Interessante Wanderungen durch das Sächsische Ober-Erzgebirge
Part 10
Um Stieglitze und Hänflinge zu fangen, hat man eigene, kleine Heerde, wo der sogenannte Strauch[64] aus dürren Disteln besteht, dessen Saamen jene Vögel gern fressen; sie gehen häufig darauf, wo denn plötzlich über sie ein Netz springt und sie fängt. Die Erzgebirger halten, so wie die Harzbewohner, (über welche man sich in Bechsteins Naturgeschichte der Stuben- und Singvögel belehren kann,) sehr viel auf Sing- und Stubenvögel, wenden oft den letzten Groschen dafür an und sind meistens ganz leidenschaftlich für manche Arten Vögel eingenommen. So findet man in der Stube des ärmsten Bergmanns doch immer gewöhnlich ein halbes Dutzend lebendiger Vögel, worunter die beliebtesten und allgemeinsten folgende sind:[65] 1) der Reitzufink, 2) der Stieglitz, 3) der Hänfling, 4) die Lerche, 5) der Zeißig, 6) der Quäcker, 7) die Zippe, 8) der Grünschling, 9) der Gimpel und andere mehr. In Schönhaide ist das Vogelstellen, vorzüglich auf Feld- und Heidelerchen, einheimisch. --
Der Vogelfang mit Leimruthen ist bekannt. Aber weniger und fast gar nicht werden die _Kloben_ bekannt seyn, welche Art, Vögel zu fangen, der übrigens verdienstvolle Oberförster _Mirus_ in Jahnsgrün erfunden hat, wovon auch eine Abbildung und Beschreibung im Forst- und Jagdkalender für das Jahr (wenn ich nicht irre) 1798. zu sehen und zu lesen ist. -- Früh vor Tages geht man auf den Klobenheerd; hier steht eine mit grünem Reißig überdeckte Hütte, um welche nicht weit davon in einem halben Kreise eine Anzahl hoher, oben mit einigen wenigen Aesten versehener, Stangen steht, worauf die Kloben, welche wie hervor ragende Aeste aussehen, angebracht sind. Unten gehen von jeder Stange Schnüre herein in die Hütte; so wie nun auf irgend einem Kloben einer solchen Stange man Vögel sitzen sieht, sucht man, wie viel Nummer die Stange sei und faßt die dahin gehende Schnur; ruckt ein wenig und plötzlich schreit oben auf dem Kloben der mit den Beinen gefangene Vogel. Man läßt die Stange nieder, nimmt die Vögel aus und stellt wieder auf. Ich würde gern einen solchen Kloben hier näher beschreiben; aber theils gehört dieses nicht hier her, theils kann man sich aus der schweren Beschreibung desselben keine deutliche Vorstellung machen, besser ists, wenn man Alles selbst sehen kann. --
So künstlich und sicher auch dieser Vogelfang ist, so gefallen mir doch die großen Heerde mit Schlagnetzen weit besser und schöner. Früh um drei, vier Uhr zieht man schon fort, mit einer Laterne, und mit Lebensmitteln versehen. Man kommt in der Hütte an; hier wird mit Kohlen der kleine Ofen geheitzt und Wasser nebst Milch zum Kaffee zugesetzt, während der Vogelsteller die Lockvögel füttert und aushängt, und die Netze aufspannt. Während dessen kommt die Morgenröthe schon ein wenig und, da solche Vogelheerde meistentheils auf Bergen zwischen dem Walde liegen, so ist es dann ein herrlicher Anblick, wenn die Sonne aufgeht und nun Alles lebendig im Walde wird, so wie auch die vielen Lockvögel nun an zu singen fangen. Jetzt muß man ruhig seyn, der Kaffee ist auch fertig geworden und man trinkt, raucht ein Pfeifchen und giebt Acht, wo es Vögel giebt. Man kann durch Spalten und kleine Fensterchen zu allen Seiten der Hütte hinaus sehen. -- So wie dann ein Schwarm Vögel heran und in den mit Beeren geschmückten Strauch gefahren ist, wird mit einem Ruck plötzlich das große Netz zugezogen und wer da ist, muß nun eine dabei liegende Ruthe ergreifen und die gefangenen Vögel in die Zipfel des Netzes treiben, wo man sie leichter heraus nehmen kann.
