Kammweg-Führer von der Jeschkenkoppe bei Reichenberg bis zum Rosenberg bei Tetschen mit Berücksichtigung der anschliessenden Kammwege

Part 2

Chapter 23,129 wordsPublic domain

Auf der Jeschkenkoppe befindet sich neben dem Koppenhause eine vom deutschen Gebirgsvereine aufgestellte große Tafel, auf welcher die +Abstiegswege+ mit den Marken und den Zeitangaben enthalten sind. Es sind folgende: 1. Auf dem Steilwege nördlich über den letzten Pfennig und Karolinsfeld oder über die schöne Aussicht und Johannestal oder auf dem Kamme südöstlich über Hanichen in je 1½--2 Stunden nach +Reichenberg+ (+Station+ der Südnorddeutschen Verbindungsbahn, der Außig-Teplitzer, der Zittau-Reichenberger und der Reichenberg-Grünwalder Eisenbahn); 2. Auf dem aussichtsreichen Kamme über die Kühnei entweder zur +Station Heinersdorf+ in 1½ Stdn. oder zur +Station Langenbruck+ in 2--2½ Stdn.; 3. Auf dem Kalkwege über Karlswald zur +Station Machendorf+ in 1½--2 Stdn.; 4. Über den Dänstein nach +Station Neuland+ 1¼ Std. oder weiter über Christofsgrund nach +Station Machendorf+ in 2½ Std.; 5. Über die Moiselkoppe und den Kriesdorfer Sattel in 1½ Std. zur +Station Kriesdorf+. Die vorletzte Strecke deckt sich zum Teil, die letztere ganz mit unserer Kammtour.

Unser Abstieg von der Jeschkenkoppe geschieht auf dem breiten und bequemen Wege, der längs der Fernsprechleitung in 30 Min. hinabführt auf die, seit 1866 in ihrer heutigen Gestalt bestehende, waldumschlossene Jeschkenstraße, und zwar auf deren höchsten Punkt (772 _m_) im =Auerhahnsattel=, der Sattelhöhe zwischen Jeschkenkoppe und Schwarzeberg (816 _m_), zugleich der Hauptwasserscheide zwischen Elbe (Jeschkenbach) und Oder (Berzdorfer Bach), von wo sie sich in vielen Windungen östlich über Hanichen nach Reichenberg, westlich über Kriesdorf nach Wartenberg und nach B. Aicha senkt. Der Auerhahnsattel ist die höchste Übergangslinie über das Jeschkengebirge und führt vornehmlich den Namen »Ausgespann«, weil vor dem Baue der jetzigen Straße die Vorspänne bis hieher verkehrten und in einer einfachen Schankhütte Unterstand fanden. Auf den fünf Seitenflächen einer granitischen Säule daselbst sind die Örtlichkeiten verzeichnet, welche man von hier auf bezeichneten Wegen erreichen kann: Jeschkenkoppe, Reichenberg, Machendorf, Christofsgrund, Kriesdorf, Hammerteich, Oschitz und B. Aicha.

Wir folgen der Jeschkenstraße wenige Schritte nach l. und lenken sofort r. auf einen breiten Fahrweg ab, der auf eine weite Waldblöße hinausführt, aber schon nach 1 Min. sich wieder gabelt. Hier ist eine Markentafel aufgerichtet, welche l. (blauer Punkt in weißem Felde) in 1--1½ Std. nach +Kriesdorf+, r. aber auf unseren Kammweg, bzw. nach +Neuland-Christofsgrund+ (1½ Std.) verweist.

Bevor wir auf letzterem weiter wandern, machen wir auf dem Kriesdorfer Wege einen Abstecher zu dem nur ein paar Schritte entfernten, mächtigen, dürren Baumstumpfe, der nur noch einen einzigen längeren Ast aufweist und ein kleines, blechumrahmtes Bild, die schmerzhafte Muttergottes darstellend, trägt. Die auffällige +Baumruine+, deren knorrige Rinde dicht mit Flechten und Moosen überwuchert ist, so daß sich nicht mit Sicherheit erkennen läßt, welcher Baum-Art sie angehört haben mag, verdient es, daß man nicht achtlos an ihr vorübergeht, zumal sie vom Stifte des Künstlers in Professor Paudler's Kammwegbuche verewigt wurde; ihren Fortbestand sichert übrigens das Heiligenbild.

