und Falkenberg. Wegtafeln belehren über die einzuschlagenden Richtungen. Auch ein Werkelmann hat daselbst seinen Stand.
Nördlich führt die Straße in 25 Min., am =Kelchstein= -- 13--15 _m_ hoher, verkehrt kegelförmiger Sandsteinblock aus rötlichem Sandstein -- vorüber (l.) zur +Station Oybin+; südlich schließt sich an den Kammweg der sog. »Ringweg« (blauer Ring auf weißem Grunde) an, der zunächst in 22 Min. über die Landesgrenze zum =Forsthaus Nr. VI= (einem einfachen als Nr. 260 zu Hermsdorf gehörigen, einschichtigen Gasthause in idyllischer Waldlage auf dem 455 _m_ hohen Sattel zwischen Hochwald und Falkenberg mit hübscher Aussicht auf Tolz, Roll und die Bösige, 1½ Std. von der +Station Deutschgabel+) und von da um den Südfuß des Hochwaldes unter prächtigen Ausblicken in 40 Min. nach +Hain+ führt; westlich setzt sich der mit blauem Balken markierte Weg, welcher von der Fürstenhöhe bis hieher mit unserem vereinigt war, in 20 Min. bis zum +Forsthaus Hain+ fort, unter geradezu entzückenden Ausblicken aufs Oybintal und Zittau.
Wir wandern geradeaus weiter auf der Straße aufwärts, wobei wir dieselben Rückblicke haben wie vorhin, und treffen nach 4 Min. wieder auf eine Wegteilung: geradeaus nach +Hain+ und auf den Johannisstein, r. nach +Oybin+, l. auf den +Hochwald+. Letzterer ist der unsere. Am Waldsaume (r.) empor, durch den anfangs Durchblicke ins Oybintal möglich sind, dann l. anfangs mäßig ansteigend, dann ziemlich steil durch schönen Buchenwald, wo Zahnwurz (~Dentaria enneaphylla L.~), Sanikel (~Sanicula europaea L.~), Rapunzel (~Phyteuma spicatum L.~) und rundblättriges Labkraut (~Galium rotundifolium L.~) besonders üppig gedeihen, kommen wir der Landesgrenze entlang bald r. bald l. biegend, in 40 Min. auf den südlichen Gipfel des =Hochwaldes=, den man beim Gasthause über Stufen betritt. Auf halbem Wege dahin kommen wir an einer Ruhebank beim hydraulischen Widder vorüber, der das Wasser aus dem +Johannesborne+ daselbst auf den Hochwald treibt, und etwas höher bei einem Wirtschaftsstreifen mit hübschem Durchblicke auf Schloß Lämberg.
Der Hochwald, im Volksmunde seiner Gestalt nach »Heufuder« genannt, ist ein langgestreckter Klingsteinrücken, der von West nach Ost auf der Grenzscheide zwischen Böhmen und Sachsen als höchster Punkt im östlichen Flügel des Sandsteingebirges hinzieht, südlich steil abfällt und mehrere Kuppen bildet, von denen die höchste (748 _m_) vom Jahre 1879 bis zum Jahre 1892 einen, vom Zittauer Vereine »Globus« beschafften, 10 _m_ hohen hölzernen +Aussichtsturm+, den Karolathurm -- der sächsischen Königin zu Ehren benannt -- trug, dessen Strebepfeiler auf böhmischem Grunde standen. Statt seiner wurde auf der sächsischerseits gelegenen Nord- oder Oybinkuppe (744 _m_) von demselben Vereine mit dem Kostenaufwande von 13000 Mk. ein 25 _m_ hoher Steinturm errichtet, der am 14. September 1892 die Weihe erhielt. Die 1853 vom »Vater Marx« erbaute, in ihrem heutigen Zustande seit dem Brande im Jahre 1877 bestehende »alte« +Gastwirtschaft+ auf böhmischem und die 1889 eröffnete »neue« Gastwirtschaft