Im Herzen von Asien. Erster Band.

Part 1

Chapter 12,664 wordsPublic domain

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Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand der 1919 erschienenen Buchausgabe so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht mehr gebräuchliche Schreibweisen, Schreibvarianten sowie fremdsprachliche Passagen bleiben gegenüber dem Original unverändert.

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Im Herzen von Asien.

Erster Band.

Im Herzen von Asien.

Zehntausend Kilometer auf unbekannten Pfaden.

Von

Sven v. Hedin.

Mit 341 einfarbigen und bunten Abbildungen und 5 Karten.

Autorisierte Ausgabe.

Vierte Auflage.

Erster Band.

Leipzig: F. A. Brockhaus. 1919.

Meinen deutschen Studiengenossen gewidmet.

Vorwort zur ersten Auflage.

Das Buch, das ich hiermit den Freunden der geographischen Forschung auf Gnade und Ungnade übergebe, widme ich in der deutschen Ausgabe aus treuer Anhänglichkeit meinen deutschen Studiengenossen.

Es ist meine erste und teuerste Pflicht, unter denjenigen, welche bei vielen vorhergehenden Gelegenheiten meine Pläne mit verständnisvollem Interesse und mit Wärme erfaßt haben, Sr. Majestät +König Oskar von Schweden und Norwegen+, der mit gewohnter Freigebigkeit meine Reise ermöglichte, meine aufrichtigste Dankbarkeit zu bezeugen.

Auch Sr. Majestät dem +Kaiser von Rußland+ bin ich zu großem Dank verpflichtet für die Unterstützung, die er die Gnade hatte mir zuteil werden zu lassen. Die Kosakeneskorte, die mir der Kaiser zur Verfügung stellte, war für mich von unschätzbarem Wert. Selten habe ich solche Treue und solchen Gehorsam gefunden wie in den Jahren, die ich mit diesen Kosaken zusammen verlebte. In Verbindung hiermit muß ich auch dem russischen Kriegsminister +General Kuropatkin+ dafür danken, daß er mir infolge seiner hohen Stellung die Reise in mehr als einer Beziehung erleichterte.

Sehr zu Dank verpflichtet bin ich allen +meinen Landsleuten+, die in freigebiger Weise einen ansehnlichen Teil der notwendigen Mittel zur Reise beisteuerten, während ich aus Eigenem das Honorar meiner früheren Reisebeschreibung für meine neuen Forschungen auf asiatischem Boden verwendete.

Mein Buch erhebt nur den Anspruch, ein in großen Zügen angelegtes Tagebuch meiner Erfahrungen und Erlebnisse im Herzen von Asien und eine Beschreibung jener Gebiete zu sein, die ich auf einer Wanderung von über 10000 Kilometern durchquert habe. Diese Länder sind vor mir noch nie besucht und noch weniger beschrieben worden und verdienen daher Aufmerksamkeit. Ich habe versucht, einen Begriff davon zu geben, wie man in der großen Einsamkeit Asiens lebt und wie die Tage dort vergehen. Durch Asien wandelt man nicht auf Rosen. Die Mühe findet jedoch ihren Lohn in dem Bewußtsein, das Wissen der Menschheit vergrößert zu haben. Die +wissenschaftlichen Resultate+ der Reise berühre ich in diesem Buche nur flüchtig, da sie einem besonderen Werke vorbehalten sind, dessen Herausgabe die Freigebigkeit des schwedischen Reichstags ermöglicht hat. Auf die hochverdienten Reisenden, die vor mir oder gleichzeitig mit mir Asien bereist haben, habe ich in meinem Werke selten Bezug genommen, um auf dem mir zur Verfügung stehenden Raume den Verlauf meiner eigenen Reise ausführlicher schildern zu können.