Und nun weiter. In kaum 3 Min. überschreiten wir die Waldblöße. Rückwärts lassen wir dabei die in unmittelbarer Nähe mächtig aufragende Koppe, vor uns winkt die Moiselkoppe, zur L., in welcher Richtung ein hübsches +Echo+ hervorgerufen werden kann, haben wir den Rollberg bei Niemes, den Limberg bei Wartenberg und den Tolzberg bei Gabel neben einander, davor den Spitzberg bei Audishorn. Hochstämmiger Nadelwald nimmt uns auf, in ihm 1½ Min. abwärts, dann l. ein Hau, über welchen hinaus nach rückwärts abermals die Jeschkenkoppe erscheint. Dann wieder durch 5 Min. etwas abwärts zu einer Art Schneiße, die wir queren und die wiederum rückwärts auf die Koppe und den ruinenartigen »roten Stein« (841 _m_) an seinem westlichen Abhange, l. auf das Gelände zwischen Oschitz und B. Aicha einen Ausblick gestattet. Nach weiteren 5 Min. auf anfangs etwas ansteigendem, dann ziemlich ebenem Waldwege, wo man sich allenfalls an Heidelbeeren laben kann, trifft man bei einem Wegweiser, der l. an einem Baume hängt und die Entfernung von da bis zur Jeschkenkoppe mit ¾ Stunden angibt, abermals auf eine lichtere Waldstelle, wo wir die Moiselkoppe vor uns, l. (durchblicksweise) Dewin mit Hammerspitz zwischen den Bösigen und dem Roll, rückwärts die Jeschkenkoppe, r. aber ganz nahe, auf der Höhe des +Dänsteins+ eine grell vom Horizonte sich abhebende, abenteuerlich ausgezackte Quarzklippe erblicken. In 2 Min. sind wir in gerader Richtung etwas abwärts schreitend, wieder in dichterem Walde, steigen in demselben 1½ Min. lang hinab und stehen sodann -- 20 Min. vom Ausgespann ab -- auf dem =Oberkriesdorfer Sattel=, einer großen, an ~Arnica~ reichen Waldwiese, die von einem Wege gequert wird, der r. über den steilen und waldigen westlichen Abhang des +Dänsteins+ (gelbrote Marken) aus Neuland, und zwar aus dessen oberstem, 524 _m_ hoch gelegenen, 20 Min. entfernten Ortsteile +Haudorf+ heraufkommt und l. nach +Oberkriesdorf+ hinüberführt, dessen oberste, 593 _m_ hoch am Jeschkenbache waldumsäumt gelegene Häuser südöstlich zum Vorschein kommen -- ein ebenso malerischer, wie unerwarteter Ausblick. Dahinter sieht man an der zum Auerhahnsattel hinaufführenden Jeschkenstraße noch zwei, zu Kriesdorf gehörige Einschichten, nämlich das bekannte Gasthaus Prokop (Kleinsemmering) an der Gabelung der nach B. Aicha und Kriesdorf führenden Straßenstrecken und noch ein zweites Gasthaus, l. davon den gr. und den kl. Jeschken, der sich mächtig gegen Südwest hinlagert; r. vom Prokop den Hühnerberg bei Zwetlai, davor einige Häuser von Hodek an der nach B. Aicha führenden Straße. Zwei Markentafeln verweisen auf +Neuland-Christofsgrund+ (1 Std.), Jeschken (1--1¼ Std.) und +Moiselkoppe-Neuland+ (1 Std.).

