Hanna: Gebet- und Andachtsbuch für israelitische Frauen und Mädchen
Part 2
Die Himmel, sie erzählen Gottes Ehre, Die Feste spricht von seiner Hände Werk. Vom Tage strömt das Wort dem Tage zu, Die Nacht gibt diesen Unterricht der Nacht, Nicht sind's geheime Worte und nicht Reden, Daß ihre Stimmen man nicht hören könnte: So weit die Erde reicht, tönt ihre Saite, Ihr Vortrag dringet bis ans Ziel der Welt, Bis wo der Sonnenball sein Zelt gebaut, Der wie ein Bräut'gam zieht aus seiner Hütte, Und freudig, wie ein Held die Bahn durchläuft. Von einer Himmelsgrenze zieht er aus, Den Kreislauf durch, bis wieder zu ihr hin, Und seinem Glanze bleibet nichts verborgen. Die Lehre Gottes labt die Seele ganz, Sein Zeugnis, wahrheitsvoll, macht Toren weise, Und sein Befehl, gerecht, erfreut das Herz. Sein lauteres Gebot verklärt den Blick, Die Gottesfurcht ist rein, bestehet ewig, Die Rechte Gottes allesamt sind Wahrheit. Noch köstlicher als Gold und köstlich Erz, Dem Munde lieblicher als Honigseim. Und auch Dein Knecht will ihrer sorgsam achten, Denn großer Lohn wird denen, die sie hüten. Jedoch wer kennt sie? wer ist frei von Sünden, Die ungern oder unbewußt getan? Vor Übermut nur wahre Deinen Knecht! Laß ihn nicht herrschen über mich — und frei Von Freveltat kann ich Vergeltung hoffen. Laß wohlgefallen meines Mundes Wort, O Gott, und die Gedanken meines Herzens Vor Dir, der Du mir Fels und Rettung bist.
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Psalm 34.
Den Ew'gen will ich loben allezeit, Sein Ruhm soll stets in meinem Munde sein! Des ew'gen Gottes rühmt sich meine Seele, Ihr Demutsvollen hört's und freut euch dessen! O preiset seine Größe laut mit mir Daß allesamt wir seinen Namen ehren. Da ich ihn suchte, hat er mich erhört, Hat mich befreit von allen meinen Ängsten. Die auf ihn schaun, geh'n nie beschämt zurück. Rief je ein Armer, Gott erhörte ihn, Er rettet ihn von allen seinen Nöten. Die Engel Gottes lagern rings im Kreis Um die, die ihn verehren, — sie zu hüten. Da schaut nur hin und seht, wie gut er ist, Heil allen denen, die auf ihn vertrauen! Wohl darben, hungern mag der Löwen Brut, Nie fehlt der Segen denen, die ihn suchen. Kommt Kinder, laßt die Gottesfurcht euch lehren: Wer ist der Mann, der Lust am Leben hat, Die Tage liebt um Freude zu genießen? Wohlan! so wahre Deinen Mund vor Bösem Und Deine Lippen vor des Truges Wort! Der Sünde weiche aus, das Gute übe, Den Frieden suche, folg' ihm emsig nach. Das Auge Gottes schaut auf die Gerechten, Sein Ohr ist ihrem Flehen zugewandt. Doch sieht der Herr auch die, die Böses üben, Um ihr Gedächtnis aus der Welt zu bannen. Er hört auf die, die flehend zu ihm rufen, Von ihrem Leide gnädig sie zu retten; Denn nahe ist er dem gebrochnen Herzen Und seine Hilfe dem gebeugten Geist. Und trifft das Unglück auch den Redlichen, Von allem Übel macht der Herr ihn frei Er hütet ihn, daß er nicht Schaden leide, Daß nicht verletzt sei eines seiner Glieder. Den Sünder führt die Sünde selbst zum Tode, Des Frommen Feind versinkt in seiner Schuld; Die Seelen seiner Diener rettet Gott, Die ihm vertrauen, quält die Reue nie.
