Inselwelt. Zweiter Band. Australische Skizzen. Gesammelte Erzählungen.

Part 16

Chapter 163,725 wordsPublic domain

Es gab aber auch eine Classe von Arbeitern, -- und dazu gehörten keineswegs die eben Gekommenen, -- die das schon alles versucht hatten, aber zu keinem besonderen Resultat dabei gekommen schienen, denn sie unterzogen sich jetzt einer viel härteren und keineswegs bedeutend lohnenden Arbeit. Sie hatten aber wenigstens den Vortheil, daß sie durch kein Wasser in ihrer Arbeit gehindert wurden, denn sie schafften oben von dem höchsten Rücken der vielleicht hundert Fuß hohen Hügel die Erde in Säcken nach dem Fluß hinunter, wo einer ihrer Compagnie an der Wiege stand und das ihm gebrachte auswusch. Der Aussage anderer nach sollten die Leute von acht bis sechzehn Shilling den Tag verdienen.

Hierzu fühlten aber unsere beiden Neuangekommenen natürlich nicht die mindeste Lust, da man schlimmer als um Tagelohn arbeiten mußte, und deshalb waren sie nicht in die Minen gekommen. Sie hielten sich also mehr nach dem Fluß hinunter, und beobachteten eine Zeitlang die hier Arbeitenden.

Dicht am Wasser stand ein Mann, ein rothwollenes Hemd über die englisch-ledernen Hosen gezogen, mit braunem breitrandigem Filzhut und groben, schwer mit Nägeln beschlagenen Schuhen. Er wusch eine Pfanne mit Erde aus, die er sich, Gott weiß woher, geholt hatte, denn in seiner Nähe war noch kein Loch gegraben. Vorsichtig schwenkte er die Pfanne hin und her und im Kreise herum, das etwa darin befindliche schwere Metall zu Boden zu bringen, füllte sie dann wieder mit Wasser, und ließ dies mit einem Theil des leichteren Kieses ablaufen. Er war dabei ungemein fröhlicher Laune, das ganze Verfahren geschah im Tact, und er sang sich dazu das alte californische Goldlied -- ein klein wenig in den Worten verändert:

»=Oh Susannah, don't you cry for me, I've come here to Australia With a washbowl on my knee, And when I've washed the precious stuff, Then come I back to thee, Therefore my dearest Susan Don't you cry for me.--=«[12]

[12] O du Susannah, weine nicht um mich, Ich kam hier nach Australien mit der Pfanne auf dem Knie; Und hab' ich das kostbare Gold ausgewaschen, dann kehr' ich zu dir zurück; darum, meine beste Susannah, weine nicht um mich.

»=God damn it=« rief er aber plötzlich, die leere Pfanne mit dem kernigen Fluch weit von sich schleudernd, als er beim Schluß des Liedes den letzten schwarzen Sand aus der Pfanne gespült und wahrscheinlich sehr wenig oder gar nichts von dem, was er »=the precious stuff=« nannte, darin gefunden hatte, »hol' doch der Teufel das ganze Goldwaschen und Susannah dazu!« und damit griff er die neben ihm liegende Hacke und Schaufel auf, holte sich die Pfanne wieder, und wanderte, ohne sich weiter umzusehen, den Fluß hinunter.

»=Oh Susannah, don't you cry for me,=« lachte Jack still vor sich hin, »der Mensch hat keine Ausdauer, bei der ersten Pfanne voll darf man's nicht gleich aufgeben.«

»Nun, wir wissen freilich nicht wie viel Pfannen er schon umsonst ausgewaschen hat,« sagte der Alte, »aber die Pfanne selber brauchte er es deshalb nicht entgelten zu lassen. -- Doch wir wollen einmal da hinuntergehen, wo die viere zusammen arbeiten, die scheinen besser mit ihrem Erfolg zufrieden zu sein.«

Die beiden Männer gingen noch eine kleine Strecke den Strom hinauf, als ihnen ein rothbackiger junger Kerl mit einer Waschmaschine auf dem Rücken entgegen kam.

