Hanna: Gebet- und Andachtsbuch für israelitische Frauen und Mädchen

Part 6

Chapter 63,736 wordsPublic domain

All' mein Lebtag möchte ich eine würdige Schülerin des großen Lehrers sein, dem nie ein _Prophet geglichen, der die Herrlichkeit Gottes geschaut von Angesicht zu Angesicht_. Amen!

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III. Gebete für die ernsten Feste. ‎‫יָמִים נוֹרָאִים‬

1. Das Neujahrsfest. ‎‫רֹאשׁ הַשָּׁנָה‬

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Zwei Tränen. Festbetrachtung am Neujahrsfeste.

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Wenn es in irgend bedeutsamen Augenblicken geschieht, daß es uns an Worten gebricht, uns auszudrücken und mitzuteilen — wie muß uns die Sprache nicht ohnmächtig erscheinen in einem Augenblicke, der für unser Leben immer der bedeutsamste bleibt, am Anfange eines neuen Jahres! Was da uns erfaßt, was da uns bewegt, wie da von hinterwärts und vorwärts, aus der Vergangenheit und Zukunft, Ströme von Empfindungen und Gefühlen in unser Herz sich ergießen, wie da Erinnerungen und Hoffnungen in unserer Brust auf- und niederwogen, wie könnte solch ein vielgestaltig Bild durch den langsamen Griffel des Wortes wiedergegeben werden! Dafür aber hat uns der Schöpfer eine andere Sprache gegeben: Was die Rede nicht meistert, was das Wort nicht sagen kann, — es sagt's die _Träne_. Und ob sie in nicht verhaltenem Gusse die Wange mag herniederperlen, oder ob wir, uns bewältigend, sie nach innen weinen, wer den überwältigenden Gedanken dieses Tages denkt, er weint die Träne, die Zeugin seiner Herzenswallung, _die Träne des Leides und die Träne der Freude_.

Das vergangene Jahr, es will sein Recht. Und ob man gleich die Zeit eitel und flüchtig nennt, für den hat sie eine eiserne Gegenwart, dem sie wehe getan, ihm schwebt das Bild seiner trüben Erfahrungen vor den Augen, als wäre es mit ewigem Griffel gezeichnet, und oft ist der Schmerz noch so wenig vernarbt, daß es nicht einmal der Erinnerung bedarf, um die Träne des Leides in sein Auge zu drängen.

Wer aber hätte sich nicht einmal von der Hand des Geschickes unsanft erfaßt gesehen, oder wer hätte nicht die oft noch unsanftere Berührung empfunden, mit welcher Menschen unser innerstes Gefühl verletzend antasten? Ob das Geschick, oder ob die Menschen sie uns erpreßt, sie fließt, die _Träne des Leides._

Ob wir durch Sorgen uns hindurchgewunden, um das tägliche Brot, ob wir zu den Füßen erblicken die Trümmer von Hoffnungen, Wünschen und Entwürfen, oder ob wir als leer und nichtig erkennen, was wir einst fest und sicher glaubten, die Freundschaft, die Treue, die Hingebung, die alles kündigt, dies alles umschließt eine _Träne_.

Aber nicht bloß des Schmerzes Zeugnis ist sie, diese _Träne_, sie ist auch des Trostes Erweckerin. Ist es doch dem Weinenden, als ob er mit ihr auch seinen Schmerz ausgösse, denn sie erweckt in uns den Gedanken, daß Gott es war, der über uns entschieden. Wie traurig wäre es, wie könnten wir es ertragen, wenn sich zu dem Schmerze auch noch der Zweifel gesellte, wenn unser trostbedürftiges Herz der Gedanke umstrickte: Es war alles nur des Zufalls Spiel. Eine kalte Naturnotwendigkeit hat das Liebste uns vom Herzen gerissen, ein blindes Geschick hat der Sorgen Last über uns ausgeschüttet. Darum spricht dieser Tag mit seinen schmerzlichen Erinnerungen uns den Trost zu: Er, der die Zeiten dahinrauschen läßt, ist es auch, der der Zeiten Ereignisse bestimmt. Wohl gibt es ein Festes, ein Notwendiges, demgegenüber all unser Wollen und Streben ohnmächtig sich erweist, aber es ist nicht die erklärungslose Festigkeit eines Fatums, nicht die starre Notwendigkeit der Natur, es ist vielmehr der zweckvolle Wille einer höheren Weisheit. So ist die _Träne des Leides_ zugleich die Erweckerin des Trostes. Und wenn wir nicht nur um uns, sondern auch in uns schauen, und in dem niederdrückenden Gefühl unserer Schwäche, in dem Bewußtsein unserer Fehler und Mängel auch die Träne der Schuld vergießen, so ist sie allerdings auch die des Leides, aber, wer Tränen vergießt, ob seiner Schuld, der fühlt die Sehnsucht nach Vervollkommnung, der hat das Streben nach Besserung, und mit dem Streben nach Besserung kommt das Selbstvertrauen und die Träne wird zur Quelle des Trostes.