In andern Gegenden sticht man, um den Vogel zu tödten, ihm eine Feder durch den Kopf; welch' ein grausamer Tod! Der obererzgebirgische Vogelsteller hat einen bessern Vortheil; er weiß nämlich auf dem Rücken des Vogels einen kleinen Knochen, welchen er geschickt schnell zerdrückt, daß der Vogel kein Glied mehr zuckt. Dieß geht sehr schnell und ein Schock Vögel drückt er so in wenig Minuten todt. --
Uebrigens hat es mir recht sehr auf diesen Vogelheerden gefallen, es ist so heimlich und traulich daselbst, daß man sich Mittags ungern trennt. Freilich es kommt viel auf die Gesellschaft an, in welcher man sich befindet; ich war in sehr lustiger Gesellschaft und erinnere mich noch mancher lächerlicher Scenen und Geschichten, welche auf solchen Vogelheerden vorfielen. Es giebt der Vogelheerde sehr viele im obern Erzgebirge, besonders an der Gränze.
Endlich durch den Dohnenstrich fängt man auch Vögel in Menge und im Herbste kann man immer und wohlfeile gebratene Krametsvögel essen und niederländische Leckerbissen im Gebirge ganz gewöhnlich antreffen.
Man ist ungemein im Erzgebirge für den Vogelfang eingenommen, kleine Jungen sogar sieht man häufig mit einer Klette, worauf Leimruthen stecken, nebst zwei oder drei Lockvögel aufstellen. Das Forstdepartement eifert zwar sehr darüber, aber die geplagten Forstbedienten können nicht überall sehen und seyn. Das Geschlecht der Vögel stirbt darum nicht aus, sonst müßte es jetzt weniger derselben geben, als sonst und dieses kann wohl Niemand beweisen. Uebrigens kommt die viele Waldung und die Menge der Wacholder- und Eibischbeeren dem obergebirgischen Vogelfange sehr zu statten. --
2.
Im Winter das Ruscheln.
Für den Fremden muß es ein besonderer Anblick seyn, wenn er im Winter die obergebirgische Jugend auf kleinen für sie eingerichteten Schlitten von hohen Bergen mit Pfeilesschnelle herunter fahren oder vielmehr gleiten sieht, welches man _Ruscheln_[66] nennt.
In großer Menge versammeln sich Knaben und Mädchen mit ihren kleinen Schlitten auf der Höhe eines Berges, wo nämlich ein wenig Bahn herab geht, setzen sich auf, geben sich einen Schwung und fliegen schnell den Berg herab; aber sie können sehr geschickt ihren Schlitten mit den Füssen lenken, ohne Schaden zu nehmen. Freilich geht manchmal ein Unglück vor, aber selten, und welches Vergnügen auf dieser Erde ist nicht mit Gefahr und Unglück immer verknüpft? --
Manche, damit es noch schneller geht, lassen ihre Schlitten gar mit glattem Stahle an den Kuffen belegen. Man sieht hieraus, daß an keine Gefahr gedacht wird. Auch macht man in die Ruschelbahn bisweilen, ja gewöhnlich Vertiefungen, damit der Schlitten hier einen neuen Schwung erhält, hoch springt und weit schneller hinab fliegt. Ich habe es sogar gesehen, daß Knaben auf Schlittschuhen die spiegelglatte Bahn eines Berges herab fuhren, ohne zu fallen oder zu wanken. Kälte und Schnee wird gar nicht geachtet, ohne Handschuhe, ja auch barfüssig oft, ergötzt man sich durch das Ruscheln. Manchmal versiehts einer und wirft auf der Hälfte des Weges um, daß er in den Schnee purzelt und der Schlitten allein den Berg herab fliegt: darüber lachen ihn die Andern entsetzlich aus, aber der kleine Schneemann steht gelassen wieder auf, hohlt sich seinen Schlitten wieder und ruschelt nun vorsichtiger. --
Abends beim Mondscheine ruscheln auch die erwachsenen jungen Leute auf größern Schlitten, Handschlitten genannt. Dabei sind oft auch erwachsene Mädchen und eine junge Mannsperson hat dann immer drei bis vier derselben hinter sich auch auf dem Schlitten, nimmt sich zusammen, daß er nicht umwirft und erhält zur Belohnung dann am Ende von jeder ein Küßchen.
Durch dieses Ruscheln erhält der Körper Geschmeidigkeit, wird abgehärtet und fest, so lernt der Knabe Unerschrockenheit und Geistesgegenwart, Muth und Vorsicht und verabscheut jede kleinliche Furcht vor Gefahr. Darum lassen die meisten Aeltern unverwehrt und gern ihre Kinder ruscheln.
3.
Schneehäuser, Schneemänner und Lavinen.
