Junge Herzen: Erzählungen für die reifere Jugend

Part 11

Chapter 112,950 wordsPublic domain

Das Klappern der Teller hatte allmälig nachgelassen -- die Stimme der ehrenwerten kleinen Frau ward allmälig unsicherer und Herr Terris fuhr nicht ohne Schrecken zusammen, als sich seine Gattin ohne alle Vorbereitung mit der ihr eigenen Heftigkeit plötzlich neben ihm niederwarf, ihr Gesicht an seiner Schulter barg und erst weinerlich, dann heftig schluchzend weitersprach:

»Wenn ich ihm auch gesagt habe, daß er seine dumme Jennie suchen sollte -- dann brauchte er doch nicht -- wenn ich bedenke, daß unsere Mary Ann eines Tages auf und davon -- -- oh Talbot, ich hätte es ihm nicht so zu sagen brauchen -- hätt' ich?« Herr Terris hatte alle Ursache, sich zu schämen. Er hatte nicht einen Augenblick zugehört und befand sich in der unbehaglichen Lage, trösten zu sollen, ohne zu ahnen, um was es sich handelte. Der Erregung der Frau war es zuzuschreiben, daß es ihm gelang.

»Was kann ich in der Sache thun?« fragte er im Bewußtsein, daß nur eine _Handlung_ ihm in den Augen seiner Martha Gunst verleihen würde, und wirklich blickte dieselbe dankerfüllt zu ihm auf.

»Du wirst gleich nach Tisch gehen und den abscheulichen Jungen suchen helfen, mein guter Talbot, nicht wahr?«

Der »gute Talbot« erfuhr zum Glück im Hinausgehen vom Hausmädchen, um welchen »abscheulichen Jungen« es sich eigentlich handelte.

Das Kind war fort. Der Tag verging -- der zweite kam -- das Kind blieb fort. Die Nachbarn bestätigten es mit Trauermienen und bedauerndem Aufblick zu den herabgelassenen Thompsonschen Jalousien, hinter denen die Herrin von Weinen erschöpft darniederlag und die alte Köchin während des langen Tages unter weinerlichen Stöhnlauten einherging und mit immer neuen Gefühlsausbrüchen die Anfragen der Nachbarn mit dem stets gleichen Jammerruf: »Das Kind ist fort -- fort«, beantwortete.

Der melancholische Ton weckte so sehr das Mitgefühl wie die traurige Thatsache selbst. Was Wunder also, daß die guten Nachbarn aufhorchten, als am Abend desselben Tages die Stimme der alten Köchin vor den Stufen des Hauses in ganz anderer Weise erscholl. Allem Anscheine nach war sie ergrimmt. Man sah eine drohend geballte Faust -- hörte eine unterdrückte, erregte, zornbebende Stimme:

»Fort ist das Kind. Jawohl, du schwarzes Ungeheuer, fort ist es, und wenn der süße Engel zu Tode hungert oder auf den Eisenbahnschienen umkommt -- wer hat die Schuld, du nichtswürdiges Geschöpf? wer anders als du -- du -- was willst du überhaupt noch hier? Nach ihm fragen? So? Wenn du mir wieder unter die Hände kommst -- ich -- ich -- fort von hier, sag ich, du schwarzes Ungeheuer oder ich« --

»Mit wem sie nur reden mag,« fragten sich die teilnahmvollen Beobachter, deren neugierige Köpfe bei dem ungewohnten Geräusch zu den Fenstern herauskamen, »wer mag denn da unten sein?«

Bevor sie sich indessen klar werden konnten, war die Thüre des Thompsonschen Hauses ins Schloß gefallen und von den Stufen erhob sich eine halberwachsene Mädchengestalt, die sich eingeschüchtert an den Häusern entlang hinschlich und im Dunkeln verschwand.

