Kammweg-Führer von der Jeschkenkoppe bei Reichenberg bis zum Rosenberg bei Tetschen mit Berücksichtigung der anschliessenden Kammwege

Part 10

Chapter 103,346 wordsPublic domain

Vor uns haben wir den doppelkuppigen +Rolleberg+, dessen linke, niedrigere Kuppe »Schenkenberg« heißt, während die höhere Kuppe (459 _m_), der sogenannte »Bilfertstein«, kahl und felsig ist und nur auf der Spitze ein einsames Bäumchen trägt; l. hinter ihm ist der kahle Ottenberg, zwischen beiden rückwärts der Tonelsberg bei Schemmel vor dem Rosenberge; l. vom Ottenberge der Huttenberg vor der Doberner Höhe. R. vom Bilfertstein Dorf Limpach, dahinter der schopfartig bebuschte Limpacher Berg, weiter die steilen Felsen von Hohenleipa und Herrnskretschen mit dem gr. Winterberge. R. von Limpach Dorf Kaltenbach, zwischen beiden rückwärts Rennersdorf vor den Dittersbacher Felsen, im Hintergrunde der Tanzplan bei Nixdorf. Beim Weiterschreiten zwischen Wiesen und Aeckern, an zwei allein stehenden Erlen vorbei, erscheint bei einer Wegbiegung gegen Limpach zu r. von den Dittersbacher Felsen der Böhmberg bei Niederkreibitz vor dem Zeidler Plissenberge, dann der Irig bei Daubitz vor der Wolfsbergspitze, endlich das Steingeschütt bei Teichstatt knapp jenseits der ausgedehnten Steinhalden des Kaltenberges, in der Richtung einer hoch oben gelegenen Einschicht von Limpach. Rückwärts kommt wiederum der Goldberg zum Vorschein neben der senkrecht abfallenden Basaltwand des Himmertschberges.

Nach 10 Min. ist man beim ersten, etwas abseits stehenden Gehöfte (r.) von =Limpach=, nach weiteren 2 Min., das Feuerwehrgerüst zur Rechten, auf der Kreibitz-Kamnitzer Bezirksstraße bei einem Wegkreuz neben dem Gasthause des Johann Scheiner. Hier biegen wir scharf l. auf die Straße ab, das Gasthaus mit noch zwei weiteren Häusern r. lassend. Der übrige Teil des nicht viel mehr als 30 Häuser zählenden, alten Bauerndorfes bleibt westlich der Straße zurück. Diese wurde vor etwa 40 Jahren gebaut; doch führte schon in alter Zeit eine wichtige Verkehrs- und Handelsstraße hier durch, die auch von Wallenstein im Herbste 1633, von General Browne nach der Schlacht bei Lobositz (1756) und wenigstens teilweise auch vom Prinzen v. Preußen nach der Schlacht bei Kolin (1757) benützt wurde.

Die mit Ebereschen -- den steten Begleitern unserer Gebirgsstraßen -- besäumte Straße steigt etwas an; l. haben wir noch eine Einschicht von Limpach, darüber hinaus einen herrlichen Anblick der beiden Hasler Fischberge zwischen Kalten- und Himmertschberg; r. sperrt der Bilfertstein den Fernblick. Nach 5 Min. tritt r. hoher Wald an die Straße heran, der nach 2 Min. bei einem hohen Holzkreuze oben auf dem +Sattel+ (408 _m_) zwischen Ottenberg und Himmertschberg endet. L. an der Straße blüht reichlich wohlriechende Stendelwurz (~Platanthera bifolia Reichb.~) und langspornige Christushand (~Gymnadenia conopea R. Br.~). Hier ist die Wasserscheide zwischen dem Limpacher Bache und dem Kunnersdorfer Weißbache, bzw. dem Kreibitz- und Kamnitzbache.

Nun fällt die Straße. Nach 4 Min., wo sie wieder in Wald tritt, verlassen wir dieselbe und biegen r. im scharfen Winkel den Waldrand entlang ab. Es ist nicht unmöglich, daß Kaiser Josef II. am 22. September 1779 auf seinem Ritte von Hasel nach Kunnersdorf durch diesen Wald kam. Denn, wie die +Sage+ berichtet, traf der Kaiser unterwegs im Walde ein Weib, welches Heide hackte. Er fragte, ob das Hacken schwer gehe, ließ sich die Hacke geben und hackte selbst einigemal. Darauf beschenkte er die Frau mit einem Dukaten. Diese Frau hieß Palme und war aus Limpach.