Im Winter vergnügt man sich auch gewöhnlich durch den Schnee selbst. So macht man kleine Schneeballen und setzt daraus hohe pyramidenförmige Häuschen zusammen, worein man Abends ein brennendes Licht setzt. Dieses sieht nun prächtig aus, vorzüglich in der Ferne, daß man gar nicht weiß, wofür man es halten soll; denn die Schneeballen an und für sich sind erleuchtet und durch die Lücken strahlt übrigens noch der hellere Schein hindurch.
Ferner formt man aus dem Schnee große, menschliche Figuren, welche man bemahlt und mit einem ausgehöhlten, bunt durchsichtigen Kürbisse statt des Kopfes ziert, in welchem ebenfalls des Abends ein brennendes Licht gesetzt wird. Damit macht man sich nun viel Spaß. Auch häuft man von Schnee einen Berg auf, in welchem man Höhlen und Ausgänge bildet. -- Wenn es thaut und der Schnee sich ballt oder vielmehr ballen läßt, geht man auf hohe, steile Berge, macht einen nicht großen Ball und läßt ihn auf der Oberfläche des Schnees hinunter rollen. Je weiter dieser nun rollt, desto größer wird er und stürzt sich als Lavine dann mit Pfeilesschnelle hinab ins Thal, wodurch aber bisweilen eine ganze Strecke Weges oft verschüttet wird. Solche Lavinen rollen sich häufig auch selbst die Berge herab, aber die Größe und den Schaden haben und thun sie nicht, wie ihre gigantischen Brüder in den Schweitzergebirgen. In den Wäldern jedoch thun sie durch Umknicken junger Bäume manchen Schaden. --
VI.
Kurzes Gespräch zweier Bergleute in obergebirgischer Mundart.
Da auch die Sprache im obern Erzgebirge unter das Interessante desselben kann gezählt werden, so habe ich in folgendem kurzen Gespräche vorzügliche Eigenheiten und Ausdrücke derselben erwähnen wollen. Aus der beigefügten Uebersetzung wird man, so wie aus den Anmerkungen, wird man den Sinn verstehen.
Zwa Barkleut pagönga Zwei Bergleute begegnen annanner. einander.
1. 1.
Galück auf, Hänner! Glück auf, Heinrich!
2. 2.
Galück auf, Kahr! Wulenden[67] Glück auf, Karl! Wo warst warste däh? Epper du denn? Etwa im Walde? im Wald?
1. 1.
Na! Ich ho schuna ganzen Nein! ich habe schon seit Morgn sette Kupwithing, dem ganzen Morgen solches do bi ich a wink hutzen Kopfweh, da bin ich ein wenig ganga za men Pod Dafet. auf Besuch gegangen zu meinem Pathen David.
2. 2.
Do warste? -- Jasuh. Da warst du? -- Ja so. Sei netta Madla za Sind nicht auch Mädchen rocken bei den Pod? zu Rocken bei deinem Pathen? Aff gieng racht za Foden. es gieng recht lustig zu.
1. 1.
Eiuh! Aff Müllerhannel O ja! Müllers Hannchen, un aff Schmidtrickel un aff Schmidts Rieckchen und Beierkordel wa do, se thaten Beiers Kordchen waren da; singa. sie sangen.
2. 2.
Hos schu gahärt. 'ssei rachte Habs schon gehört, es sind Kröten! -- Izza ho ich rechte Kreten![68] -- Jetzt a an Achherrl, doss iss a schi habe ich auch ein Eichhörnchen, Dink; aff hängt annän das ist ein schönes Köthel. Ding; es hängt an einem Kettchen.
1. 1.
Ei Sackerwunna, das muß Ei der Tausend, das muß ich asah! Nochmittig ich ansehen! Nachmittag kumm ich a wink hutzen komme ich ein wenig zu zuder. dir.
2. 2.
Nu 'siss racht, da kimmst Nun das ist recht, du läßt a gar nett in Zod. Hosta dich auch gar nicht sehen. däh za thu? Hast du denn zu thun?
1. 1.
Dos sei Sachen! Ich muß O ja! Ich muß heilge Christsachen Bornkinnelsachen schnitzen, schnitzen, da stehe ich do stih ich nett vun men nicht von meinem Sitze Söser auf, bis Ohmst, nocher auf bis Abends, nachher ratz ich a wink un schlafe ich ein wenig und fahr ah. fahre dann an.
2. 2.