Letzterer Weg ist der unsere. Er führt auf dem Damme, der die Wiese l. begrenzt, an den Waldrand, längs welchem wir, die Wiese zur Rechten, 4 Min. lang aufwärts wandern, wobei wir nach r. rückwärts einen Blick gewinnen auf die Vogelkoppen und das Taubenhaus im Sattel zwischen der Sauplatsche (große Lichtung) und dem Dreiklafterberg. Dann sind wir wieder im beiderseitigen Walde, wo nach 3 Min. l. eine Wiese folgt, hinter welcher man stark bergab zu einer zweiten, reichlich mit Arnika, hohen Schlüsselblumen (~Primula elatior Jacq.~) und langsporniger Nackt-Orche (~Gymnadenia conopea R. Br.~) bestandenen Wiese rechterseits gelangt mit Ausblick auf den Langenberg. Nach 3 Min. versperrt uns wieder beiderseitiger Wald die Aussicht; erst eben, dann abwärts kommen wir nach einander an drei +Quellen+ vorüber, Zuflüssen des Neuländer Grundbaches. Der Weg steigt dann wieder etwas bergan und geht später eben weiter; schöne Quarzbrocken mit eingefügtem Chloritschiefer, eine Zierde für jedes Terrarium, besäumen ihn; nach 7 Min. treten wir auf eine Waldlichtung heraus, wo wir zum ersten Male einen fesselnden Ausblick auf das Neuland-Christophsgrunder Tal gewinnen; l. ist der Langeberg, r. der Sommerhau bei Berzdorf mit der Waldstraße, im Hintergrunde in der Richtung des Tales der Gickelsberg sichtbar. Noch ein paar Schritte und wir sehen zur L. eine mächtige +Schutthalde+ unmittelbar am Wege, den Abraum eines darüber gelegenen Steinbruches, in welchem, den Fundstücken nach zu schließen, gelegentlich des Bahnbaues Grünstein gebrochen wurde, der von bis fingerstarken Kalkspatschnüren und -platten durchzogen ist. Herr v. Zimmermann, Chemiker in Leipa, besitzt schöne Handstücke aus diesem Bruche.

Der Steinbruch befindet sich an der =Moiselskoppe= (750 _m_), um deren nördl. Lehne der Kammweg herumführt; sie hat ihren Namen nach einem früheren Grundeigentümer, einem Kriesdorfer Insassen. Um auf dieselbe zu gelangen, braucht man bloß den grasigen Fußpfad einzuschlagen, der hinter der Schutthalde l. aufwärts führt. In etwa hundert Schritten ist man auf dem abgeholzten, westlichen Abfallsrücken der Koppe, von wo aus sich ein hübscher +Ausblick+ in westlicher Richtung auftut.

