Part 1
Anmerkungen zur Transkription.
Das Original ist in Fraktur gesetzt.
Im Original gesperrter Text ist +so ausgezeichnet+.
Im Original in Antiqua gesetzter Text ist ~so markiert~.
Im Original kursiver Text ist _so markiert_, fetter Text ist =so gekennzeichnet=.
Weitere Anmerkungen zur Transkription finden sich am Ende des Buches.
~Dr.~ F. Hantschel's
Kammweg-Führer
von der
Jeschkenkoppe bei Reichenberg bis zum Rosenberge bei Tetschen
mit
Berücksichtigung der anschliessenden Kammwege.
Mit 1 Wegekarte und 4 Ansichts-Postkarten.
=Prag-Smichow, 1905.=
Im Selbstverlage.
Buchhändlerischer Vertrieb durch W. Fiedler's Antiquariat (Johs. Klotz) in Zittau i. S. Druck von Joh. Künstner, B. Leipa.
~Gezeichnet von~
~=Hugo Schwarz=, Lehrer in B. Leipa~. ]
Herausgegeben über gemeinsamen Beschluß des deutschen Gebirgsvereines für das Jeschken- und Isergebirge, des Verbandes Lusatia südlausitzischer Natur- und Gebirgsvereine, des Gebirgsvereines für das nördlichste Böhmen und des Gebirgsvereines für die böhmische Schweiz.
Vorwort.
Mit Beschluß der nebenstehend verzeichneten Gebirgs- und Naturvereine in der Versammlung zu Warnsdorf am 13. März 1904 wurde dem Gefertigten die Verfassung und Herausgabe eines kleinen Führers auf dem neu markierten, etwa 60 _km_ langen und 22 Gehstunden in Anspruch nehmenden Kammwege vom Jeschken bis zum Rosenberge übertragen.
Dieser Führer, auf den eigenen Wanderungs-Ergebnissen des Verfassers aufgebaut, liegt nunmehr vor. Er hält sich, seinem Titel und seinem Zwecke entsprechend, strenge an den »Kammweg« und verweist fortlaufend auf die zunächst gelegenen Bahnstationen, die auch auf der beigegebenen Wegekarte eingezeichnet sind. Für die vielen Aussichts-Beschreibungen wurde mit Rücksicht auf den Umfang und den Preis des Buches kleinerer Druck gewählt, ebenso für die eingeschalteten Abstecher, die zumeist wieder zum Kammwege zurückführen.
Anstatt Textbilder beizudrucken, wurde der Versuch mit Ansichts-Postkarten gemacht, die zwar das Büchlein etwas verteuern, andererseits aber geeignet sind, dem Wanderer in bequemer Weise zur Hand zu sein.
Von Druckschriften, die für die +Umgebung+ des Kammweges in Betracht kommen, seien außer den im Anzeigeteile (S. 80) verzeichneten noch namhaft gemacht: Wegweiser und Taschenbuch des Gebirgsvereines für die böhmische Schweiz; Wegweiser des Gebirgsvereines für das nördlichste Böhmen.
Herrn Josef +Mohr+ in Rumburg, dem Sachwalter der vereinigten Gebirgs- und Naturvereine, sage ich für sein liebenswürdiges Entgegenkommen den verbindlichsten Dank mit dem Wunsche: unser Kammweg möge in der Touristenwelt zu ähnlichem Rufe gelangen wie der altberühmte Rennstieg im Thüringer Walde!
+Prag-Smichow+, im Lenzmond 1905.
=Dr. F. Hantschel.=
Verzeichnis
der zum Kammweg führenden Eisenbahnen, der Anschlußbahnen und jener Bahnstationen, von denen der Kammweg am gelegensten zu erreichen ist.
=1. K. k. priv. österreichische Süd-Norddeutsche Verbindungsbahn.= Strecke Pardubitz-Reichenberg-Seidenberg.
