Im Morgenlicht. Kriegs-, Jagd- und Reise-Erlebnisse in Ostafrika

Part 18

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(Bald findet man eine Schramme an einem Baum, an einer Stelle, die nach Westen liegt; ist diese Wunde an der Haut des Baumes so frisch, daß man annehmen kann, die Nachmittagssonne des vorigen Tages habe nicht darauf geschienen, so wird man sie mit den Elefanten von heute in Verbindung bringen.) Andere wichtige Merkmale sind: der Zustand der Losung; Wassertropfen und Schlamm an Stellen, wo der Elefant durch einen Sumpf gegangen ist. Aus alledem geht hervor, daß der Jäger, wenn er eine Fährte beurteilen will, an die Witterung der letzten Tage denken muß und daß er die Veränderungen kennen muß, denen eine Fährte unterworfen ist.

Wenn man einer Fährte schon meilenweit gefolgt ist, kennt man sie meist schon genau an der Größe und Form der Fußabdrücke, an dem Schrank und der Entfernung der Tritte voneinander, so daß es dadurch wieder etwas leichter wird, Fehler zu vermeiden.

Je länger man einer Fährte folgt, um so stärker wird der Wunsch, Erfolg zu haben; es ist so, als ob man viel Kapital in eine Sache gesteckt hat und es nicht ganz verlieren will. Deshalb ist es sehr ärgerlich, wenn man nach fünf Stunden an eine Stelle kommt, wo die Fährten so undeutlich kreuz und quer gehen, daß niemand aus noch ein weiß.

So ging es uns heute, und mein Begleiter, der mir sagte, er kenne solche Sachen, wie ich sie hier machte, nur aus dem Lederstrumpf, glaubte nicht an den Erfolg und hatte längst den Mut verloren.

Als die exakte Methode (von dem letzten mit Sicherheit beobachteten Fußabdruck den folgenden zu suchen und keinen zu überspringen) zu keinem Resultat führte, ließ ich in größerer Entfernung suchen und da fanden wir die Fährte wieder.

Wir kamen aus der Schilfebene in hohen Buschwald mit hartem Boden. Die Fährten der großen, schweren Tiere waren hier wirklich kaum zu sehen; die Schalen einer kleinen Antilope drücken sich im Boden deutlicher ab, als die breiten, weichen Kissen[25], die der Elefant unter den Füßen trägt, und er geht damit so leise, daß man ihn kaum hört.

Auf unserm Wege erlebten wir noch einen Zwischenfall: Ich sah auf einem Baume einen Geier sitzen und schickte einen Neger hin, der nachsehen sollte, ob ein Stück Wild dort gefallen sei. Der Neger kam entsetzt zurück und führte uns zu der Leiche eines Mannes, der offenbar erst in der letzten Nacht getötet worden war. Die linke Brust war häßlich zerfleischt. Deutliche Fährtenabdrücke im Staube verrieten den Täter: einen starken Löwen.

Später erfuhren wir den Zusammenhang:

Der Löwe hatte den Neger in der Nacht aus einer Hütte geholt, die vier Kilometer von dem Platz entfernt war, an dem wir den Toten fanden.

Ein Bote benachrichtigte die Neger des Dorfes, die schon, bis an die Zähne bewaffnet, der Fährte des Löwen gefolgt waren, die Verfolgung aber aus Feigheit aufgegeben hatten und sich statt dessen an Pombe betranken.

[Sidenote: Bei den Elefanten.]

Wir folgten der Fährte der Elefanten weiter und kamen in ein Tal, in dem uns eine scharlachrote Blätterwand schon von weitem auffiel. In Deutschland ist der Herbst die Jahreszeit der bunten Blätter, in Afrika offenbar der Frühling, der Anfang der Regenzeit. Man denke sich die zarte, blutrote Farbe junger Eichentriebe von Baum zu Baum fortgesetzt auf eine weite Strecke hin; darunter das satte Grün junger Gräser: so war das Bild, das wir hier sahen.