auf sächsischem Grunde -- beide unter einem Betrieb, mit Nachtherberge zu Mk. 1--1·50 und kais. deutscher und kais. österr. Postablage -- stehen neben einander, nur durch die Landesgrenze geschieden, auf der südlichen Kuppe neben der aussichtsreichen Gipfelterrasse und sind mit dem Turme durch einen breiten Weg in Verbindung. In der böhmischen Wirtschaft, die als Nr. 251 zu dem 45 Min. südlich entfernten, 266 Häuser zählenden Bauerndorfe +Hermsdorf+ gehört, erhält man nur Wein und Kaffee, in der sächsischen Bier und warme Speisen. Die Besitze der Herrschaften Deutschgabel, Reichstadt und Zittau stoßen hier, beim sog. »Clam'schen Stein« zusammen. Der Berg muß schon im vorvorigen Jahrhundert seiner Aussicht halber besucht worden sein, da ein Zittauer Ratsherr 1787 eine Treppe von 84 Stufen, die zum Teil heute noch in Benützung stehen, zur leichteren Besteigung des Gipfels anlegen ließ, der damals und noch 1830 ein Kreuz trug und »Kreuzstein«, angeblich auch »Ilmenstein« hieß. Seither haben Sachsens Könige und manch andere fürstliche Persönlichkeiten den Berg besucht; als erster im Jahre 1821 der nachmalige Kaiser Ferdinand I. von Österreich. In der Verkaufsbude neben den Gastwirtschaften bilden die auf dem Berge vorkommenden »Veilchensteine«, d. i. Klingstein, der mit einer nach Veilchen duftenden Alge (~Chroolepus Jolithus Ag.~) überzogen ist, eine Spezialität. Von sonstigen +naturgeschichtlichen Seltenheiten+ wären außer nordischen, eiszeitlichen Geschieben auf den Hängen des Berges noch zu erwähnen: Mittleres und Alpen-Hexenkraut (~Circaea intermedia Ehrh.~ und ~alpina L.~), herzblättrige Zweiblattorche (~Listera cordata R. Br.~), Basalt-Nordfarn (~Woodsia ilvensis R. Br.~), sprossender und Tannenbärlapp (~Lycopodium selago L.~ und ~annotinum L.~), eine Schließmundschnecke (~Clausilia filograna~), die seltene grüne Eidechse (~Lacerta viridis Dand.~); früher soll auch die grüne Nießwurz oder Schneerose (~Helleborus viridis L.~) daselbst gefunden worden sein. Nach den +Sagen+ der Walen sollen sich im Boden des Hochwaldes kostbare Edelsteine befinden, und noch jetzt soll ein Bergmännlein hier hausen, das dem, welchem es wohl will, Gold und Silber und Edelgestein, insbesondere aber wohltätige Heilkräuter zeigt.
Die Aussicht von der felsigen Plattform zwischen den beiden Gasthäusern, sowie aus den Gasthausfenstern selbst -- hier auch durch färbige Scheiben -- gegen Süden ist ungemein anziehend und hat den touristischen Ruf des Hochwalds begründet. Um einen Ausblick gegen Norden ins Oybintal und gegen Zittau zu gewinnen, muß man den Turm (128 Stufen) besteigen; die Eintrittskarten hiezu (zu 10 Pfg.) löst man im +Turmwächterhause+ daneben, wo man auch das Aussichtspanorama (10 Pf.) und Erfrischungen erhält, und wo überdieß ein Relief des Zittauer Gebirges, sowie die seit 20. April 1893 eröffnete kais. deutsche +Fernsprechstelle+ sich befindet. Neben Haus und Turm ist auch noch ein Gärtchen mit Alpenflora. Die hervorragendsten Punkte des +Panorama's+ sind auf der Zinnengallerie des Turmes anzeichnet.
