Herodes und Mariamne: Eine Tragödie in fünf Akten

Part 7

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Herodes. (in ein wildes Gelächter ausbrechend). Sie hat mich nicht betrogen, weil sie nichts Getan, als was das Vorgefühl, die Ahnung, Wie preis ich sie, die düstre Warnerin! Mich fürchten ließ--(Zu Mariamne.) Weib! Weib! Dies steht dir an! Doch baue nicht zu fest darauf, daß ich Mit Glück und Ruhe auch die Kraft verlor, Mir blieb vielleicht ein Rest noch für die Rache, Und--schon als Knabe schoß ich einem Vogel Stets einen Pfeil nach, wenn er mir entflog.

Mariamne. Sprich nicht von Vorgefühl und Ahnung, sprich Von Furcht allein! Du zittertest vor dem, Was du verdientest! Das ist Menschenart! Du kannst der Schwester nicht mehr traun, seit du Den Bruder tötetest, du hast das ärgste Mir zugefügt und glaubst nun, daß ich's dir Erwidern, ja, dich überbieten muß! Wie, oder hast du stets, wenn du dem Tod In ehrlich-offnem Krieg entgegenzogst, Den Henker hinter mich gestellt? Du schweigst! Wohlan denn! Da du's selbst so tief empfindest, Was sich für mich geziemt, da deine Furcht Mich über meine Pflicht belehrt, so will Ich endlich diese heil'ge Pflicht erfüllen, Drum scheid ich mich auf ewig von dir ab!

Herodes. Antwort! Bekennst du? Oder tust du's nicht? (Mariamne schweigt.--Herodes zu den Richtern.) Ihr seht, das Eingeständnis fehlt! Und auch Beweise hab ich nicht, wie ihr sie braucht! Doch habt ihr einmal einen Mörder schon Zum Tod verdammt, weil des Erschlagnen Kleinod Sich bei ihm fand. Es half ihm nichts, daß er Auf seine wohlgewaschnen Hände wies, Und nichts, daß er euch schwur, der Tote habe Es ihm geschenkt: Ihr ließt den Spruch vollziehn! Wohlan! So steht's auch hier! Sie hat ein Kleinod, Was mir bezeugt, unwidersprechlicher, Wie's irgendeine Menschenzunge könnte, Daß sie den Greul der Greul an mir beging. Ein Wunder hätt' nicht bloß geschehn, es hätte Sich wiederholen müssen, wär' es anders, Und Wunder wiederholten sich noch nie! (Mariamne macht eine Bewegung.) Zwar wird sie sprechen, wie der Mörder sprach: Man habe ihr's geschenkt! Auch darf sie's wagen, Denn, wie ein Wald, ist eine Kammer stumm. Doch, wäret ihr versucht, ihr das zu glauben, So setz ich euch mein innerstes Gefühl Und die Ergründung aller Möglichkeiten Entgegen, und verlange ihren Tod. Ja, ihren Tod! Ich will den Kelch des Ekels Nicht leeren, den der Trotz mir beut, ich will Nicht Tag für Tag mich mit dem Rätsel quälen, Ob solch ein Trotz das widerwärtigste Gesicht der Unschuld, ob die frechste Larve Der Sünde ist, ich will mich aus dem Wirbel Von Haß und Liebe, eh' er mich erstickt, Erretten, kost es, was es kosten mag! Darum hinweg mit ihr!--Ihr zögert noch? Es bleibt dabei!--Wie?--Oder traf ich's nicht? Sprecht ihr! Ich weiß, das Schweigen ist an mir! Doch sprecht! Sprecht! Sitzt nicht da, wie Salomo Zwischen den Müttern mit den beiden Kindern! Der Fall ist klar! Ihr braucht nicht mehr zum Spruch, Als was ihr seht! Ein Weib, das dastehn kann, Wie sie, verdient den Tod, und wär' sie rein Von jeder Schuld! Ihr sprecht noch immer nicht? Wollt ihr vielleicht erst den Beweis, wie fest Ich überzeugt bin, daß sie mich betrog? Den geb ich euch durch des Soemus Kopf, Und das sogleich! (Er geht auf Joab zu.)

