Josefine Mutzenbacher oder Die Geschichte einer Wienerischen Dirne von ihr selbst erzählt
Part 18
Ich: »Und wie bist du denn da in die Stadt herein gekommen?«
Zenzi: »Nur durch den Rudolf.«
Ich: »Der kennt aber auch alles.«
Zenzi: »Ja, er hat gesagt, draußen bei uns ist ja doch kein Geschäft, und er hat mich hergeführt.«
Ich: »Und ich bin auch da.«
Zenzi: »Ja ..., er hat immer gesagt ..., die Peperl ..., die kann was verdienen, wenn sie gescheit ist ...«
Ich: »Das möcht' mir schon passen.«
Zenzi: »Na, du siehst ja, es geht.«
Ich: »Na, und ob das geht.«
Zenzi: »Was hast denn verdient?«
Ich: »Wart! Zwei Gulden im Haustor, fünf Gulden der Alte ..., zehn Gulden jetzt ..., zwei Gulden muß ich der Alten geben, bleiben fünfzehn Gulden. Na, der Vater der wird schöne Augen machen, wenn ich so viel z' Haus bring'.«
Zenzi: »Was dir nicht einfällt, da wärst aber schön dumm ...«
Ich: »Wieso?«
Zenzi: »Du wirst doch nicht alles hergeben?«
Ich: »Nicht?«
Zenzi: »Gott bewahre. Vielleicht verdienst du morgen gar nix ..., was machst denn dann?«
Ich: »Dann sag' ich halt, ich hab' nix verdient.«
Zenzi: »So? Und laßt dich vielleicht zusammenschimpfen ... Ah nein, schau mich an ..., wie ich's mach. Ich geb' einmal drei Gulden, einmal fünf, einmal sechs her, und der Rudolf freut sich, weil ich jeden Tag was bring', und außerdem, sie möchten ja ohnedies alles gleich versaufen.«
Ich: »Ja ..., ja ..., da hast du recht ...«
Zenzi: »Und dann, du kannst doch selber ein Geld brauchen. Hast du eins, mußt du keins verlangen, und wenn's dich freut, kauf dir was.«
Ich: »Ja, und dann ahnt es der Vater, und weiß gleich, daß ich geschummelt hab'.«
Zenzi: »O, du Tschapperl du ..., wenn er was sieht, dann sagst du, du hast es von einem Herrn geschenkt gekriegt ..., immer geschenkt ..., das ist das Beste. Und übrigens mußt du halt lieb sein zum Vater ..., immer nur lieb sein ..., dann laßt er dir alles zu.«
Ich: »Aha! Also deswegen schmeichelst du dem Rudolf so?«
Zenzi: »Natürlich. Damit ich keinen Verdruß mit ihm hab', und machen kann, was ich will.«
Wir kleideten uns an, beschlossen, obwohl es kaum noch dämmerte, heute schon nach Hause zu gehen. Wir hatten beide genug, durften eines freundlichen Empfanges sicher sein, und wollten keinen Herrn mehr suchen. Wir fuhren mit dem Stellwagen in die Vorstadt.
Ich gab dem Vater fünf Gulden. Er sagte nichts, aber er nahm das Geld und holte Wein. Zenzi mußte Rudolf beichten, wie ich mich angestellt hätte. Er lobte mich. Dann begann das übliche Saufgelage, und ich lag in dieser Nacht wieder unter meinem Vater.
So endete der erste Tag meines Hurenlebens. Ich war nun käuflich, war ein Ding für jedermann.
Ich ging nun täglich in den ersten Nachmittagsstunden mit Zenzi oder auch allein in die Stadt. Und das Geld, das ich verdiente, lieferte ich prompt meinem Vater ab, der jetzt gar nicht mehr daran dachte, sich eine Arbeit zu suchen, sondern es vorzog, auf meine Kosten zu leben und meinen Verdienst zu vertrinken. Meine Brüder sah ich gar nicht mehr. Franz war in Simmering, weit draußen, am entgegengesetzten Ende der Stadt in der Lehre, und Lorenz, der die Wirtschaft, die bei uns war, von Anfang an durchschaute, und der auch Rudolf nicht leiden mochte, ließ sich gar nicht mehr blicken.