Ost: Der Pfaffenstein jenseits Lückendorf, Kratzau und Weißkirchen dahinter, weiter die Hemmerichberge und darüber das Isergebirge mit der Tafelfichte, den Vogelkoppen, Taubenhaus und Siechhübel, im Hintergrunde das Riesengebirge mit Reifträger, hohem Rad mit der auffälligen Schneegrubenbaude, Kesselkoppe, Brunn- und Schwarzeberg; l. hinter dem Pfaffenstein Schloß Grafenstein vor dem Gickelsberge. Südost: Der Jeschkenrücken mit der Koppe im Mittelpunkte, davor die Kirchdörfer Pankraz und Ringelshain, noch näher Petersdorf; r. hinter der Jeschkenkoppe der Kosakow, daneben die zweizinkige Ruine Trosky und der Musky bei Münchengrätz, vor diesem der Silberstein, Audishorner Spitzberg und Dewin neben einander, im Vordergrunde der Falkenberg, dazwischen Schloß Lämberg. R. hinter dem Falkenberge Stadt Deutschgabel, weiter Schloß Wartenberg vor den beiden Hirschbergen. Süd: Der Tolzberg zwischen Roll (l.) und den beiden Bösigen; r. davon der Wratner Berg (Turm) und die Hauskaer Berge hinter dem Kummergebirge, zu Füßen die beiden Gastwirtschaften des Berges; r. hinter ihnen der Mergtaler Limberg, l. dahinter der Kamnitzberg vor den Mikenhaner Steinen, im Hintergrunde Ruine Altperstein neben dem Maschwitzer Berge; r. hinter dem Limberge Pfarrdorf Lindenau und im Hintergrunde der Georgsberg bei Raudnitz. Südwest: Grünerberg, l. dahinter Ortelsberg vor dem Wilschberge, zwischen beiden das Schwoikaer Gebirge, r. von diesem der Leipaer Spitzberg (Turm) und hinter diesem der spitze Ron. R. hinter dem Grünerberge der Rodowitzer Hutberg, darüber der Koselrücken, im Hintergrunde der Geltsch bei Auscha. R. vom Rodowitzer Hutberge im Vordergrunde Pfarrdorf Großmergtal, dann die Stadt Haida vor dem Kottowitzer Berge, dahinter die Rabensteiner Höhe mit dem Hutberge (Turm), noch weiter der Zinkensteinrücken und darüber der Milleschauer; r. vor diesem folgt der Kleis hinter dem Glasertberge. West: Zu Füßen Kirchdorf Krombach, dahinter die Berge bei Falkenau, l. hinter diesen der Kamnitzer Schloßberg, r. das Kreibitzer Gebirge mit dem Kaltenberg (Turm), im Hintergrunde der hohe Schneeberg (Turm) mit Teilen des Erzgebirges und Höhen der sächsischen Schweiz; r. von Krombach Schanzendorf, dahinter der Plissenberg vor Oberlichtenwalde, neben welchem die Lausche mächtig aufsteigt; l. dahinter die Finkenkoppe, r. der Ziegenrücken und an diesem r. vorüber die Wolfsbergspitze (Turm). Nordwest: Dorf Hain zu Füßen mit dem Johannisstein, dahinter die Rabensteine, die Nonnenklunzen und die Jonsdorfer Mühlsteinbrüche, weiter Warnsdorf mit der Burgsbergwarte, Seifhennersdorf und Rumburg, noch weiter der Botzen und hinter diesem der Valtenberg (Turm), r. von Hain der Jonsberg neben Jonsdorf, dahinter Großschönau, dann der Warnsdorfer Spitzberg, im Hintergrunde Bilebog und Czornebog, beide mit Türmen; r. hinter dem Jonsberge der Breiteberg vor Spitzkunnersdorf, dann der Oderwitzer Spitzberg zwischen dem Kottmar (Turm) hinter Eibau und dem Löbauer Berge (Turm). Nord: Der Oybiner Talkessel mit dem Ameisenberge, l. dahinter das Königsholz und Rotstein, r. die Jauerniker Berge und die Landeskrone hinter Zittau. Nordost: Töpfer und Scharfenstein, dahinter die Kirchdörfer Friedersdorf und Reichenau.
