Inferno; Legenden

Part 14

Chapter 143,656 wordsPublic domain

Also scheint es eine allgemeine Erweckung zu sein, die durch die Welt geht, und ich brauche nicht zu verbergen, wie es mir geht.

--Sag mir, alter Junge, kannst du nachts schlafen?

-Nicht gerade viel! Siehst du, wenn ich wach liege, kommt mein ganzes verflossenes Leben und passiert Revue; alle Dummheiten, die ich begangen habe, alle Leiden und alles Unglück zieht vorbei, aber vor allem die Dummheiten. Und wenn die Reihe zu Ende ist, beginnt sie wieder von neuem!

--Auch du also!

--Auch?

--Ja! Das ist die Krankheit der Zeit! Man nennt das Gottes Mühle!

Bei dem Worte Gott grinst er und erwidert:

--Ja, es ist eine komische Zeit, in der wir leben; die verkehrte Welt.

--Oder der Wiedereintritt der Mächte!

Die Weihnachtstage sind zu Ende. Meine Tischgesellschaft hat sich infolge der Ferien in die Umgebung von Lund zerstreut. Da kommt eines Morgens mein Freund, der Arzt, mein Psychiater, und zeigt mir ein Schreiben, in dem uns unser Freund der Dichter in sein Elternhaus, ein Gut wenige Meilen von der Stadt, einladet.

Ich weigere mich mit hinauszufahren, da ich Reisen verabscheue.

--Aber er fühlt sich unglücklich.

--Was ist ihm denn?

--Schlaflosigkeit; du weisst, er hat wieder gekneipt....

Ich schütze eine dringende Arbeit vor, und die Frage bleibt unentschieden. Am Nachmittag berichtet ein neues Schreiben, dass der Dichter krank ist und um den ärztlichen Rat seines Freundes bittet.

--Wie ist es jetzt mit ihm?

--Er ist nervös, Neurastheniker, und glaubt sich verfolgt....

--Von Dämonen?

--Nicht gerade, aber jedenfalls....

In einem Anfall von Galgenhumor, hervorgerufen, durch das Gefühl, Genossen im Unglück zu haben, lasse ich mich bestimmen, mitzufahren.

--Nun, dann machen wir uns auf den Weg; du besorgst die Medizin und ich treibe den Teufel aus.

Übrigens denke ich diese Lustfahrt mit meinen Ausflügen zu kombinieren, die ich mache, um Schonen zu studieren.

Als die Sache abgemacht ist, packe ich meine Reisetasche; wie ich die Hoteltreppe hinuntergehe, werde ich unvermutet von einer Frau angesprochen.

--Verzeihen Sie, sind Sie Doktor Norberg?

--Nein, das bin ich nicht, antworte ich nicht gerade zu höflich, da ich glaubte es mit einer Dirne zu tun zu haben.

--Können Sie mir sagen, wieviel die Uhr ist? Fuhr sie fort.

--Nein!

Und ich räume das Feld.

Wie wenig merkwürdig diese Szene auch war, die hinterliess doch einen beunruhigenden Eindruck bei mir.

Am Abend bleiben wir in einem Dorf, um dort die Nacht zuzubringen. Ich war gerade in mein Zimmer gekommen, eine Treppe hoch, und hatte mich etwas säubern können, als das gewöhnliche Geräusch sich über mir hören liess; man schleppt Möbel und macht Tanzschritte.

Dieses Mal begnüge ich mich nicht mit Verdacht, sondern klettre in Gesellschaft meines Kameraden die Bodentreppe hinaus, um mir Gewissheit zu verschaffen. Aber dort oben ist nichts Verdächtiges zu finden, da niemand über meinem Zimmer unter den Dachpfannen wohnt.

Nachdem wir die Nacht schlecht geschlafen haben, setzen wir die Fahrt fort und befinden uns einige Stunden später im Elternhaus des Dichters, der hier beinahe als ein verlorener Sohn religiöser Eltern, guter und redlicher Mensch, erscheint. Der Tag vergeht unter Spaziergängen in einer schönen Landschaft und unschuldigen Gesprächen. Der Abend senkt sich herab und bringt einen unbeschreiblichen Frieden in eine häusliche Umgebung, in der der Arzt und ich uns gänzlich verloren vorkommen, er noch mehr als ich, da er Atheist ist.

