Jacobine von Baiern Gräfin von Hennegau, Holland, Friesland und Zeeland Eine vaterländische Geschichte aus dem fünfzehenden Jahrhundert

Part 7

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Während Jacobine in einem Strom von Unruhen dahin schwamm, sahe Borselle, der wirklich und aufrichtig liebte, wohl ein, daß er ihr nicht verhaßt war; er sezte daher so anhaltend in sie, daß es ihm glükte das lezte Geständnis von ihr zu erhalten. Er hatte Jacobinens wegen außerordentlich große Ausgaben gemacht. Denn zu der Zeit, da sie an allem Mangel litte, sezte er sie in Ueberfluß. Er trat geheime Vorkehrungen, die des Herzogs von Burgund seine vereiteln sollten, und heirathete Jacobinen mit der zu diesem Unternehmen nöthigen Behutsamkeit und erforderlichem Geheimniß. Die Climberge, der Descaillon und zwei vertraute Freunde des Borselle, waren die einzigen, die dieser Handlung beigewohnt hatten; das neue Paar war aber dieserwegen nicht wenig glüklich. Sicher ist es, daß Borsellens Liebe, statt zu erkalten, täglich zunahm; denn es schien, als ob die Zeit ihr neue Kräfte gäbe. Allein Borselle konnte nicht länger unthätig bleiben; er hatte zu viel Muth, das Interesse einer Person, die alles für ihn aufgeopfert hatte, zu vernachläßigen. Er muste sich daher von ihr entfernen. Schreklich war für beide dieses nothwendige Scheiden, das auf die beweglichste Weise, mit Versicherung ewiger Liebe, erfolgte.

Man wurde bald gewahr, daß Borselle Jacobinens Angelegenheiten wegen in Bewegung war. Es dauerte nicht lang, so wurde der Herzog von Burgund davon benachrichtiget; und ob gleich das Ehebündniß sehr geheim gehalten war, erfuhr er es doch auch gar bald. Da er einer der stolzesten rachsüchtigsten Fürsten war, geriet er bei dieser Nachricht in die gröste Wuth. Hundert Eilboten wurden mit dem Befehl abgefertiget, sich des Borsellens zu bemächtigen, der sich zu sehr auf seinen Muth verlaßen, und sich mit seiner geringen Anzahl Leute zu viel gewagt hatte, gefangen genommen und in die Hände seines Feindes geliefert wurde.

Der Herzog von Burgund, der nun seiner Beute gesichert war, wollte die strengste Rache ausüben. Er befahl zu dem Ende, Borsellens Prozes zu beschleunigen. Bis zur Wuth gegen Jacobinen, die ihn so hintergangen hatte, aufgebracht, wollte er ihr das Schiksal, das ihrem Gemal bevorstand, selbst ankündigen. Sie können nun auf den fünften Gemal bedacht sein, sagte er zu ihr; denn ich gebe Ihnen mein Wort, daß ich Sie in einigen Tagen der Mühe überheben werde, den Scheide-Brief Ihres vortreflichen Ehebündnißes mit dem Borselle, von Rom aus kommen zu laßen. Ein Scharfrichter wird hier die Stelle des Hohenpriesters vertreten, und Ihnen diese Erlaubniß verschaffen. Denn ich glaube nicht, daß Sie mich feig genug halten werden, dergleichen grobe Beleidigungen ungestraft zu laßen. Ganz unvergleichliche Ehre haben Sie den Baierischen und Burgundischen Häusern erwießen, daß Sie ihr Blut mit dem eines elenden Kriegers vermischt haben, der nur meiner Gnade, das was er ist, zu verdanken hat, und der nun bald dem Volk zum Schauspiel und den Raben zur Speise dienen wird. Schämen Sie sich nicht, nach so erniedrigenden Ausschweifungen, noch das Tageslicht anzuschauen? Der Herzog von Brabant that klug daran, daß er die Gesellschaft einer Frau, wie Sie sind, mied; und der Herzog von Glocester hat recht gehabt, Ihnen ein geschändetes Mädchen vorzuziehen.