Sieben und eine halbe Stunde waren wir unterwegs, als wir das rote Tal durchquerten und auf der anderen Seite plötzlich die Elefanten vor uns sahen. Der eine stand mit dem Kopf im dichten Laub eines Baumes, der andere außerhalb im Schatten.

In dieser Stellung lohnte es nicht, eine Aufnahme zu machen; deshalb wartete ich geduldig und verabredete mit meinem Begleiter, wie wir es anstellen wollten, heute eine Reihe guter Elefantenbilder zu machen.

Ich wollte ohne Gewehr an die Elefanten hinangehen, um zu photographieren, er sollte mit der Büchse bereitstehen, um im Notfalle zu schießen.

Wir setzten uns ganz gemütlich hin und frühstückten in der seltenen Nachbarschaft zweier Elefanten mit einer Ruhe, als hätten wir den Erfolg schon in der Tasche.

Endlich bewegten sich die Elefanten; der außerhalb des Baumes stehende drängte den anderen zur Seite. Nun hatten sie beide nicht in dem Laub des Baumes Platz und gingen weiter.

Da kamen sie in den Sonnenschein und blieben, wie schlaftrunken, schon an dem nächsten, hochstämmigen Baume stehen, der sehr wenig Schatten gab. Das war mir sehr willkommen.

Der Wind war gleichmäßig, so daß ich nicht zu fürchten brauchte, bemerkt zu werden.

[Sidenote: Photographische Aufnahmen.]

Ich ließ meine Büchse an einem Strauch stehen und schlich langsam mit der Kamera dem Elefanten näher. Als ich auf etwa fünfzehn Schritt hinan war, warf sich der rechtsstehende, größere Elefant plötzlich hin und begann laut zu schnarchen.

Diesen Augenblick völliger Unbefangenheit benutzte ich, um mich den Tieren auf acht Meter zu nähern; ich stellte die Entfernung an der Kamera ein und machte eine Aufnahme. (Abbildung Seite 251.) Von dem liegenden Elefanten sah ich nur die Wölbung des Leibes; ich hielt deshalb die Kamera hoch über den Kopf, um unter allen Umständen wenigstens eine Spur von dem Schläfer auf der Platte zu bekommen als Beweis, daß der Elefant auch in der Wildnis liegend schläft, wenn er sich sicher fühlt. Auf der Abbildung Seite 251 sieht man denn auch die Wölbung des Leibes und die Säulen die nach rechts liegen. (Der Elefant lag auf der rechten Seite; der Rüssel zu mir her. Dicht vor mir im Grase hörte ich das Schnauben zu meinen Füßen.)

Der stehende Elefant hielt Wache. Er schlug sich die Gehöre in gleichmäßigem Takt nach vorn über die Luser, um die Insekten zu verscheuchen und dem Rüssel Wind zuzufächeln. Mit dem Schwanz vertrieb er die Insekten hinten.

Auf dem Bilde sieht man die riesigen Gehöre, in denen dicke Blutadern laufen; unter dem linken „Ohrläppchen“ sieht der Elfenbeinzahn hervor. Die Hautfalten sind recht deutlich zu erkennen; dies, ebenso wie die unscharfen Gräser im Vordergrunde sind dem Kenner ein Anhalt dafür, zu beurteilen, wie nahe ich dem Elefanten war. (Seite 251.)

Nach einer Zeit von etwa zwanzig Minuten wandte sich der stehende Elefant dem liegenden zu und stieß ihn mit seinen Zähnen an. Darauf erhob sich der Schläfer und war noch nicht ganz hoch, als sich der andere schon träge fallen ließ und mit wahrer Wollust schnarchte.

Der große Elefant war so aufgestanden, daß er jetzt breit zu mir stand und es war jetzt ein Wagnis, ihm näher zu gehen, weil ich das Auge des Elefanten genau sah und unter dem Eindruck stand, als ob er mich auch sehen müsse; ich stand zehn Schritt von dem Elefanten, dessen Auge auf mich gerichtet war und redete mir ein, daß dies Auge blind sei.