Titus (erhebt sich). Dies nenn ich kein Gericht! Verzeih! (Er will gehen.)

Mariamne. Bleib, Römer, ich erkenn es an! Wer will's verwerfen, wenn ich selber nicht!

(Titus setzt sich wieder.--Alexandra steht auf. Mariamne tritt zu ihr heran, halblaut.)

Du hast viel Leid mir zugefügt, du hast Nach meinem Glück das deine nie gemessen! Soll ich es dir verzeihn, so schweige jetzt! Du änderst nichts, mein Entschluß ist gefaßt. (Alexandra setzt sich wieder.) Nun, Richter?

Aaron (zu den übrigen). Wer von euch den Spruch des Königs Nicht für gerecht hält, der erhebe sich! (Alle bleiben sitzen.) So habt ihr alle auf den Tod erkannt! (Er steht auf.) Du bist zum Tod verurteilt, Königin!-- Hast du noch was zu sagen?

Mariamne. Wenn der Henker Nicht zum voraus bestellt ist und auf mich Schon wartet mit dem Beil, so möchte ich Vorm Tode noch mit Titus ein Gespräch. (Zu Herodes.) Man pflegt den Sterbenden die letzte Bitte Nicht abzuschlagen. Wenn du sie gewährst, So sei mein Leben deinem zugelegt!

Herodes. Der Henker ist noch nicht bestellt--ich kann's! Und da du mir dafür die Ewigkeit Als Lohn versprichst, so muß und will ich auch! (Zu Titus.) Ist dieses Weib nicht fürchterlich?

Titus. Sie steht Vor einem Mann, wie keine stehen darf! Drum endige!

Salome (tritt heran). O tu es! Deine Mutter Ist krank bis auf den Tod! Sie wird gesund, Wenn sie das noch erlebt,

Herodes (zu Alexandra). Sprachst du nicht was?

Alexandra. Nein!

(Herodes sieht Mariamnen lange an. Mariamne bleibt stumm.)

Herodes. Stirb! (Zu Joab.) Ich leg's in deine Hand!

(Schnell ab. Ihm folgt Salome.)

Alexandra (ihm nachsehend). Ich habe Noch einen Pfeil für dich! (Zu Mariamne.) Du wolltest's so!

Mariamne. Ich danke dir!

(Alexandra ab.)

Aaron (zu den übrigen Richtern). Versuchen wir nicht noch, Ihn zu erweichen? Mir ist dies entsetzlich! Es ist die letzte Makkabäerin! Wenn wir nur kurzen Aufschub erst erlangten! Jetzt ging's nicht an, daß wir ihm widerstrebten, Bald wird er selbst ein andrer wieder sein. Und möglich ist's, daß er uns dann bestraft, Weil wir ihm heut nicht Widerstand getan! Ihm nach! (Ab.)

Joab (nähert sich Mariamnen). Vergibst du mir? Ich muß gehorchen!

Mariamne. Tu, was dein Herr gebot, und tu es schnell! Ich bin bereit, sobald du selbst es bist, Und Königinnen, weißt du, warten nicht!

(Joab ab.)

Sechste Szene

Mariamne (tritt zu Titus). Nun noch ein Wort vorm Schlafengehn, indes Mein letzter Kämmrer mir das Bette macht! Du staunst, ich seh es, daß ich dieses Wort An dich, und nicht an meine Mutter, richte, Allein sie steht mir fern und ist mir fremd.

Titus. Ich staune, daß ein Weib mich lehren soll, Wie ich als Mann dereinst zu sterben habe! Ja, Königin, unheimlich ist dein Tun Und, ich verhehl's nicht, selbst dein Wesen mir, Allein ich muß den Heldensinn verehren, Der dich vom Leben scheiden läßt, als schiene Die schöne Welt dir auf dem letzten Gang Nicht einmal mehr des flücht'gen Umblicks wert, Und dieser Mut versöhnt mich fast mit dir!

