Hygiene des Geschlechtslebens

Part 6

Chapter 63,229 wordsPublic domain

Sehr vorsichtig muß man mit dem Beischlafe auch während der Schwangerschaft sein. Er darf nicht zu häufig und nie stürmisch ausgeführt werden. In den ersten Monaten der Schwangerschaft, namentlich bei Erstgeschwängerten, wird er am besten ganz unterlassen. Werden diese Vorschriften nicht beachtet, dann kommt es leicht zu Fehl- und Frühgeburt, durch die nicht allein das Kind verloren geht oder geschädigt wird, sondern auch die Frau dauernden Schaden nehmen kann.

Unbedingt verboten ist der Beischlaf während des Wochenbettes, wenn nicht die Frau, deren innere Geschlechtsteile arg verwundet sind, schwerer Gefahr ausgesetzt werden soll. Auch bei ganz normalem Verlaufe des Wochenbettes soll mindestens vier Wochen damit gewartet werden, und auch dann noch ist weise Beschränkung dringend anzuraten.

Mit Rücksicht auf die Frau wie auf das Kind wäre es eigentlich geboten, der Frau, die geboren hat, eine monatelange Schonzeit zu gewähren. Man muß auf das dringendste fordern, daß jede gesunde Mutter ihr Kind stillt, wenn möglich 8-9 Monate lang. Das Leben des Kindes im ersten Lebensjahre ist in hohem Grade gefährdet, wenn es nicht seine natürliche Nahrung erhält; und die üblen Folgen der künstlichen Fütterung scheinen auch noch in der späteren Lebenszeit nachzuwirken. Die Erfahrung lehrt aber, daß bei sexuell erregbaren Frauen durch Ausübung des Beischlafes, namentlich wenn er häufiger oder stürmisch unter größerer Aufregung erfolgt, die Milchabsonderung frühzeitig zum Stillstand kommen kann oder die Menstruation und damit zugleich die Befruchtungsfähigkeit trotz des Stillgeschäftes wieder eintritt. Für den Säugling wie für die Mutter ist es aber schädlich, wenn es bald zu einer neuen Schwangerschaft kommt; für den Säugling, weil dann die Milchabsonderung bald unzureichend wird und aufhört; für die Mutter, weil die Frauen durch allzu rasch aufeinanderfolgende Schwangerschaften überanstrengt werden, rasch verblühen und Neigung zu Krankheiten, insbesondere zu Tuberkulose, bekommen. Bei zu rascher Geburtenfolge werden auch meist schwächliche Kinder geboren. Rascher als etwa alle 2½ Jahre sollten die Schwangerschaften nicht aufeinanderfolgen, wenn die Frau bei voller Kraft und Gesundheit bleiben und einer kräftigen Nachkommenschaft das Leben schenken soll.

6. Kapitel.

Künstliche Verhinderung der Befruchtung.

Die Natur hat uns nicht allein das Verlangen nach Begattung eingepflanzt, sondern auch den Wunsch, Nachkommen zu erzeugen und großzuziehen. Bei der Frau, deren natürliche Lebensaufgabe es ist, Kinder zu tragen und zu gebären, pflegt dieser Wunsch von klein auf überaus lebhaft zu sein. Beim Manne pflegt er erst mit der Zahl der Jahre zu wachsen. Je älter der Kinderlose wird, je mehr seine persönliche Leistungfähigkeit abnimmt, um so mehr überkommt ihn ein Gefühl der Leere, der Entbehrung eines wichtigsten Lebensgutes und zugleich ein Gefühl seiner Überflüssigkeit in der Welt. Eine Ehe ohne Kinder hat ihren Hauptzweck verfehlt. Nur wer Vaterfreuden und Vaterleiden empfunden hat, hat voll ausgelebt, was das Dasein zu bieten vermag.

Ein Volk, dessen Angehörige nicht mehr die Tatkraft und den Lebensmut haben, die Last der Aufzucht von Kindern auf sich zu nehmen, dafür Opfer zu bringen, dafür etwas zu wagen, ein Staat, dessen Bürger die Zahl der Kinder aufs äußerste beschränken, nur um nicht zuviel Sorgen zu haben, nicht zu hart arbeiten zu müssen, um ein schlaffes Wohlleben führen oder um Besitz anhäufen zu können, sind dem Untergange geweiht. Für ein Volk von bequemen Rentnern oder von raffiniert genießenden Intellektuellen und Ästheten ist kein dauernder Platz auf der Erde. Nur derben Völkern, die nicht erst besonderer Reizmittel der Zivilisation und der Kunst bedürfen, um ihres Lebens froh zu werden, die sich kräftig vermehren und fröhlich im Gefühle des Gebrauches ihrer Kräfte für ihre Kinder sich rühren, gehört die Zukunft. Wenn wir Deutsche uns nicht kräftig vermehren, wird uns Rußland mit seiner Volksmasse binnen 100 Jahren erdrücken.