Die absoluten Höhen hat Herr ~Dr.~ +Nils Ekholm+ ausgerechnet. Die beigegebenen Karten können nur als vorläufige betrachtet werden. Mit Benutzung meines großen Kartenmaterials hat Hauptmann +Byström+ sie in sehr verdienstvoller Weise, die viele Mühe gekostet hat, ausgeführt. Schwedische Künstler haben durch naturgetreue, wohlgelungene Bilder zum Schmucke der Arbeit beigetragen. Allen diesen Herren sage ich meinen herzlichen Dank für ihre Mitarbeit.

Meine Mutter ist mir eine unermüdliche Korrekturleserin gewesen; sie hat meinen guten Namen vor vielen Schnitzern bewahrt!

Sven v. Hedin.

Inhalt des ersten Bandes.

Seite

+Vorwort+ VII-VIII

+Einleitung+ 1-7

+Erstes Kapitel.+ Über den ersten Paß des Kontinents 8-17

+Zweites Kapitel.+ Vorbereitungen zur Wüstenfahrt 18-24

+Drittes Kapitel.+ Die Schiffswerft in Lailik 25-35

+Viertes Kapitel.+ Zweitausend Kilometer auf dem Tarim 36-46

+Fünftes Kapitel.+ Der verzauberte Wald 47-58

+Sechstes Kapitel.+ Vierzig Kilometer zu Fuß 59-69

+Siebentes Kapitel.+ Friedliche Heiligengräber 70-80

+Achtes Kapitel.+ Der große, einsame Tarim 81-89

+Neuntes Kapitel.+ In schwindelnder Fahrt flußabwärts 90-100

+Zehntes Kapitel.+ Der Jumalak-darja auf dem Wege durch die Sandwüste 101-111

+Elftes Kapitel.+ Im Kampf mit dem Treibeise 112-125

+Zwölftes Kapitel.+ Wir frieren fest und gehen ins Winterquartier 126-138

+Dreizehntes Kapitel.+ Eine französische Visite 139-147

+Vierzehntes Kapitel.+ Ins Herz der Wüste Takla-makan 148-158

+Fünfzehntes Kapitel.+ Das endlose Wüstenmeer 159-173

+Sechzehntes Kapitel.+ Dreihundertvierzig Kilometer in 30 Grad Kälte 174-180

+Siebzehntes Kapitel.+ Zwischen vergessenen Gräbern und ausgetrockneten Flußbetten 181-192

+Achtzehntes Kapitel.+ Die Ankunft der burjatischen Kosaken in Turasallgan-ui 193-200

+Neunzehntes Kapitel.+ Der Kurruk-tag und der Kurruk-darja 201-213

+Zwanzigstes Kapitel.+ Das gelobte Land des wilden Kamels 214-224

+Einundzwanzigstes Kapitel.+ Der frühere See Lop-nor 225-236

+Zweiundzwanzigstes Kapitel.+ Fünfundzwanzig Tage im Kahn 237-251

+Dreiundzwanzigstes Kapitel.+ Gefährliche Wasserfahrten 252-265

+Vierundzwanzigstes Kapitel.+ Die letzte Reise der Fähre 266-277

+Fünfundzwanzigstes Kapitel.+ Poesie im innersten Asien 278-285

+Sechsundzwanzigstes Kapitel.+ Aufbruch nach Tibet 286-299

+Siebenundzwanzigstes Kapitel.+ Über den Tschimen-tag, Ara-tag und Kalta-alagan nach dem oberen Kum-köll 300-313

+Achtundzwanzigstes Kapitel.+ Fünftausend Meter über dem Meere 314-329

+Neunundzwanzigstes Kapitel.+ Eine lange Seefahrt 330-343

+Dreißigstes Kapitel.+ Über stürmische Seen und himmelhohe Berge 344-360

+Einunddreißigstes Kapitel.+ Aldats Tod 361-371

+Zweiunddreißigstes Kapitel.+ Ein trügerisches Feuer 372-380

+Dreiunddreißigstes Kapitel.+ Über sechs Pässe 381-396

Abbildungen.

