Interessante Wanderungen durch das Sächsische Ober-Erzgebirge

Part 6

Chapter 63,641 wordsPublic domain

Die Mulde fließt hier hart an dem waldigen Fuße des Gebirges linker Hand fort, welches sehr schön in die Augen fällt. Man geht nun über das Wehr und immer den Weg an einem starken Bache fort, welcher von der Mulde abgeleitet ist und die Räder auf dem Blaufarbenwerke treibt. Zu beiden Seiten ist man von Erlen und Haselgebüschen umgeben, lachende Wiesen breiten sich aus, immer steiler und höher werden die Gebirge, tiefer wird das Thal und Alles schöner und freundlicher. -- Jetzt sieht man das Blaufarbenwerk, weiße Dampfsäulen steigen empor, eine Menge dichter Holzstöße umschanzt es; die Gebäude sind gut gebaut und das ganze Werk überhaupt schön angelegt, welches Alles in diesem schönen Thale auf die angenehmste Weise sich darstellt. Das Schindlerische Blaufarbenwerk liegt an dem Fuße des Steinbergs, eines sehr hohen, steilen Berges, welchen Waldung und allerlei gestaltete Felsenblöcke bedecken. Es ist sehr angenehm daselbst und man findet vortreffliche Spatziergänge.

Der Weg geht jetzt hinter dem Werke vorbei und steigt ein wenig an, so, daß die ganzen Gebäude tiefer unten liegen. Weiter hin geht jetzt ein Weg den steilen Berg hinan, man kommt auf demselben nach einem kleinen Dorfe _Albernhau_;[41] der andere Weg geht gerade auf dem Fuße des Gebirges fort, daß man immer noch am waldigen, steilen Ende des gegenüber ragenden Gebirges die Mulde zur Seite hat. Dann kommt man bei dem Floßhause vorbei, wo sich ein Floßgraben[42] anfängt, welcher durch mehrere Thäler fließt und dann in _Schlema_ bei Schneeberg sich endigt. --

Von hier kommt man endlich an die sogenannte Muldenbrücke, welche überbaut ist und hart an einem Felsen anstößt, durch welchen ein tiefer, wagenbreiter Weg gehauen ist, welches sehr schön aussieht; im heißesten Sommer herrscht in diesem Felsenwege die angenehmste Kühle. Hier hat man eine herrliche Aussicht hinab auf das Thal, wo auf der einen Seite durch Wiesen, auf der andern die Mulde an Felsengethürme sich dahin schlängelt, an welcher man öfters Leute mit Angeln sitzen sieht. Einzelne Waldung bedeckt die Berge und weiter unten macht das Thal einen schnellen Bogen, daß es scheint, als endige es sich hier; Tannen und Fichten verhüllen Alles und in das dunkle Grün verschwindet hier die Mulde.

Der durch den Felsen gehauene Weg steigt jetzt einen ziemlichen Berg auf und ist bis zur Hälfte gepflastert; er führt nach dem nicht weit entfernten Dorfe _Bockau_. --

Diese Wanderung von Sosa aus gewährte mir viel und mannichfaltigen Genuß. Der Uebergang vom Schauerlichen und Wilden zum Freundlichen und Sanften, die immer neuen Abwechselungen, die Ruhe und der Friede in dem reizenden Muldenthale that meinem Herzen so wohl, daß ich mit Petro ausrief: Hier will ich mir Hütten bauen!

7.

Die Gegend um Bockau.

Wenn man von Johanngeorgenstadt nach _Bockau_ geht, kommt man hinter dem einsam im Walde liegenden Jägerhause auch in eine Gegend, welche der _Ochsenkopf_ heißt. Einige nennen das ganze dortige Gebirge so, andere nur eine Gegend desselben. Verschieden sind auch die Meinungen über den Ursprung dieses Namens, die alle hier aufzuzählen nicht nöthig ist; aber die allgemeine, und, wie mir scheint, richtigste Meinung darüber, will ich hier anführen:

Eine starke Viertelstunde hinter dem Jägerhause fand man vor vielen Jahren seitwärts vom Wege eine hölzerne Tafel an eine Buche angenagelt, worauf ein Ochsenkopf gemahlt war. Ein Fleischer trieb hier einen Ochsen; dieser wurde plötzlich scheu, gieng dem Fleischer zu Leibe und spießte ihn auf die Hörner, daß er sterben mußte. Zur Erinnerung an diese Begebenheit ward auf der Stelle, wo man den Fleischer gefunden hatte, jene Tafel aufgerichtet und die ganze Gegend führt seit dieser Zeit den Namen _Ochsenkopf_. Denn in ältern Büchern findet man diesen nicht.

