Part 10
Wenn man im Norden einen Bauer fragt: »Freund! wie weit habe ich bis zu X.?« so hört man nicht selten die Antwort: »Eine Pfeife Taback.« Es wird von den Antwortenden darunter eine gewisse Zeit verstanden. In diesem Sinne kann ich von einem Viertelpfund Taback weiter referiren. Ich blies meine letzte Pfeife nach wenigen Tagen aus dem zweiten Stock der Jenaer Marktapotheke in die Luft, als ich vor dem bereits erwähnten Kramladen, dicht an der Sonne, einen Leichenzug halten sah.
Ich gestehe, nie in meinem Leben von einer solchen innern Angst ergriffen worden zu sein, als an dem fraglichen Nachmittage. »Seht Ihr,« rief ich aus, abermals eine Vision wähnend, mit dem Finger nach dem Kramladen zeigend, »seht Ihr was dort vorgeht?«
»Es ist ein Leichenzug,« war die, aus dem Munde der Gegenwärtigen einstimmig hervordringende Antwort.
In Bremen lebt ein geistreicher Schiffsmackler Namens +Heineken+, der erste und vielleicht der einzigste, welcher nach einem Compaß von Schwedisch nach Russisch Lappland gesteuert ist. Zehn Tage und zehn Nächte hat derselbe sich mit gefrorner Milch und Fleisch vom Rennthier und mit Branntwein genährt, und schon die Hoffnung aufgegeben, je wieder menschliche Wohnungen in diesen Schnee- und Eisgefilden zu finden, als er endlich am eilften an einem Tannengehölz gekommen ist, aus dem ein Hundegebell ihm die Nähe von bald gefundenen Menschen verkündigt hat. »Nie,« pflegte er oft zu sagen, »hat mich eine menschliche Stimme, nie der Ton einer Sängerin so entzückt, wie dies Wau-Wau eines unvernünftigen Thieres.«
So war auch mir zu Muthe, als ich merkte, daß meine Erscheinung kein Spuck sei, sondern diesmal wirklich Realität hatte. Neugierde und Tabacksbedürfniß führten mich indessen noch an demselben Tage in das Haus des Krämers, dessen Tod mir die Nachbarn bestätigt hatten. Im Anfang gab der Bursch mir sorglos die verlangte _herba nicotiana_; als ich ihn aber an meinen prophetischen Spruch erinnerte, wurde er kreidebleich und rief aus: »I Herr Jesus es ist wahr, Sie haben den Tod meines Herrn vorausgesagt, er ist noch an demselben Abend, da Sie zuletzt hier waren am Schlagfluß gestorben.«
Ich überlasse die nähere Anatomie dieser Geschichte den Medizinern, Philosophen und selbst den, bald hiezu berechtigt werdenden Wassertrinkern, wahr ist sie auf Cerevis und Ehrenwort. Überhaupt lüge ich nie, habe es auch nicht nöthig. Denn warum? Es wäre dies ein abscheulicher Luxus. Mir passirt Gott sei Dank! und Gott leider! vielmehr, als sich die tollste Fieberphantasie auszubrüten vermag, und vor allen auf Reisen; ich brauche oft nur das Erlebte zu schildern um zu riskiren, daß man mich für einen Münchhausen hält. Zwar gilt von mir auch der Göthische Vers:
»Das Geisterreich ist nicht verschlossen; Dein Sinn ist zu, Dein Herz ist todt, Auf Schüler! bade unverdrossen Die ird’sche Brust im Morgenroth.«
Ich bin vigilant und _Vigilantibus_, »_jura sunt scripta_« sagen wir Juristen. Zudem versäume ich nicht leicht eine Gelegenheit, um meinen Abentheuerschatz zu bereichern. Wenn ich reise und es bricht in dem Orte wo ich mich befinde, sei es auch in der weit entferntesten Vorstadt, Feuer aus, so stehe ich auf und eile hin, wie ein guter Landesherr, weil ich mich für einen humoristischen Prinzen von Geblüt ansehe, dem zu Ehren das Feuerwerk gegeben wird.