Die Straße weiter durch den Wald würde uns in wenigen Minuten nach Kunnersdorf und eine halbe Stunde weiter in die Stadt +B. Kamnitz+ zur +Bahnstation+ bringen -- sehr gelegen für Jene, welche die Kammtour unterbrechen wollen.

Wir haben jetzt auf unserem Wege den +Rolleberg+, den wir südlich umgangen haben, zur Rechten, hinter ihm r. schauen Kaltenberg und Himmertschberg heraus, während l., bei einer Knickung des Weges nach abwärts, die Doberner Höhen zum Vorscheine kommen. Nach 4 Min. stehen wir auf einem breiten, sandigen Wirtschaftsfahrwege, der l. von Kunnersdorf, das man hier liegen sieht, heraufkommt. Hinter Kunnersdorf macht sich die Kuppe des Sattelsberges bei B. Kamnitz bemerkbar, r. dahinter der Freudenberg und die Doberner Höhe, weiter r. und näher der Huttenberg und ganz nahe nw. der +Ottenberg+. Auf letzteren zu wandern wir die sandige Straße zwischen Feldern aufwärts, den Lotterberg hinter Kunnersdorf im Rücken. Nach 6 Min. sind wir wieder auf der +Sattelhöhe+ zwischen Himmertsch- und Ottenberg, wo l. ein Wegweiser auf einen abkürzenden Steig nach B. Kamnitz verweist.

Wer mit der Zeit nicht zu kargen braucht, kann von hier einen Abstecher auf den =Ottenberg= machen, was etwa 30 Min. in Anspruch nehmen dürfte. Der Ottenberg ist eine kahle, aussichtsreiche, bequem ersteigliche Basaltkuppe von 479 _m_ Seehöhe, woselbst die Gebirgsvereinssektion B. Kamnitz am 25. Mai 1892 eine +Schutzhütte+ eröffnet hat. Östlich lenken die beiden treuen Begleiter auf unserem bisherigen Wege, der Kaltenberg und der Himmertschberg, den Blick auf sich; zwischendurch sieht man den Fischberg, l. am Kaltenberge den betürmten Tannenberg und r. am Himmertschberg die Spitze des Kleis. Weiter r. vor dem Blottendorfer Kamme bemerkt man den Mittenberg bei Preschkau, daneben den Steinschönauer Berg mit Steinschönau und hinter diesem die hochgelegene Kirche von Parchen. Gegen Süden liegen in einer Linie Kunnersdorf, die Nolde, B. Kamnitz, der ruinengekrönte Schloßberg, die Scheibenwarte und im Hintergrunde Ruine Altperstein; r. vom Schloßberge der Geltsch bei Auscha hinter der Bockner Höhe, dann der Donnersberg hinter der Hochfläche von Parlosa. Von Südwest her zieht sich die Wand des Erzgebirges bis zum hohen Schneeberg, an den sich nordwestlich über den Rosenberg hinaus die Zschirnsteine, der Zirkelstein, die Kaiserkrone, der Pabst-, König- und Lilienstein und der große Winterberg anschließen. Nördlich liegt Dittersbach mit seinem Felsenkessel, im Hintergrunde die betürmten Kuppen des Tanzplan und Valtenberges, dann näher Rennersdorf mit dem Kreuzberge vor der Wolfsbergspitze, nordöstlich jenseits des Dorfes Kaltenbach Niederkreibitz vor dem Irig und dem Steingeschütt und Stadt Kreibitz vor dem Plissenberge; l. hinter dem Irig die Kirche von Daubitz.