Zunächst haftet er an dem lang am Jeschkenbache sich ausdehnenden Pfarrdorf Kriesdorf zu Füßen, an das sich, am Jeschkenbache abwärts, das teilweise hinter den klippigen Rabensteinen (r. von der Kriesdorfer Kirche) versteckte Kirchdorf Seifersdorf anschließt. An dieses wiederum schließt sich Kirchdorf Hennersdorf, das sich, teilweise hinter dem Silberstein versteckt, gegen die Stadt Wartenberg l. hinzieht, welch letztere vom Audishorner Spitzberg verdeckt wird, hinter welchem der Wartenberger Limberg sichtbar ist. Zwischen Silberstein und Spitzberg hindurch hat man den Kamnitzberg bei Reichstadt; hinter dem Silberstein rückwärts zieht der Koselrücken; r. vom Silberstein wölbt sich der Tolzberg, r. von diesem der Laufberg vor dem Schwoikaer Gebirge, im Hintergrunde der Zinkensteinrücken. R. vom Laufberge bemerkt man den Ortelsberg vor dem Sonnebergrücken. R. von Kriesdorf liegt einschichtig der Kriesdorfer Bahnhof, die Straße dahin, sowie Bahn und Straße nach Schönbach, dieser Marktflecken selbst, weiter der Mergtaler Limberg, hinter diesem in gleicher Entfernung l. Kleis, r. Tannenberg (Turm). R. vom Kriesdorfer Bahnhofe zieht der bewaldete Jeschkenrücken mit den hinter einander aufgesetzten Kuppen der Scheuflerkoppe -- an der l. vorüber Hochwald (Turm) und Lausche hinter einander zu suchen sind -- des Schönwalder Spitzberges, des Kalk- und Langeberges. Den Blick wiederum gegen die Kriesdorfer Kirche zurückwendend, sehen wir l. vom Audishorner Spitzberge den hochragenden Roll, l. davon den doppelgipfligen Dewin, zwischen beiden den Hammerteich vor dem Kummergebirge, im Hintergrunde das Daubaer Gebirge mit der Nedoweska; l. vor dem Dewin der Krassaberg hinter dem einschichtigen Drausendorfer Meierhofe, rückwärts die beiden Buchberge bei Hühnerwasser und l. hinter diesen der Burgberg Bösig. L. vom Drausendorfer Meierhofe sieht man einen Teil von Drausendorf, die Straße von da am Friedhofe vorüber nach Johannestal und dieses zum Teil selbst, dahinter den Jelinkaberg und die Teufelsmauer zwischen Oschitz und B. Aicha. -- Einen Einblick östlich ins Neuländer Tal gewinnt man vom Rande des Steinbruches, weiter oben südlich.

Auf den Kammweg zurückgekehrt, biegen wir sogleich nach einem überraschenden Rückblicke auf den Gipfel der Jeschkenkoppe vor der Lichtung in hohen Wald ein, wo von l. der Fahrweg aus dem Steinbruche mündet. Nun abwärts, r. an einer Stelle Ausblick auf den Langeberg, dann l. ein Feld. Nach 10 Min. tritt man auf eine +Lichtung+ heraus, wo sich r. über Jungwald hinweg ein überraschend schöner Blick auf den großen Neuländer Viadukt, den Jägerhaustunnel dahinter und den r. am Grundbache hinaufziehenden Ortsteil Haudorf, sowie auf den l. aus dem Tale aufsteigenden Langeberg und den Gickelsberg r. hinter diesem bietet.

Der Weg senkt sich zum +Waldrande+, der in 3 Min. erreicht ist; eines der schönsten Landschaftsbilder auf unserem Kammwege breitet sich wie mit einem Zauberschlage vor uns aus; der Blick schweift frei über das Tal hinweg auf die bewaldeten Berghänge ringsherum: geradeaus die Scheuflerkoppe, dahinter Spitz- und Kalkberg, daneben der Langeberg, zur R. der Dreiklafterberg und die Sauplatsche, zwischen alle dem eingebettet das idyllische Neuland in tiefeingeschnittenem Tale, der schöne +Viadukt+, die Haltestelle Neuland, der 40 _m_ lange Jägerhaustunnel im Gehänge des Dreiklafterberges (762 _m_), die Bahnstrecke mit dem 17 _m_ hohen und 127 _m_ langen Jägerhaus-Viadukte jenseits desselben bis zum Christofsgrunder Tunnel an der Lehne des Brandsteines (667 _m_), und darüber hinaus im Hintergrunde der Gickelsberg und Hohenwald mit der Windmühle.