Hiebei fällt mir wieder eine Erzählung aus dem Philisterio ein, die an das Unglaubliche gränzt und meinen Satz schlagend bewahrheitet. Also wieder ein Passagier der in mein Schiff springt.
Ich besitze das Talent, so ziemlich jeden Dialect zu copiren, und ein wie schlechtes musicalisches Ohr ich auch habe, so scharf und sicher höre ich doch aus jeder Rede des einzelnen Deutschen den Ort seiner Geburt oder besser gesagt, seiner Erziehung, und bin dabei im Stande die meisten gehörten Idiome zu reproduciren.
Hiebei will ich eine Historie zum Besten geben, welche der Vergangenheit entrissen zu werden verdient. --
Vor ungefähr 6 bis 8 Jahren saß ich in den Gasthof _hôtel de Russie_ in Oldenburg an der _table d’hôte_, mir zur Rechten der noch lebende Agent Herr +Jürgens+, am Ende der Tafel ein Hannoverscher Officier Herr Major +Magius+, welcher mit seinem Nachbar sich über Paganini unterhielt.
»Können Sie nun wohl rathen, was der Officier für ein Landsmann ist? raunte mir mein Nachbar zu.« --
Ich besann mich, auf die Rede des Majors horchend, dann aber sage ich: »Der Herr spricht wie ein +Lübecker+.«
»Wollen Sie eine Flasche Wein darauf wetten?« lächelte Herr Jürgens scherzend.
»Die ist gehalten,« entgegnete ich.
Ich wartete nun bis Herr Magius einen Punct in der Rede hatte und bat ihn dann da wir eben eine Wette gemacht hätten, um Bescheid was er für ein Landsmann sei.
»Das werden Sie nun und nimmer rathen,« versetzte der Herr Major ablehnend, und gab dann eine Menge, mich freilich nicht von meiner Juryüberzeugung abbringende Gründe an, weshalb es unmöglich sei, daß ich seine Heimath errathe. Mir ist nur der, seines längern Aufenthaltes in Italien vor allen noch erinnerlich. --
Endlich schloß der Redner: »Ich will Ihnen nur sagen, daß ich ein geborner +Lübecker+ bin.«
»Ich danke Herr Major! ich habe meine Wette gewonnen.«
Während mein Treffer dem Herrn Magius wol etwas magisch vorkommen mochte, ich hingegen mich des Triumphzuges meines Steckenpferdes freute, erhob sich ein jüdischer Kaufmann, welcher mir die viel kitzlichere Frage stellte ob ich wol merken könne woher er denn sei.
Das war eine sehr schwere Nuß. Man weiß, daß der Dialect der Juden eben so selten wie ihr Herz an einer Provinz gebunden ist, und wenn der Frager auch zu den Gebildeten seines Volkes gehörte, so war er doch nicht frei von der mosaischen Pronunciation. -- Indessen gab ein Gott mir doch folgende Antwort in die Seele:
»Ich kann aus Ihrem angebornen Dialect nicht recht klug werden. Bald reden Sie wie ein Nordhesse, bald wie ein Hamburger.«
»Wunderbar!« rief der besiegte Sphinx, »Ich bin in Bückeburg geboren und erzogen, allein seit zehn Jahren in Hamburg etablirt.«
Mit diesem Knalleffect ist meine Geschichte noch nicht aus.
Sie kam mir nämlich etwa anderthalb Jahre später, an einer Abendtafel in demselben Hause, als von Dialecten die Rede war, wieder in den Sinn. Ich erzählte sie den um mich her sitzenden Oldenburgern.
Der Obergerichtsanwald Herr +Hahne+ bemerkte scherzend, daß man wol daran gewöhnt sei, nie eine Unwahrheit zu hören, daß diese Geschichte mit dem Bückeburger Juden doch zu sehr in das Gebiet des Unglaublichen gehe, und wenigstens auf einer Täuschung beruhen müsse.
Leider war Herr Jürgens nicht zugegen. --
Die Möglichkeit eines Zweifels an meiner Rede jagte mir das Blut in das Gesicht. --
Das Roth aber ist die Farbe der Schuld wie der Unschuld. Es ist die Leibfarbe des Defensors wie des Anklägers.