=Einbruchstationen=: Liebenau, Reichenau, Radl, Langenbruck-Hermannstal, Heinersdorf, Reichenberg.
=Anschlußbahnen=: ~a~) Pardubitz-Deutschbrod-Wien der öst. Nordwestbahn; ~b~) Pardubitz-Brünn-Wien der öst. Staatseisenbahngesellschaft, mit den Anschlüssen: B. Trübau-Olmütz derselben Bahn. Olmütz-Jägerndorf-Troppau der k. k. öst. Staatsbahnen, Olmütz-Prerau-Troppau-Oderberg der Kaiser Ferdinands-Nordbahn und Jägerndorf-Leobschütz-Ratibor-Kattowitz der kgl. preuß. Staatsbahnen; ~c~) Königgrätz-Geiersberg-Mittelwalde der öst. Nordwestbahn mit den Anschlüssen: Wichstadtl-Lichtenau-Grulich-Hannsdorf und Hannsdorf-Ziegenhals-Jägerndorf der k. k. öst. Stadtbahnen, Ziegenhals-Neiße-Brieg und Mittelwalde-Glatz-Camenz-Breslau der kgl. preuß. Staatsbahnen; ~d~) Altpaka-Parschnitz der öst. Nordwestbahn mit den Anschlüssen: Pelsdorf-Hohenelbe und Trautenau-Freiheit-Johannisbad derselben Bahn, Parschnitz-Liebau und Königshan-Schatzlar der südnorddeutschen Verbindungsbahn; ~e~) Turnau-Prag der böhm. Nordbahn; ~f~) Raspenau-Weisbach der Friedländer Bezirksbahnen; ~g~) Friedland-Heinersdorf der Friedländer Bezirksbahnen mit den Anschlüssen Heinersdorf-Greifenberg, Greifenberg-Kohlfurth und Greifenberg-Löwenberg-Goldberg der kgl. preuß. Staatsbahnen; ~h~) Friedland-Hermsdorf der Friedländer Bezirksbahnen; ~i~) Seidenberg-Görlitz der kgl. preuß. Staatsbahnen mit den Anschlüssen: Görlitz-Lauban(-Marklissa), Görlitz-Kohlfurth-Liegnitz-Breslau und Görlitz-Cottbus-Berlin der kgl. preuß. Staatsbahnen.
=2. Reichenberg-Gablonz-Tannwald-Grüntaler Eisenbahn.= Strecke Reichenberg-Grüntal.
=Einbruchstationen=: Röchlitz, Rosental, Reichenberg.
=Anschlußbahnen=: ~a~) Morchenstern-Josefstal-Maxdorf derselben Bahn: ~b~) Grüntal-Schreiberhau-Hirschberg der königlich preußischen Staatsbahnen mit den Anschlüssen Hirschberg-Greifenberg, Hirschberg-Schmiedeberg, Hirschberg-Krummhübel, Hirschberg-Merzdorf-Ruhbank, Merzdorf-Jauer, Merzdorf-Goldberg, Ruhbank-Liebau, Ruhbank-Landeshut-Albendorf, Ruhbank-Landeshut-Schmiedeberg, Fellhammer-Königszelt-Breslau, Fellhammer-Mittelsteine-Glatz und Fellhammer-Halbstadt derselben Bahnen, Halbstadt-Braunau-Mittelsteine der öst.-ung. Staatseisenbahngesellschaft.
=3. K. k. priv. Aussig-Teplitzer Eisenbahn.= Strecke Reichenberg-Leipa-Teplitz.
=Einbruchstationen=: Deutschgabel, Lämberg-Markersdorf, Ringelshain, Schönbach-Seifersdorf, Kriesdorf, Neuland, Christofsgrund, Karlswald, Berzdorf, Rosental-Johannestal, Reichenberg.