Wir schreiten auf dem Fahrwege abwärts. Unter unseren Füßen quert der 822 _m_ lange, fast seiner ganzen Länge nach in Urtonschiefer eingehauene, am 6. April 1900 nach zweijähriger Arbeitszeit vollendete »Jeschkentunnel« der Außig-Teplitzer Eisenbahn den Gebirgsrücken, worin die Bahntrace bei 500·17 _m_ Seehöhe ihren höchsten Punkt erreicht. Zur Ausmauerung bezw. Einwölbung des Tunnels, sowie zur Aufführung des Neuländer Viaduktes wurde Diorit verwendet, welches Eruptivgestein stellenweise den Jeschkenschiefer gangartig durchsetzt; einige mächtige Blöcke dieses Gesteins lagen am Wege. Nach 2 Min. sind wir beim ersten Hause von =Neuland=; zwischen Scheuer und Wohnhaus hindurch, um die Scheuer nach l. herum, stehen wir auf der Bezirksstraße, die neuerer Zeit von Christofsgrund herauf in mehreren Kehren durch Neuland über die Kammhöhe nach Kriesdorf hinab gebaut wurde. Uns gegenüber an der Straße r. steht noch ein zweites Haus, auf dessen Dache ein Kammzeichen uns belehrt, daß wir die Straße nach l. zu zu wandern haben. Andere Häuser von Neuland berühren wir also nicht. Das Dorf zählt über 90 Häuser, die sich gabelförmig am Grundbache und am Eckersbache, dessen eine Ursprungsader bis an unseren Standpunkt auf der Kammstraße heranreicht, hinab gegen +Christofsgrund+ ziehen, mit welchem Pfarrdorf es unmittelbar zusammenhängt; die Bewohner sind, da der Feldbau nur wenig erträglich ist, zumeist Wald- und Fabriksarbeiter. Der Ort wurde mutmaßlich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts angelegt; wenigstens erscheint er 1581 als »neu aufgebaut« in einem Kaufvertrage, mit welchem Heinrich Berka von Dauba die Herrschaft Lämberg erwarb. Vermöge seiner schönen Lage und guten Luft eignet sich Neuland ebenso vorzüglich zum Sommeraufenthalte, wie es mit Christofsgrund schon seit Jahren der Fall ist. Eine besondere Sehenswürdigkeit daselbst ist der gewaltige +Viadukt+ über das Neuländer Grundtal, über welchem die Bahnlinie in einem flachen, südlich ausgreifenden Bogen aus dem Jeschkentunnel in den Jägerhaustunnel verläuft; der Viadukt steht auf 29·5 _m_ hohen Pfeilern, ist 202 _m_ lang und hat 14 Öffnungen, von denen 11 eine Spannweite von 12 _m_, 3 eine solche von 6 _m_ haben.

Wer mit uns die Kammtour nicht weiter fortsetzen will, erreicht die +Haltestelle Neuland+ in 20 Min., die +Station Machendorf+ im Neißetale über =Christofsgrund= (30 Min., 170 H., sehenswerte Holzkirche, Sitz einer Abteilung des deutschen Gebirgsvereines für das Jeschken- und Isergebirge, Studentenherberge) und Eckersbach längs des Eckersbaches in 1¾ Std. Wer aber bloß eine Zwischenstation machen und Einkehr halten will, der gehe die Straße 10 Min. abwärts bis zu Wollmann's Gasthaus l. an der Straße hinter der Schule.

Neuland den Rücken kehrend, erreichen wir die Straße aufwärts nach 4 Min. -- im ganzen 1 Stde. vom Ausgespann -- im =Kriesdorfer Sattel= die 500 _m_ übersteigende Kammhöhe zwischen der Scheuflerkoppe (r.) und dem Abfallsrücken der Moiselkoppe (l.), gegenwärtig neben dem Passe von Langenbruck der wichtigste der den Jeschkenzug querenden Übergänge. Daselbst ist die Straße durch einen tiefen Einschnitt gelegt, in welchem der Urtonschiefer an beiden Böschungen hobelspanartig aufblätternd bloßliegt. Aus der Ferne grüßt im Rahmen dieses Einschnittes -- wieder ein überraschend bezauberndes Bild -- der Roll in südwestlicher Richtung, um den herum allmählich ein prächtiges +Panorama+ sich heraushebt.