Spät am Abend ziehen wir uns in das Zimmer zurück, das dem Doktor und mir angewiesen ist. Als ich etwas zu lesen suche, bekomme ich die "Magie des Mittelalters" von Viktor Rydberg in die Hand. Immer dieser Schriftsteller, dem ich ausgewichen bin, so lange er lebte, und der mich nach seinem Tod verfolgt!

Ich blättere in dem Buche, und der Blick heftet sich auf die Stelle über Incubi und Succubi. Der Verfasser glaubt an so etwas nicht und zieht den Teufelsglauben ins Lächerliche.

Aber ich kann nicht lachen; die Lektüre erregt bei mir Anstoss, und ich beruhige mich bei dem Gedanken, das der Verfasser jetzt seine Ansicht geändert haben dürfte!

Indessen ist das Lesen solcher unheimlichen und magischen Dinge nicht geeignet, Schlaf hervorzurufen, und eine gewisse Unruhe in den Nerven macht sich vernehmbar. Deshalb wird der Vorschlag, zusammen nach dem Bequemlichkeitshäuschen zu gehen, angenommen als eine heilsame Zerstreuung und eine hygienische Einleitung für die Nacht, vor der ich Furcht habe.

Mit einer Laterne versehen, streben wir über den Hof, wo bei einem wolkigen Himmel die Skelette der bereiften Bäume unter der neckischen und launenhaften Windsbraut krachen.

--Ich glaube, ihr fürchtet euch vor eurem eigenen Schatten, lacht der Arzt verächtlich.

Keiner antwortet, denn die Windstösse versuchen uns auf eine ganz persönliche Weise umzuwerfen, stellen uns ein Bein, reissen uns am Haar, heben den Rockschoss auf.

Angekommen an Ort und Stelle, die neben dem Stall und unter dem Heuboden lag, werden wir von einem Lärm über unsern Köpfen begrüsst und--seltsam--es ist genau das Geräusch, das mich seit einem halben Jahr verfolgt.

--Horch! Hört ihr etwas?

--Ja, es sind Leute oben, die dem Vieh Futter geben! antwortet der Dichter.

Ich will die Tatsache nicht leugnen, warum aber gerade in dem Augenblick, da ich eintrete? Und wie kommt es, dass das Unwesen überall dieselben akustischen Formen annimmt? Es muss unbedingt jemand sein, ein Unsichtbarer, der diese Katzenmusik für mich anstellt; es ist keine Gehörshalluzination, da die anderen dieselbe physische Wahrnehmung haben wie ich.

Als wir ins Schlafzimmer zurückgekommen sind, wird dennoch nichts aus der Ruhe. Der Dichter, der sich den ganzen Tag ruhig verhalten hat, dem die Eltern ein Bodenzimmer zum Schlafen angewiesen haben, macht den Anfang damit, unruhig auszusehen, und gesteht schliesslich ein, dass er sich nicht getraut allein zu schlafen, weil der Alp ihn reite.

Ich trete ihm mein Lager ab und darf statt dessen über einen grossen Saal nebenan verfügen, der mit einem ungeheuren Bett versehen ist.

Der ungeheizte Saal, ohne Rouleaux und fast unmöbliert, lastet auf meinem Gemüt mit einem Unbehagen, das beständig durch die Feuchtkühle vermehrt wird.

Um mich zu zerstreuen, suche ich nach Büchern und finde auf einem kleinen Tisch die Bibel mit Gustae Dores Illustrationen sowie eine Sammlung Andachtsbücher. Da erinnere ich mich, dass ich in ein religiöses Haus eingedrungen bin, dass ich der Freund des verlorenen Sohnes und ein Verführer der Jugend bin. Welche demütigende Rolle für einen achtundvierzigjährigen Mann. Wie erniedrigend!

