Part 8
»Dichter,« sagte ich beschämt.
»Na, das haben Sie sich glücklich abgewöhnt. Ich habe Beschäftigung für Sie. Heute abend singt die Rubini die Cenerontola. Gehen Sie in die Oper und bringen Sie mir nachts noch die Kritik.«
»Aber Herr Redakteur, ich bin ja ganz unmusikalisch.«
»Unsinn,« antwortete er grob, »solche Bedenken gewöhnen Sie sich nur ja ab, mit Ihrem Stil ist man musikalisch, agronomisch, geographisch, theosophisch . . . was verlangt wird . . . verstehen Sie? Ich sehe übrigens, dass Sie, um in die Oper zu gehen, Ihre Toilette etwas vervollständigen müssen. Hier haben Sie hundert Gulden Vorschuss und unterschreiben Sie dieses Blatt.«
Er reichte mir einen Zettel, den ich unterschrieb, ohne zu beachten, was darauf stand. Ich empfahl mich und ging in die Modemagazine, wo ich mich völlig ausrüstete. Als Stutzer kam ich nach Hause. Vor meiner Zimmertür stand eine pompöse, übermässig elegant gekleidete Dame.
»O . . . Sie kommen endlich . . .« rief sie in einem gebrochenen Deutsch. »Ich bin Rubini . . ., Carlotta Rubini . . . ich höre, dass Sie heute abend die Kritik schreiben.«
Ich geriet etwas in Verlegenheit.
»Verzeihen Sie . . . Signora . . .« stammelte ich . . . »ich wohne nur vorübergehend in dieser Höhle . . . bis ich eine Wohnung nach meinem Geschmack finde.«
»O ich begreife . . . ich begreife . . .« sagte die Rubini und trat ein.
Sie nahm ihren Schleier ab und ich erkannte in ihr diejenige von den 500 Frauen, die mir in der Schmugglerhöhle zunächst gelegen hatte.
»Ach . . . ich hin so müde . . .« sagte sie . . . »darf ich ein wenig ausruhen . . . seit einer halben Stunde stehe ich auf der Treppe.«
»Gewiss . . . gewiss . . . Signora, wenn ich Ihnen nur etwas anbieten könnte . . .«
»Ach ja, mein Herr . . . bieten Sie mir etwas an . . . lassen Sie etwas holen.«
Ich ging hinaus und gab einem Jungen, der nebenan bei einem Schuster arbeitete, den Rest meines Geldes und beauftragte ihn, aus dem Kaffeehaus Champagner heraufzubringen. Wie recht gab ich jetzt den Schmugglern, die ihr Versprechen hielten, und mir zu den 500 Frauen nach und nach die so unentbehrliche Million zukommen lassen würden.
Als ich wieder in die Kammer trat, hatte sich's die Rubini sehr bequem gemacht. Es war ihr so heiss. Und als der Champagner kam, hielt ich bereits besorgt ihre Hand, denn sie hatte einen übermässig starken Pulsschlag . . .
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Aber sie war nur ein Präzedenzfall. Ich könnte noch 499 Geschichten erzählen, wenn nicht die hohe Geburt, der europäische Name und der Reichtum meiner Heldinnen zu besonderer Diskretion verpflichteten. Aber aus rein psychologischem Interesse werde ich vielleicht doch einmal indiskret sein; nur muss ich vorher das Aussterben einiger Herrscherhäuser abwarten.
Dieses Buch wurde im Auftrage von Georg Müller Verlag in München in einer Auflage von 800 Exemplaren bei der Buchdruckerei Imberg & Lefson in Berlin hergestellt und nach den Entwürfen von Paul Renner bei Hübel & Denck in Leipzig gebunden. Ausserdem wurden 50 Exemplare auf van Geldern abgezogen und in Ganzleder gebunden.
Dieses Exemplar trägt die Nr. 551