Im Morgenlicht. Kriegs-, Jagd- und Reise-Erlebnisse in Ostafrika
Part 17
Die Neger sprachen über den Elefanten und teilten sich mit, was sie von ihm wußten. „Der ißt keine Kürbisse mehr,“ sagte einer. „Aber sein Freund“ (_ndugu_), ein anderer. „Er schläft nie liegend,“ „er legt sich nie hin, weil er dann nicht wieder aufstehen kann.“ „Er legt die Zähne auf einen Baum, wenn er schlafen will; weil sie schwer sind.“
Sie betrachteten den Rüssel --, „damit greift er sich Mangos,“ „und trinkt Wasser,“ „und gräbt Löcher.“ Ich sah mir an, wie die Zähne herausgehauen wurden.
Der linke Zahn war kürzer als der rechte und trug an der Spitze Bruchstellen. Die Schwarzen nannten den linken Zahn „_gumbiro_“, den rechten „_lugori_“ und sagten, mit dem _gumbiro_ arbeite der Elefant, den _lugori_ hätte er bloß zum Schmuck; der sei sein Vermögen (_mali_).
Bei allen Elefanten, die ich geschossen und gesehen habe, war der linke Zahn kürzer als der rechte. Der linke war meist stärker und abgenutzt; der rechte endigte in einer langen, glatten Spitze. Oft war der linke Zahn sogar ganz abgebrochen.
Die Schwarzen schnitten mit ihren weichen, schlechten Messern die Haut und das Fleisch über den Knochenpartien ab, bis die großen Knochenwulste, in die die Zähne gebettet sind, zutage lagen. Dann wurde der Knochen mit Beilen abgesplittert. Die beiden Zähne saßen sehr fest; es forderte stundenlange Arbeit, sie zu lösen. Der obere Rand jedes Zahnes ist durch eine dünne Hautplatte abgeschlossen, unter der der große, rosarote Nerv liegt. Der ist gut anderthalb Fuß lang und geht nach unten spitz zu wie eine Rübe. Er füllt die Höhlung des Zahnes aus.
* * * * *
Eines morgens brach ich anderthalb Stunden vor Sonnenaufgang mit wenigen, besonders zuverlässigen Leuten auf, um Elefanten zu suchen, in einer Gegend, in der ich frische Fährten gesehen hatte.
Es war noch völlig dunkel, als wir in der Ferne ein Brechen hörten.
Das Geräusch entfernte sich langsam. Ich mußte warten, bis es hell wurde. Dann gingen wir suchend an Wassertümpeln entlang, in denen sich hohe Bäume spiegelten. Das erste Licht fiel zwischen Blätter und Gräser hinein. Skarabäen schwirrten in der Luft -- große Käfer, die dem Geruch der Elefantenlosung folgten. --
Plötzlich zeigte ein Neger seitwärts.
[Sidenote: Sieben Elefanten.]
Zwischen den Zweigen reckte sich der Rüssel eines Elefanten, einer mächtigen Schlange gleich, steil in die Luft.
Da kein Wind war, brauchte ich nicht lange zu überlegen, was ich tun sollte; ich ging einfach darauf los und erreichte eine Herde von sieben Elefanten, die zwischen den Büschen ästen und dabei langsam vorwärts gingen.
Die Elefanten gingen nur in schnellem Schritt. Trotzdem hatte ich Mühe, ihnen zu folgen.
Einmal waren links von mir vier, rechts zwei, und der stärkste, ein Bulle, blieb etwas zurück. Ich lief und wußte, da ich schießen wollte, keinen anderen Rat, als schräg von hinten an den stärksten Bullen hinanzulaufen und seine Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Es war ein Wagnis; denn ich kannte die Elefantenjagd noch kaum und hatte erst zum fünften Male Elefanten vor mir. Aber es war höchste Zeit, zu handeln; meine Kräfte ließen nach und ich fürchtete, durch das Laufen zu unruhig zu werden zu einem sichern Schuß.