Aber auch eine _Träne der Freude_ haben wir zu weinen! War denn ein Tag im hingeschwundenen Jahr, dem nicht auf die Nacht das Morgenrot gefolgt wäre? Und hat sich nicht mit jedem Morgen die Güte des Herrn neu an uns bewiesen? Ruft doch selbst jener Sänger, der den schmerzlichen Fall Israels gesehen unter Klagen aus: „_Ja, die Güte Gottes, sie hört nicht auf, seine Gnade schwindet nicht, wie von neuem stets der Morgen tagt, so erneuert sich Deine Güte._“ Und wer hätte selbst, wenn ihm die Hand des Herrn noch so wehe getan, von derselben Hand nicht auch der Wohltaten Fülle empfangen? Hat er nicht vielfach den Lohn seines Fleißes, das Gedeihen des Werkes seiner Hände erblickt? So manches von dem, was er erstrebt, gewünscht, versucht, hat sich verwirklicht und erfüllt. Und dann vor allem, erblickt er nicht diesen Tag? Hat er nicht das Leben? Wer aber Leben hat, der hat auch Hoffnung. So fließet denn in der _Träne der Freude_, wie sie der dankbare Erguß unseres Herzens ist, zugleich der Quell der Hoffnung. Und wann bedürfen wir der Hoffnung mehr, als heute, da wir ein neues Jahr beginnen, da unser Auge sich auf die Zukunft richtet, die vor uns liegt, umhüllt von dem dichten Schleier des tiefsten Geheimnisses. Die Hoffnung allein gibt uns den Mut, der Ungewißheit nicht zu achten und getrost den Fuß auf unbekannten Pfad zu setzen, sie ist die Stimme, die zu uns spricht mit fast überzeugender Kraft der Beruhigung. Und was ist es, das wir hoffen! Sollten nicht, wie in dem dahingeschwundenen Jahre, so viel Denkmale aufgerichtet stehen, von Gottes Gnade und Güte, als wir Stunden durchlebt haben, sollte nicht ebenso in dem kommenden die Kette der Gnadenzeugnisse sich fortsetzen? Und wenn wir auch hier nicht um uns, sondern in uns schauen und, in dem Bewußtsein, daß Gott trotz unserer Fehler und Schwächen und Sünden dennoch uns seine Güte nicht entzogen hat, eine _Träne der Reue_ weinen, und wenn sich dabei die Zuversicht kräftigt, daß Gott uns auch bei dem Werke unserer Veredlung beistehen wird, dann ist auch diese Träne eine _Träne der Freude_ und auch sie erscheint als ein frischer Lebensquell der Hoffnung.

Und so treten wir getrost in das neue Jahr, denn wir hoffen auf den, der in der Zeiten Wandelbarkeit allein unwandelbar ist. Beherzigen wir, was mit der Vergangenheit uns versöhnt, für die Zukunft uns stärkt. Tröstlich ergeben in die Vergangenheit, die Gottes war, mutig hoffen auf die Zukunft, die Gottes sein wird, das ist die Lehre dieses Tages — die Lehre _zweier Tränen_. Amen!

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Am Vorabend des Neujahrsfestes.