Off da Woch iss Garmerig; Die nächste Woche ist ich ho oder ka Gald, Jahrmarkt; ich habe aber sist hätt ich mer ann kein Geld, sonst hätte ich Zscharper gakaft. mir einen Zscherper[69] gekauft.
1. 1.
I der alte iss ah gut. Ich Je, der alte ist auch gut. mussa ham, mer wolln assen, Ich muß nach Hause, wir Ardöppel mit Göllerla wollen essen, Erdäpfel mit un a Battelmadelsupp. Schalen und eine Brodkümmelsuppe.
2. 2.
Ich wahr mer en Harig Ich werde mir einen Hering fer en Sechser huhlen losen. für einen Sechser hohlen Galück auf, Kahr! lassen. Glück auf, Karl!
1. 1.
Galück auf, Hänner! Glück auf, Heinrich!
VII.
An das Erzgebirge.
Laß im Geist mich deine Berge grüssen, Laß im Geist mich deine Thäler seh'n, In der Wälder grünen Finsternissen, Auf bemooßter Felsen Spitzen stehn! Daß ich wieder deiner Silberquellen Deiner Bäche sanftes Murmeln hör'; Wiederseh' des Waldstroms dunkle Wellen, Und den wilden Schaum am Klippenwehr!
Sei gegrüßt im Thal du kleine Hütte, Wo Zufriedenheit und Armuth wohnt! Nehmt mich auf in eure frohe Mitte, Gute Menschen, die der Fleiß belohnt! In der Erde Tiefen will ich steigen, Klüft und Gänge zwinge meine Hand; Schätze will ich meinem König reichen, Dein sei Alles, theures Vaterland! --
Aber mich laß dort im Thale wohnen, Reiche mir des Lebens Unterhalt! Wie ein Fürst will ich beglückt dann thronen, Mein ist Alles, Quellen, Fels und Wald! Meinen Kittel ändert keine Mode, Meine Kost weicht keiner Leckerei; Mein Beruf führt täglich mich zum Tode, Doch ich trau' auf Gottes Vatertreu!
Drückt mich etwa eine bange Sorge, Die dieß arme Erdenleben schuf; -- Dann ersteig' ich einen Berg und horche Neu gestärkt der Gottheit heilgem Ruf'; Er giebt jenen Sonnen Licht und Strahlen, Er erweckt aus Nacht die todte Welt. Und enthüllt die Frucht aus festen Schalen, Schmilzt den hohen Schnee vom Saatenfeld.
O! wohl möchte ich auf deinen Bergen Meiner Tage letzten einmal sehn! Möchte _dort_, beim Lied der ersten Lerchen, Einst hinab zu meinen Vätern gehn; In der Heimath Grabe schlaf' ich süsser, Da noch weint man eine Thräne mir! -- Doch der schwache Mensch weiß nichts gewisser Leider, als: daß er _nichts_ wisse hier! --
Fußnoten
[1] Merkels Erdbeschreibung von Sachsen wird hier rühmlichst ausgenommen. Auch ist meine Absicht ganz verschieden von dem Zwecke jenes Werkes. -- ~D.~ Lehmanns Schauplatz entspricht derselben, aber er enthält zu viel Aberglauben, ist zu weitschweifig, und sehr selten zu bekommen.
[2] Daher erinnere man sich, daß ich nicht für Erzgebirger schreibe. Ihnen diene dieses zur Beherzigung, um voreilige Urtheile zu unterdrücken! --
[3] Alle Erzgebirger mögen hier an den Edlen von Bodenhausen bei Leipzig denken!! -- Er hat viele hundert Scheffel Getraide den armen Erzgebirgern geschenkt. --
[4] So nennt man in der dasigen Gegend die Unterjugel; in den ältern Zeiten wurde daselbst blaue Farbe gemacht, daher stammet diese Benennung.
[5] Eine bekannte Silbergrube.
[6] Man sagt gewöhnlich Berg, und versteht darunter Haus, Bier und Gesellschaft. Wenn der Johanngeorgenstädter also sagt: ich gehe auf den Berg, -- so heißt dieses: ich gehe zum böhmischen Biere. --
[7] _Halde_ nennt der Bergmann die vor den Stollen und Gruben aufgeschütteten großen Haufen des kleinern und größern Gesteins, welches herausgeschafft worden ist.
[8] So heißt die Oeffnung eines mannshohen, schmalen unterirrdischen Ganges, den man _Stolln_ nennt.
[9] Auf Halden darf man sie nicht schütten, dieses kann das Bergamt wegen besonderer Gesetze nicht gestatten.