Dieses ganze Gebirge ist mit hohen Tannen und Buchen bedeckt, ist wild und öde; es giebt viele, vorzüglich warme, Quellen daselbst, und gebrochene Tannen sieht man zerstreut umher liegen. Ueberhaupt wenn starker Wind ist, muß man sich vorsehen, denn Bäume brechen dann links und rechts.

Der Weg geht bergab, ist steil und steinigt, und wird erst am Ende des Gebirges und der Waldung angenehmer. Man sieht dann zur Rechten eine Wiese von Laub- und Nadelholz umzäunt, und vor sich durch das Thor der Waldung die Kirche, mehrere Häuser und Felder des nahen Bockau's, hinter welchen sich oben mehrere waldige Berge herabziehn. Aus den fernen Bergen blickt zwischen schwarzem Walde der untere Theil von Albernhau herüber, welches Alles hier schön angenehm in die Augen fällt. Nun ist man den Berg herab gegangen und nahe vor Bockau; man hat die Aussicht in den romantischen Thalgrund hinter der Kirche, woraus sich ein Bach hervor schlängelt. Dann geht der übrige Weg bis an das erste Haus des Dorfes auf Fels und man sieht, daß die Kunst ihn bereitete.

_Bockau_ ist unter den gebirgischen Dörfern eines der vorzüglichsten und schönsten; es hat fast lauter gute und viel schöne Häuser, zwei Schulen, und die Nahrung seiner Einwohner ist nicht gering. Es liegt in einem flachen Thale; gegen Morgen zieht sich mit Feldern und Aeckern, um welche hier und da Gebüsche stehen, eine Gebirgsseite herab, welche oben mit Wald bekränzt ist. Gegen das Ende des Dorfes bricht sich das Gebirge und bildet mit dem gegenüber ragenden Berge eine große Schlucht, durch welche hinauf die Häuser sich ziehen, welches zusammen sehr schön aussieht. Nach Abend zu, auf der flachen Seite des Thales, in welchem Bockau liegt, erblickt man nichts als Felder, durch welche sich Wege und Steige winden und schräg oben fällt ein gemischter, kleiner Wald mahlerisch in die Augen. Es ist diese Gegend in der That eine der schönsten. O! wäre meine Feder vermögend, alle die Aussichten, alle die abwechselnden Gegenstände zu zeichnen und zu schildern, welche stets neu dem Auge sich darstellen! -- Wie schön z. B. nimmt sich Bockau und seine Gegend aus, wenn man auf der Höhe bei Albernhau steht, wie mahlerisch liegt es vor den Blicken des überraschten Wanderers ausgebreitet! --

Durch die erwähnten Felder, welche man mit vielerlei Kräutern und Arzenei-Gewächsen bepflanzt sieht, geht der Weg nach der erwähnten Muldenbrücke, also über Albernhau und Zschorlau nach Schneeberg. Die Gegend bei der Muldenbrücke habe ich schon geschildert, aber es sey mir erlaubt, einen Anblick zu beschreiben, welcher mir auf dem Berge vor Albernhau ward. --