Man schien dem meinigen eine böse Deutung zu geben.
Der Gedanke war höchst peinigend.
Da erhob sich ein _deus ex machina_ im Hintergrunde an der Wirthstafel.
»Ich kann die Geschichte eidlich bezeugen,« rief es aus, »sie ist mir passirt.« -- Und siehe! ich erkannte meinen bis dahin nicht beachteten Bückeburger-Hamburger, dessen Persönlichkeit bereits aus meinem Gedächtniß desertirt war.
Schon während der ersten Tage meiner Ankunft in Jena war Wit v. Dörring als Fuchs dort angelangt. Es waren schon unterweges Zeichen und Wunder mit ihm geschehen, man hatte ihm in Erfurt seinen ganzen Wechsel gestohlen.
Dieser rubricirte Exdemagoge, der in den neuern Zeiten eine so verschiedene Beurtheilung erfahren hat, verrieth schon in seiner Jugend seltene Anlagen. In seinem vierten Jahre hielt er vor seiner vortrefflichen, jetzt verstorbenen Mutter ganze Predigten aus dem Stegreife. Seine Mitschüler, zu denen ich auch gehörte, liebten ihn. Zu allen Aufopferungen bereit, zeigte er ein liebenswürdiges Herz. Sein Hang zum Mysticismus aber blieb in seiner Seele und er redete oft wie ein Missionär. Das aber verdroß den alten Doctor +Gurlitt+, der damals Director des Johannei in Hamburg war, welches Wit von Altona aus frequentirte. Gurlitt sprach oft von orthodoxen Rindfleischseelen, und pflegte die Mystiker Hechte zu nennen.
Ein Tag in jedem Monat war zu öffentlichen Redeübungen in den verschiedenen Sprachen bestimmt. Wit hatte das Thema: »Wer die Gottheit fassen will, der ist verloren,« gewählt und sprach mit ergreifenden Worten, aber manche dunkle Deutung war in seine blumenreiche Rede gewirkt. Mit komischem Ernste betrachtete ihn der alte Schulmonarch. Zitternd ging er zu ihm als er geendet hatte, und eine große Thräne entperlte den Augen des gutmeinenden Greises. »Liebes Kind, ich fürchte am Ende, Sie glauben an den Teufel?« rief er bebend. »Ja, Herr Doctor,« versetzte Wit sich verbeugend: »den lasse ich mir nicht nehmen!« »Armer junger Mensch,« versetzte Gurlitt betrübt: »wie oft werden Sie noch die Alten vertiren und revertiren müssen, ehe Sie zur richtigen Ansicht in der Religion gelangen!«
Nach wenigen Tagen hatten sich sämmtliche Abgeordnete eingefunden. In dem Burschenhause, dessen Wirth der altdeutsch gewordene +Senft+ war und zu dem man durch ein enges Gäßchen vom Markt aus geht, wurden unsere Versammlungen vom 29. März bis zum 3. April 1818 gehalten. Wir saßen an einem Tisch der mit schwarzem Tuch behangen, welches mit goldenen und rothen Frangen, unsern Farben, verbrämt war. Die Sitzungen waren öffentlich, doch trennte eine Barriere die Deputirten von den Zuhörern, welchen zwar auch zu reden vergönnt war aber erst dann, wenn der Präsident ihnen das Wort bewilligt hatte. --
Vor zehn Jahren habe ich die Verhandlungen, welche ich der Heidelberger Burschenschaft übergeben, ohne daß ich eine Abschrift davon behalten hatte -- in einem kleinen Hannoverschen Ort, bei einem jungen Staatsdiener zu meiner großen Freude wiedergefunden und zum Geschenk erhalten. Ich stehe nicht an dieselben mitzutheilen, theils um jene Gerüchte zu wiederlegen, als habe jener Burschencongreß die geringste revolutionäre Tendenz gehabt, theils um darzuthun, daß man im Anfang durch Mißgriffe die Studenten wie schon erwähnt zu Zeloten und Märtyrern gemacht hat.