=Anschlußbahnen=: ~a~) Deutschgabel-Zwickau-Röhrsdorf der böhm. Nordbahn; ~b~) Leipa-Prag der böhm. Nordbahn mit den Anschlüssen unter 7 ~a~ und ~b~; ~c~) Leipa-Röhrsdorf(-Zwickau)-Tannenberg und Leipa-Bensen-Tetschen der böhm. Nordbahn; ~d~) Lokalbahn Leipa-Steinschönau; ~e~) Auscha-Wernstadt-Großpriesen der öst. Nordwestbahn mit den Anschlüssen Leitmeritz-Wien und Leitmeritz-Außig derselben Bahn; ~f~) Lobositz-Obernitz-Brüx der k. k. öst. Staatsbahnen; ~g~) Teplitz-Komotau der Außig-Teplitzer Eisenbahn mit den Anschlüssen: Dux-Bilin-Pilsen-Eisenstein und Brüx-Moldau der k. k. öst. Staatsbahnen; ~h~) Komotau-Eger-Franzensbad der Buschtiehrader Eisenbahn mit den Anschlüssen: Komotau-Saaz, Komotau-Weipert-Reitzenhain, Kaaden-Brunnersdorf-Kaschitz-Duppau, Chodau-Neudeck, Neusattel-Elbogen und Falkenau-Graslitz-Klingental derselben Bahn, Schlackenwert-Joachimstal, Karlsbad-Merkelsgrün, Karlsbad-Marienbad, Karlsbad-Johanngeorgenstadt, Tirschnitz-Schönbach, Eger-Pilsen, Plan-Tachau, Tschernoschin-Schweißing-Haid und Asch-Roßbach der k. k. öst. Staatsbahnen, Reitzenhain-Flöha-Chemnitz, Weipert-Annaberg-Zwickau, Johanngeorgenstadt-Schwarzenberg und Eger-Plauen der kgl. sächsischen Staatsbahnen, Eger-Wiesau-Regensburg-München, Eger-Markt Redwitz-Nürnberg und Eger-Oberkotzau-Hof der kgl. bairischen Staatsbahnen.
=4. Kgl. sächsische Staatsbahnen.= Strecke Reichenberg-Zittau-Ebersbach.
=Einbruchstationen=: Reichenberg, Machendorf, Kratzau, Weißkirchen, Ketten, Grottau, Oberullersdorf, Zittau, Scheibe, Hainewalde, Großschönau, Warnsdorf.
=Anschlußbahnen=: ~a~) Zittau-Hermsdorf der kgl. sächs. Staatsbahnen mit Anschluß Hermsdorf-Friedland der Friedländer Bezirksbahnen; ~b~) Zittau-Görlitz der kgl. sächs. Staatsbahnen mit den Anschlüssen: Görlitz-Lauban(-Marklissa), Görlitz-Liegnitz-Breslau und Görlitz-Cottbus-Berlin der kgl. preuß. Staatsbahnen; ~c~) Zittau-Löbau der kgl. sächs. Staatsbahnen mit den Anschlüssen: Oderwitz-Eibau und Löbau-Bautzen derselben Bahnen; ~d~) Ebersbach-Bischofswerda der kgl. sächs. Staatsbahnen mit den Anschlüssen: Wilthen-Bautzen, Niederneukirch-Schandau, Neustadt-Pirna und Bischofswerda-Dresden der kgl. sächs. Staatsbahnen.
=5. Sekundärbahn Zittau-Oybin-Jonsdorf.= Strecke Zittau-Oybin-Jonsdorf.
=Einbruchstationen=: Zittau, Zittau-Vorstadt, Nieder-Olbersdorf, Zeisigschenke, Bertsdorf, Bad Jonsdorf, Jonsdorf, Wittigschänke, Teufelsmühle, Oybin.
=Anschlußbahnen=: Siehe unter 4 ~a-c~.
=6. K. k. priv. Böhmische Nordbahn.= Strecke Warnsdorf-Bodenbach.
=Einbruchstationen=: Bodenbach, Tetschen, Rabstein, B. Kamnitz, Falkenau-Hillemühl, Falkenau, Tannenberg, Schönfeld, Kreibitz-Teichstatt, Grund-Georgental, Niedergrund, Warnsdorf.