Gerade zu Füßen in gleicher Richtung der Bahnhof Kriesdorf und die Pietschekapelle, dann das langgestreckte Kirchdorf Kriesdorf, die Straßen von da zum Bahnhof und am Saume des Rabwaldes entlang gegen Schönbach; r. von der Kriesdorfer Kirche die gezackten Rabensteine, im Hintergrunde, zwischen Audishorner Spitzberg (l.) und Silberstein (r.) hindurch der Wartenberger Limberg; in der Richtung der Rabensteine der Tolz- und l. vor diesem der Kamnitzberg bei Reichstadt; r. vom Tolzberg zeigen sich hinter einander geschoben der Laufberg bei Brims, das Schwoikaer Gebirge und der Ortelsberg bei Zwickau genau im Westen. L. vom Roll zeigen sich die beiden Hirschberge, dann der Dewin und der Breite Stein, l. dahinter die beiden Bösige, l. vorn die Kuppe des Krassaberges, und wieder l. von diesem, in der Richtung des Drausendorfer Meierhofes, der einschichtig auf dem Höhenzuge jenseits Kriesdorf gelegen ist, der Kühtaler Berg vor dem Wolschner Rücken; l. davon sieht man über ein Wegkreuz hinweg ein Stück der Oschitzer Straße, die vom versteckten Drausendorf, am Friedhofe vorüber, gegen Johannestal hinaufführt, r. dahinter den Mataischeberg.

Auf der Kammhöhe, wo wiederholt Kriegsvolk verkehrte, im Jahre 1866 sogar Artillerie und Kavallerie, steht ein alter +Bildstock+, welcher oben eine schmerzhafte Mutter Gottes mit hübschem Beiwerk, am Sockel die Grablegung Christi ausgehauen und mit grellen Farben bemalt zeigt; davor eine Ruhebank.

Die im Bogen westlich vom Sattel -- zugleich Hauptwasserscheide zwischen Oder und Elbe (Eckersbach und Jeschkenbach) -- abwärts führende Bezirksstraße hat in 8 Min. Entfernung, nach Überquerung der Bahn, Miesler's Gasthaus an seiner r. Seite, ein einschichtig knapp unterhalb der +Station Kriesdorf+ an der Gabelung der Bezirks- und Bahnhofstraße gelegenes, großes Gebäude, das zu dem eine halbe Stunde entfernten, weit über 300 Häuser zählenden, alten Kirch- und Bauerndorfe =Kriesdorf= gehört, woselbst am 1. Sept. 1813 zwischen Polen und Österreichern ein Scharmützel stattfand; das Chor der Kirche und eine Glocke stammen noch aus spätgothischer Zeit. Station und Gasthaus sind sehr gelegen für Jene, welche die Tour ganz oder nur der Einkehr halber unterbrechen wollen.

Knapp hinter dem Bildstocke zweigt der Kammweg r. von der Bezirksstraße auf einen Wirtschaftsfahrweg ab, der ziemlich steil zumeist zwischen Feldern (nur eine kurze Strecke l. Wald) um die Ostlehne der +Scheuflerkoppe+ herum -- die ihren Namen nach dem Besitzer, einem Kriesdorfer Insassen, hat -- aufwärts führt. Hiebei wird rückwärts der Gipfel der Jeschkenkoppe sichtbar, während r. zwischen Langeberg und Brandstein über das Christofsgrunder Tal hinaus, in das wir immer tiefere Einblicke gewinnen, die Hemmrichberge zum Vorschein kommen. In 15 Minuten ist man oben am Rande des bewaldeten nördlichen Rückens der Scheuflerkoppe, wo ein +Kalksteinbruch+, dem Besitzer der oben erwähntem Kriesdorfer Bahnhofrestauration gehörig, im Betriebe ist, dessen besseres Material zu Kalk gebrannt wird, während das schlechtere als Bruchstein und Schotter Verwendung findet. Neben dem Steinbruche ist eine Markentafel. Hier empfiehlt es sich Halt zu machen, um die Aussicht nach Nordosten aufs Isergebirge zu würdigen, wo man im Anschlusse an die Hemmrichberge r. die Vogelkoppen, das Taubenhaus und den Schwarzeberg vor sich hat.