Und ich verstehe das Leiden des jungen Mannes, der zwischen tugendhafte und fromme Menschen eingesperrt ist. Das muss dieselbe Pein sein wie für den Teufel, die Messe zu besuchen. Und um den Dämon mit dem Dämon zu vertreiben, bin ich hierher eingeladen; ich bin gekommen, um durch Befleckung diese reine Luft zum Einatmen möglich zu machen, da der junge Mann sie nicht ertragen kann.

Unter derartigen Gedanken bin ich zu Bett gegangen. Der heilige Schlaf war früher meine letzte und treueste Zuflucht, deren Erbarmen mir niemals mangelte. Jetzt hat der Tröster in der Nacht mich im Stich gelassen und das Dunkel erschreckt mich.

Die Lampe ist angezündet, und Stille herrscht nach dem Sturm. Da weckt ein unbekannter surrender Laut meine Aufmerksamkeit und reisst mich aus dem Halbschlaf. Und ich werde gewahr, wie oben im Saale ein Insekt hin und her fliegt. Was mich aber wundert, ist, dass ich die Art nicht kenne, obgleich ich in der Insektenkunde zu Hause bin und mir schmeichle, alle Zweiflügler in Schweden auswendig zu können. Und dies ist kein Schmetterling, kein Seidenspinner und auch keine Motte, es ist eine Fliege, schwarz, länglich, aber mit einem Tonfall ausgerüstet, der dem einer Gallwespe oder eines Nachtfalters gleicht. Ich stehe auf, um Jagd darauf zu machen; Fliegenjagd zu Ende Dezember! Sie macht sich unsichtbar.

Ich will wieder unters Laken kriechen und mich in meine Betrachtungen versenken.

Aber das fliegt das verdammte Tier unter dem Kopfkissenbezug hervor; nachdem es nun meinen Bett Ruhe und Wärme entlehnt hat, lenkt es seinen Flug kreuz und quer. Ich lasse das Geschöpf gewähren, sicher, dass ich es bald an der Lampe fange, wohin die Flamme es schon locken wird.

Dieser Augenblick lässt nicht auf sich warten, und sobald die Fliege innerhalb des Lampenschirmes gekommen ist, versengt ein Streichholz ihre Flügel so, dass der Friedensstörer seinen Totentanz aufführt und sich leblos auf den Rücken legt. Durch den Augenschein überzeuge ich mich davon, dass es ein unbekanntes zweiflügliges Insekt ist, keine zwei Zentimeter lang, schwarz mit zwei feuerroten Punkten auf den Flügeln.

Was war das? Ich weiss es nicht, aber am nächsten Tage gebe ich den andern Gelegenheit das Dasein der toten Fliege zu bestätigen.

-Eine Hexe! Wirft der Doktor hin.

-Die lebendig verbrannt worden ist!

Indessen, nach bewerkstelligtem Autodafé schlafe ich ein.

Mitten in der Nacht werde ich von Wimmern und Zähneklappern geweckt, das aus dem Zimmer nebenan tönt. Ich zünde ein Licht an und gehe hinein. Mein Freund, der Arzt, hat sich mit dem halben Körper aus dem Bett geworfen und windet sich, ein Raub schrecklicher Konvulsionen, den Mund weit geöffnet; er zeigt mit einem Wort alle Symptome der grossen Hysterie, wie sie in Charcots Abhandlung beschrieben sind, und zwar in einem Grade, dass er ein Bild von dem Stadium gibt, das Besessenheit genannt wird. Und er, ein Mann von hervorragender Intelligenz und gutem Herzen, nicht lasterhafter als andere, gut gewachsen, mit regelmässigen und angenehmen Gesichtszügen, ist nun so entstellt, dass er dem Bilde eines Teufels des Mittelalters gleicht.

Entsetzt wecke ich ihn auf.

--Hast du geträumt, alter Junge?

--Nein! Es war nur ein Anfall von Alpdrücken!

--Incubus!

--Ja, wahrhaftig! Es war jemand, der drückte mir die Lungen zusammen. Etwas im selben Stil wie ... "angina pectoris".