Wer die Kammtour hier abbrechen will und einer Bahnstation zustrebt, hat unter folgenden Abstiegen die Wahl: Zur +Station Oybin+, der nächsten Bahnstation, in 50 Min. den direkten steinigen Serpentinenweg hinab oder über Hain in 1¼ Std.; zur +Station Deutschgabel+, über Forsthaus Nr. VI, in 2¼ Std.; zur +Station Zwickau+ über Krombach und Mergtal in 2½ Std.
Hochwald-Lausche (2½ Std.).
Unser Abstieg geschieht auf dem ersten Wege r. bei den Bergwirtschaften; nach 20 Min. sind wir am Rande des Bergwaldes unten angelangt. Vor uns haben wir jenseits einer Wiese die obersten abseitigen Häuser von +Krombach+, dahinter den Plissenberg, über welchen die Lausche herüberblickt; l. davon den Kleis, dazwischen den Dürre- und Mühlsteinberg bei Hoffnung. Bei Grenzstein 152 (vom Jahre 1649) treffen wir nach 1 Min. auf die Straße, welche die beiden Grenzdörfer Krombach und Hain mit einander verbindet, und in die l. Hand der oben (S. 31) erwähnte Ringweg vom Forsthaus Nr. VI her über den aussichtsreichen Rücken des Schafberges (562 _m_) einmündet.
Pfarrdorf =Krombach=, das, hinter einem Wäldchen versteckt, 4 Min. l. liegen bleibt, ist eine uralte deutsche Besiedlung; schon 1391 wird es urkundlich genannt. Es zieht sich mit seinen 180 Häusern längs eines unterm Sattel entspringenden Bächleins -- eines Zuflusses des in die Polzen mündenden Zwittebaches -- zwischen Plissenberg und Gulichberg abwärts, hat eine 1874 erbaute Kirche, eine schöne Volksschule und ein zur kaiserlichen Herrschaft Reichstadt gehöriges Herrenhaus mit Bräuhaus, wo ehedem ein weit berühmtes Bier gebraut wurde. Hier bestand im 17. Jahrh. eine Glashütte der Schürer v. Waldheim, von der heute noch Reste vorhanden sind. Eine Berühmtheit Krombach's ist die im Garten des Knobloch'schen Hauses Nr. 19 im Oberdorfe stehende, vollkommen gesunde, etwa 10 _m_ hohe +Riesen-Eibe+ mit einem Umfange von 3·60 _m_ in Manneshöhe; ihr Alter wird von Einigen auf 940, von Andern sogar auf 1800 Jahre geschätzt, weil die Eibe überaus langsam wächst. Jedesfalls ist sie älter als das Dorf. Übrigens gibt es im Ortsgebiete noch zwei jüngere Eiben von 7--8 _m_ Höhe, und es ist möglich, daß es sich hiebei um den Rest eines älteren Eibenbestandes zwischen Krombach und Spittelgrund handelt. Im bairischen Erbfolgekriege, insbesondere aber am 22. Sept. 1778, beim Einmarsche der feindlichen Truppen, litt der Ort sehr.
Uns r. wendend, haben wir nach 150 Schritten den =Hain-Sattel=, die Sattelhöhe zwischen Hochwald und Johannisstein auf der Hauptwasserscheide (578 _m_) zwischen Ost- und Nordsee erreicht, über die auch die Landesgrenze zwischen Böhmen und Sachsen streicht und Krombach von Hain scheidet; die beiden obersten Häuser beider Orte stehen zu beiden Seiten der Straße; r. das zu Hain gehörige Gasthaus »Kaiser Wilhelmshöhe« und l. das zu Krombach (als Nr. 182) gehörige im Jahre 1903 erst erbaute Gasthaus »zur Kaiser Franz Josefs-Höhe«. Gerade auf letzteres zu führt der Kammweg; hier haben wir vor uns den Töpfer, rückwärts den Kleis, r. den Hochwald, l. den Johannisstein.