Mariamne. Es ist kein Mut!

Titus. Zwar hat man mir gesagt Daß eure finstern Pharisäer lehren, Im Tode geh' das Leben erst recht an, Und daß, wer ihnen glaubt, die Welt verachtet, In welcher nur die Sonne ewig leuchtet Und alles übrige in Nacht verlischt!

Mariamne. Ich hörte nie auf sie und glaub es nicht! O nein, ich weiß, wovon ich scheiden soll!

Titus. Dann stehst du da, wie Cäsar selber kaum, Als ihm von Brutus' Hand der Dolchstoß kam, Denn er, zu stolz, um seinen Schmerz zu zeigen, Und doch nicht stark genug, ihn zu ersticken, Verhüllte fallend sich das Angesicht; Du aber hältst ihn in der Brust zurück!

Mariamne. Nicht mehr! Nicht mehr! Es ist nicht, wie du denkst! Ich fühle keinen Schmerz mehr, denn zum Schmerz Gehört noch Leben, und das Leben ist In mir erloschen, ich bin längst nur noch Ein Mittelding vom Menschen und vom Schatten Und faß es kaum, daß ich noch sterben kann. Vernimm jetzt, was ich dir vertrauen will, Doch erst gelobe mir als Mann und Römer, Daß du's verschweigst, bis ich hinunter bin, Und daß du mich geleitest, wenn ich geh. Du zögerst? Fodre ich zuviel von dir? Es ist des Strauchelns wegen nicht! Und ob Du später reden, ob du schweigen willst, Entscheide selbst. Ich binde dich in nichts Und halte meinen Wunsch sogar zurück. Dich aber hab ich darum auserwählt, Weil du schon immer, wie ein eh'rnes Bild In eine Feuersbrunst, gelassen-kalt Hineingeschaut in unsre Hölle hast. Dir muß man glauben, wenn du Zeugnis gibst, Wir sind für dich ein anderes Geschlecht, An das kein Band dich knüpft, du sprichst von uns, Wie wir von fremden Pflanzen und von Steinen, Parteilos, ohne Liebe, ohne Haß!

Titus. Du gehst zu weit!

Mariamne. Verweigerst du mir jetzt, Zu starr, dein Wort, so nehm ich mein Geheimnis Mit mir ins Grab und muß den letzten Trost Entbehren, den, daß eines Menschen Brust Mein Bild doch rein und unbefleckt bewahrt, Und daß er, wenn der Haß sein ärgstes wagt, Den Schleier, der es deckt, aus Pflichtgefühl Und Ehrfurcht vor der Wahrheit heben kann!

Titus. Wohl! Ich gelob es dir!

Mariamne. So wisse denn, Daß ich Herodes zwar betrog, doch anders, Ganz anders, als er wähnt! Ich war ihm treu, Wie er sich selbst. Was schmäh ich mich? Viel treuer, Er ist ja längst ein andrer, als er war. Soll ich das erst beteuern? Eher noch Entschließ ich mich, zu schwören, daß ich Augen Und Händ' und Füße habe. Diese könnt' ich Verlieren, und ich wär' noch, was ich bin, Doch Herz und Seele nicht!

Titus. Ich glaube dir Und werde--

Mariamne. Halten, was du mir versprachst! Ich zweifle nicht! Nun frag dich, was ich fühlte, Als er zum zweiten Mal, denn einmal hatte Ich's ihm verziehn, mich unters Schwert gestellt, Als ich mir sagen mußte: eher gleicht Dein Schatten dir, als das verzerrte Bild, Das er im tiefsten Innern von dir trägt! Das hielt ich nicht mehr aus, und konnt' ich's denn? Ich griff zu meinem Dolch, und, abgehalten Vom rasch versuchten Selbstmord, schwur ich ihm: Du willst im Tode meinen Henker machen? Du sollst mein Henker werden, doch im Leben! Du sollst das Weib, das du erblicktest, töten Und erst im Tod mich sehen, wie ich bin!-- Du warst auf meinem Fest. Nun: Eine Larve Hat dort getanzt!