Ich duckte mich nieder und kroch noch einmal zu Lauer zurück, um die belichteten Kassetten abzuliefern und genau zu verabreden, was Lauer tun sollte, wenn der Elefant mich plötzlich bemerkte.

Es waren Stunden, die verdienen, geschildert zu werden; denn so dreist mit dem riesigen Wild umzugehen, hieß für uns wenigstens mit Vorurteilen brechen, die sich aus allem, was wir bisher gehört hatten, bei uns eingeprägt hatten. Es hieß auf das eigene Geschick und auf die Dummheit[26] (oder Unaufmerksamkeit) der Elefanten bauen. Aber ein mächtiger Ehrgeiz trieb mich: Der Gedanke diese Bilder später zeigen zu können.

Der stehende Elefant faßte mit dem Rüssel Grasbüschel und schlug sich damit unter den Körper. Der Rüssel, die Gehöre, der Schwanz waren dauernd in Bewegung.

Der Elefant nahm mit dem Rüssel Erde auf und warf sie sich über den Rücken; dann legte er den Rüssel über den rechten Zahn und wickelte ihn sogar ganz herum.

Lauer und ich photographierten uns jetzt gegenseitig, mit der Büchse vor dem Elefanten stehend (siehe das dem Buch vorgeheftete Bild).

Es wird wohl das erstemal sein, daß ein Jäger vor einem afrikanischen Elefanten stehend photographiert wurde: daß Wild und Jäger auf derselben Platte gezeigt werden, während der Elefant nichts davon ahnt.

Als ich wieder dicht vor dem Elefanten stand, erhob sich plötzlich der zweite, kleinere, und reckte den Kopf und Rüssel hoch in die Luft, -- er gähnte --. Diese merkwürdige Stellung wollte ich festhalten, hob den Apparat schnell und knipste, kam aber einen Augenblick zu spät; denn wie die Abbildung Seite 261 zeigt, hat der Elefant im Moment der Aufnahme den Rüssel bereits nach hinten gelegt, und weil ich mit einem zu kurzen Ruck abknipste, ist das Bild ein wenig „verwackelt“.

Die Abbildung Seite 261 ist leider nicht ganz scharf. Die Gehöre des nächststehenden Elefanten sind in Bewegung. Das Auge ist zu erkennen, ebenso der linke Zahn. Von dem zweiten Elefanten, der sich gerade aufrichtet, sieht man nur den linken Zahn hoch oben in der Luft und den nach hinten gebogenen Rüssel.

Jetzt standen beide Elefanten Rücken an Rücken, wie die Abbildung Seite 263 zeigt.

Als ich meine zwölf Platten belichtet hatte, nahm ich die Büchse zur Hand, ging zur Sicherheit auf etwa dreißig Schritt zurück und wollte versuchen, wann die Elefanten auf mich aufmerksam würden, wenn ich mich absichtlich bemerkbar machte.

Wenn ich über den Wind gegangen wäre, hätten sie mich sofort gewittert; darüber war kein Zweifel. Auch war mir klar, daß der Elefant aufmerksam auf mich werden mußte, wenn ich heftige, schnelle Bewegungen gemacht hätte.

Wir standen beide vor einem kleinen Busch und fielen nicht allzusehr auf; dennoch ist es merkwürdig, wie spät uns die Elefanten bei den nun folgenden Versuchen wahrnahmen, wie lange es dauerte, bis sie mißtrauisch wurden.

Ich pfiff zuerst die Signale einiger Vögel.

Jedesmal hielt der uns zunächst stehende Elefant die Gehöre einen Augenblick still, setzte aber das Klappen fort, sobald ich verstummte.

Auch den Kehrreim des „Star“ von Oskar Straus hörte sich der Elefant mit stillstehenden Gehören an und beruhigte sich darüber.

Als ich das ganze Lied pfiff, drehte er sich halb um, auf mich zu.