Er würde ihr noch mehr Unangenehmes gesagt haben, wenn es sein Zorn zugelaßen hätte. Jacobine hörte ihm schmerzlich bestürzt zu; aber da er sie so erniedrigend behandelte, konnte sie nicht länger an sich halten. Mit trotzigem Blik sagte sie zu ihm: Ob Sie mir gleich im gebieterischen Ton sprechen, so sind Sie deßwegen noch lange nicht befugt, mir Geseze vorzuschreiben; und es macht Ihnen eben keine große Ehre, daß Sie sich mein Unvermögen und Unglük zu nutz machen. Welches Recht haben Sie, mir meine Güter zu rauben und mich zur Sclavin zu machen? Ja! ich habe den Borselle geheirathet, und wenn etwas vermögend wäre, mich es bereuen zu laßen, so wären es die Leiden, die ich ihm dadurch zugezogen habe. Schwärzen Sie sich immer damit, daß Sie ihn Ihrem Ehrgeiz aufopfern. Es wird das Maaß Ihrer Ungerechtigkeiten voll, und Sie vollends abscheuungswürdig machen. -- Ja! Ja! antwortete der Herzog, ich werde der Nachkommenschaft ein Beispiel geben; denn man soll nicht von mir sagen, daß ich einen Menschen, der die ersten Häuser Europens beschimpfet hat, ungestraft laße. Hierauf entfernte er sich, und verließ die erschrokene Jacobine im tiefsten Schmerz versenkt.

So leicht als er es wollte glauben machen, war es doch dem Herzog von Burgund nicht, den Borselle seiner Rache aufzuopfern. Dieser Edelmann war durchgehends geachtet und beliebt, auch war Jacobine in den Jahren, in welchen sie von ihrem Thun und Laßen keine Rechenschaft mehr zu geben hatte. Es war leicht einzusehen, daß nur die Furcht Jacobine möchte Leibeserben bekommen, den Herzog zu diesem blutgierigen Entschluß reizte. Da nun Jacobine dieß alles wohl überlegte, war sie minder in Verlegenheit.[N]

Sie bediente sich der Vermittelung des Grafen von Meurs, durch diesen versprach der Herzog von Burgund, daß wenn Jacobine auf alle ihre Gerechtsame Verzicht thun würde, so wollte er sie und den Borselle in Friede laßen.[O] Die dringenden und traurigen Umstände, darinn sich Jacobine befand, und einen Gemal, den sie zärtlich liebte, zu retten, nöthigten sie, dieße harte Bedingniß einzugehen. Sie entsagte also zu Gunsten des Herzogs von Burgund allen ihren Staaten,[P] und man sahe dieße große Fürstin, und rechtmäßige Erbin so beträchtlicher Länder, in die äuserste Dürftigkeit versezt.

Borselle wurde hierauf seiner Gefangenschaft entlaßen. Jacobine empfieng ihn mit der nehmlichen Zärtlichkeit, als ob sie gar nichts zu seiner Befreiung aufgeopfert hätte. Beim ersten Anblik sagten sie sich einander die rührensten Sachen. Borsellens Herz strömte aus Erkänntlichkeit über; und Jacobine, die sich nun für die glüklichste Person auf der Welt schäzte, beeiferte sich, ihm ihre zärtliche Liebe noch mehr zu zeigen. Durch die Bemühungen ihrer beiderseitigen Freunde wurde der Herzog von Burgund nach und nach besänftiget. Er warf seiner Nichte einen Gehalt aus, der aber in Betracht deßen, was er ihr entrissen hatte, gering war. Der Borselle erhielt, wegen seines Bündnisses mit verschiedenen hohen Fürstenhäuser, den Orden des goldenen Vliesses. Dieser liebte, oder vielmehr verehrte seine Gemalin von Tag zu Tag mehr, und Jacobine schäzte ihn eben so. Allein da ihr Leben mit so vielen und anhaltenden Verdrißlichkeiten verwebt war; so konnte es nicht anderst sein, als daß ihr Körper sehr geschwächt wurde, und dieses verursachte ihren frühzeitigen Tod, der dann 1436, sechs Jahre nach der Zeit, als sie den lezten Vergleich mit dem Herzog von Burgund eingegangen war, der nun in dem ruhigen Besiz aller der Länder, die er ihr entrissen hatte, blieb, erfolgte.