Titus. Ha!

Mariamne. Eine Larve stand Heut vor Gericht, für eine Larve wird Das Beil geschliffen, doch es trifft mich selbst!

Titus. Ich steh erschüttert, Königin, auch zeih ich Dich nicht des Unrechts, doch ich muß dir sagen: Du hast mich selbst getäuscht, du hast mich so Mit Grau'n und Abscheu durch dein Fest erfüllt, Wie jetzt mit schaudernder Bewunderung. Und, wenn das mir geschah, wie hätte ihm Der Schein dein Wesen nicht verdunkeln sollen, Ihm, dessen Herz, von Leidenschaft bewegt, So wenig, wie ein aufgewühlter Strom, Die Dinge spiegeln konnte, wie sie sind. Drum fühl ich tiefes Mitleid auch mit ihm Und deine Rache finde ich zu streng!

Mariamne. Auf meine eignen Kosten nehm ich sie! Und daß es nicht des Lebens wegen war, Wenn mich der Tod des Opfertiers empörte, Das zeige ich, ich werf das Leben weg!

Titus. Gib mir mein Wort zurück!

Mariamne. Und wenn du's brächest, Du würdest nichts mehr ändern. Sterben kann Ein Mensch den andern lassen; fortzuleben, Zwingt auch der Mächtigste den Schwächsten nicht. Und ich bin müde, ich beneide schon Den Stein, und wenn's der Zweck des Lebens ist, Daß man es hassen und den ew'gen Tod Ihm vorziehn lernen soll, so wurde er In mir erreicht. Oh, daß man aus Granit, Aus nie zerbröckelndem, den Sarg mir höhlte Und in des Meeres Abgrund ihn versenkte, Damit sogar mein Staub den Elementen Für alle Ewigkeit entzogen sei!

Titus. Wir leben aber in der Welt des Scheins!

Mariamne. Das seh ich jetzt, drum gehe ich hinaus!

Titus. Ich selbst, ich habe gegen dich gezeugt!

Mariamne. Damit du's tätest, lud ich dich zum Fest!

Titus. Wenn ich ihm sagte, was du mir gesagt--

Mariamne. So riefe er mich um, ich zweifle nicht! Und folgte ich, so würde mir der Lohn, Daß ich vor einem jeden, der mir nahte, Von jetzt an schaudern und mir sagen müßte: Hab acht, das kann dein dritter Henker sein! Nein, Titus, nein, ich habe nicht gespielt, Für mich gibt's keinen Rückweg. Gäb' es den, Glaubst du, ich hätt' ihn nicht entdeckt, als ich Von meinen Kindern ew'gen Abschied nahm? Wenn nichts, als Trotz mich triebe, wie er meint, Der Schmerz der Unschuld hätt' den Trotz gebrochen: Jetzt machte er nur bittrer mir den Tod!

Titus. Oh, fühlt' er das und käm' von selbst, und würfe Sich dir zu Füßen!

Mariamne. Ja! Dann hätte er Den Dämon überwunden, und ich könnte Ihm alles sagen! Denn ich sollte nicht Unwürdig mit ihm markten um ein Leben, Das durch den Preis, um den ich's kaufen kann, Für mich den letzten Wert verlieren muß, Ich sollte ihn für seinen Sieg belohnen, Und, glaube mir, ich könnt' es!

Titus. Ahnst du nichts, Herodes?

(Joab tritt geräuschlos ein und bleibt schweigend stehen.)

Mariamne. Nein! Du siehst, er schickt mir den! (Deutet auf Joab.)

Titus. Laß mich--

Mariamne. Hast du mich nicht verstanden, Titus? Ist es in deinen Augen noch der Trotz, Der mir den Mund verschloß? Kann ich noch leben? Kann ich mit dem noch leben, der in mir Nicht einmal Gottes Ebenbild mehr ehrt? Und, wenn ich dadurch, daß ich schwieg, den Tod Heraufbeschwören und ihn waffnen konnte, Sollt' ich mein Schweigen brechen? Sollt' ich erst Den einen Dolch vertauschen mit dem andern? Und wär' es mehr gewesen?