Die Gräser wurden niedriger, die Büsche spärlicher und die Elefanten waren bis zu den Kniegelenken hinab zu sehen.
Nur noch dreißig Schritt trennten mich von dem Bullen, da wandte er sich zu mir um.
Sofort blieb ich stehen und schoß ihm zwei Schuß auf das Ohr; da beeilte sich der Elefant, der Herde zu folgen; er zeigte mir nur sein Hinterteil, so daß ich keinen wirksamen Schuß abgeben konnte, und ich schoß auf den linken Hinterfuß.
Die Herde verschwand schnell in dem hohen Grase.
Nun wartete ich auf meine Leute und nahm dann die Fährte auf. Ich hielt es für aussichtslos und war in recht gedrückter Stimmung; was nützten die kleinen Tropfen Schweiß, die hie und da an den Blättern gefunden wurden!
Wir kamen an einem hohen Baume vorbei und ich kletterte hinauf; da sah ich die Elefantenherde tausend Meter von mir entfernt im Schilf stehen.
In dem hohen Schilf hinanzugehen wäre ein bodenloser Leichtsinn gewesen, solange kein Wind wehte. Deshalb beschloß ich, auf den Nachmittagswind zu warten, der regelmäßig aus Osten wehte, und ging bis zu einem einzelnen, großen Baume, der in dem weiten Grasmeere stand, und von dem aus die Herde gut zu sehen war.
[Sidenote: Die Jagd mit der Leiter.]
Ich schickte Leute weg, die im Busch eine Leiter bauen sollten, und ließ mir Essen und die Kamera holen.
Mit der Leiter wollte ich im Schilf an die Herde hinangehen, weil es unmöglich und auch zu gefährlich war, sich der Herde zu ebener Erde zu nähern; man konnte in dem etwa drei Meter hohen, dichten Schilfgrase nicht fünf Schritt weit sehen.
Gegen drei Uhr am Nachmittag kam der Wind durch, auf den ich gewartet hatte.
Nun ging ich an die Herde hinan, um von der Leiter aus photographische Aufnahmen zu machen.
Zwei Neger hielten die Leiter, zwei andere lehnten starke Astgabeln dagegen; dann stieg ich hinauf und sah von oben über das Schilf hin nach den Elefanten aus.
Ich machte Aufnahmen auf hundertundzwanzig Meter. -- Der erfahrene Photograph wird wissen, daß fast nichts auf der Platte zu sehen war; nur ein paar kleine Pünktchen; die Entfernung war für eine Kamera ohne Fernobjektiv zu groß! --
Mit vieler Mühe machte ich den angeschossenen Elefanten aus. Ich erkannte ihn daran, daß er sich mit dem Greifer seines Rüssels oft nach den Schußstellen am Kopfe faßte. Die Herde stand in heißem Sonnenlicht. Zweimal schienen die gesunden Tiere Anstalten zu machen, weiter zu gehen (um Schatten zu suchen) kehrten aber jedesmal wieder zu dem kranken Elefanten zurück.
Alle klappten mit den großen Ohren, und manchmal hob sich ein gekrümmter Rüssel in die Luft, um zu winden. Auch warfen die Tiere sich glitzernden Sand über den Rücken, so daß ich dachte, sie ständen am Wasser.
Endlich ging ich ganz nahe an die Elefanten hinan, um den krank geschossenen Bullen zur Strecke zu bringen. Als wir in hohem Schilfe näher kamen, wuchsen die Schwierigkeiten; denn meine Neger, die die Leiter halten sollten, hörten das Prusten der Elefanten, das Klappen der Gehöre und das Kollern (das bekannte Geräusch, das man bei ruhenden Elefanten so oft vernimmt). Die Schwarzen wurden ängstlich, wollten nicht weiter mitkommen und ich mußte darauf gefaßt sein, daß sie, während ich oben auf der Leiter stand, bei Zeichen von Gefahr loslassen würden, und ich dann mit dem Gewehr ins Schilf fiele.
