Part 2
-- Küsse sind Funken, elektrisches Lechzen Kupferner Lippen, und die Körper knacken! Mit einem Sprunge sitzt mein Kuß im Nacken Und frißt dein Bäumen und dein erstes Ächzen.
Und als ich dir die weißen Knie und, Dein Herz verlangend, allen Körper küßte, Geriet mein Schröpfkopf unter deine Brüste; Da drängte sich das Herz an meinen Mund.
GUTEN TAG -- HELLE EVA!
Ich wollte mit dir jungem Weibe leben Gern wie der Sturm auf einem hellen Meer, Daß deine Hände sich wie Möwen heben, Wie Strudel leuchten deine Brüste sehr.
Dein Fleisch ist Schnee, und schneereich bist du wie Russische Winter. Mondrot leuchtet, blond, Dein Haarkorb an des Nackens Horizont -- Du nackend Weib, du weiße Therapie!
Lange behielt ich deine Witterung Und jagte hitzig hinter Dirnenrudeln, Lustkrank, von Qual beweht. Doch du bliebst jung.
Auf deinen Rippen kreisen weiße Strudel; Du bist ein Weib geworden -- puh -- fruchtbar, Du blanker Bauch voll Blut und krautigem Haar.
FRIEDRICHSTRASSENKROKI 3 UHR 20 NACHTS
Die Friedrichstraße trägt auf Stein Die blassen Gewässer des Lichtes. Die Dirnen umstehn mit Hirschgeweihn Die Circe meines Gesichtes.
Ich schaue: -- Der Träume Phosphor rinnt In zwei, vier Menschenaugen neu. -- Wie eine Katze springt, gefleckt, der Wind Zwischen des Asphalts Lichterstreu
Und trägt den fetten, weißen Rauch Im Maul den jungen Winden ins Nest. Er faßt die Dirnen an den Bauch Und klemmt die dünnen Röcke fest.
-- Da sind Gesichter, lachen nett, Daß alle Zähne blecken müssen; Die Louis zeigen ihr Skelett, Louise läßt mich ihres küssen.
ANDERE JÜDIN
I
Im Norden sind die Ebenen, da steigen Die Ströme zitternd in das Meer, Das sie verhüllt. Der Wind weht Wogen her. Das Wasser schweigt, und die Sternbilder schweigen.
Du stiegst hinab mit deinem weißen, leisen Lachen sprudelnd und deiner Brüste Schaum. Antworte doch! Bist du noch in dem Raum, Wo meiner Augen Vögel schreien, kreisen?
II
Der Wind ist in den Eichen, Die sich nach Westen legen Und diesen kleinen, bleichen Himmel zusammenfegen;
Ich atme schlecht! Ich zucke So an der Luft! Untätig. Mir ist vom steten Drucke Nicht mehr viel Ich vorrätig.
IN DER WELT
Ich lasse mein Gesicht auf Sterne fallen, Die wie getroffen auseinander hinken. Die Wälder wandern mondwärts, schwarze Quallen, Ins Blaumeer, daraus meine Blicke winken.
Mein Ich ist fort. Es macht die Sternenreise. Das ist nicht Ich, wovon die Kleider scheinen. Die Tage sterben weg, die weißen Greise. Ichlose Nerven sind voll Furcht und weinen.
ADIEU MÄDCHENLACHEN!
Sie nehmen Abschied, werden nicht vergessen Die Wege, die sie jetzt gehn -- Du und Ich, Zwei Lächeln nur, mit denen sich Apokalyptische Gesichte messen.
O fälschte doch mein sicheres Gesicht! Die Furcht läuft in die Zukunft und sieht mutig, Da liegst du, abgeküßt und schenkelblutig: -- Mein Hirn bellt auf -- brautnackt im Ampellicht.
Die Schmerzen beißen in das Hirn hinein. Was martert, mordet nicht mein wilder Freisinn! O meine Mutter, weißhändige Greisin, Nimm mich zurück ins Nichtgeborensein!
NACH DER NACHT
Laternen, die den Regenabend führen, Haben die Stadt, die glänzende, verraten. Eiweißer Eiter tropft im Lichteratem Der Friedrichstraße, wo sich Dirnen rühren.
Die Augen kriechen aus den Faltenlidern Und spritzen einen Blick, der dich begießt. Sie lachen sich das Kleid vom Bauch; du siehst Die Brüste -- Krötenbäuche in den Miedern.
Du flohst, und Vögel sangen für dich junitags. Der Morgen senkte sich in dein Gesicht. Es schlugen Uhren an, weckten das Licht. Doggengebell des Turmuhrstundenschlags.
Du öffnest deinen Mund, der ist lichtzahnig. O Wanderungen im Gestein der Stadt! O Röcheln, Schreie, seelenquälend Rad! -- Es sprudelt aus der Morgenröte sahnig.
Du schweigst. Hinter den dunklen Augen ruht Das Hirn vom Krampf der tötenden Arsene. Du lächelst, blickst -- und da betritt die Szene Die Sonne, jugendlich, im Wolkenhut.
DAS WIEDERSEHEN
Wie warnend leuchten schwarze Fensterscheiben. Mystische Telefone knacken, knacken --: Dastehst Du nahe mit beweinten Backen, Plastik aus Rauch. Ich drehe angstvoll mein Gesicht zum Nacken Und steige zitternd aus aus euren Häusern.
Sind das die Häuser? Ist die Nacht aus Stein? Ich mache langsam Schritte in Berlin. Kein Mensch. Herabgestürzte Jalousien. Ich habe keinen Wunsch, einer zu sein.
MANN UND MENSCHFRAU
Der Park beleckt, ein grüner Katarakt, Das weiße Haus, in dem wir nach uns greifen. Du hast Angstaugen. Um die Fenster streifen Ahorne braun und indianernackt.
Sturm hat die Nacht, die Negerin, gepackt. -- Du wirst doch diese Herzart nicht begreifen. Laß aus dir trinken, und ich werde reifen. Verdorrte Augen überschwemmt dein Akt.
Du kriegst ein Kind. Ich werde einsam sterben In braunen Muskeln und vom Tag gedörrter. Jetzt könnten deine Arme mich entfärben.
Orient und Eden machst du gegenwärtig. Wir wandeln nackt durch baumige Hirnörter. Engel -- dein weißer Bauch ist dunkelbärtig.
End of Project Gutenberg's Junge Pferde! Junge Pferde!, by Paul Boldt