Inselwelt. Zweiter Band. Australische Skizzen. Gesammelte Erzählungen.

Part 21

Chapter 211,264 wordsPublic domain

Hülfe -- den ganzen Tag wanderten sie und keine Aussicht auf Rettung zeigte sich. Die Sonne verdunkelte sich dabei mehr und mehr. Wie ein Hehrrauch lag es über den Bergen, der heiße Staub zog in Wolken über sie hin, und das Taggestirn stand wie eine glühende, mattrothe Kugel am Firmament, bis es endlich ebenfalls verschwand -- die Nacht brach an und keinen Bissen zu essen hatten sie mehr, keinen Tropfen Thau selbst, ihre brennenden, aufgesprungenen Lippen zu kühlen. Anstatt daß ihnen die Nacht dabei Kühlung brachte, wurde es eher noch heißer und drückender; sie athmeten den glühenden feinen Staub, und selbst ihre Augen brannten wie Feuer. Die Nacht lag auch Ned in einem wilden, hitzigen Fieber, und schrie in seinem tollen Traum, daß sie verfolgt würden und daß der ganze Wald in Brand stände. Sein Ruf: »Feuer! Hülfe! Rettung!« gellte in markdurchschneidenden Tönen durch den Wald, und Bob saß dabei, den Kopf an einen Baum gelehnt, das Gesicht mit den Händen bedeckt und betete, daß ihn Gott nicht auch möchte wahnsinnig werden lassen.

So brach der Morgen an, aber keine Linderung mit ihm. Bob raffte sich auf und schüttelte den Kameraden; der aber kannte ihn nicht mehr, stieß ihn von sich und wühlte wie Jones sein Antlitz in den Boden. Bob selber fühlte, wie ihn die Kräfte verließen, aber die Angst der Verzweiflung, hier rettungslos verderben zu müssen, ließ ihn noch einmal seine Mattigkeit überwinden. Es flirrte ihm, als er aufstand, Alles vor den Augen -- er sah die Sonne nicht mehr, die, wie sie gestern untergesunken, heute wieder matt und glühend emporstieg, und als sein Blick endlich zufällig darauf fiel und er sich der Richtung bewußt wurde, die er einschlug, wunderte er sich nur, daß sie heute, statt wie immer im Osten, im Westen aufging. Er kannte keinen Cours mehr, und als er fast unwillkürlich, wie er ging, die Bäume mit seinem Messer bezeichnen wollte, fiel ihm das aus der Hand, ohne daß er es gewahr wurde oder sich danach umgesehen hätte. Nur weiter, immer weiter taumelte er, jetzt aber immer nur zu Thale, denn einen Berg war er nicht mehr im Stande zu erklettern, bis er endlich ebenfalls, an Kraft und Muth gebrochen, zu Boden sank und nicht mehr weiter konnte.

Mit dem letzten Bewußtsein, daß ihm geblieben, wollte er sich eine Ader öffnen und das Blut trinken -- nur noch einmal _trinken_, ehe er starb, aber er fand sein Messer nicht mehr. Er brachte den Arm an die Lippen, ihn aufzubeißen, aber die Sinne schwanden ihm dabei, ein Schlaf kam über ihn und der Arm sank matt an seinem Körper nieder, der Kopf auf die Wurzel des Baumes, unter dem er lag.

* * * * *

Wie lange er in dem Zustand geblieben, wußte er nicht, aber ein Gefühl der Kühle in seiner Kehle, über seinen Schläfen brachte ihn wieder zu sich. Es war Nacht und ein Mann kniete neben ihm und goß ihm mit einem Blechbecher Wasser in den Mund, während ein anderer ihm ein nasses, kaltes Tuch über Stirn und Schläfe legte. Neben ihnen loderte ein hohes, flackerndes Feuer.

Bob trank -- oh, wie ihm das so kühl und erfrischend durch Mark und Adern strömte -- er trank und trank und würde sich zu Tode getrunken haben, hätten ihn seine Retter nicht daran verhindert. Wohl einer Stunde bedurfte es aber, ehe er seiner Sinne wieder soweit mächtig wurde, den Leuten zu erzählen, wie er sich im Wald verirrt und wo er hergekommen, und er erfuhr jetzt auch, wo er sei, und wie er gerettet worden.

