Jockele und seine Frau

Part 18

Chapter 18766 wordsPublic domain

Nach einer Weile kamen sie auf eine kleine Wiese im Walde. Dort stand ein Himmelbett aus blauer Seide, und oben auf dem Himmel saßen zwölf Engel und wackelten mit den Flügeln.

Auf einmal erklang eine mächtige Stimme. Nämlich: der Herr Rübezahl hielt eine Rede ...

Es war aber gar nicht der Herr Rübezahl, sondern es war der Herr Professor Salzer, der hatte den gelben Krückstock in die Erde gestochen und den grauen Stoffzylinder daraufgestülpt, wischte sich den Schweiß von der Stirn und sagte: »Na, Heidi, was ist dir denn eigentlich eingefallen?«

Und neben ihm standen Papa und Mama und eine große Menge Menschen aus Johannisbad, dazu die halbe Kurmusik; denn als es ruchbar geworden, daß Heidi weg wäre, die der Liebling aller war, kriegten sie das Suchen und stürzten gegen den Wald, als wäre dort ein Luftschiff niedergegangen und sie müßten es besehen.

Und nun tat Heidi die Augen auf und sagte: »O, jetzt seid ihr gerade zu spät gekommen! Nämlich, der Herr Rübezahl hat heute Hochzeit und eben ist der ganze Zug hier vorübergeschritten.«

Eigentlich wollte Mama ein bißchen schelten. Aber nun ging das nicht. Es gab nur Küsse, und der Großpapa Salzer hatte ihr noch etwas sehr Schönes mitgebracht.

Ein Glück war, daß Fräulein Sinsheimer die ganze Aufregung verschlafen hatte.

Einmal im August, als schon die Linden tief drinnen im Astwerk die ersten goldenen Blätter aufsteckten, war der ganze Freundeskreis wieder im Märchenhause versammelt. Auch die Tante Veronika war mit aus Ibenheim gekommen. Sie hatten die fröhliche Heimkehr gefeiert, und Herr Salzer war Festredner gewesen. Zwei Stunden war ihm Frist gesteckt worden dafür -- das war lange. Aber es ist zu bedenken, daß er über die Erlebnisse zweier Dichterkutschen und über Rübezahls Hochzeit und die schöne Elfenbraut im seegrünen Schleierkleide und über ein Himmelbett mit zwölf Engeln zu berichten hatte ...

Es war schön. Es war atemberaubend schön. Es war so springlebendig, daß sie meinten, sie machten die Reise in dieser Nacht noch einmal. Aber nun waren es vier Dichterkutschen.

Als Herr Salzer fertig war, waren sie noch lange nicht müde, und Gwendolin bat: »So, Jockele, und nun lies uns deinen Roman.«

»Das nächste Mal,« sagte er, »es ist ja gleich Mitternacht.«

Da schlugen die Uhren.

Im Verlag +Ullstein & Co, Berlin+, erschien ferner in der Sammlung der Ullstein-Bücher von

Max Geißler

Jockele und die Mädchen

Ein Buch der Jugend ist dieser erste Jockele-Roman Geißlers und ein Buch der genialischen Lehrjahre, durch die der schwarzlockige Jakobus Sinsheimer, Kunstschüler in Weimar und Student in Jena, zum Manne reift. Kluge und törichte, blonde und dunkle, sanfte und ausgelassene Mädchen begleiten das verhätschelte Naturkind. An die rauschende Ilm versetzt der Roman, in den Weimarer Stadtpark, ins Liszthaus, nach Tiefurt, Belvedere und Ettersburg. Allen Reiz der Erinnerung macht er lebendig, der für die deutsche Andacht diese Stuben und Gärten umklingt, und der traulich hinüberspielt in die Gegenwart mit ihrem frohen, jungen Menschenwesen.

In gleicher Ausstattung zu gleichem Preise

Verlag Ullstein & Co, Berlin

Ferner erschien von

Max Geißler

Der Stein der Weisen

Die letzten fünfundzwanzig Jahre deutschen Lebens umfaßt Max Geißlers Roman, der ganz eingesponnen ist in den Frieden des dunkelgrünen Bergwaldes. Durchs Wettertal fährt im Juli 1890 der Doktor Valerius Degenhart aus Frankfurt a. Main, der Träumer, der aus der zerrüttenden Berufsarbeit sich nach der großen Stille sehnt. Im Wettertal läßt er, als seine unmoderne Reisekutsche verunglückt, zu dauernder Rast sich nieder. Zwischen Himmel und Erde, vor einer Natur von unsagbarer Schönheit baut er sich sein Haus, die Streitburg. Wenig Äußeres geschieht in diesem Buch. Aber es hat eine Melodie tiefinnerster Seligkeit, die im Herzen nachklingt wie der Glanz endloser Sommertage, und die Andacht, mit der es vom wahren Glück spricht, kommt aus dem besten Erbteil des deutschen Wesens.

Preis 4.50 Mark

Von Max Geißler sind im Verlage von +L. Staackmann+ in Leipzig erschienen:

+Das Tristanlied.+ Epos

+Die Rose von Schottland.+ Epos

+Gedichte.+ Volksausgabe

+Die neuen Gedichte.+ Volksausgabe

+Die Bernsteinhexe.+ Schauspiel

+Die Herrgottswiege.+ Roman

+Das hohe Licht.+ Roman

+Soldatenballaden+

+Am Sonnenwirbel.+ Roman

+Das Heidejahr.+ Roman

+Das Moordorf.+ Roman

+Das sechste Gebot.+ Roman

+Der Erlkönig.+ Roman

+Die Glocken von Robbensiel.+ Roman

+Nach Rußland wollen wir reiten!+ Roman

+Die Musikantenstadt.+ Roman

+Hütten im Hochland.+ Roman

+Inseln im Winde.+ Roman

+Die goldenen Türme.+ Roman

+Die Wacht in Polen.+ Roman

+Das neue Märchenbuch+

+Briefe an meine Frau+

Ullstein & Co Berlin SW 68

Weitere Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht. Die Originalschreibweise wurde beibehalten. Der Schmutztitel wurde entfernt.

Korrekturen:

S. 22: übernächtigen → übermächtigen diesem besinnlichen, etwas {übermächtigen} Kopfe nicht

S. 43: Harsager → Harfager Ballade über Harald {Harfager} gesungen

S. 57: pflag → pflog den Bergen sein verschwiegenes Dasein {pflog}