Zu Krombach, als Nr. 175, gehört auch die ebenfalls einschichtige +Gastwirtschaft+ am =Johannisstein= l. Hand; sie enthält Tanzsaal und Fremdenzimmer (Nachtlager für 10 Personen zu ~K~ 1.80) und wurde 1880 auf einem Grundstücke des ehemaligen »Dreilinden-Gutes« errichtet. Ein Abstecher dahin von unserm Standpunkte beim Gasthause »zur Kaiser Franz Josefs-Höhe« erfordert nur 5 Min. auf einem langsam ansteigenden Bauernwege. Der Johannisstein ist ein kahler, freistehender Klingsteinfelsen von 596 _m_ Seehöhe, dessen Gestein in fast wagrecht liegende Säulen abgesondert ist, die sich nach oben zu verkürzen und eine natürliche Treppe darstellen. Der Berg wird von der Landesgrenze geschnitten und soll den Namen von einem Stollen haben, der bei Gelegenheit von Bergbauversuchen 1538 und 1559 hier angelegt wurde, nach Anderen von einer Statue Johannis des Täufers, um die man beim Abbrennen der Johannisfeuer tanzte. An seinen Lehnen wächst Feld-Enzian (~Gentiana campestris L.~). Beim Baue der Gastwirtschaft fand man Pfeilspitzen, verschiedene Münzen, eine Hellebarde aus dem 14. Jahrh., eine Reiterpistole, eine französische Medaille u. dgl. als Erinnerungszeichen an die mannigfachen Kriegsereignisse, die sich in dieser Gegend abspielten. Der Erbauer der Gastwirtschaft hat 1881 den Felsen durch eine bequeme, mehr als 40 Stufen zählende Treppe zugänglich gemacht und oben eine steinerne, turmartige +Aussichtswarte+ angelegt. Die Aussicht von da, zu deren Genusse man sich eines Automat-Fernrohres gegen eine Gebühr von 10 Pf. bedienen kann, ist entzückend und besonders weitreichend gegen Böhmen, wo Berg an Berg sich reiht; im Herbste 1853 erfreute sich Kaiser Ferdinand I. von Österreich daran, als er von Reichstadt aus sein Herrschaftshaus in Krombach besuchte. Im Nordosten blickt man über Hain auf Berg und Tal Oybin, dahinter ein Teil von Zittau mit dem Viadukt der Reichenberger Bahn, r. vom Oybin den Töpfer, l. den Pferdeberg, l. von diesem (im Norden) den Jonsberg, dahinter das Jonsdorfer Tal, Großschönau, den Gebirgszug zwischen Bautzen und Löbau, am Horizonte die Landeskrone; im Westen den Plissenberg mit dem Rabensteine, dahinter die Lausche und den gr. Winterberg; südwestlich übers Krombacher Tal aufs Schwoikaer Gebirge und den Kleis, südlich Hochwald und Jeschkenkoppe, östlich das Iser-, dahinter das Riesengebirge.
Das in alten Zeiten noch nicht bestandene, nördlich von Krombach jenseits Landesgrenze, am Ursprunge eines in die Mandau sich ergießenden Baches zu beiden Seiten der nach Oybin hinabführenden Steilstraße, die dem Winter-Sporte der +Hörnerschlittenfahrten+ (die Person 30 Pf.) dient, gelegene Dörfchen =Hain= zählt einige 30 Häuser mit zum Teil wunderlich-altertümlichen Holz-Essen und hat sich dank seiner Gebirgs- und Höhenlage -- es ist die höchst gelegene (550--578 _m_) Ortschaft der Oberlausitz -- zu einer beliebten +Sommerfrische+ entwickelt. Außer der erwähnten Gastwirtschaft »Kaiser Wilhelmshöhe« bietet das »Forsthaus Hain« im Mitteldorfe vorzügliche Verpflegung. Westlich bei Hain liegt auf einer freihinaushängenden, mit einem Geländer umgebenen Felsplatte der herrliche +Aussichtspunkt »Ludwigshöhe«+, wo man das ganze liebliche Oybintal vor sich hat mit dem Jeschken rückwärts.