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Psalm 90.
Ein Gebet von _Mose_, dem Manne Gottes.
Gott, Du warst unsere Zuflucht für und für! Bevor die Berge noch geboren wurden, Eh' noch die Erde, eh die Welt geschaffen, Warst Du, Allmächtiger von Ewigkeit, Du führtest einst das menschliche Geschlecht Ganz nahe an den Untergang heran. Dann sprachst Du: „Kehret wieder, Adams Söhne.“ (Denn tausend Jahre sind vor Deinem Auge Dem Tage gleich, der gestern ist vergangen, Ja gleich der Wache Wechsel in der Nacht.) Du strömst sie weg, im Schlaf vergehen sie Und sind am Morgen frisch in Gras verwandelt. Und was am Morgen Blüten treibt und sprosset, Das ist am Abend wieder welk und dürr. So geh'n auch wir in Deinem Zorn dahin, Im Deinem Grimme sind wir schnell vernichtet, Wenn unsere Sünden vor Dich hin Du legst Und die verborg'nen prüfst vor Deinem Licht; Es wichen uns're Tage Deinem Zorn, Es schwänden uns're Jahre wie ein Hauch. Nur siebzig Jahr sind uns're Lebensjahre, Und wenn es herrlich ist, so sind es achtzig; Ihr Stolz, was ist er? Müh' und Nichtigkeit. Schnell abgeschnitten dann, wir schweben hin, Wer aber kennet Deines Zornes Macht? Und wie die Furcht vor Dir und Deinem Grimm, So lehre auch uns uns're Tage achten, Auf daß wir uns ein weises Herz erwerben.
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Psalm 91.
Der Du im Schirme des Höchsten, im Schatten der Allmacht verweilest, Sprich zu dem Herrn: „O, Du bist meine Feste, auf die ich vertraue!“ Er, von verheerender Pest, von der Schlinge wird er Dich retten Deckt mit dem Fittige Dich, seine Treue ist Schutz Dir und Waffe. Nimmermehr schreckt Dich die Nacht und die Pfeile, die schwärmen am Tage, Seuche nicht, schleichend im Dunkeln, und Krankheit, verderbend am Mittag. Dich nur erreichen sie nicht, wenn auch Tausend zur Seite Dir fallen. Schaust mit den Augen sie an, und die Strafe der Bösen, die siehst Du. Fürchtest nicht, denn auf dem Herrn, meine Zuversicht, steht dein Vertrauen; Unheil erreichet Dich nicht, und es naht Deinem Zelt keine Plage Denn er befiehlt seinen Engeln, daß überall sie Dich bewachen; Auf ihren Händen getragen, verletzet kein Stein Deine Füße, Löwen und Schlangen zertreten magst Du, und einhergehn auf Nattern, „Ich,“ spricht der Herr, „will ihn retten und schützen, er kennt meinen Namen, Höre ihn, wenn er mich ruft, bin bei ihm zur Zeit seines Leides; Schauen dann soll er mein Heil, gesättigt, befriedigt vom Leben.“
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Psalm 92.
Ein Psalmlied für den Sabbattag.
Wie ist's so schön, dem Ewigen zu danken Und zu lobsingen Deinem Namen, Höchster! Am Morgen Deine Gnade zu verkünden Und Deine Treue preisen in den Nächten Mit Flöten, Saitenspiel und Harfenklang. Denn Du erfreust mich, Herr mit Deinen Taten; Ich jauchze ob der Werke Deiner Hand. Wie groß, o Gott, sind Deine Wundertaten, Und Deine Pläne, wie unendlich tief! Der Unverständige sieht das nicht ein, Der Tor, der blöde, kann das nicht begreifen. Wenn auch die Frevler grünen wie das Gras, Wenn Übeltäter blüh'n — so geh'n sie doch Der ewigen Vernichtung nur entgegen. Du, Herr, Du bist in Ewigkeit erhaben. Und Deine Feinde alle geh'n dahin, Die Übeltäter stäuben auseinander. Mein Horn erhebest Du, dem Waldstier gleich. Mit frischem Öle salbest Du mein Haupt. Mein Auge schaut an meinen Neidern Schmach Ich hör's, wenn Bosheit wider mich sich rüstet. Der Fromme blüht der Palme gleich empor. Er sprosset gleich der Zeder Libanons. Im Haus des Ewigen sind sie gepflanzt, Sie blühen in den Höfen uns'res Herrn, Sie müssen noch im späten Alter grünen, Sie müssen frisch und saftvoll immer sein, Um zu verkünden, daß der Herr gerecht, Mein Schutzfels, und kein Mangel ist an ihm!