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_Bei Verleger dieses ist zu haben:_

Auf die Schöpfung. (Ein Gedicht nach Klopstock.) 8.

6 ggr. oder 24 kr.

Carl’s (Dr. Joh. Sam.) Armen-Apotheke, zum Unterricht und Dienst derer, so keine Kenntniß der Arzneikunst haben. &c. &c. Mit vollständigen Registern. Siebente verbesserte Auflage. 8. 1789.

6 ggr. oder 24 kr.

Caspari (J. P.) Tirocinia sintactica, oder lateinische Sprach- und Schulübungen, nach Anleitung der Langischen Grammatik, 2 Theile verbesserte Auflage. 8. 1789.

12 ggr. oder 48 kr.

Gedanken eines Hohenpriesters der Schwarzen, über die Religion. 8. 1789.

16 ggr. oder 1 fl.

Hans Georg schlag zu! unser Glaube leidet Noth! eine Ode, bei Gelegenheit eines Religions Gezänks zwischen Katholiken, Lutheranern und Reformirten 8. 1788.

3 ggr. oder 12 kr.

Jacobine von Baiern, Gräfin von Hennegau, Holland, Friesland und Zeeland. Eine vaterländische Geschichte aus dem fünfzehnten Jahrhundert. 8. 1791.

12 ggr. oder 45 kr.

Lecture amusante pour la jeunesse des deux Sexes par Mr. Villaume. 2 Tomes gr. 8, 1788.

1 Rthlr. 12 ggr. oder 2 fl. 45 kr.

Lettres critiques morales & politiques de Mr. le Comte Max. de l’Amberg. 3 Tomes 8. à Amsterdam 1786.

2 Rthlr. oder 3 fl.

Philosoph (der) aus Afrika, 3ter Theil, von dem durch mehrere Schriften sehr bekannten Herrn Pfarrer Hiltebrandt in Baden-Weyerbach. 8. 1789.

16 ggr. oder 1 fl.

NB Die beiden erstern Theile ließ der Herr Verfasser in Frankenthal drucken.

Reimarus (Dr. J. A. H.) Beantwortung einiger, gegen die Gewitterableiter gemachten Einwürfe als ein nützlicher Anhang zu dessen Abhandlung vom Blitz, und Vorschriften zur Anlegung neuer Gewitterableiter. 8. 1790.

4 ggr. oder 15 kr.

Sanders (Heinr.) kleine Schriften. Nach dessen Tode herausgegeben von G. F. Götz. 2 Bände gr. 8. 1788.

1 Rthlr. 20 ggr. oder 2 fl. 45 kr.

Schatzens (Joh. Jak.) kurze Einleitung in die römischen Antiquitäten, zur Erläuterung der klassischen Schriftsteller, vierte sehr vermehrte und verbesserte Auflage, nebst einem Register, 8. 1789.

12 ggr. oder 48 kr.

System der Wesen, enthaltend die metaphysischen Principien der Natur. 12. 1779.

16 ggr. oder 1 fl.

Thyms deutliche und vollständige Anweisung zur Orthographie oder deutschen Rechtschreibung. Berichtiget und herausgegeben von J. D. Meidinger, zweite und sehr vermehrte Auflage, mit einem Verzeichniß zweifelhafter und ähnlichlautender in der Bedeutung aber sehr verschiedener Wörter; nach alphabetischer Ordnung. 8. 1791.

16 ggr. oder 1 fl.

Volks (Alex.), gründlicher Unterricht zur Rechenkunst, woraus ein Rechenschüler ohne Lehrmeister die Species und Regel de Tri, nach Anleitung der gemeinen Rechnungsart und der welschen Praktik, mit ganzen Zahlen und Brüchen, erlernen kann. Mit vielen ausgearbeiteten Exempeln, sowol nach der Reichsmünze, als Sächsischen Münze mit allen Vortheilen der Rechenkunst. 8. 1789.