Ich ließ einige Neger auf die Leiter steigen, damit sie sich davon überzeugten, daß die Elefanten ganz ruhig aussahen und keine Gefahr zu ahnen schienen.
Wenn ich unten im Schilf stand und die Elefanten nicht sah, hatte ich allerdings selbst ein Gefühl von Unsicherheit.
Der kranke Elefant stand günstig und zeigte mir, als ich gegen den Wind näher ging, schräg von vorne die Fläche seines Kopfes.
Aber nach welcher Seite würde die Herde nach dem Schuß ausbrechen? Würden die Tiere in Wut kommen und mich suchen? Möglich war das nach den Schauergeschichten, die hier und da erzählt werden.
Ich stellte mich oben auf die Leiter und schoß.
Der Elefant blieb stehen; die übrigen stürmten davon. Nur mit Mühe brachte ich die Neger dazu, zu bleiben und meine Leiter festzuhalten. Aber die Leiter wackelte jetzt so, daß ich keinen ganz sicheren Schuß abgeben konnte; ich wurde hitzig und schoß abwechselnd auf den Kopf und die Schulter, weil die Schulter ein größeres Ziel bot.
Der Elefant blieb wie verzaubert stehen.
Auf den zweiunddreißigsten Schuß, einen Kopfschuß, brach er in die Knie zusammen.
Ich atmete auf: das war ja wie eine Warnung für später; wenn dieser Elefant nicht den Schuß in den Fuß gehabt hätte, wäre er mir dreißigmal verloren gegangen!
Er lag so da, daß er von vorne wie lebend aussah, wenn ich die großen Gehöre nach vorne drücken ließ; ich hätte ein sehr imposantes Bild machen können, wenn meine Platten nicht alle gewesen wären. Am nächsten Tage war ich dabei, als die Zähne ausgeschlagen wurden, und studierte den Kopf des Elefanten und die Wirkung meiner Schüsse.
Das Aushauen der Zähne war eine langwierige Arbeit, viel mühsamer als ich gedacht hatte. Die Haut, das Fleisch und die Knochenmassen um die Zähne mußten entfernt werden, und da immer nur wenige Leute gleichzeitig arbeiten konnten, dauerte es über vier Stunden, bis die Zähne zum Transport fertig dalagen.
Wenn der Neger einen Elefanten schießt, wartet er so lange, bis die Knochenhaut, die den Zahn umgibt, fault und die Zähne in den Alveolen locker werden, so daß er sie mühelos herausziehen kann. Darauf muß er beinahe vierzehn Tage warten, und wird sich dazu wohl bei dem erlegten Elefanten eine Hütte bauen, um seine kostbare Beute zu bewachen.
[Sidenote: Schlechte Schüsse; Enttäuschung.]
Nach der Erfahrung mit dem Elefanten, der erst auf den zweiunddreißigsten Schuß fiel, beschloß ich, die Elefantenjagd fortan zu unterlassen; entweder war ich unfähig oder mein Gewehrkaliber reichte für Elefanten nicht aus. Ich hatte keine Lust, Elefanten krank zu schießen und noch weniger, den Vorwurf bodenlosen Leichtsinns zu verdienen; denn Leichtsinn, nicht Mut ist es, wenn jemand sich in Gefahr begibt, ohne sich und seiner Waffe trauen zu können.
Einen Monat hindurch fehlte mir auch jede Zeit zur Jagd, dann aber hatte ich eine ganz unerwartete Begegnung mit einem Elefanten und lernte an einem Tage, wie es zu machen sei, einen Elefanten mit einem einzigen Stahlmantelgeschoß zu töten.
Ich ging mit zwei Boys auf einem Negerpfad, der in Schlangenlinien durch dichten Busch führte. Hie und da standen üppige Dumpalmen, und hohes Gras neigte sich von beiden Seiten in den Weg. Als wir um einen Palmstrauch bogen, stand plötzlich ein Elefant dicht vor uns. Die Boys liefen weg und auch mir blieb nichts anderes übrig, als zurückzuspringen.