[10] Ueber die Maschinerie eines solchen Pochwerks belehre man sich aus bergwissenschaftlichen Büchern, weil eine solche Beschreibung nicht hierher gehört. --
[11] Ueberhaupt verändert sich im Gebirge die Gegend fast mit jedem Schritte, den man gethan hat; immer neue Aussichten, und Gegenstände.
[12] So werden die Wege genannt, welche zu den Zechen führen. Da im Winter oft wegen des hohen Schnees und im Sturme sonst sich die Bergleute verirrten und manche vielleicht gar erfroren: so ließ das Bergamt Alleen an diesen Steigen anpflanzen, welche im Winter den früh oder Abends anfahrenden Bergleuten zur Leitung dienen sollten. Sie nehmen sich sehr gut aus und dienen zur Verschönerung der Gegend. Leider wurden sie von ruchlosen Menschen verletzt und beschädigt, daß mehrere Bäume eingegangen sind. --
[13] So heißt derjenige Ofen, wo der rohe Eisenstein zuerst geschmelzt wird. Dieser Ofen ist gewöhnlich von ziemlicher Höhe; der gepochte Eisenstein wird oben hinein geschüttet, wo eine fürchterliche Gluth herrscht, welche zwei Blasebälge, von dem Wasser getrieben, anfachen. Des Nachts erleuchtet die Flamme, welche ellenhoch aus diesem Ofen weht, den Himmel und die Gegend, welches einen schauerlichen Anblick gewährt und an die Vulkane Italiens erinnert.
[14] Der Krieg unterbrach den Bau; vermuthlich wird er fortgesetzt werden.
[15] Ich weiß nicht, ob er noch lebt; im Jahre 1806. lebte er noch.
[16] So ist der eine Name erklärt. Auch sagt man in der Gegend umher nur schlechtweg: »'s Felsel.« Warum man auch Teufelskanzel sage, will ich nachher erklären.
[17] Ich habe mich sehr gewundert über den größten Theil der obergebirgischen Jugend, in Rücksicht des flinken und geschwinden Kletterns auf Felsen und steile Berge. Die Gemsenjäger in Savoyen müssen nicht geschickter und schneller die Felsen ersteigen, als manche Knaben im obern Erzgebirge.
[18] Seit einigen Jahren wird viel Holz abgeschlagen, wodurch dieses schöne Thal lichter und freundlicher und die Luft selbst weit milder wird; denn in jenen Forsten herrscht auch in den heißesten Tagen eine auffallende Kälte.
[19] Freilich wird oft sehr gewüstet; aber ich würde ein schönes Capital haben, wenn ich alles das Holz bezahlt erhielt, was dort verfault. --
[20] So nennt man diese Felsen, weil man den Steinmassen, die auf einander geschichtet scheinen, eine Aehnlichkeit mit einem beliebten Backwerk, -- Hefenklößen -- gefunden hat. An hohen Festtagen, vorzüglich an Fastnacht werden sie in dasiger Gegend häufig gebacken.
[21] Wenn ich nicht irre, gehören diese Häuser zum Hammerwerke Breitenhof.
[22] Rechts drüben nämlich liegt eine Eisensteingrube, der Schimmel genannt, bei welcher eine große Wasserkunst im Gange ist, man sieht auch die Gestänge derselben deutlich. -- Wenn nun das große Rad, welches die ganze Maschine in Bewegung setzt, einmal um sich herum ist, so tönt jedesmal die kleine Glocke; diese Einrichtung hat den Nutzen: daß man gleich hören kann, wenn an der Maschine etwas zu Bruche gegangen.
[23] So nennt man die von hoher Waldung leeren, freien Plätze in einem Walde.
[24] Verzeihen Sie, meine busenenthüllten Damen!
[25] Verzeiht, ihr ästhetischen, duftenden Seelen, mit Lorgnette und Hahnenkamm.
[26] Man sehe die erste Anmerkung.
[27] Es sind hier mehrere Pochwerke, welche alle über einander liegen, das eines dem andern das Wasser zuführt.
[28] Welcher aus so manchen Reisebeschreibungen hervorblickt.
[29] So viel Auerhähne soll es sonst daselbst gegeben haben, daß man zur Falzzeit weit und breit habe das Geschrei hören können. Jetzt hört man aber wenig oder gar nichts. --
[30] Um wegen der nächtlichen Kälte auf dem Berge uns von innen zu wärmen.
[31] Es war vielmehr ein Loch.