In 3 Min. ist der Höhenrücken im Anblicke der Dittersbacher Felsgebilde gequert; bei einem weithin sichtbaren +Wegkreuze+ r. an unserer Straße verlassen wir dieselbe und zweigen nach r. von der Hochfläche ab, wobei l. Hand am Ottenberge vorüber die mächtige Kuppel des Rosenbergs prächtig auftaucht, r. aber immer noch der Kaltenberg hinter dem nahen Bilfertstein, der in einem prächtigen Durchblicke erscheint, sichtbar bleibt. Zwischen Äckern und Wiesen, auf denen massenhaft Wollgras und Sumpfdisteln wachsen, geht es rasch abwärts, anfänglich durch den sogenannten »Birkenbusch«, dann über die +Steinwiesen+, wo ehedem fast Stein an Stein von einer seltenen Härte, sogenannter »Flintsstein«, lag; schütteres Gesträuch besäumt wohl auch den Weg, die Fernsicht verschwindet und nach 5 Min. sind wir in hohem Fichtenwalde; hier geht es womöglich noch steiler abwärts, bis wir nach 3 Min. auf einer +Brücke+ ein Wässerchen kreuzen, einen Zufluß des Kreibitzbaches. Dann geht es eine Minute lang aufwärts auf einen flachen +Querrücken+ mit freiem Ausblicke nach r. auf den Limpacher Berg, während l. Wald den Weg besäumt. Dieser Sandsteinrücken kommt vom Limpacher Berge her, zieht sich l. noch 1½ _km_ weiter gegen das Kreibitztal und endet südwestlich von der Grieselmühle etwa 80 _m_ über der Talsohle mit einem schroffen Felsstocke, auf dessen Plattfläche der Besitzer der Grieselmühle 1887 ein eisernes Schutzgeländer und eine Wetterstange anbringen ließ, letztere aus dem Grunde, weil die Bestimmung der Windrichtung in der Grieselmühle unten ziemlich schwierig ist.

Ein Abstecher dahin verlohnt sich. Die +Fernsicht+ gleicht jener von der Dittersbacher Seite des Ottenberges. Besonders schön ist der Blick auf die unmittelbar darunter liegenden Wiesen-, Wald-, Bach- und Teichflächen, ähnlich jenem vom Brand bei Schandau ins Polenztal. Bis jetzt hatte der Punkt keinen Namen; wir wollen ihn aber nunmehr nach dem Vorschlage des Besitzers »=Grieselhorn=« taufen.

In 4 Min. ist der Rücken überschritten. Wir sind im oberen +Rollbusche+ und nun gehts im dichten Nadelwalde wieder abwärts. Wir kommen nach 2 Min. an einem Wegweiser Kamnitz-Dittersbach vorüber, nach weiteren 3 Min. zu einem +Mariahilfbilde+ an einem Baume mit Bank davor. Hier wird der Abstieg besonders steil und führt durch die Waldstrecke »=Lindicht=«, das sogenannte »Liencht«, weiter. Der erste Teil des Lienchtweges ist 1886 von der Gebirgsvereins-Sektion Dittersbach umgelegt worden, was als ein großes Verdienst des Gebirgsvereines für die böhm. Schweiz zu betrachten ist. In einer Windung mit gemäßigtem Gefälle zieht sich jetzt der sandige Weg vom Mariahilfbilde in den Grund hinab, wo man nach 6 Min. an einer schmucken, buchenbesäumten Felsennische (r.) mit einer +~Ecce homo~-Statue+ vorüberkommt und nach weiteren 3 Min. am südlichen Ufer des halbmondförmigen =Grieselteiches=, auch »Helenen-See« genannt, anlangt, der in einer Ausbuchtung des Kreibitzbachtales inmitten einer herrlichen Wald- und Felsszenerie wahrhaft idyllisch gelegen ist; Teichrosen decken seine spiegelnde Fläche, und gegenüber schaukelt verlockend ein Kahn zur Seite eines Lusthäuschens, das zugleich als Kahnhäusel dient: wahrlich ein entzückendes Bild, würdig, vom Pinsel des Malers verewigt zu werden! Um den Teich l. herum führt der Weg zur =Grieselmühle= (r.), einer zu Dittersbach gehörigen Einschicht älterer Bauart, die ihren Namen von einem ehemaligen Besitzer Griesel hat und gegenwärtig im Besitze des Schönlinder Fabrikanten Josef Ohme zur Zwirnerzeugung dient, zugleich aber Gasthaus und Touristenstation ist; Tische und Bänke im Waldesschatten l. am Wege laden nach zweistündigem Marsche zur Ruhe und Atzung ein.