Mit Rücksicht darauf, daß ein erheblicher Bruchteil der Geborenen abstirbt, bevor das Alter der vollen Fortpflanzungsfähigkeit erreicht ist, daß nicht wenige, welche dieses Alter erreichen, doch zur Erzeugung gesunder Kinder untauglich sind, daß viele aus äußeren Gründen an der Eheschließung verhindert werden, müßte jede Ehe zwischen Gesunden heute +mindestens vier+ Kinder tragen, wenn das ganze Volk in gesundem Blühen erhalten werden soll. Die Überhandnahme der willkürlichen Einschränkung der Kinderzahl („Zweikindersystem“, Einkind-, Keinkindehen) muß daher die größte Besorgnis für die Zukunft des deutschen Volkes erwecken. Besonders verhängnisvoll ist die zunehmende Ehelosigkeit, Verspätung der Verehelichung, absichtliche Verhinderung der Befruchtung und unzulängliche Kindererzeugung bei den besser Begabten. (S. o.) Das Ein- und Zweikindersystem ist auch deshalb schädlich, weil sich statistisch herauszustellen scheint, daß das dritte und vierte Kind der Frau im Durchschnitt am kräftigsten und besten geraten. Nebenbei hat das Kleinhalten der Familie auch schlimme Folgen für die +Kultur+. Die Kinder in solchen kinderarmen Familien werden sehr häufig +verzogen+, zu anspruchsvollen, beständig auf ihr eigenes Wohlsein bedachten, eigensüchtigen Menschen gemacht. Das Aufziehen von ein oder zwei Kindern vermag die Frau nicht genügend zu beschäftigen. Schon in jungen Jahren, im Vollbesitze ihrer Kräfte hat sie keine ausfüllende Lebensaufgabe mehr und sucht dann -- nicht selten auf bedenklichsten Wegen -- Zerstreuung oder drängt sich in das Arbeitsgebiet des Mannes, auf dem sie in der Regel doch nur zu stümpern vermag. Sie schwärmt für „soziale Tätigkeit“, weil ihr die natürliche soziale Tätigkeit -- die wichtigste und wertvollste von allen! --, die Erfüllung des Mutterberufes, genommen oder verkümmert worden ist.

Es gilt, das +richtige Maß der Kindererzeugung+ zu treffen, denn blindlings darf die Vermehrung auch nicht vor sich gehen. Allerdings bietet vorläufig die Erde noch reichlich Raum für die Vermehrung der Menschheit im ganzen und kann ihr Ertrag an Nahrungsmitteln noch ums Mehrfache gesteigert werden. Wir dürfen auch hoffen, daß der Weltkrieg, der zu unserer Vernichtung führen sollte, uns einen solchen Zuwachs an Siedelungs- und Ackerland verschaffen wird, daß nicht so bald ein Mißverhältnis zwischen der Zahl der zu Nährenden und zu Pflegenden und der Menge der verfügbaren Nahrung, Wohnung und Kleidung entstehen kann. Der Krieg hat leider auch so stark unter den erwerbstätigen Männern aufgeräumt, daß es den Überlebenden nicht an reichlicher Gelegenheit zu lohnender Tätigkeit fehlen wird.

Bei jeder einzelnen Familie lassen sich aber darüber Erfahrungen machen, daß der Haushalt nur so lange gedeiht, als die Zahl der Kinder im richtigen Verhältnisse zur Größe des Einkommen und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Eltern steht, so daß die Kinder genügend ernährt, mit genügender Sorgfalt gewartet, beaufsichtigt und erzogen werden können, während zugleich jedes schädliche Übermaß darin ausgeschlossen bleibt. Sind der Nachkommen zu wenige, dann werden sie leicht verwöhnt, verzärtelt und verzogen; werden der Nachkommen zu viele, dann verkommt alles. Die Frau leidet physisch unter den ungeheuren Zumutungen, welche die gehäuften Schwangerschaften und Säugungen an ihren Körper stellen, und vermag um so weniger die sich stets vermehrende Last des Haushalts zu tragen; die angeborene Kraft und Gesundheit der Kinder nimmt im Mittel vom 8. bis 9. Kinde einer Mutter an merklich ab -- auch dann, wenn die Pausen zwischen den einzelnen Geburten lange genug waren --, und die schwächlichen und kränklichen, die um so größerer Sorgfalt bedürften, finden sie nicht mehr. Ordnung und Reinlichkeit sind nicht mehr aufrechtzuerhalten, die Familie verfällt und zerfällt; Krankheit und Laster räumen unter ihr auf.