Durch schönen Wald gelangt man auf der Steilstraße über Hain in 20 Min. zu den ersten Häusern des =Kirchdorfes Oybin=, in 40 Min. zur Bahnstation. Der Ort zählt 800 Einwohner, eine bedeutende Anzahl schöner Villen, eine Studentenherberge, und zieht sich nahezu eine Stunde lang in einem Tale hin, das von einem Kranze felsiger Waldberge (Töpfer, Scharfenstein, Ameisenberg, Pferdeberg, Berg Oybin) umschlossen und seit 1873 ein stark besuchter +Bade- und klimatischer Kurort+ für Nervenleidende und Blutarme geworden ist. Der weitgespannte Waldsaum und die niedrigeren Berghänge bieten eine Fülle der angenehmsten Spaziergänge, die umliegenden, vortrefflich zugänglich gemachten Fels- und Berggipfel die herrlichsten Aussichten, deren Erschließung ein Verdienst des dortigen Gebirgsvereines ist. Die Perle des Oybintales aber ist der vielbesuchte =Berg Oybin=, ein mitten aus dem Tale 116 _m_ hoch in Gestalt einer riesigen Felsglocke, in mehreren Terrassen aufsteigender, von Runsen durchfurchter Sandsteinberg. Seine Oberfläche trägt die ansehnlichen Reste einer durch Heinrich von Leipa um 1312 erbaut gewesenen, 1343 auf Geheiß des Kaisers Karl IV. zerstörten +Ritterburg+ und eines von demselben Kaiser 1366--1384 an ihrer Stelle nach Plänen Peter Parler's von Gmünd erbauten, seit 1577 in Ruinen liegenden Cölestiner-+Mönchsklosters+ mit einem, von dem um die Hebung Oybins vielverdienten ~Dr.~ Alfred Moschkau 1879 begründeten und seit 1883 dort befindlichen, +historischen Museum+ (Eintritt 50 Pf.), ferner den 1515 angelegten Ortsfriedhof und den Gesellschaftsplatz mit +Gastwirtschaft+ und reizender +Aussicht+ gegen Zittau. Man besteigt ihn vom Bahnhofe an der 1734 erbauten, teilweise in den natürlichen Felsen gearbeiteten Kirche vorüber in 20 Min.
Unseren Kammweg fortsetzend, wenden wir uns von der Straße, auf der wir gekommen, bei dem Gasthause »zur Kaiser Franz Josefs-Höhe« in spitzem Winkel l. von der Landesgrenze ab und verfolgen den Fahrweg, der auf das einzelne Krombacher Gehöft vor uns führt; dasselbe bleibt knapp r. Wir wandern nunmehr durch längere Zeit wieder auf böhmischem Boden.
Vor uns, in südwestlicher Richtung, haben wir jenseits des kahlen Gulichberges den Kleis, l. davon in südlicher Richtung den Mergtaler Limberg, dahinter den Lauf- und Kamnitzberg; r. vom Limberge der Ortelsberg vor dem Wilsch, r. davon der spitze Ronberg neben der Koselspitze, vor dieser der Grünerberg (l.) mit Großmergtal (Kirche) und der Glasertberg (r.); nahe am Kleis der Hutberg bei Mertendorf; r. vom Kleis bis zur Lausche im Westen sind die Berge bei Falkenau eingeschoben.
