Kammweg-Führer von der Jeschkenkoppe bei Reichenberg bis zum Rosenberg bei Tetschen mit Berücksichtigung der anschliessenden Kammwege

Part 3

Chapter 33,302 wordsPublic domain

Nun gehts wieder bergan, immer auf der Hauptwasserscheide, auf den langgestreckten Rücken des =kl. Kalkberges= (687 _m_); schöner Mischwald (Buche und Fichte) nimmt uns auf, doch hat man alsbald noch einen Ausblick l. wie von der Christofskapelle, nur daß noch die zusammenhängenden Kirchdörfer Kriesdorf und Seifersdorf im Vordergrunde dazu kommen. Wir kommen hinter einer feuchten und schluchtähnlichen Stelle mit reichlichem Pflanzenwuchs (Bingelkraut, Christofskraut u. a.) nach 8 Min. zu einem alten +Kalksteinbruche+, der dem Berge den Namen gegeben hat, wohl schon vor mehreren Jahrhunderten betrieben worden sein mochte und einem in das Phyllitgestein eingebetteten Querzuge angehört. Nach weiteren 4 Min. sind wir auf der Höhe des Berges; der Weg mündet auf eine begraste, waldumschlossene Fläche, von der er sich nach r. auf einen reich mit Himbeergesträuch bewachsenen Hau wendet, wo sich über Christofsgrund hinweg ein +großartiger Ausblick+ aufs Isergebirge mit den Hemmrichbergen, der Tafelfichte, dem Taubenhaus und dem Schwarzenberge, sowie auf das r. sich anschließende Riesengebirge (Reifträger) darbietet. Der Weg über den Hau nimmt 1½ Min. in Anspruch. Doch hat man den geschilderten Ausblick, wozu sich nach rückwärts auch die Jeschkenkoppe gesellt, noch 2½ Min., während der Weg durch mäßig hohen Jungwald eben weiterführt. Dann gehts abwärts vom Bergrücken und die Aussicht verschwindet. Hoher Fichtenwald mit massenhaftem Heidelbeerkraut besäumt den Weg, der nach 6 Min., zuletzt ziemlich steil, auf eine gelichtete Waldstelle ausmündet, die +Einsattlung+ zwischen kl. Kalkberg und Spitzberg, wo man l. unten einige Häuser von Schönbach sieht, dahinter Teile von Hennersdorf und Postrum vor dem Tolz- und Ortelsberge. Auf einer anschließenden Waldwiese trifft man auf einen Fahrweg, der l. von +Schönbach+ (30 Min.) heraufkommt und r. zum Lochförster nach +Christofsgrund+ (30 Min.) hinabführt.

Erforderlichenfalls kann man hier zur +Station Schönbach-Seifersdorf+ nördlich beim Marktflecken =Schönbach= hinabsteigen. Der prächtig zur Sommerfrische geeignete Ort hat über 180 Häuser, die sich längs des Schönbaches bis knapp an den Gebirgskamm heraufziehen, eine 1725 erbaute Kirche mit einer wundertätigen Madonnenstatue aus dem 17. Jahrh., und einen 1766 zur Erinnerung an den damaligen Aufenthalt Kaiser Josef II. im Hofe des Gasthauses Nr. 47 errichteten Gedenkstein.

Im Mischwalde weiter, anfangs ziemlich eben, zuletzt steiler bergan, an mehreren alten Reviersteinen (r.) mit der Jahreszahl 1709 vorüber, kommt man in 12 Min. auf eine ebene, waldumschlossene Rundung, 20 Schritte im Durchmesser, wo von fünf Seiten Waldwege einmünden, die Kuppe des =Spitzberges= (686 _m_). Von da tritt man in der Kammrichtung nach 1 Min. auf einen alten Holzschlag heraus, die sogenannte »+Aussicht+«, wie eine Tafel daselbst besagt. Obwohl nur über einen Quadranten (Südwest bis Nordwest) sich erstreckend, bietet dieselbe viel Fesselndes.