=Anschlußbahnen=: ~a~) Bodenbach-Prag der öst.-ung. Staatsbahngesellschaft mit den Anschlüssen: Bodenbach-Komotau der k. k. Staatsbahnen, Außig-Komotau der Außig-Teplitzer Eisenbahn (s. unter 3 ~g~), Komotau-Eger der Buschtiehrader Eisenbahn (s. unter 3 ~h~); ~b~) Bodenbach-Dresden-Riesa-Leipzig der kgl. sächsischen Staatsbahnen (siehe unter 8); ~c~) Bensen-Leipa der böhm. Nordbahn; ~d~) B. Kamnitz-Steinschönau derselben Bahn; ~e~) Warnsdorf-Zittau-Reichenberg der kgl. sächs. Staatsbahnen.
=7. K. k. priv. Böhmische Nordbahn.= Strecke Prag-Leipa-Georgswalde-Ebersbach.
=Einbruchstationen=: Neuhütte, Tannenberg, Schönfeld, Kreibitz-Teichstatt, Schönlinde.
=Anschlußbahnen=: ~a~) Prag-Wien, Prag-Budweis-Linz, Prag-Pilsen-Furth und Stankau-Ronsperg der k. k. öst. Staatsbahnen, Furth-Nürnberg der kgl. preuß. Staatsbahnen; ~b~) Wschetat-Prziwor-Lissa-Wien und Jungbunzlau-Nimburg-Wien der öst. Nordwestbahn; ~c~) Röhrsdorf-Zwickau-Deutschgabel der böhm. Nordbahn mit Anschluß der Strecke Deutschgabel-Reichenberg der Außig-Teplitzer Eisenbahn (an Station Reichenberg siehe unter 1 und 2); ~d~) Schönlinde-Herrnwalde-Nixdorf der k. k. öst. Staatsbahnen; ~e~) Rumburg-Nixdorf-Niedereinsiedel der böhm. Nordbahn mit den Anschlüssen: Niedereinsiedel-Sebnitz, Sebnitz-Schandau und Sebnitz-Niederneukirch der kgl. sächs. Staatsbahnen; ~f~) Ebersbach-Löbau-Görlitz der kgl. sächs. Staatsbahnen; ~g~) Ebersbach-Bischofswerda (siehe unter 4 ~d~).
=8. Kgl. sächsische Staatsbahnen.= Strecke Bodenbach-Dresden-Riesa-Leipzig.
=Einbruchstationen=: Schandau, Schöna, Niedergrund, Obergrund, Bodenbach.
=Anschlußbahnen=: ~a~) Bodenbach-Prag (s. unter 6 a); ~b~) Schandau-Sebnitz der kgl. sächs. Staatsbahnen; ~c~) Pirna-Dürrröhrsdorf derselben Bahnen; ~d~) Sekundärbahn Pirna-Berggießhübel; ~e~) Sekundärbahn Mügeln-Geising-Altenberg; ~f~) Sekundärbahn Dresden-Freiberg-Moldau; ~g~) Sekundärbahn Dresden-Hainsberg-Kipsdorf; ~h~) Sekundärbahn Dresden-Flöha-Olbernhau-Reitzenhain; ~i~) Dresden-Berlin der kgl. sächs. und preuß. Staatsbahnen; ~k~) Dresden-Chemnitz-Reichenbach i. V. der kgl. sächs. Staatsbahnen.
=9. K. k. priv. österreichische Nordwestbahn.= Strecke Wien-Tetschen.
=Einbruchsstation=: Tetschen.
=Anschlußbahnen=: ~a~) Kolin-Brünn-Wien der öst.-ung. Staatseisenbahngesellschaft; ~b~) Prag-Wschetat-Prziwor der böhm. Nordbahn; ~c~) Lokalbahn Großpriesen-Wernstadt-Auscha; ~d~) Tetschen-Leipa der böhm. Nordbahn.