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So sinke nun hernieder Du letzter Tagesrest, Des' letzter Schimmer wieder Ein Jahr uns enden läßt! Das neue wird erscheinen Nun bald im Abendstern, Der ruft, uns zu vereinen In Demut vor dem Herrn.

Wir trauen Deiner Liebe O, Herr, und fürchten nicht, Du, Vater, uns! o übe Mit uns ein mild' Gericht! All' uns're Lebenspfade Bestimmst Du, Herr, allein, O, schreib' ins Buch der Gnade, Allgütiger uns ein.

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Gebet am Vorabend des Neujahrsfestes. (Zum Jahreswechel.)

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Allmächtiger! So oft ich nachdenke über mein Verhältnis zu Dir, so oft erfüllt die Betrachtung Deiner Größe und Ewigkeit, gegenüber meiner Hinfälligkeit und Vergänglichkeit, meine ganze Seele mit Demut und Zagen, aber das Bewußtsein Deiner Liebe richtet sich wieder auf, und im Gebete zu Dir finde ich mich wieder als Dein _Kind_, finde ich _Dich_ wieder, als meinen Vater.

Das ist mein wahres Verhältnis zu Dir, und im Gefühle desselben will ich auch jetzt die Gedanken und Wünsche meines Herzens vor Dir offenbaren, wie ein Kind mit dem Bekenntnis seiner Empfindungen vertrauensvoll hintritt vor seinen Vater, jetzt, da der Ernst einer weihevollen Stunde zum Gebete mich mahnt, jetzt, da die letzten scheidenden Strahlen der Sonne nicht bloß einen Tag, sondern ein ganzes Jahr beschließen.

Was ist ein Jahr vor _Dir_? „Tausend Jahre sind vor Dir dem gestrigen Tage gleich, der schnell vorüberzog._“ Was aber ist ein Jahr vor _mir_? Ein großes Stück meines Lebens. „Denn uns'rer Jahre hohe Zahl ist siebenzig, und ausgezeichnet ist's, wenn deren achtzig werden._“ Darum gleitet die Stunde des Jahreswechsels dem denkenden Sinne nicht unbeachtet vorüber, und der wache Geist vernimmt den Zuruf: Steh' still, Wanderer, auf der Lebensbahn, steh' still und schaue um dich!

Und so richte ich denn meinen Blick zurück auf die Tage des verflossenen Jahres. Mancher von ihnen ist hingegangen, und er ragt nicht hervor aus der Reihe der übrigen, seine Ereignisse sind meinem Gedächtnisse entschwunden; mancher hingegen hat sich tief in mein Gedächtnis eingeprägt und einen bleibenden Denkstein hingestellt auf den Pfad meiner Erinnerung; alle haben wie die Glieder einer Kette sich an einander gereihet, die abgelaufen ist von dem Rade meines Erdenwandels. Wiederum habe ich den Ernst des Lebens mehr erkannt, und neue Änderungen sind eingetreten in meinem Streben und in meinen Neigungen, neue Spuren der Erfahrung haben sich eingegraben auf die Tafel meiner Weltanschauung. Und hervorgegangen aus allen diesen Veränderungen ist mehr und mehr das Bewußtsein, daß es nur ein Glück gibt auf Erden, das des Ringens und Strebens würdig ist, das ist ein friedliches Gewissen, ein reines Gemüt, das freien Mutes hintreten kann vor Dich, seinen Schöpfer.

Viel des Guten habe ich erfahren in den Tagen des verflossenen Jahres. Unausgesetzt hat die Liebe der Meinigen mein Herz erquickt, oft habe ich mich des Abends zur Ruhe gelegt mit dem süßen Gefühle erfüllter Pflicht, oft ist mir die Gelegenheit geworden, das Herz meines Nebenmenschen zu erfreuen, oft habe ich mit Freuden beobachtet, wie das ganze Menschengeschlecht fortschreitet auf der Bahn der Erkenntnis und der Einsicht, oft genug habe ich mit Stolz es wahrgenommen, wie mein Volk, das Haus Israels, seine Fähigkeit offenbart und seine Bestimmung nicht verleugnet, voranzuleuchten als Licht des Glaubens und der Gotteslehre allen Völkern auf der Erde. All diese Freuden aber sind Dein Werk, all diese Süßigkeiten sind ein Ausfluß Deiner Liebe.

