Harbaugh's Harfe: Gedichte in Pennsylvanisch-Deutscher Mundart

Part 1

Chapter 13,510 wordsPublic domain

Harbaugh’s Harfe.

GEDICHTE

IN

Pennsylvanisch-Deutscher Mundart.

VON

H. HARBAUGH, D. D.

HERAUSGEGEBEN VON B. BAUSMAN.

REFORMED CHURCH PUBLICATION BOARD, No. 54 NORTH SIXTH STREET, PHILADELPHIA.

1870.

Entered according to Act of Congress, in the year 1870, by the REFORMED CHURCH PUBLICATION BOARD, in the Clerk’s Office of the District Court of the United States, in and for the Eastern District of Pennsylvania.

ELECTROTYPED BY JAS. B. RODGERS CO. PHILADELPHIA.

Vorrede.

Folgende Gedichte, in Pennsylvanisch-deutscher Mundart geschrieben, erschienen ursprünglich im „Guardian”. Dr. HARBAUGH wurde oft gebeten eine Sammlung derselben in Buchform herauszugeben, welches er auch beabsichtigte. Leider blieb dieser Wunsch seiner vielen Freunde durch seinen frühen Tod unerfüllt. HARBAUGH hat diese Gedichte geschrieben, nicht ich; allein er ist mir ein theurer Freund gewesen -- ist es immer noch, obgleich im Jenseits. Dankbare Liebe zu ihm sowie zu dem Volk, in dessen Sprache er diese Lieder singt, bewegt mich dieses Werkchen herauszugeben. Auf vielen Seiten -- in Amerika wie in Europa -- ist der Wunsch für sein Erscheinen laut geworden. Den vielen Freunden, welche auf verschiedene Weise bei den Vorbereitungen des Unternehmens mitwirkten, sei hiermit herzlich gedankt. Namentlich Herrn E. D. LEISENRING, B. F. TREXLER, Pastor S. K. BROBST und Pastor A. J. G. DUBBS von Allentown, sowie Hrn. J. M. BECK vom „Reading Adler,” der es unternahm die Schreibweise zu ordnen und der die Wörter-Tabelle im Anhang des Buches bereitete.

Die Holzschnitte sind alle nach Original-Zeichnungen angefertigt. Das alt Schulhaus, Die alte Miehl, die HARBAUGH’sche Heimath und Der alte Feierheerd wurden an Ort und Stelle, in Franklin County, von Herrn J. A. BECK von Harrisburg skizzirt. Die Bilder zum Kerchegang in alter Zeit und Heemweh zeichnete Herr DAN. DEVLIN von Reading, Pa. Der Ertrag des Verkaufs dieses Buches soll Dr. HARBAUGH’s Familie zu gut kommen.

Diese Harfe giebt eine Darstellung des Volks- und Familien-Lebens der Deutsch-Pennsylvanier. Von der Wiege bis zum Grabe, aus der Familie, Schule und Kirche wird manches liebliche Bild gemalt. Möchte die lieben Leser bitten „Die Harfe” nicht an die Weiden zu hängen, sondern recht oft ihre schönen Klänge im Kreise der Familie ertönen zu lassen.

B. BAUSMAN.

_Reading, Pa., Mai, 1870._

Inhalts-Verzeichniss.

_Seite_

Einleitung, 7

Zum A’denke an Dr. Heinrich Harbaugh, 9

Das alt Schulhaus an der Krick, 13

Die neie Sort Dschent’lleit, 21

Der Belsnickel, 23

Der alte Feierheerd, 25

Die Schlofschtub, 31

Der reiche Herr im Deich, 37

Das Krischkindel, 39

Die alt Miehl, 45

Busch un Schtedtel, 51

Der Rejeboge, 53

Der Pihwie, 59

Der Kerchegang in alter Zeit, 61

Will widder Buwele sei’, 65

Lah Bisness, 69

Heemweh, 77

The Old School-House at the Creek, 87

The Old-Time Hearth-Fire, 95

Home-Sickness, 99

The Old Sleeping Room, 106

Wortverzeichniss, 111

Verzeichniss der Bilder.