Ich reiche ihm ein Glas Milch; er zündet eine Zigarre an, und ich gehe in meinen Saal zurück.

Aber nun ist es für mich mit dem Schlafen vorbei. Was ich gesehen hatte, war zu furchtbar, und bis zum Morgen setzen meine Kameraden ihren Strauss mit dem Unsichtbaren fort.

Man trifft sich beim Frühstück, und die Geschehnisse der Nacht werden ins Lächerliche gezogen. Aber unser Wirt lacht nicht; welchen Umstand ich der religiösen Denkart zuschreibe, die ihm Achtung vor den verborgenen Mächten lehrt.

Die schiefe Stellung, in der ich mich befinde, zwischen den Alten, die ich billige, und den Jungen, die zu tadeln ich kein Recht habe, lässt mich auf die Abreise dringen.

Als wir vom Tisch aufstehen, bittet der Herr des Hauses, den Arzt um eine besondere Konsultation, und sie ziehen sich für eine halbe Stunde zurück.

--Was fehlt dem Alten?

--Er kann nicht schlafen! Nächtliche Herzaffektionen....

--Also er auch! Der gerechte und fromme Mann! Das ist also eine Epidemie, die keinen verschont.

Ich will nicht verhehlen, dass dieser Umstand mich aufrichtete, und gleich nahmen der Aufruhrgeist und die Zweifelsucht meine Seele wieder in Besitz. Die Dämonen herausfordern, den Unsichtbaren trotzen und zuletzt unterjochen! Das war die Losung, die ich mir gab, als ich diese gastfreie Familie verliess, um meine beabsichtigten Ausflüge in Schonen zu machen.

Am selben Abend in der Stadt Höganäs angelangt, nehme ich mein Abendessen im grossen Speisesaal des Hotels ein; dabei habe ich einen Zeitungsmann zur Gesellschaft. Sowie wir uns zu Tisch gesetzt haben, lässt sich das übliche Poltern über meinem Kopfe hören; und um mich gegen die Mangelhaftigkeit meiner eigenen Wahrnehmung zu sichern, lasse ich die Erscheinung von dem Zeitungsmann beschreiben; der bezeugt deren Wirklichkeit.

Als wir nach beendeter Mahlzeit hinausgingen, stand die unbekannte Frau, die mich vor der Abreise von Lund angesprochen hatte, ganz unbeweglich draussen vor dem Portal und liess mich und meinen Begleiter vorbeidefilieren.

Da vergesse ich die Dämonen und die Unsichtbaren und verfalle von neuem auf die Vermutung, dass ich von sichtbaren Feinden verfolgt bin. Aber im nächsten Augenblick widerlege ich diese Annahme, indem ich mich an meinen unvorhergesehenen Besuch beim Schuhmacher in Malmö erinnere; auch in jener Nacht, als wir nach dem Stallgebäude gingen, war unmöglich eine überlegte Intrige anzunehmen.

Die schrecklichen Zweifel sitzen fest und höhlen mir das Gehirn aus, erhitzen mein Blut und flössen mir Ekel vor dem Leben ein.

Doch die Nacht hat mir eine Überraschung vorbehalten, die mich mehr erschreckt als die letzten Tage zusammengenommen.

Ermüdet von der Reise gehe ich um elf Uhr zu Bett. Alles ist still im Hotel und kein Poltern vernehmbar. Mein Mut wächst, und ich falle in einen tiefen Schlaf, um nach einer halben Stunde von einem Lärm und Gepolter, das im Zimmer über dem meinen ist, geweckt zu werden. Es scheint mindestens eine Stiege junger Leute zu sein, die singen, auf den Boden stampfen, Stühle hin und her schieben.

Dies wilde Leben währt bis zum Morgen!

Warum ich nicht beim Wirt Klage führe? Weil es mir im Laufe meines Lebens nie gelungen ist, recht zu bekommen. Dazu geboren und vorherbestimmt, unrecht zu bekommen, habe ich aufgehört, mich zu beklagen.