»Hallo Jack!« rief er stehenbleibend, und sich an unsern jungen Freund wendend -- »wollt Ihr keine Wiege kaufen? kriegt sie billig.«

Jack war indessen schon daran gewöhnt, seinen Namen mißbraucht zu sehen und schüttelte nur lächelnd mit dem Kopf.

»Habe schon eine,« sagte er, »aber warum wollt Ihr sie verkaufen -- schon genug gefunden?«

»Gefunden? -- ja -- ein Haar in der Sache!« lachte der Bursch -- »ich kann meinen Tagelohn bequem in Sidney verdienen, und wenn ich so arbeiten und so leben will wie hier, mach' ich auch wohl noch mehr.«

»Und wie lange seid Ihr schon oben?« frug der Alte.

»Etwa drei Wochen im Ganzen -- aber ich will auch nicht etwa sagen, daß ich nichts gefunden hätte, Gott bewahre, da ist es Hunderten noch viel schlechter gegangen, und wenn ich bloßer Taglöhner wäre, sollt' mich kein Mensch hier oben fortbringen, so aber hab' ich ein Handwerk und gerade jetzt genug Zeit mit Goldsuchen versäumt. Ueberdies will ich mich je eher je lieber wieder nach Sidney zurückmachen, denn jetzt kann man noch dort ankommen, wird es aber erst einmal Sommer und trocknet die Geschichte hier aus, dann strömt nachher alles hinunter, und die dann unten im Nest und warm sitzen, haben den Vorrang. Ihr seid wohl eben erst heraufgekommen?«

»Ja -- und das klingt gerade nicht tröstlich für neue Anfänger.«

»O laßt Euch um Gottes Willen nicht bange machen -- wer weiß, ob Ihr nicht gerade besonders Glück habt -- kein Mensch kann das sagen, und überdies seid Ihr nun einmal oben, und müßt's auch von Grund auf versuchen -- Ihr könnt ja sonst nachher gar nicht mitreden.«

»Aber wo fängt man denn wohl am besten an?« frug Jack etwas kleinlaut.

»Ja Freund,« lachte der andere, »das müßt Ihr keinen Menschen fragen, sondern selber versuchen. Wenn _ich_ einen Platz _wüßte_, wo Gold liegt, dann ging ich selber hin und arbeitete dort, und so geht's mit allen anderen auch -- man kann wohl _vermuthen_ und glauben, daß irgend eine Stelle eben darnach aussieht, aber lieber Gott, das ist eine sehr unsichere Geschichte, und die Probe, ob das Exempel richtig sei, wie sie bei uns in der Schule sagten, muß erst mit Spitzhacke und Schaufel darauf gemacht werden. Also =good bye= und viel Glück -- das kann man hier oben brauchen.« Und damit wandte er sich und marschirte rüstig den Strom hinunter.

Bald darauf erreichten die beiden Männer auch die Stelle, wo vier Irländer ziemlich dicht am Wasser arbeiteten. Sie schienen gerade eine »Maschine voll« zu haben, denn das Sieb war heruntergelegt, der untere Kasten leer gemacht und der Zapfen noch herausgezogen, einer der Leute saß mit der noch halb vollen Pfanne und wusch den Ertrag von 20 oder 25 Eimern voll Erde aus, und die anderen standen dicht darum her, und bemerkten nicht einmal die Fremden, so war ihre ganze Aufmerksamkeit dem sich jetzt schon zeigenden schwarzen Sande zugewandt. Der Waschende schöpfte auch ruhig sein Wasser auf und schwenkte langsam und vorsichtig die leichteren Steine aus, bis sich die ersten Spuren von Gold in beiden Ecken zeigten. In diesem Augenblick sah er lächelnd zu seinen Gefährten auf, entdeckte aber auch zu gleicher Zeit die dahinterstehenden neugierigen Fremden und sagte plötzlich ganz ruhig, die Pfanne dabei, ohne sie weiter auszuwaschen, zur Seite stellend:

»Wie geht's, Jack? wie gefällt's Euch hier in unserer Nachbarschaft?«

Jack wurde feuerroth, und die anderen drehten sich rasch nach den beiden um, schienen aber, nach einem flüchtig gewechselten Gruß, sich weder um die Fremden noch ihre Pfannen weiter zu bekümmern, sondern gingen ruhig wieder an ihre Arbeit.