Wohnhaus der Eltern Harbaugh’s, Vorderseite.

Das Alt Schulhaus an der Krick, _Seite_ 12

Der Alte Feierheerd, 27

Die Alt Miehl, 44

Der Kerchegang in Alter Zeit, 63

Heemweh, 82

Einleitung.

Heinrich Harbaugh wurde den 28. October, 1817, nahe bei Waynsboro’, Franklin County, Pa., geboren. In 1736 kam sein Ur-Grossvater, YOST HARBAUGH, aus der Schweiz nach Amerika. Er kaufte sich eine Bauerei „drei Meilen oberhalb der Maxatawny Creek,” in Maxatawny Township, Berks County, Pa. Aus diesem Stamm wuchsen die Zweige der zahlreichen HARBAUGH Familie in Amerika.

HEINRICH HARBAUGH’s Vater, GEORGE HARBAUGH, war ein einfacher fleissiger Bauer. Seine Mutter war eine geborne Schneider, von Lancaster County, Pa. Beide Eltern gehörten zur Reformirten Kirche, in welchem Glauben sie ihre Kinder treu zu erziehen suchten. Sie hatten zwölf Kinder, wovon HEINRICH das zehnte war.

Von früher Jugend an hatte er eine Vorliebe zum Studiren. Er sollte Bauer oder Handwerker werden; allein er selbst fühlte sich zum Predigtamt berufen. Er blieb seinen Eltern getreu, und arbeitete fleissig als ein Ackersmann. Dabei aber liebte er Bücher, und sparte jeden Cent, um dieselben zu kaufen. Damals hatte man blos während etlichen Winter-Monaten Schule. In der übrigen Zeit studirte er nach Gelegenheit. Er hatte den Gebrauch, ein Buch in seiner Tasche nachzutragen. Beim Pflügen, während er die Pferde in der Furche ruhen liess, and Mittags während sie ihr Futter frassen, las er fleissig. Das Schulhaus für jene Gegend stand neben einem Bach, eine kurze Strecke von seiner Heimath. Seine Schul-Erfahrungen und Erinnerungen, bewogen ihn das „Schulhaus an der Krick” zu schreiben.

Endlich fühlte er sich durch einen Gewissens-Zwang bewogen, sich dem Studium zu widmen. Allein dazu fehlten ihm die Mittel. Er entschloss sich am Schreinerhandwerk zu arbeiten, welches er theilweise gelernt hatte, um sich das nöthige Geld zu verdienen. Sein Scheiden von dem elterlichen Hause wird in einem Bilde dieses Buches dargestellt. Wie er von dem Hof in die Kutsche steigt, steht seine weinende Mutter auf der Portsch, mit dem Schurz vor dem Gesicht.

Damals reiste er nach Ohio, wo er etliche Jahre lang abwechselnd als Schreiner arbeitete und in die Schule ging. Endlich konnte er als Student in Marshall College und das Theologische Seminar in Mercersburg, Pa., eintreten. Allein wegen Mangel an Mitteln musste er seinen Cursus in diesen Anstalten abkürzen.

Als Pastor bediente er drei verschiedene Gemeinden. Von 1843 bis 1850 war er Seelsorger der reformirten Gemeinde in Lewisburg, Pa. In 1850 folgte er einem Ruf von der ersten reformirten Gemeinde in Lancaster, Pa. Nachdem er zehn Jahre hier gewirkt hatte, wurde er Prediger der St. Johannis Gemeinde von Lebanon, Pa. In 1863 erwählte ihn die Synode der Reformirten Kirche in den Vereinigten Staaten als Professor der Theologie im Seminar zu Mercersburg, Pa.

HARBAUGH war während einem Jahr vor seinem Tode leidend gewesen. Am 28. December, 1867, entschlief er sanft in dem Herrn.

Er war zweimal verheirathet. Das erste Mal mit Mary Goodrich von Ohio, welche in 1847 starb. Das zweite Mal mit Mary Louisa Linn von Lewisburg, Pa. Er hinterlässt neben dieser sieben Kinder.