Von dem Geld, das ich mir behielt, kaufte ich mir heimlich hie und da ein Stück zum anziehen oder auch zum putzen. Aber Rudolf erlaubte es weder Zenzi noch mir, mit den guten Sachen angekleidet auf den Strich zu gehen. Er meinte, wenn wir aufgeputzt dahergingen, werde die Polizei aufmerksam auf uns werden und außerdem werden die Herren, die uns nachliefen, wegbleiben, weil sie uns für konzessionierte Huren halten würden, und weil nur die Heimlichkeit unseres Gewerbes reize.
Ich wußte nun alles, war in allen Schlichen und Pfiffen meines Metiers bewandert, verstand mich darauf, den Wachmännern auszuweichen und sie zu täuschen, und verstand mich auch darauf, den Leuten, mit denen ich mich abgab, so viel Geld als möglich abzuluchsen.
Auch vor der Franzosenkrankheit war ich gewarnt und völlig darüber aufgeklärt, wie man sie erkenne. Ich unterzog jeden Menschen, dem ich mich hingab, einer genauen Visitation und bin heute noch froh darüber. Denn wenn ich auch manche Erkrankung nicht ganz vermeiden konnte, so bin ich auch davor bewahrt geblieben, die Syphilis zu erleiden. Eigentlich wie durch ein Wunder bewahrt geblieben, wenn ich's recht bedenke, denn ich kam schließlich in Situationen, in denen mir meine ganze Vorsicht nichts geholfen hätte, und in denen ich hundertfach angesteckt hätte werden können.
Rudolf habe ich in diesen Dingen viel zu danken gehabt. Er hat mich gelehrt, auf die Männer achtzugeben, daß sie mir mit keiner Waffe nahen, mich nicht am Halse würgen, oder mir den Mund zuhalten. Er war es, der mir einschärfte, wenn ich mit jemandem ins Hotel oder in die Wohnung gehe, das Geld vorher zu verlangen, und er war es, der mich davor warnte, jemals eine Kaserne zu betreten, es sei denn zu einem Offizier.
Ich kann nicht alles aufschreiben, was ich in diesen Jahren, was ich als Hure überhaupt erlebt habe. Meine Kindheitserinnerungen, so wechselvoll und bewegt sie sein mögen, sie sind mir haften geblieben, und ich habe von ihnen berichtet. Schließlich sind es Kindheitserinnerungen, wenn auch freilich sehr geschlechtlich und sehr wenig kindlich. Aber sie bleiben auf alle Fälle viel tiefer und dauernder in unser Gedächtnis eingegraben wie alles, was wir später erleben.
Wenn man bedenkt, daß das Jahr 365 Tage hat, und wenn man nur, gering gerechnet, den Tag mit drei Männern einschätzt, so macht das an elfhundert Männer im Jahr, macht in drei Jahrzehnten wohl dreiunddreißigtausend Männer. Es ist eine Armee. Und man wird es weder anraten noch wünschen, daß ich von jedem dieser dreiunddreißigtausend Schweife, die mich im Laufe der Zeit bewedelt haben, einzeln Rechenschaft ablege.
Es ist auch gar nicht notwendig, daß ich es tu! Weder für mich, die ich diese Blätter nur aufschreibe, um mein Leben in seinen Hauptzügen an mir vorbeigleiten zu lassen, noch für diejenigen, die in diesen Aufzeichnungen vielleicht nach meinem Tode blättern werden. Denn im Ganzen ist die Liebe unsinnig. Das Weib gleicht so einer alten Rohrpfeife, die auch nur ein paar Löcher hat und auf der man eben auch nur ein paar Töne spielen kann. Die Männer tun alle dasselbe. Sie liegen oben, wir liegen unten. Sie stoßen und wir werden gestoßen. Das ist der ganze Unterschied.
[ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile steht.
daß ich keine Dutln habe. Dann kam eine Erklärung vom Kindermachen. Wir daß ich keine Duteln habe. Dann kam eine Erklärung vom Kindermachen. Wir
mir wirklich helfen, den schweren Korb am Boden tragen. So bin ich halt mir wirklich helfen, den schweren Korb am Boden tragen.´ So bin ich halt
mit ihr auffi gangen, und wie wir droben sein, fragt sie mich, was mit ihr auffi gangen, und wie wir droben sein, fragt sie mich, `was
seine Stiefmutter auch schon von hinten gevögelt, und ich bemerkte, daß seine Stiefmutter auch schon von hinten gevögelt, und ich bemerkte, das
Ist's gut ...?« fragte er weiter. -- »Ja, sehr gut ...« In diesem »Ist's gut ...?« fragte er weiter. -- »Ja, sehr gut ...« In diesem
nicht begriff, warum ich mich geweigert hatte, ihn vögeln zu lassen. ich nicht begriff, warum ich mich geweigert hatte, ihn vögeln zu lassen.
gut ..., Gehn S' Herr Horak ..., einmal müssen wir aber als nackender gut ..., gehn S' Herr Horak ..., einmal müssen wir aber als nackender
Wonne, denn das Seufzen, Keuchen und Sprechen der Frau Reinthaler, ihr Wonne, denn das Seufzen, Keuchen und Sprechen der Frau Reinthaler, ihre
erregt flüsterte ich: ... nur weiter vögeln ..., ah ..., so ..., so ...« erregt flüsterte ich: »... nur weiter vögeln ..., ah ..., so ..., so ...«
«Ich kann jetzt nicht ...« »Ich kann jetzt nicht ...«
sagte sie schwach: »Mir tut schon die Hand weh ...», und gleich darauf: sagte sie schwach: »Mir tut schon die Hand weh ...«, und gleich darauf:
aller Kraft darn, daß es schmatzte, und jedesmal zuckte Klementine mit aller Kraft dran, daß es schmatzte, und jedesmal zuckte Klementine mit
langam und weiß aus den roten Lippen Klementinens herausglitt bis zur langsam und weiß aus den roten Lippen Klementinens herausglitt bis zur
gespielt sei, deshalb bat ich ihn: »Gehn 'S Herr Ekhard, tummeln Sie gespielt sei, deshalb bat ich ihn: »Gehn S' Herr Ekhard, tummeln Sie
lebhafter und meinte: »Aber nein, wo wird er denn ganz hereingehen ...« lebhafter und meinte: »Aber nein, wo wird er denn ganz hereingehen ...
»Laß dir nur Zeit», meinte Ekhard, der sich wie ein Drescher auf und »Laß dir nur Zeit«, meinte Ekhard, der sich wie ein Drescher auf und
Meine Mutter sagte: Mir ist's schon gekommen ...« Meine Mutter sagte: »Mir ist's schon gekommen ...«
»Die ...?» Ekhard lächelte. »Bist du eifersüchtig ...?« »Die ...?« Ekhard lächelte. »Bist du eifersüchtig ...?«
Ekhard lachte: »Nein, nein, mich erwischen S' nicht. Und du wirst Ekhard lachte: »Nein, nein, mich erwischen s' nicht. Und du wirst
Namensschilde und klopfte an die Türe, auf der »Kooperator Mayer« Namensschilder und klopfte an die Türe, auf der »Kooperator Mayer«
Er gibt mir keine Anwort und laßt das Pferd stehen, und fahrt mir in Er gibt mir keine Antwort und laßt das Pferd stehen, und fahrt mir in
nicht so ganz tief hineingegangen wie jetzt. nicht so ganz tief hineingegangen wie jetzt.«
»Du hast mit der Hand dann gespielt ...?« »Du hast mit der Hand dran gespielt ...?«
aufschreiben, und eine war immer am Katheter oben, die Fragen zu aufschreiben, und eine war immer am Katheder oben, die Fragen zu
Sie trat auf's Katheder, und ich paßte von meinem Sitz auf, verstohlen, Sie trat auf's Katheder, und ich paßte von meinem Sitz verstohlen,
»Es sind ja so viele draußen im Vorzimmer ..., erwiderte ich. »Es sind ja so viele draußen im Vorzimmer ...«, erwiderte ich.