Die Vernunft gebietet also, nicht mehr Kinder zu erzeugen, als man bei Arbeitslust und frischem Mut und bei einiger Gunst des Schicksals voraussichtlich ernähren und aufziehen können wird. Die Kindererzeugung muß in Schranken gehalten werden, wenn sich der Mensch von dem grausamen Zustande befreien will, der in der unvernünftigen Natur das Gleichgewicht erhält: Massentod neben Massenzeugung!

Es gibt noch andere Gründe, welche einzelne zwingen oder wenigstens zwingen sollten, auf die Erzeugung von Kindern vollständig oder zeitweise zu verzichten. Wir haben schon ausführlich von der Vererbung gesprochen, und wie in manchen Stämmen die erbliche Belastung, die Fehlerhaftigkeit des Keimplasmas derartig ist, daß keine Hoffnung auf Erzielung einer wenigstens ihrer Erscheinung nach (s. S. 31) gesunden Generation durch Kreuzung mit gesundem Stamme besteht; eine elende, kranke Nachkommenschaft mit Bestimmtheit oder großer Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist.

Aber auch wenn der Stamm ein guter ist, kann die Aussicht auf gesunde Nachkommenschaft schlecht sein wegen chronischer, zeitweise auch wegen akuter Krankheit der Frau oder des Mannes. Dann ist es ebenfalls Pflicht, sich der Zeugung zu enthalten. Daß die Schwangerschaften überhaupt nicht rasch aufeinanderfolgen dürfen, wenn die Güte der Kinder nicht leiden und das Selbststillen lange genug fortgesetzt werden soll, wurde schon oben erwähnt.

Ein Mann, welcher das 50. Lebensjahr überschritten hat, sollte, auch wenn er sich noch vollkommen gesund und rüstig fühlt, in der Regel keine Kinder mehr erzeugen, da die Kinder älterer Männer nicht selten schwächlich sind und da er kaum hoffen darf, so lange zu leben, bis die Kinder, erwerbsfähig geworden, seiner Unterstützung nicht mehr bedürfen.

In anderen Fällen verbietet sich eine neue Schwängerung, weil eine frühere Geburt Veränderungen im Geschlechtsapparate der Frau hinterlassen hat oder weil eine der so häufigen Frauenkrankheiten sie befallen hat, die eine neue Schwangerschaft, eine neue Entbindung zur Lebensgefahr machen.

Die Notwendigkeit, der Erzeugung von Kindern Schranken zu setzen, ist daher unbestreitbar, und mit dieser Forderung dürfte auch jeder ohne weiteres einverstanden sein. Weniger Neigung besteht aber zur Beschränkung im Geschlechtsgenusse. Man will die Erzeugung von Kindern vermeiden, aber auf den Geschlechtsgenuß nicht verzichten, und man wendet daher +künstliche Mittel+ an, um die Befruchtung zu verhindern. Wir müssen darüber hier sprechen, weil durchaus nicht alle diese Mittel so ganz harmlos sind, wie angepriesen wird. Wir müssen auch deshalb warnen, weil die meisten von ihnen den Zweck, dem sie dienen sollen, nur sehr unvollkommen erreichen.

Das älteste und am häufigsten angewandte Verfahren ist wohl der sog. +unterbrochene Beischlaf+ (_Coïtus interruptus_). Das Glied wird vor der Ejakulation aus der Scheide herausgezogen, so daß der Samen außerhalb der weiblichen Geschlechtsteile ergossen wird. Wird dies pünktlich vollzogen und die etwa mit Samen benetzte Außenseite der Geschlechtsteile und ihre Nachbarschaft alsbald gereinigt[E], dann ist selbstverständlich die Schwängerung vollständig ausgeschlossen. Aber die Ausführung stellt an die Aufmerksamkeit und Willenskraft des Mannes eine nicht geringe Zumutung. Der Mann darf sich nicht sorglos den Wollustgefühlen überlassen und findet daher auch nicht so leicht volle Befriedigung. Die Samenentleerung findet, wenn nicht zum Schlusse manuell nachgeholfen wird, nicht mit jener Kraft statt, die sie beim normalen Akte hat und die notwendig ist, um volle Lösung der nervösen Spannung und der Blutfüllung herbeizuführen. Der Widerstreit zwischen dem Triebe und dem bewußten Willen scheint bei manchen das Nervensystem stärker anzugreifen als die Aufregung des natürlichen Beischlafes, wenn sich auch ohne Zweifel die meisten an diese Art des Vollzuges des Beischlafes allmählich völlig gewöhnen.