Auch der Elefant war erschrocken, hob den Kopf, streckte den Rüssel geradeaus nach vorne und trottete in den Busch. Ich folgte ihm, stieg auf einen Baum, um nicht zuviel Zeit mit dem Suchen der Spur zu verlieren und sah den Elefanten, als er das jenseitige Ufer eines etwa vierhundert Meter breiten Sumpfes hinaufstieg und in die Büsche hineinging. Ohne Zögern sprang ich zu Boden und arbeitete mich durch den Sumpf, erreichte das jenseitige Ufer und stieg die Böschung hinauf: als der Elefant ganz unerwartet wieder vor mir stand. Der einzige Neger, der mit mir war, rief: „_anakuja_“[22] und lief davon. Ich war in einer schwierigen Lage; hinter mir der Sumpf, zehn Schritt vor mir der Elefant.
Schnell riß ich das Gewehr hoch und schoß auf den Kopf des Elefanten, repetierte und schoß den zweiten Schuß auf den Rüsselansatz, als der Rüssel schon dicht vor mir war; dann sprang ich schräg nach links an dem Elefanten vorbei, weil ich wußte, daß ich in dem Sumpf verloren gewesen wäre.
[Sidenote: Vom Elefanten verfolgt.]
Der Elefant war hinter mir, ich hörte die Tritte, sprang völlig aufs Geratewohl zur Seite und schoß den dritten Schuß auf den Kopf des Elefanten.
Ich sah über dem Grase nur den Rücken und den Kopf mit den gewaltigen Gehören. Wieder stand der Elefant, hob den Rüssel und stieß einen lauten Ton aus, der so klang, als wenn eine Straßenbahn sich schrill in einer Kurve scheuert.
Noch zwei Schuß in fieberhafter Schnelligkeit auf den Gehöreingang!
Patronen: Die Taschen sind leer! „Ali!“ „Ali!“ „Risassi!“[23]
Der Elefant ist wieder hinter mir.
Ich laufe. An einem Busch pralle ich mit Ali zusammen; der wirft den Patronengürtel hin; ich hebe den Gürtel auf, laufe, springe, reiße zwei Ladestreifen aus der Ledertasche, lasse den Gürtel wieder fallen, lade. Ich sehe den Elefanten auf Alis Spur und schieße fünfmal; da bleibt der Elefant stehen, dreht sich im Kreise, schlägt mit dem Rüssel in die Luft, trompetet in wilder Wut und fällt langsam auf die rechte Seite. --
Es ist kein Zweifel, daß dieser Elefant mich angenommen hat. Ich hatte ihn zweimal überrascht, und darüber war er ärgerlich; er mußte mich als seinen Verfolger erkennen, er war gereizt. Er hatte nach meinen ersten Schüssen zweimal die Richtung geändert, muß also wohl andere Absichten gehabt haben, als nur davonzulaufen.
Obgleich mir nicht Zeit blieb, an die Gefahr zu denken oder gar Furcht zu empfinden, kann ich doch eins als etwas Unangenehmes schildern: fortlaufen zu müssen, dem Gegner den Rücken zu kehren und das Geräusch seiner Tritte hinter sich zu hören.
Erhöht wurde die unangenehme Lage noch dadurch, daß man in dem hohen Grase stellenweise nicht sehen konnte, wohin der Elefant lief.
Nach einer Weile erschienen beide Boys wieder auf der Bildfläche. Wenige Schritte von der Stelle, an der der Elefant gefallen war, lag ein alter Elefantenschädel, und ich kam auf den glücklichen Einfall, diesen Schädel neben den Elefanten legen zu lassen, genau zu vergleichen und zu messen, um zu lernen, wohin und wie ich schießen müsse, um das Gehirn zu treffen.
