Hanna: Gebet- und Andachtsbuch für israelitische Frauen und Mädchen

Part 1

Chapter 12,644 wordsPublic domain

Nachdruck als e-Buch anlässlich der Bath-Mitzwah von Hanna Nella Segre, am Vorabend von Schawuoth 5773, von ihrem Papa.

Hanna. —— _Gebet- und Andachtsbuch_ für israelitische Frauen und Mädchen.

Von _*Jacob Freund*_, Lehrer an der Religionsschule der Synagogen-Gemeinde zu Breslau.

_Mit Beiträgen_ von *Dr. D. Feuchtwang, Dr. A. Geiger und Dr. M. Güdemann.*

—————— _Neueste vermehrte und verbesserte Ausgabe._ ——————

*Breslau.* _Verlag von Jakob B. Brandeis._

‎‫וַתִּתְפַּלֵּל חַנָּה וַתֹּאמַר׃ עָלַץ לִבִּי בַּיהוָה‬ ‎‫אֵין־קָדוֹשׁ כַּיהוָה כִּי־אֵין בִּלְתֶּךָ וְאֵין צוּר כֵּאלֹהֵינוּ׃‬

Und Hanna betete und sprach: Mein Herz ist fröhlich in dem Herrn. Keiner ist heilig, wie der Herr, denn keiner ist außer Dir und kein Fels wie unser Gott. (1. Buch Sam. Kap. 2. V. 1. u. 2.)

Dem seligen Andenken seiner *verklärten Mutter*

Frau Rebecka Freund

_in dankbarer Liebe_ gewidmet

*vom Verfasser.*

Vorwort.

Von dem gesetzlichen Rechte Gebrauch machend, veröffentliche ich dieses bereits vor 41 Jahren zum ersten Male erschienene Andachtsbuch in neuester Ausgabe. Die Beliebtheit, welche dasselbe während jener Zeit errungen, verdankt es der richtigen Auswahl und Anordnung der, Form und Inhalt nach, gleich schönen Gebete des vor mehr denn 30 Jahren dahingeschiedenen Verfassers Herrn Jacob Freund. Ich habe an diesem Erbauungsbuche, ohne an dessen Gebeten oder Reihenfolge derselben zu rütteln, nur insofern eine Veränderung eintreten lassen, als ich jene Festbetrachtungen, deren Verfasser noch am Leben ist, beibehalten habe, dagegen jene, deren Verfasser bereits vor Jahren aus diesem Dasein geschieden sind, durch neue, Gedankenreichtum bietende, gemütanregende und den religiösen Sinn fesselnde Betrachtungen ersetzen ließ. Diese geflossen aus der Feder des Wiener Rabbiners und Predigers Dr. D. Feuchtwang, wahre exegetische Perlen, reihen sich denen des Wiener Oberrabbiners Dr. M. Güdemann würdig an, so daß der Reiz, den sie diesem Andachtsbuche verleihen, nicht wenig dazu beitragen wird, seine Beliebtheit zu steigern. Auch habe ich im Texte auf die neue Rechtschreibung Bedacht genommen, ein Vorteil, welcher der Jugend gut zustatten kommt.

_Breslau_, den 1. Mai 1908.

*Jakob B. Brandeis.*

Inhalt.

Öffentlicher Gottesdienst.

Sabbat- und Festgebete.

Seite Die Feste des Herrn (Feuchtwang) 3

I. Gebete für den Sabbat.

Sabbat-Betrachtung. (Feuchtwang) 6 Beim Eintritt in das Gotteshaus 9 Gebete für den Sabbattag 10 Nischmath 19 Gebet 23 Beim Herausheben der Thora am Sabbat 25 Gebet bei Verkündigung des Neumonds 26 Dasselbe 27