HARBAUGH war ein Kanzelredner ersten Ranges. Auch wurde er später als Theolog berühmt. Mit Anfang seines Amtes gründete er den „_Guardian_,” eine englische Monatsschrift, welche er für einen Zeitraum von 17 Jahren redigirte. Als Schriftsteller leistete er Vieles. Er schrieb 3 Bände über „The Future Life,” oder das Leben der Seligen im Himmel; „The Life of Schlatter,” 1 Band; „Fathers of the Reformed Church,” 2 Bände; „The True Glory of Woman,” 1 Band; „The Birds of the Bible,” 1 Band, „Harbaugh’s Poems,” 1 Band; nebst einer Anzahl kleiner Schriften. Auch hat er einen Commentar über den Heidelberger Katechismus geschrieben, welcher wahrscheinlich das kommende Jahr im Druck erscheinen wird.

Obschon HARBAUGH beinahe ausschliesslich in englischer Sprache schrieb, war er doch von Haus aus ein sogenannter Deutsch-Pennsylvanier. In seinem väterlichen Haus wurde Pennsylvanisch-Deutsch gesprochen. Den eigenthümlichen Geist dieses Volkes saugte er von seiner frühesten Kindheit ein. Er liebte dessen Gebräuche, dessen kindlichen Sinn und dessen schlichte Frömmigkeit, und fühlte sich nirgends so wohl zu Haus als in den Familien und grossen deutschen Kirchen Ost-Pennsylvaniens. Bei seinen Besuchen unter diesem Volk bemühte er sich jedesmal, etwas aus dessen geschichtlichem Leben zu sammeln und aufzubewahren.

Die Ost-Pennsylvanier lernten ihn herzlich lieben. Wenn er predigte, strömte das Volk in Schaaren herbei. Seine Predigten waren tief und doch einfach, gründlich und doch verständlich. Er war ein Auswuchs aus ihrem eigenen Leben.

Als Pennsylvanish-deutscher Dichter musste er Bahn brechen. Man war damals noch nicht einig darüber, ob diese Sprache einen besondern Dialekt bilde. Er schrieb für das Volk in der Volkssprache, und das Volk las seine gemüthvollen Gedichte an den Feuerheerden und lachte und weinte darüber.

Sein Tod machte einen tiefen und traurigen Eindruck auf seine zahlreichen Freunde englischer und deutscher Zunge. Sonntags nach seinem Heimgang verkündete mancher Prediger der Gemeinde von der Kanzel, mit Thränen in den Augen: „Unser lieber Bruder HARBAUGH ist in die Ruhe gegangen.” Nebst dem Leichen-Gottesdienst, welcher in Mercersburg gehalten worden, wurden in vielen grossen Gemeinden Ost-Pennsylvaniens, in gedrängten Kirchen, besondere Leichenreden gehalten, wo Thränen der trauernden Liebe reichlich flossen. Als ein Zeichen dieser allgemeinen Trauer geben wir folgendes Gedicht, welches damals erschien.

_B. B._

ZUM A’DENKE AN DR. HEINRICH HARBAUGH.

VOM EHRW. C. Z. WEISER.

Dei’ Harf hengt an der Wand im Eck; Die Schpinne, die webt ’n Drauer-Deck, Mit Schtaab schwerzt sie es aus. Die Schrauwe all minanner los; Die Seede waxe zu mit Moos -- Der Senger is vum Haus!

Wie ungern sag’ ich, was ich meen! Doch du kumscht ewig nimme heem, So lang die Welt noch schteht! Dann du warscht allfart frieh un schpoht, Un dei’ Harf wär net so vergroht, Sie war dir nie verleedt.

Ich meen ich dhet ah, wann ich schteh Und an die Wand in’s Eck nei’ seh, En Liedche Heere geh’! ’S is wie ’n Orgel an’re Leich, Gans duhs un doch in Droscht so reich -- ’S is traurig, aber schee’!