Titus. Sie hat recht!

Mariamne (zu Joab). Bist du bereit? (Joab verneigt sich.--Mariamne gegen Herodes' Gemächer.) Herodes, lebe wohl! (Gegen die Erde.) Du, Aristobolus, sei mir gegrüßt! Gleich bin ich bei dir in der ew'gen Nacht!

(Sie schreitet auf die Tür zu. Joab öffnet. Man sieht Bewaffnete, die ehrerbietig Reihen bilden. Sie geht hinaus. Titus folgt ihr. Joab schließt sich an. Feierliche Pause.)

Siebente Szene

Salome (tritt ein). Sie ging! Und dennoch schlägt das Herz mir nicht! Ein Zeichen mehr, daß sie ihr Los verdient. So hab ich endlich meinen Bruder wieder Und meine Mutter ihren Sohn! Wohl mir, Daß ich nicht von ihm wich. Die Richter hätten Ihn sonst noch umgestimmt. Nein, Aaron, nein, Nichts von Gefangenschaft! Im Kerker bliebe Sie keinen Mond. Das Grab nur hält sie fest, Denn nur zum Grabe hat er keinen Schlüssel.

Achte Szene

Ein Diener. Drei Kön'ge aus dem Morgenland sind da, Mit köstlichen Geschenken reich beladen, Sie kommen an in diesem Augenblick, Und nie noch sah man fremdere Gestalten Und wundersamre Trachten hier, wie die!

Salome. Führ sie herein! (Diener ab.) Die meld ich ihm sogleich. Solange die bei ihm sind, denkt er nicht An sie! Und bald ist alles aus mit ihr! (Sie geht zu Herodes hinein.)

(Der Diener führt die drei Könige herein. Sie sind fremdartig gekleidet und so, daß sie sich in allem voneinander unterscheiden. Ein reiches Gefolge, von dem dasselbe gilt, begleitet sie. Gold, Weihrauch und Myrrhen. Herodes tritt mit Salome gleich nachher ein.)

Erster König. Heil, König, dir!

Zweiter König. Gesegnet ist dein Haus!

Dritter König. Gebenedeit in alle Ewigkeit!

Herodes. Ich dank euch! Doch für diese Stunde dünkt Der Gruß mir seltsam!

Erster König. Ward dir nicht ein Sohn Geboren?

Herodes. Mir? O nein! Mir starb mein Weib!

Erster König. So ist hier unsers Bleibens nicht!

Zweiter König. So gibt's Hier einen zweiten König noch!

Herodes. Dann gäbe Es keinen hier.

Dritter König. So gibt's hier außer deinem Noch einen zweiten königlichen Stamm!

Herodes. Warum?

Erster König. So ist es!

Zweiter König. Ja, so muß es sein!

Herodes. Auch davon weiß ich nichts!

Salome (zu Herodes). In Bethlehem Hat sich vom Stamme Davids noch ein Zweig Erhalten!

Dritter König. David war ein König?

Herodes. Ja!

Erster König. So ziehen wir nach Bethlehem hinab!

Salome (fährt fort zu Herodes). Allein er pflanzt sich nur in Bettlern fort!

Herodes. Das glaub ich! Sonst--

Salome. Ich sprach einst eine Jungfrau Aus Davids Haus, Maria, glaub ich, hieß sie, Die fand ich schön genug für ihre Abkunft, Doch war sie einem Zimmermann verlobt Und schlug die Augen gegen mich kaum auf, Als ich sie nach dem Namen fragte!

Herodes. Hört ihr's?

Zweiter König. Gleichviel! Wir gehn!

Herodes. Ihr werdet mir doch erst Verkünden, was euch hergeführt?

Erster König. Die Ehrfurcht Vorm König aller Könige!

Zweiter König. Der Wunsch, Ihm noch vorm Tod ins Angesicht zu schaun!

Dritter König. Die heil'ge Pflicht, ihm huldigend zu Füßen Zu legen, was auf Erden kostbar ist!