II. Gebete für die Freudenfeste.

1. Das Passahfest.

Festbetrachtung am Passahfeste. (Feuchtwang) 28 Beim Eintritt in das Gotteshaus. (An Festtagen oder bei festlicher Gelegenheit) 31 Gebet am Vorabend des Passahfestes 31 Seder. Betrachtung. (Feuchtwang) 33 Morgengebet am Passahfeste 36 Die Hallel-Psalmen 39 Beim Herausheben der Thora am Passahfeste 44 Tau und Regen (Tal und Geschem) Betrachtung (Feuchtwang) 45 Frühlingsgebet am ersten Tage des Passahfestes 48

2. Das Wochenfest.

Festbetrachtung am Wochenfeste. (Feuchtwang) 52 Gebet am Vorabend des Wochenfestes 54 Gebet am Wochenfeste 57 Die Gesetzgebung am Sinai 61

3. Das Hüttenfest.

Festbetrachtung am Hüttenfeste. (Feuchtwang) 65 Gebet am Vorabend des Hüttenfestes 67 Gebet am Hüttenfeste 69

4. Das Schlußfest.

Festbetrachtung am Schlußfeste. (Feuchtwang) 73 Gebet am Schlußfeste 75 Herbstgebet am Schlußfeste 79 Festbetrachtung am Simchas Thora. (Feuchtwang) 81 Gebet am Simchas Thora 84

III. Gebete für die ernsten Feste.

1. Das Neujahrsfest.

Festbetrachtung am Neujahrsfeste. (Güdemann) 87 Am Vorabend des Neujahrsfestes. Lied 92 Gebet am Vorabend des Neujahrsfestes 92 Morgengebet am Neujahrsfeste 96 Owinu malkenu 100 Beim Herausheben der Thora am Neujahrsfeste 102 Gebet vor dem Schofarblasen 104 Unthanne tokef 107 Olenu 109

2. Der Versöhnungstag.

Festbetrachtung am Versöhnungstage. (Güdemann) 112 Am Vorabend des Versöhnungstages. Lied 117 Gebet am Vorabend des Versöhnungstages 117 Owinu malkenu 122 Morgengebet am Versöhnungstage 124 Sündenbekenntnis 129 Beim Herausheben der Thora am Versöhnungstage 134 Maskirbetrachtung für den Versöhnungstag. (Feuchtwang) 136 Gebet zu Mussaph am Versöhnungstage 138 Unthanne tokef 141 Der Hohepriester am Versöhnungstage 144 Gebet zu Mincha am Versöhnungstage 149 Vor Sonnenuntergang am Versöhnungstage 153 Zum Schluß des Versöhnungstages 157

IV. Gebete für die Halbfeste.

1. Chanucka.

Gebet am Chanuckafeste 159

2. Purim.

Gebet am Purimfeste 161

V. Gebete für den 9. Ab (Tischah be-aw).

Gebet am Tischah be-aw 164 Klage um das verlorene Zion 169 Eli Zion 171

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Häusliche Andacht.