Dess is -- so bild ich mir gern ei’, Un ’s kennt ah werklich Wohret sei’ -- Dei’ Loblied wo ich heer’; Das iwwer die gans Kerch ergeht Un aus so gar viel Herze weht, Als dei’ verdiente Ehr’.

M’r lest ah heifig in der Schrift, Dass nooch sei’m Dodt ’n frommer Krischt Zerick losst en Echo; Sei’ Erwet schtoppt, doch schterbt er net, Er ruht un draamt schee’ in sei’m Bett -- Sei’ Werke folge no’h!

So scheint mer’s juscht as ob ich kennt Die Weis noch heere wann am End Vum Lied der Singer schtoppt. ’S Schneckhorn weht als fort vum Meer, Wann’s Dhierle hauss is, un es leer Im dunkle Eckschank hockt.

Ich nemm die Harf dann vun d’r Wand, Un trag sie sachte in der Hand ’Naus uf der Weide Baam! Sie schpielt dei’ Loblied prächtig dort, Zu dei’m A’denke immerfort, Wie imme siese Draam.

Du kummscht ah nimmemeh dervor, Du g’heerscht nau zumme annere Khor, Dort b’halte sie dich ah. Dort hot dei’ Lied en anneri Art, Sei’ Harf is nei un himmlisch zart -- ’S sin dausent Seede dra’!

Leb wol, du liewer guter Mann! Sing fort vum Moses un vum Lamm, Mit gute Krischet all’; Mir weile noch en wenig do, Dann kummt dir Eens ums Anner no’h -- Ja, wer wees ah wie bal’!

Harbaugh’s Harfe.

_DAS ALTE SCHULHAUS AN DER KRICK._

Heit is ’s ’xäctly zwansig Johr, Dass ich bin owwe naus; Nau bin ich widder lewig z’rick Un schteh am Schulhaus an d’r Krick, Juscht neekscht an’s Dady’s Haus.

Ich bin in hunnert Heiser g’west, Vun Märbelstee’ un Brick, Un alles was sie hen, die Leit, Dhet ich verschwappe eehig Zeit For’s Schulhaus an der Krick.

Wer mied deheem is, un will fort, So loss ihn numme geh’ -- Ich sag ihm awwer vorne naus Es is all Humbuk owwe draus, Un er werd’s selwert seh’!

Ich bin draus rum in alle Eck’, M’r macht’s jo ewwe so; Hab awwer noch in keener Schtadt Uf e’mol so viel Freed gehat Wie in dem Schulhaus do.

Wie heemelt mich do alles a’! Ich schteh, un denk, un guck; Un was ich schier vergesse hab, Kummt widder z’rick wie aus seim Grab, Un schteht do wie en Schpuck!

Des Krickle schpielt verbei wie’s hot, Wo ich noch g’schpielt hab dra’; Un unner selle Hollerbisch Do schpiele noch die kleene Fisch, So schmärt wie selli Zeit.

Der Weisseech schteht noch an der Dhier -- Macht Schatte iwwer’s Dach: Die Drauwerank is ah noch grie’ -- Un’s Amschel-Nescht -- guk juscht mol hi’ -- O was is dess en Sach!

Die Schwalme schkippe iwwer’s Feld, Die vedderscht is die bescht! Un sehnscht du dort am Giebeleck ’N Haus vun Schtopple un vun Dreck? Sell is en Schwalme-Nescht.

Die Junge leie allweil schtill, Un schlofe alle fescht. Ward bis die Alte kriege Werm No’d herscht du awwer gross Gelerm -- Vun Meiler in dem Nescht!

Ja, alles dess is noch wie’s war Wo ich noch war en Buh; Doch anner Dings sin net meh so, For alles dhut sich ennere do Wie ich mich ennere dhu.

Ich schteh wie Ossian in seim Dhal Un seh in’s Wolkeschpiel, -- Bewegt mit Freed un Trauer -- ach! Die Dhrene kumme wann ich lach! Kanscht denke wie ich fiehl.