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Heil denen, die in Deinem Hause wohnen, die Dich preisen immerdar! Heil dem Volke, dem's also geworden, Heil dem Volke, dessen Gott der Ewige ist!
Psalm 145.
(_Ein Loblied Davids._)
Herr, ich will Dich erheben, Du bist König, Will Deinen Namen preisen für und für. An jedem Tage, Herr, will ich Dich rühmen, Will loben Deinen Namen jederzeit. Denn Du bist groß und angebetet, Herr, Und Deine Größe, sie ist unerforschlich. Die Zeiten alle preisen Deine Taten, Von Deiner Wundermacht erzählen sie, Vom hohen Glanze Deiner Herrlichkeit; Sie sprechen stets von Deinen Wunderwerken. Von Deiner Größe will auch ich erzählen, Will, so wie sie, ob Deiner Güte jauchzen: Allgnädig ist der Herr und voller Huld, Langmütig ist er und von großer Güte Und freundlich gegen alle, — seine Gnade Erstreckt sich über alle seine Wesen. D'rum müssen alle Wesen, Herr, Dir danken, Sie müssen Dich ob Deiner Güte segnen, Von Deines Reiches hoher Herrlichkeit, Von Deiner Macht und Deinen Wundern sprechen, Den Menschenkindern allen zu verkünden Von Deines Reiches hoher Herrlichkeit. Dein Reich, das ist der Ewigkeiten Reich, Und Deine Herrschaft währet für und für. Du stützest, Ewiger, die Fallenden, Du richtest auf die tief Gebeugten alle, Die Augen aller sind auf Dich gerichtet Und Du gibst ihnen Brot zur rechten Zeit. Du öffnest milde Deine Vaterhand Und sättigst, was da lebt, mit Wohlgefallen. Du bist gerecht in allen Deinen Wegen Und gnadenvoll in allen Deinen Taten; Bist nahe denen, die zu Dir sich wenden, Erhörest gern, Die Dich in Wahrheit rufen; Du tu'st den Willen derer, die Dich ehren, Du hörest und erfüllest ihr Gebet; Du bist ein Hüter denen, die Dich lieben, Und Du vernichtest nur die Übeltäter. Drum sei mein Mund, Herr, Deines Lobes voll, Und alles Fleisch, es preise Deinen Namen Von jetzt an bis in alle Ewigkeit. Wir auch, wir alle preisen Dich, o Gott, Jetzt und in Ewigkeit. Halleluja!
So nimm denn Du, Herr, mein Gott, den Ausspruch meines Mundes in diesen Liedern so auf, als ob ich die Gedanken _meines eigenen_ Herzens vor Dir offenbart hätte. Es will mich bedünken, als ob ich Deinen heiligen Namen nicht würdiger preisen könnte, als in der Weise, wie es die Tausende Deiner Bekenner getan haben in Tausenden von Jahren. Du bist heute derselbe, der Du von je gewesen, Du bist der erste und letzte, und außer Dir ist kein Gott, darum brauche ich nicht Neues zu ersinnen, um Dich zu verherrlichen, weil ich es nicht besser tun könnte, als jene erleuchteten Vorbilder der Gottesverehrung. In ihrem Geiste zu denken und zu fühlen, das sei meine Aufgabe und mein Bestreben. Amen!
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נִשְׁמַת Nischmath.