»'s war das Frauenzimmer, die Jinnie, ich wette, was du willst,« sagte Frau Terris, ihren vom Abendwind zerzausten Kopf von der Fenstereinrahmung zurückziehend und den männlichen Terris herausfordernd ansehend, »das freche Ding -- hier noch herzukommen, nachdem sie die ganze Sache angerichtet -- so ein Nigger!« Es gab in der Umgegend noch andere, die das Gebahren des Negermädchens für frech erklärten, so zum Beispiel schien es dem hinter seiner Schnapsflasche eingeschlafenen Bahnbeamten eine nie dagewesene Dreistigkeit von einem halberwachsenen Mädchen, ihn zu wecken, um zu fragen, ob sie auf eine Viertelstunde die Laterne nehmen dürfe, um etwas, was sie verloren, zu suchen, und dann hatte er in seinen Flüchen innehalten müssen, als sich das junge Ding so ängstlich seitwärts drückte und ihn aus großen Augen so eigen hilflos anstarrte.

»Frech war es, ihn zu wecken, aber -- na, die Lampe stand ja da -- seinetwegen -- aber wiederbringen -- verstanden?« Eine Frechheit war es wiederum von dem hinterlistigen Ding -- das doch nur wie alle Neger stehlen wollte, an der Apfel- und Kartoffelbude der irländischen Marktfrau zur Abendstunde anzuklopfen. »Ob ein Herr Smith hier wohne? Oho -- die Frage kannte man. Als ob nicht jeder wüßte, daß an der Grenze der Stadt -- wo die Eisenbahn halt machte, kein Smith, sondern sie selbst, die bekannte Apfel-Kennedy, wohnte. Was sie denn von dem Smith wollte, he?«

»Ein kleines Kind habe sich verlaufen und ein gewisser Gärtner Smith solle dem Kinde auf der Avenue begegnet sein, sie wollte nur fragen --«

»So, na ja. Ob sie dächte, daß man das Zeug glauben würde. Wenn weiße Leute ein Kind suchten, schicken sie doch keinen Nigger danach aus. Ein rotköpfiger Junge wäre gestern vorübergekommen. Vielleicht war's der! Na, was sollte das heißen? Nur nicht so dicht 'rankommen, sie hätt' ihn nicht weiter beachtet. Da 'runter wär' er gegangen und die Leute aus der Schlächterei hätten ihn angehalten -- ob sie wohl in ihrer Hast den Korb nicht umstoßen wollte -- solch ein Nigger! Na -- gestohlen hatte sie nichts -- Gott sei Dank.«

Gestohlen hatte sie nichts und doch mußten die Bewohner der armseligen, kleinen Hütten, dicht hinter der großen Schlächterei, die umherschleichende, sich bei jedem Geräusch scheu verbergende Gestalt des Negermädchens mit Argwohn betrachten. Es war nicht erwiesen, daß sie stehlen wollte, trotzdem sie in der gut gekannten Manier aller Diebe und Schleicher an den verschiedenen Thüren anklopfte, um mit verstellt harmloser Miene zu fragen, ob dies Nr. 19 wäre, und dabei mit großen, suchenden Augen die spärlich möblierten, inneren Raume zu überblicken.

Nein -- es war nicht Nr. 19. Es gab überhaupt hier keine Nummern, und wenn sie vielleicht etwas ausspionieren wollte, so könnte man dem männlichen Hüter des Hauses rufen -- aha -- das wirkte! So ein diebischer Nigger! -- Die Drohung hatte sie fortgeschreckt! Es war also keine Gefahr mehr vorhanden. Die aus der Schenke heimkehrenden Männer täuschten sich auch wohl, wenn sie im Schatten des im Zickzack entlanglaufenden Holzzauns eine sich verbergende Gestalt zu sehen wähnten. Wie sollte auch zu so später Abendstunde -- -- sie konnten vorsichtshalber die konferierenden Stimmen etwas senken. Und die Stimmen, welche ohnehin in halb ängstlicher Weise verhandelten, senkten sich vorsichtig zu noch leiserem Ausspruche:

»Schaff es fort,« riet die eine, »ich rate dir gut,« und eine zweite erwiderte zögernd und undeutlich:

»s'ist hart, ich mag nicht!«

»Willst du's hierbehalten bis man's entdeckt, und wir bestraft werden?« Der Ton des Mannes klang rauh und die Unschlüssigkeit des Nachbars gab ihm ersichtlich Mut. »Ich sage dir, es steckt 'ne Summe dahinter, verspiel dein Glück nicht -- ich dächte die Armut hättest du mit Frau und Kindern ausgekostet -- Arbeit, nichts wie Arbeit und was dafür? Morgen werden Plakate ausgehängt -- große Belohnungssummen geboten -- schaff es auf drei Wochen fort und die Summen werden verdreifacht -- ich rate dir -- Höll' und Teufel -- siehst du nichts? Bewegt sich nicht etwas auf der Erde entlang -- auf allen Vieren -- ein Mensch -- nein verdamm mich -- ein Mädchen -- da -- fort ist's. Sahst du denn nichts -- ich träume doch nicht -- war da nicht jemand?«

»Nichts gesehen. Komm nach Hause!«

Tiefe Dunkelheit überall. Die Schritte waren verklungen. Von der nahe gelegenen Stadtuhr schlug es zehn. Die letzten herabgeglommenen Kerzen aus den einzelnen noch gering erleuchteten Hütten verloschen. Über den ärmlichen Stadtteil war tiefe Finsternis gefallen, und plötzlich hob sich aus der ringsum lagernden Stille der Nacht eine menschliche Stimme im Gesang. Eigenartig leise, eigenartig tief zugleich erscholl es aus einer Mädchenkehle in halb zitternden Tönen. Durch die ruhenden Straßen und so eigen gedämpft, so sehnsuchtsvoll innig kam die Melodie, daß die schlafende Stadt weiter schlief; und der leichte Nachtwind trug die zitternden Töne fort zu den Fenstern der niedern Hütten -- durch diese zu dem Bettchen eines Kindes, das sich halb träumend aufrichtete und mit unbewußt vorgestrecktem Köpfchen auf die Stimme hinaus horchte. Der Gesang kam näher -- die Worte wurden deutlicher -- der Ton trauriger:

»=Oh my dear Nellie Grey They have taken you away And I'll never see my darling Any more -- any more -- --=«

Die Stimme brach ab. Was war das? War es eine Täuschung oder fiel das Mondlicht auf ein klagendes schlaftrunkenes Kinderköpfchen, das sich hinter der Scheibe des Eckhüttenfensters abzeichnete?

»=I am sitting by the river, I am weeping all the day= --«

»=Jinnie oh Jinnie!=«

Es war keine Täuschung. Es war wirklich ein sehnender Kinderschrei gewesen, der in die Straßen hinabtönte, und mit einem aufschluchzenden Jauchzer riß das Lied ab. Vor dem Fenster des Erdgeschosses, aus dem die kleine Stimme gekommen, stand hochaufgerichtet das Negermädchen und streckte, halb wie zum Dankesruf, halb im Triumph, beide Arme empor:

»=Neddie, darling Neddie!=«

Was that's, daß das Einschlagen des Fensters die Schlafenden weckte -- was galt es ihr, daß in den Hütten sich's zu regen begann? Was kümmerte es sie, daß hinter ihr Flüche, Schimpfworte, Drohungen erschollen? Das schluchzende Kind im Arm haltend, durchflog sie die Straßen -- stolperte, richtete sich auf -- stürzte, hob sich wieder -- fort, weiter und immer weiter durch die Nacht, aus dem verödeten düstern Stadtteil in den belebteren helleren, ein einzigesmal rastend, um das zerzauste Köpfchen an ihrer Schulter sorglicher zu betten, das blasse Gesicht des verwirrt blickenden Kindes mit ihren Lippen zu streifen und ihren Lauf fortzusetzen, bis sie, hastig atmend -- zu Tode erschöpft das Thompsonsche Haus erreicht, die Stufen zur Hausthür erklommen hatte, um wie eine Wahnwitzige an der Glocke zu ziehen, daß es klirrend, dröhnend durch alle innern Räume ging.

Die da nach wenigen Augenblicken mit Licht erschienen, fanden auf der Thürschwelle die in sich zusammengesunkene Gestalt des Negermädchens und neben ihr das verlorene Kind Neddie, das den schwarzen Kopf des Mädchens aufzurichten suchte und in dem gekannten tiefen Klageton sein »Jinnie, Jinnie« rief.

Von der Bewegung, die noch in der Nacht in den Straßen entstand, wußten die guten Nachbarn noch lange zu erzählen.