6 ggr. oder 24 kr.

Fußnoten:

[A] Seine merkwürdigste Handlung war, daß er 1425 die Universität zu Löwen stiftete.

[B] Zu dieser abscheulichen That bediente er sich eines Normänischen Edelmanns, Namens Raoul d’Ocquetonville, der dem Herzog aufgelauert hatte, und ihn überfiel, da er eben zu Pferd und nur von zwei Bedienten begleitet von einem Besuch von der Königin, die in den Wochen lag, zurük kam.

[C] Diese Schwachheit, oder vielmehr Wahnsinn des König Karls, rührte von folgenden Ursachen her: da ihm im Aug. 1392. als er unter Wegs nach Britannien war, entstandene Unruhen daselbst zu stillen, die Sonne sehr heiß auf das Haupt schien, bekam er den ersten Anfall von Unsinn; das Uebel vermehrte sich durch den Schrecken, dem ihm ein unbekannter, hagerer und elend verstellter Mensch verursachte, der sich ihm näherte, sein Pferd in den Zaum griff, und ihn mit den Worten anredete: _Bleib zurück König, wo willst Du hin? Du bist verrathen_, und gleich verschwand. Und da endlich zum Unglück ein auf dem Pferd eingeschlafener Edelknabe seine Lanze auf einen vor ihm hergetragenen Helm fallen lies, glaubte der König man wollte ihn seinen Feinden überliefern und bekam eine so heftige Wuth, daß er in eine Ohnmacht fiel und in derselben drei Tage lang liegen blieb. Hierauf hatte er sich wieder ziemlich erholet, allein, da man, um ihn zu zerstreuen, das folgende Jahr, den 29ten Jenner, einen vermumten Ball veranstaltete und ein mit Pech bestrichenes Gewand sich auf demselben entzündete, wodurch er in Gefahr zu verbrennen gesezt wurde, verfiel er auf das neue in Raserei. Hieran war die Unvorsichtigkeit des Herzogs von Orleans schuld, der mit einer brennenden Fackel einigen Personen, die als wilde Männer verkleidet waren, um sie zu erkennen, zu nahe kam.

[D] 1412. Bemächtigte er sich der Person des Königs, führte ihn vor Bourges, wo eine Anzahl Grossen des Reichs eingeschlossen waren, die zu einem Vergleich gezwungen wurden. Nach diesem verbündete sich der Herzog näher mit der Königin, und vermehrte dadurch die Zerrüttung im Reich. Denn unter dem Vorwand der königlichen Gewalt und Befehle lies er den 18ten Juni 1418. den Kanzler und mehrere Grossen des Reichs, die ihm entgegen waren, umbringen, und verübte überhaupt unerhörte und die Natur empörende Grausamkeiten in Paris. Allein das folgende Jahr erhielt er den verdienten Lohn dafür; denn Sontags den 10ten Sept. wurde er zu einer Unterredung von dem Dauphin auf die Brücke Monterrau gelockt, und daselbst durch einen alten Diener des ermordeten Herzogs von Orleans, Namens Tanegui du Chastel umgebracht.

[E] Da die Neigungen dieser beiden Frauen in vielem gleich war, so ist an deren gegenseitigen Freundschafts-Bezeugungen nicht zu zweifeln. Isabella, Karls Gemahlin, war die Tochter Herzog Stephans II. von Baiern, und diese Fürstin, die mit ihrem Bruder Ludwig dem Bärtigen, Grafen von Mottagne beständige Unruhen in Frankreich erregte, konnte man eine wahre Geissel des Staats nennen. In wie weit ihr die Gräfin von Hennegau mit ihren Intriguen gleich kam, wird der Verfolg lehren.