Ein grün markierter Weg führt von der Markentafel am Steinbruche vorüber l. in 8 Min. auf den Gipfel der =Scheuflerkoppe= (679 _m_), die von Ost nach West verläuft und gegen Norden wegen hohem Waldbestand keine Aussicht hat. Auch die Ostseite des Gipfels ist größtenteils mit Bäumen bestanden, die übrige Gipfelfläche aber ist berast und gestattet eine herrliche +Aussicht+ über zwei volle Quadranten von der Jeschkenkoppe im Südosten bis zum Hochwalde im Nordwesten, ähnlich jener vom Kriesdorfer Sattel, die man vergleichen möge, nur viel umfassender wegen des weit höheren Standpunktes und der dadurch ermöglichten Zwischen- und Fernsicht. So sieht man zunächst r. unter der Jeschkenkoppe, die breit und mächtig hinter der Moiselkoppe hingelagert ist, den Hühnerberg bei Zwetlai; r. davon, vor der Höhenkette der Teufelsmauer und dem Mataischeberg, die Stadt Oschitz; im Einschnitt zwischen Breiten Stein und Dewin die Ruinenspitze des Bösigberges -- ein überraschendes Bild --; zwischen Dewin und Roll, wo sich der Spiegel des Hammerteiches vor den beiden Hirschbergen zeigt, hindurch das Kummergebirge mit dem Petzberge, dahinter den Tachaer Berg und noch weiter das Daubaer Gebirge mit der Nedoweska; r. hinterm Silberstein der breitgewölbte Wilsch; r. hinterm Kamnitzberg, in welcher Richtung auch der Milleschauer zu suchen ist, die Koselspitze; hinterm Tolzberg die Höhen von Munker und Reichen mit dem Zinkensteinrücken; zwischen Tolz- und Laufberg die betürmte Kuppe des Leipaer Spitzberges. R. vom Ortelsberg ist der spitzige Kleis leicht aufzufinden; zwischen beide rückwärts schiebt sich der Sonneberger und der anschließende Blottendorfer Rücken; r. vom Kleis, hinter Schönbach und dem Johnswalde im Vordergrunde, der Mergtaler Limberg, dahinter l. und r. die Buchberge bei Falkenau; weiter r. der Falkenberg hinter Ringelshain, im Hintergrunde jenseits des Höhenrückens zwischen Friedrichsberg und Finkenkoppe der betürmte Tannenberg; endlich am weitesten rechts, teilweise schon durch Bäume verdeckt, Hochwald und Lausche hinter einander.

Wir wandern nun von der Markentafel beim Steinbruch längs des Waldrandes (l.) am Rücken 1 Min. lang weiter und steigen dann auf grasigem Wege in 6 Min. -- teils durch Wald, der jede Aussicht, darunter auch die nach rückwärts auf die Moisels- und Jeschkenkoppe, versperrt, teils am Rande des Waldes mit freier Aussicht nach r. über Äcker und Wiesen auf den Langeberg, auf Christofsgrund und die Hemmrichberge in der Richtung der Talspalte -- auf den waldfreien +Sattel+ (590 _m_) zwischen Scheuflerkoppe und kleinem Kalkberg, welch letzteren wir vor uns haben, herab, wo als ein Merkzeichen der Gegend die =Christofskapelle= steht, eine gewöhnliche Wegkapelle mit einer in Stein gefaßten Holztür. Hier kreuzen sich mehrere Wege: Fußwege r. von +Christofsgrund+ (20 Min.), l. von +Kriesdorf+ (45 Min.) und Fahrwege l. von +Schönbach+ (40 Min.), r. von +Neuland+ 15 Min.).

Auch freien +Ausblick+ hat man daselbst: l. über die Bahn (zwischen Kriesdorf und Schönbach) zu Füßen auf den Audishorner Spitzberg und den Roll dahinter, l. davon die Hirschberge, dann der Dewin, dahinter die Bösige; r. ins Christofsgrunder Tal, die Bahnstrecke dahinter und weiter die Hochstraße von Kratzau nach Machendorf mit einigen Häusern.