Herodes. Wer aber sagte euch von ihm?

Erster König. Ein Stern! Wir zogen nicht zusammen aus, wir wußten Nichts voneinander, unsre Reiche liegen Im Osten und im Westen, Meere fließen Dazwischen, hohe Berge scheiden sie--

Zweiter König. Doch hatten wir denselben Stern gesehn, Es hatte uns derselbe Trieb erfaßt, Wir wandelten denselben Weg und trafen Zuletzt zusammen an demselben Ziel--

Dritter König. Und ob des Königs, ob des Bettlers Sohn, Das Kind, dem dieser Stern ins Leben leuchtet, Wird hoch erhöhet werden, und auf Erden Kein Mensch mehr atmen, der sich ihm nicht beugt!

Herodes (für sich). So spricht das alte Buch ja auch! (Laut.) Darf ich Nach Bethlehem euch einen Führer geben?

Erster König (deutet gen Himmel). Wir haben einen!

Herodes. Wohl!--Wenn ihr das Kind Entdeckt, so werdet ihr es mir doch melden, Damit ich es, wie ihr, verehren kann?

Erster König. Wir werden's tun! Nun fort! nach Bethlehem!

(Alle ab.)

Herodes. Sie werden's nicht tun! (Joab und Titus treten auf. Alexandra folgt ihnen.)

Ha!

Joab. Es ist vollbracht!

(Herodes bedeckt sich das Gesicht.)

Titus. Sie starb. Jawohl. Ich aber habe jetzt Ein noch viel fürchterlicheres Geschäft, Als der, der deinen blut'gen Spruch vollzog: Ich muß dir sagen, daß sie schuldlos war.

Herodes. Nein, Titus, nein! (Titus will sprechen. Herodes tritt dicht vor ihn hin.)

Denn, wäre das, so hättest Du sie nicht sterben lassen.

Titus. Niemand konnte Das hindern, als du selbst!--Es tut mir weh, Daß ich dir mehr, als Henker, werden muß, Doch, wenn es heil'ge Pflicht ist, einen Toten, Wer er auch immer sein mag, zu bestatten, So ist die Pflicht noch heil'ger, ihn von Schmach Zu reinigen, wenn er sie nicht verdient, Und diese Pflicht gebeut mir jetzt allein!

Herodes. Ich seh aus allem, was du sprichst, nur eins: Ihr Zauber war ihr selbst im Tode treu! Was groll ich dem Soemus noch! Wie sollt' er Der Blendenden im Leben widerstehn! Dich hat sie im Erlöschen noch entflammt!

Titus. Geht Eifersucht selbst übers Grab hinaus?

Herodes. Wenn ich mich täuschte, wenn aus deinem Mund Jetzt, etwas andres, als ein Mitleid spräche, Das viel zu tief ist, um nicht mehr zu sein: Dann müßt' ich dich doch mahnen, daß dein Zeugnis Sie mit verdammen half, und daß es Pflicht Für dich gewesen wäre, mich zu warnen, Sobald dir nur der kleinste Zweifel kam!

Titus. Mich hielt mein Wort zurück und mehr, als das: Die unerbittliche Notwendigkeit. Wär' ich nur einen Schritt von ihr gewichen, So hätte sie sich selbst den Tod gegeben, Ich sah den Dolch auf ihrer Brust versteckt, Und mehr als einmal zuckte ihre Hand. (Pause.) Sie wollte sterben, und sie mußte auch! Sie hat so viel gelitten und verziehn, Als sie zu leiden, zu verzeihn vermochte: Ich habe in ihr Innerstes geschaut. Wer mehr verlangt, der hadre nicht mit ihr, Er hadre einzig mit den Elementen, Die sich nun einmal so in ihr gemischt, Daß sie nicht weiter konnte. Doch er zeige Mir auch das Weib, das weiter kam, als sie! (Herodes macht eine Bewegung.) Sie wollte ihren Tod von dir und rief Das wüste Traumbild deiner Eifersucht, Selbstmördrisch gaukelnd und uns alle täuschend, Auf ihrem Feste in ein trügrisch Sein. Das fand ich streng, nicht ungerecht. Sie trat Als Larve vor dich hin, die Larve sollte Dich reizen, mit dem Schwert nach ihr zu stoßen, (Er zeigt auf Joab.) Das tatest du, und tötetest sie selbst!