Wer sich nämlich auf der grauen Fläche am Kopfe des Elefanten zurechtfinden will, muß den Schädel unter der Decke erkennen und das große Gebilde wie mit Röntgenstrahlen durchschauen. Das lernte ich an diesem Tage und übte mich in den fünf Stunden, die ich bei dem Elefanten und dem Schädel zubrachte, durch dauerndes Vergleichen so, daß ich aus jeder Richtung wußte, wieviel Knochen und Fleischmasse mein Geschoß zu durchschlagen hatte.
Ich ließ mir mein Skizzenbuch und Bleistifte holen und machte Zeichnungen des Elefantenschädels in allen verschiedenen Stellungen. Diese Mühe -- es war übrigens eine lehrreiche und nützliche Beschäftigung -- machte sich belohnt, und selten bin ich mit mir selbst zufriedener gewesen als an dem Tage, an dem ich den nächsten Elefanten anpirschte und auf fünfzehn Schritt mit einem einzigen Schuß tötete.
Mittlerweile kamen meine Träger und zwei ganz alte Männer, deren Brust- und Rückenhaut in vielen Falten auf dem Körper lag. Sie bauten sich eine kleine Hütte und blieben tagelang bei dem Elefanten, um Fleisch zu essen.
Wenn ich eitel wäre, müßte ich aufzeichnen, was Ali im Lager über meinen Mut erzählte, wie ich geschossen hätte, bis der Elefant mich beinahe faßte, wie ich immer wieder stehen geblieben sei um zu schießen. Das „_hakimbii_“ („er läuft nicht weg“) ging von Mund zu Mund, und mir konnte es nur recht sein, wenn die Neger daran glaubten; denn mit einem Feigling gehen sie weder auf die Jagd noch ins Gefecht.
Übrigens gewann Alis Schilderung noch bedeutend, als er dagegen vormachte, wie ein anderer Europäer vor Jahren auf eine Riesenentfernung auf Elefanten geschossen habe. Ali markierte den Europäer, ein andrer den Boy des Europäers. Der Europäer legte die Mündung des Gewehres auf die Schulter seines Boy, um sicher zu zielen und ging dabei immer rückwärts, wobei er ängstlich um sich blickte und fragte: „_Nipige? nipige?_“ (Soll ich schießen?)
So gewann ich also auf Kosten eines Unbekannten, der mir, wenn er dies lesen sollte, verzeihen möge, daß ich die Schwarzen gewähren ließ und nichts tat, um sein Ansehen wiederherzustellen.
* * * * *
[Sidenote: Elefanten durchqueren den Strom.]
Eines Tages kamen Leute und meldeten, zwei Elefanten seien gegen Morgen durch den Fluß gegangen und ständen jetzt nahe bei einem Dorfe im Busch.
Ich ließ ein Maultier satteln und machte mich auf den Weg, um zu sehen, was daran wahr sei.
Nach zwei Stunden erreichte ich die Stelle, wo die Elefanten den Strom verlassen hatten. Die Fährten waren deutlich; ringsum sah man, wo das Wasser von den großen Tierleibern herabgetropft war.
Es war kein Zweifel, daß die Tiere durch den Strom gekommen waren. Aber wie? geschwommen?
„Nein, der Elefant ist (zu) schwer,“ sagten die Neger und behaupteten, er sei ganz unter Wasser gewesen; nur das Rüsselende habe herausgesehen.
Ich füge nichts hinzu; es ist in jedem Falle merkwürdig, auch wenn es eine Lüge der Neger sein sollte.
Da die Neger sagten, die Elefanten ständen ganz in der Nähe, folgte ich der Fährte. Nach kurzer Zeit -- ich war noch gar nicht darauf gefaßt -- standen plötzlich beide Elefanten vor mir.
Sie hatten schlanke, dünne Zähne; es waren Kühe und ich hatte nicht die Absicht sie zu schießen -- wie ich überhaupt nie eine Elefantenkuh geschossen habe. --
Die Neger sagten mir in ihrer eigentümlichen Ausdrucksweise „_shauri yako, lakini mali_“. („Wie du willst; aber die Zähne sind sehr wertvoll!“)
Ich ging zum Strome zurück und ließ mir ein Boot holen, nahm eine Bastleine mit einem Stein, fuhr über den Fluß und lotete bis zu achtzehn Fuß Wassertiefe; der Wasserstand war in der Zeit schon ziemlich hoch.