Ob man wohl glauben könnte, daß ein Neger -- und noch dazu ein Lied -- ein sentimentales Lied, das dem Knaben beim Einschläfern vorgesungen worden war, ihn gelockt -- es war seltsam.

»Verlange nicht von mir, daß ich dir meine Gefühle schildere,« bat Frau Martha Terris am Frühstückstisch ihren Gatten, indem sie mit energischem Schlag ihre Rechte auf den Tisch niederklappte -- »verlange das nicht! Ich werde, solange ich lebe, den Nigger nicht ansehen können, ohne versucht zu sein, ihr eine Verbeugung zu machen, und daß du's nur weißt, ich bin mir noch gar nicht sicher, ob ich nicht direkt hinübergehe und dem schwarzen Ding einen herzhaften Kuß gebe; denn -- du merkst wohl, Terris, daß ich mit dir rede.« Herr Terris glaubte so etwas bemerkt zu haben. Seine Wohlerzogenheit als Ehegatte verbot ihm, der schwatzhaften kleinen Dame seine Ansicht über ihr menschenfreundliches Vorhaben kund zu thun. Er begnügte sich damit, einen verständnisinnigen Blick auf das =vis-à-vis= gelegene Haus zu werfen, und verkroch sich eiligst wieder hinter seine Zeitung, als Frau Terris mit einem entzückten kleinen Schrei auf das Fenster zuflog.

»Da ist der Junge! Sieh ihn dir an! Du kannst noch so eigensinnig das Gegenteil behaupten, ich erkläre dir, daß es _kein_ hübsches Kind ist. Die Nase ist platt. Wenn ich dagegen unsere Mary Ann, -- da ist das Mädchen Jinnie und der Junge küßt sie. Nichts auf der Welt wird mich jemals veranlassen, das Mädchen wie ein irdisches Wesen zu betrachten, denn wenn das Fenster da drüben leer geblieben wäre -- nachdem ich es war, die den Jungen -- du kannst versichert sein, Talbot, daß es mein Tod gewesen wäre -- thatsächlich mein« --

Der Satz wurde nicht vollendet. Frau Terris Aufmerksamkeit wurde auf das Thompsonsche Fenster gelenkt, aus dem sich der blonde Krauskopf des besprochenen Kindes herausbog und sich lebhaft nickend hin- und herbewegte.

»Ich glaube gar -- es spricht zu mir!« Frau Terris geriet über die besondere Auszeichnung fast in Verlegenheit. Des Kindes Stimme tönte freudig erregt zu ihr hinüber.

»Meine Jinnie wieder da!« meldete der rote Mund beglückt eifrig, und Frau Terris grüßte ganz gerührt zu den gelben Locken herüber und nickte -- eine Thräne im Auge mit einem kräftig gesprochenen »=God bless her=« dem Thompson Jungen zu -- dann warf sie sich -- wie um eine verräterische Rührung zu unterdrücken, ihrem Manne entgegen:

»Ich bin glücklich, daß der abscheuliche Junge wieder da ist, Talbot -- wenn ich bedenke, daß unsere kleine Mary Ann -- ich war es ja doch, die ihn« -- hier geriet die tapfere Frauenstimme ins Wanken und von dem Rockärmel des männlichen Terris kamen abgerissen die Worte -- »ich -- ich -- o Talbot -- ich bin so froh.«

Ferner ist erschienen:

Sina.

_Eine Erzählung für junge Mädchen_ von #Johanna Spyri#.

Hübsch gebunden. -- 3 Mark.

Schule und Leben.

Erzählungen _für junge Mädchen_ von #Adelheid Wildermuth#. Zweite Auflage.

Hübsch gebunden. -- 3 Mark.

Wollt ihr's hören?

Erzählungen _für junge Mädchen_ von #Adelheid Wildermuth#. Zweite Auflage.

Hübsch gebunden. -- 3 Mark.

Daheim und Draußen.

Erzählungen _für junge Mädchen_ von #Marie Calm#.

Hübsch gebunden. -- 3 Mark.

Was das Leben bringt.

Erzählungen _für junge Mädchen_ von #Therese Devrient#.

Hübsch gebunden. -- 3 Mark.

Die Erbin von Roseneck.