Ein Regen nöthigte mich bei meiner Wanderung, in der überbauten Muldenbrücke zu verweilen und unterdessen las ich die mancherlei Namen und Witzeleien, die mit Kreide und Kohle darin angemahlt waren. Viel Genuß fand ich hier freylich nicht. Als daher der Regen nachgelassen hatte, machte ich mich auf und stieg den vor mir liegenden Berg hinan, wo der Weg nach Albernhau führt. Auf der Höhe blieb ich stehen, um auszuruhen und blickte mich um: o! welch' ein überraschender Anblick entzückte mich! -- Da, wo die Bockauer Felder am vorliegenden Walde sich endigten, bildete ein in verklärten Farben spielender Regenbogen ein großes Thor, vor welchem Alles, nach mir zu, in grauen Nebelgewölk gehüllt war: aber das dahinter liegende Bockau und seine angenehme Gegend beleuchteten mit einem ausserordentlichen Lichte die Strahlen der Sonne, daß es hinter finstern Wolken in der herrlichsten Verklärung vor meinen trunkenen Blicken ausgebreitet lag. -- Der erhabene, herrliche Anblick ergriff mein Herz, es war mir unmöglich mich davon zu trennen und so stand ich, bis die Strahlen von Phöbus Antlitz die grauen Gewölke zertheilten und Iris wieder zurück in den Himmel kehrte. --

Wahrhaftig, wenn die Alten die Iris, oder den Regenbogen, eine Bothin der Götter nannten, konnten sie kein erhabeneres Meteor wählen, denn man fühlt bei diesem Anblicke die ganze Seeligkeit des Olymps! --

Die Gegend des untern Theiles von Albernhau ist auch sehr romantisch; man sieht am Ende des grasigen Thales aus der dunkeln Waldung mehrere Felsen aufragen, welches dem Auge einen besondern Genuß gewährt.

Wenn man aus dem Walde hinter Albernhau kommt, sieht man tief im Thale erstlich Zschorlau, wie es sich so lang herabdehnt, und überhaupt ist dieses Thal durch allerlei Abwechselungen verschönt; ferner erblickt man die ganze Gegend um Schneeberg und sieht die Spitze des Kirchthurmes hinter der mit Feldern bedeckten Höhe hervor blicken, sieht Griesbach und alle die Berge, Teiche und Wälder und eilt freudig und begierig nach Schneeberg selbst zu.

* * * * *

Wenn man diese Wanderungen bis hierher interessant gefunden hat, wird es den Verfasser nicht reuen auf die kleinsten Gegenstände bisweilen Rücksicht genommen und auch die verborgendsten Schluchten durchwandert zu haben; denn ein Baum, ein Fels oder ein kleines Gebüsch, so unbedeutend diese auch an und für sich selbst seyn mögen, tragen oft im Einzeln viel zur Verschönerung einer Gegend bei. -- Auf dieser Wanderung von Johanngeorgenstadt nach Schneeberg nimmt man sehr deutlich den allmähligen Abfall vom minder Gefälligen und Fruchtbaren wahr. Vorzüglich zeichnet sich die Gegend um Schneeberg äußerst angenehm aus, ich zähle sie unter die schönsten des Erzgebirges, und sollte man in den vorigen Wanderungen vielleicht nichts Interessantes gefunden haben, so wird man es in diesen gewiß um so mehr finden. Denn man glaube nicht, daß ich diese Wanderungen aus schriftlichen Nachrichten zu Hause am Schreibepult gemacht und in ein Gewand gehüllt habe, welches Unbekanntschaft mit den erwähnten Gegenden bedecken sollte -- Nein! ich habe das obere Erzgebirge selbst durchwandert und was ich erzähle, selbst gesehen. Diese kleine Erinnerung geschieht deswegen: weil ich oft zu warm und zu begeistert sprach, und man dieses in unserm korsarischen Zeitalter leicht für etwas anderes ansehen möchte. --

II.

Schneeberg und die umliegenden nähern und entferntern Gegenden.