(Dieses Gebet wird auch an allen Hauptfeiertagen gesprochen.)
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Der Odem aller Wesen, die da leben, Soll preisend Deinen Namen, Herr, erheben, Und jeder Geist, der denken kann, Erkenne Dich als König an. Du bist der König allezeit, Von Ewigkeit zu Ewigkeit. Nur Du — kein anderer ist's je gewesen — Nur Du allein kannst helfen und erlösen; Nur Du allein, Du kannst bewahren Vor Leid und Trübsal und Gefahren. Von Anbeginn warst Du allein, Du wirst der Wesen letztes sein; Du schufest alles, was vorhanden, Und nichts ist ohne Dich entstanden, Und fort und fort Wird nur Dein Wort Der Welt in ihrem Sein gebieten; Du leitest sie mit Deiner Liebe, Um in der Schöpfungen Getriebe, Die schwachen Wesen zu behüten; Kein Schlummer kann das Auge Dir bedecken, Doch Du nur kannst die Schlafenden erwecken, Den Mund der Stummen machst Du sprechen, Läßt der Gebundenen Fesseln brechen. Du stützest die zum Staub Geneigten, Du richtest auf die Schwergebeugten; Laß' Dir allein Uns dankbar sein. Wenn unser Mund erfüllt von Liedern wäre, So wie des Wassers voll sind alle Meere, Und könnte unsre Stimme tönen So wie der Meereswogen Dröhnen, Und könnt' um Deines Lobes Willen Sie selbst den Himmelsraum erfüllen, Und blickten wir in's Weltenreich Der Sonne und dem Monde gleich, Und könnte uns ein Flug gelingen So mächtig wie mit Adlersschwingen, Und stiegen wir, gleich der Gazelle, Auch himmelan mit Windesschnelle: So könnten wir trotz all' der Gaben, Nicht Kräfte zur Genüge haben, Um Dich zu fassen, Dich zu erkennen, Für Dich das rechte Wort zu nennen, Wir wären zu gering und klein, Für eine dankbar Dir zu sein Von Deinen Gnaden, Den Myriaden. Seit, unsre Väter zu erlösen, Ein starker Helfer Du gewesen, Seit Du zerrissen ihre Ketten, Vom Sklavenjoch sie zu erretten, Seitdem hast Du auch uns, wie diesen, Dein Heil und Deine Huld erwiesen: Du hast im Hunger uns erquickt, Des Segens Fülle uns geschickt, Und wenn Gefahren Uns nahe waren, Wenn Kriegesnot Uns arg bedroht, Wenn, matt und krank, Der Mut uns sank, Im bösen Tagen, Voll schwerer Plagen, Da ließest Du die bösen Zeiten Vorübergleiten. Und wie bis heut Barmherzigkeit Mit Vaterhuld Du uns geweiht, So achtet ferner Deine Gnade Auf unsere Pfade. O Herr! Vor Deinem Angesicht Verwirf uns nicht.
D'rum beugen wir vor Dir uns nieder. Dir dienen alle uns're Glieder, Die Du zum Leibe hast gestaltet. Und auch der Geist, der in uns waltet Es dienet diesem Wunderbunde Der Zunge Kraft in uns'rem Munde, Sie kann mit ihrem Laut es wagen, Von Deiner Herrlichkeit zu sagen. Es spricht der Mund: Dich loben wir, Und jede Zunge schwört zu Dir, Und jedes Knie vor Dir sich beugt. Und jedes Haupt vor Dir sich neigt, Und jedes Herz ehrfürchtet Dich, Wir singen Preis Dir inniglich. So ist es in der Schrift zu lesen: Mein Geist, mein Leib, mein ganzes Wesen, Das spricht von Gott: Wer ist Dir gleich Im Weltenreich?
Es schützet Deine Huld den Armen, Du schenkst dem Dürftigen Erbarmen, Daß ihn nicht drängt der Übermut, Der Starke ihm nicht Leides tut. Wer will sich Dir zur Seite stellen, Sich Dir gesellen; Wer will vermessen Mit Dir sich messen!