Viel des Trüben habe ich auch erfahren in den Tagen des verflossenen Jahres. Ach, nicht immer war mein Haupt frei von Sorge, mein Herz frei von Kummer! Oft trat die Gefahr an mich heran, die grimmig die Hand ausstreckt, die Zufriedenheit, die Freude und viele andere Schätze des Lebens mir zu rauben. Oft sah ich Leid um mich her und konnte es nicht beseitigen, oft sah ich Bosheit an meiner Seite und konnte ihren Weg nicht hemmen, oft sah ich Not bei meinen Nebenmenschen und konnte sie nicht lindern, oft sah ich auch das Gebäude meiner eigenen Hoffnungen in Trümmer sinken, und noch öfter erkannte ich die Torheit meiner Wünsche und vermochte nicht, sie zu bannen. Alles aber hast Du, mein Gott, so gewollt und durch Deine Gnade hast Du mich erhalten, daß ich jetzt am Schlusse des Jahres, auch für diese Prüfung Dir danken kann.

Und so richte ich meinen Blick nun auch auf die Tage des Jahres, die da kommen sollen. Doch was ich schaue, ist nichts als ein dichter Nebel, mit dem Deine Allweisheit den Blick des Menschen verschleiert, daß er die Zukunft nicht durchdringe, und dieser Nebel der Unwissenheit lehrt uns mehr als alle Betrachtung der sichtbaren Dinge, daß wir Dir allein unterworfen sind, Dir allein unser Schicksal anheimstellen müssen und nur das eine Recht besitzen, in inbrünstigem Gebete zu Dir das Heil für uns zu erflehen.

Darum bitte auch ich Dich, mein gütiger, himmlischer Vater, jetzt am Beginne des Jahres um Deine Gnade für mich in den Tagen des Jahres.

O Herr, mein Gott! gib meinem Geiste Einsicht und meinem Herzen den Willen, das Gute zu finden und die Tugend zu üben. Erhalte mir die Gesundheit des Leibes und der Seele, sei mit den Meinigen allen und laß täglich Deine Liebe an uns offenbar werden, schütze uns vor Gefahren und halte die Versuchung von uns ferne. Vergib uns unsere Sünden und begnadige uns mit einer milden Gesinnung, daß auch wir Nachsicht üben mit den Fehlern unserer Nebenmenschen.

Auf Dich will ich hoffen, Dir will ich vertrauen, Du warst mein Beschützer und Leiter bis zu dieser Stunde, Du wirst es auch ferner sein, mein Gott und Vater! Amen!

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Morgengebet am Neujahrsfeste. (Vorher Nischmath, Seite 19.)

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Mein Gott! Mit Andacht öffne ich meine Lippen, daß mein Mund Deinen Ruhm verkünde.

Gelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, Gott unserer Väter, Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs! Du bist der Große, der Mächtige, der Ehrfurchtbare, Du bist der erhabene Wohltäter und Vergelter aller guter Handlungen. Du gedenkest auch der Frömmigkeit unserer Vorfahren, die in Treue vor Dir gewandelt sind, und vergiltst ihre Tugend noch ihren Kindeskindern, um Deines heiligen Namens Willen in Liebe.

*O gedenke auch unser darum am Neujahrstage mit Deiner Liebe und bestimme uns zum Leben; Du, o König, hast ja Wohlgefallen am Leben! O schreibe uns ein in das Buch des Lebens, um Deiner Liebe Willen, Du Herr des Lebens.*

König bist Du über die Welt, Helfer, Retter, Schild und Beistand allen Deinen.

Ja, Du bist der Allmächtige in Ewigkeit! Deine Gnade gegen die Erdenkinder erstreckt sich über ihr Leben auf Erden hinaus, denn auch denen, die entschlafen sind zum Tode, bist Du ein Helfer in den Gefilden der Ewigkeit. Auf Erden aber ernährst Du die Lebendigen, stützest die Fallenden, heilest die Kranken, erlösest die, so gefesselt sind in den Banden des Unglücks.