Der Alte war mit Jack ein klein Stück weiter gegangen, und hatte sich die Stelle indessen etwas genauer angesehen. Die vier Irländer behaupteten dort einen ziemlich breiten Platz, und es schien ihm, als wenn da noch Raum für einen Claim übrig bleiben müßte. Er sprach mit seinem jungen Gefährten darüber, und sie gingen dann beide wieder zu den Irländern zurück, sich bei diesen selber nach dem von ihnen beanspruchten Claim zu erkundigen.

»Wie weit läuft Euer Claim hier den Fluß hinauf, Jack?« frug er den an der Wiege.

Der Mann hörte auf zu arbeiten und sah ihn ruhig an, als ob er die Frage nicht verstanden habe. Der Alte wiederholte sie und der Irländer antwortete langsam.

»Der Mann hat acht Fuß breit und wir sind unserer sechse -- könnt's selber ausmessen, Jack?«

»Sechs? -- Ihr seid ja nur viere? -- und dann bekommt ja auch jeder nur sechs Fuß!«

»Zwei sind krank,« lautete die jetzt schon mürrischere Antwort, »und das andere macht mit dem Commissär ab.«

»By Jasus,« mischte sich dabei einer der anderen in's Gespräch -- »der Turon ist doch auch lang genug, daß Ihr nicht in fremden Claimen herumzuschaufeln habt? -- =damn'it= wir müssen unsere Licenz für das lumpige Stück Grund theuer genug bezahlen.«

Die Beiden zogen ziemlich beschämt ab; sie kannten Grund und Boden auch zu wenig dort, um sich auf einen weiteren Streit einzulassen, der Alte meinte aber doch, er sei fest überzeugt, daß die Leute dort mehr Grund beanspruchten, als sie den einmal bestehenden Gesetzen nach beanspruchen könnten, und er wolle deshalb jedenfalls einmal mit dem Commissär reden.

»Hilft Euch nichts, Jack,« lachte da ein Goldwäscher, an dem sie, ohne ihn weiter zu beachten, dicht vorbeigegangen waren. »Ich bin schon vierzehn Tage hier oben und habe mir die größte Mühe gegeben, in den Claim hineinzukommen, denn die Kerle machen da gewiß schmähliches Gold -- sie halten aber fest, und der Commissär steckt mit ihnen unter einer Decke. Er hat sich da einen breitmächtigen Claim selber vorbehalten, und will ihn von den Irländern für sich ausarbeiten lassen, wenn sie erst einmal mit ihrem eigenen Theil fertig sind.«

»Aber wie ist denn das mit acht Fuß Claim,« frug der Alte weiter, »mir ist gesagt, daß sechs die gesetzliche Breite wäre, und die Irländer behaupten acht per Mann.«

»Das setzen sie alles mit dem Commissär durch,« erwiderte ihm der Fremde -- »in dessen Macht steht es, zu bestimmen, wie viel Fuß sie haben sollen; bei reichern Plätzen nimmt er gewöhnlich nur vier Fuß Breite an, bei ärmeren acht bis zehn und zwölf -- sechs ist das Durchschnittliche.«

»Aber wie kann er denn vorher wissen, was ein ärmerer oder reicher Fleck ist,« sagte Jack.