Greifbar unter sich hat man den Bahnhof und einige Häuser vom Markte Schönbach, dahinter den Johnswald und r. davon Pfarrdorf Ringelshain vor dem Mergtaler Limberge, an den sich nach r. der Falkenberg jenseits Gabel und der Hochwald (hinter dem Kirchberge bei Pankraz) anschließen; zwischen Lim- und Falkenberg ist im Hintergrunde das Falkenauer und Kreibitzer Gebirge eingeschoben. R. vom Hochwalde zieht sich das waldreiche Gabler Gebirge mit dem Schwarzen- und Welsberge bis zum ruinenartig gegipfelten Pfaffenstein und dem Görsdorfer Spitzberge, an den sich nach vorn zu, am weitesten r., der Trögelsberg, Schwammberg und der große Kalkberg vor uns anreihen. In dem Winkel zwischen Hochwald und Pfaffenstein sind rückwärts die Oybiner Berge (Jonsberg, Brand, Töpfer) eingeschoben; zwischen dem Görsdorfer Spitzberge und dem Schwammberge hindurch auf das scheinbar unbegrenzte, reich besiedelte Flachland westlich Zittau. Im Südwesten schließt der massige Tolzberg mit dem an seinen Fuß gelehnten Dorfe Postrum das abwechslungsreiche Bild ab, in das sich zwischen Tolz- und Mergtaler Limberg eine Reihe von Kuppen -- Laufberg vor dem Koselrücken, Schwoikaer Gebirge, Ortelsberg vor dem Sonnebergrücken, Kleis vor dem Blottendorfer Rücken -- einfügen.

Gleich hinter der »Aussicht« beginnt der Abstieg vom Spitzberge. Nach 6 Min. ist man auf einem wichtigen Kreuzungspunkte von Wegen an der Grenze der Phyllit- und Grauwackenregion; letztere umfaßt sandsteinartige Gesteine, die dem Untersilur zugehören und uns bis Paß begleiten. Eine +Rasenbank+ unter den Bäumen dient als Jägerruhe. Eine Markentafel verweist in der Kammrichtung weiter auf den +gr. Kalkberg+ (789 _m_) und nach Freudenhöhe (1½--2 Std.). Diesen Weg einzuschlagen, lohnt aber gegenwärtig weniger, da der Gipfel verwachsen ist. Deshalb verweist auch unser blaues Kammzeichen nach r. um den gr. Kalkberg herum über die Eduardsbuche zur Freudenhöhe (1½ Std.). Mit den Ausblicken und Wandelbildern, wie sie die bisher zurückgelegte Kammstrecke bot, ist es auf diesem Wege so gut wie zu Ende; dafür kommen die Reize des Waldlebens ungestörter zur Geltung, insbesondere das vielstimmige Konzert der gefiederten Waldsänger: Ammern und Laubsänger spinnen ihre kunstlosen Weisen, Rotkehlchen, Grasmücken, Drosseln und auch wohl Goldamseln wetteifern in prächtigen Strofen, und Meister Kukuk oder Meister Specht schlagen den Takt dazu; dazu gesellt sich zeitweise das Rascheln eines Eichkätzchens, das mit graziöser Behendigkeit die Stockwerke majestätischer Fichten bis in die höchsten Spitzen durchklettert, oder der schrille Schrei eines Waldkauzes, oder ein Stück »Wild«, im zahmen Sinne gemeint, da von eigentlich »wilden« Tieren nichts mehr zu befürchten ist; 1679 wurde oberhalb Hanichen der letzte Bär und 1766 der letzte Wolf in der Gegend geschossen.