_Schneeberg_ verdient unstreitig unter die größern und schönern Städte des Erzgebirges gezählt zu werden; es liegt auf einem ziemlich hohen, breiten Berge, welcher gegen Nord-West sich mit einem größern Gebirge vereinigt, so, daß es scheint, als wenn der Berg ein Ausdrang[43] jenes Gebirges sey. Rings umher dehnen sich in einem Kessel nahe und entfernt mehrere Gebirge und man sieht auf diese Art den Schneeberg[44] in einem runden Thale sich erheben. Diese Gebirge sind theils mit Fluren, Häusern und Zechen, theils mit Laub- und Nadelholz, mit Felsen und Gebüschen bedeckt und geschmückt, und über die ganze Gegend ist ein mildes, freundliches Licht verbreitet. --

Majestätisch hebt sich die schöne, große Kirche über die Stadt empor und in der weitesten Ferne hört man den harmonischen Klang der Thurmglocken. Eine Menge Gärten und Obstbäume umgeben das Ende der Häuser und den grünenden Berg. Auf zwei Seiten ziehen sich die Häuser herab an den Fuß des Berges, nämlich nach dem Schießhause zu auf der einen, und nach _Neustädtel_ und dem Mühlberge zu auf der andern. Man nennt daher diese Häuser, weil sie tief im Grunde liegen, die erste Seite, den Schießhausgrund, die andere, den Mühlgrund, oder auch schlechtweg den _Grund_. Jedoch auf der letztern Seite vereinigen sich die Häuser so eng mit Neustädtel, daß der Fremde nicht das Ende und den Anfang beider Städte wahrnehmen und auf diese Art Alles für ein Ganzes halten wird.

Das Lyceum in Schneeberg ist von jeher wegen seiner Lehrer und der zweckmäßigen Anstalten, vorzüglich aber wegen des gut eingerichteten Singechors berühmt gewesen, welcher unter der Leitung und rastlosen Thätigkeit des würdigen Herrn Cantor _Thomas_ zu einem der besten gediehen und des Beifalls aller Fremden von jeher gewürdigt worden ist. Hierbei darf ich des großen Konzerts nicht vergessen, welches aller vierzehn Tage auf einem großen, zweckmäßig dazu eingerichteten Saale des Rathhauses gegeben wird und wo man die größten Stücke meisterhaft von einem stark besetzten Orchester aufführen hört. Ferner verdient hier das, von dem ehemaligen Diakonus, jetzigen Superintendent in Gera, Hrn. ~M.~ _Hahn_ gestiftete _Bürgermuseum_ einer schuldigen Erwähnung. Für einem geringen Beitrag können alle Bürger, die ihren Geist bilden und ihren Verstand aufklären wollen, Antheil an Vorlesungen über Naturgeschichte, Veredlung und Bildung der Künste und Professionen, Menschengröße und Menschenschwäche, kurz über alles Nützliche, nehmen. Das Museum besitzt eine schöne Bibliothek und Naturaliensammlung, Modelle u. dergl. und ist weit und breit her beschenkt worden.[45] Freilich findet das Gute immer Widerstand und der verdienstvolle Herr ~M.~ _Hahn_ mußte manche Kränkung erfahren. -- --

In Schneeberg überhaupt ist es sehr lebhaft, es ist an und für sich sehr volkreich und überdieß liegt immer eine beträchtliche Garnison daselbst; sowohl der Schnitt- als auch der Materialhandel ist stark, am stärksten aber wohl ist der Spitzenhandel; denn alle Spitzen, welche in der umliegenden Gegend Meilenweit gefertigt werden, werden in Schneeberg von den vorzüglichsten Handlungshäusern aufgekauft und nach Leipzig, Frankfurt, Hamburg u. s. w. verführt. Wie viel hundert Menschen ihr Brod dadurch haben, ist bekannt. -- Auch giebt es in Schneeberg eine Buchhandlung und zwei Buchdruckereien, welche viel für auswärtige Buchhandlungen drucken.