»Das weiß er auch nicht!« lachte der Fremde, »und die vier oder acht Fuß hängen ganz davon ab, wie man sich mit ihm selber stellt.«

»Da schimpfen sie auf das amerikanische Lynchgesetz,« brummte der Alte vor sich hin, indem er mit Jack nach Oakeycreek hineinbog, »und hier mit ihren gepriesenen königlichen oder gouverneurlichen Gesetzen herrscht eben so viel, vielleicht noch schlimmere Willkür.«

In Oakeycreek sah's wild aus -- überall waren Löcher gegraben und wieder verlassen worden, und das ziemlich breite Bett des kleinen Bergstromes lag total trocken, mit großen Kiesel- und Quarzsteinen überworfen, nur weiter oben am Creek arbeiteten noch einige Leute, schienen aber auch nicht besonders viel zu finden, und eine von den Parteien wollte ihr sämmtliches Werkzeug verkaufen und wieder zurück nach Sidney gehen.

Ueber den Hügelhang hinüber, der hier den Oakeycreek von dem Turon schied, kamen sie -- durch die Arbeiter hin, die von hier oben weg die Erde nach dem nächsten Wasser hinunterschleppten -- wieder zum Turon. Dort fanden sie, an einer Biegung, die der Fluß machte, ebenfalls eine Masse von Menschen emsig beschäftigt die Erde aufzuwühlen, sich mit riesigen Steinen abzuquälen, Wasser auszuschöpfen, und die mühsam gewonnene Erde nach dem Fluß zu tragen, wo sie denn manchmal ihre Arbeit bezahlt bekamen, manchmal aber auch um nichts arbeiten, und dann an einer andern Stelle wieder von vorn anfangen mußten.

Am Hügelhang hinein, und hier trocken, mit verhältnißmäßig weniger Mühe, hatten andere stollenähnliche Löcher gegraben; die harte Kieselerde hielt sich auch in der Wölbung vortrefflich, und mehrere Parteien, unter andern auch fünf Deutsche, standen sich ausgezeichnet gut.

»Hallo, Jack,« rief sie aus einer nicht weit davon entfernten Grube einer der Arbeiter an, indem er sich auf seine Pickaxt stützte und die Zeit sogleich benutzte sich auszuruhen. -- »Wollt Ihr mir das Loch hier abkaufen -- Gold ist drin, ich hab' aber einen Brief gekriegt und muß nach Bathurst.«

Die beiden Männer gingen hinunter zu ihm und setzten sich bei ihm nieder.

»So, also Ihr wollt verkaufen?« frug der Alte -- »nun der Platz sieht gut aus, und ist brav vorgearbeitet -- was wollt Ihr denn haben?«

»Fünf Pfund,« sagte der Mann, »die Arbeit allein die ich daran gethan habe, ist mehr als zehn werth, und ich bin fest überzeugt, wenn Ihr noch einen Fuß weiter hier hineingeht, findet Ihr auch die fünf Pfund vielleicht in einer Stunde wieder. Was graben die Deutschen da nebenan nicht für schönes Gold heraus!«

»Ja, nun seht, Jack,« sagte der Alte schmunzelnd, der recht gut wußte, daß der, welcher das Loch verkaufen wollte, verwünscht wenig Hoffnung haben mußte, Gold darin zu finden, oder er würde es sonst selber nicht hergegeben haben. »Das ist manchmal wunderlich auf der Welt, wie das Gold sitzt -- was glaubt Ihr denn wohl durchschnittlich aus dem Platz hier herausnehmen zu können?«

»Ja, wer kann das wissen,« meinte der andere, »aber wenn's nur halbwege gut geht, drei bis vier Pfund Gewicht -- und der Platz ist groß.«

»Ahem,« nickte der Alte, »es ist aber schade, ich habe es mir zum Grundsatz genommen, keinem Menschen sein Glück abzukaufen -- man macht sich hernach Vorwürfe. Viel Glück, Jack -- ich würde, in Eurer Stelle, jedenfalls das Loch ausarbeiten, ehe ich auf den Brief nach Bathurst ginge.«

Und damit standen die beiden Männer auf und gingen lachend weiter.