[F] Dieser Johann von Baiern war überhaupt ein sehr haabsüchtiger und unbarmherziger Fürst. Ob er gleich als Bischoff zu Lüttig lange Zeit regieret hatte, war er doch nie Priester. Die Lüttiger, die gerechte Beschwerden gegen ihn hatten, empörten sich, und hielten ihn in Mastricht eingeschlossen, von wo er, durch Hülfe des Herzogs von Burgund (wie schon gesagt worden) befreiet wurde. In dem 1409. mit seinen Unterthanen gehaltenen Treffen, wurden 36000 derselben getödtet, die übrigen beredete er, unter dem Versprechen einer gänzlichen Verzeihung, zum Vergleich; allein kaum hatte er die Stadt Lüttig wieder in Besiz, so lies er eine grosse Anzahl Einwohner, unter dem Vorwand, daß sie die Rädelsführer, und daher nicht unter diejenigen, die er begnadigt habe, begriffen sein, ganz unbarmherziger Weise ertränken und sonst hinrichten.

[G] Welche Ränke braucht ein verlarvter Bösewicht zu einem erniedrigendem Geschäft nicht! Zu unsern Zeiten, brauchen die, zu Ausschweifungen der Art geneigte Fürsten dergleichen Hülfe nicht: sie wissen sich selbst zu rathen; wäre es aber nöthig, so würden sie bereitwillige Höflinge zu Unterhändlern genug finden.

[H] Obgleich der Friede zwischen Heinrich von England und Karl VI. von Frankreich den 20ten Junii, 1420. zu Troyes geschlossen war; vermöge welchem Heinrich, nach Absterben König Karls, zum Nachfolger des französischen Reichs erkannt wurde, und nach der Einnahme verschiedener Oerter, die es mit dem Dauphin gehalten hatten, die beiden Könige den ersten Advents-Sonntag ihren Einzug in Paris hielten, wurde doch der Krieg nicht beendiget. Der Dauphin, unzufrieden mit dem für ihn so nachtheilig geschlossenen Frieden, der ihn von der Nachfolge im Reich ausschloß, verstärkte seinen Anhang. Hierdurch wurde Frankreich in zwei Partheien getheilet, und man sahe damals in demselben zwei Könige, zwei Königinnen, zwei Kronregenten, doppelte Kronbediente, doppelte Parlementer, kurz alles war wegen der Spaltung in diesem Reich zweifach. Die Unruhen auf einmal zu beendigen gieng Heinrich nach England, um neue Völker zu sammlen. Mit beträchtlicher Macht kam er zurück, mit dem Vorsaz dem Dauphin ein entscheidendes Treffen zu liefern; allein dieser wich ihm überall aus. Er belagerte und eroberte Dreux, während welcher Belagerung ihm ein Einsiedler soll prophezeiet haben, daß er wegen seiner Ehrsucht das Königreich Frankreich unrechtmässiger Weise an sich zu bringen, mit einer abscheulichen Krankheit, vom Himmel würde heimgesucht und bestraft werden. Er verlachte diese Weissagung. Dem sei wie ihm wolle, so wurde er doch einige Monate drauf zu Senlis krank. Sein Uebel waren Feigwarzen. (Mal de St. Fiacre) Ohne sich vor den Folgen dieser Krankheit zu fürchten, lies er sich in einer Sänfte nach Vincennes bringen, woselbst er aber am 31. Aug. des 1422. Jahrs seinen Geist im 36ten Jahr seines Alters aufgab. Kurz vor seinem Ende verordnete er seinem unmündigen Sohn Heinrich, der erst neun Monat alt war, die Herzoge Johann von Bedford und Humphrei von Glocester, (der Held in dieser Geschichte) seine beide Brüder zu Vormündern; und befahl, daß der erste in Frankreich und der andere in England Regent sein sollte.