Nach 2 Min. senkt sich der bis dahin ebene Weg; der Mühlsteinberg mit seinen Brüchen wird r. sichtbar; wir kommen an einer Einschicht (l.) -- auf der sogenannten »Katzenstirn«, wenn wir recht berichtet sind -- und einem Wäldchen (r.) vorüber, worauf r. neben dem Mühlsteinberge auch der +Jonsberg+ (642 _m_, Klingstein, hieß 1450 Jonasberg) sichtbar wird, an dem l. vorüber der Blick über weites Gelände hin auf den Kottmar und den Löbauer Berg schweift. Nach 8 Min. treffen wir auf die Straße, welche von Krombach nach Jonsdorf durch =Schanzendorf= zieht u. zw. gerade in der Mitte des Dorfes, bei einer Markentafel und einem Verzeichnisse der Gasthäuser des Ortes. Letzteres Dorf, das jetzt 136 Häuser zählt, soll auf den Gründen des Krombacher Meierhofes erbaut sein, weshalb es auch im Gemeindeverbande von Krombach ist; seinen Namen führt es seit 1778, seitdem die österr. Kroaten hier gegen die Preußen und die mit ihnen verbündeten Sachsen Schanzen errichtet hatten, die Kaiser Josef II. am 19. September 1779 in Augenschein nahm und die 1813 von den Franzosen wieder in Stand gesetzt wurden und teilweise am »Heidelstein«, wo vor etwa 25 Jahren Sandstein gebrochen wurde, noch zu sehen sind. Wo Schanzendorf heute steht, führte zu einer Zeit, als die Gegend noch unwirtlich war, die alte Leipaer Straße von Zittau her über Nieder-Oybin zwischen Jonsberg einerseits und dem Ameisenberge mit dem Pferdeberge andererseits hindurch über den sog. »Stern«, wo die Wege von Schanzendorf, Jonsdorf, dem Jonsberge, der Ludwigshöhe, dem oberen Hain und dem Johannisstein zusammentreffen; sie ist von der Landesgrenze ab schon längst nur mehr ein Waldfahrweg, seitdem die Zollstraße über Jonsdorf und über die zugleich die Landesgrenze und Hauptwasserscheide bildende bewaldete Sattelhöhe (487 _m_) zwischen Plissenberg und Jonsberg verlegt ist; die alte Straße mündet in die jetzige dort, wo wir auf diese treffen.
Auf letzterer Straße erreicht man vom letzten Hause in Schanzendorf, dem Zollamte, in 20 Min. das Nebenzollamt und das Gasthaus »Schweizertal« in Neujonsdorf, 10 Min. weiter die +Station Jonsdorf+, Endstation der Bahnlinie Zittau-Jonsdorf, nächst der Kirche von Altjonsdorf. Kirchdorf =Jonsdorf=, Geburtsort des Lausitzer Historikers Pescheck, Sitz eines rege wirkenden Gebirgsvereines, zerfällt in Alt- und Neujonsdorf und hat sich neben Oybin wegen seiner klimatisch milden Lage in breitem, sonnigem Tale, wegen seiner herrlichen Waldanlagen und Felsszenerien und wegen seiner reichen Auswahl guter Privat- und Gastwohnungen zu einer beliebten +Sommerfrische+ emporgeschwungen; besonders Neujonsdorf ist ein Gebirgs-Idyll schönster und eigenster Art und besitzt in seiner »+Felsenstadt+« am phonolithischen Mühlsteinberge (562 _m_, seit Jahrhunderten bestehende +Mühlsteinbrüche+ daselbst östlich der Felsenstadt) mit ihren wunderbaren Felsgestaltungen, ihren Aussichtspunkten (Karola- und Albertfelsen, Friedrichshöhe) und dem in Basaltsäulenform abgesonderten Sandstein (am Humboldtfelsen zur Erinnerung an den Besuch des berühmten Gelehrten im Jahre 1851 so benannt, und an der Orgel) ein landschaftliches Juwel eigenster Art. Wer dieselbe besuchen will, zweigt vom Zollhause an der Schanzendorfer Straße ab und trifft bei den Rabensteinen wieder auf den Kammweg.