»Hallo, was ist da los?« rief Jack plötzlich, als mit einemmal ein großer Theil der Arbeiter aus ihren Gruben sprang, und mit Maschinen und Geräthschaften die steilen Hügel heraufsprangen. Viele blieben bei ihrer Arbeit und wollten sich todt lachen, den anderen schien die Sache aber gar nicht spaßig zu sein, denn sie gaben sich die größte Mühe irgend einer, sicherlich sehr bedrohlichen, aber jetzt noch nicht sichtbaren Gefahr so schnell als möglich aus dem Wege zu kommen.

»Was zum Henker haben die Leute?« frug der Alte einen der Arbeiter, der ruhig an seiner Wiege fortschaukelte, und sich wenig um die ihn umgebende und so plötzlich entstandene Verwirrung zu kümmern schien -- »warum laufen sie alle als ob der Böse hinter ihnen wäre?«

»Nun der Böse ist's gerade nicht,« lachte der, »aber das böse Gewissen und der Commissär. -- Der kleine Junge dort hat eben die Meldung gebracht, daß der Commissär den Fluß herunter kommt, und jetzt kratzt alles aus, was noch keine Licenz bezahlt hat, um sich diesen Monat wenigstens so durchzudrücken. Eine Lumperei ist's, das ist wahr, und noch für seine paar Tage volle Monatslicenz bezahlen zu müssen ungerecht; ehe ich aber so mit meiner Maschine in die Berge laufe, zahl' ich sie doch lieber. Sie verlieren mehr an Zeit, und haben sie wirklich etwas darin, so verstreuen sie auch mehr an Gold, als die ganze Bettelei werth ist.«

So schienen aber nicht alle zu denken, und die buntesten und oft wirklich komischen Gruppen zerstreuten sich über den Hügel; nach allen Seiten waren dabei, wie in einer vollkommen abgeredeten Sache, Wachtposten ausgestellt, und auf ein Zeichen derselben, nach welcher Richtung hin sich der Gefürchtete wandte, hielten die Flüchtigen ihren Cours.

Der Alte schüttelte mit dem Kopf und meinte, »das Ausreißen vor dem Commissär gefiele ihm gar nicht, und zwar nicht etwa der Sache selber, sondern des Goldes wegen, denn der Platz könne doch am Ende nicht so entsetzlich reich sein, wie es die Zeitungen ausgeschrieen hätten; die Arbeiter würden ja in dem Fall gar nicht daran gedacht haben, wegen noch nicht einmal einer halben Unze wer weiß wie oft ihre Arbeit aufzugeben und dabei ihre Werkzeuge in die Berge hineinzuschleppen -- eine jedenfalls höchst unprofitable Sache.«

Während sie noch so mit einander sprachen, fand der Alte einen Bekannten von Bathurst, der hier in dieser Biegung des Flusses arbeitete und in der Zeit wenigstens, wie er sagte, sein Tagelohn gemacht hatte. Er konnte den beiden Männern allerdings keinen Platz angeben, wo sie Gold gewiß finden würden, aber er meinte, diese Biegung sei vielleicht so gut wie jede andere; und so beschlossen sie denn auch, da noch Platz genug war, mit ihren Sachen hier herüber zu kommen und morgen einmal einen Anfang in der Goldwäscherei zu machen.

4. Wie Jack zu arbeiten anfing, und wie er sich amüsirte.

An demselben Abend wurde der Wagen nach der Mündung von Oakeycreek hinausgefahren, dort abgeladen, das Zelt aufgeschlagen, ein halber Hammel von dem Fleischer geholt, Holz herbeigeschafft und ein Platz für die Kessel hergerichtet, kurz, alles gethan, was nur nöthig war, das Lager und ihren künftigen Wohnort so behaglich als möglich zu machen. Beide Männer wollten sich auch nicht dem Fortlaufen vor dem Commissär preisgeben, und beschlossen schon am nächsten Morgen ihre Licenz auszunehmen.

