Part 1
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HERNACH
von
WILHELM BUSCH
31. bis 35. Tausend München Lothar Joachim Verlag 1908
Published September 10 1908, Privilege of Copyright in the U. S. reserved under the Act approved March 3 1905 by Lothar Joachim, Munich
Alle Rechte vorbehalten
Prosaischer Kauz
Der holde Mond erhebt sich leise. Ein alter Kauz denkt nur an Mäuse.
Unwillkommener Besuch
Wird man im Mittagschlaf gestört, Das ist verdrießlich, das empört.
Rast im Walde
Es hielten mal Wandrer Im Walde Ruh, Da kamen zwei Häslein Und schauten zu.
Ständchen
Ein Ständchen in der Frühlingsnacht Ist leicht gebracht. Nur ist es fraglich, ob's gelingt, Daß es zu Röschens Herzen dringt.
Abendkonzert
Ein Konzert von Dilettanten. Stimmt auch grad nicht jeder Ton, Wie bei rechten Musikanten, Ihnen selbst gefällt es schon.
Maitanz
Fritz Heuschreck spielte Schrippdiddellitt! Auf seinem Violinchen; Der Käferkasperl tanzte mit Dem Schmetterlingskathrinchen.
Osterhas
Es ist das Osterfest alljährlich Doch für den Hasen recht beschwerlich.
Der Verdächtige
Trau keinem Filou, Und hätt' er auch beide Augen zu.
Kartoffelidyll
Die brave Großmutter
Großmütterchen tut alles gern Für Hänschen, ihren kleinen Herrn.
Der Gefällige I
Die Grete steigt zum Hühnernest. Der Hansel hält die Leiter fest.
Der Gefällige II
Die Leiter bricht von dem Gewicht. Erfreulich ist's für Beide nicht.
Die Zeit I
So ist nun mal die Zeit allhie, Erst trägt sie dich,
Die Zeit II
-- Dann trägst du sie;
Die Zeit III
Und wann's vorüber, weißt du nie.
Dorfpolitiker I
Altentheiler liest mit Ruh In der Landeszeitung; Friedlich grast die treue Kuh Unter seiner Leitung.
Dorfpolitiker II
Wenn sich zwei so einig sind Und sich lange kennen, Ach, wie kommt dann oft geschwind Einer, sie zu trennen.
Dorfpolitiker III
Daß die Trennung möglichst kurz, Die die zwei betroffen, Daß nicht gar zu hart der Sturz, Nun, wir wollen's hoffen.
Überraschung I
Stets findet Überraschung statt Da, wo man's nicht erwartet hat;
Überraschung II
Doch daß dieselbe überall Grad angenehm, ist nicht der Fall.
Überraschung III
Gar oft erschreckt uns eine sehr, Und eine andre noch viel mehr.
Die böse Ziege I
Ein Sträußlein, abgepflückt, Damit es schmücke,
Die böse Ziege II
Wird oft, eh' daß es schmückt, Ein Raub der Zicke.
Eule und Star
Guten Tag, Frau Eule! Habt Ihr Langeweile? -- Ja, eben jetzt, So lang Ihr schwätzt!
Schnitzeln
Schnauz
Derweil sein Herr Besuche macht, Hält Schnauz bei Hut und Schirm die Wacht.
Messerschleifen
Der Vater schleift das Messer schön, Gemütlich tut er das. Das Hänschen muß den Schleifstein dreh'n, Tät lieber anders was.
Künstlers Hoffnung
Armer Künstler hat es sauer, Doch Erfolg kommt allgemach! Zeigt sich nur erst ein Beschauer, Folgen wohl die andern nach.
Komm, komm!
Mit Güte lockt fast überall Die Frau ihr Schweinchen in den Stall.
Innerer Wert
Ein kluger Mann verehrt das Schwein; Er denkt an dessen Zweck. Von außen ist es ja nicht fein, Doch drinnen sitzt der Speck.
Glück im Unglück
»Das war noch 'n Glück!« Rief der Heuschreck. Da ließ er ein Bein zurück.
Das Nilpferd
Das Nilpferd pflückt sich oft gemütlich Ein Blümchen ab. Das macht sich niedlich!
Schnitzeln
Idyll
Alter schützt vor Torheit nicht
Nein sowas! Ein altes verständiges Schwein, Und fällt kopfüber ins Faß hinein!!
Schnitzeln
Drohendes Verhängnis
Der Spritzefisch ist ein Gar listiger Geselle. Gib acht und hüt' dich fein, Leichtsinnige Libelle!!
Schnitzeln
Prosit Neujahr!
Das Schwein Sei Dein!
Prosit Neujahr!
Geld laßt von Herzen Allen uns gönnen, So viel die Esel nur tragen können.
Prosit Neujahr!
Da steht und kräht er. Vielleicht gerät er.
Prosit Neujahr!
Das alte Jahr gar schnell entwich. Es konnt sich kaum gedulden, Und ließ mit Freuden hinter sich Den dicken Sack voll Schulden.
Nachhilfe
Dem Esel, störrisch im Geschäfte, Verleiht der Knittel neue Kräfte.
Drohendes Verhängnis
Es machen sich die Fliegen Ein luftig Tanzvergnügen. Der Frosch der denkt: Nur munter! Ihr kommt schon noch herunter!