Do bin ich gange in die Schul, Wo ich noch war gans klee’; Dort war der Meeschter in seim Schtuhl, Dort war sei’ Wip, un dort sei’ Ruhl, -- Ich kann’s noch Alles seh’.

Die lange Desks rings an der Wand -- Die grose Schieler drum; Uf eener Seit die grose Mäd, Un dort die Buwe net so bleed -- Guk, wie sie piepe rum!

Der Meeschter watscht sie awwer scharf, Sie gewe besser acht: Dort seller, wo lofletters schreibt Un seller, wo sei Schpuchte treibt, Un seller Kerl wo lacht.

Die Grose un die Kleene all Sin unner eener Ruhl; Un dess is juscht der rechte Weg: Wer Ruhls verbrecht, der nemmt die Schleg, Odder verlosst die Schul.

Inwennig, um der Offe rum Hocke die kleene Tschäps, Sie lerne artlich hart, verschteh, Un wer net wees sei’ A B C -- Sei’ Ohre kriege Räpps.

S’is hart zu hocke uf so Benk -- Die Fiess, die schteh’n net uf -- En Mancher kriegt en weher Rick In sellem Schulhaus an der Krick, Un fiehlt gans krenklich druff.

Die arme Drep! dort hocke se In Misserie -- juscht denk! Es is kee’ Wunner -- nemm mei Wort -- Dass se so wenig lerne dort, Uf selle hoche Benk.

Mit all was mer so sage kann, War’s doch en guti Schul; Du finscht keen Meeschter so, geh, such -- Der seifre kann darch’s ganze Buch, Un schkippt keen eeni Ruhl.

Bees war er! ja, dess muss ich g’schteh; G’wippt hot er numme zu; Gar kreislich gute Ruhls gelehrt Un wer Schleg kriegt hot, hen se g’heert, Hot eppes letz gedhu’.

Wann’s Dinner war, un Schul war aus, Nor’d hot mer gut gefiehlt; Dheel is ’n Balle-Gehm gelunge, Dheel hen mitnanner Rehs g’schprunge, Un Dheel hen Sold’scher g’schpielt.

Die grose Mäd hen ausgekehrt -- Die Buwe nausgeschtaabt! Zu helfe hen en Dheel pretend, Der Meeschter hot sie naus gesendt: Die Ruhls hen’s net erlaabt.

Die kleene Mäd hen Ring geschpielt Uf sellem Waasum da; Wann grose Mäd sin in der Ring -- ’S is doch en wunnervolles Ding! -- Sin grose Buwe ah!

Die Grose hen die Grose ’taggt, Die Kleene all vermisst! Wie sin se g’schprunge ab un uf, Wer g’wunne hot, verloss dich druf, Hot dichdiglich gekisst!

Am Chrischdag war die rechte Zeit -- Oh wann ich juscht dra’ denk! Der Meeschter hen mer naus geschperrt, Die Dhier un Fenschter fescht gebärrt -- „Nau, Meeschter, en Geschenk!”

Nor’d hot er awwer hart browirt, Mit Fors zu kumme nei’; Un mir hen, wie er hot gekloppt, ’N Schreiwes unne naus geschtoppt, „Wann’s seinscht, dann kannscht du rei!”

Nau hot der Meeschter raus gelänst, Gar kreislich schiepisch ’gukt! Eppel un Keschte un noch meh’, ’S war juschtement in fäct recht schee’, Mir hen’s mit Luschte g’schluckt.

Oh wu sin nau die Schieler all, Wo hawe do gelernt? ’N Dheel sin weit ewek gereest, Vum Unglick uf un ab gedscheest, Dheel hot der Dodt geärnt!

Mei Herz schwellt mit Gedanke uf, Bis ich schier gar verschtick! Kennt heile, ’s dhut m’r nau so leed, Un doch gebt’s mir die greeschte Freed, Dess Schulhaus an der Krick.

Gut bei! alt Schulhaus -- Echo kreischt Gut bei! Gut bei! zurick; O Schulhaus! Schulhaus! muss ich geh’, Un du schtehscht nor’d do all allee’, Du Schulhaus an der Krick!