Einen ganz geringen Verdacht, daß das Pfeifen von einem fremden Vogel herrühre, hatte er schon, und als ich ein anderes Lied anfing, wandte er mir den Kopf ganz zu, spreizte die Gehöre, hob den Rüssel hoch über den Kopf, wie um Wind zu suchen und stieß einen schwachen, trompetenden Ton aus. Dann drehte er sich um, und beide Elefanten gingen.

[Sidenote: Spaziergang hinter einem Elefanten.]

Nun lief ich hinterdrein und schrie laut, um die Elefanten zu reizen. Anfangs beschleunigten sie ihre Tritte, dann drehten sie sich um und prusteten unwillig. Sofort blieb ich stehen und war still, so daß die Elefanten wieder keinen Anhalt hatten, wo und wer ich war. Sie trabten so schnell davon, daß ich das Spiel aufgeben mußte.

Todmüde, aber sehr zufrieden mit dem Erfolg des Tages kamen wir erst gegen neun Uhr am Abend ins Lager.

Gewiß hatte ich mehr von meinen Bildern erwartet als ich einige Monate später auf den entwickelten Platten sah (ich entwickelte damals noch nicht selbst im Zelt); aber schon diese Bilder fanden großes Interesse; waren es doch die getreuesten Urkunden für das, was ich erlebt und gesehen hatte.

Zum Glück plagte mich damals noch keine Sorge, ob ich die wertvollen, kaum zu ersetzenden Aufnahmen auch heil bis dorthin bringen würde, wo die ersten fertigen Kopien dem Kamerajäger die Beruhigung geben, daß seine Trophäe für alle Zeiten gerettet ist; ich schlief fest und gut nach den Anstrengungen der Fährtenfolge.

Am nächsten Morgen lag dicker Nebel über dem Fluß und den weiten Schilfniederungen des Tals.

Ich war lange vor Sonnenaufgang unterwegs, um zu pirschen und kam in einen Wald von Mangobäumen, in dem es stark nach faulenden Mangofrüchten und nach Elefantenlosung roch.

Ein Neger ging vor mir, er wollte mich an eine Stelle führen, wo ein starker Buschbock sei.

Plötzlich bückte er sich, wandte sich um und sagte:

„_Eh! bana!_“

Er war mit dem Fuß gegen einen Berg Elefantenlosung gestoßen und hatte gefühlt, daß sie noch warm war.

Da ging ich ganz vorsichtig weiter und hörte plötzlich ein lautes Schütteln vor mir in den Bäumen; dann raschelten Dutzende von Früchten durch die Zweige und Blätter hernieder und klatschten auf den Boden: Affen oder Elefanten!

Ich blieb stehen. Das Schütteln wiederholte sich etwa alle fünf Minuten. Allmählich wurde es heller und ich sah unter den dunklen Bäumen, zwischen säulenartigen Stämmen einen großen Elefanten stehen.

Er ging auf einen starken Baum zu, hob den Kopf, nahm den Stamm zwischen die beiden langen, hellgelben Zähne, legte den Rüssel an dem Stamm entlang senkrecht nach oben und brachte den Baum durch Vor- und Zurückwiegen seines ungeheuren Körpers in Bewegung. Die Früchte prasselten nieder. Der Elefant ging mit kleinen, langsamen Schritten rund um den Baum, nahm mit dem Rüssel die Früchte einzeln auf und steckte sie in den Schlund.

Er wiegte sich gemütlich auf den Säulen[27] hin und her; die großen Ohren bewegten sich langsam, wie Segel, die bei Flaute an den Mast schlagen.

Er ging zum nächsten Baum und begann dasselbe Geschäft. Dann ging er weiter; ich folgte ihm, auf den Zehen laufend, mit geschultertem Gewehr wie eine Schildwache, so dicht, daß ich die Ausführung der bekannten Wette für möglich hielt, dem Elefanten unbemerkt einen Kreidestrich auf den Hinterschenkel zu machen!

Der Elefant ging zwischen hohem Gras auf einem ausgetretenen Wege. Ein kleiner Elefant kam „uns“ auf diesem Wege entgegen. Mein Vordermann blieb stehen, bis der andere mit ihm Kopf an Kopf stand und die Elfenbeinzähne zusammenklappten. Wohl dreißig Sekunden standen sie so, ohne daß einer Lust zeigte auszuweichen. Dann ging mein Elefant weiter und schob den kleinen rückwärts, bis er nach der Seite auswich und nun auf mich zukam.