Was übrigens den Bergbau betrifft, so ist es meist Kobalt, was man findet und finden will; man lese darüber in Merkels Erdbeschr. von Sachsen. --

Auf dem Wege von Zschorlau hat man unstreitig den schönsten Anblick von Schneeberg und der umliegenden Gegend. Zur Linken neben sich erstlich breitet sich eine mit fruchtbaren Feldern und Aeckern bedeckte Thalebene aus, durch deren Mitte hinab sie sich bis an den erwähnten Grund _Neustädtel_ zieht. An dem obersten Ende sieht man die Kirche mit ihrem spitzigen Thurme, neben welcher der Todtenacker mit seiner weißen Mauer herauf blinkt. Auf dem hinter Neustädtel nach Mittag zu, sich herum beugenden Gebirge sieht man mehrere Zechen, worunter sich vorzüglich die thurmförmigen Göpelgebäude auffallend auszeichnen. Weiter hinten bricht sich dieses Gebirge und bildet so mit dem gegenüber steil aufragenden einen Thaleingang, woraus ein großer Teich daher schimmert; hier geht der Weg nach dem Dorfe _Lindenau_. Die Höhe des gegenüber liegenden Gebirges bedeckt ein großer Wald, welcher in der dasigen Gegend vorzugsweise _der Forst_ genannt wird. Dieses Gebirge dehnt sich nun seitwärts Neustädtel in einem kleinen Bogen nach Schneeberg zu, wo es sich dann nach _Griesbach_ lenkt. Bei Neustädtel nimmt sich die Sommerwohnung des Hrn. Kammerherrn und Oberforstmeisters _von Lindenau_ sehr schön aus nebst dem umgebenden Garten; aber vorzüglich schön präsentirt sich bei Schneeberg der _Richter'sche Garten_, welcher in der ganzen Gegend berühmt ist und von dem verstorbenen Kaufmann Richter in Schneeberg in der theuern Zeit auf dieser Bergseite angelegt und eine Menge armer Menschen, welche daran arbeiteten, dem Hungertode entrissen wurde. Gesegnet sei das Andenken dieses wohlthätigen Mannes! -- Nun richtet man seine Blicke auf Schneeberg, wie sich die Kirche so majestätisch erhebt, wie der schöne Thurm des Rathhauses so frei über die Häuser aufsteigt und die schiefernen Dächer so silbern daher schimmern, wie statt einer Mauer die schönsten Obstgärten die Stadt umzingeln. Vorzüglich fällt aber das _Scheider'sche_ Haus, ein wahres Palais, so wie das große Malzhaus und das Bergmagazin-Gebäude lebhaft in die Augen. Ueberall fast, wohin man blickt, sieht man Häuser und Menschen.

Hinter Schneeberg, gegen Abend zu, sieht man das hart vor der Stadt ansteigende Dorf _Griesbach_ mit seinen Fluren, Gärten und Bäumen; auf dem höchsten Puncte liegt die Kirche, hinter welcher sich weiterhin ein dunkler Fichtenwald herumzieht. Daneben dehnt sich der _Keilberg_ sanft herab, man erblickt die Lindenallee bei dem Schießhause, das romantische Gerichtswäldchen und das tiefer liegende Hammerholz, einen angenehmen Wald; weiter vorn den _Wolfsberg_, welcher sich gegen _Schlema_ hinab dehnt, dessen obersten Theil, nämlich einige Häuser von Ober-Schlema, man hier auch erblickt. Doch über Alles dieses werde ich mich noch weiter verbreiten. --

Der Standpunct selbst, von wo aus man diese Aussicht hat, ist auf der Zschorlauer Höhe, nämlich auf dem Gebirge, welches zwischen Schneeberg und Zschorlau sich erhebt. Weiter vorn, der Stadt gegenüber, wird dieses Gebirge weit höher und steiler, ist von vermischter Waldung beschattet und wird der _Kleesberg_ genannt; auf dem höchsten Gipfel dieses Kleesberges ragen bei einem Felsen zwei hohe, alte Tannen auf, daher nennt man den Berg oft auch den _Zweitannenberg_. Von ihm weiter unten ein mehreres. --

So angenehm, so herrlich ist hier der Anblick dieser Gegend, so abwechselnd und mannichfaltig liegen hier die Gegenstände vor unsern Augen, liebe Leser! Aber sehr angenehm ist der Anblick von Schneeberg auch, wenn man in Schlema, also auf der Morgenseite sich befindet. Am Ausgange des schönen Thales, worin Schlema liegt, hebt sich der Schneeberg hoch empor und auf seinem Scheitel breitet sich die Stadt in der Länge aus; sehr erhaben ist hier wiederum der Anblick der hohen Kirche, welche man von hier aus sehr weit wahrnehmen kann.