Wahrlich! ich verpflichte mich unter Garantie meines Kopfs, eine ganze Universität von funfzehnhundert Studenten, in der besten Ordnung in der loyalsten Stimmung und ferne von jeder Aufregung zu halten, ihre Phantasie zu beschäftigen ohne sie zu verbrennen und durch die Burschen fortwährend selbst von ihren geheimsten Gedanken in Kenntniß gesetzt zu werden. Aber man muß auch das Gemüth haben auf die Jugend zu wirken und sie ruhig gewähren lassen, wenn sie in die Sackgassen der Phantasie laufen. Sie kommen schon von selbst zurück und schlagen dann beschämt die Augen nieder.
»_Pueri sunt pueri, pueri puerilia tractant._«
Beglaubigte Abschrift der Protocolle, gehalten in der Abgeordneten-Versammlung zu Jena.
+=Protocoll,=+
+gehalten in der Versammlung der Abgeordneten verschiedener Deutscher Hochschulen, zu Jena am 29. März 1818.+
1) Es wurden die Vollmachten der durch Abgeordnete an der Versammlung Theil nehmenden Hochschulen Berlin, Halle, Heidelberg, Jena, Kiel, Königsberg, Leipzig, Marburg und Rostock, mündlich oder schriftlich bekannt gemacht.
2) Veranlaßt durch die Abgeordneten des Berliner Burschenvereins und den erwählten Abgesandten derjenigen nicht verbündeten Berliner Burschen, welche auf ihrer Hochschule eine allgemeine Burschenschaft nach Zweck und Form gegründet sehn wünschen, entstand die Frage, ob der Abgeordnete des Letztern eine entscheidende Stimme haben könne, welche Frage durch Stimmenmehrheit mit »nein« beantwortet wurde.
3) Wurde von den sämmtlichen stimmenfähigen Burschenabgeordneten, erstens R. aus Jena zum Sprecher, zweitens W. zum Schreiber in den Versammlungen gewählt.
4) Nach einer Ermahnung von R., den Zweck der Versammlung im Auge habend, Ruhe, Ordnung und Bestimmtheit zu zeigen, wurde beschlossen, alle Verhandlungen nach Stimmenmehrheit zu entscheiden, und vom Sprecher rechts abzustimmen, jedoch mit Vorbehalt, daß alle Beschlüsse nur dann gültig wären, für die Hochschulen, wenn sie sich mit den Vollmachten der Abgeordneten derselben vereinigen ließen.
5) Wurden die angekommenen abschlägigen Antworten von einigen Deutschen Hochschulen verlesen. Göttingen, Tübingen und Erlangen hatten entweder keine Abgeordnete stellen wollen oder können, und dieß schriftlich erklärt.
6) K. aus Heidelberg forderte auf Vergessen aller Selbst und Partheisucht, den großen Zweck der Versammlung zu erfassen und in reiner Liebe zum Wahren und Guten so zu reden und zu handeln, wie jeder es verantworten könne vor Gott und seinem Gewissen.
7) Wurden die Angelegenheiten der Halleschen Burschenschaft, an sich, und in Verhältniß und Gegensatz der sogen. Sulphuria verhandelt. Es wurde beschlossen, daß diejenigen, welche sich mit ihrem Ehrenworte verpflichtet hatten, wegen der Unterdrückung der dortigen Teutonia Halle zu verlassen, nachher aber diese Verbindlichkeit nicht erfüllten, weil manche Gründe zu ihrer Entschuldigung vorhanden waren, nicht streng nach den Buchstaben des Gesetzes gerichtet werden sollten, sondern alle die von ihnen als ehrliche und wehrliche Burschen anzuerkennen wären, deren Entschuldigungsgründe von der Halleschen Burschenschaft als triftig entweder schon anerkannt wären, oder noch würden, sie aber durch eine von der sämmtlichen Versammlung des Abgeordneten zu unterschreibende Urkunde ihrer Übereilung und ihres Leichtsinnes wegen eine Rüge erhalten sollten. Hierdurch wurde zugleich die Hallesche Burschenschaft, in welcher sich einige von den genannten Burschen befanden, als rechtmäßig anerkannt.