Ich ging vom Wege ab und drückte mich seitlich in das Gras, war aber höchstens zwanzig Schritt weit gegangen, als ich mich niederducken mußte; denn der Elefant war schon zu nahe und ich glaubte, daß er mich sehen und hören müsse, wenn ich weiterging.

Der Elefant ging ganz ruhig auf dem Wege; aber als sein Rüssel über die Stelle schlenkerte, wo meine letzte Fährte war, schnaubte er und lief erschreckt nach der andern Seite. Dort verschwand er zwischen den Büschen.

Zum Glück hatte der andere Elefant nichts davon gemerkt.

Ich folgte ihm wieder und traf nach etwa einer Stunde mit zwei anderen Elefanten zusammen, die beide nur den rechten Zahn hatten.

[Sidenote: Rappantilope und Löwen.]

Da sah ich plötzlich den Kopf einer Rappantilope hundert Schritt von mir aus dem Grase herüberäugen. Ich hatte noch keine dieser schönen Antilopen geschossen, ließ sofort von dem Elefanten ab und gab der Rappantilope einen Schuß auf den Stich. Deutlich hörte ich den Kugelschlag und der Bock stürmte in rasender Flucht in das Schilf hinein. Ich wußte recht genau, wie er getroffen war und daß er nicht weit gehen würde, wollte aber die Schweißfährte doch erst nach einer Stunde aufnehmen, um den Bock nicht zu verlieren und pirschte deshalb weiter.

Ich hatte gerade die Kamera in der Hand, um einen merkwürdigen Termitenhügel zu photographieren und suchte nach einem günstigen Standpunkt im Schilf, als dicht vor mir ein Knurren ertönte und meine Begleiter gleichzeitig mit dem Schreckensruf „_simba_“[28] zurückstürzten. Ich sprang schnell auf den Termitenhügel zu, stieß die Kuppe ab und stellte mich mit der Kamera obendrauf, konnte aber den Löwen nur noch eben im Grase verschwinden sehen.

Da raschelte es hinter mir und ein zweiter Löwe suchte in dem dichten Grase das Weite.

Pech! hätte ich doch wenigstens schnell zur Büchse gegriffen, aber ich dachte wirklich, ich könnte eine Aufnahme machen!

Jetzt krabbelten mir die fleißigen Termiten an den Beinen hoch und zwackten mich und, um bei meinem Ärger Seelenruhe zu heucheln, betrachtete ich die Höhle, die sichtbar geworden war, weil die Kuppe des Hügels fehlte.

Wie aus einem Schlot stieg heiße Luft daraus hervor. Die kleinen, dickköpfigen Termiten, in deren Staatswesen Liebe und Arbeit so streng getrennt sind, kamen herauf und brachten aus der dunklen Tiefe neue Erde, um den Schaden auszubessern. Zwischen den Arbeitern standen, wie Schutzleute im Straßengewühl, Aufseher mit großen Kopfzangen, ermunterten die Ankömmlinge, wiesen ihnen die Richtung des Weges an und trieben Säumige, die ihren Baustein schon angeklebt hatten und sich an der frischen Luft verpusten wollten, zu beschleunigter Rückkehr an.

Ich zeigte meinen Leuten den „_Nyampara_“ (Aufseher) und die fleißigen Arbeiter -- nicht ohne ein Gefühl der Wehmut, daß auf unseren Plantagen die großen Zangen schon beinahe rudimentär geworden sind.

Ich war einer Büffelfährte gefolgt und dabei in die Nähe des Lagers gekommen, und hatte keine Lust, den Rappbock selbst zu suchen: deshalb schickte ich einige Askari und Neger hin. Die kamen gegen Abend wieder und sagten, der Bock sei nicht zu finden und setzten hinzu, ich hätte vorbeigeschossen.

Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen!