Zerstörte Hoffnung
Mutter und Sohn mit frohem Gesichte Gingen zu Markt. -- Es sind die Eier Heuer hübsch teuer, Das Stück zwei Dreier. -- Perdatsch! Da liegt die ganze Geschichte!
Kühlung
Es ging Professor Schretter Ins Feld bei heißem Wetter.
Er bückt sich tief, auf daß er Mal tränke, übers Wasser.
Da kam die Geiß, und bubbs! Gibt sie ihm einen Schubbs.
Und wer es sieht, der fühlt: Jetzt ist er abgekühlt.
Schnitzeln
Der Gratulant
Zu spät, mein Lieber! Der Namenstag ist längst vorüber.
Gefahr im Verzuge
Wenn das Rhinozeros, das schlimme, Dich kriegen will in seinem Grimme, Dann steig auf einen Baum beizeiten, Sonst hast du Unannehmlichkeiten.
Ein Muster der Schnelligkeit
Die Panzerkröte sprach zur Schnecke: Pfui! Schäme dich! Du kommst ja gar nicht recht vom Flecke! Da sieh mal mich!!
Unverhofft
Der Negerknabe ging so still Am Nil dahin. Plötzlich erblickt er Ein unverhofftes Krokodil. Oh, wie erschrickt er!!
Der fliegende Frosch I
Wenn einer, der mit Mühe kaum Gekrochen ist auf einen Baum,
Der fliegende Frosch II
Schon meint, daß er ein Vogel wär,
Der fliegende Frosch III
So irrt sich der.
Der unverschämte Igel I
In einem Baumstamm, unten hohl, Da sitzt der Has und fühlt sich wohl.
Ein Igel, dem der Ort gefiel, Möcht auch hinein, weil's draußen kühl.
Der Hase, voller Gütigkeit, Macht höflich Platz und rückt beiseit.
Doch kaum ist er beiseit gerückt, Fühlt er bereits, daß ihn was prickt.
Der unverschämte Igel II
Und plötzlich so geprickelt hat's, Er muß heraus mit einem Satz.
Oh, unverschämtes Stacheltier! Aha, der Fuchs ist auch schon hier.
Zwar gleich macht sich der Igel dick Und zieht sich in sich selbst zurück.
Der Fuchs, der gern den Igel frißt, Weiß aber, was zu machen ist.
Der unverschämte Igel III
Und weiß, wie man ihn fassen kann, Und schüttelt und verzehrt ihn dann.
Hier liegt die Haut, ganz hohl und leer. Den Hasen, scheint's, erfreut es sehr.
Doch innerlich, so wie man sieht, Ging ihm die Sache zu Gemüt.
Gottlob, nun sitzt der gute Has Gemütlich wieder, wo er saß.
Gestörtes Duett I
Melodisch sangen Katz und Kater Ihr zärtlich Lied des Abends spät. Den Stock ergreift des Hauses Vater, Die Mutter nimmt das Waschgerät.
Gestörtes Duett II
Die sanften Liebestöne schwiegen; Es zischt und kracht im Treppenhaus. Der Vater purzelt von der Stiegen, Die Mutter gießt die Schale aus.
Sorglos
Selbst mancher Weise Besieht ein leeres Denkgehäuse Mit Ernst und Bangen. -- Der Rabe ist ganz unbefangen.
* * * * *
Im Frühjahr 1905 übergab mir mein Onkel Wilhelm Busch in Mechtshausen zur Aufbewahrung als ein Geschenk für meine Mutter, seine Schwester, das eingesiegelte druckfertige Manuskript von »Hernach« mit der Bemerkung, daß es nach seinem Tode veröffentlicht werden könnte.
Es finden sich darin folgende Bemerkungen von seiner Hand:
zu Bl. 9: »Copie von der untersten Zeichnung für Wohlthätigkeitszweck nach Frankfurt gegeben«.
zu Bl. 29: »Copie hiervon nebst Text wurde für einen Wohlthätigkeitszweck an Frau Schaeuffelen nach München gegeben 1894.«
zu Bl. 52: »Ähnliche Zeichnung wie diese =erste= nebst Text für Wohlthätigkeitszweck an Frau Schaeuffelen nach München gegeben.«
zu Bl. 55: »November 1892 hab ich Text und Zeichnungen auf Wunsch des Redacteurs Trojan dem »Kladderadatsch« für eine Nummer unentgeltlich zur Verfügung gestellt (erschienen zu Weihnachten) mir im Übrigen aber alle Rechte vorbehalten.
Wilh. Busch.«
HÖCKELHEIM bei Northeim, Juni 1908.
O. NÖLDEKE, Pastor.
* * * * *
Von diesem Buche ist in demselben Verlage
eine LIEBHABER-AUSGABE
erschienen. * 1000 Exemplare numeriert.
Die Zeichnungen sind in Lichtdruck, die Texte in des Dichters Handschrift faksimiliert wiedergegeben und auf 60 Kartons gelegt.
Preis dieser Ausgabe in Kalbleder gebunden M. 16.--
=Für Liebhaber eigener Einbände= ist eine Anzahl davon =in Interimsband= gebunden erschienen, deren Preis M. 12.-- beträgt.