[I] Da hier die Rede von zwei Päbsten ist, die in der damaligen grossen Kirchenspaltung zugleich gelebt und um gleiche Vorrechte gebuhlet haben; so wird es wohl hier der schicklichste Platz sein, den kurzen Lebenslauf derselben anzuführen. Der Leser wird hiernach von selbsten urtheilen, welcher von beiden den gültigsten Beruf gehabt haben mag? ein Fall der zu unsern Zeiten schwerlich mehr entstehen wird, jedoch zur Sache: Peter de la Lune, ein Spanier aus dem Königreich Aragonien, erhielt vom Pabst Gregor XI. im Jahr 1375. den Kardinalshuth; nach 1378. erfolgtem Tod dieses Pabsts, trug er nicht wenig bei, daß Clemens VII. zum Nachtheil Urbans V. der schon in Rom auf dem päbstlichen Stuhl saß, erwählet ward, wodurch die schon in der Kirche herrschende Zwietracht vermehret wurde. Oefters sprach er dennach mit verstelltem Eifer von dieser Spaltung, verwünschte alle Zwietracht und versicherte, daß wenn er an einer der Päbste Stelle wäre, würde er sich alle Mühe geben und allem entsagen, um die Gläubigen wieder unter ein Haupt zu vereinigen. Allein der Erfolg zeigte bald, daß er nur unter diesem heuchlerischen Friedenseifer hochmüthige und ehrsüchtige Absichten verbarg. Denn als Clemens 1394. zu Avignon starb, stellten die damals zur Wahl anwesenden Kardinäle, unter deren Zahl er war, eine schriftliche Versicherung aus, daß derjenige unter ihnen, den die Wahl treffen würde, wenn es das ganze Collegium für gut finden würde, der Spaltung dadurch ein Ende zu machen, dem päbstlichen Stuhl wieder freiwillig entsagen sollte. Es konnte daher nicht fehlen, daß die Wahl einstimmig auf ihn fiel, bei welcher er den Nahmen Benedickt XIII annahm. Da er aber nun seinen Entzweck erreichet hatte, wollte er von allem was er zuvor versprochen und sich anheischig gemacht hatte, nichts wissen. Der König von Frankreich, verschiedene Häupter Europens, der französische Klerus und andere mehr, gaben sich alle erdenkliche Mühe, ihn zur Erfüllung seines Versprechens, damit die Einigkeit in der Kirche dadurch wieder hergestellet würde, zu bewegen. Allein es war tauben Ohren gepredigt; sein Ehrgeiz lies es nicht zu; gab er auch einmal einige Hoffnung, so war es nur um Zeit zu gewinnen, und um desto wiedrigere Maasregeln nehmen zu können, nach welchen er endlich die nur auslachte die ihm von freiwilliger Abtretung ferner sprachen. Anfangs hielt man ihn in Avignon gefangen, er fand aber Gelegenheit 1402. von da verkleidet zu entweichen, und auf das Schloß Reinard in der Provence zu flüchten, wo er eine geringe Anzahl Völker antraf, die ihm zur Leibwache dienten. Auf dem Konzilium zu Pisa wurde er 1409. nebst Gregor XII. als Schismatiker und Eidbrüchiger, des Päbstlichen Stuhls verlustig erklärt, worauf den 26ten Juni die Kardinäle ins Conclave giengen, und Alexander V. an deren Stelle erwählten. Allein Benedickt kehrte sich hieran nicht, sondern seine Würde zu behaupten und sich neue Anhänger zu verschaffen, da die Kardinäle alle, die ihn erwählt hatten, von ihm gewichen waren, ernannte er verschiedene neue. Ob er nun gleich 1417. von der Kirchenversammlung zu Costanz in den Bann, gethan und abgesezt wurde, so gaben sich dennoch Europens Monarchen die Mühe, ihn zum freiwilligen Verzicht unter den vortheilhaftesten Bedingnissen zu bereden; allein ihre Bemühungen waren auch fruchtlos. Da er sich endlich von jedermann verlassen und verabscheuet sahe, begab er sich, nebst zwei ihm treu gebliebenen Kardinälen nach Paniscola, einer geringen Stadt im Königreich Valenzia, wo er 1424. starb. Dreisig Jahr hatte er in der Kirchenspaltung verlebt, die er auf seinem Sterbebette, so wie die Zwietracht boshafter Weise nach seinem Tode, dadurch noch weiter nähren wollte, daß er die zwei zugegen gewessenen Kardinäle zwang, an seine Stelle einen Kanonicus zu Barcellona unter dem Namen Klemens VIII. zu erwählen.