Seite

Porträt des Verfassers (Titelbild)

1. Das englische Faltboot auf dem Panggong-tso in Westtibet. 2. Islam Bai. 3. Brücke oberhalb Gultscha 8

4. Meine erste Karawane 9

5. Meine Kamelkarawane. 6. Rast in der Oase Nagara-tschalldi 16

7. Oase Nagara-tschalldi 17

8. Durch die Furt des Kisil-su 24

9. Nikolai Fedorowitsch Petrowskij. 10. Die Kosaken Sirkin und Tschernoff 25

11. Ein Seiltänzer in Kaschgar 32

12. Aufbruch der ersten Karawane aus Kaschgar 33

13. Übergang über einen Kanalarm unterhalb Kaschgar 40

14. In der Wüste zwischen Terem und Lailik 41

15. Kurze Rast in der Wüste. 16. Das Zelt meiner Leute in Lailik. 17. Transport der Fähre nach dem rechten Flußufer 48

18. Bau der schwarzen Kajüte 49

19. Die Werft. 20. Tänzerinnen und Musikanten beim Abschiedsfest in Lailik. 21. Frauen und Kinder unserer Bootsleute auf dem Wege zur Fähre 56

22. Die Fähre aus dem Jarkent-darja 57

23. Der Verfasser an seinem Arbeitstisch an Bord der Fähre 64

24. Lager am Strand 65

25. Das Innere meines Zeltes auf der Fähre. 26. Hirtenhütte in der Nähe des Masar-tag. 27. Kasim beim Fischfang 72

28. Unser Lager bei Kurruk-aßte 73

29. Kasim mit seinem Fang. 30. Eingeborene am Ufer des Tarim. 31. Begräbnisplatz am Sai-tag 80

32. Der Jarkent-darja am Sai-tag. 33. Falkner mit Jagdadler. 34. Die Fähre an der Mündung des Aksu-darja 81

35. Landung an der Mündung des Aksu-darja 88

36. Unser Nachtlager bei Ala Kunglei Busrugvar 89

37. Kähne auf dem mittelsten Tarim. 38. Der See Koral-dungning-köll. 39. Der Jumalak-darja von Koral-dung aus gesehen 96

40. Besuch des Beks von Schah-jar in Tschimen 97

41. Frühstücksrast auf dem Jumalak-darja. 42. Rekognoszierender Kahn 104

43. Ördek und Palta als Lotsen 105

44. Drohender Schiffbruch 112

45. Kähne auf dem unteren Tarim. 46. Tokkus-kum. 47. Dorf Al-kattik-tschekke 113

48. Treibeis auf dem unteren Tarim. 49. Blick vom rechten Tarimufer flußaufwärts. 50. Die Fähre an der Mündung des Ugen-darja 120

51. Begrüßung Parpi Bais und Islam Bais 121

52. Kleine gebundene Dünen bei Karaul. 53. Verlassene Hütten am Seit-köll. 54. Unser Hauptquartier Tura-sallgan-ui 128

55. Winterquartier in Jangi-köll mit meinen Leuten 129

56. Zusammentreffen mit dem Franzosen Bonin 136

57. Bonin im Hauptquartier. 58. Parpi, Palta und Islam auf den äußersten Dünen des Sandmeeres am Jangi-köll 137

59. Sandsturm in der Wüste 144

60. Abstieg über den steilen Abfall einer Sanddüne 145

61. Das endlose Wüstenmeer 152

62. Karawane auf dem Astin-joll. 63. Hirtenhütten in Schudang. 64. Das alte Bett des Tschertschen-darja 153

65. Eine alte Tograk am Tschertschen-darja. 66. Auf dem Eise des Tschertschen-darja. 67. Am Ufer des Tschertschen-darja 160

68. Sattma in Araltschi. 69. Tränken der Pferde. 70. Schilfhütten in Scheitlar 161

71. Meine Kosaken Tschernoff, Sirkin und Schagdur. 72. Meine burjatischen Kosaken Tscherdon und Schagdur (mit tibetischer Jagdbeute) 168