Am Morgen setze ich meine Reise fort, um die Steinkohlegruben, bei Höganäs zu besehen. Im selben Augenblick, wie ich ins Wirtshaus eintrete, um ein Fuhrwerk zu bestellen, beginnt der gewöhnliche Hexensabbath oben. Unter einem Vorwand, ich erinnere mich jetzt nicht, welcher, steige ich eine Treppe hinauf. Ein grosser Saal, der leer ist, ist alles, was ich dort finde.

Da die Gruben nicht vor zwölf Uhr besehen werden dürfen, lasse ich mich nach einem Fischerort einige Meilen nördlich fahren, von wo die Aussicht über den Sund sehr berühmt ist.

Als der Wagen durch den Schlagbaum vor dem Dorfe fährt, fühle ich auf einmal meinen Brustkorb von hinten zusammengeklemmt, ganz als ob jemand mir seine Knie in den Rücken stemme, und die Illusion ist so vollständig, dass ich mich umwende, um den Feind, der hinten aufsitzt, in Augenschein zu nehmen.

Da erhebt ein Schock Krähen ein entsetzliches Geschrei und fliegt über den Kopf des Pferdes; das scheut, bäumt sich, spitzt die Ohren und schwitzt grosse Tropfen. Es kaut am Zaum, und der Fuhrmann muss abspringen, um das Tier zu beruhigen.

Ich frage, warum das Pferd so unvernünftig bange würde, aber die Antwort steht in dem Blick zu lesen, den der Fuhrmann auf die Krähen richtet, die gleich einer Wolke uns noch einige Minuten folgen. Es ist eine ganz natürliche Begebenheit, aber von schlimmer Art und nach dem Volksglauben ein schlechter Vorbote!

Nach zwei Stunden Wegs ohne Nutzen für meine Studien, weil ein Nebel die Aussicht über den Sund verschliesst, fahren wir in das Dorf Mölle hinein. Entschlossen, die Bergspitze von Kullen zu Fuss zu besteigen, verabschiede ich den Kutscher und lasse ihn im Wirtshaus meine Rückkehr abwarten.

Als ich die Bergwanderung beendigt habe, komme ich in das Dorf zurück und lenke meine Schritte nach der Gastwirtschaft. Aber mir fehlt die Ortskenntnis und ich suchen einen Einwohner, um mich hin zu fragen. Nicht ein lebendes Wesen ist zu sehen, weder auf den Strassen noch anderswo. Ich klopfe an die Türen; keine Antwort. Am Vormittag um elf Uhr in einem Dorf von zweihundert Einwohnern nicht ein Mann, nicht eine Frau, nicht ein Kind, nicht einmal ein Hund! Und der Kutscher, das Pferd, der Wagen wie weggeblasen. Ich irre in den Gassen umher und finde nach einer halben Stunde die Gastwirtschaft. Sicher, meinen Fuhrmann dort zu haben, bestelle ich Frühstück; nachdem ich gegessen habe, bitte ich es dem Kutscher anzusagen.

--Welchem Kutscher?

--Meinem!

--Ich habe keinen gesehen!

--Haben Sie nicht einen Wagen bemerkt, von einem rotbraunen Pferde gezogen und von einem dunklen Kutscher gefahren?

--Nein, das habe ich nicht.

--Und ich habe ihn doch hierher ins Wirtshaus bestellt.

--Dann sitzt er wohl im Ausspann nebenan.

Das Mädchen bezeichnet den Weg, und ich setze mich in Gang.

Doch, ich bin nicht imstande, den Krug zu finden, und ich gehe irre, so dass ich nicht wieder zurück nach meinem Wirtshaus finde. Und kein Mensch zu sehen! Da werde ich bange! Bange am hellen Tage! Dieses Dorf ist verhext!

Ich vermag mich nicht mehr zu rühren, sondern stehe, wo ich stehe, wie festgekettet. Was nützt das Suchen, da der Teufel einen Finger im Spiel hat?

Nach sieben Sorgen und acht Betrübnissen kommt endlich der Kutscher, und ich schäme mich, ihm meine Verdriesslichkeiten zu offenbaren oder ihm Erklärungen abzufordern, die nichts erklären.