Das Letzte war einfach genug, denn kaum fünf oder sechs englische Meilen vom Turon, wo er niedergebrochen, hatten zwei Goldwäscher aus einem entfernten Bach, die sich ebenfalls vor dem heißen Wind nach dem Turon retten wollten, den leblosen, wenigstens bewußtlosen Körper des jungen Mannes im Busch gefunden und mit der Gegend hier vollkommen gut bekannt, ihn aufgepackt und bis zum nächsten Wasserloch, das dicht versteckt unter einem Felsen lag, niedergetragen. Der Turon selber lag, wenn sie dieser Schlucht folgten, keine zwei starke Stunden Wegs von da entfernt.

Bob erholte sich bald, und sein erster Gedanke war jetzt, die zurückgelassenen Kameraden zu retten. Davon wollten nun die beiden fremden Goldwäscher allerdings Nichts hören, denn sie meinten, sie seien nicht hier heraufgekommen, halbtodte Menschen im Wald herum zu schleppen. Als ihnen aber Bob von dem Golde sagte, und ihnen gleiche Theile mit ihnen zusicherte, gewann die Sache ein anderes Licht, und ihre Wasserflaschen gefüllt, machten sie sich jetzt auf den Weg, die Verirrten aufzusuchen. Der heiße Wind hatte überdies nachgelassen und ein frischer Südwind wehte kühl von der See herauf.

Vergebens brachten sie aber zwei Tage wieder in den Bergen zu. Von den zurückgelassenen Kameraden sowohl, wie von dem Golde war keine Spur mehr zu finden. Auch die Goldwäscher wollten keinen so spitzen Hügel in der Nachbarschaft kennen, wie ihn Bob denselben beschrieb. Am zweiten Tag war ihr Wasservorrath erschöpft, und nicht gesonnen, sich einer ähnlichen Gefahr auszusetzen, kehrten sie trotz Bobs Bitten, nur noch einen Tag daran zu wenden, zum Fluß zurück.

Vier Wochen später wurde von drei anderen Goldwäschern, die vom Turon aus eine kleine Excursion machten, neue Minen aufzufinden, ganz in der Nähe des Flusses, und kaum eine englische Meile davon entfernt, der halbvertrocknete Leichnam eines Matrosen gefunden. In seiner Nähe, und zwar vom Fluß fort, waren eine Anzahl Bäume eingekerbt. Sie untersuchten den Leichnam, aber er hatte nicht das mindeste Gold bei sich, und um ihn nicht an der freien Luft länger liegen zu lassen, gruben sie neben ihm mit ihrem Handwerkszeug ein Grab und legten ihn hinein. Das dicht dabei versteckte Gold hatten sie nicht gefunden. Ihrem Vermuthen nach mußte der Mann dort an der Stelle krank geworden und ohne Hülfe gestorben sein.

Bob kehrte in die Minen zurück und begann an einer anderen Stelle wieder zu arbeiten. Das damals gefundene Gold war zu verführerisch gewesen, die Hoffnung auf weiteres Glück so rasch und plötzlich aufzugeben; als er aber zwei volle Monate fast nur gearbeitet, sich selber am Leben zu erhalten, bekam er es satt, ging nach Sidney zurück und dort wieder an Bord des ersten Schiffes, das den Hafen verließ.

Der Capitain der Jane Douglas blieb noch einige Wochen in den Minen, bis seine Leute ebenfalls der Arbeit mit Spitzhacke und Schaufel müde wurden, engagirte sich dann gleich an Ort und Stelle unter den fortgelaufenen Leuten von anderen Schiffen eine volle Mannschaft, und konnte, während andere Capitaine noch im Hafen lagen und mit Schmerzen auf nur wenigstens halbzählige Bemannung harrten, seine Segel setzen und die gefährliche Nachbarschaft des Goldes wieder verlassen.

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Seite 51 Er rief dann seine Lente herbei Er rief dann seine Leute herbei

Seite 57 und wenn er ihn jetzt das Verlangte gab und wenn er ihm jetzt das Verlangte gab

Seite 128 unter einem andern Baum, saß ein Fußreißender unter einem andern Baum, saß ein Fußreisender

Seite 164 Da antwortetete eine Musketensalve vom Boote her Da antwortete eine Musketensalve vom Boote her

Seite 228 das er von Marsden Point mitgenommen, so lange zu benutzten das er von Marsden Point mitgenommen, so lange zu benutzen

Seite 305 Oh Susannah, dont you cry for me Oh Susannah, don't you cry for me

Seite 305 D'ont you cry for me Don't you cry for me

Seite 306 Oh Susannah, dont you cry for me Oh Susannah, don't you cry for me