Auch die Frau bleibt unbefriedigt, falls der Beischlaf unterbrochen wird, bevor bei ihr der Orgasmus eingetreten ist. Wie schädlich dies nach verschiedener Richtung werden kann, wurde schon früher hervorgehoben. Es wurde aber dort auch schon angedeutet, wie sich durch geeignete Vorbereitung erreichen läßt, daß der Gipfel der Wollustempfindung bei der Frau eintritt, bevor es beim Mann zur Ausspritzung des Samens kommt.

Ohne Zweifel wird der unterbrochene Beischlaf von sehr vielen jahrzehntelang fortgetrieben, ohne daß sie merklich Schaden nehmen. Aber früher oder später scheinen sich doch bei manchen Störungen einzustellen, und es gibt Menschen, die dadurch in einen krankhaften Zustand geraten. Als Wirkungen des unterbrochenen Beischlafes +können+ auftreten: beim Manne Neurasthenie in den mannigfaltigsten Formen, Störungen der Erektion und Ejakulation und damit rasche Abnahme der Potenz bis zum vorzeitigen, vollständigen Erlöschen der Fähigkeit, den Beischlaf auszuführen (s. o.), Nervenschmerzen in den Genitalien, Vergrößerung und Verhärtung der Vorsteherdrüse; bei der Frau ebenfalls Neurasthenie, dann chronische Blutüberfülle der inneren Geschlechtsteile, Lockerung der Aufhängebänder der Gebärmutter, Lageveränderungen der letzteren und im Gefolge davon Hysterie. Durch Enthaltsamkeit und entsprechende ärztliche Behandlung, namentlich durch passende Wasser- oder Luftkur, können übrigens viele von diesen Störungen wieder beseitigt werden, wenn sie noch nicht einen allzu hohen Grad erreicht haben.

Viel gesundheitsschädlicher als der _Coïtus interruptus_ dürfte die namentlich in England und Nordamerika vielfach geübte sogenannte „_Male Continence_“ („männliche Zurückhaltung“) sein, für welche in zahlreichen Schriften der Neo-Malthusianer Propaganda gemacht wird. Das Glied wird in die Scheide eingeführt und hier ruhig liegen gelassen, so daß es überhaupt nicht zur Ejakulation kommt. Hier wird also eine überaus starke geschlechtliche Erregung herbeigeführt und überlang aufrechterhalten, ohne daß die physiologisch erforderliche Entladung nachfolgt. Dies muß schädlich werden. In der Regel wird wohl die Befriedigung schließlich durch Masturbation erzielt werden, wenn auch davon nicht gesprochen wird.

Alle anderen Mittel zur Verhütung der Empfängnis sollen verhindern, daß der +innerhalb+ der Scheide entleerte Samen bis zum Ei gelangt. Hierher gehören einerseits der +Kondom+ (Präservativ), ein Überzug aus Gummi oder aus Fischblase, der vor dem Beischlafe über das Glied gezogen und an der Wurzel des Gliedes durch einen darübergezogenen Kautschukring festgehalten und in den dann der Samen ergossen wird, andererseits +Schwämmchen+, +Scheidenkugeln+ aus Fett oder Leim mit keimtötenden Stoffen, Kautschukringe mit darin ausgespannter Membran (das sog. _+Pessarium occlusivum+_), welche, vor dem Beischlafe in die Scheide eingeführt, dem Samen den Weg zur Gebärmutter versperren sollen, +Einblasung von pulverigen Spermatozoengiften+ in die Scheide unmittelbar vor dem Beischlafe, endlich +Ausspülung der Scheide+ unmittelbar nach demselben.