Oh horcht, ihr Leit, wu nooch mir lebt, Ich schreib eich noch des Schtick: Ich warn eich, droh eich, gebt doch Acht, Un nemmt uf immer gut enacht, Des Schulhaus an der Krick!

_DIE NEIE SORT DSCHENT’LLEIT._

O heert, ihr liewe Leit, was sin des Zeite; Dass unser eens noch dess erlewe muss! ’N jeder Baurebuh muss Kärridsch reide, Un Baure-Mäd, die schleppe rum in Seide, Un Niemand nemmt an all dem Schtolz Verdruss.

’N eegne Boghie hot ’n jeder Baurebuh, ’N schpreier Gaul un G’scherr mit Silwerb’shlege druf, Un plenti Zehrgeld ah im Sack, -- do is kee’ Ruh, Am Samschdag gehn die Dschent’lleit ’m Schtedt’l zu Un schtelle dort am deirschte Wertshaus uf.

Wie is des junge Baurevolk doch ufgedresst, Wie heewe se die Kepp so schteif un hoch! Wie dhun se in die schtolze Fäsch’ns renne, M’r kann se nimme vun de Schtadtleit kenne, Sie mache all ihr Hochmuths-Wege nooch.

D’er Vatter denkt: Was hab ich schmärte Sehne, Die Mutter sagt: Mei Mäd die kumme raus! So Schteil koscht Geld. Ja well, m’r kann jo lehne. Sell geht ’n Weil, bass uf, du werscht’s ball sehne, Der Vatter „geht d’r Bungert Fens ball ’naus.”

Vor Alters war es als en Sinn un Schand, Meh’ Schulde mache as m’r zahle kann; ’Sis net meh so: m’r gebt juscht Notis dorch die Editors M’r het geclos’t, un dhet cumpaunde mit de Creditors, Wer so betriegt, der is en Dschent’lmann.

Wie lebt m’r nau? Ich sehn du weescht noch nix! M’r lebt juscht wie d’rvor: des fixt die Lah! M’r eegent nix -- die Fraa hot’s all in Hand -- M’r is ihr Edschent, mänedscht Geld un Land Un geht nau in die Koscht bei seiner Fraa!

_DER BELSNICKEL._

O kennscht du den wieschte, den gaschtige Mann? Hu! -- derf m’r den Kerl e Mensch heese? Ja, dass er en Mensch is mag glaawe wer kann, Er gukt mir zu viel wie der Beese!

Seh juscht ’mol sei’ Aage, sei Naas -- alle Welt! -- Er dhut ’s Maul uf un zu wie die Scheere; ’N Schwanz wie ’n Ochs, ja, des hot er, gelt? Un en horiger Belz wie die Bäre.

Kummt der in dei’ Haus, dann gebt’s Lärme genunk, Er sucht die nixnutzige Kinder! Un find ’r eens, geht er uf eemol zum Punkt, Un dengelt gar bumm’risch die Sinder.

Er schtellt sich do hi’ mit d’r forchtbare Rudh, Un brummelt sei’ drohende Rede; Do werre die Kinner uf eemol arch gut Un fange recht heftig a’ bete!

War eens -- wie’s manchmol der Fall is -- recht knitz; Wollt d’ klee’ Fitz der Mutter verschpettle: Ich wett, es lacht net for d’r Belsnickelfitz -- Es dhut um gut Wetter gschwind bettle.

Nau schittelt d’r Belsnickel grausam sei’ Sack, Raus falle die Kuche un Keschte; Wer gut is, kann lese, -- wer schlecht is, den -- whack! -- Den schmiert ’r mit Fitzeel zum Beschte.

Vum Belsnickel hab ich nau ebbes gelernt, Des wer’ ich ah nie net vergesse: Nooch dem dass mer se’t werd eem ah in der Aernt Die Frucht vun seim Werk ausgemesse.