73. Basch-tograk. 74. Tamariskendickicht. 75. Der Teich bei Kurbantschik 169

76. Tal zwischen Kurbantschik und Budschentu-bulak. 77. Tograk-bulak. 78. Ruine bei Jing-pen 176

79. Tschernoffs wildes Kamel. 80. Eines unserer zahmen Kamele 177

81. Eisschollen in der Oase Altimisch-bulak 184

82. Abdu Rehims Beute 185

83. Gebäude auf Tonsockeln. 84. Tschernoff und Abdu Rehim bei einem Tora in der Wüste. 85. Aufrechtstehender Türpfosten 192

86. Der Platz von Ördeks Entdeckung. 87. Einige von Ördeks Trophäen 193

88. Ein Tschappgan auf dem Kara-koschun. 89. Im Schilf unterhalb Kum-tschappgan 200

90. Nordufer des Sees Kara-koschun 201

91. Transport der Kähne über Land 208

92. Hütten bei Jekken-öi. 93. Flußmessung bei Schirge-tschappgan. 94. Brücke über den Ilek 209

95. Unsere Kähne auf dem Ilek. 96. Pappeln am Ufer des Ilek. 97. Im Schilfe auf dem Suji-sarik-köll 216

98. Unsere Kähne bei einem Nachtlager. 99. Brücke bei Tikkenlik. 100. Der Kalmak-ottogo-Arm 217

101. Jugend am Ufer des Tarim. 102. Malenki und Maltschik. 103. Dünen auf dem rechten Tarimufer 224

104. Gewaltige Sanddünen am rechten Tarimufer 225

105. Sandsturm auf dem Beglik-köll 232

106. Die Fähre sitzt auf dem Tuwadaku-köll im Schilfe fest. 107. Frauen und Kinder in Tscheggelik-ui. 108. Stall in Tscheggelik-ui 233

109. Die umgebaute Fähre 240

110. Der Bau der Pontonfähren. 111. Sattma in Abdall. 112. Die Pontonfähren auf dem Wege nach Abdall 241

+Bunte Tafel+. In brennendem Schilfe. Von Ljungdahl 244

113. Tokta Ahun und seine Mutter. 114. Tamarisken bei Tattlik-bulak 248

115. Frauen und Kinder der Loplik. 116. Das Gerüst meiner Jurte 249

117. Hauptquartier bei Mandarlik (Blick talabwärts) 256

118. Lager bei Mandarlik (Blick talabwärts). 119. Landschaft oberhalb von Mandarlik. 120. Hauptkamm des Tschimen-tag, oberhalb von Mandarlik 257

121. Aufbruch ins tibetische Hochgebirge 264

122. Zwei gefangene Kulanfüllen. 123. Die Kulanfüllen von vorn gesehen. 124. Ein Parallelkamm des Arka-tag, von Lager Nr. 19 aus gesehen. 125. Einige unserer Pferde im südlichen Quertale (3. August 1900) 265

126. Aussicht vom Passe nach Ost zu Nord (3. August 1900) 272

127. Aussicht vom Passe nach Norden (3. August 1900) 273

128. Rast der Karawane während Tscherdons Rekognoszierung (3. August 1900) 280

129. Auf der höchsten Bergkette der Erde 281

130. Allgemeines Trocknen an der Sonne 288

131. Gletschermassiv im Südwesten vom Lager Nr. 27 289

132. Aussicht nach Süden vom Lager Nr. 28 aus 296

133. Bugsierung eines Kamels über den Fluß. 134. Fester Boden unter den Füßen. 135. Ein glücklich über den Fluß gebrachtes Kamel 297