+Anmerkung.+ K. aus Heidelberg bat zu bemerken, daß er deswegen vorzüglich auf Anerkennung und Verweis gestimmt habe, weil K. die Versicherung gegeben, daß ihm von einem ehemaligen Teutonen gesagt sei, er habe an dem bekannten Abende einige Hallesche Burschen blos zu einer +bedingten+ Unterschrift aufgefordert. K. meinte daher, daß dieses von einem jeden gehört sein könne, oder auch von denen, die es gehört hätten, verbreitet, also die Präsumtion für Straflosigkeit sei, und ein Verweis genüge.
Die Halleschen Sulpfuristen betreffend, wurde durch Stimmenmehrheit ausgemacht, daß, da die von ihnen am meisten Beleidigten um Milde für sie baten, ferner wohl zu wünschen stand, daß auch in Halle wiederum ein kräftiges und einiges Burschenleben sich gestalte und gedeihe, ihnen eine allgemeine Verzeihung und Erlösung vom Banne gewährt werde, wenn sie folgende Bedingungen eingehen würden:
_a_) Daß sie nach Namhaftmachung aller ihrer Mitglieder mit dem Ehrenworte sich verbürgten, die unter ihnen bestehende Verbindung aufzuheben.
_b_) Sich verpflichteten, die Hallesche Burschenschaft und ihren Brauch anzuerkennen.
_c_) Sich gefallen lassen wollten, daß bei dem Wunsche einzelner, von ihnen, in die Hallische Burschenschaft, oder in eine auf andern Hochschulen bestehende Verbindung einzutreten, über diese erst abgestimmt werde.
+Anmerkung+ _a_) K. von Heidelberg erklärte, daß er im Namen seiner Burschenschaft den Verruf nicht eigentlich aufheben könne, indem derselbe bisher von ihr noch nicht ausgesprochen sei, und zwar aus dem Grunde, weil Heidelberg noch nicht im Cartel mit Halle, beschlossen habe, die Sache selbst zu untersuchen. Er hebe aber im Namen Heidelbergs den Vorbehalt der näheren Untersuchung auf, und trete oben genannten Bestimmungen bei.
+Anmerkung+ _b_) Marburg stimmte obiger Meinung aus dem besondern Grunde bei, daß diejenigen nicht namhaft gemacht werden könnten, durch welche die Teutonia bei der Regierung angeklagt sei.
+Anmerkung+ _c_) In Königsberg war die Acht über die Sulpfuria nicht ausgesprochen, weil die Partheiungen in Halle dort nicht genug bekannt geworden waren.
R. -- Sprecher.
W. -- Schreiber.
Graf v. K. -- für +Jena+.
L. -- } } für +Kiel+. R. -- }
F. D. -- } } für +Königsberg+. L. L. -- }
C. F. L. -- } } für +Leipzig+. D. E. -- }
E. B. -- für +Marburg+.
A. B. -- } } für +Berlin+. A. v. B. -- }
T. v. K. -- für +Heidelberg+.
F. S. -- } } für +Halle+. D. -- }
W. W. -- für +Rostock+.
Folgen die Unterschriften.
Protocoll,
gehalten in der Versammlung der Abgeordneten Morgens den 30. März.
1) Zu den für die Theilnehmer der Hallischen Sulpfuria zu bestimmenden Puncten und Bedingungen wurde noch hinzu gefügt, daß sie selbst jeden von ihnen, der die abgefaßte Schrift nicht unterschreiben wolle, als Verrufenen anerkennen und gegen ihn verfahren wollten, wie der Burschenbrauch der Hallischen Burschenschaft bestimme.
2) Es erschienen die Bevollmächtigten der Hallischen Sulpfuria und unterschrieben die verlangten Puncte, und es war also für ihre Person der Bann aufgehoben.[6]
3) Ein aus Leipzig angekommener Brief wurde verlesen. Der Seniorenconvent erklärte darin, daß man zur Förderung aller guten Zwecke bereit sei, daß aber nach seiner Meinung eine allgemeine Burschenschaft in Leipzig nicht leicht errichtet werden könne.
