Herodes und Mariamne: Eine Tragödie in fünf Akten
Part 8
Wäre meine Krone Mit allen Sternen, die am Himmel flammen, Besetzt: für Mariamne gäbe ich Sie hin und, hätt' ich ihn, den Erdball mit. Ja, könnte ich sie dadurch, daß ich selbst, Lebendig, wie ich bin, ins Grab mich legte, Erlösen aus dem ihrigen: ich tät's, Ich grübe mich mit eignen Händen ein! Allein ich kann's nicht! Darum bleib ich noch Und halte fest, was ich noch hab! Das ist Nicht viel, doch eine Krone ist darunter, Die jetzt an Weibes Statt mir gelten soll, Und wer nach der mir greift--Das tut man ja, Ein Knabe tut das ja, der Wunderknabe, Den die Propheten längst verkündet haben, Und dem jetzt gar ein Stern ins Leben leuchtet. Doch, Schicksal, du verrechnetest dich sehr, Wenn du, indem du mich mit eh'rnem Fuß Zertratest, ihm die Bahn zu ebnen glaubtest, Ich bin Soldat, ich kämpfe selbst mit dir, Und beiß dich noch im Liegen in die Ferse! (Rasch.) Joab! (Joab tritt heran. Herodes verhalten.) Du ziehst nach Bethlehem hinab Und sagst dem Hauptmann, welcher dort befiehlt, Er soll den Wunderknaben--Doch, er findet Ihn nicht heraus, nicht jeder sieht den Stern, Und diese Kön'ge sind so falsch, als fromm-- Er soll die Kinder, die im letzten Jahr Geboren wurden, auf der Stelle töten, Es darf nicht eins am Leben bleiben!
Joab (tritt zurück). Wohl! (Für sich.) Ich weiß warum! Doch Moses ward gerettet, Trotz Pharao!
Herodes (noch laut und stark). Ich sehe morgen nach!-- Heut muß ich Mariamne--(Er bricht zusammen.) Titus!
(Titus fängt ihn auf.)
Ende dieses Etextes von Projekt Gutenberg Herodes und Mariamne von Friedrich Hebbel.