*Wer ist Dir gleich, Vater der Barmherzigkeit! Du gedenkest in Gnade aller Deiner Geschöpfe, Dein Geschenk ist ihr Leben.*

Heilig bist Du, und heilig ist Dein Name, und allen Frommen gebührt es, Dich täglich zu loben.

O, so möge denn auch die Zeit immer näher kommen, daß Dich, den Ewigen, unseren Gott, alle Deine Geschöpfe in Ehrfurcht preisen, daß alle Menschen auf der Erde erfüllt werden von dem Bewußtsein Deiner Erhabenheit, daß alle einmütig vor Dir sich beugen, daß alle in _einem_ Bunde sich vereinigen, um mit freudigem Herzen _Deinen_ Willen zu üben; daß sie es erkennen, so wie wir es wissen, daß Dein allein die Herrschaft ist, alle Macht nur in _Deiner_ Hand, alle Stärke nur in Deiner Rechten, und daß Dein Name allein würdig ist, der Inbegriff aller Ehrfurcht zu sein für alle Geschöpfe der Erde.

Und so möge es auch zur Ehre Deines Volkes anerkannt werden, daß sein Glauben die Wahrheit ist. Das sei der Ruhm Deiner Verehrer, die Hoffnung derer, die Dich suchen. Das freimütige Wort derer, die auf Dich harren, sei immerdar die Rede: „_Einst wird der Herr das Licht der Wahrheit leuchten lassen über die ganze Welt._“ O tue es bald! O tue es bald!

Bringe näher die Zeiten des Heiles vor unseren Augen, so daß die Gerechten es sehen und sich dessen freuen, die Redlichen jauchzen, die Frommen in Jubel ausbrechen, wenn das Laster verstummt, die Bosheit wie Rauch vergeht und die Herrschaft des Übermutes schwindet von der Erde.

Dann wird der Glauben an Dich allein die Welt regieren, dann wird erfüllt sein Dein heiliges Wort:

„_Der Herr allein regiert die Welt, dein Gott ists, der Gott auf Zion, angebetet von Geschlecht zu Geschlecht, Halleluja!_“

O Ewiger! unser Gott! laß diesen Tag der _Erinnerung_, diesen Tag des Posaunenschalles zu unserem Heile werden.

Laß heutigen Tages vor Dir aufsteigen das Andenken an uns, die Betenden, auch das Andenken an unsere Väter, die vor Dir gewandelt, auch das Andenken an den Erlöser, den Du Deinem Volke verheißen, auch das Andenken an Jerusalem, Deine heilige Stadt, auch das Andenken an das ganze Volk Israel, dem Du ein treuer Hüter gewesen bist auf seinem Wege durch die Zeiten, damit Du am heutigen Tage der Erinnerung unser gedenkest in Milde und Barmherzigkeit, zum Glücke und zur Rettung, zum Leben und zum Wohlsein.

O, gedenke unser heut zum Glücke! Erinnere Dich unser zum Segen! Steh' uns bei, auf daß wir leben!

Denn auf Dich sind unsere Augen gerichtet, Du bist Gott, Du bist König, Du bist der Allgütige.

O Du, unser Gott und Gott unserer Vorfahren! Reinige auch unser Herz von Sünde und Irrtum, daß wir in Aufrichtigkeit und Wahrheit Dir dienen. Wenn wir uns sättigen an den Gaben Deiner Liebe, so laß uns auch wandeln in den Wegen Deiner Gebote, daß wir Deine Lehre als unser liebstes Anteil achten, damit auch wir vollkommen würdig werden jener seligen Zeiten, da alle Werke es wissen werden, daß Du der Meister bist, alle Geschöpfe es verstehen werden, daß Du der Schöpfer bist, und alles, was Odem hat, es aussprechen wird: „_Der Ewige, der Gott Israels ist König und seine Herrschaft reicht über das Weltall.“_

Nimm auch unsern Dank, o Gott und Gott unserer Vorfahren, für das Leben, das Du bis heute uns bewahrt, für die Wohltaten, die Du bis heute uns erwiesen hast. Alles was Du für uns tust, ist groß und wunderbar. Wir könnten nicht genügend Dir danken, und wollten wir auch jeden Tag vom Morgen bis an den Abend Dich rühmen. Ohne Ende ist Deine Güte, und Deine Liebe hat keine Grenzen.