=10. K. k. priv. österreichisch-ungarische Staatseisenbahngesellschaft.= Strecke Wien-Prag-Bodenbach.
=Einbruchsstation=: Bodenbach.
=Anschlußbahnen=: ~a~) In B. Trübau (s. unter 1 ~b~); ~b~) Wildenschwert-Geiersberg derselben Bahn mit den Anschlüssen: Geiersberg-Mittelwalde der öst. Nordwestbahn und Mittelwalde-Glatz der kgl. preuß. Staatsbahnen; ~c~) Chotzen-Halbstadt derselben Bahn; ~d~) Kolin-Wien der öst. Nordwestbahn; ~e~) in Bodenbach (s. unter 6 ~a~).
Jeschkenkoppe-Freudenhöhe (3½ Std.).
Die =Jeschkenkoppe= bildet den Mittelpunkt und zugleich die höchste Erhebung (1010 _m_) des 24 _km_ (Luftlinie) langen und bis 7½ _km_ breiten Jeschkengebirges, d. i. jenes Teiles der Sudeten, der beim Dorfe Paß am Trögelsberge beginnt, vom Isergebirge durchs Neißetal geschieden wird, mit dem Kopainberge am Durchbruche der Iser bei Kleinskal endet und einen südöstlich in fast gerader Linie streichenden, sanftgewellten und steil abfallenden Wall mit einer mittleren Kammhöhe von 800 _m_ darstellt, dessen nordwestliche Hälfte bewaldet und in zwei Rücken gespalten ist, während die südöstliche Hälfte einen einzigen, größtenteils kahlen Rücken bildet. Das Jeschkengebirge gehört (nach Hübler's Führer) zu den ältesten Gebirgen; die Gesteine, welche dasselbe zusammensetzen, gehören zum größeren Teile der Urzeit -- nämlich dem Phyllit mit seinen untergeordneten Einlagerungen (Quarzitschiefer, Kalkstein und Diorit) --, zum anderen Teile (Przibramer Grauwacke und Schiefer, Gneisgranit, Rotliegendes) der paläozoischen Zeit an. Den +Namen+ des Gebirges hat man von dem keltischen ~ysga~ (kleiner Kopf), auch vom althochdeutschen ~asc~ (Esche) abzuleiten gesucht; doch dürfte die Ableitung vom slawischen ~jesenik~ (Eschengebirge) die wahrscheinlichste, weil natürlichste sein, umsomehr, da auch das mährische »Gesenke« von demselben Worte abgeleitet wird. Das Jeschkengebirge ist reich an +Sagen+; wie das Riesengebirge seinen Rübezahl, so besitzt das Jeschkengebirge seinen Jeschkengeist; mehrere Sagen von diesem und vom vorwitzigen Schneiderlein knüpfen sich an das »Guckloch«, einen Quarzfelsen, der auf der rechten Seite des Jeschkens wie ein Zahn hervorragt; sehr schön sind auch die Sagen vom Zwergkönig und der Kriesdorfer Kuhhirtin, die dessen Schätze erbte, vom Nachtjäger und von den Waldweiblein. Auch an +naturgeschichtlichen Seltenheiten+ ist das Gebirge nicht arm; wir erwähnen nur die prächtigen Kalkspatkrystalle und Tropfsteingebilde im Heinersdorfer Kalkbruche, die tiefe Kalksinter-Kluft bei Padauchen, die Achate bei Proschwitz und auf dem Jaberlich, sowie eine Reihe von zumeist dem Hochgebirge angehörenden Pflanzen: Alpenlattich (~Homogyne alpina Cass.~), Bergnelkenwurz (~Geum montanum L.~), eisenhutblättriger Hahnenfuß (~Ranunculus aconitifolius L.~), echter Eisenhut (~Aconitum Napellus L.~), Haller's Gänsekresse (~Arabis Halleri L.~), Gmelin's Aufbart (~Epipogon aphyllus Sw.~), Riesengebirgs-Rispengras (~Poa sudetica Haenke~), Knotenfuß (~Streptopus amplexifolius DC.~), herzblättrige Zweiblatt-Orche (~Listera cordata R. Br.~), norwegisches Ruhrkraut (~Gnaphalium norvegicum Gunn.~), ~Isopyrum thalictroides L.~ (Muschelblümchen), nicht zu vergessen einiger Flechten (~Cornicularia tristis Ach.~ und ~Parmelia centrifuga Ach.~ als in erster Linie erwähnenswert) und Moose (~Jungermannia orcadensis Hook.~ und ~Dicranum congestum Brid. var. flexicaule Br. eur.~).