Die Gegend, in der sie lagerten, war allerdings nicht viel besser als alle australischen Gegenden sind, deren monotoner Charakter den Wanderer mit der Zeit förmlich niederdrückt. Nichtsdestoweniger gab das rege Leben der rings umher Lagernden selbst den trostlosen Gumbäumen etwas Freundliches, und das Thal des Turon selber bot durch seinen schmalen Streifen dunkelschattiger Casuarinen doch wenigstens einige Abwechslung. Der Baumwuchs an den Bergen war übrigens spärlich; besonders schlecht zeigte es sich aber mit Gras für das Vieh bestellt, und der Alte von Bathurst, dessen Name Hall war, verkaufte auch schon zwei Tage später sein ganzes Geschirr, mit Ochsen und Wagen zu einem ziemlich mäßigen Preis, um nicht unaufhörliche Last und Mühe mit dem Vieh zu haben, und es am Ende doch noch zu verlieren.

Am nächsten Morgen zahlten sie ihre Licenz, suchten sich einen Platz aus und fingen an abzudecken; d. h. sie warfen die obere Erde ab, um zu dem mehr goldhaltigeren Grund dicht auf dem Felsen zu kommen. Indessen versuchten sie schon dann und wann einmal ein paar Pfannen voll, um zu sehen, ob sich schon Gold zeigte, und fanden auch fast in jeder ein paar Körnchen Gold, im Ganzen aber noch zu wenig, das Waschen zu lohnen. Hall, der früher einmal ein paar Monate in Californien gewesen war, meinte, das müsse ein sehr gutes Zeichen sein, daß sie Gold schon so hoch oben fänden, denn das hätten sie in Californien nur an den reichsten Stellen getroffen.

Der Sonnabend ging übrigens auch mit dieser Arbeit vorüber, ohne daß sie zum Waschen gekommen wären; sie hatten aber doch schon mit regem Fleiß ein sechs Fuß tiefes, stattliches Loch gegraben, und hofften am Montag auf die Golderde hinunter zu kommen.

Sie waren fast die letzten, die am Sonnabend ihre Arbeit verließen; denn die schon dort eingewohnten Miner hörten Sonnabend Nachmittags gewöhnlich früh auf, um ihre Provisionseinkäufe zu besorgen, und ihre Zelte ein wenig herzurichten. Die Sonne war eben im Begriff unterzugehen, als sie, ihr Werkzeug in ihrer Grube lassend, langsam heimschlenderten und sich über die verschiedenen Gruppen freuten, denen sie begegneten, oder die sie überall vor den Zelten sitzen sahen. Fast vor allen Zelten brannten und loderten tüchtige Feuer, und brodelnde Pfannen und überlaufende Theekessel und Quarttöpfe bezeugten den vortrefflichen Appetit der Goldwäscher. So weit sie sehen konnten, zählten sie fünfzehn Menschen zu gleicher Zeit, die, jeder mit einem halben Hammel auf dem Rücken, ihrer einstweiligen Heimat zuzogen. Unter einem halben Hammel schien hier gar niemand Fleisch zu kaufen, daß auch überdies billig genug war, und nur vier Pence das Pfund galt. Die Köpfe, und Herz und Leber wollte dabei noch nicht einmal Einer umsonst, und sie wurden meist alle, mit den Eingeweiden, in die Grube, oder vielmehr auf den Haufen neben der Schlachtbank geworfen.

In den Storen herrschte besonders reges Leben, von denen ein deutscher Jude, Austin, den bedeutendsten am Oakeycreek hatte, und sehr gute Geschäfte machte.

Jewell, sein Geschäftsführer -- wahrscheinlich das etwas verdrehte Schmul -- schien alle Hände voll zu thun zu haben und lief herüber und hinüber in seinem Zelt. Als Jack vorbeiging, versicherte er eben ein paar Käufern, was er schon alles für die Goldwäscher hier oben gethan habe, und wie er, _für einen Freund_, im Stande sei alles aufzuopfern. Er war dabei ausgezeichneter Laune und sang sogar den Tact zu den Hammerschlägen, mit denen er das Quarz aus den ihm zum Handel angebotenen Stückchen Gold herausschlug. Es war eine herrliche Schabbesfeier für ihn, denn er nahm ungemein viel Gold ein.