Auf dem Schneeberge selbst hat man die vortrefflichsten Aussichten. Gegen Mittag hin sieht man in der sanften Ebene des Thales Neustädtel hingegossen, hinter welchem _das Gebirge_[46] mit seinen Zechen aufsteigt; allerlei Wege schlängeln sich durch die Gefilde und das bebuschte Gebirge bei der Bartholomäi-Schenke fällt sehr angenehm in die Augen. Vor sich sieht man den sogenannten Grund, worin die größte Lebhaftigkeit herrscht; Halden flimmern zwischen den Häusern und Feldern und hie und da sieht man an- oder ausfahrende Bergleute.

Geht man gegen Morgen zu, so hat man den weitansteigenden Kleesberg gegenüber und vor sich ein tiefes, schönes Thal, woraus das Getöse des Wassers und der Pochwerke dringt. Und richtet man seinen Weg endlich gerade nach Morgen hin, so wird man durch den Anblick des herrlichen Thals, wo sich Schlema hinab dehnt, und des Dorfes selbst überrascht. Rechts am Eingange des Thales schmückt eine gemischte Waldung die obere Gebirgsseite, an welcher hie und da Häuser und Bauerngüther liegen; weiter hin wird das Gebirge flacher und fruchtbare Felder breiten sich aus, an deren unterm Theile der von Gebüschen umgrünte Floßgraben sich daher schlängelt. Links am Eingange zieht sich der Wolfsberg eine Strecke hinab und bricht sich dann zurück, wodurch mit der gegenüber aufragenden Bergseite wiederum ein ganz kleines Thal sich bildet; Felsen und Gebüsche nimmt man auf seiner vordern Seite wahr. Dann beim Ausgange des erwähnten kleinen Thales zieht sich um eine hervorstehende Gebirgstirne fort, welche sehr steil und mit Felsen bedeckt ist, zwischen denen einzelne Birken und Fichten aufragen. Ueberhaupt hat diese Gebirgstirne, wie ich sie nannte, ungemein viel Anziehendes und Romantisches; mehrere Häuser liegen von allerlei Bäumen umschattet an ihrem Fuße hart an, und ernste Felsen heben sich dahinter mahlerisch auf. Durch die Mitte dieses Thales, dessen Schönheiten alle man nicht zu schildern vermag, breitet sich Schlema hinab; man sieht die Kirche und die dahinter liegenden Blaufarbenwerk-Gebäude, woraus weiße Rauchsäulen ruhig emporsteigen, und hinter Allen diesen hebt sich am Ende eine mit dunkler Waldung bedeckte Gebirgwand auf, wodurch der Anblick des Ganzen viel an seinem Abstechenden und Abwechselnden gewinnt. Es ist eine herrliche, unvergleichliche Aussicht! -- Und so ist die ganze Gegend um Schneeberg eine der schönsten, die man finden kann; ich übertreibe nichts, wer aufmerksam und genau die Gegend durchwandert hat, wird mir gewiß recht geben. Denn es ist nicht genug, flüchtig seinen Blick auf solche Gegenstände zu richten, man muß auch zugleich auf die Harmonie, den Contrast und die mannichfaltigen Abwechselungen selbst Rücksicht nehmen. -- Doch wir wollen uns jetzt mit der Betrachtung einzelner Gegenstände einlassen.

1.

Der Kleesberg.