Wir sind nach Högandäs zurückgefahren. Vor der Hoteltreppe fällt das Pferd plötzlich zur Erde, als habe jemand vor der Tür gestanden und es erschreckt.

Jetzt lasse ich mich über den Weg nach den Steinkohlengruben unterrichten; dieses Mal gewiss, mein Ziel nicht zu verfehlen, gehe ich zu Fuss die fünf Minuten Wegs, die man mir angewiesen hat. Ich gehe und gehe zehn Minuten, eine Viertelstunde, eine halbe Stunde, geradeaus aufs ebene Land, ohne eine Spur von Gebäuden oder Schornsteinen zu erblicken, die auf eine Grube hinweisen können. Die angebaute Ebene streckt sich in Unendlichkeit aus; nicht eine Hütte, niemand zum Fragen.

Das ist der Böse, der mir diesen boshaften Schabernack spielt! Und ich bleibe stehen wie festgeleimt, erblindet, ohne einen Schritt vorwärts oder rückwärts machen zu können.

Schliesslich kehre ich ins Dorf zurück, nehme ein Zimmer und ruhe mich auf einem Sofa aus.

Nach einer Viertelstunde werde ich aus meinen traurigen Gedanken durch ein Unwesen geweckt. Diesmal klopft man mit einem Hammer Nägel ein. Kleingläubig, was die Klopfgeister anbetrifft, schreibe ich die Erscheinung auf Rechnung böswilliger Leute oder eines mehr als gewöhnlich grossen Pechs. Ich klingele, bezahle was ich schuldig bin und begebe mich auf den Bahnhof.

Drei Stunden warten! Das ist viel, wenn man ungeduldig ist, aber es gibt keine Wahl. Als ich zwei Stunden auf einer Bank hingebracht habe, geht eine gutgekleidete und hübsche Frauensperson an mir vorbei, um in den Wartesaal erster Klasse einzutreten. In der Art dieser Dame sich zu bewegen und in ihrem ganzen Wesen lag etwas, das bei mir unbestimmte Erinnerungen weckte; neugierig, wie sie von vorn aussieht, bewache ich die Tür, um mir die Dame anzusehen, wenn sie wieder vorbeikommt. Nachdem ich lange gewartet habe, gehe ich in den Wartesaal hinein.

Niemand ist drinnen zu sehen; und keine andere Tür ist da; kein Toilettenzimmer. Und Doppelfenster setzen der Möglichkeit, auf andere Weise zu entkommen, ihr Halt entgegen.

Bin ich geblendet? Gibt es Menschen, die mit der Fähigkeit ausgerüstet sind, einem das Gesicht zu verkehren? Kann man sich unsichtbar machen? Das sind ungelöste Fragen, die mich zur Verzweiflung bringen. Bin ich verrückt? Nein, die Ärzte sagen, es sei nicht der Fall. Da kann man an Wunder glauben. Ich bin ein Verdammter, ich befinde mich in der Hölle, wenn man Swedenborg glauben darf, und die Mächte strafen mich, rastlos, unbarmherzig. Die Geister, die ich heraufbeschwöre, haben keine Lust, wieder in die Flasche zu kriechen, von der ich das Insiegel genommen habe.

Der Abend desselben Tages, in einem guten Hotel erster Klasse der Stadt Malmö. Ich gehe um zehn Uhr zu Bett. Um halb elf fängt man an im Korridor Holz zu spleissen, ohne dass jemand seine Unzufriedenheit darüber äussert; und zwar in einem kontinentalen Hotel voller Reisender. Danach wird getanzt! Später dreht man an einer Maschine mit Räderwerk ... Ich stehe auf, bezahle die Rechnung und beschliesse meine Reise die ganze Nacht fortzusetzen.