136. Salzsee bei Lager Nr. 35 (27. August 1900), Aussicht nach Nordosten 304

137. Salzsee bei Lager Nr. 35 (27. August 1900), Aussicht nach Südosten 305

138. Meine Jurte im Lager Nr. 35 (27. August 1900), Aussicht nach Norden 312

139. Der Fischberg. 140. Der Fischberg vom See aus 313

141. Blick vom See aus nach Westen. 142. Blick vom See aus nach Osten 320

143. In Todesgefahr 321

144. Lagerplatz im tibetischen Hochland. 145. Umbetten des kranken Aldat. 146. Ein im Schlamm versinkendes Kamel 328

147. Turdu Bai auf einem Berge in der Nähe des Lagers Nr. 54 329

148. Tscherdons Yak 336

149. Ein erbeuteter Yak. 150. Ein junger Kulan. 151. Kopf und Seitenfransen des Yaks 337

152. Blick nach Süden von Aldats Begräbnisplatz 344

153. Lager Nr. 60 in 5111 Meter Seehöhe 345

154. Unser Lager in Togri-sai am 8. Oktober. 155. Die Kamelkarawane. 156. Das Illwe-tschimen-Gebirge aus dem Tschimental 352

157. Obo beim Lager Nr. 71 im untern Togri-sai 353

158. Aus dem Hauptquartier in Temirlik 360

159. Das Hauptquartier bei Temirlik 361

160. Tscherdon und Schagdur mit ihrer Beute 368

161. Die Packpferde am Ufer des Ajag-kum-köll 369

162. Der Kalta-alagan von Süden (Lager am 15. und 16. November) 376

163. Der Kalta-alagan von Süden (Lager am 15. und 16. November) 377

164. Turdu Bai und Kutschuk mit dem zusammengelegten Faltboot 384

165. Der Verfasser im Faltboot auf dem Ajag-kum-köll 385 166. Islam Bai und Kutschuk stoßen vom Lande ab 392

167. Das nach dem Passe Gopur-alik hinaufführende Tal 393

Karten.

Höhenprofil der Reiseroute.

Tarim und Wüste Takla-makan. Maßstab 1 : 2000000.

Osttibet. Maßstab 1 : 2000000. Nebenkarte: Faksimile eines Originalblattes meiner Karte des Tarimflusses. Maßstab 1 : 35000.

Einleitung.

Am Johannistage des Jahres 1899, als der nordische Sommer in seiner größten Schönheit prangte, brach ich zum vierten Male von Stockholm nach dem Herzen von Asien auf, zu neuen Forschungen und Abenteuern im fernen Osten. Die Schiffe im Hafen waren reich mit Flaggen geschmückt, sie feierten das Johannisfest. Nur meine Eltern, Geschwister und nächsten Freunde standen am Ufer, als der Dampfer „Uleåborg“ langsam den Stockholmer Strom hinabglitt. Welche Schicksale und Entbehrungen ich auch während der folgenden drei Wanderjahre zu erdulden gehabt, ich habe keinen schwereren Tag erlebt als diesen ersten; denn eine weit größere Entschlossenheit als nachher täglich erforderlich ist, gehört dazu, sich von der Umgebung loszureißen, mit der man von Kindheit an durch die heiligsten Bande des Lebens verknüpft ist.

Auf dieser Reise führte ich viel schwereres Gepäck mit als auf meinen früheren; es wog nicht weniger als 1130 Kilogramm und war in 23 Kisten verteilt, von denen die meisten eigens so angefertigt waren, daß sie von einem Pferde bequem paarweise transportiert werden konnten. Meine Ausrüstung war auch jetzt sehr vollständig. Damit der Leser einen Begriff davon hat, wie man für eine Asienreise ausgerüstet sein muß, will ich hier die wichtigsten Gegenstände aufzählen.

Um mit den +astronomischen Instrumenten+ zu beginnen, so benutzte ich diesmal einen Universalreisetheodoliten und drei Chronometer. Diese Instrumente sind unter allen Umständen die empfindlichsten und erfordern die liebevollste Sorgfalt. Sie nahmen auf der Reise nicht den geringsten Schaden und kamen unversehrt wieder heim.

An +topographischen Instrumenten+ war ich versehen mit: Nivellierfernrohr mit Meßstangen und anderem Zubehör, Nivellierspiegel, Bandmaßen, Kompassen, Diopterkompaß mit Prisma zur Ablesung der Winkel, Meßtisch mit Stativ und Diopter.