Hinter der Grieselmühle führt nach r. an der im Sandstein ausgewaschenen »Najadenhöhle« vorüber ein vom Gebirgsvereine für die böhm. Schweiz 1884 angelegter, mit Ruhebänken besäumter und den Bach mehrfach auf Stegen übersetzender Touristenweg in den nunmehr gänzlich erschlossenen hochromantischen, engen +Paulinengrund+; unser Weg aber führt l. weiter, auf einer Brücke über den Kreibitzbach und dann r. die Lehne hinauf auf die Dittersbach-Schemmler Bezirksstraße, die man in 10 Min. beim =Grieselkreuz= (258 _m_) erreicht. Auf dem Wege dahin hat man rückwärts das Grieselhorn, vor sich den Donsberg diesseits Dittersbach, r. aber an dem den Weg besäumenden Waldsaume zwei riesige, backofenförmige Sandsteinblöcke mit mannshohen, eigenartig ausgewitterten Höhlungen.

Oben beim Dittersbacher Grieselkreuz gibt es Wegweiser in den Gerstgrund, über die Hinschke zu den Eisengruben und ins Scholzental, sowie nach =Dittersbach=. Letzteres Pfarrdorf, das auf ein hohes Alter zurückblickt, gegenwärtig 110 Häuser zählt, vom Bielebache und der Herrnskretschen-Kreibitzer Straße durchzogen wird, ist Sitz einer Gebirgsvereinssektion mit Studentenherberge und seit vielen Jahrzehnten eine besuchte +Sommerfrische+, sowie ein Hauptknotenpunkt der böhmischen Schweiz. Es liegt 15 Min., das aussichtsreiche Hotel Bellevue nur 10 Min. entfernt, so daß ein Abstecher dahin nicht zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Dasselbe gilt vom =Donsberge=, einer 323 _m_ hohen Basaltkuppe, nahe vor uns geradeaus an der Straße; er ist seit 1883 vom Gebirgsverein auf Spazierwegen zugänglich gemacht und gewährt von der 1885 errichteten +Aussichtsgallerie+ einen hübschen Blick auf Dittersbach und seine vielbesuchten, merkwürdigen Felsgebilde (Falkenstein, Marienfelsen, Wilhelminenwand, Rudolfstein, Katzenkirche), die es umkränzen.

Wir wenden uns vom Kreuze ab auf der Straße im scharfen Winkel nach l. Vor uns haben wir den Rosenberg, zur Linken den Otten- und Kaltenberg, r. den Donsberg und rückwärts die Dittersbacher Felsen. Nach 5 Min. geht es in hochstämmigem Walde abwärts, aber schon nach 2 Min. verlassen wir die nach l. ausbiegende und über Ober-Schemmel nach Windischkamnitz führende Straße, dort wo r. an einer Kiefer ein +Marienbild+ hängt und l. wiederum zwei solche wunderliche Sandsteinblöcke, wie bei der Grieselmühle, liegen. Über eine Wiese mit einer Ursprungsader des Bielebaches, dann am Walde (l.) entlang, der nach 1 Min. bei einem neuen +Marienbilde+ an einer Kiefer endet; r. vom Rosenberge kam Hohenleipa mit dem Schloßberge in Sicht. Nun zwischen Feldern 3 Min. aufwärts auf die =Schemmler Folgen=, eine bebaute Hochfläche von 270--280 _m_ Seehöhe mit herrlichen Ausblicken auf die Berge und Felsen der böhmischen Schweiz zwischen dem Rosenberge im Westen und dem Kaltenberge im Osten. Nach 2 Min. trifft man l. am Wege das =Schemmler Grieselkreuz=, das 1795 errichtet wurde und auf einem Sandsteinsockel eine Kreuzesgruppe (Maria und Magdalena unter dem Kreuze) trägt. L. unten sieht man die von einer malerisch-zerklüfteten Sandsteinfelsenkette besäumte Bezirksstraße, darüber den Kaltenberg; r. bleibt der Bielborn, wo die kleine Biele entspringt, die in die große Biele zwischen Dittersbach und Grundmühle mündet. Nach 4 Min. kommt man zu der 1788 errichteten +Folgenkapelle+ neben 4 Häusern, die nach Schemmel, d. i. zu den Schemmler »Folgen« gehören -- eine Benennung, die schon im 16. Jahrhunderte gebräuchlich war und mit Hutweide gleichbedeutend gewesen sein dürfte.