Da die Elefanten etwa elf Fuß hoch waren, müssen sie entweder geschwommen sein oder, wie die Neger sagten, wirklich den Rüssel als Luftleitung hochgehalten haben. Leider habe ich selbst nie Elefanten im Strome gesehen.
Zu Fuß Elefanten zu folgen, ist eine anstrengende, oft vergebliche Mühe; (zu Pferde wäre es eine Kleinigkeit). Das merkte ich, als ich Elefanten photographieren wollte. Ich mußte dazu an die Plätze gehen, wo die Elefanten bestimmt nachts ästen. Dort blieben aber die Tiere bei Tage nicht, sondern zerstreuten sich in verschiedene, ganz unbestimmte Richtungen und ich mußte ihnen dann folgen, bis gutes Licht zum photographieren war.
Die ersten Aufnahmen -- die ich für die allerbesten zu halten Grund hatte -- mißlangen vollständig, weil ich noch nicht dreist genug war und jedesmal zu früh zur Büchse griff, wenn der Elefant mir gefährlich wurde.
So war ich eines Morgens einem Elefanten schon in der Dunkelheit gefolgt und ging hinter ihm her, um ihn zu photographieren, sobald es hell genug würde.
[Sidenote: Allein mit dem Riesen.]
Ich ging ganz alleine; hatte die Büchse in der Hand und die Kamera umgehängt.
Meine Leute hatten den Auftrag, mir erst nach Tagesanbruch zu folgen.
Ich wollte ganz alleine sein, weil ich dann von niemand gestört wurde und weil es für jemand, der seine Sinne zusammennimmt, bei Jagd auf gefährliches Wild wirklich das Sicherste ist, allein zu gehen; denn viele Leute, viele Fehler.
Damit aber die Neger meiner Fährte schnell und sicher folgen konnten, hatte ich mir die Taschen mit Papierschnitzel gefüllt, die ich von Zeit zu Zeit fallen ließ.[24] Diese Vorsichtsmaßregel war sehr wichtig, da ich auch die Gewohnheit hatte, Gegenstände, die mir lästig wurden, abzulegen und in der Fährte liegen zu lassen, damit meine Leute sie mitnähmen, und weil man einen Unfall haben kann, bei dem schnelle Hilfe nötig ist.
Der Elefant ging ganz langsam durch den Busch und kam in eine offene Ebene mit kurzem, saftigen Gras. Ich war meist nur vierzig Schritt hinter ihm.
Er blieb oft stehen und nahm mit dem Rüssel Gras auf. Dabei krümmte er das untere Ende des Rüssels wie eine Sichel, raffte die Halme zusammen, riß ein Bündel ab und steckte es in den Mund.
Über eine Stunde war es schon hell, da machte ich die erste Aufnahme (auf fünfzig Schritt, schräg von hinten).
Zum Glück ließ ich die Kassette auf der Erde liegen -- ich band ein Taschentuch daran, deckte Gras über die Kassette um sie vor Sonnenlicht zu schützen und ließ das Taschentuch darunter hervorsehen, damit die Neger, die meiner Fährte folgten, darauf aufmerksam würden.
So wurde diese Aufnahme wenigstens gerettet.
Ich hatte jetzt nur noch eine Doppelkassette (zwei unbelichtete Platten). Als der Elefant einen ganz sanften Abhang hinanstieg, lief ich nach rechts und photographierte ihn von der Seite.