Ich nahm auch zwei Strommesser mit, vorzügliche Apparate, die bei unzähligen Gelegenheiten gebraucht wurden und sich auch beim Rudern für Distanzmessungen erfolgreich verwenden ließen.

Die +meteorologische Ausrüstung+ bestand aus einem Hypsometer mit 5 Kochthermometern, einem Aspirationspsychrometer, ein paar Aktinometern, einem Anemometer, einem Regenmesser und einer großen Anzahl gewöhnlicher Thermometer, Quellenthermometer, Maximum- und Minimumthermometer, Thermometer zur Untersuchung der Bodentemperatur usw. Das Kgl. Nautisch-Meteorologische Institut in Stockholm hatte mir einen Tiefseethermometer überlassen. Einen Barographen und einen Thermographen mit vierzehntägigem Gang hatte ich eigens herstellen lassen. Diese selbstregistrierenden Apparate waren mir zur Kontrolle von unschätzbarem Nutzen und arbeiteten vortrefflich. Ein großer Vorteil war, daß ihre Glasgehäuse so dicht schlossen, daß weder Sandstürme, noch atmosphärischer Staub ihren Gang im geringsten beeinflußten.

Drei Aräometer ließen nichts zu wünschen übrig, als daß die Skalen den sehr salzigen Seen Tibets hätten besser angepaßt sein müssen.

Nicht weniger als 58 Brillen hatte ich bestellt. Sehr wenige von ihnen kamen wieder ganz nach Hause. Besonders die Schneebrillen, grau und blau in verschiedenen Nuancen und mit ungeschliffenen Gläsern, fanden bei meinen Karawanenleuten und anderen Eingeborenen reißenden Absatz.

Dieselben +Waffen+, die mich 1893-97 begleitet hatten, leisteten mir auch jetzt Dienste. Ich hatte sie als Geschenk von dem Direktor der Waffenfabrik zu Husqvarna erhalten, der jetzt so gütig war, mich mit vier weiteren schwedischen Offiziersrevolvern und einer Menge kleinerer Revolver, die hauptsächlich zu Geschenken an die Eingeborenen bestimmt waren, sowie mit reichhaltiger Munition auszurüsten. Da die vier Kosaken, die mir Seine Majestät der Zar auf die Reise mitgab, mit den neuen russischen Magazingewehren versehen waren, besaßen wir ein ziemlich starkes Arsenal, 10 Gewehre und wenigstens 20 Revolver.

Daneben wurden natürlich unzählige Sachen mitgenommen, die ich hier nicht aufzählen kann. Ein paar verdienen jedoch besonders erwähnt zu werden: ein zusammenlegbares Bett, das mir im Sommer die behaglichste Ruhe verschaffte; im Winter und in Tibet schlief ich auf der Erde. Mit großer Zufriedenheit denke ich auch an „~James’ Patent Folding Boat~“ zurück (Abb. 1). Es bestand aus zwei Hälften, die beim Gebrauche zusammengesetzt wurden und eine sehr leichte Last für ein Pferd ausmachten; sogar ein Mann allein konnte es tragen. Sein Zubehör bestand aus zwei Rudern mit Klammern, Mast und Segel und zwei Rettungsbojen. Dieses kleine Fahrzeug war nicht nur von großem Nutzen, sondern bereitete mir auch eine sehr angenehme Abwechslung in der Einförmigkeit des Karawanenlebens. Dank ihm konnte ich in den tibetischen Seen Lotungen vornehmen, was vorher nie geschehen war; auch während der Flußreise leistete es mir große Dienste. Es erweiterte mein Arbeitsfeld und trug mich über Seen, die ich sonst nur vom Ufer aus hätte ansehen können. Einmal setzte dieses leichte, flinke Fahrzeug die ganze Karawane über einen tibetischen Fluß, dessen Umgehung uns großen Zeitverlust verursacht hätte.