Die Koppe selbst besteht aus einem mächtigen Quarzitschieferlager, dessen Trümmer die Abhänge besonders im Süden und Osten bedecken und eine wahre Fundgrube für Lichenologen (Flechtenkenner) sind; die Landkartenflechte (~Rhizocarpon geographicum DC.~), ist geradezu charakteristisch. Auf der Südseite des Koppenkegels, wo vor einigen Jahren Knieholz mit gutem Erfolge angepflanzt wurde, befindet sich in einer mäßigen Vertiefung ein 1868, an Stelle einer seit 1847 dagestandenen Holzhütte, aus Holz erbautes, seit 1883 auch im Winter bewohntes, zu Oberpassek nummeriertes +Gasthaus+ (telephonisch mit Reichenberg verbunden, mit Nachtherberge für 20 Personen, von 1 ~K~ 60 ~h~ aufwärts und 1855 angelegtem Fremdenbuche), an welches 1885 südwestlich vom D. Geb.-V. für das Jeschken- und Isergebirge eine Glasveranda mit einem Fassungsraum für 200 Personen angebaut ist. Ein daselbst angebrachter Briefkasten wird vom 1. Mai an täglich um 4 Uhr Nachm. durch Postboten entleert. Nebst dem Gasthause befindet sich noch auf der Koppe ein mit Eisen beschlagenes Häuschen mit guten Fernröhren, ein riesiges, steinernes Kreuz, an dessen Stelle 1791 schon ein anderes errichtet war, weiters als astronomisch-geodätischer Hauptpunkt zweiter Ordnung ein Doppelwürfel mit der Aufschrift: »~Operatio astr. trigon. imperante Francisco Josepho I.~«, endlich ein Denkstein an einen Besuch des Fürsten Rohan, zu dessen Besitze die Südseite des Berges gehört, während die Nordseite gräflich Clam-Gallas'scher Besitz ist. Ein 1889 vom Gebirgsvereine an Stelle eines 1876 errichtet gewesen Aussichtsgerüstes aufgestellter, 8 _m_ hoher, hölzerner Aussichtsturm mit Orientierungskarten mußte Ende November 1904 abgetragen werden. Es ist lebhaft zu bedauern, daß die Jeschkenkoppe, obwohl sie jährlich von 15000 bis 20000 Personen besucht wird, immer noch nicht ein würdiges Unterkunftshaus mit Aussichtswarte erhalten hat. Die Pläne sind zwar da, doch kommt es zu keinem greifbaren Ergebnisse, da die gräfl. Clam-Gallas'sche Herrschaft sich noch immer nicht zu einem Neubaue entschließen kann. Und doch ist selbst im Winter der Besuch so stark, daß an Sonntagen die Baude öfters überfüllt ist, trotzdem nur +Rodelfahrten+, keine Hörnerschlittenfahrt vom Jeschken im Schwunge ist, wie z. B. im benachbarten Isergebirge; es kann eben letztere nur geübteren Touristen angeraten werden, da infolge der Steilheit die Schlitten in sausendem Tempo zu Tal fahren und bei den zahlreichen Biegungen und Furchen öfters ein Anfahren oder Umkippen kaum zu vermeiden ist. Die Stadtgemeinde Reichenberg plant eine mit elektrischer Kraft zu betreibende schmalspurige Kleinbahnlinie vom Bahnhofe Reichenberg der Süd-Norddeutschen Verbindungsbahn die Lastenstraße entlang nach Johannestal, Hanichen auf den Jeschken.