Herodes. So sprach sie. Doch sie sprach aus Rache so!

Titus. So war's. Ich habe gegen sie gezeugt, Wie gerne möcht' ich zweifeln!

Herodes. Und Soemus?

Titus. Ich bin ihm auf dem Todesweg begegnet, Er trat den seinen an, als sie den ihren Vollendet hatte, und ihm schien's ein Trost, Daß sich sein Blut mit ihrem mischen würde, Wenn auch nur auf dem Block durch Henkers Hand.

Herodes. Ha! Siehst du?

Titus. Was? Vielleicht hat er im stillen Für sie geglüht. Doch, wenn das Sünde war, So war's die seinige, die ihre nicht. Er rief mir zu: jetzt sterb ich, weil ich sprach, Sonst müßt' ich sterben, weil ich sprechen könnte, Denn das war Josephs Los! Der schwur mir noch Im Tode, daß er schuldlos sei, wie ich! Das merkt' ich mir!

Herodes (ausbrechend). Joseph! Rächt der sich auch? Tut sich die Erde auf? Gehn alle Toten Hervor?

Alexandra (tritt vor ihn hin). Das tun sie!--Nein doch! Fürchte nichts! Es gibt schon eine, welche drunten bleibt!

Herodes. Verfluchte! (Er bezwingt sich.) Sei's so! Wenn denn auch Soemus Nur ein Verbrechen gegen mich beging-- (Er kehrt sich gegen Salome.) Joseph, der ihn mit diesem schnöden Argwohn Erfüllte, Joseph hat ihn noch im Tode Belogen, nicht? Joseph--Was schweigst du jetzt?

Salome. Auf Schritt und Tritt verfolgt' er sie--

Alexandra (zu Herodes). Jawohl! Doch sicher nur, um die Gelegenheit Zu finden, deinen Auftrag zu vollziehn Um sie und mich zu töten--

Herodes. Ist das wahr? (Zu Salome.) Und du? Du?--

Alexandra. In derselben Stunde fast Wo er die Maske völlig fallen ließ, Hat Mariamne einen Schwur getan, Sich selbst, wenn du nicht wiederkehren solltest, Den Tod zu geben. Ich verhehl es nicht, Daß ich sie darum haßte!

Herodes. Fürchterlich! Und das--das sagst du jetzt erst?

Alexandra. Ja!

Titus. Ich weiß Es auch, es war ihr letztes Wort zu mir, Doch tausend Jahre hätt' ich's dir verschwiegen, Ich wollte sie nur rein'gen, dich nicht martern!

Herodes. Dann--(Die Stimme versagt ihm.)

Titus. Fasse dich! Es trifft mich mit!

Herodes. Jawohl! Dich--die (gegen Salome)--und jeden, welcher hier, wie ich, Des tück'schen Schicksals blindes Werkzeug war, Doch ich allein verlor, was man auf Erden In Ewigkeit nicht wiedersehen wird! Verlor? Oh! Oh!

Alexandra. Ha, Aristobolus! Du bist gerächt, mein Sohn, und ich in dir!

Herodes. Du triumphierst? Du glaubst, ich werde jetzt Zusammenbrechen? Nein, das werd' ich nicht! Ich bin ein König, und ich will's die Welt (Er macht eine Bewegung, als ob er etwas zerbräche) Empfinden lassen!--Auf jetzt, Pharisäer, Empört euch gegen mich! (Zu Salome.) Und du, was weichst du Schon jetzt vor mir? Noch hab ich wohl kein andres Gesicht, allein schon morgen kann's geschehn, Daß meine eigne Mutter schwören muß, Ich sei ihr Sohn nicht!--(Nach einer Pause, dumpf.)