Zwischen dem zweiten Hause und der dazu gehörigen Scheuer geht unser Weg, unmittelbar vor einem Teichel, hindurch; zur Linken haben wir den Huttenberg jenseits Schemmel, dessen Häuser nun unten an Bach und Straße höchst malerisch sichtbar werden. Durch einen Hohlweg geht es abwärts gegen das Dorf zu; wir kreuzen oberhalb desselben bei einer Scheuer (l.) einen aus dem Dorfe heraufkommenden Fahrweg und folgen einem Wegweiser »Zur Kahnfahrt« einen steilen Fußpfad hinab in ein Gründel, nach dessen Durchquerung wir nach 5 Min. einen Fahrweg durch ein Wäldchen hinaufsteigen, um gleich darauf unter zeitweisen Ausblicken l. auf die Dorfhäuser, durch einen Hohlweg wieder abwärts zu wandern und nach 3 Min. beim Gasthause »zur Eiche« gegenüber der Grieselbrettmühle in +Niederschemmel+ die Dorfstraße zu erreichen. Das alte Bauerndorf =Schemmel= zieht sich mit seinen 100 Häusern von 213 _m_ Seehöhe zu beiden Seiten des Kreibitzbaches gegen Windischkamnitz herab und wird nur zum Teil von der dahin führenden Bezirksstraße berührt.

Schemmel besitzt eine besondere Merkwürdigkeit in seiner mitten zwischen den Häusern gelegenen Felsenkapelle, die äußerlich einem natürlichen, von Regen und Wetter zernagten Sandsteinblocke so täuschend ähnlich sieht, daß nur an Tür und Fensterchen die Spuren der Menschenhand wahrzunehmen sind, welche die sehenswerte Betstätte in den lebendigen Felsen gehauen hat. Der Innenraum ist 12 bis 16 Schritte lang und so breit, daß zwei Bankreihen, jede mit fünf Bänken, darin Platz haben und noch reichlich Raum für den ansehnlichen Hochaltar verbleibt.

Unser weiterer Weg wendet sich bei dem genannten Gasthause r. zwischen den Häusern am Mühlbache, der zur Linken bleibt, entlang, den Rosenberg vorn, den Ottenberg im Rücken. Nach 8 Min. sind wir beim letzten Hause von Schemmel, in weiteren 7 Min. -- eine Stunde von der Grieselmühle -- zwischen Mühlbach und felsenbesäumter Waldlehne, beim ersten Hause von =Nieder-Windischkamnitz=, einer Brettmühle; das alte und große Pfarrdorf Windischkamnitz (200 Häuser) zieht sich zur Linken, in gleicher Seehöhe wie Schemmel, am Kamnitzbache und an der Bezirksstraße in einem felsenbesäumten Wiesentale 45 Min. lang hin, von wo dann durch das angrenzende Jonsbach einerseits B. Kamnitz in 1 Stunde, andererseits die +Bahnstation Rabstein+ in 30 Min. zu erreichen ist; eine Abteilung des Gebirgsvereines für die böhmische Schweiz nebst Studentenherberge befindet sich daselbst.