Sein Gegner Martin III. aus dem Hausse Colonna, wurde, nachdem Gregor XII. dem Päbstlichen Stuhl freiwillig entsagt hatte, und die Mitpäbste Johann XXIII. und Benedickt XIII. von der Kirchenversammlung zu Costanz abhgesezt waren: auf eben dieser Versammlung 1417. zum Pabst erwählet und daselbst gekrönet. Die versammelten Kirchenväter wollten hierdurch der ärgerlichen Spaltung, die nun schon vierzig Jahre in der Kirche gedauert hatte, ein Ende machen. Sie beschlossen daher diese Wahl nur durch die anwesenden Kardinäle, mit Zuziehung dreisig theils Prälaten theils andern Geistlichen, die aus verschiedenen Staaten auf der Versammlung waren, vorzunehmen. Sie erfolgte auf dem Rathhauß zu Costanz. In der 42ten Sitzung, so wie bei allen folgenden, hatte der neue Pabst den Vorsitz, worinnen er sich durch seine Beredsamkeit alle Mühe gab die Eintracht in der Kirche wieder herzustellen. Ein Beweiß, daß sein Vorsatz aufrichtig war, ist dieser: daß er, nach Absterben Gregors, den abgesezten Pabst Johann sehr liebreich aufnahm, und ihn zum Dechant des Kardinalkollegiums ernannte, ihm auch in solchem einen erhabenern Sitz, als der andern Kardinäle ihrer war, zum Unterscheidungszeichen anwies. Seine Bemühungen aber, Benedickt zu gewinnen, waren eben so fruchtlos, wie die der andern Mächte, wovon schon gesagt worden? nur von Alphonsus König von Aragonien war er noch unterstüzet. In der 44 Sitzung zu Constanz wurde beschlossen, eine anderweitige Versammlung für das Jahr 1423. nach Pavia zu berufen, die aber wegen der daselbst herrschenden Pest das folgende Jahr zu Sienna gehalten wurde. Dahin sandte Alphonsus einen Bevollmächtigten mit ansehnlichen Geschenken und grossen Versprechungen, um der Sache Benedikts eine andre Wendung zu verschaffen, und Martin vom päbstlichen Stuhl zu vertreiben: Allein der gleich darauf erfolgte Tod Benedikts machte diesem Zwist ein Ende; denn auf die Wahl, die Benedikt bei seinem Tode, auf Veranlassung Alphonsus, angestellt hatte, wurde keine Rüksicht genommen; auch entsagte der dabei ganz ungültig erwählte Clemens dem päbstlichen Stuhl freiwillig. Dieses bewog den Pabst Martin, daß er demselben das beträchtliche Bisthum von Majorqua übertrug. Und hierdurch hörte die während 51. Jahre in der römischen Kirche gedauerte Spaltung ganz auf, welches man den klugen Bemühungen Martins zu verdanken hatte.

[J] Was vermag eine rachsüchtige Buhlschwester nicht! und welch Unglük entstehet nicht oft in einem ganzen Lande durch das teufelische Einblasen einer Beischläferin? Doch Dank sei es unsern aufgeklärtern Zeiten! Kein Blutbad, wie damals wird mehr darauf erfolgen. Denn so kleine Geister, wie der Herzog von Brabant war, der, ausser seinem schwachen Verstand, doch gutmüthig genug gewesen sein würde, seine Gemalinn nicht weiter zu verfolgen, giebt es unter den Grossen nicht mehr. Thut ja eine Beischläferin noch einigen Schaden, so ist es nur an Einzeln und an denen, die nicht niederträchtig genug sind, zu ihrer Fahne zu schwören; der ganze Staat wird aber deswegen nicht zerrüttet.

[K] Dieser Ausdruk ist ein Wortspiel, das auf den Familien Name (de la Lune) des Pabsts Benedikts, bezug hat.