Da sah ich einen anderen Elefanten von links kommen und blieb stehen, um zu beobachten, wann sich die Tiere gegenseitig bemerken würden. Als sie etwa vierzig Schritt voneinander entfernt waren, blieb der Elefant, dem ich folgte, stehen und wartete, bis der andere dicht vor ihm vorübergegangen war. Dann aber drehte er sich ganz ohne Veranlassung plötzlich um, so daß ich genau vor ihm stand, und spreizte beide Ohren. Ich hatte die große Ruhe, jetzt die Kamera zu heben, zu zielen und zu knipsen. Der Schlitzverschluß rollte auffallend laut; der Elefant hob den Rüssel und schnaubte.
Er hatte mich bemerkt.
Ich stand fünfundzwanzig Schritt vor ihm; was tun?
Ich ließ die Kamera ins Gras fallen, hob schnell die Büchse und schoß. Der Elefant brach vorne zusammen und rollte tot auf die Seite.
War es ein Gegner? War dies Aug in Auge mit dem Riesen ein Moment, in dem es sich um Leben oder Tod handelte?
Ich weiß es nicht; jedenfalls gehört es zu den seltensten Erlebnissen, auf Wurfweite in ganz freiem Terrain mit einem wilden Elefanten allein zu sein und von ihm bemerkt zu werden.
Leider ist die obenstehende Aufnahme die einzige von den dreien, die gelungen ist. Die beiden anderen, auf die ich mich monatelang freute, habe ich nie wieder gesehen und ich weiß nicht, wodurch die Platten verdorben sind; vielleicht wurden sie beschädigt, als ich die Kamera hinwarf.
Ein solcher Verlust ist sehr schwer zu vergessen; denn es gibt keine besseren Beweise für die Wahrheit von Jagderlebnissen, als Photographien, die in die Erlebnisse mitten hinein führen und einen Teil der Aufregung und Gefahr schildern. Photographien sind viel wertvollere Erinnerungen, als die Jagdtrophäen selber!
Leider fehlten mir oft Platten, so daß ich manche Gelegenheit, wertvolle Aufnahmen zu machen, vorübergehen lassen mußte.
[Sidenote: Pirschzeichen und Fährtenfolge.]
Eines Tages aber hatte ich sechs gefüllte Doppelkassetten und war in einer Gegend, in der Elefanten frisch zu spüren waren. Kurz vor Sonnenaufgang gingen zwei Elefanten nahe bei meinem Zelte vorbei. Schnell stand ich auf und bereitete alles vor, um zusammen mit Unteroffizier Lauer die Fährte aufzunehmen, sobald es hell würde.
Fünf Stunden lang folgten wir der Fährte in heißem Sonnenbrand, ohne auszuruhen. Je höher die Sonne stieg, um so schwieriger war es, das Alter der Fährte zu bestimmen, was notwendig war, weil oft andere, ältere Fährten dazwischen kamen, denen zu folgen natürlich zwecklos gewesen wäre.
Wenn ich zum Beispiel zwei Fährten vergleiche: Ich nehme an, die eine ist von gestern früh, die andere von heute nach Sonnenaufgang. Es ist Trockenzeit; kein Regen; aber nachts fällt Tau.
Dann ist die Fährte von gestern früh den ganzen Tag über von der Sonne beschienen worden; die Bruchstellen abgebrochener Blätter und Gräser sind dadurch getrocknet. Danach ist der Nachttau in die Fährte gefallen und hat alles gleichmäßig mit Feuchtigkeit benetzt.
Die Fährte von heute früh dagegen ist trocken, weil der Huf des Wildes die Tauschicht durchbrochen und den trockenen Sand von unten heraufgewühlt hat; abgerissene Blätter aber zeigen nasse, also frische Bruchstellen.
Das sind die Unterschiede zwischen zwei Fährten von verschiedenem Alter. Je höher aber die Sonne steigt, um so feiner werden diese Unterschiede; denn auch die heute früh abgebrochenen Blattstengel fangen an zu trocknen und der Tau verdunstet. Das macht dann oft viel Kopfzerbrechen. Aber es gibt für den aufmerksamen Fährtensucher auch dann noch viele Merkmale, mit deren Beschreibung ich den deutschen Jäger langweilen würde -- und meine übrigen Leser vielleicht noch mehr. --