Mutterseelenallein draussen in der kalten Januarnacht, gehe ich und schleppe meine Reisetasche, ermüdet und erschöpft, unter einem pechschwarzen Himmel. Einen Augenblick halte ich es für das Beste, mich in den Schnee zu legen und zu sterben. Aber im nächsten Moment sammle ich meine Kräfte und biege in eine öde Hinterstrasse ein, wo ich ein anspruchsloses Hotel antreffe. Nachdem ich mich vergewissert habe, dass niemand mich auskundschaftet, schleiche ich durch das Tor hinein.

Ohne mich auszukleiden, strecke ich mich auf dem Bett aus, fest entschlossen, mich lieber töten als zum Aufstehen bringen zu lassen.

Totenstille herrscht im Hause und der liebliche Schlaf nähert sich. Da höre ich plötzlich, wie eine unsichtbare Tatze an der Papierbekleidung der Decke gerade über meinem Kopfe kratzt. Es kann keine Maus sein, da das lose gespannte Papier sich nicht bewegt; und übrigens ist es eine ziemlich grosse Tatze, wie von einem Hasen, einem Hund!

Bis zum Tagesgrauen erwarte ich, in Schweiss gebadet, die Klauen in meiner Haut zu fühlen, aber vergebens, denn selbst die Angst ist quälender als der Tod.

Warum ich nicht krank werde nach solchen Peinigungen?

Weil ich das Leiden bis auf die Hefe leeren muss, um das Gleichgewicht zwischen den begangenen Missetaten und der auferlegten Strafe wieder herzustellen. Und es ist wirklich merkwürdig, wie ich die Qualen auszuhalten vermag; ich verschlinge sie mit grimmiger Freude, um endlich ein Ende mit ihnen zu machen.

2.

Die Trostlosigkeit breitet sich aus.

Als Neujahr und die unzähligen Feiertage überstanden sind, finde ich mich eines Tages allein. Es ist, als ob ein Orkan dahergezogen wäre: alle sind zerstreut, fortgeblasen, schiffbrüchig. Mein Freund der Arzt ist als krank ins Lazarett aufgenommen. Tatsächlich hat er, von Trunksucht geschwächt, von Geldmangel bedrängt, von Schlaflosigkeit aufgerieben, schliesslich "Neurasthenie" bekommen. Das ist herzzerreissend; und statt ins Wirtshaus zu gehen, lenke ich nun meine Schritte ins Lazarett, um für eine Stunde Zwiegespräch und Gesellschaft zu suchen.

Im Café bin ich der einzige, der ein Glas trinkt, da drei von den Kameraden das Gelübde der Nüchternheit abgelegt haben. Der Dichter ist fortgereist. Der junge Ästhetiker, der Sohn des Professors der Ethik, ist ins Ausland geschickt, um von dem schlechten Umgang mit dem Verführer der Jugend (das bin ich!) loszukommen.

Ein Doktor der Philosophie hat sich das Bein gebrochen und liegt zu Bett. Gleichzeitig wird der junge Chemiker, der Bannerträger der Fortschrittsmänner, krank und muss auf Neurasthenie behandelt werden. Es ist Schlaflosigkeit, ein Anfall von Alpdrücken und Schwindel gewesen.

Alle diesen traurigen Umstände und andere haspeln sich im Laufe von anderthalb Monaten ab. Und was meine Lage unerträglich macht, ist, dass man mehr oder weniger direkt die Schuld auf mich schiebt. Ich bin der Böse selbst, ich habe den bösen Blick! Es ist nur gut, dass man über die Macht des bösen Willens und die heimlichen Finten des Okkultismus nichts weiss und den Gedanken daran verwirft, denn sonst würde man mich totschlagen.

Eine flache und trübe Stille hat sich über das geistige Leben an der Universität gebreitet. Nicht eine neue zeugungskräftige Idee, keine Gärung und Bewegung! Die Naturwissenschaften haben die transformistische Methode, die Fortschritt versprach, abgenutzt, und sie drohen nun an allgemeiner Schwäche zu sterben. Man diskutiert nicht mehr, weil man einig ist, dass die reformatorischen Bestrebungen eitel sind. Man hat so viele Illusionen stürzen sehen, und die grosse Befreiungsaktion ist jetzt in eine allgemeine Auflösung oder vielmehr Zersetzung übergegangen.