Von der Brettmühle führt r. der Weg zwischen Gärten zum Gasthause der Frau Fiedler nächst der Einmündung des Kreibitzbaches in den Kamnitzbach, wo die 1881 eingerichtete =Kahnfahrt durch die Ferdinandsklamm= auf dem ungestauten Gewässer des Kamnitzbaches, eine der hervorragendsten Partien des Kammweges, beginnt. Es sind Boote verschiedener Größe zur Verfügung; das Fahrgeld für eine Person beträgt eine Krone. Gleich unterhalb der Boothaltestelle verengt sich das Tal und hohe Felswände besäumen die Ufer, so daß oft auf große Strecken jeder Weg längs derselben versperrt ist. Die Boote gleiten bald pfeilschnell durch Strudel, bald langsam schaukelnd über flache Stellen talwärts, hier an Klippen vorüber, dort schneeweiß blühende Massen von flutendem Hahnenfuß (~Ranunculus fluitans Lamk.~) durchschneidend, mitten durch die seltsam geformten, moos- und baumbewachsenen Felswände hindurch, die bald hart an das Wasser herantreten, wie der tief unterwaschene +Teufenstein+, der +Kreuzstein+ und der +Hiekschenstein+ l. und die senkrecht abfallende +Dostwand+ r., bald zu Talkesseln sich erweitern, wie die +schwarze Teufe+, wo aus dem vollständig ruhigen, dunklen Gewässer kulissenartig aufragende Felseninseln sich spiegeln. Weiterhin schließt sich l. eine Art Felsenfestung an, der +kleine Oybin+, mit hoch und gewaltig gegen Himmel starrendem Gesteine. Eine Felsenpyramide r., deren Spitze eine Kiefer trägt, steht an der Eingangspforte in den Talkessel der Grundmühle. Unter der +Grundmühlbrücke+ hindurch, über der im Felsen die Inschrift »Z. G. 1734« zu lesen ist, an der Mündung des +Bielebaches+ (r.) vorüber, landen wir nach 30 Min. gegenüber der Mühle oberhalb eines Wehres, schreiten am r. Bach-Ufer unter Benützung von in den Felsen gehauenen Stufen auf einem schmalen Pfade bis zu einem hohen Holzstege unterhalb des Wehres und auf jenem hinüber zur =Grundmühle=, einer zu Kamnitzleiten gehörigen, schon im 16. Jahrh. urkundlich erwähnten, einschichtig gelegenen Mahlmühle, einem wahren touristischen Kleinode. Das jetzige Mühlgebäude ist 1727, die alte nun aufgelassene Branntweinbrennerei 1814 erbaut. In Beziehung auf die Holzflößerei, woran noch alte Balkenlöcher und auch zwei wirkliche, von einer alten Holzschleuse herrührende Balken erinnern, spielte die Grundmühle Jahrhunderte lang eine bedeutende Rolle. Seit 1888 ist mit der Mühle das Schankrecht verbunden; gegenwärtiger Besitzer seit 1891 ist Franz Pohl.

Der =kleine Oybin=, unterhalb welchem die Grundmühle liegt, ist ein bewaldeter, etwa 80 _m_ hoher, isolierter Felsblock von glockenförmiger Gestalt, der nach Bau und landschaftlicher Bedeutung an den Oybin bei Zittau erinnert, daher sein Name. Er läßt sich in halber Höhe umwandern und bietet teils auf das untenliegende Kamnitztal, teils auf die umliegenden Höhen, vor allem auf die gewaltige Kuppe des benachbarten Rosenberges, hübsche Ausblicke.

Bei der Grundmühle zweigt um den kl. Oybin herum nach Osten ein entzückend schöner, waldbesäumter Touristenweg längs des Bielebaches in 1 Stunde nach +Dittersbach+, ein steil aufsteigender Fahrweg westlich neben dem +Mühlgrunde+, wo 1896 die Sektion Windischkamnitz das »Kriegshäuschen« zugänglich machte und auf dessen Kuppe eine Schutzhütte errichtete, in 20 Min. hinauf nach +Kamnitzleiten+. Unser Kammweg aber geht über den hohen Steg wieder zurück aufs rechte Bach-Ufer und bachabwärts l. in 10 Min. auf einem lauschigen, 1879 vom Fürsten Clary angelegten Steige zwischen Wald und Fels bis zur =Kirchgrundbrücke=, wo r. der von der Sektion Hohenleipa bequem erhaltene +Kirchgrundsteig+ in 15 Min. steil nach +Hohenleipa+ hinaufführt.

=Hohenleipa= ist ein altes Bauerndorf, das mit seinen 112 Häusern zerstreut um die nach +Herrnskretschen+ (2 Std.) und +Dittersbach+ (30 Min.) führende Bezirksstraße und um den 387 _m_ hohen +Schloßberg+ aussichtsreich im Bereiche der böhmischen Schweiz gelegen ist und sich seit einer Reihe von Jahren zu einer beliebten +Sommerfrische+ aufgeschwungen hat; eine Abteilung des Gebirgsvereines für die böhmische Schweiz und eine Studentenherberge befinden sich daselbst.