Hohe und ausgezeichnete Gegenstände fallen natürlich zuerst und vorzüglich in die Augen; dieß ist nun in der Gegend um Schneeberg mit dem hohen, von zwei alten, großen Tannen ausgezeichneten Kleesberg auch der Fall. Daher wollen wir ihn ersteigen und uns an der weiten vortrefflichen Aussicht laben. Du aber, der du kein Gebirger und also das Bergsteigen nicht gewohnt bist, sprich deinen Füssen Muth ein und verwahre dich mit einem langen und zollstarken Geduldsfaden; denn du wirst das Steigen ziemlich beschwerlich finden! --

Der nächste Weg von der Stadt aus führt den Bathsemberg hinab; es ist dieses der zwischen Morgen und Mittag liegende Theil des Schneeberges, an dessen Fuße eine Mühle, Bathsem-Mühle genannt, liegt, wovon der Berg diesen Namen erhielt. Zur Rechten des Weges hinab zieht sich ein hoher lebendiger Zaun, welcher zum Theil einen Grasgarten einschließt, worin man einige kleine Ruinen und einen verfallenen Thurm findet. Ueberhaupt hat man von hier eine sehr angenehme Aussicht in das vorliegende, enge Thal hinab, welches von einem Bache und einem Wege parallel durchschnitten wird; man sieht unter sich an der Seite des Berges hohe, klippenvolle Felsen, wo man von Angst und Schwindel überfallen wird, wenn man darauf steht und hinunter blickt. Gegenüber ragt der auf einer Seite mit Feldern, auf der andern mit Waldung bedeckte hohe Kleesberg auf, an dessen unterm Theile zwischen Bäumen versteckt ein Guth liegt, das Bergmeisterguth[47] genannt. Am obern Ausgange dieses Thales sieht man die letzten Häuser des Grundes, Neustädtel und das sogenannte Gebirge; an dem untern erblickt man einen Theil von Oberschlema und die darum liegenden waldigen und waldlosen Berge. In diesem Thale hatte ich das Glück, zum erstenmal den würdigen, verdienstvollen _Herder_ aus Weimar anzutreffen, der durch den Tod nachher der Welt zu früh entrissen wurde.

Doch wir gehen nun wieder auf den Weg zurück und den Berg vollends hinab. Bei der Mühle kommen wir über den Bach und richten unsere Schritte auf den, am Ende des Waldes schräg ansteigenden Weg, welcher zu dem erwähnten Bergmeisterguthe führt. Buchen, Fichten und Kiefern in schöner Mischung, mit einzelnen bemooßten Felsenblöcken, vom Gesange der Vögel belebt, ergötzen zur Linken unser Auge; aber hinter uns wollen wir durchaus nicht sehen, bis wir uns auf der Spitze des Berges befinden. Und so sind wir jetzt an das Guth gekommen, welches wir aber rechts liegen und am Saume des Waldes auf dem grasigen Boden empor steigen. Hier sehen wir, so wie auch ein wenig weiter oben, einen Pfad durch den Wald, wo es sich äußerst angenehm wandelt; auch findet man hier am Saume der Waldung eine kühle Nische mit Rasensitzen, welche der Herr Bergcommissionsrath _von Herder_, als er sich noch als Bergassessor in Schneeberg befand, anlegen ließ, und _Herders Ruhe_ genannt wird. Immer weiter steigen wir empor am Saume des Waldes und blicken hinein in das grüne Dunkel, wo hie und da graue Felsen, von Buchen grün umdüstert, aufragen. Jetzt zieht sich das Holz ein wenig quer vor und wird dünner; wir kommen hier an einen kleinen, schieferartigen Fels, an dessen Fuße eine kühle Quelle hervor rinnt, welches auf dieser Höhe des Berges sehr überrascht, denn wir haben schon eine schöne Strecke zurück gelegt. Neben uns, rechts auf der übrigen Seite des Gebirges dehnen sich Felder und Fluren herab, auf welchen der Schäfer mit seiner Heerde herumzieht.

Nun haben wir den Wald hinter uns und nicht mehr zur Seite, und vor uns sehen wir den übrigen, allmähliger aber noch weit genug ansteigenden Theil des Berges, auf dessen Spitze die zwei hohen Tannen aufragen. Der Boden ist nun nicht mehr gleich und begraßt, sondern mit kleinen Hügeln, Sträuchern und Gestrippen bedeckt, daß man dadurch gänzlich ermüdet wird, ehe man zum Ziele kommt. Die Waldung zieht sich unten in gerader Linie fort und vereinigt sich mit dem übrigen Forste, welcher dieses Gebirge auf der Morgenseite bedeckt. --