Halls Zelt stand gar nicht weit von Austins, nur etwas tiefer nach dem Fluß zu hinunter. Austins Zelt war das höchste nach den hier niedrigen und offenen Hügeln zu.

Es war unter der Zeit dunkel geworden und die Lagerfeuer leuchteten roth und glühend in die sonst stockfinstere Nacht hinaus. Ueberall von den Bergen funkelten sie herüber, hie und da einzeln, wie sich die Laune der Goldwäscher ihren Lagerplatz gesucht, hie und da in dichten leuchtenden Gruppen, wo irgend ein günstig gelegener Platz vielen Zelten zu gleicher Zeit Raum, Holz und Wasser gestattete. Muntere Lieder tönten dabei von manchen Orten her durch die stille Nacht, und Hundegebell und Viehgeblöck. Und die hellen Zelte standen weiß und schimmernd, hie und da von der flackernden Flamme grell beleuchtet, dazwischen, und dunkle Schatten glitten daran hin und wieder, und an manchen Stellen, wo das Abendbrod schon vorüber war, wurden trockene Stücke Holz aufgeworfen, daß die glühenden Funken blitzend zum dunklen klappernden Laub der Gumbäume emporstieben, und hoch in die Nacht hineinwirbelten.

Da wurde der stille Frieden dieses Abends plötzlich durch einen rauhen und wilden Lärm unterbrochen. Das Toben schallte aus Austins Zelt herüber, und Jewells Stimme, die noch vor kaum einer halben Stunde so fröhlich geklungen hatte, heulte und wehklagte:

»Weh mir, weh mir, ich bin ein geschlagener Mann -- ich bin todt -- ich bin todt!«

Jack war einer der ersten mit, die sich oben am Platz einfanden, zu sehen, was für ein Unglück vorgefallen wäre -- die Sache wurde bald ruchbar. Irgend ein schlauer Dieb, wahrscheinlich mit anderen im Bunde, die Aufmerksamkeit der Verkäufer so lange im Innern zu fesseln, hatte hinten die Zeltwand aufgeschnitten und etwa 5 bis 600 Pfd. St. in Goldstaub, Silber und Banknoten entwendet; und dicht hinter dem Zelt lag der dunkle Hügel, über den hin der Dieb sich und seinen Raub wohl schon lange in Sicherheit gebracht.

Der arme Teufel von Jude raufte sich indessen die Haare, warf sich auf die Bündel wollener Decken nieder, die im Zelt lagen, und war in Verzweiflung -- er hielt sich mit dem Verlust des Goldes, das er sich nichtsdestoweniger rasch genug verdient hatte, für rettungslos verloren.

An den Zelten wurden an diesem Abend, in der ganzen Nachbarschaft herum, nichts wie Diebesgeschichten erzählt, und Jack, der geglaubt hatte, daß dieser Platz hier oben ein Muster von Ehrlichkeit sei, erstaunte, von so vielen Einbrüchen und Diebstählen zu hören -- er hatte das gar nicht für möglich gehalten. Er faßte auch den Entschluß, das nächstemal sein Werkzeug Abends mit nach Hause zu bringen, und lieber einen Stock mit einem Zettel in die Grube zu stellen.

Am nächsten Tag war Sonntag, und die Leute gingen alle gar sauber in rothen oder blauen Hemden und mit reingewaschenen Hosen und Filzhüten einher. Es herrschte ein ruhiger und stiller des Sabbaths würdiger Ton, und Hall meinte, es komme dies besonders daher, daß die Regierung keine einzige Licenz für den Branntweinverkauf in den Minen ausgegeben habe, und die Goldwäscher überhaupt einstimmig dagegen seien, daß spirituöse Getränke in die Berge hinaufgeschafft oder wenigstens verkauft würden. Oeffentliche Spieler wurden eben so wenig geduldet, jedenfalls ein Segen für die Minen, und ein paar, die den Versuch gemacht hatten, damit anzufangen, waren schnell eines besseren belehrt worden.