Die mehr als stundenlange Strecke des Kamnitzbachtales von der Kirchgrundbrücke abwärts bis zum Anfange der erschlossenen »+Wilden Klamm+« im Soorgrunde ist nur in ihrem Anfangsteile, im »breiten Grunde«, auf einem, von der Sektion Hohenleipa in Stand gehaltenen schmalen Pfade bis zur »=hohen Wand=« begehbar, einer glatten Felswand mit überhängendem Gestein jenseits der =hohlen Teufe= -- auch »Hölle« oder »Höllenteufe« genannt, -- einem natürlichen, etwa 50 Schritte langen, durch Loslösung eines Felsüberhanges gebildeten und künstlich erweiterten Tunnel, durch welchen sich Bach und Weg hindurchzwängen. Hinter der »hohen Wand« ist bald jedes Vordringen unmöglich. Im Jahre 1888 war auch die Kahnfahrt von der Grundmühle abwärts bis zum »breiten Grunde« in Betrieb gesetzt worden; doch entstanden infolge der Hochwässer im Jahre 1897 derart unüberwindliche Hindernisse, daß dieselbe wieder eingestellt werden mußte.

Wir überschreiten die Kirchgrundbrücke, die tiefste Stelle des ganzen Kammweges, und steigen durch den von himmelhohen Felsen besäumten schluchtartigen =Kirchgrund= auf einem, 1901 von der Sektion Rosendorf neu angelegten Wege in 15 Min. hinauf nach =Kamnitzleiten=. Das alte, stille Bauerndorf liegt mit seinen 46 Häusern am Rande der wilden Kamnitzbach-Talschlucht, in welche man vom »+Spitzen Stein+« (338 _m_) beim letzten Hause westlich, dem Niederbauer, großartige Einblicke hat; die Sektion Rosendorf hat 1891 auf demselben ein eisernes Geländer angebracht. Von Kamnitzleiten führt der Kammweg südwestlich auf der 1886 neugebauten Rosendorfer Straße in 15 Min. zum Walde, wo wir l. von der Straße abbiegen und in 5 Min. auf die 1893 ausgebaute Straße, die von r. aus dem 15 Min. entfernten, alten Pfarrdorfe +Rosendorf+ (300 Häuser, Sitz einer Abteilung des Gebirgsvereines für die böhmische Schweiz mit Studentenherberge) heraufkommt, einmünden. Hier ist ein Schutzdach für Wagen und Pferde und hier trifft auch der Touristenweg von Tetschen her über Binsdorf ein. Wir überschreiten ein freies Plätzchen, ein Wieslein, welches zu Ehren des langjährigen Obmannes des Gebirgsvereines für die böhmische Schweiz, des Bürgerschuldirektors Robert Manzer »+Manzer-Platz+« benannt ist und von wo der 1882 angelegte angenehme und schattige »Manzer-Weg« nach Nieder-Windischkamnitz zur Kahnfahrt in 40 Min. l. hinabführt -- beachtenswert für Jene, welche den Kammweg in umgekehrter Richtung begehen, da das Befahren des Kamnitzbaches nur abwärts gegen die Grundmühle, nicht aber aufwärts von der Grundmühle möglich ist.

An den +Eislöchern+ -- Klüften zwischen Basaltstein, wo auch im Sommer Eisbildung stattfindet -- vorüber führt der 1883 angelegte, breite und sehr schattige Weg in 45 Min., anfänglich durch Fichten-, dann durch prächtigen Buchenwald, auf der Nordseite des Berges in vielfachen Windungen empor. Die gleich mächtigen Säulen emporstrebenden Buchenstämme tragen ihr grünes Dach in schöner Wölbung gleich einem gotischen Bauwerk, durch dessen, von einer befiederten Sängerschar belebtes Laubwerk die Strahlen der Sonne wie durch bunte Kirchenfenster auf das üppig sprossende Unterholz hindurch zittern. L. unterhalb des Gipfels nimmt der Weg einen von Windischkamnitz heraufkommenden, 1889 von der Sektion Windischkamnitz angelegten und 1898 teilweise umgelegten Touristenweg auf. Ganz nahe dem Gipfel hat man auf einem Austritte einen prächtigen Blick auf Dittersbach, dahinter auf Rennersdorf und Kreibitz.