Hanna: Gebet- und Andachtsbuch für israelitische Frauen und Mädchen
Part 12
Dennoch will ich freudig der entscheidenden Stunde entgegengehen. Denn Du, gütiger Gott, warst mein Schutz und meine Hilfe bis heute, Du wirst es auch ferner sein. Du hast bisher meine Bahn geebnet; wie sollte ich glauben, daß Du später mich verlassen wirst. Nein, gestärkt und ermutigt war ich stets, so oft ich mein Herz im Gebete zu Dir erhob, und diese Wohltat kann ja auch ferner mir nicht fehlen. Auch in diesem Augenblicke empfinde ich ihre Süßigkeit, denn ich fühle, daß Du in meiner Nähe bist, daß ein Tempel für Dich errichtet ist in meinem Innern, in dem ich alle Zeit Zuflucht finde, ich fühle, daß ich Dich liebe und von Dir geliebt werde.
Und sollte die Anerkennung Deiner unendlichen Güte und Huld mich nicht immer mehr und mehr zum festen Glauben bestimmen, daß ich geborgen sein werde unter Deiner Fürsorge?
Du weißt es, daß ich nicht leichtfertigen Sinnes oder aus eitlem Verlangen nach erträumtem Glücke, dem Manne meiner Wahl Treue gelobt, sondern daß nur das Gefühl mich bestimmt hat, daß Du, mein Gott, es bist, der meinen Schritt billigt, und der von mir verlangt, daß ich ihm nicht ausweiche.
Darum empfehle ich Dir meine Zukunft. Was Du tust, das ist wohlgetan! Amen!
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Gebet einer Braut am Hochzeitstage.
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Allgütiger Vater im Himmel! Erbarmungsvoll schauest Du hernieder auf Deine Kinder auf Erden; Du wendest Dein Angesicht auf alle, die inbrünstigen Sinnes sich Dir nahen, und unerhört bleibt keine Seele, die in aufrichtiger Demut vor Dir sich neigt, kein Herz, das hoffend und vertrauend im Gebete zu Dir sich wendet.
O, so sei auch jetzt mir nahe, da ich, wenn auch in schlichten Worten, mein übervolles Herz durch die Sprache des Gebetes vor Dir erleichtern will.
Sei mir gnädig, mein Gott! daß dieser Tag ein Tag des Heils für mich werde.
Sei mir gnädig, mein Gott! daß meine teuren Eltern all die Freuden erleben, für die sie mit den höchsten Opfern der Liebe diesen Tag sich erkauft haben.
Sei mir gnädig, mein Gott! daß mein Gatte in den Tagen der Zukunft die Stunde segne, die mich zu seiner Lebensgefährtin gemacht hat.
Sei mir gnädig, mein Gott! daß ich immerdar lichten Auges und willigen Herzens des Weges gehe, auf dem ein tugendhaftes Weib die Pflichten der Gattin und Hausfrau übt.
Sei mir gnädig, mein Gott! daß nicht des Schicksals Bürde allzuschwer auf meinen Schultern laste, wenn nach dem Rate Deiner Allweisheit es mir bestimmt ist, Zeiten der Prüfung zu ertragen.
Sei mir gnädig, mein Gott! daß ich Dein nicht vergesse, wenn der süße Klang der Fröhlichkeit und der Freude mich umrauscht.
Sei mir gnädig, mein Gott! daß ich Mut und Ausdauer nicht verliere, wenn Mühe und Arbeit mein Anteil sind.
Sei mir gnädig, mein Gott! daß mein Sinn frei bleibe von Stolz und Übermut, wenn Glanz und Wohlstand meine Tage sorglos machen.
Alle diese Bitten und unzählige andere drängen sich heut in meinem Herzen, und ich vermag nicht ihre Zahl zu bestimmen, ihre Innigkeit in schwachen Worten zu offenbaren. Du aber, mein Gott! schaust in mein Inneres, vor Dir sind meine Gedanken offenbar, und die Gefühle der Betenden sind Dir nicht verborgen. Darum fasse ich sie alle in das eine Flehen: Sei meine Hilfe, sei mein Hort, wende Deine Liebe nicht von mir, wie Du sie bisher mir nicht versagt hast.
Ach! schon drängt die Zeit, daß ich mich schmücken lasse, um als Braut lieblich zu erscheinen dem Blicke des Bräutigams, der meiner harrt, daß der Segen der Religion das Siegel drücke auf den Bund unserer Herzen. Auch er erwartet das Glück seines Lebens von dem Segen dieses Tages, auch er ist gleich mir bereit, fortan all sein Denken und Tun dem Bunde der Liebe zu weihen, den unsre Herzen geschlossen haben; o, sei auch mit ihm, daß er finde, was er sucht: Glück und Zufriedenheit, Frieden im Hause und Freude an seiner Tätigkeit. Laß ihn den Lohn finden für all sein Streben, mit dem er die Selbständigkeit sich erworben, für all den Fleiß, mit dem er sich emporgearbeitet, daß er nun ein Haus sich gründe.
Und dieses Haus, laß es sein eine Stätte der Tugend und der Gottesfurcht, lieblich in Deinen Augen und angenehm in den Augen der Menschen.
Ach, Herr mein Gott! ich fühle, daß Du bei mir bist, ich danke Dir für die Erhebung, die Du im Gebete mir zugewandt. Ich trockne die Träne der Andacht und eile hin, wo ich die der Freude vergießen will. Du bist mein Trost und meine Zuflucht, Deiner Liebe will ich heute mich erfreuen, o, wende nie sie von mir ab. Amen!
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Gebet einer Neuvermählten.
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Gütiger Vater aller Menschen! Deine Gnade hat mich begleitet von meinem ersten Tage auf Erden bis hierher. Du hast mir beigestanden in den ersten Tagen meiner Kindheit, aus Gefahren mich errettet, vor Not und Kummer mich behütet und, geführt von Deiner Hand, bin ich nunmehr zu der Aufgabe gelangt, als treue Gattin, als sorgsame Hausfrau mich zu bewähren. Welch anderes Gefühl, als das des kindlichen Dankes könnte ich Dir jetzt entgegenbringen, wenn mein Herz mich aufruft, daß ich im Gebete mich Dir nahe! Aber alle Worte des Dankes würden nicht hinreichen, ein würdiger Ausdruck der Erkenntlichkeit zu sein für die tausend und abertausend Wohltaten, die Du mir erwiesen hast. Darum will ich still in meinem Innern, doch unverborgen vor Dir, das Gelöbnis tun, durch Taten, nicht durch Worte, Dir, meinem gütigen Vater, zu zeigen, daß ich ein dankbares Kind bin. Ich will mich aufraffen mit aller Kraft, die Fehler zu erkennen, die an mir haften, und will sie ablegen. Ich will alle Mängel des Flattersinnes, die ich herüber gebracht habe aus dem Stande der Jungfrau in den der Gattin, bekämpfen in meinem Wesen, daß ich mit Ernst das Gebiet meiner Pflichten überschauen und in dasselbe mich hineinleben kann. Noch umspielt und umtändelt mich die Sorglosigkeit des jungen Ehelebens, aber ich weiß es wohl, daß es von Tag zu Tag mehr und mehr sein ernstes Angesicht mir zeigen wird. Mein Gatte wird, in Anspruch genommen von den Obliegenheiten seines Berufes, mir nicht immer mit dem Angesicht der Zärtlichkeit entgegentreten können; dann will ich es ihm nicht für Lieblosigkeit deuten, sondern meine Zuvorkommenheit verdoppeln, um ihm das Leben in seinem Hause angenehm zu machen. Ich will zu den Lasten seines Tagewerkes nicht noch die häufen, meine Launen ertragen zu müssen, ich will ihn nicht beschweren mit solchen Dingen, die ich allein verrichten kann, und mir Mühe geben, sein Leben angenehm zu machen und seine Bürde ihm zu erleichtern. So will ich bestrebt sein, ein Weib zu werden, wie Lemuël es beschrieben: „_Das ihrem Gatten Liebes und kein Leides tut ihr Leben lang_“, denn „_trüglich ist die Anmut, nichtig ist die Schönheit, nur ein gottesfürchtiges Weib ist rühmenswert_.“
Und so Du in Deiner Allwissenheit es bestimmt hast, daß Tage der Prüfung über ihn kommen, so will ich treulich ausharren, liebend und helfend an meines Mannes Seite, ich will nicht murren, wenn ich Entbehrungen erleide, Not und Kummer mit ihm tragen muß.
Du aber, gütiger Vater! sei mit ihm, mache die Sorge für das Haus ihm leicht, und seine Wohnung zur Stätte seiner Lust und Freude, daß er seine Schritte nicht unmutig von ihr abwende, wenn er eine Stunde der Erholung sucht, daß nie es ihm drückend werde, die Sorge für mein Wohl auf seine Schulter gelegt zu haben.
Erhöre, gütiger Vater! all' diese meine Bitten, zu welchen ich die Veranlassung zu überschauen vermag; wohin aber mein beschränkter Blick nicht reicht, was meiner geringen Erfahrung noch nicht wahrnehmbar ist, auch das lege ich mit Vertrauen in Deine Hand, denn Dir empfehle ich mein Leben und mein Heil; was Du tust, ist wohlgetan! Amen!
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Gebet einer Wöchnerin.
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Gnädiger Gott! Du mein himmlischer Wohltäter! Aus der Tiefe meines Herzens steigt mein Dank zu Dir empor, da ich in Freude zurückblicke auf die Zeit, die, noch vor kurzem von mir erwartet, mich mit Bangen erfüllte. Deine Hilfe ist mir nahe gewesen, durch Dich bin ich erlöset und unendlich reicher geworden, da Du ein holdes Kind mir (wiederum) geschenkt hast. (Wieder lausche ich mit Muttersorge und Mutterlust auf seine Atemzüge, wiederum treten die Bilder einer schönen Zukunft vor meine hoffende Seele.) Ich lausche mit nie geahntem Mutterglück auf seine Atemzüge, und die Bilder einer schönen Zukunft treten vor meine hoffende Seele, wenn ich daran denke, daß ich mein liebes Kind erziehen, seine Entwicklung beobachten und leiten und an seinem Gedeihen mich ergötzen soll.
Du weißt es, mein Gott, daß ich meine Pflicht erfüllen, die reinste Mutterliebe betätigen und nicht ruhen und rasten will in der Sorge um das Gedeihen meines Lieblings.
Aber alles menschliche Wollen und Streben reift nur zum Segen, wenn Du, o Gott, Deinen Beistand gibst. Darum flehe ich zu Dir: O, stehe mir bei in meinem Vorsatze. Erhalte mein Kind gesund an Leib und Seele, erhalte auch mich gesund zu seinem Heile, segne auch meinen Gatten, daß er immer in Freude und Fröhlichkeit für sein Haus zu sorgen vermöge. Schenke uns beiden die süße Lust, unser Kind kräftig emporwachsen zu sehen, daß es angenehm sei in Deinen Augen und in den Augen der Menschen. O, wie freue ich mich heute schon der Zeit, daß ich es werde anleiten können, selbst zu Dir zu beten, Dich zu lieben und zu verehren, Dich von ganzem Herzen Vater zu nennen, wie ich Dich Vater nenne.
O sei mir gnädig und bleib in meiner Hilfe. Amen!
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Gebet einer Mutter während der Aufnahme ihres Sohnes in den Bund Abrahams.
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Lob und Preis, Dank und Anbetung widme ich Dir, Allbarmherziger! Du hast mir beigestanden zur Zeit der Not und hast mein Herz erfreut durch Dein himmlisches Gnadengeschenk, da Du (wieder) einen Sohn mir gegeben, und meine Seele (aufs neue) erfüllt hast mit dem Glücke mütterlicher Sorge und mütterlicher Liebe. Und harren auch meiner (wiederum) in der Pflege meines Kindes Kummer und Mühsal hundertfach, so werden sie dennoch tausendfach aufgewogen durch die Lust und das Entzücken, die der Besitz und der Anblick meines lieben Kindes mir bringen muß. Darum bin ich auch in Fröhlichkeit damit einverstanden, daß er nunmehr durch das Opfer seines Blutes aufgenommen werde in den Bund, den Du mit Abraham geschlossen hast. O laß, mein Gott, ihn auch im Geiste und in der Wahrheit ein treues Mitglied dieses Bundes werden, daß er frei und gern sich zu ihm bekenne in der Zeit der Reife seines Geistes. Vor allem aber laß den Begründer des Bundes sein frei erwähltes Vorbild sein. Wie Abraham seinen Blick zu den Sternen erhob, und die Seligkeit des Glaubens an Dich gewann, so möge auch mein Sohn sein Auge zum Himmel erheben in seinen heiligsten Angelegenheiten, und Gottes Walten im Geiste erkennen und im Herzen empfinden. Wie Abraham dem Menschen ein Vorbild wurde, so laß meinen Sohn reif werden, daß auch sein Beispiel geeignet sei, den Irrenden den rechten Weg zu zeigen. Wie Abraham die Neigungen und Wünsche seines Herzens unterdrückt hat, wo es galt, sie Dir zum Opfer zu bringen, so laß auch ihn bereit sein, sich selbst zu verleugnen um seines Gottes willen. So wie Abraham als ein Muster der Nächstenliebe gelebt hat unter seinen Zeitgenossen, so möge auch mein Sohn es werden unter den seinigen, übertrage auch auf ihn den Segen, den Du Deinem Liebling Abraham zugeteilt, daß er selbst ein Segen sei unter den Menschen.
Aber auch das flehe ich, Allbarmherziger! Wie Du warst mit Abraham, dem Vater unseres Volkes, wie Du ihn begnadigt hast mit Glück und Freude, Leben und Wohlsein, so sei auch mit meinem Sohne immerdar. Erhöre mein Gebet, Allgütiger! Amen!
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Gebet einer Wöchnerin bei ihrem ersten Besuch des Gotteshauses.
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Mein Gott! „_Durch die Fülle Deiner Gnade betrete ich Dein Haus, bücke mich vor Dir in Deinem Heiligtume in Ehrfurcht._“ Wie schön und lieblich ist diese Stätte! Wie fühle ich hier doppelt die Nähe meines Gottes! Ja, mein Gott! ich danke Dir, daß Du meinen Fuß wieder geleitet hast, die Schwelle Deines heiligen Tempels zu überschreiten.
Du hast in Deiner Liebe und Güte (aufs neue) ein heiliges Gut mir anvertraut, daß ich es treu bewahre nach Deinem Willen. O, so höre auch mein Gelöbnis, daß ich es so halten und hüten will, um jederzeit mit freudigem Bewußtsein Rechenschaft vor Dir ablegen zu können. Du hast mir (wieder) ein holdes Kind geschenkt und mit dieser Gabe mein Herz beglückt, darum will ich nun Dir geloben, daß ich es erziehen will in Deinen Wegen. Du hast (wiederum) meine Kraft gestärkt, darum will ich sie anwenden in Deinem Dienste, in Tugend und Frömmigkeit.
O, sei auch Du ferner mit mir! Laß das Kind zu meiner und zu seines Vaters Freude wachsen und erblühen, und wenn es einst herangewachsen ist, so mache es angenehm vor Dir und den Menschen. Möge es immerdar in Deinen Wegen wandeln und sein Name . . . . . . . ehrenvoll genannt werden.
Dich preise ich, mein Gott, Dir danke ich, und zu Dir bete ich.
Alles Gute kommt von Dir, Du warst mein Wohltäter, Du bist es und wirst es bleiben fürderhin. Amen!
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Gebet einer Mutter am Tage her Konfirmation ihres Sohnes.
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Du hast in Deiner Liebe, Allgütiger! mir heute (wiederum) einen Tag geschenkt, an dem ich Deine Gnade lebhafter erkenne und tiefer empfinde, weil er ein Tag ist, den mein Herz ersehnt seit langer Zeit. Mein lieber Sohn . . . . . , den ich in Liebe zu Dir und zur Kenntnis Deines Wesens und Deines Willens zu erziehen bestrebt war, ist nunmehr so weit gediehen, Dich selbständig und aus eigenem Antriebe verehren und Deine heiligen Gebote ausüben zu können, und ist heute bereit, durch feierliches Gelöbnis sich seinen Pflichten als Israelit zu unterwerfen. Dank Dir, mein Gott! daß Du mir (und meinem Gatten) die Freude vergönnt hast, Zeuge dieser Handlung zu sein. An das Gedeihen meines Sohnes knüpfen sich meine schönsten Hoffnungen. O, gib, daß diese nie und nimmer getäuscht werden, daß mein Sohn bei meinem (unserem) Leben und über dasselbe hinaus auf der Bahn der Tugend und Redlichkeit bleibe, und auch als ein Israelit nicht aufhöre, Dich vor Augen und im Herzen zu haben. Beschütze ihn auch, Allgütiger, auf seinem Lebenswege, behüte ihn vor Versuchung und Sünde, laß ihn mit Ehren einen Platz finden unter den Menschen, auf dem er imstande sei, Dir wohlgefällig, den Nebenmenschen nützlich, und zu seiner eigenen Zufriedenheit zu leben. Gib seinem Geiste Einsicht, seinem Herzen Mut zu allen guten Handlungen, die er auszurichten vermöge, und begnadige ihn mit Leben und Gesundheit und jeglichem Segen, der hervorgeht aus der Fülle Deiner Vaterliebe. Amen!
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Gebet einer Mutter am Verlobungstage ihrer Tochter
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Du Gnadenreicher! aus dessen Hand alles Gute kommt, das wir genießen, aus dessen Huld jede Freude entspringt, die wir empfinden, aus der Fülle meines Herzens bete ich heut zu Dir, um Dank und Bitte vor Dir zu offenbaren. Mit dem Gefühle, mit dem ein Wanderer das Ziel einer langen mühevollen Wanderung an seinem Gesichtskreis auftauchen sieht, mit demselben Gefühle sehe ich heut den Abschluß einer langen, mühevollen Arbeit von Ferne, und wie der Wanderer bittet: „O Herr! laß keinen Unfall nahe am Ziele die Vollendung stören“, so bitte ich: O Herr! laß keinen Unfall nahe am Ziele die Vollendung meiner Arbeit unterbrechen. Ich habe mein liebes Kind mit Mühe und Sorgfalt erzogen, ich war bestrebt, sie heranzubilden, daß sie fähig werde, als wackere Hausfrau ihre Pflichten auf Erden Dir und den Menschen wohlgefällig zu verrichten. Nun hast Du in Deiner Gnade das Werk meiner Fürsorge gesegnet und uns den Mann zugeführt, für den ich meine (wir unsere) Tochter erzogen habe (haben). Dank sei Dir für Deine Hilfe, mit der Du mir (uns) beigestanden hast bis hierher! Guter Gott! gib, daß unsere Einsicht uns nicht irre geführt habe, laß meine (unsere) Tochter durch diese Wahl glücklich werden, und den Erwählten glücklich machen. Tausend Gedanken beschäftigen mich, tausend verschiedene Wünsche möchte ich heut vor Dir aussprechen, doch Du schaust ja in mein Herz und verstehst ganz, was ich denke, wenn ich auch mangelhaft nur spreche; darum, gütiger Gott: sei mit uns allen, wie Du bisher mit uns gewesen und führe alles zum Guten. In Deine Hand befehlen wir unser Schicksal. Nichts _ohne Dich_, und alles mit _Dir_! Denn alles Gute kommt von Dir! Amen!
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Gebet einer Mutter am Hochzeitstage der Tochter.
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Allgütiger! Deine Vaterliebe waltet über uns, und ohne Deinen Beistand ist kein Gelingen und Gedeihen unserer Bestrebungen, das müssen wir täglich empfinden, und nur ein undankbares Gemüt könnte daran nicht gemahnt werden durch die Freude am Tage der Freude. Nein, Du guter Gott, ich will nicht undankbar sein für das Glück, das Du mir heute gewährest. Heute ist der Tag, an dem ich ein Ziel erreicht, für das ich so lange, so lange schon gesorgt und gedacht, das ich ins Auge gefaßt habe bei so vielen meiner Entschlüsse und Handlungen, das der Ausgangspunkt sein sollte mütterlicher Fürsorge und mütterlicher Sehnsucht. Heute führe ich mein liebes Kind dem Manne zu, dem ich mein erstes Anrecht auf seine Liebe übertrage, dem Manne, dem meine Tochter Gattin und Hausfrau sein soll, und zu meinem Kinde spreche ich: Gehe hin mit meinem Segen, heiligere Pflichten warten dein als die, die bisher deine heiligsten waren, als die Zärtlichkeit und der Gehorsam gegen deine Eltern. Und alles das tue ich mit freudigem Herzen, mit den Gedanken der frohesten Hoffnung. Darum sei Dir, gütiger Gott, Dank und Preis dargebracht, denn _Du hast diesen Tag mir geschenkt, daß ich sein mich freue und fröhlich sei_.
Aber auch für das Wort der Bitte darf meine Lippe nicht geschlossen bleiben, denn die _Gedanken der Menschen sind zwar mannigfach, aber nur der Ratschluß Gottes erfüllet sich_, und wenn meine Pläne das Glück in ihrem Schoße bergen sollen, so kann es nur wahr werden durch Deinen Willen.
Und so flehe ich Dich denn in Demut an: O, gütiger Gott, halte Deine schützende Hand ferner über dem Haupte meines lieben Kindes. Laß die Stunde ihres Eintritts in das Leben einer Ehefrau eine Stunde sein, die meine Tochter fröhlichen Herzens noch in späten Tagen ihres Lebens als den Anbeginn ihres reinsten Glückes segnet. Halte fern von ihr und dem Hause, dem sie angehören wird, die trüben Erfahrungen des Ungemachs, mache die Prüfungen, die in keines Menschen Leben ganz ausbleiben, ihr nicht so schwer, daß sie die Heiterkeit ihres Herzens vernichten. Laß auch das Band der Liebe nicht locker werden, das uns, die ihrigen, bisher mit ihr verknüpfte, und laß sie in dem neuen Bande der Verwandtschaft und der Liebe, das sie umschlingen soll, immer eine anmutige Fessel finden, der sie nie sich zu entziehen strebe.
Mein Gott, ich hoffe auf Dich, ich vertraue Dir, und unter Deinen Schutz stelle ich mich mit allen Wünschen meines Herzens. Amen!
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Gebet einer Mutter am Hochzeitstage ihres Sohnes.
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Gelobt seist Du, mein Gott, daß Du den heutigen Tag mich schauen ließest. Heut erfüllt sich mir sichtbar Deine Gnade, die ich erstrebt in der Erfüllung der Pflichten mütterlicher Liebe und Zärtlichkeit. Was kann ich mehr wollen für alles, was ich an meinem Sohne getan habe, als daß ich ihn, den meine Seele zärtlich liebt, und dessen Liebe und innige Treue mich jederzeit beglückte und entzückte, als daß ich ihn nunmehr erblicke an der Schwelle des Hauses, das er sich gegründet hat, an der Seite der Liebe und Lieblichen, die ich mit Freude als Tochter umarme, die er in herzlicher Zuneigung sich erwählt hat zur Gefährtin seines Lebens. Ach, mein Gott! die Freudenträne in meinem Auge kündet Dir meinen Dank besser als mein dürftiges Wort. Aber auch im Gefühl des Glückes will ich das Bewußtsein in meiner Seele wachrufen, daß wir alle Deines Schutzes und Deines Beistandes bedürfen, wenn unser Werk sich krönen, unser Hoffen sich bestätigen soll.
Darum, mein Gott! erhöre in Gnaden mein Gebet! Laß das neubegründete Haus meines lieben Sohnes sein eine Stätte des Friedens und der Zufriedenheit, laß es fest stehen, trotzend den Stürmen der Ereignisse. Befiehl dem Segen, daß er einkehre in dasselbe, auf daß seine Bewohner sich erfreuen des Lebens auf Erden. Laß auch die Liebe und die Treue, wie sie heut mit einziehen, darin weilen, in unwandelbarer Ausdauer. Laß es sein einen Sammelplatz edlen Verlangens und edler Genüsse, und laß nimmer d'raus schwinden die Gottesfurcht und die Frömmigkeit und die Liebe zu Dir.
O, mein Gott! ich empfinde es, daß mit dem heutigen Tage mein Herz sich verjüngt, daß ich meine eigene Vergangenheit wiederfinden will in der Zukunft meiner lieben Kinder. So Du es nun in dem Ratschlusse Deiner Gnade über mich beschlossen hättest, daß ich lebe und anschaue die Entwickelung ihres häuslichen Lebens, o, so gib, daß ich allezeit mit gleicher Freudigkeit wie heut ob dieses Ehebundes Dein Walten preisen, Deine Liebe segnen kann.
(Es teilt mein Gatte heut die Freude, die mein Inneres erfüllt, auch er hat in Mühe und Fleiß die Sorgen auf sich genommen, den Sohn heranzubilden zu Deinem Wohlgefallen und zum Wohlgefallen der Menschen, o, laß uns auch vereint die Wonne genießen, die Früchte seiner unermüdeten Tätigkeit zu betrachten und ihre Lieblichkeit zu empfinden in dem Glücke unseres Sohnes. Halte Deine schützende Hand ferner über uns, und wie Du bisher uns geholfen, so hilf uns weiter, Du allein bist unser Helfer, Du bist der Gott der Liebe und der Barmherzigkeit.) Amen!
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Gebet einer Witwe.
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Allgerechter! Du hast in Deiner Weisheit es beschlossen, daß ich nicht bis an das Ende meiner Tage das Glück genießen soll, an der Hand meines treuen Gatten durchs Leben zu gehen. Du hast ihn von meiner Seite gerufen, und ich muß ohne seine Stütze, ohne seinen Beistand, ohne seinen Rat und ohne seine liebevolle Fürsorge meine Tage verleben.
Allgemach erblassen die grellen Farben, in denen das Bild meines Unglücks vor mein Auge trat, als es in den ersten bitteren Tränen schwamm, die ich ob des herben Verlustes vergoß, aber nimmer werden diese Farben ganz verbleichen: langsam geht der Schmerz in stille Wehmut über, aber nie wird seine Spur verschwinden, weil ich es nie vergessen kann, wie der treue Gefährte meiner schönsten Tage in Liebe und Zärtlichkeit nur für mich gedacht und gesorgt hat.
Wenn ich daher nun, gerührt von seinem Andenken, zu Dir bete, mein Gott, so flehe ich Dich in Demut an, daß Du ihm die Freuden der ewigen Seligkeit in vollem Maße gewähren mögest.
Mir aber, mein Gott, wollest Du auch gnädig sein, daß es mir nie an der Kraft gebreche, nun ohne seinen Rat und seinen Beistand für das Wohl meiner Kinder und für das Bestehen meiner Häuslichkeit zu sorgen. Wo ich des Schutzes bedarf, da gewähre Du ihn mir, wo ich des Rates bedarf, da erleuchte Du mich mit Einsicht. Du bist ein Helfer den Witwen, ein Vater den Waisen, Du verlässest nicht, die unter das schützende Obdach Deiner Hut sich begeben, darum will ich mich allezeit an Dich wenden in der Gewißheit Deiner Gnade, mein Helfer, mein Beschützer! Amen!
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Gebet einer Witwe (die in dürftigen Verhältnissen lebt.)
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Allgerechter! Du hast in Deiner Weisheit es so gewollt, daß ein schweres Los mein Anteil sei auf Erden, und so oft ich mein Herz im Gebete zu Dir erhebe, ist es überwiegend das Wort der Bitte, das ich an Dich richte, weil das Drückende meiner Lage mir stets gegenwärtig ist, und Zagen und Bangen meinem Gemüte zur Natur geworden sind, so daß ich mich selten in reiner, ungetrübter Fröhlichkeit aufzurichten vermag.
Allein und fast einsam, als Witwe, stehe ich da inmitten der rauschenden Welt, die an mir vorübereilt in ihrem Jagen nach Genuß und Vorteil, die meinen Kummer nicht kennt und kaum einen Blick des Mitleids auf mich wirft, weil die Augen der Glücklichen nicht gern bei der Betrübnis weilen.