*Verzeichne zum glücklichen Leben alle Kinder Deines Bundes.*

Laß Deinen Frieden walten über uns, und laß uns allezeit wandeln in Deinem Lichte.

*Verzeichne uns heut, uns und das ganze Haus Israels, ins Buch des Friedens, der Nahrung und des Wohlseins.*

Bewahre unsere Zunge vor böser Rede und unser Gemüt vor Hochmut, segne uns mit einem willigen Herzen und einem eifrigen Geiste zur Erfüllung unsrer Pflichten, und nimm wohlgefällig auf die Worte meines Mundes, Du, mein Fels und mein Erlöser! Amen.

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‎‫אָבִינוּ מַלְכֵּנוּ‬ Owinu malkenu.

Gebet für das Neujahrsfest, den Versöhnungstag und die 10 Bußtage. (Dieses Gebet wird am Sabbat nicht gesprochen.)

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Herr und Vater! Wir haben gesündigt vor Dir. H. u. V.! Du bist allein der Herr, auf den wir vertrauen. H. u. V.! Übe Gnade an uns zur Verherrlichung Deines Namens. H. u. V.! Laß das neue Jahr zu Glück und Heil uns herankommen. H. u. V.! Halte fern von uns jedes schwere Verhängnis. H. u. V.! Vernichte die Ratschläge unserer Feinde, die sie gegen uns gerichtet. H. u. V.! Halte fern von uns Pest, Krieg und Hungersnot. Laß die Deinen nicht in die Gewalt der Unterdrückung und des Verderbens fallen. H. u. V.! Behüte uns vor gefährlicher Krankheit. H. u. V.! Verzeihe und vergib uns unsere Sünden. H. u. V.! Laß in vollständiger Buße uns zu Dir zurückkehren. H. u. V.! Sende vollkommene Heilung allen unseren Kranken. H. u. V.! Gedenke unser mit Wohlwollen und Gnade. H. u. V.! Bestimme für uns ein Leben ohne Unglück. H. u. V.! Bestimme für uns Heil und Erlösung. H. u. V.! Bestimme für uns, daß Not und Mangel uns fern bleiben. H. u. V.! Möge es Deine Bestimmung sein, daß auch wir verdienstlich leben. H. u. V.! Möge es Deine Bestimmung sein, daß Fehl und Unrecht uns verziehen werde. H. u. V.! Laß das Heil der Menschen wachsen und zunehmen. H. u. V.! Erhebe Israel zu seiner wahren Größe und zur Erkenntnis seines Berufes. H. u. V.! Laß Dein Reich auf Erden immer mehr und mehr sich erweitern. H. u. V.! Fülle unsere Hand mit Deinen Segnungen. H. u. V.! Höre unsere Stimme und erbarme Dich über uns. H. u. V.! Nimm unser Gebet in Gnaden auf. H. u. V.! Öffne die Pforten des Himmels unserem Flehen. H. u. V.! Gedenke, daß wir nur Staub sind. H. u. V.! Laß uns nicht leer zurückkehren, da wir gebetet vor Deinem Angesicht. H. u. V.! Laß diese Stunde eine Stunde der Barmherzigkeit, eine Zeit der Gnade vor Dir sein. H. u. V.! Erbarme Dich über unsere unmündigen Kinder. H. u. V.! Gedenke des Verdienstes der Frommen, unserer Vorfahren, die in den Tod gegangen sind um des Glaubens willen, die standhaft ihr Leben geopfert haben für das Bekenntnis Deiner Einheit. H. u. V.! Laß auch ferner Deinen Namen durch uns geheiligt und verbreitet werden. H. u. V.! Nicht unserem Verdienste vertrauen wir, sondern Deiner Gnade. Amen!

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Beim Herausholen der Thora am Neujahrsfeste.

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*O Ewiger! Ewiger! Barmherziger Gott! Du bist der Allgnädige, langmütig und von unbegrenzter Huld und Treue, der seine Gnade bewahret bis ins tausendste* *Geschlecht, der Missetat, Abfall und Sünde vergibt und Übeltäter losspricht.*

(Dreimal.)