Wir verlassen also den Gebirgskamm und steigen auf dem =Hesche-Wege= (nach einem Bauer benannt) um die östliche Lehne des gr. Kalkberges allmählich abwärts, auf prächtigem Rasenwege zwischen vorherrschendem, zum Teil, besonders r., reinem Buchenbestand, wobei nach 7 Min. ein Rückblick auf den Spitz- und kl. Kalkberg vorübergehend sich öffnet. Üppige Farnkräuter (Adler-, Wurm- und Tüpfelfarne) neben nicht minder üppigen Haingreiskraut (~Senecio Jacquinianus Rchb.~) und vereinzelten Exemplaren von Einbeere (~Paris quadrifolia L.~) und süßer Wolfsmilch (~Euphorbia dulcis L.~) besäumen den Weg. Nach weiteren 6 Min. sieht man r. unten, vor dem Rücken des Langeberges und seines Ausläufers, des Kirchberges, den Christofsgrunder Talweg. Noch 5 Min. und der Weg wird bedenklich sumpfig, als Folge von nicht weniger als 4 +Quellen+, deren Abflüsse hintereinander den Weg queren und ihren Weg hinab zum Lochbache nehmen, einer Ader des Eckersbaches. Nicht bloß mannigfaches Gekräuter, wie insbesondere Pestwurz (~Petasites albus Gaert.~) und fleischfarbige Ragwurz (~Orchis incarnata L.~) gedeihen hier prächtig, sondern auch Seidelbast, Hainbuche, Traubenhollunder, Ahorn, Rüster und Esche, die sich immer mehr zu einander neigen und schließlich einen dicht schattigen Laubengang mit märchenhaft smaragdgoldener Dämmerung bilden; junger, würziger Fichtenwald schließt sich an und immer rascher geht es abwärts, bis wir, 15 Min. hinter der Sumpfstelle, auf einer Holzbrücke den Lochbach, der l. im Sattel der Eduardsbuche seinen Ursprung hat, überschreitend, auf der herrschaftlich Clam-Gallas'schen Waldstraße daneben stehen, die von +Christofsgrund+ über den +Lochförster+ heraufkommt und die +Station Christofsgrund+ in 40 Min., die +Station Machendorf+ in 1 Stde. erreichen läßt. Hier gibt ein Wegweiser die Entfernung bis Freudenhöhe, unser vorläufiges Ziel, mit 1 Std. an.

Wir folgen der breiten, von roten Lichtnelken (~Lychnis diurna Sibth.~) und Farnen reich besäumten Straße nach l. aufwärts in prächtigem Fichtenwalde und kommen in 10 Min. zur =Eduardsbuche=, einem mächtigen Baumriesen von 3·75 _m_ Umfang (in Brusthöhe gemessen) mitten im Fichtenwalde auf der 598 _m_ hohen Einsattlung zwischen großem Kalkberge und Langeberge, an welcher Stelle der Sage nach einst ein Duell zwischen einem Grafen Gallas und einem adeligen Offizier stattgefunden haben soll. Der Stamm zeigt viele Einschnitte von Buchstaben und trägt zu Ehren des im Jahre 1891 verstorbenen Herrschaftsbesitzers Eduard Grafen Clam-Gallas ein kleines Blechbildnis des hl. Eduard. An einer Fichte unweit davon hängt ein Marienbild (»Gewidmet 1898«), davor eine Ruhebank. Mehrere Markentafeln an den Bäumen verweisen durchs Bauersloch nach +Christofsgrund+ (1 Std.), auf den +Langeberg+ (½ Std.) und weiter nach +Frauenberg+ (1 Std.) oder +Machendorf+ (1½ Std.), und nach +Freudenhöhe+ (¾ Std.). Auch nach l. führt ein Waldfahrweg in einer Stunde nach +Pankraz+.

Der =Langeberg= (707 _m_) bietet vom »Brand« aus, einem schmalen Platze unter seinem Gipfel, einen lohnenden Ausblick in ö. Richtung über die Reichenberger Senke auf den Gickelsberg, Teile des Isergebirges (Tafelfichte, Vogelkoppen, Taubenhaus) und die westlichen Teile des Riesengebirges, sowie in unmittelbarer Nähe südöstlich auf die Jeschkenkoppe, welche einen ausgedehnten Waldkomplex überragt.