Eine Erzählung _für erwachsene Töchter_ von #Agnes Willms#, geb. Wildermuth.

Hübsch gebunden. -- 3 Mark.

Dornen und Rosen.

Eine Erzählung _für erwachsene Töchter_ von #Emmy Palleske#.

Hübsch gebunden. -- 3 Mark.

Frei von allen Uebertreibungen und gesuchten Verwicklungen schildert die Verfasserin den einfachen Verlauf eines Mädchenlebens, bis zu _der_ Zeit, wo dasselbe an der Seite eines geliebten Gatten die gottgeordnete Bestimmung des Weibes erreicht. Es werden dem jungen Mädchen, das die Hauptperson dieser Erzählung bildet, die Dornen des Lebens, welche sein Herz tief und schmerzlich verwunden, Leid, Noth, Kränkung aller Art, schwere Kämpfe nicht erspart, aber es fehlen ihm auch nicht die Freuden des Lebens, »die Rosen«, welche es erquicken und aufrichten. Unter dieselben werden vor Allem gerechnet die Liebe einer braven, einsichtsvollen Mutter, die zärtliche Hinneigung einer bis dahin verzogenen, nur durch seltene Gewissenhaftigkeit und selbstlose Liebe gewonnenen Schülerin und die innige, warme, aber in richtiger Erkenntniß der so verschiedenen Verhältnisse muthig bekämpfte Herzensneigung zu einem reichen edlen Manne, welcher das junge Mädchen, das als Gouvernante von dem Stolz, Hochmuth und der Eifersucht seiner Prinzipalin schwer zu leiden hat, diesen traurigen Verhältnissen entnimmt und zur glücklichen Gattin macht. Die Schilderung der »Dornen und Rosen« dieses Mädchenlebens ist eine so gelungene, daß der Leser unter den Dornen mitleidet und seufzt und der Rosen sich von Herzen freut. --

Herzenskämpfe.

Eine Erzählung _für junge Mädchen_ von #Marie Stein#.

Hübsch gebunden. -- 3 Mark.

In dieser Erzählung wird uns gezeigt, wie schwer es ist, den Sieg über althergebrachte Standesvorurtheile zu erringen. Nur sehr ungern gibt der alte Graf Waldemar von Felsburg, ein edler, aber sehr stolzer Aristokrat seine Einwilligung zur Verlobung seines Sohnes, des Grafen Hermann, mit Marie, der Tochter seines Predigers, wiewohl er das junge Mädchen wegen seiner natürlichen Einfachheit, großen Pflichttreue und seiner übrigen trefflichen Eigenschaften hochachtet und überdies eine innige, wahre Freundschaft ihn mit dem alten Pfarrer, Mariens Vater, verbindet. Die liebliche, aber zarte Comtesse Clara, die einzige Tochter des alten Grafen, kämpft in der Tiefe ihres Herzens erfolgreich den schwersten Kampf einer hoffnungslosen Liebe zu Egon von Bernsdorf, dem Freunde ihres Bruders, der als Gast auf dem väterlichen Schlosse weilt, während Letzterer lange vergeblich sich um die kalte, herzlose und hochmüthige Gräfin Angelika Arnheim bemüht, bis diese, besonders durch das edle Vorbild der Comtesse Clara, eine völlig andere wird und in demüthiger, mädchenhafter Liebe dem stets Geliebten sich hingiebt. So werden an verschiedenen Beispielen und nach verschiedenen Richtungen die in der Tiefe des Herzens durchzumachenden Kämpfe von der Verfasserin mit großem Geschick und Verständniß geschildert.

Verlag von _Carl Krabbe_ in _Stuttgart_.

[ Hinweise zur Transkription

Der Schmutztitel wurde entfernt, das Frontispiz vor die Widmung verschoben.

Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt.

Darstellung abweichender Schriftarten:

_gesperrt_, =Antiqua=, #fett#.

Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, einschließlich uneinheitlicher Schreibweisen wie beispielsweise "erwidern" -- "erwiedern", "gleichgiltig" -- "gleichgültig, "tödlich" -- "tötlich",

mit folgenden Ausnahmen,

Seite 10: "»" eingefügt (»Tanz, heute -- hier?)