Die freie, isolierte Lage der Koppe macht sie zu einem Aussichtspunkte vorzüglichster, geradezu idealer Art, der, was Großartigkeit, Umfang und Mannigfaltigkeit der landschaftlichen Bilder anbelangt, mit den Rundsichten der bedeutendsten Berggipfel des gesamten deutschen Mittelgebirges, ja selbst mancher Punkte der Alpen, verglichen werden kann. Man übersieht bis zu 113 _km_ Entfernung einen großen Teil von Böhmen einerseits bis gegen Mähren und Baiern, andrerseits bis tief in das benachbarte sächsische und preußische Gebiet hinein; durch das Fernrohr wird die Grenze der +Aussicht+ in der Luftlinie sogar bis zum Ödschloßberge bei Bergreichenstein im Böhmerwalde (145 _km_), bis zum Keilberge im Erzgebirge (149 _km_), selbst bis zur Wallfahrtskirche am Kremeschnik zwischen Pilgram und Iglau an der böhmisch-mährischen Grenze (152 _km_) hinausgerückt. Der Glanzpunkt des Panoramas liegt gegen West und Südwest auf das malerische Gewirr der vulkanischen Bergkegel des Mittelgebirges.
Schon vom Vorraume der Koppenwirtschaft, wo das erst in neuerer Zeit eingewanderte strahlenblumenlose Mutterkraut (~Matricaria discoidea DC.~) üppig zu wuchern pflegt, bietet sich ein herrliches Bild, das man sich, einige Schritte weiter, auf der gegen Norden steil abfallenden Plattform, wo das große Kreuz steht, zum Rundbilde ergänzen kann.
Ein willkommenes Andenken und ein erwünschtes verläßliches Orientierungsmittel ist das von Leopold Ullrich aufgenommene, von Karl Bertrand in Stahl gestochene, von A. Schöpfer in Reichenberg 1884 verlegte »Panorama vom Jeschken« auf vier großen Blättern. Darauf seien alle Jene verwiesen, die sich eingehender unterrichten wollen; im Nachstehenden können wir nur ein gedrängtes Bild des Sichtbaren geben.
Nordost: Zu unseren Füßen Ober- und Niederhanichen, weiter Johannestal, l. davon Franzendorf vor der malerisch ausgedehnten Stadt Reichenberg, die sich von keiner Seite so günstig zeigt; l. von Franzendorf liegt Berzdorf hinter Karolinsfeld; r. von Reichenberg das reich besiedelte, industriereiche Neißetal mit Röchlitz, Maffersdorf, Proschwitz und Gablonz; dahinter das Isergebirge, u. zw. gerade hinter Reichenberg im Hintergrunde das Taubenhaus mit Vogelkoppen (l. daneben) und Mittagsberg, im Vordergrunde der hohe Berg, tiefer der Turm der Hohenhabsburg neben dem Schmidtsteine; l. von der Hohenhabsburg der Drachenberg vor der Langen Farbe, r. von jener der Friedrichswalder Kamm mit Königshöhe (Turm) und Seibthübel (Turm), weiter Schwarzeberg, dann Sieghübel; weiter rückwärts l. hinten die Tafelfichte (an ihrem r. Abhange, über dem Wittigberge, geht am längsten Tage die Sonne auf), dann der Hinterberg und der Hochstein. Ost: R. von Hanichen liegt Eichicht; hinten schließt sich das Riesengebirge ans Isergebirge, u. zw. Reifträger, hohes Rad mit Schneegrubenbaude (gerade über Gablonz), Schneekoppe mit ihren Baulichkeiten (hinter ihr geht die Sonne genau am 22. Sept. auf) und Brunnberg, während nach vorn zu der Spitzberg