Tägliches Morgengebet 177 Tischgebet 178 Nachtgebet 179 Gebet am Sonntag 180 Gebet am Montag 181 Gebet am Dienstag 183 Gebet am Mittwoch 185 Gebet am Donnerstag 186 Gebet am Freitag 188 Gebet am Neumondstage 190 Gebet beim Anzünden der Sabbat- und Festlichte 191 Sabbat-Einzug 192 Freitagabend-Lied 194 Zum Sabbat-Ausgang. Psalm 67 195 Sabbat-Ausgang. Lied 196 Gebet am Tage der Konfirmation 197 Gebet am Verlobungstage 200 Gebet während des Brautstandes 202 Gebet einer Braut am Hochzeitstage 204 Gebet einer Neuvermählten 207 Gebet einer Wöchnerin 209 Gebet der Mutter während der Aufnahme ihres Sohnes in den Bund Abrahams 210 Gebet einer Wöchnerin bei ihrem ersten Besuche des Gotteshauses 212 Gebet einer Mutter am Tage der Konfirmation ihres Sohnes 213 Gebet einer Mutter am Verlobungstage ihrer Tochter 214 Gebet einer Mutter am Hochzeitstage ihrer Tochter 215 Gebet einer Mutter am Hochzeitstage ihres Sohnes 217 Gebet einer Witwe 219 Gebet einer Witwe, die in dürftigen Verhältnissen lebt 220 Gebet einer Stiefmutter 222 Gebet eines vaterlosen Mädchens 224 Gebet eines mutterlosen Mädchens 226 Gebet einer Verwaisten 228 Gebet einer Dienenden 230 Gebet für die Eltern in der Ferne 233 Gebet um Hilfe aus der Not 234 Dankgebet für Hilfe aus der Not 235 Gebet bei einem freudigen Ereignis 236 Gebet um Nahrung 237 Dankgebet für die Nahrung 238 Gebet um Erhaltung der Gesundheit 240 Gebet um Genesung. Psalm 6 241 Dankgebet nach überstandener Krankheit 242 Gebet für den erkrankten Vater 243 Gebet für die erkrankte Mutter 244 Gebet der Mutter für ihr krankes Kind 246 Gebet für den erkrankten Sohn oder die Tochter 248 Gebet für den erkrankten Gatten 249 Dankgebet für die Genesung eines Angehörigen 249 Gebet für das Wohlgedeihen der Kinder 251 Dankgebet für das Wohlgedeihen der Kinder 252 Gebet in trauriger Lebenslage 254 Gebet um Geduld und Zufriedenheit 255 Gebet um das Wohl des Reiches 258 Gebet in Zeiten allgemeinen Drangsals 258

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Jahrzeits-, Friedhof-Gebete und Totenfeier.

1. Jahrzeitsgebete.

Gebet am Jahrestage vom Tode des Vaters 263 Gebet am Jahrestage vom Tode der Mutter 266 Dasselbe für eine Frühverwaiste 268

2. Friedhofgebete (Geiger).

Gebet 271 Am Grabe der Eltern 273 Am Grabe eines Sohnes oder einer Tochter 276 Am Grabe des Gatten oder der Gattin 278 Am Grabe der Geschwister, Großeltern, Schwiegereltern oder anderer Verwandten 280 Am Grabe eines Freundes oder einer Freundin 282 Am Grabe eines Wohltäters oder einer Wohltäterin 283 Am Grabe eines Lehrers oder einer Lehrerin 284 Am Grabe bedeutender Menschen 285 Schlußbetrachtung und Gebet 286

3. Totenfeier (Geiger)^[1].

[1] Am 8. Tage des Peßachfestes, am 2. Tage des Schebuothfestes, am Jom Kippur und Schemini Azereth.

Maskirbetrachtung (Feuchtwang) 288 Totenfeier 292

A. Oeffentlicher Gottesdienst.

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Sabbat- und Festgebete.

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Die Feste des Herrn.