4) Es wurden die mündlichen und schriftlichen Klagepuncte des ehemaligen Breslauer Burschen U. (jetzt in Berlin) gegen die Polen in Breslau gehört, und beschlossen, er solle den Thatbestand schriftlich aufsetzen, damit dann, nachdem auch jene gehört wären, in der Sache ein Weiteres bestimmt werden könne.[7]
5) Nachdem auf diese Weise die auf Brauchssachen Bezug habenden Angelegenheiten abgemacht waren, wurde zur Besprechung über die Grundidee einer allgemeinen Deutschen Burschenschaft geschritten. J., Abgeordneter von mehreren Burschenschaften aus Berlin, die eine solche wünschten, erkannte, auf Befragen den erwählten Sprecher und Schreiber an.
6) Es wurden von R. 19 Puncte als Grundlage zu einer allgemeinen Burschenschaft verlesen, und über dieselben einzeln abgestimmt. Leipzig begab sich seine Stimme, weil dort noch Landsmannschaften beständen.
Punct 1.[8] wurde von allen Deutschen Hochschulen anerkannt.
Punct 2. gleichfalls anerkannt. K. behielt sich nähere Erläuterung bei § 4. vor.
+Anmerkung.+ Es wurde bestimmt, daß eine Deutsche Burschenschaft Ausländer unter sich aufnehmen +könne+, wenn sie nur von ihnen überzeugt sei, daß sie dem Zwecke einer allgemeinen Deutschen Burschenschaft nicht schädlich, sondern eher förderlich sein würden, daß dieselben auch Ausländern eine eigene Verbindung neben sich gestatten könne, wenn nur diese ihr untergeordnet blieben, +allein+ in Brauchssachen entscheidend stimmfähig sei, jedoch so, daß die Deutsche Burschenschaft wenigstens immer ⅔ der Stimmen erhalte.
K. für Heidelberg erklärte, daß die Burschenschaft sich, wegen der Zwistigkeiten und Vereine, die noch außer der Burschenschaft in Heidelberg beständen, aller Rechte auf Renoncen und Nicht-Burschenschaftsmitglieder enthalte, wenn sie nicht mit ihnen in Collision käme.
Die Kieler Abgeordneten behielten der Entscheidung ihrer Burschenschaft vor, ob der von ihr anerkannte Burschenbrauch in allen seinen Beziehungen auch für die nicht Verbündeten verpflichtend sein solle.
F. d. U.
+=Protocoll,=+
+Abends am 30. gehalten.+
§. 1. K. wurde auf Verlangen sein Freund L. aus Heidelberg als Rathgeber in schwierigen Fällen zugesellt.
§. 2. Weitere Berathung über die vorgeschlagenen Puncte:
§. 3. wurde allgemein anerkannt.
§. 4. wurde nach §. 2. eingeschränkt.
K. bezieht sich auf die gemachten Modificationen. V. B. und L. erkannten dies und das nachfolgende nur in so weit an, als es sich mit ihren Vollmachten vereinigen ließ.
§. 5. Hiebei wurde vor dem Worte öffentlich »wo möglich« eingeschaltet.
Das Wort unauflöslich wurde weggelassen. D. erklärte es dahin, daß er glaube, die Verbindung müsse geistig unauflöslich, auch fürs bürgerliche Leben fortbestehen.
§. 6. beschränkt sich auf §. 2. Ob Nichtchristen aufzunehmen seien, wurde der Entscheidung der einzelnen Burschenschaften überlassen.
§. 7. wurde mit der Bemerkung angenommen, daß es jeder Burschenschaft frei stehe zu bestimmen, ob nach der Exmatrikulation jemand von ihr noch als Bursch anzusehen sei, oder nicht. Die Königsberqer Abgeordneten behielten sich vor, daß die darüber in ihrem Brauch enthaltenen nähern Bestimmungen in Kraft bleiben sollten.
§. 8. 9. und 10. wurde angenommen.
§. 11. von den Meisten gebilligt.