Auf der prächtigen, streckenweise neu geböschten und geschotterten Waldstraße wandern wir nach l. weiter am nordöstliche Gehänge des gr. Kalkberges. Abwechslung bieten die mannigfachen Blütenpflanzen beiderseits des Weges, darunter: Braunwurz (~Scrofularia nodosa L.~), Waldziest (~Stachys silvatia L.~), schmalblättriges Weidenröschen (~Epilobium angustifolium L.~). Nach 8½ Min. kommen wir an einer kleinen +Quelle+ (l.) vorüber, einer Ursprungsader des Kaltbaches, der bei Weißkirchen in die Neiße mündet. Nach 7 Min. geht es allmählich bergab, wobei wir an einem alten +Steinbruch+ (l.) im Grauwackenschiefer vorüberkommen und gleich darauf einen kurzen Ausblick r. ins Neißetal erhaschen. Nach 7 Min. quert ein +Bächlein+ die Straße, das unterhalb Weißkirchen in die Neiße mündet. Nach 6 Min. kommt l. der grün markierte Weg vom Gipfel des +gr. Kalkberges+ herab. Nach 5 Min. macht die Straße eine weit ausgreifende Kehre und mündet dann nach 8 Min. unten auf die Kratzau-Deutschgabler Reichsstraße in =Freudenhöhe=, wo man l. den gr. Kalkberg, den Schwamm- und den Trögelsberg, sonst aber nichts sieht als Wald und wieder Wald. Freudenhöhe, ein zu dem 45 Min. entfernt im Neißetale unten gelegenen, alten Pfarrdorfe +Weißkirchen+ (215 Häuser, mehrere Fabriken, Kaiser Josef-Denkmal, hieß ursprünglich Heinrichsdorf) gehöriger Weiler, liegt einsam und idyllisch 381 _m_ hoch auf der breiten Einsattelung zwischen gr. Kalkberg und Trögelsberg und besteht aus gräflich Clam-Gallas'schem Forst-, Heger- und Gasthause, welch letzteres als Ausflugsort sowohl wie als Sommeraufenthalt viel aufgesucht wird. Vor dem Gasthause an der Straße, die schon in uralter Zeit den Verkehr aus dem Polzenlande ins Neißetal vermittelte, steht eine alte Esche; die Buchen hinter dem Gasthause bieten einen angenehmen Aufenthalt. Hinter dem Forsthause, das 1795 vom Grafen Christian Philipp Clam-Gallas angelegt wurde, führt in nördlicher Richtung schnurgerade ein breiter, schöner Weg durch Laubwald in wenigen Min. zu einer Linde auf freiem Platze, der sogenannten »+schönen Aussicht+« (417 _m_) mit weitem Ausblicke nach Nord und Ost.

Nord: Zu Füßen das Neißetal in weiter Ebene mit Kronau, Ketten, Grottau, Rosental und Rohnau; l. von Zittau Bertsdorf und Olbersdorf; l. hinter Zittau der Breiteberg, Oderwitz mit dem Spitzberge und der Kottmar (Turm) hintereinander; weiter draußen r. Rotstein und Landeskrone bei Görlitz; hinter Kronau Schloß Grafenstein, Ullersdorf, Friedersdorf (Kirche) und Dittelsdorf; r. von Grafenstein Kohlige, Wetzwalde, Reibersdorf und Königshain hinter einander. Ost: Die Kämme des Isergebirges mit der Tafelfichte (Turm) im Hintergrunde.

Entfernter (30 Min.) von Freudenhöhe liegt 576 _m_ hoch mitten im Walde die =Burgruine Roynungen= oder Roymund, vom Volke »Rumschloß« geheißen. Im Frühjahr und Herbst, wenn die Bäume ohne Laub sind, ist sie auch vom Forsthause aus sichtbar. Im Gasthause erhält man einen Führer. Der Weg dahin führt über die Hirschwiese gegenüber dem Forsthause -- Fundort von hollunderduftendem Knabenkraut (~Orchis sambucina L.~) -- in den Wald und in diesem ziemlich steil aufwärts. Es ist bloß noch ein 2·5 _m_ dicker, 15--20 _m_ langer und 8--10 _m_ hoher Mauerteil des ehemaligen Burggebäudes vorhanden, ferner der Rest eines runden Turmes und einer Brustwehr, und ein ursprünglich ovaler, gegen 3 _m_ hoher Wallgraben. Auf und zwischen den den Burghof bedeckenden Gesteinstrümmern wuchern Farne, Moose, insbesondere auch Tollkirsche (~Atropa belladonna L.~). Von wenig mittelalterlichen Burgen kennt man so genau, wie von dieser, nicht nur den Namen des Erbauers -- Johann v. Dohna --, sondern auch das Jahr, selbst den Tag der Gründung -- 17. Okt. 1347 --; sie blieb auch Zeit ihres Bestandes im Besitze des Dohna'schen Geschlechtes, war bis 1429 bewohnt und erscheint 1584 urkundlich als »ödes« Schloß. Es wird angenommen, daß sein Besitzer Nikolaus von Dohna, als er im Jahre 1512 das Gebirge von Straßenräubern reinigte, auch die Gebäude der jedenfalls schon lange nicht mehr bewohnten Burg schleifen ließ.