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„Lasse uns den Segen Deiner Feste zuteil werden, o Gott, zum Leben und zum Frieden, zur Freude und zur Wonne. Heilige uns mit der Ausübung Deiner Gebote und gib uns unseren Teil an Deiner Thora. Sättige uns von Deiner Güte und erfreue uns mit Deiner Hilfe. Reinige unser Herz, Dir in Wahrheit zu dienen. Mache uns deine heiligen Feste zum Eigentum. Du bist der Segenspender, o Gott, indem Du Israel heiligst und die Zeiten.“ In diesem kindlich-schlichten, menschlich-wahren Gebete drückt sich der ganze tiefe, volle Segen aus, den die Festeszeiten in die Herzen, Seelen, Geister überreichlich streuen. Wie erquickender Sonnenstrahl in kaltes Dunkel, wie blütenprächtiger Frühling in winterlich-frostige Gefilde, so fallen die Festeszeiten in das harte, ernste Leben. — Wer lebt, der kämpft. Wer kämpft, der siegt nicht immer. Nicht jedwedem gedeiht die Saat auf dem Arbeit und Fleiß fordernden Ackerland des Lebens. Nicht alle, die unter Tränen das Saatkorn in die Furche geworfen, ernten in Jubel und Freude. Und die in scheinbar ungestörter Freude die Tage verbringen, die in nie umwölktem Sonnenleuchten ihre Jahre leben, in deren Sein und Streben sich goldene Ringe in köstlicher Kette an goldenem Ring zu reihen scheint, sie sind nicht immer die Glücklichen. Der ewige Festtag ist nicht des Ewigen Festtag. Menschengewollte und menschengebotene Ruhe steht im Dienste vergänglicher, täuschender Wünsche. Der ermüdete Leib des Daseinskämpfers bedarf der Seelenerquickung, die höchste Weihen empfangen hat und die im Zeichen idealen Dienstes steht. Festesstimmung und Festesfreude quellen aus dem Borne der Ewigkeit und der seelenvollen Hingebung an den weltbeglückenden Gedanken _eines Gottes, eines Schöpfers, eines Menschenvaters_. Sie sind uns nicht Stimmungen des flüchtigen Augenblickes, sondern vertiefte Gedanken an große geschichtliche Vergangenheit, ereignisreiche Gegenwart und glückverheißende Zukunft.

Die „Feste des Herrn“ sind Zeiten der _Sammlung_ und der _Andacht_. Der Sammlung in jeglichem Sinne. Auch in dem, daß durch Arbeit versprengte Glieder des durch Bande des Blutes gebundenen _Hauses_ sich warm und freudevoll zusammenfinden; die _Gemeinde_ im brüderlichen Verbande an gemeinsamer Stätte sich Gottes und seiner Waltung freut; die Glaubensschwestern und Glaubensbrüder allesamt in aller Welt an ebendemselben Tage und zur selben Stunde des großen Lebens gedenken, das unser Volk gelebt, des unendlichen Segens, den es empfangen und gespendet hat. Der _Andacht_, die aller selbstischen Schlacken frei, sich in geiststärkende und weltumfassende Gedanken versenkt, die beruhigen, adeln und erheben. Denn die „Feste des Herrn“ sind nicht allein Festtage für sein erstgeborenes Volk, für Israel, sondern ziehen in den Bereich ihres weiten Andachtsbezirkes _alle Menschenbrüder_. So begrüßen wir diese Feste in gelassener _Freude_ und mit gedämpftem Jubelruf. Sie sind der Gottesverehrung, geschichtlichen Erinnerung, sittlichen Selbsterziehung, Einkehr und Umkehr geweiht und ihr geschlossener Kreis zieht sich um die gemeinsame Mitte der Menschenerziehung und Menschenbeglückung. So feiern wir die „Feste des Herrn“ zu unserem Heil und Segen.

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I. Gebete für den Sabbat.

Der Sabbat. ‎‫שבת.‬

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Sabbat-Betrachtung.