Seite 12: "«" eingefügt (abschlägigen Bescheid geben zu müssen, indes --«)

Seite 13: "jemanden" geändert in "jemandem" (nur kamen, um jemandem gutes zu erweisen)

Seite 14: "," entfernt hinter "aushauchen -- --«" (die Gefühle meiner Seele aushauchen -- --«)

Seite 17: "sie" geändert in "Sie" (fassen Sie zu, bitte!)

Seite 26: "«" eingefügt (»_Vielleicht?!!_« -- Herr Harvey hatte das Wort)

Seite 27: "«" eingefügt (Aufregung gebracht zu haben. Darf ich?«)

Seite 33: "ihre" geändert in "Ihre" (daß nur Ihre vorherige Haltung Tom Warren gegenüber)

Seite 36: "floßen" geändert in "flossen" (Thränen aus den Augen und flossen unaufhaltsam)

Seite 39: "nnd" geändert in "und" (da hob er seine Stimme, kräftig und voll)

Seite 45: "»" eingefügt (»Fräulein Müller, Sie sind Tante Marie?)

Seite 46: "weilchen" geändert in "Weilchen" (nachdem sie ein Weilchen geplaudert hatten)

Seite 74: "füllte" geändert in "hüllte" (hüllte tagtäglich mehr denn ein Dutzend)

Seite 74: "»Geschichte«," geändert in "›Geschichte‹,«" (sie hat eine ›Geschichte‹,« flüsterten sie)

Seite 74: "»" vor "Aber" entfernt (Aber wenn sie gleich ihre Geschichte hatte)

Seite 77: "»" vor "eines" entfernt (nichts wußte; eines aber ist gewiß)

Seite 86: "«" eingefügt (Kamen nicht Schritte?« fragte sie)

Seite 87: "sonniges" geändert in "sonnigen" (eines sonnigen Tages ihre paar Habseligkeiten und ging)

Seite 90: "Schluchslaut" geändert in "Schluchzlaut" (mit einem lauten Schluchzlaut)

Seite 94: ".." geändert in "..." (Dreimaliges Geläute! ...)

Seite 103: "«" eingefügt (nicht mit Bestimmtheit sagen,« erwiderte er)

Seite 104: "»" und "«" geändert in "›" und "‹" (›ich kenne ihn, er ist ein entsetzlicher Mensch,‹) sowie (›er ist ein durchaus leidlicher Mensch,‹)

Seite 114: "Ereignissen" geändert in "Ereignisse" (keine fortschreitenden Ereignisse in Erfahrung bringt)

Seite 114: "tröstete" geändert in "trösteten" (sondern trösteten sie vielmehr mit der Hoffnung)

Seite 117: "«" eingefügt (mir mußte der liebe Gott ja zürnen.«)

Seite 119: "abend" geändert in "Abend" (Es ist Abend, eben erhellt der Mond das Dunkel.)

Seite 128: "»" eingefügt (»horch Mietze -- ich höre was!)

Seite 139: "«" hinter "nein!" entfernt (in das kalte Wasser -- o nein -- nein!)

Seite 144: "»" vor "O!" entfernt (O! wenn doch Paul da wäre!)

Seite 144: "!" hinter "wisse" entfernt (Wenn sie dächte, man wisse nicht)

Seite 155: "hochge-geschwungen" geändert in "hochgeschwungen" (Strohhut hochgeschwungen, das dunkle Antlitz)

Seite 185: "geblich" geändert in "gelblich" (ihrem gelblich blassen Teint einen besondern Reiz)

Seite 186: "»" eingefügt (»sie standen versteckt an der Flurthür und plauderten)

Seite 195: "unwillkührlich" geändert in "unwillkürlich" (das den Vorübergehenden unwillkürlich zurückblicken ließ)

Seite 197: "»" vor "Sei" entfernt (Sei doch mal still du -- Neddie Thompson)

Seite 199: "«" hinter "Goodness!" entfernt (»=Gracious Goodness!=)

Seite 199: "müssigen" geändert in "müßigen" (der allen müßigen Gaffern)

Seite 204: "«" hinter "wohne?" entfernt (Ob ein Herr Smith hier wohne?) ]