Von diesen Mitteln ist zu sagen, daß in der Praxis keines derselben volle Sicherheit gewährt. Am verläßlichsten ist der Kondom. Aber der Überzug über das Glied kann die Befruchtung nur dann verhindern, wenn er die Dehnungen und Zerrungen während des Beischlafes aushält und nicht zerreißt. Ist der Kondom dickwandig und daher fest und haltbar, dann stört er das Zustandekommen der Wollustempfindung des Mannes in beträchtlichem Maße; dies gilt besonders von den Kondoms aus Gummi, welche überdies bald brüchig werden. Ist der Kondom dagegen dünn und zart, wie die feineren Kondoms aus Fischblase, Kalbs- oder Schafsblinddarm, dann spürt man allerdings nicht viel von ihm, besonders, wenn man ihn nach dem Überziehen über das Glied mit Wasser befeuchtet, dann kann er aber während des Beischlafes leicht zerreißen.

Die Verstopfungen der Scheide durch Schwämmchen usw. sind viel unsicherer, wenn sie nicht von sachkundiger Hand vorgenommen werden. Außerdem stören sie die geschlechtliche Befriedigung der Frau in mehr oder minder hohem Maße und können ihr dadurch in derselben Weise schädlich werden wie der unterbrochene Beischlaf. Endlich kommt es durch die Hantierungen in der Scheide, durch den Druck der Einlagen und durch Infektion sehr leicht zu Entzündungen und Katarrhen.

Am harmlosesten für Mann und Frau sind die Ausspülungen der Scheide mit lauem Wasser oder lauer Kochsalzlösung unmittelbar nach dem in normaler Weise vollzogenen Beischlafe (s. o.). Aber dieses Verfahren ist das unsicherste von allen, da sogleich bei der Ejakulation Samen in den äußeren Muttermund und in den Halskanal der Gebärmutter eingedrungen sein kann und dieser Teil des Samens durch die nachfolgende Ausspülung nicht entfernt wird. Ich kenne mehrere Fälle, wo trotz der Ausspülungen bald Befruchtung erfolgte.

Kaum weniger unzuverlässig als die Ausspülung nach dem Beischlafe ist das Einblasen von gepulverter Borsäure und ähnlichen Stoffen vor dem Beischlafe. Sie können auch durch den chemischen Reiz, den sie ausüben, schädlich werden.

Der Leser sei also bei allen diesen künstlichen Verhinderungen der Befruchtung auf der Hut!

Er darf auch ihren schlechten Einfluß auf das sittliche Verhältnis von Mann und Frau nicht übersehen. Ein solcher wird wohl nicht eintreten in einer Ehe, die bereits mit Kindern gesegnet ist und in welcher die durch jahrelanges Zusammenleben gefestigte innige Zuneigung der Gatten zueinander das Abstoßende derartiger Praktiken verhüllt. Wird dagegen der Geschlechtsverkehr von vornherein lediglich zum Zwecke des Genusses gepflegt, so vergiftet dies die Beziehung der Gatten zueinander, und schädigt es namentlich die Sittlichkeit der Frau. Sie betrachtet den Vollzug des Beischlafes nicht mehr, wie sie von Natur aus geneigt ist, mit Ehrfurcht als eine folgenschwere und feierliche Handlung, bei der die geheimnisvollen Urmächte des Lebens das verborgen Treibende sind, sondern lernt allmählich, daß es sich bloß um ein Vergnügen handle, das man sich bei einiger Klugheit gönnen kann, ohne verräterische Folgen fürchten zu müssen.

Ein Gatte, welcher sich nicht überhaupt seiner Frau gegenüber Zurückhaltung bezüglich der geschlechtlichen Vergnügungen auferlegt, die angeborene Schamhaftigkeit der Frau nicht schont, sondern im Gegenteile ihre Sinnlichkeit künstlich weckt und stachelt, darf sich dann über ihre gelegentliche Untreue nicht wundern und beklagen.

7. Kapitel.

Verirrungen des Geschlechtstriebes.

Ich habe nicht die Absicht, in diesem Büchelchen alle Verirrungen des Geschlechtstriebes ausführlich zu besprechen. Im allgemeinen will ich nur sagen, daß jene Verirrung, über welche in unserer Zeit so viel Lärm gemacht wird, die Neigung zum eigenen, Abneigung gegen das andere Geschlecht, nur höchst selten angeboren sein dürfte. Wo diese Neigung wirklich angeboren ist, beruht sie auf einer Mißbildung. In den allermeisten Fällen ist sie aber gar nicht angeboren, sondern zurückzuführen auf die Weise, in welcher das Individuum zum ersten Male zum Genusse von intensivsten Wollustempfindungen gekommen ist; ein Erlebnis, das bei stark sinnlichen Naturen einen ungemein tiefen Eindruck zu hinterlassen pflegt und namentlich Personen mit krankhafter psychischer Veranlagung dauernd aus der Bahn normalen Empfindens abzulenken vermag.