_DER ALTE FEIERHEERD._

Die alte Dichter lowe schmärt ’S Holsfeier uf’m Feierheerd; Ihr Schreiwes heemelt unser eem -- Ich les ’s gern -- es kummt mir heem! ’S is mir wie aus ’m Herz geredt; Ich fiehl wie wann ich’s sehne dhet.

’S is heitsedag net meh’ der Fall; Kohleffe sehnt mer iwerall Un bei de Leit dass recht hoch schtehn Is net emol en Feier zu sehn! Du schtaunscht? ’s is so -- verloss dich druff -- Die Hitz kummt aus’m Keller ruff!

Do is m’r oft recht iwel dra’; Wo sitzt m’r hi’? -- wo gukt m’r na’? G’wohnt is m’r an die alte Leier Un nix scheint recht -- m’r gukt for’s Feier! Wek mit so Fäschens -- ’sin nix werth -- Geb mir der alte Feierheerd.

For seller Platz trag ich im Herz Fascht immerfort ’n Heemweh-Schmerz; Was ich ah dhu, wo ich ah bin, Dort gehne mei’ Gedanke hin. Es bleibt m’r immer lieb un werth Der alte, warme Feierheerd.

Der Hinnerklotz war dick un rund, Un vorne dra’ die Feierhund, Uf selli dhut m’rs kleenere Hols, Nor’d schteigt die Flamm gar hell un schtolz; Un wann d’r Schtormwind drausse haust, Wie dann d’r Zuhk im Schornschtee’ braust.

Im Vorroth hot m’r Hols bereit Un ufgepeilt uf eener Seit; Un driwe schteht, nach alter Ruhl, Der gutgewor’ne Schieneschtuhl. Die Zang un Schaufel hen ihr Zweck; M’r schtellt sie dort in’s Schornschtee’ Eck.

Sell Mäntelbord -- was halt’s so viel! -- Die Lichterschteck un Kaffemiehl, Die Biegeleise, gross un klee’, Seht m’r dort all beisamme schteh’; Die Schwewelhelzer noch d’rzu -- M’r kennt net ohne selli dhu!

Nau wammer Owets sitzt un gukt Wie’s doch dort in de Kohle schpukt! Es glieht un schtrahlt -- weiss, schwarz un roth -- Nau gans lewendig, un nau dodt; M’r gukt un denkt -- m’r werd gans schtill, Un kann juscht sehne was m’r will!

Wie schee’ wammer der Owet schpendt Am Feier bis es nunnerbrennt; M’r meent die Kohle suche Ruh, Die Weissesch dschillt un deckt sie zu; Sie gewe sich so dreemisch hin, Wie Aage, wann se schläfrig sin!

Hot m’r ’n g’wisser Freind beiseit, M’r sehnt viel meh’ bei solcher Zeit! Wann zwee mitnanner guke, scheint Das Heerdfeier herrlich, guter Freind! Un bischt du eens vun sellem Paar, Dann sagscht net gern, wer’s anner war!

Do heest’s, es werre Junge oft, Wie gans vernaddert, unverhofft! Sie sehne in der Kohlegluth ’N Haus vor sich -- ’n scheenes Gut -- Un wolle mitenanner fort Zu hause an dem scheene Ort.

Ich glaab net viel an Hexerei -- Mag sei’, ’s is eppes so debei! Eens wees ich awer gans gewiss: Es gebt keen Platz wie seller is; Er schpukt m’r immer vor dem Herz Un weckt ’n Art vun Freedeschmerz.

Denk ich an sell alt Mäntelschtick, Dann kummt mei’ Kindheet widder z’rick; Dann lebt der gute Vater noch -- Dann is die Mammi widder Koch! Un die Geschwischter -- all zerschtreit -- Versammle an der Owetzeit!

Vor mir ’n Buwele, zart un klee’, Liegt’s Lewe widder wunnerschee’! Die Hoffnung lächelt freedig fort Wie’s Bildwerk an de Kohle dort! Hier haw’ ich was mei’m Herz gefellt, Loss brause drauss die rauhe Welt!

_DIE SCHLOFSCHTUB._