So mußte ich denn am nächsten Morgen selbst hinaus, erlegte ganz in der Frühe einen Riedbock und einen Buschbock und kam gegen acht Uhr an die Stelle, wo ich die Rappantilope geschossen hatte.

Da saßen auch schon Geier auf einem Baume und als ich näher kam, erhoben sich gegen vierzig dieser afrikanischen Totverweiser von einer Stelle, wo mein Bock lag; kaum hundert Meter vom Anschuß: die Neger waren doch einmal wieder überführt worden, daß ich niemand ausschickte, wenn ich nicht getroffen hatte, und daß sie unzuverlässig arbeiteten.

Der Bock war nur an den Lichtern, dem Geäse und an anderen leicht zugänglichen Stellen angefressen.[29]

Ich hatte jetzt drei sehr verschiedene Antilopen im Lager beisammen: den Buschbock,[30] den Riedbock[31] und die bunte Rappantilope.[32]

Die Rappantilope war besonders schön. Der Reichtum an verschiedenen Haarfarben, von schwarz über rotbraun bis weiß, war auffallend. Der Bug und Rücken waren schwarz; Hals, Kopf und Luserspitzen rot, die Luser innen weiß. Die Grundfarbe des Kopfes war schwarz, dazwischen liefen weiße und rote Linien. Der Hals und Rücken waren bis dreiviertel der Körperlänge von einer dunklen Mähne bedeckt.

Es gab auch Elefantenjagden, die gar nichts Besonderes boten: ein Schuß aus kurzer Entfernung; der plumpe Riese sinkt zusammen und, wenn er nicht allein war, laufen die übrigen davon.

[Sidenote: Die Poesie des afrikanischen Weidwerks.]

Über die Landschaft, den Himmel und die Umgebung, in der die Jagden stattfanden, könnte ein deutscher Jäger mit tiefer Empfindung schreiben; und es ist ein Wahn, zu glauben, dem afrikanischen Weidwerk fehle die Poesie. Was ist Poesie beim Weidwerk?

Poesie ist etwas rein Subjektives.

Der Mensch trägt es hinein in einen Gegenstand; dann ist es darin.

Dem Jäger ist das Wild untrennbar von der Umgebung, in der es lebt; dem deutschen Jäger der Rehbock untrennbar vom deutschen Wald. Da er das Ausland nicht kennt, sind für ihn ausländische Tiere nur Zoologika. Hinter Eisenstangen kennt er die großen Elefanten, die trägen Nashörner, die schlanken, großäugigen Giraffen, die plumpen Nilpferde und die vielen Antilopen, (die man unmöglich unterscheiden kann!) und die -- ein verächtliches Achselzucken -- schwarze Hornknüppel auf dem Kopfe tragen.

Anschauung fehlt. Und wer von afrikanischen oder indischen Jagden erzählt, darf nicht vergessen, erst die Natur zu schildern, in der das mächtige Leben sich harmonisch entwickelt. Sonst können sich seine Zuhörer nicht von dem Bilde der Menagerie losmachen; denn daher allein stammt ihre Anschauung.

Ist ihre Phantasie geschickt in die weiten Steppen hineingelockt, auf die steinigen Hügel oder in die großen Sümpfe, dann werden sie auch mit „regsamem Sinn den tiefen und mächtigen Eindruck empfinden, den die Fülle des Lebens erzeugt“;[33] dann werden sie fühlen, daß ein lebensfroher Mensch sich auch einer fremden Natur angliedern kann, als sei er in ihr groß geworden, dann wird der deutsche Jäger das Vorurteil aufgeben, die Liebe zum Wild beginne unter den deutschen Kiefern.

Nein: Weidwerk, genau wie es in der Heimat besteht, beginnt da, wo der Mensch anfängt, die Tiere zu kennen und ihre Gewohnheiten innerhalb der wundervollen Natur zu verstehen.