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Ja, Du bist Gott! so groß so groß! So machterfüllt, so fehlerlos! Du einzig Wahrer! Du Ehrfurchtbarer! Erhaben über alle Geister, Des Himmels und der Erde Meister, Wir wollen Dich rühmen, wir wollen Dich preisen Wir wollen Dir dienen und Ehrfurcht erweisen, Dich heiligend nennen, Zu Dir uns bekennen, Und ohne Wanken Mit allen Gedanken Nach Dir verlangen, An Dir nur hangen, Wie David gesungen, so wollen wir singen: Dir Ewigem, Einzigem, Huldigung bringen Soll meine Seele, die aufwärts strebt, Und all mein Leben, das in mir lebt, Soll Benedeien den heiligen Namen Des Herrlichen, Ewigen, Einzigen.
Amen!
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Gebet.
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Herr und Vater! In Deinen heiligen Geboten hast Du die Feier des Sabbates als eine Pflicht von hohem Range für uns bestimmt. _„Gedenke des Sabbattages, ihn zu heiligen. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke verrichten.“_ So lautet das Wort, daß Du vom Sinai gesprochen.
Darum suche ich heute die geweihte Stätte der gemeinsamen Andacht auf, weil ich den Sabbat heiligen will in der Mitte der Deinen.
Hier, in meinem lieben Gotteshause, vermag das Bewußtsein lebhafter in mir zu werden, als im bewegten Treiben der Welt, daß Du, Herr, den Sabbat uns gegeben, damit er eine Wohltat für uns sei. Nur die Einkehr in unser Inneres führt unseren Geist zurück zur wahren Erkenntnis unseres Verhältnisses zu Dir, nur die andachtsvolle Erhebung im Gebete stärkt unser Vertrauen zu Dir und vermindert manches Leid des alltäglichen Lebens, nur der ausgesprochene Dank für die Gaben Deiner Liebe stellt Dich uns lebhaft als unsern Hort und unsere Zuflucht dar, nur die demutsvolle Betrachtung Deiner Größe und Erhabenheit erfüllt uns mit der Empfindung des Glückes, Bekenner Deiner Lehre, treue Anhänger des wahren Gottesglauben zu sein. So wird der Besuch des Gotteshauses, das inbrünstige Gebet, nicht ein Dienst, den wir Dir weihen, sondern eine Wohltat, die wir genießen, eine Freude, die wir Dir verdanken.
O, Herr und Vater, laß mich immer die Freude und die Befriedigung finden, die die Feier des Sabbates gewährt. Und wie ich ihn betrachte als den Tag des Herrn, so will ich auch nie vergessen, daß mit demselben Ausspruche, der den Sabbat einsetzt, Du auch die Arbeit der sechs Tage uns befohlen hast.
Nicht einzig und allein um des Leibes Nahrung sollen wir arbeiten, weil es ja doch töricht ist, zu glauben, daß wir es eben können, denn nicht von unserer Tätigkeit und von unserer Weisheit hängt der Segen ab, der aus dem Werke unserer Hände emporwächst, sondern von Deiner Gnade, und alles, was wir arbeiten und genießen, bleibt, trotz unserer Mühe, ein Geschenk von Dir.
Aber um Dein Gebot zu erfüllen, sollen wir tätig sein, auf daß wir selber weiser und erfahrener und unsern Nebenmenschen nützlich werden. Wahrlich, kein Mensch, dem Du die Kraft zu nützlicher Tätigkeit gegeben hast, ist der Pflicht ledig, sie auch anzuwenden, selbst wenn der Erdengüter Fülle ihn nicht zur Arbeit nötigt.
So soll der Sabbattag mir eine doppelte Mahnung sein: daß ich nie und nimmer vernachlässige, diesen Tag dem Herrn zu weihen durch Gebet und demutsvolles Hintreten vor meinen himmlischen Vater, und daß ich nie und nimmer versäume, das Bewußtsein der Pflicht in mir zu erwecken, daß der Mensch bestimmt ist zu nützlicher Tätigkeit auf Erden. Schenke, mein Gott, hierzu mir Deine Gnade. Amen!
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Beim Herausheben der Thora am Sabbat.
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שְׁמַע יִשְׂרָאֵל יְהֹוָה אֱלֹהֵינוּ יְהֹוָה אֶחָד
לְךָ ה׳ הַגְּדֻלָּה Dein, o Herr, ist alle Größe; was unser Auge und unser Gedanke durchmessen kann, ist nichts vor Dir. Dein, o Herr, ist alle Macht; alle Wesen und alle Welten sind von Deinem Willen abhängig, Dir dienen alle Kräfte der Natur und gehorchen Deinem Winke. Dein, o Herr, ist alle Herrlichkeit; der Himmel und die Erde und alles, was sie schmücket, ist Dein Werk. Dein, o Herr, ist alle Majestät, die sich offenbaret in den Wolken droben, auf der Feste der Erde und in den Fluten des Meeres. Du bist König, Dein ist die Herrschaft, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Erhebet den Ewigen, unsern Gott, und beuget Euch zum Staube vor ihm; denn er ist heilig. Erhebet den Ewigen, unsern Gott, und beuget Euch vor dem Berge seiner Herrlichkeit; denn heilig ist der Ewige, unser Gott.
אַב הָרַחַמִים O Vater der Barmherzigkeit! Erbarme Dich des Volkes Deiner Treuen, gedenke Deines Bundes mit den festen Säulen der Glaubenstreue. Hüte unsere Seele vor bösen Stunden; laß an uns nicht herannahen böse Begierde und Versuchung, sei immerdar unser Retter aus Gefahren und erfülle die Wünsche unseres Herzens, so sie Dir angenehm sind. Amen!
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Gebet bei Verkündigung des Neumondes. (Aus dem Gebetbuch von _Kämpf_.)
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Möge es Dein Wille sein, Ewiger, unser Gott, und Gott unserer Väter, daß Du uns neu werden lassest den kommenden Monat zur Wohlfahrt und zum Segen! Gib uns langes Leben, ein Leben des Friedens und des Wohlergehens, reich an Erwerb und rüstiger Gesundheit; ein Leben voll Gottesfurcht und Sündenscheu, frei von Beschämung und Schande; ein Leben, erheitert durch Wohlstand und Ehre, veredelt durch fromme Werke und gottgefällige Handlungen; ein Leben, in welchem unsere Herzenswünsche nur dann in Erfüllung gehen mögen, wenn sie uns zum Heile sind. Mögen dieses die vereinten Gebete der Gemeinde erflehen! Amen! Selah!
Dasselbe. (Aus dem Gebetbuche von _Geiger_.)
Mein Gott! Laß mich den Anfang und das Ende des kommenden Monats erleben in Kraft und Gesundheit! Sende mir (meinen Eltern) Deinen Beistand, daß ich (sie) an ihm für meine (ihre) Bedürfnisse zu sorgen vermag (vermögen) in Redlichkeit und Ehren! Halte fern von mir und den Meinigen Gefährdung und Beschämung! Mögen die Wünsche meines Herzens in ihm erfüllet werden, so sie Dir, o Herr, wohlgefallen. Dein Reich der Wahrheit und der Liebe werde im Laufe desselben gefördert, auf daß die Zeit der frohen Verheißung immer näher an uns heranrücke: Ein Vater im Himmel, eine Bruderfamilie auf Erden! Amen!
II. Gebete für die Freudenfeste. שָׁלשׁ רְגָלִים
1. Das Passahfest. .פֶּסַח
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Festbetrachtung am Passahfeste.