Wer in Freudenhöhe die Kammtour abbrechen will, erreicht nordöstlich die nächste +Bahnstation Weißkirchen+ in ¾ Std.

Freudenhöhe-Tobiaskiefer (2½ Std.).

Von Freudenhöhe weg wandert man auf der prächtigen Kaiserstraße wsw.; sie zieht sich zwischen hochstämmigem Wald, der jede Aussicht absperrt, an der nach N. abfallenden Lehne des Schwammberges fast eben dahin und ist überdies rechterseits mit einer Allee alter Eschen besäumt. Erst nach 14 Min. wird die Straße waldfrei; r. vorn erscheint der Trögelsberg, l. rückwärts an der Lehne des Schwammberges begrüßt uns als erster Vorposten des Sandsteingebirges das schroffe, von Kletterfexen hie und da aufgesuchte Gebilde des »+Rabensteins+«. In 1 Min. ist die einschichtig an der Straße r. gelegene als No. 168 zu dem wenige Min. entfernten Pfarrdorfe +Pankraz+ gehörige =Windschänke= auf der 391 _m_ hohen Satteleinsenkung zwischen Schwammberg (659 _m_) und Trögelsberg (537 _m_) erreicht, wo von r. her aus dem Neißetale eine Bezirksstraße über die weit zerstreute Ortschaft +Niederberzdorf+ (117 H.) in 45 Min. einmündet. Das Gasthaus führt seine Bezeichnung »+zur freien Aussicht+« nicht mit Unrecht: ein fesselndes Panorama spannt sich zwischen den Gehängen des Schwammberges im SW. und des Trögelsberges im NO.

So ziemlich den Mittelpunkt bildet über Ringelshain (Kirche und Fabriksschlote) der Ortelsberg bei Zwickau, dem in gleicher Entfernung der Limberg bei Mergtal r. und der Tolzberg bei Brims l. zur Seite steht. Zwischen Ortelsberg und Limberg sind rückwärts die Rücken von Sonneberg und Blottendorf eingeschoben; knapp r. am Limberg zeigt sich die Spitze des Kleis über den Häusern von Schwarzpfütze im Vordergrunde, dann folgt vorn der Falkenberg bei Petersdorf vor den Bergen bei Falkenau, und den Abschluß auf dieser Seite bildet der Hochwald (Turm), hinter dem r. der Gipfel der Lausche hervorschaut. Andererseits, zwischen Ortelsberg und Tolzberg, erhebt sich der Laufberg bei Brims l. hinter Ringelshain. 2. an den Laufberg schließt sich jenseits der hochgelegenen Häuser von Kunewalde das Schwoikaer Gebirge vor dem Koselrücken. 2. vom Tolzberge hat man das Pfarrdorf Pankraz zu Füßen vor dem Kirchberge, der den Roll deckt, l. neben sich aber die Spitzen der beiden Bösige dem überraschten Beschauer frei läßt.

Das Gasthaus gehört zu dem vor uns am Fuße des Kammes liegenden, nur wenige Min. entfernten, alten Pfarrdorfe =Pankraz=, das im 14. Jahrh. »Dietrichsdorf« hieß, in der 1710 erbauten Kirche zwei wertvolle Bilder besitzt und 176 Häuser zählt, deren Bewohner vorwiegend Landwirtschaft betreiben. Pankraz ist Geburtsort des 1662 im Alter von 55 Jahren verst. gekrönten Dichters Christian Keimann. Von hier sind die +Bahnstationen Ringelshain+ und +Schönbach-Seifersdorf+ auf guten Straßen in je 40 Min. zu erreichen, wobei man die ganz nahe r. am Saume des Trögelsbergwaldes gelegenen »Elefantensteine« nicht übersehen möge, Sandsteingebilde von Elefanten ähnlicher Gestaltung, die nach ihrer Färbung auch die »weißen Steine« genannt werden.

Knapp hinter dem Gasthause zweigt der Kammweg r. von der Kaiserstraße ab und führt ziemlich steil in einer Art Hohlweg lehnan durch Nadelwald auf die Höhe des =Trögelsberges= (537 _m_). Dieser bildet den höchsten Punkt des westlichen Abfallrückens des Jeschkengebirges und ist sowohl wegen des in scharfem Kamm anstehenden und den darunter lagernden Grauwackenschiefer in steil aufgerichteten mächtigen Bänken überragenden Koryzaner Quadersandsteins, wie auch wegen der in den Sandsteinbrüchen daselbst vorfindlichen +Versteinerungen+ (insbes. ~Pecten aequicostatus~) eine für Geologen höchst interessante Örtlichkeit, so daß selbst Alexander v. Humboldt, wie es heißt, noch als Greis im J. 1851 hieher reiste. Auch Kaiser Josef II. berührte am 17. Sept. 1779 gelegentlich seiner strategischen Bereisung Nordböhmens diesen Berg. Er gewährt von den felsigen Punkten seines Kammes -- der Gipfel selbst ist bewaldet -- eine weite +Rundsicht+, die nur gegen den sö. vorgelagerten Jeschkengebirgszug unterbrochen, äußerst lohnend aber gegen W. ist.

Im N. erblickt man zu Füßen die Häuser von Niederberzdorf, dahinter Grottau und Zittau mit den umliegenden Ortschaften, rückwärts -- besonders schön -- die Landeskrone bei Görlitz; nö. den Gickelsberg, weiter r. das Isergebirge mit den Vogelkoppen und der Tafelfichte; ö. unten im Neißetale Weißkirchen und einen Teil von Kratzau; sö. jenseits des Pankrazer Sattels den massigen Kalkberg und den Langeberg; s. Ruine Dewin, r. davon die Hirschberge, Roll, Wartenberger Limberg, Kamnitzberg (Turm); Tolzberg im Südwesten, r. dahinter Leipaer Spitzberg (Turm) und Schwoikaer Gebirge; w. Ortelsberg und Mergtaler Limberg; nw. Hochwald und Lausche hinter dem Pfaffenstein.

Wohl Niemand versäumt es, ein oder das andere Gesteinsstück mit besonders schönen Muschelabdrücken aus dem zum Teil mauerartig aufstrebenden Gestein als Andenken abzulösen, bevor er über das bröcklige Gestein der Kuppe hinabsteigt auf den bequemen Weg, der in prächtigem Jungwald längs des Kammes weiterzieht. Nach wenigen Min. kreuzt ihn ein Fußsteig, der von Pankraz herauf nach Niederberzdorf führt, ungefähr an der Stelle, wo der Blick an einer mächtigen Felsenwand vorbei auf den Hochwald fällt, der mit seinem Turme die vorliegenden Baumwipfel überragt. Ein prächtiges Bild! -- Hochstämmiger Nadelwald nimmt uns auf, die so eben erwähnte, vielfach zerklüftete Felsenwand, die sogenannten »Trögelsteine«, die im +Spitzstein+ (507 _m_) gipfeln, lassen wir zu unserer Linken und wandern etwas abwärts, hie und da an einen Grünsteinbrocken stoßend, bis wir -- 30 Min. nach Verlassen der Trögelsbergkuppe -- am Waldsaume bei einem hohen Kreuze angelangt sind, im Angesichte der Häuser von Paß.

Auf dieses Kreuz mag sich die folgende +Legende+ beziehen, die sich im Munde des Volkes erhalten hat und in Prof. Paudler's Kammwegbuche wiedererzählt wird. Als einst ein Grenzjäger dieses Christusbild erblickte, soll er ausgerufen haben: »Was kann so ein blecherner Christus nützen!« Und bei diesen Worten schoß er nach dem Christusbilde und traf den Heiland in die Seite. Allein in demselben Augenblicke stürzte der Grenzjäger tot zur Erde, um nie wieder ein Frevelwort auszustoßen.

Wir überschreiten die von Wiesen und Feldern überdeckte, 450 _m_ hohe Lichtung des =Passerkammes=, welcher als Scheidegrenze des Jeschkengebirges vom Sandsteingebirge gilt, dessen östlicher, 13 _km_ langer Flügel vom Lauschepaß bis hieher reicht. Das vorherrschende Gestein dieses Gebirges, das wir nunmehr bis zum Endpunkte der Kammwanderung, zum Rosenberge, nicht mehr verlassen, ist der Sandstein, der in Tälern und Schluchten in weißgrauen Felsmassen überall anzutreffen ist, im übrigen aber überlagert wird von mächtigen Decken des Basalts und Klingsteins, die der Landschaft eine weitgehende Gliederung verleihen.

Bevor wir weiterschreiten, beachten wir nach l., bezw. s. den Ausblick auf den Limberg bei Wartenberg und dahinter auf den Roll und die Buchberge bei Hühnerwasser, etwas weiter l. auf Silberstein und Spitzberg bei Audishorn. Nach 3 Min. sind wir bei den ersten Häusern des =Dorfes Paß=, das in diese Lichtung eingebettet ist. Bei der Ortskapelle treffen wir auf die Dorfstraße, wenden uns nach r. und haben das ansehnliche, massiv gebaute Slany'sche Gasthaus vor uns, neben einer stattlichen, im J. 1832 gepflanzten Linde, die einigen zur Rast einladenden Tischen und Bänken Schatten spendet. Paß ist ein kleines Gebirgsdorf mit 24 Häusern, die sich in zwei Reihen hinziehen, und mag ziemlich alt sein. Wenigstens war der »Paß« als Saumweg und Straßenübergang einst so berühmt, daß der Ortschaft diese Bezeichnung bis heute als Auszeichnung verblieben ist. Wegen seiner hohen und schönen Lage wurde der Ort in alter und neuer Zeit von Fremden viel aufgesucht und auch von Feinden heimgesucht, namentlich im Franzosenkriege 1813 und im Preußenkriege 1866; auch 1778 hatten hier und bei Spittelgrund die Preußen Verschanzungen und Verhaue angelegt. Auch ist am 30. Juni 1766 der nachmalige Kaiser Josef II. auf seiner Reise von Zittau nach Reichenberg von Grottau aus herauf geritten. Über Paß führt heute eine Bezirksstraße einerseits nach +Pankraz+ (45 Min.), andererseits über +Spittelgrund+ (30 Min.), wohin Paß eingeschult ist, in 40 Min. nach +Grottau+ (+Bahnstation+); auch von der +Station Ketten+ (40 Min.) über +Niederberzdorf+ (20 Min.) mündet eine Straße ein, während ein Fußweg über +Schwarzpfütze+ zur +Station Ringelshain+ führt (1 Std.). Reich ist die Chronik von Paß und Umgebung an Pascher- und Räubergeschichten, die zu der Zeit sich abspielten, bevor im vorigen Jahrh. (um 1830) die Grenzwache, die jetzige Finanzwache, errichtet wurde. Heutzutage ist man im Paßer Gasthause gut und sicher aufgehoben.

Zwischen Gasthaus und Linde hindurch führt der Kammweg weiter. Die an einander gereihten Häuser von Paß bleiben r., und über sie hinaus schweift der Blick auf das granitische Neißetal bei Zittau und Grottau, auf den Gickelsberg dahinter und weiter aufs Iser- und Riesengebirge. Während wir uns um den 532 _m_ hohen bewaldeten Hügel westlich des Dorfes herum nach l. wenden, kommen r. an der Tallehne des Spittelbaches einige Häuser des nahen Dorfes +Spittelgrund+ (74 H.) zu Gesicht, woselbst der Dresdner Bildhauer Franz Schwarz, ein Neffe des aus Grafenstein stammenden Bischofs Franz Bernert, geboren ist. Bald darauf nimmt uns hochstämmiger Nadelwald auf; ein breiter Pürschweg führt darin mit wenig Windungen und fast eben in westlicher Richtung weiter zur Seite des +Kaisergrundes+, der sich zur Rechten, aber für uns unsichtbar, am Spittelbach gegen die Tobiaskiefer hinaufzieht und seinen Namen deshalb bekommen hat, weil ihn Kaiser Josef II. am 17. Sept. 1779 in der Richtung auf Lückendorf durchritt; über ihn hinweg ist an vereinzelten Stellen blitzartig ein Durchblick gegen den Hochwald hin zu erhaschen.