[32] Leidigen Andenkens! --
[33] Der gemeine Mann in dortiger Gegend sagt nicht Ameisen, sondern Sahgwammesen. --
[34] Dieß thun die Wildschützen aber nie, man darf nur thun, als sieht und kennt man sie nicht. Ein gewisser Steiger in J. merkte, daß des Nachts sich in der verschlossenen Kaue seiner Zeche Wildschützen aufhielten. Er schrieb daher an die Thüre: daß sie ihm auch etwas schenken sollten. Wenig Tage drauf fand er eine delicate, frische Hirschkeule. In der Kaue hiengen mehrere eiserne Geräthschaften, nie fehlte etwas; aber einst vermißte der Steiger doch eine Axt und schrieb sein Mißfallen darüber an die Thür. Am folgenden Tage fand er eine neue, weit bessere Axt wieder in der Kaue. Und so giebt es viele Beispiele dieser Art. --
[35] M. s. Jean Pauls Briefe und bevorstehender Lebenslauf. S. 29.
[36] Dessen im zweiten Theile wird erwähnt werden. Gemeiniglich nennt man ihn Piehlberg.
[37] Obige Novantike steht in den Freyberger gemeinnützigen Nachrichten (4r Jahrg. 1803. N. 31. S. 269.-275.) woraus sie hier mit Bewilligung des Hrn. Verlegers abgedruckt ist. Der Auersberg wird hier von einer andern Seite bestiegen und der gefühlvolle Leser sieht hieraus, daß meine Schilderungen des Obererzgebirges der Natur und Wahrheit getreu und nicht übertrieben sind.
[38] Die höchste Koppe des Fichtelbergs im Bayreuthischen.
[39] Und wenn der Schnee in den Hohlwegen so hoch liegen soll, kann man voraussetzen, daß diese noch tiefer seyn müssen; also vielleicht 40--50 Ellen, was sind denn 10 Ellen? -- Die hat man bald geschrieben! --
[40] ~Dites encore, que la neige n'est pas blanche!~
[41] Man sagt in der Gegend gewöhnlich Olbernhau; ich weiß nicht welches richtig ist, übrigens thut dies nichts zur Sache.
[42] Ich habe nicht gesehen, oder gehört, daß er bei Unterblauenthal abgeleitet sey, wie man in Merkels Erdbeschr. 1r Bd. S. 175. ließt.
[43] Man verzeihe mir diesen gewagten Ausdruck, vielleicht dient er, die Sache anschaulicher zu machen.
[44] Der Berg nämlich, worauf die Stadt liegt, heißt der Schneeberg. Sonst schrieb sich auch das Bergamt: »das Bergamt uffm Schneeberg.« --
[45] Vor kurzem hörte ich, daß diese Bürgergesellschaft sich einer Auflösung nahe. Dieß wäre wahrhaftig sehr zu bedauern! --
[46] So nennt man diese Gebirgsseite überhaupt, hinter welcher der Filzteich liegt.
[47] Es gehörte sonst, wenn ich nicht irre, dem verstorbenen Bergmeister _Beyer_ in Schneeberg. --
[48] Er gehört dem Rathe zu Schneeberg.
[49] Bei dieser Gelegenheit will ich erinnern, daß man in den Wäldern des Erzgebirges beim Herab- oder Hinaufsteigen hoher Berge sich wegen der dürren Nadeln sehr vorsehe. Stiefeln mit Absätzen, lederne Handschuhe und einen starken Stock mit einem Stachel muß man nothwendig haben. --
[50] In d. Gegend spricht man gewöhnl. Schorl oder da Schuhel.
[51] Man muß sich mit Feuerzeug und einem Lichte versehen haben, damit man innen sich umsehen kann.
[52] Ich erwähne der Geschichte nicht erst wieder, da sie einem jeden Sachsen bekannt seyn muß.
[53] Dabei erinnere ich mich des Lutherbrunnens bei Wittenberg, und des Brockens. --
[54] Einen solchen Stangenberg, aber weit höher und steiler, giebt es auch bei Johanngeorgenstadt.
[55] Diese etwas weitläufige Wegbeschreibung geschieht um der Fremden willen.
[56] Die gemeinen Leute in dortiger Gegend nennen diese Zeche: s' weiße Zeug. --
[57] Der ehemalige böse Weg ist jetzt in eine sehr schöne Chaussee verwandelt.
[58] _Wu ass Bornkinnel baschärt hod_ -- nach gebirgischer Mundart. _Bornkinnel_ ist so viel, als _gebornes Kindlein_.