bei Tannwald, die Stefanshöhe (Turm), die Schwarzbrunnkoppe, die Häuser von Marschowitz und Schumburg, noch näher der Kaiserstein l. von Langenbruck zu sehen sind. Südost: Der kahle Jeschkenrücken, der mit dem Kopainberge (Turm) endet, dann folgt der Kosakow vor dem Switschinberge, der Ruine Kumburg und dem Taborberge, r. davon die Stadt Turnau und die Großskaler Felsen, die zweizinkige Ruine Trosky, die Kegel und Kuppen der Gitschiner Gegend (Prachower Felsen) und am äußersten Horizonte Heuscheuer, hohe Mense (etwas r. über Langenbruck) und Deschnaer Koppe. Süd: Die Stadt B. Aicha, davor der Hühnerberg, dahinter der Musky und Ruine Sweretitz bei Backofen, weiter Jungbunzlau und Schloß Neubenatek, r. davon im Vordergrunde die Hlawitzer Kirche, dahinter die Stadt Weißwasser, am Horizonte der Dablitzer Berg, das Sternschloß und der Laurenzibergturm bei Prag. Südwest: Die Teufelsmauer, dann die Stadt Oschitz, dahinter l. die beiden Bösige (Ruine) und Schloß Hauska, r. der ruinengekrönte Dewin hinter dem Krassaberge und vor den beiden Hirschbergen, daneben der spiegelnde Hammerteich mit dem Dorfe Hammer und der Stadt Wartenberg vor dem Roll, l. hinter diesem Ruine Altperstein, weiter die Nedoweska und im Hintergrunde der Georgsberg bei Raudnitz (Kapelle); überm Roll der gewölbte Wilsch, dann die doppeltürmige Hasenburg bei Libochowitz, weiter der Hoblik bei Laun, noch weiter das Duppau-Karlsbader Gebirge; r. vom Roll der spitze Ron (Ruine), die Koselspitze, der breite Geltsch, der Kreuzberg bei Leitmeritz, dahinter der Milleschauer (Höhenwarte) und r. hinter diesem der Keilberg im Erzgebirge (Turm), näher das Mückentürmchen bei Graupen. West: Zu Füßen Drausendorf, dann hinter einander der Audishorner Spitzberg, der Tolzberg und das Schwoikaer Gebirge, l. davon der Leipaer Spitzberg (Turm) und der Kamnitzberg (Turm), im Hintergrunde der Zinkenstein; r. von diesem der hohe Schneeberg (Turm); im Vordergrunde folgt auf Drausendorf der Silberstein und die Rabensteine mit den lang sich hinziehenden Kirchdörfern Seifersdorf und Kriesdorf dazwischen, dahinter die Stadt Deutschgabel, dann die Stadt Zwickau und der Röhrsdorfer Bahnhof am Fuße des Kleis; r. von diesem der Kaltenberg (Turm) und zwischen beiden hinten der Rosenberg und der gr. Zschirnstein; r. vom Kaltenberge der gr. Winterberg (Turm) bei Herrnskretschen. Nordwest: Hochwald (Turm) und Lausche (Gasthaus) hinter einander, l. davon Tannenberg (Turm), hinten Tanzplan (Turm) und Valtenberg (Turm), r. Wolfsbergspitze (Turm) und Botzen, im Vordergrunde der bewaldete Jeschkenrücken mit Moiselkoppe, Kalk- und Langeberge; zwischen letzteren beiden hindurch sieht man die Stadt Zittau, den Kottmar (Turm) und den Löbauer Berg, im Hintergrunde den Czornebog bei Bautzen (Turm) nebst einer Menge kleinerer Ortschaften. Nord: Machendorf am Zusammenschlusse des Christofsgrunder mit dem Neißetale, darüber Kratzau vor dem Gickelsberge und ganz draußen die Stadt Görlitz mit der Landeskrone.