Herr des Weltalls! o erfülle die Wünsche meines Herzens, so sie zu meinem Heile gereichen; willfahre meinem Verlangen und erhöre meine Bitte! Vergib erbarmungsvoll alle meine Missetaten, und vergib Fehl und Sünde allen, die mir nahe stehen, und die ich in mein Gebet einschließe. Laß Deine Verzeihung walten über uns aus Gnade und Barmherzigkeit; laß uns rein sein von Sünde und Vergehen. Gedenke heute unser mit Wohlwollen, erinnere Dich unser zu unserm Heile, schenke uns ein glückliches Leben, gewähre uns Frieden, Nahrung, Zufriedenheit, und sorgenfreie Befriedigung der Bedürfnisse des Lebens. Laß es uns nimmer fehlen an Brot und Kleid. Beglücke uns mit Wohlstand und Ansehen und Lebensfreude, damit es uns vergönnt sei, diese Güte anzuwenden zu Werken der Tugend, schenke uns Leben und Gesundheit, damit wir noch lange zu wandeln vermögen in den Wegen Deiner Lehre. Gib uns Weisheit und Einsicht, daß es uns mehr und mehr gelinge, einzudringen in den Plan Deiner Weltregierung. Befreie uns von den Leiden, die uns drücken, und segne die Taten unsrer Hände. Verhänge über uns das Glück, Heil und Trost. Vernichte die Gefahren, die uns drohen, ob sie uns bekannt oder unbekannt sind. Wende immerdar das Herz unseres erhabenen Regenten zum Wohlwollen daß nie wieder über Israel hereinbrechen Tage des Druckes und der Erniedrigung. Also sei es wohlgefällig vor Dir, barmherziger Vater, Herr des Weltalls. Amen!

‎‫שְׁמַע יִשְׂרָאֵל יְהֹוָה אֱלֹהֵינוּ יְהֹוָה אֶחָד‬

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Gebet vor dem Schofarblasen.

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Wiederum ist die kurze, ernste und feierliche Spanne Zeit uns gegenwärtig, die in den Tönen des Schofars uns verkünden wird, daß Du, o Gott, der _Weltenkönig_ bist von Ewigkeit bis in Ewigkeit, daß Du, o Gott, der _Richter_ bist, der alle Wesen vor seinen Thron fordert, damit ihr Urteil ihnen werde, daß Du, o Gott, der _Lehrer_ bist, der mit Donnerstimme am Sinai den Weg verkündiget hat, der zur Wahrheit führt.

Noch schweigt das Horn, und feierliche Stille vergönnt mir einen Augenblick der Sammlung, daß ich die Kräfte meines Geistes und die Empfindungen meines Herzens alle wach rufe, um jene erhabenen Gedanken zu fassen.

Ja, aufraffen will ich mich und erheben im Gebete zu Dir, und niederbeugen will ich mich zum Staube vor Dir, und hinwenden will ich alle meine Gedanken zu Dir, mein _König_, mein Richter, mein _Lehrer_!

_Gott, Du allein bist König in Ewigkeit._ Was ist _irdische_ Macht, was ist menschliche Größe? Die Erde nicht und nicht der Himmel und nicht des Himmels Himmel und nicht der Raum des Weltalls, den die Gedanken des Sterblichen begreifen, umfassen den Abglanz Deiner Herrlichkeit. Nicht _Dein Befehl_ ist's, dem die Welten dienen, nicht _Dein Wort_ ist's, dem die Heere des Himmels gehorchen, _Dein Willen_ ist's allein. Wo ist ein Willen, der dem _Deinem_ trotzt? Wo ist ein Wirken, daß nicht Du geordnet? Wo ist ein Raum, und er wäre nicht im Gebiete _Deiner_ Macht? Wo ist ein Anfang, der _vor_ Dir war? wo ist ein Ende, das hinausreicht über Deine Dauer? Raum und Zeit sind nicht vor Dir vorhanden. Ja Du, Gott, allein bist der Allmächtige, Du allein bist _König_, Du allein regierst, Du hast regiert und wirst regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit!