Hanna: Gebet- und Andachtsbuch für israelitische Frauen und Mädchen

Part 11

Chapter 113,608 wordsPublic domain

Schöpfer des Himmels und der Erde! Das Werk des vierten Schöpfungstages prangt in erhabener Majestät am Himmel und predigt von Deiner Größe, und seine vernehmliche Stimme spricht: _„Was ist der Mensch, daß Du noch sein gedenkest? Der Erdensohn, daß Du Dich seiner annimmst?“_ Und dennoch hebt sich der Blick in unnennbarer Sehnsucht zu den Sternen empor. Der Himmel mit der Sonne, dem Monde und den Sternen, er ist das heiligste Buch Deiner Offenbarung. Kein Sterblicher vermag seinen ganzen Inhalt zu erforschen, aber das Wenige, das wir zu lesen vermögen, reicht hin, uns mit dem erhabensten Gedanken zu erfüllen. Um die Erde wandelt der Mond, um die Sonne wandelt die Erde und alle Wandelsterne mit ihren Begleitern, und zahllos ist das Heer der Sonnen und alle, alle bilden eine Welt, und zahllos ist das Heer der Welten. Gott, Gott! Unaussprechlicher! wo ist der Mittelpunkt Deiner Herrlichkeit? Und alle Welten sind entstanden, und alle Welten werden vergehen, und Du warst früher als alles Geschaffene, und Du wirst es überdauern. Der menschliche Geist hat kein Maß für die Räume und die Sprache keinen Ausdruck für die Zahl der Jahre Deiner Herrschaft, und nur die eine Erkenntnis ist der Zielpunkt menschlichen Wissens: Raum und Zeit sind nicht vor Gott vorhanden, sie sind nur menschliche Begriffe. Doch die Sehnsucht nach einer höheren Erkenntnis wird nicht ewig ungestillt in mir bleiben. Mein Körper gehört der Erde, aber mein Geist gehört der Welt. Einst wird er nicht mehr gefesselt sein an die irdische Hülle, und wenn er gelöst sein wird von dem Staube der Erde, dann vermag er sich aufzuschwingen, vielleicht von Stufe zu Stufe zu neuen Kreisen der Erkenntnis, vielleicht von Leben zu Leben zu höherem Range in der Reihenfolge Deiner Geschöpfe, aber jedenfalls näher zu Dir; und mehr zu wissen von der Welt und von dem Schöpfer, das ist Seligkeit. Wenn ich meinen Geist vervollkommene hier auf Erden, so reift er zur Seligkeit heran. Laß mich einst ihrer teilhaftig werden, mein Gott und Vater! Amen!

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Gebet am Donnerstag.

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Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendige Wesen nach ihren Arten, Vieh, Gewürm und Gewild der Erde nach ihren Arten! Und es geschah also.

Schöpfer des Himmels und der Erde! Ehe das Menschengeschlecht auf Erden lebte, war diese schon ein Wohnsitz der Tiere. Die unvollkommensten Gattungen hast Du zuerst geschaffen, ihnen folgten solche, die Du mit Äußerungen höherer Lebenstätigkeit begabtest, und, aufsteigend von Stufe zu Stufe, waren sie die Vorläufer des vollkommensten der Erdenbewohner: des _Menschen_. Mein Gott und Vater! Wie sollten diese Betrachtungen nicht den Gedanken in mir erwecken, daß auch der Mensch nicht der vollendete Inbegriff Deiner Schöpferweisheit sei! Freilich wohl weiß ich es, daß auf Erden kein Wesen höher steht als der Mensch, aber unendlich sind die Mängel, die an ihm haften, und jede höhere Vollkommenheit, die meinem Geiste denkbar, wenn auch unerreichbar ist, bezeichnet höhere Wesen, die Dein Willen zu erschaffen vermag. Solange ich auf Erden bin, werde ich die Rätsel Deiner Schöpfung nicht lösen, und die Menschennatur einzig und allein bleibt das für mich Bestimmte und ihre höchste Ausbildung das Erreichbare. Und ist das wenig? O nein! ich weiß es, es ist sehr viel. Nicht die Fähigkeiten allein, die den Menschen seinem irdischen Wesen nach vom Tiere unterscheiden, sind sein Vorzug, sondern die Fähigkeit, die Du ihm gegeben hast, auch sich selber zu vervollkommenen. Nur durch diese steht er höher als seine Mitgeschöpfe. Die vollkommene Menschenwürde kann entwickelt oder vernachlässigt werden. Das ist die freie Tätigkeit des menschlichen Geistes. Du selber bist sein Urbild und sein Vorbild. O, segne, gütiger Vater, mein Bestreben, Dir immer näher zu treten. Du bist die höchste _Weisheit_, so will auch ich nach Weisheit ringen. Du bist _allgütig_, darum will auch ich gütig sein und meine Kräfte zum Wohle meiner Nebenmenschen gebrauchen. Du bist _allgnädig_, darum will auch ich denen vergeben, die mich beleidigen. Du bist _allgerecht_, darum will auch ich Gerechtigkeit fördern helfen unter den Menschen. Du bist die _Wahrheit_, bei Dir ist nicht Trug und Wahn, darum will auch ich mich mehr und mehr entfernen von Schein und Eitelkeit, auf daß ich meine menschliche Natur immer mehr ausbilde bis zu dem Grade der Vollkommenheit, dessen sie fähig ist. Amen!

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Gebet am Freitag.

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Und es bildete Gott der Herr Menschen aus Staub von der Erde und blies in seine Nase einen lebendigen Geist.

Schöpfer des Himmels und der Erde! Du hast den Menschen am sechsten Schöpfungstage aus Staub von der Erde gebildet, und einen lebendigen Geist ihm eingehaucht, also daß er ein lebendiges Wesen wurde. Staub von der Erde ist der Urstoff seines Daseins und dennoch hast _Du ihn in Deinem Ebenbilde geschaffen_, daß er Dir ähnlich sei. Wie könnte ich bei dieser Betrachtung noch Zweifel hegen, daß Du den Menschen als ein Doppelwesen geschaffen hast, das eine Verbindung ist von Körper und Geist. „_Der Staub kehrt wieder zur Erde zurück, davon er genommen ist_“, der Geist aber ist lebendig und unsterblich und „_kehret wieder zu Gott zurück, der ihn gegeben hat_“. O möge es Dein Wille sein, mein Gott und Vater, daß ich nicht abweiche von der Lebensbahn, die diese Erkenntnis mir vorschreibt. Eingedenk will ich immerdar dessen sein, daß mein Leib nur Staub ist. Vergänglich ist die Hülle wie alles Irdische, ihre Tage sind gezählt, und ihr Wesen ist leicht zerstörbar. Und daß ich nicht töricht mit meinem Leibe verfahre, dazu hast Du den Geist als seinen Wächter eingesetzt. Ich will seiner Stimme gehorchen, denn sie ist die Stimme der Vernunft, die mich warnt, dem Genusse zu fröhnen, der Trägheit und der Unmäßigkeit anheimzufallen, auf daß ich nicht Schaden leide. Mehr als dies kann ich für das Wohlsein meines Leibes nicht tun; daß er außerdem gesund und rüstig bleibe, das hängt von Deiner Gnade ab, die Du mir gewähren wollest gütiger Vater!

Eingedenk will ich aber auch immer dessen sein, daß _mein Geist nicht_ sterblich ist, daß er nicht der Erde angehört, daß er bestimmt ist, zu Dir aufzustreben, Dich als Inbegriff aller Vollkommenheit zu verehren und immer mehr und mehr Dir ähnlich zu werden. Mein Körper wird in Staub zerfallen und im Haushalte der irdischen Natur zu neuen Zwecken dienen; dann aber wird der Geist frei sein von den Fesseln des Körpers und des Ranges teilhaftig werden, dessen er sich würdig gemacht hat durch Weisheit und Tugend auf Erden. Darum soll meine Seele nicht meinem Leibe untertänig sein, wohl aber sollen die Kräfte meines Leibes dem reinen Begehren der Seele dienen, zu sammeln Lehre und Erfahrung, Tugend und Weisheit. Amen!

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Gebet am Neumondstage. ‎‫רֹאשׁ חֹדֶשׁ‬

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Großer, erhabener Lenker der Welten! Die Erde wandelt dahin in ihrer Bahn, und der Mond begleitet sie nach jenen unabänderlichen Gesetzen, die Du ihnen vorgeschrieben hast, und wenn sie tausend- und abertausendmal ihren Kreislauf durchmessen, so wandeln sie dennoch fort in junger Kraft und ewiger Schönheit. Daß auch sie altern und einem Ende entgegengehen, ist für ein menschliches Auge nicht ersichtlich. Wie anders ist es mit mir! Des Menschen Dasein auf Erden ist vergänglich und hinfällig; und selbst der Glückliche, der in Fülle der Gesundheit und in Kraft der Jugend seines Lebens sich erfreut, wird durch das Erscheinen des wieder sichtbar gewordenen Mondes daran erinnert, daß abermals ein Zeitabschnitt hinter ihm liegt, daß er näher gerückt ist dem Ziel seiner Tage, daß die Zeit unwiederbringlich für ihn dahingeht und ihr Wert nur in dem liegt, was er Gutes in ihr verrichtet. Darum betrachte ich den Wechsel des Mondes mit ernsten Gedanken und bitte Dich, mein Gott, laß meinem Geiste die Einsicht und meiner Hand die Kraft, die Zeit zu nützen nach Deinem Wohlgefallen. Wenn mir dies gelingt, das fühle ich wohl, so bin ich mehr als Mond und Erde. Du hast ihnen ihren Weg bezeichnet, den sie wandeln _müssen_, und es liegt nicht in ihrer Macht und in ihrem Willen, davon zu weichen, es ist kein Verdienst für sie, wenn sie fortschreiten nach Deinem Gesetze. Auch mir hast Du die Bahn der Religion und Tugend vorgeschrieben und dennoch mir es überlassen, sie zu wählen oder zu verlassen: ich kann das Verdienst der Tugend mir erwerben. Mond und Erde können Dich nicht preisen, Dir nicht danken und nicht zu Dir beten, ich aber kann mein Herz zu Dir erheben, kann zu Dir mich wenden, wie das Kind zu seinem Vater. Ich weiß es, daß Du der Lenker meines Schicksals bist, daß Du mich beschützest und behütest.

Darum flehe ich denn auch zu Dir, mein Vater! Beschütze und bewahre mich vor Leid und Trübsal, vor Krankheit und Gefahr. Sei in Deiner Gnade mit mir und den Meinigen allen auch im Laufe dieses Monats. Amen!

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Gebet beim Anzünden der Sabbat- und Festlichte.

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‎ ‫בָּרוּך אַתָּה יְיָ אֱלֹהֵינוּ מֶלֶך הָעוֹלָם אֲשֶׁר קִדְּשָׁנוּ בְּמִצְוֺתָיו וְצִוָּנוּ ‎ לְהַדְלִיק נֵר שֶׁל שַׁבָּת‬ ^[3]׃

[3] An Festtagen spricht man statt der letzten drei Worte: נר שֶׁל יוֹם טוֹב.

Gelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt! der Du in Deiner heiligen Lehre den Sabbat (heutigen Feiertag) eingesetzt hast, daß er uns sei eine Zeit des Friedens und der Freude. Ich grüße seinen Eintritt, so wie ich einen lieben Gast begrüße, der mit freundlichem Angesicht meine Schwelle betritt. Ich habe die Räume meiner Häuslichkeit geschmückt und die Lichter angezündet, auf daß es nicht düster und trübe um mich her sei am heiligen Sabbat (Feiertag). Möge es auch Dein Wille sein, mein Gott, alle trüben und düstern Gedanken fernzuhalten von meinem Gemüte, laß mich Freudigkeit und Freundlichkeit um mich her wahrnehmen bei allen die ich liebe, und für deren Ruhe und Wohlsein und Frieden ich voll Inbrunst zu Dir bete. Amen!

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Sabbat-Einzug.

(Freitag Abend.)

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‎‫לְכָה דוֹדִי‬

Auf, auf! mein Freund, und säume nicht, Sie kommt mit holdem Angesicht! O, laß' uns mit Verlangen Die süße Braut empfangen! Ihr Angesicht ein Engelsbild, Ihr Blick ein Strahl so licht und mild Ihr Mund, er ladet Dich zum Kuß Ihr Kuß, der Wonne Hochgenuß! Ihr Lächeln grüßt wie Sonnenschein, Der leuchtet tief ins Herz hinein. Das ist ein Gruß, ein treuer; O, heil'ge Sabbatfeier.

Auf, auf! usw.

Als Gott das Schöpfungswerk vollbracht, Da ist ins Dasein sie erwacht; Sie ist so alt, wie Sonn' und Mond Und alles, was auf Erden wohnt. Und bleibst doch jung für alle Zeit In ew'ger Kindeslieblichkeit, Wie täglich jung die Sonne, O, heil'ge Sabbatwonne!

Auf, auf! usw.

Sie bringt Dir einen Labetrunk, Der macht das Herz Dir frisch und jung, Daß Du der Sorgen böse Last Vergessen und verloren hast, Wenn nur Dein Mund den Kelch berührt, Den sie an Deine Lippen führt, Daß Dich sein Geist erfülle. O, heil'ge Sabbatstille!

Auf, auf! usw.

Es ruht die Arbeit meiner Hand. Ich kleide mich ins Festgewand, Ich breite meine Arme aus, Die Königin zieht in mein Haus! Dort strahle heller Kerzenglanz, Wie ihres Hauptes Strahlenkranz! Das Licht ist ihr Geschmeide. O, heil'ge Sabbatfreude!

Auf, auf! usw.

Was klingt so lieblich an mein Ohr? Sie ist's, sie ruft den Klang hervor! Der ruft mich in mein Gotteshaus, Dort zieht des Herzens Leid hinaus, Dort ist die Seele ungetrübt Beim Vater, der die Kinder liebt; — Er schuf sie nicht im Grimme — O, heil'ge Sabbatstimme!

Auf, auf! usw.

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Freitagabend-Lied.

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Preise Gott nun, meine Seele! Preise ihn, den Herrn der Herrn! Wenn ich seine Wunder zähle, Hört es Gott der Vater gern; Reichen nimmer die Gedanken Auch für seine Größe hin, Gott kennt meines Geistes Schranken, Weiß, daß nur ein Mensch ich bin.

Schöpfer ist er aller Dinge, Und er bleibt es fort und fort; Daß er eine Tat vollbringe, Reicht sein Wille hin, sein Wort. Schöpfer, doch erschaffen nimmer, War er da vor aller Zeit, Unverändert bleibt er immer Bis in alle Ewigkeit.

Er ist Herr, und seinem Willen Sind die Welten untertan, Seine Vorschrift zu erfüllen, Rollen sie auf ihrer Bahn. Sterne, Monden, Erden, Sonnen Wandeln hin auf sein Geheiß, Seit zu wandeln sie begonnen; Er bestimmte ihren Kreis.

Helfer ist er allen Seinen Alle liebt er, groß und klein; Wenn wir uns verlassen meinen, Ist er Stütze uns allein. Darum will ich nie verzagen, Wenn mich Harm und Leid bedroht, Fröhlich ihn zu bitten wagen, Der da hilft aus aller Not.

Heilig ist er. Ihn verehren Ist des Menschen Heiligkeit, Ihm nur sei nun mein Begehren Und mein Sabbat ganz geweiht. Fröhlich ist mein Geist erhoben, Seines Wertes sich bewußt; Kann ich meinen Schöpfer loben, Das ist heilige Sabbatlust.

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Psalm 67. (Zum Sabbat-Ausgang.)

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O, sei uns gnädig, Herr, mein Gott! Und gib uns Deinen Segen, Laß' leuchten uns Dein Angesicht Auf unsern Lebenswegen, Daß wir erkennen Deinen Weg, Den rechten, auf der Erde, Daß Deine Hilfe anerkannt Von allen Völkern werde; Auf daß, o Gott, Dir dankend naht Der Nationen Menge, Daß jedes Volk vor Dir erhebt Die höchsten Lobgesänge, Daß Deiner Allgerechtigkeit Sie jauchzen voll Entzücken, Daß sie der Welt Regierung nur In Deiner Hand erblicken. Bis endlich Deiner Größe Lob Aus jedem Mund erschalle, Bis dankend sich vereinigen Vor Dir die Menschen alle. Du bist es, der des Feldes Frucht Der Erde läßt entsprossen; So ist, o Gott, aus Deiner Huld Der Segen uns geflossen; So wird auch ferner Gott allein Uns seine Gaben senden; D'rum sei ihm Ehrfurcht dargebracht An allen Erden Enden.

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Sabbat-Ausgang. (Lied.)

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Du, Hocherhabener! wählst Die Wolken Dir zum Sitze Und schau'st auf uns herab Und bist uns Fels und Stütze. Du warst der Väter Hort Und bleibst es auch den Kindern, Und Deine Liebe kann Sich nie und nie vermindern.

Es dunkelt nun die Nacht, Und sie umhüllt die Erde, Auf daß nach kurzer Rast Es wieder Morgen werde; Der heil'ge Sabbat weicht, Der Labetag der Frommen, Auf daß zu neuem Werk Der Woche Tage kommen.

O laß uns neu gestärkt Zurück zur Arbeit kehren, Und Weisheit und Verstand Durch Tätigkeit vermehren, Und wie Dir wohlgefällt Der Tag, den wir Dir weihen, So gibst Du auch dem Fleiß Gelingen und Gedeihen.

O, stärke uns're Kraft, Daß Gutes wir vollbringen; Von Dir kommt alles Heil, Gedeihen und Gelingen. So wie bisher die Kraft Wir Dir zu danken hatten, Laß' ferner uns're Hand In Schwäche nicht ermatten.

So sinke nun hinab, Du letzte Sabbatstunde, Begleitet von dem Lob Des Herrn aus uns'rem Munde Er bringt der Woche Lauf Uns wiederum zum Segen Und führt aufs neue uns Der Sabbatruh' entgegen.

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Gebet am Tage der Konfirmation.

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Gütiger Gott! Mit ehrfurchtsvoller Erwartung habe ich seit langer Zeit dem Tage entgegengesehen, der heute für mich gekommen ist.

Ich soll nun heute hintreten vor Dein Angesicht, um im Bewußtsein Deiner Allgegenwart und vor den Augen vieler Zeugen das Gelöbnis auszusprechen, daß ich treu bleiben will der heiligen Religion, in der ich geboren und belehrt bin, treu bleiben will dem Wege der Tugend und Dich anbeten will im Geiste und nach der Lehre Moses, Deines Propheten, bis an das Ende meines Lebens.

Eine lange und ernste Vorbereitung ist diesem Tage vorangegangen, und alles hat darauf hingedeutet, daß er ein Tag von hoher Wichtigkeit für mich sein soll, _daß er mannigfache Empfindungen in mir erwecken, heilige Scheu in mir hervorrufen und Gedanken höherer Natur in mir anregen muß_.

Meine Empfindungen sind: _Dank und Freude, Hoffnung und Zaghaftigkeit_. Ich will sie vor Dir offenbaren, mein Gott.

Ich _danke_ Dir aus tiefster Seele für das Glück der Kindheit, das ich genossen. Ich _danke_ Dir aus tiefster Seele dafür, daß Du liebende, zärtliche Eltern mir gegeben hast, die den Pfad meiner Jugend so herrlich geebnet, die kein Opfer gemieden haben, mein Glück zu begründen, meinen Geist zu bilden. Und auch die _Freude_ belebt mein Herz. Ich vermag heute öffentlich ihnen recht von Herzen zu danken und sie in der Hoffnung auf das Wohlgedeihen ihres Kindes glücklich zu machen. Auch die _Hoffnung_ erfüllt meine Brust, denn ich hege die Zuversicht, daß ich unter dem Schirme der Tugend, wie Dein heiliges Gesetz sie vorschreibt, glücklich sein werde. Aber auch der _Zaghaftigkeit_ kann ich mich nicht entschlagen! Ob ich immer Kraft genug besitzen werde, allen Versuchungen Trotz zu bieten? Ob ich immer besonnen genug sein werde, über mich selbst zu wachen? — —

Und eine _heilige Scheu_ ist es, die den heutigen Tag mir weihevoll macht. Es ist die Scheu vor der Sünde. Das Beispiel gottesfürchtiger Eltern, der Unterricht treuer Lehrer haben die Erkenntnis der Sünde in mir erweckt, die Liebe zur Tugend und zur Wahrheit in mir wach gerufen, und das Bewußtsein in mir gekräftigt, daß die Tugend das Glück, die Sünde das Unglück in sich birgt.

Und die _Gedanken höherer Natur_, die heute mich beleben, das sind die Gedanken an Dich. Wie glücklich fühle ich mich, erkannt zu haben, daß Du allein Gott bist im Himmel und auf Erden, daß Du ewig bist und unbeschränkt im Raume und in der Zeit, daß Du ein gerechter Richter bist, der das Gute belohnt und das Böse bestraft, daß Du ein liebender Vater bist allen Menschen, und allen Wesen gibst, was für sie zum Heile ist, daß Du allwissend und allweise bist und zu den besten Zwecken die besten Mittel wählst, daß Du der Schöpfer der Welt bist, und alle Kräfte der Natur Dir untertänig sind. Wie glücklich fühle ich mich, daß es mir vergönnt ist, Dich anzubeten, mein Hoffen und Vertrauen auf Dich zu gründen. O, so erhöre auch Du mein Gebet:

Du großer Gott, Du Herr des Lebens! Steh' gnadenvoll mir Schwachen bei, Auf daß ich heute nicht vergebens In Deinen Bund getreten sei.

O führe mich auf eb'nem Gleise Durch dieses Erdenleben hin, Und mache mein Bestreben weise Und fromm und edel meinen Sinn.

Ich möchte gut vor _meiner Seele_, Wenn ich mich selber prüfe, sein, Erkennen, wo und wann ich fehle, Und jeden Fehler schnell bereu'n.

Ich möchte gut und wohlgelitten Vor _allen Menschen_ sein, und reich An allen angenehmen Sitten Und immer nur den Besten gleich.

Ich möchte wandeln _Deine Pfade_, Weil dort nur Heil ich finden kann, Das gib mir, Herr, in Deiner Gnade, Ich flehe Dich in Demut an. Amen!

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Gebet am Verlobungstage.

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Mein Gott! Hinweg aus der lebendigen Aufregung, die mich umgibt, und die, obschon hervorgerufen durch Liebe und Güte aller, die mir nahe sind, mich dennoch nicht die Ruhe inbrünstiger Sammlung finden läßt, flüchte ich mich auf einen Augenblick zu Dir, mein Gott, um, abgezogen von allem Weltlichen, einsam und ungestört, nur im Bewußtsein und im Gefühle Deiner Nähe mein tiefbewegtes Herz vor Dir zu offenbaren.

Der Ernst des Lebens tritt heute in seiner ganzen Größe an mich heran und verlangt von meiner schwachen Einsicht die Reife höchster Überlegung und die Festigkeit des ernstesten Entschlusses.

Mir würde bangen vor dieser Aufgabe, und ich wüßte keinen Ausweg, als ihr auszuweichen, wenn Du nicht, o Herr, Kräfte in mein Herz gepflanzt hättest, die da wohl vermögen mich mutig zu machen und meine Leiter zu sein, daß den bedeutungsvollen Schritt ich wage, den ich heut gehen soll und will.

Ja, in meinem Herzen wohnen die Kräfte, und als freundliche Engel stellen sie sich lächelnd vor mein Auge; sie heißen _Liebe_ und Vertrauen.

_Liebe_ und Vertrauen empfinde ich zu Dir, mein Gott. Erzogen in den Lehren der Religion, fühle ich mich als Dein Kind, das nicht unerhört sich zum Vater wendet. Ich _liebe_ Dich als meinen Wohltäter von Jugend auf, und lege _vertrauensvoll_ mein Schicksal in Deine Hand. Was Du über mich beschlossen hast, das wird zu meinem Heile sein.

_Liebe_ und Vertrauen empfinde ich zu meinen Eltern, ihren Willen achte ich selbst da höher als meine Neigung, wo diese mit jenem nicht eins ist, um wieviel mehr muß ihr Wille mir heilig sein, wo er mit meinen Wünschen übereinstimmt. Was sie über mich beschließen, ist nur Liebes und Gutes, was sie von mir begehren, ist nur zum Segen für mich. So war es von je.

_Liebe_ und Vertrauen empfinde ich endlich auch gegen ihn, der mir seinen Willen offenbart hat, mir ein Schutz und eine Stütze zu sein in allen Tagen, solange es Dir wohlgefällt, daß wir vereint die Wege des Lebens gehen, gegen ihn, der von mir begehrt, daß ich ihm die Hand zum Bunde reiche, um als treue Gefährtin seines Lebens ihn nie zu verlassen in Glück und Unglück.

Wenn aber dies alles auch geeignet ist, mich frohen Mutes die Pflichten der Braut und bald die der Gattin übernehmen zu lassen, so bangt meine Seele dennoch, weil ich mir meiner Schwäche und Mangelhaftigkeit bewußt bin, weil ich es für gar leicht erachte, durch meine Fehler mir das Glück meines Lebens zu zerstören. Darum bitte ich Dich, mein Gott, verlasse mich nicht, wie Du bisher mich nicht verlassen hast. Laß mein aufrichtiges Streben gelingen, meinen Geist verständig, mein Herz duldsam, mein Wesen angenehm und meine Lebensansprüche bescheiden zu machen. In Deine Hand befehle ich mein Leben heute und allezeit, weil ich Dich liebe und auf Dich vertraue. Du bist mein Wohltäter, meine Stütze und Zuflucht. Amen!

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Gebet während des Brautstandes.

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Gütiger Gott! Näher und immer näher rückt der entscheidende Tag für mich heran, an dem ich das Haus meiner Eltern, die liebe Umgebung verlassen soll, in der ich gelebt habe von den Tagen meiner Kindheit bis jetzt. Der Tag naht heran, an dem ich einziehen soll in das Haus des Mannes, dem ich treu anzugehören gelobt habe für die ganze Zeit, die Du, mein Gott, für unsern gemeinsamen Lebensweg auf Erden bestimmt hast.

Je näher mir dieser Tag entgegentritt, desto mehr auch beschleicht mich das Gefühl der Bangigkeit. Ich weiß nicht, ob ich leicht oder schwer mich in die neuen Verhältnisse finden werde, ich weiß nicht, ob meine Kräfte und meine Einsicht ausreichen werden, den Pflichten der Hausfrau sogleich zu genügen, oder ob ich erst mit Mühe und Ausdauer mir die Fähigkeit, eine solche zu sein, werde erwerben müssen. Ich weiß nicht, ob ich mit Freude und Fröhlichkeit oder mit Sehnsucht und Bangen auf die Tage meiner Vergangenheit zurückblicken werde. Ich weiß nicht, ob mehr Wohlergehen oder mehr Leid und Trübsal mein Anteil sein werden. Denn wie der Würfel aus der Hand entrollt, so fällt das Los aller, die ihre Zukunft abhängig machen von dem Bündnisse der Ehe. Nicht Weisheit und Überlegung, nicht Reichtum und Erfahrung bürgen für das Glück, ja selbst die Liebe der Gatten zueinander vermag nicht Bürgschaft zu leisten für Wohlsein und Zufriedenheit.