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„Denke des Sabbattages, ihn zu heiligen!“ „Heil dem Menschen, der dies tut, dem Erdensohne, der daran festhält: Den Sabbat hütet, ihn nicht zu entweihen, seine Hand hütet, daß er nichts Böses tue!“ Als Moses, so erzählt eine uralte Sage, den Druck seiner Brüder in Ägypten sah, ging er zum Pharao und sagte: Wenn der Sklave nicht einen Tag in der Woche ruht, muß er sterben. Und Pharao sagte: Tue, wie Du geredet. Da ging Moses hin und setzte den Sabbat ein. „Darum freut sich Moses der Gabe, die sein Teil ist.“ Doppelt ist die große Aufgabe des Sabbat; den Menschen auf Gott und sein Werk, den Menschen auf sich selbst zu weisen. Das wollen auch diese Thora- und Prophetenworte, will die sinnige Sage melden. Neben dem gewaltigen, völkerbezwingenden, weltgewinnenden Riesengedanken des Einzigen Gottes, der aus sich Kulturen geboren hat; neben dem größten sittlichen Befehl der „Nächstenliebe“, den unsere Religion vor allen anderen der Menschheit erteilt hat, ist der Sabbatgedanke der größte, den unser Glaubensgesetz besitzt. Er verlieh und verleiht dem Leben Hoheit, Weihe und Würde. Wenn die heilige Schrift das Schöpfungswerk mit dem Tage der Sabbatruhe schließt und krönt, wenn das Bundestafelgesetz den Sabbat fordert, so will dies besagen, daß ohne ihn der Schöpfung wundererfülltes Werk nicht vollendet, das Leben nicht vollkommen wäre. Denn der Sabbat ist die Blüte am markigen Baume der Lebensarbeit. Er ist die Sehnsucht rastlos schaffenden Menschengeistes, mühevoll-emsiger Menschenhände. Unsere harte Zeit des Daseinskampfes, in der die Seele nur wenig und selten bedacht wird, hat trotz aller Bildungsmittel und Kunstideale, aller Schönheitspflege und Wohlfahrtspredigt den Sinn und Willen des jüdischen Sabbat weder erfaßt noch erreicht. Der jüdische Sabbat hat eine ewige Bedeutung für die ganze Menschheit. Dieser Tag der Ruhe ist der „Tag der Weihe im Geiste, auf daß auch der Werketagsarbeiter aller Art zu sittlicher Erhebung, zur Freiheit des Gemütes sich sammeln könne.“ Er ist eine sittliche Kraftäußerung der Seele und der Religion, die sieghaft dem Nutzentriebe und der Stoffgewalt Schranken setzten.

In dieser Weise hat er einst in jüdischen Kreisen gewirkt, in Haus, Familie und Gemeinde. Die Geistes- und Leibesarbeit der Wochentage strebte gewissermaßen dem Hochziele „Sabbat“ zu. Der Rüsttag schon verriet die Zeichen der kommenden, herzerquickenden, reinen, tiefen Sabbatfreude. Sie führte Vater, Mutter und Kind in einen fröhlichen, geweihten Kreis, in dem es keine Sorge, keinen Kummer, keinen Kampf und keinen Haß, keine Trübung noch Trauer gab. Licht und Lust, Lebensmut und Lebensfreude erfüllten Herz und Haus. Ausgeglichene, einfältigweise Rast und Ruhe und Sammlung waren der Grundton der Sabbatstimmung. Becherweihe durch Segensspruch, Elternsegen, bescheidenes Festmahl, gewürzt durch Begleitworte der Thora und der andachtsvollen, sinnreichen, lehrhaften Erbauungsbücher; gemütreicher Gottesdienst mit ehrlichen, gradaus zum Himmel gerichteten Gebeten, Familienverkehr und Freundesbesuch, nicht ermüdender Spaziergang im Festgewande — sie füllten den Tag aus. Und selbst der Ärmste feierte mit; Herr und Frau, Magd und Knecht. So erstreckte sich der Sabbatfriede über alle und alles. Warum aber sprechen wir von dieser Sabbatherrlichkeit im großen und im kleinen wie von vergangener, verschwundener Zeit? Hat etwa die Gegenwart bessere, höhere Werte an deren Stelle gesetzt? Gewähren rauschende Feste, lärmende Lust, taumelnde Freude dem Herzen und der Seele tiefere Befriedigung? Haben Staats- und Gesellschaftsgesetz der Gegenwart es trotz schwerster Bemühung erreicht, Welt und Menschen einen wirklichen, ungeschwächten Tag der Ruhe zu schenken, der zugleich ein Tag höchster Seelenweihe wäre? Und wie sehr, wie dringend bedürften wir, wie alle Menschen in der tötenden Hast und drängenden Eile des Alltaglebens dieses immer wiederkehrenden Hinweises auf göttliche Macht und menschliche Größe, dieses mahnenden Rufes zur Sammlung und Ruhe. Der Wochensabbat würde sich zum Weltensabbat eignen und weitern, um so einen Teil des Erlösungswerkes zu vollbringen, das messianische Hoffnung für Israel und alle Welt erwünscht und ersehnt.

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‎‫מַה טֹּבוּ‬ Beim Eintritt in das Gotteshaus.

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Wie schön ist, Israel, Dein Zelt! Und Jakob, Deine Hütte! Da thronet Gott, der Herr der Welt, Im seines Volkes Mitte.

Da tret' ich vor Dein Angesicht, O Herr! mich tief zu bücken, Bestrahlt von Deiner Gnade Licht, Ins eig'ne Herz zu blicken.

Wie lieb' ich diesen heil'gen Ort Als meines Segens Quelle; Es spendet Glück mir fort und fort Und Frieden diese Stelle.

Hier find' ich Trost in Traurigkeit, Erhebung in der Freude. Weil ich vor Gottes Herrlichkeit Mich gern in Demut kleide.

Mit Lust und Liebe bin ich d'rum Nun in Dein Haus getreten, Vernimm, o Vater, wiederum Mein Bitten und mein Beten!

Amen!

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Gebete für den Sabbattag.

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Ewiger Gott, Herr und Vater, unendlich wie Du bist, ist auch Deine Macht, Deine Größe und Herrlichkeit, Deine Weisheit und Deine Gnade. Gelobt sei Dein heiliger Name in Ewigkeit!

Du hast den Sabbat eingesetzt, daß er uns ein Tag der Ruhe und der Erhebung, ein Tag der Andacht und der Erbauung sei. O laß meines Mundes Worte und die Gedanken meines Herzens Dir wohlgefällig sein. Amen!

‎‫אדון‬ Herr der Welt! Du hast regiert, eh' noch ein Wesen erschaffen ward. Du wirst König genannt seit der Zeit, da auf Deinen Willen das All' erstanden ist, und wenn einst alles dahin sein wird, dann wirst Du allein noch herrschen, o Ehrfurchtbarer! Ja, wie Du warst, so bist Du, und so wirst Du ewig sein in Herrlichkeit; Du bist einzig, kein zweites Wesen ist Dir zu vergleichen und Dir an die Seite zu stellen. Du bist ohne Anfang und ohne Ende, und Dein ist die Macht und die Herrschaft. Du bist aber auch mein Gott, mein lebendiger Erlöser, Fels in meinem Leide zur Zeit der Not. Du bist mein Panier und eine Zuflucht für mich, Anteil meines Kelches am Tage, da ich rufe. In Deine Hand empfehle ich meinen Geist zur Zeit, wenn ich schlafe, und wenn ich wache, und mit meinem Geiste auch meinen Körper; ist Gott mit mir, so fürchte ich nichts.

‎‫אתה הוא‬ Du bist der Ewige, unser Gott, im Himmel und auf Erden und in allen Räumen der Welt. Das ist gewiß und wahrhaftig, daß Du der Erste bist und der Letzte, und außer Dir ist kein Gott. O, möchten doch alle Bewohner der Welt es erkennen und bekennen, daß Du, Gott, allein der Herr bist auch in allen Reichen der Erde. Du hast den Himmel gemacht und die Erde, das Meer und alles, was es füllet. Wer von allen Deinen Geschöpfen in der Höhe und in der Tiefe vermag etwas hinzuzufügen zu den Werken Deiner Allmacht? O Du, unser Vater im Himmel, übe Barmherzigkeit mit uns um Deines großen und heiligen Namens willen.

O, ich wollte so gern, Dich rühmen und preisen, Allerhabener, aber die Worte meines Mundes reichen nicht hin zum Lobgesang für Deine Ehre; darum möge es Dir wohlgefällig sein, wenn ich Dich anbete mit den Liedern der von Dir begnadeten Sänger, die Dich angebetet haben in heiligen, unvergänglichen Dichtungen.

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Psalm 19.