An afrikanischen Jagden interessiert das Publikum nur zweierlei:

Die Gefahr (deren Begriff sich in Verbindung mit dem Schwarzwild mühsam im deutschen Wald hält) und ungeheure Strecken (die doch nur zu rechtfertigen sind, wo sie der Jäger als Heger, als Züchter aufzeichnen kann, nicht aber in der Wildnis, wo das paradiesische Leben sich seit Urzeit selbst reguliert, wo jeder zu große Eingriff ein Raub ist und das Wildbret zwecklos verfault).

Eins war jedesmal groß: der Tod eines Elefanten.

Die letzte Bewegung geht durch den Riesenleib. Kurz danach stoße ich ihn mit dem Fuße an: eine träge, leblose Masse.

Ist es nicht das Herrlichste, was ich ihm nahm, das Wunderbarste: das Leben?

Unwiederbringlich!

Allein mit dem Toten.

Hier endet ein uraltes Leben, und weit sehe ich im Geiste die Reihe seiner Ahnen zurück.

[20] „Posten!“

„Ja?!“

„Was ist das für ein Lärm?!“ (Man beachte die Klangmalerei, die in dem Wort _kělḗlě_ liegt!)

„Elefant!“

[21] Ndofu = Elefant.

[22] „Er kommt.“

[23] Risassi = Patronen.

[24] Ein Zufall war es, daß die Zeitschrift, die ich zu solchen Zwecken zerschnitt, „Brücke zur Heimat“ hieß. Dies damals neue Blatt bekamen wir jedesmal in vier Exemplaren, und während ich einmal schnippelte, fiel mir ein, daß die Papierschnitzel recht gut eine „Brücke zur Heimat“ werden konnten, wenn ich mich auf ihrer Spur zu meinem Lager zurückfand und so vielleicht Hunger und Durst entging. Wir nannten die sinnreiche Einrichtung der Schnitzeljagd seitdem immer „Brücke zur Heimat“.

[25] Von zwei Meter Umfang!

[26] Welch plumper Ausdruck!

[27] So nennen die Afrikaner sehr schön die Beine des Elefanten, weil „Läufe“ dem Sprachgefühl zu zierlich und zu leicht klingt.

[28] _simba_ = Löwe.

[29] Verzeihung: angeschnitten.

[30] Siehe Bild Seite 175; 1.

[31] Seite 175; 3.

[32] Seite 265.

[33] A. v. Humboldt: Ansichten der Natur.

Nashornjagd.

[Sidenote: Nashörner.]

Als ich die Elefantenbilder gemacht hatte und gezeigt, daß sich ein sorgfältiger Pirschjäger dem afrikanischen Elefanten ebensogut mit der Kamera wie mit der Büchse nähern kann, fanden sich viele, die sagten: „Ja, aber das Nashorn, das sollten Sie mal vor die Büchse kriegen, da wird Ihnen anders!“

Und es würde mir wahrscheinlich heute noch geantwortet, daß die Hauptbeschäftigung des Nashorns sei, Menschen aufzuspießen, und daß ich mit diesem leibhaftigen Satan zusammenkommen müsse, um zu erfahren, wie einem Kulturmenschen zumute wird, wenn er einem Nashorn „in der Wildnis“ gegenübersteht: wenn ich nicht selbst Nashörnern gegenübergestanden hätte.

Berichte nervöser Männer sind an solcher Meinung schuld!

Ich freue mich deshalb, daß ich Nashörner geschossen, beobachtet und photographiert habe, und daß außer dem Gorilla, den ich selbst noch für den gefährlichsten Gegner eines Jägers halte, kein Tier der Fauna Afrikas übrig ist, auf das ich nicht gejagt habe und über dessen Verhalten ich nicht selbst in der kurzen mir zu Gebote stehenden Zeit Erfahrungen gesammelt habe.

Die Nashörner sind Pflanzenfresser und haben keinen Grund, dem Menschen nach dem Leben zu trachten, solange sie sich nicht belästigt und angegriffen fühlen.

Dann allerdings beginnt die Gefahr, für die jeder, der von Jugend auf dem Weidwerk huldigt und Soldat gewesen ist, doch wohl genügend gerüstet sein dürfte!