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„Also solltet ihr das Peßachopfer genießen: eure Lenden gegürtet, Schuhe an den Füßen, den Stab in der Hand.“
Die Stunde der Befreiung schlug. Zu Ende war die entwürdigende Sklavenarbeit in Mizrajim; tief atmete die Brust und hoffnungsfreudig blickte das ungetrübte Auge in eine glückliche Zukunft. Das rauhe Scheltwort grausamer Vögte war verstummt. Wie im Traume vernahm das neugeborene Volk die Heilsbotschaft von Gottes Rettung und Befreiung. Und auch uns klingt heute das Freiheitslied aus weiter, weiter Ferne entgegen, verkündet Gottes Kraft und Allmacht, Gottes Gnade und Güte. Andachterfüllt versenken wir uns in die Erinnerung an jenen großen Tag, an dem die befreiten Scharen Israels das Land der Knechtschaft verließen, die Lenden gegürtet, den Stab in der Hand. Schutzengel beschied der Allgütige, wie unsere alten Lehrer melden, an jenem Tage für alle Zeiten und Schicksale der Geschichte, die wir zu erleben bestimmt gewesen sind. Dem Volke, das mit Glaubensmut umgürtet war und den frommen Pilgerstab in treuen Händen trug, sollten sich Völker und Geschlechter gerüstet entgegenstellen. Doch wir fürchteten nichts. Denn der Ewige sprach: „Ich rüste meinen Engel und gürte ihn mit goldenem Rüstzeug.“ Er stand schirmend an des Schilfsmeeres Ufern; er zog schützend durch die Schrecknisse der Wüste; er breitete seine Fittige über die Väter, als sie das verheißene Land betraten. Er begleitete Israel, das Land und Thron verloren, in die Verbannung; er zog mit den versprengten, trauerumhüllten, gramgebeugten Brüdern und Schwestern, die über zerstörte Heiligtümer heiße Tränen vergossen, hinaus in alle Welten bis an der Erde Enden. So „führtest Du das erlöste Volk in Deiner Gnade, leitest es durch Deine Kraft an Deine heilige Stätte.“ Und immer, wenn der verjüngende Strahl der Frühlingssonne die Keime zu lebendiger Triebkraft weckt, wenn die „Blütenboten im Lande gesehen und liebliche Vogelsänge vernommen werden“, gedenken wir der Befreiungstage und feiern freudeerfüllt das Überschreitungsfest Noch immer ist unsere Lende gegürtet, noch immer ist der alte, treue Stab in unsrer Hand. Er soll uns nie und nimmer entfallen. Noch haben wir nicht das Recht, den Schuhriemen zu lösen; wir sind noch nicht am Ziele unserer Weltenwanderung. Noch harrt ein Teil der Menschheit auf Erlösung durch den Glauben an den Einzigen; noch die ganze Menschheit auf die Befreiung aus dem Sklavendienst der Selbstsucht, des Hasses und des seelenerniedrigenden Kampfes um ein menschenwürdiges Leben. Wir stehen noch nicht auf dem geheiligten Erdreich anerkannter Menschenwürde aller Menschenbrüder. Die „Leiden Mizrajims“ sind allzumal noch nicht geheilt. Wir aber preisen Dich, Allgütiger, als den Erlöser. Du hast uns die Freiheit gegeben. Im ewig währender Dankbarkeit begehen wir dieses Fest der Befreiung; wir genießen das ungesäuerte Brot der Armut, das uns an Mizrajims Elend gemahnt und von den Leiden unsrer Ahnen erzählt; das Bitterkraut, das alte Not und gegenwärtige Entbehrung in Erinnerung bringt. Wir dürfen, können nicht vergessen; denn jeder Tag und jedes Fest ist uns der Zuruf: „Gedenke des Auszuges aus Mizrajim.“ So ist bis zu dieser Festesstunde unsere Lende festgegürtet geblieben; wir zweifeln nicht an Deiner Vorsehung und Güte; unser Fuß ist standhaft und dauernd auf dem Boden des Glaubens; unsere Hände halten den Stab fest, den Du in sie gedrückt hast. „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt.“ —
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Beim Eintritt in das Gotteshaus. (An Festtagen oder bei festlicher Gelegenheit.)
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