Wie sich’s übrigens verhalten möge, ob die Verirrung angeboren oder erworben ist, keineswegs dürfen Staat und Gesellschaft dulden, daß diese Personen („Homosexuelle“, „Urninge“) ihre Neigungen ungestört befriedigen, ungestört um ihre Art von Liebe werben. Denn wenn man dies zuließe, würde die Verführung bald in ungeheurem Maße um sich greifen, und wenn nicht die Zahl der Urninge, so doch die der sog. Bisexuellen bald zu einem Heere heranwachsen und eine Zeit geschlechtlicher Ausartung kommen, wie die, welche den Untergang der antiken Kultur herbeiführen half. Der gesetzliche und gesellschaftliche Gegendruck ist übrigens eine Wohltat für die Verirrten selbst. Ich kenne mehrere Fälle, wo unter diesem Druck solche zur Homosexualität Verführte wieder zu durchaus normalem Geschlechtsempfinden zurückgebracht und glückliche Gatten und Väter geworden sind.

Über eine einzige Art von abnormaler Befriedigung des Geschlechtstriebes muß ich mehr sagen: über die +Masturbation+ oder +Onanie+, da dieses Übel ungemein verbreitet ist und darüber die verkehrtesten Ansichten herrschen, welche die Schäden noch vergrößern. Während die einen erklären, daß das Masturbieren ein sehr zweckmäßiges Mittel sei, sich Erleichterung zu verschaffen, wenn sich zuviel Samen angesammelt hat und der eheliche Beischlaf nicht möglich ist, und daher ebensowenig Tadel verdiene als der Gebrauch des Taschentuches oder der Klistierspritze, mit denen man auch der Natur nachhilft, sehen andere im Masturbieren das furchtbarste Übel mit den schädlichsten Folgen für die Gesundheit. Beide Meinungen sind falsch.

Beim normalen Beischlafe wird die Ejakulation durch mechanische Einwirkung der Scheide auf das Glied herbeigeführt. Es ist nicht einzusehen, warum es schädlicher sein soll, warum die nervöse Erschütterung größer sein soll, wenn die mechanische Einwirkung auf einem anderen Wege vor sich geht als beim natürlichen Beischlaf. Mäßig getriebenes Masturbieren ist für den Geschlechtsreifen wohl ganz unschädlich, wahrscheinlich sogar weniger gefährlich als der unterbrochene Beischlaf.

Nicht in der absoluten Schädlichkeit des einzelnen Aktes liegt die Gefahr der Masturbation, sondern vor allem darin, daß, da zum Beischlafe zwei Personen notwendig sind, zur Masturbation aber nur eine, +die Gelegenheit zum Masturbieren ungeheuer viel größer ist als die zum Beischlaf und damit auch die Verlockung zur Unmäßigkeit ganz ungeheuer wächst+! Die Leiden, die der Arzt so häufig bei Onanisten findet, sind dieselben, wie sie nach exzessiver Unmäßigkeit im Beischlafe auftreten: also Verstimmung, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, Druck und Schmerzen in der Lendengegend, Störungen der Ernährung, Schwächung des Gedächtnisse und der übrigen geistigen Fähigkeiten, Schwäche der Willenskraft, Schwäche der Erektionen, vorzeitiger Eintritt der Ejakulation und damit Schwierigkeiten, den normalen Beischlaf auszuführen. Wenn diese Störungen so viel häufiger und ausgeprägter bei Onanisten als bei Koitierenden angetroffen werden, so liegt dies eben daran, daß der Koitus selten durch längere Zeit so unmäßig geübt wird, wie dies bei Masturbation vorkommt, und dann daran, daß +die Masturbation vor allem von geschlechtsunreifen oder halbreifen Knaben und Jünglingen betrieben wird, für welche jede Betätigung des Geschlechtstriebes ungesund ist+.

Es muß daher die ernsteste Sorge der Eltern und Erzieher sein, die Kinder vor diesem hygienischen Laster zu behüten. (Auch Mädchen masturbieren!)

In den allermeisten Fällen verfallen die Kinder nicht von selbst darauf, sondern kommen durch Verführung und böses Beispiel dazu. +Sorgfältige Auswahl der Spielkameraden und Gefährten und beständige Überwachung des Verkehrs der Kinder miteinander sind daher der wichtigste Schutz.+