auseinander. Ich ließ es willenlos geschehen. als er mir aber mit der auseinander. Ich ließ es willenlos geschehen. Als er mir aber mit der
eigenen Vater vögelt. eigenen Vater vögelt.«
»So ...? grinste er, »jetzt möchst du dich von mir vögeln lassen ...?« »So ...?« grinste er, »jetzt möchst du dich von mir vögeln lassen ...?«
Ach ..., grad heut ist's so gut ...«, keuchte er. »Ach ..., grad heut ist's so gut ...«, keuchte er.
schöne sogar ..., grad so schön wie die Zenzi ...;« er nahm ungeniert schöne sogar ..., grad so schön wie die Zenzi ...«; er nahm ungeniert
»Ah was«, sagte er, »da werden wir uns auch nicht genieren. »Ah was«, sagte er, »da werden wir uns auch nicht genieren.«
Der Mann stieg aus dem Bett, und Zenzi sagte: »da bist du ja gleich Der Mann stieg aus dem Bett, und Zenzi sagte: »Da bist du ja gleich
»Aber nicht ...«, wehrte Zenzi ab, wenn er doch schlaft und besoffen »Aber nicht ...«, wehrte Zenzi ab, »wenn er doch schlaft und besoffen
weil das jetzt öfters vorkam, wurde er eines Tages entlasssen. weil das jetzt öfters vorkam, wurde er eines Tages entlassen.
»Ja, da haben S' ganz recht ...» pflichtete mein Vater bei. »Ja, da haben S' ganz recht ...« pflichtete mein Vater bei.
»Ich erkannte sie nicht wieder. Ihr ewig lächelndes Gesicht war ganz Ich erkannte sie nicht wieder. Ihr ewig lächelndes Gesicht war ganz
»Ach ..., seufzte sie dabei ..., ach ..., die Quälerei geht schon »Ach ...«, seufzte sie dabei ..., »ach ..., die Quälerei geht schon
zurück und sagte: »Meintwegen ..., aber ich glaube, so wär's auch ganz zurück und sagte: »Meinetwegen ..., aber ich glaube, so wär's auch ganz
»Nein«, ereiferte er sich, wie oft habe ich dir das schon erklärt ..., »Nein«, ereiferte er sich, »wie oft habe ich dir das schon erklärt ...,
Gleich darauf hieß es wieder: Eins ..., zwei ...«, usw., dann: »Fertig!« Gleich darauf hieß es wieder: »Eins ..., zwei ...«, usw., dann: »Fertig!«
»Aber nein ...», gurgelte Albert unter seiner Last hervor. »Aber nein ...«, gurgelte Albert unter seiner Last hervor.
»Wirst es schon sehen ...«, sagte sie, vielleicht photographiert ihn »Wirst es schon sehen ...«, sagte sie, »vielleicht photographiert ihn
bearbeiten. »Nein ..., nein ...«, flüsterte sie, ... noch nicht bearbeiten. »Nein ..., nein ...«, flüsterte sie, »... noch nicht
Zenzi« »Ich bitt' dich, mit Rudolf bin ich jetzt acht Jahr beisammen ...« Zenzi: »Ich bitt' dich, mit Rudolf bin ich jetzt acht Jahr beisammen ...«
Loch gemacht hat.» Loch gemacht hat.«
Ich: »Ja ..., ich kenn' es ..., es ist süß ...«, ich wollt', es wär' Ich: »Ja ..., ich kenn' es ..., es ist süß ..., ich wollt', es wär'
Zenzi: »Ja, das hab' ich auch gemerkt, und bin auch dageblieben. Zenzi: »Ja, das hab' ich auch gemerkt, und bin auch dageblieben.«
Ich: »Das glaub' ich. Das war halt anders wie bei dem dummen Ganserl«. Ich: »Das glaub' ich. Das war halt anders wie bei dem dummen Ganserl.«
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