Heidelberg stimmt in der Idee dem §. 11. alsdann bei, wenn jeder ehrenhafte Bursch aufnahmsfähig ist. Die Verhältnisse selbst haben die Realisirung dieser Idee dort noch nicht gestattet. -- Kiel bezog sich auf seine Anmerkung nach §. 2.
§. 12. angenommen. -- Kiel erklärte, da bis her dort keine Wilden gewesen seien, sei noch nicht bestimmt worden, in wie fern der Burschenbrauch auch für Nichtverbündete gelte.
§. 13. angenommen.
§. 14. Hiebei verwiesen nur die Kieler auf das oben in dieser Beziehung Gesagte.
F. d. U.
+=Protocoll,=+
+gehalten den 31. März.+
1) Wurden die von U. abgefaßten Klagepuncte verlesen und beschlossen, es solle in Breslau Aufhebung des Verrufes und Rechtfertigung wegen des Überfalls verlangt, U. aber so lange ganz schuldlos angesehen werden.
2) Wurde angezeigt, daß die Gießner geschrieben hätten, sie wären verhindert worden Abgeordnete nach Jena zu senden, indem der Senat allen solchen Relegationen angedroht habe.
3) Es wurde in der abgebrochenen Berathung wieder fortgeschritten.
§. 15. angenommen.
§. 16. wurde folgendermaßen abgeändert. Es bleibt der gesammten Deutschen Burschenschaft das Recht, die Verfassungen der einzelnen Hochschulen, wo Burschenschaften sind, einzusehn und zu beurtheilen, ob, und in wie fern sie der Grundidee entsprechen, und bei etwanigen anstößigen dieselbe um Abstellung derselben anzugehn.
§. 17. Hier wurde die Bestimmung hinzugefügt, daß wenn die Casse einer, oder mehrerer Burschenschaften zu den Kosten der Reise nicht hinreiche, eine allgemeine Casse nach Verhältniß des Einkommens der Burschenschaften eingerichtet, und dadurch die Reise erleichtert werden solle.
§. 18. Hier wurde Eisenach vorläufig als Versammlungsort bestimmt.
§. 19. Es wurde hinzugefügt, daß bei den genannten Berathungen ⅔ der Stimmen entscheiden sollten.
4) Der Vorschlag, alle Jahre am 18. Juni ein Fest zu feiern, wobei man sich vorzüglich der Brüder an andern Orten in traulicher Liebe erinnere, wurde gebilligt.
5) Die Abgeordneten der Leipziger Hochschule behielten sich vor, daß, wenn bei ihnen gleichfalls eine allgemeine Burschenschaft zu Stande gekommen wäre, auch ihr das hier den einzelnen Hochschulen gegebenes Recht, den verlesenen Puncten Anmerkungen hinzuzufügen, aufgehoben bleiben solle, und es wurde dieß allgemein gebilligt.
F. d. U.
+=Protocoll,=+
+vom 1. April 1818.+
1) L. aus Königsberg zeigte an, daß, da sein Mitabgeordneter D. unwohl sei, er seine Stimme mit übernommen habe, D. sich aber etwanige Bemerkungen noch vorbehalte.
2) B. für Marburg dankte den Jenaern für die Abfassung der 19 Puncte, bemühte sich darauf, auseinanderzusetzen, wodurch wir etwa den darin aufgestellten Zweck erreichen möchten, wobei er vor allen zur Erlangung wahrer vaterländischer Bildung, Streben nach umfassender Kenntniß, Ehrenhaftigkeit, und Freiheit, aber was die Burschenschaften auszeichnend unterscheiden solle, rücksichtslosen Gemeingeist und möglichste Gleichheit der Rechte empfahl. Es wurde von R. antwortend auf den 10. Punct verwiesen, wo schon zum Theil darüber verhandelt sei. Nur wurde noch in Betreff der Gleichheit vor dem Rechte folgendes Nähere verhandelt.
Es entstand:
_a_)[9] Die Frage, ob ein Fuchs zum Vorsteher erwählt werden könne, welche im Allgemeinen verneint wurde.
_b_) Ob einem Fuchs Stimmrecht zuzuerkennen sei.