Handbuch der praktischen Kinematographie Die verschiedenen Konstruktions-Formen des Kinematographen, die Darstellung der lebenden Lichtbilder sowie das ...

Part 23

Chapter 231,813 wordsPublic domain

Das für rote Töne bestimmte Kupfertonbad erfordert drei Vorratslösungen, die man folgendermaßen zusammensetzt:

Lösung I.

Abgekochtes Wasser 10 Liter Rotes Blutlaugensalz 500 gr

Lösung II.

Abgekochtes Wasser 10 Liter Kupfervitriol 500 gr

Lösung III.

Abgekochtes Wasser 10 Liter Pottasche 250 gr Zitronensäure 250 gr

Zum Gebrauch gibt man auf 8 Teile der Lösung III 1 Teil Lösung II und dann 1 Teil Lösung I. Die Mischung muß in der angegebenen Reihenfolge geschehen; beim Zugießen rühre man um. Das Tonen dauert hier länger: 5 bis 30 Minuten; die Farbe geht dabei von Schwarzrot in ein reines Rot über. Die Verwendung des Bades verlangt große Aufmerksamkeit, da leicht Schleier entstehen; außerdem wird hierbei die Gelatine weich, man muß deshalb darauf achten, daß die Schicht sich nicht kräuselt oder verkratzt wird.

Ein großer Übelstand haftet diesen Tonbädern an: sie halten sich nur kurze Zeit, und zwar höchstens eine Stunde. Man tut daher gut, wenn man einen Ansatz macht, mehrere Films bereitzuhalten, und diese so rasch wie möglich zu behandeln, damit die Arbeit fertig ist, bevor sich das Bad zersetzt hat. Films, die man tonen will, müssen ganz reine Weißen haben und dürfen keinerlei Schleier zeigen; ferner muß, was überhaupt nötig ist, alles Fixiernatron durch gründliches Auswaschen entfernt sein.

Bei den oben beschriebenen Prozessen werden die dunklen Partien getont, während die Lichter weiß bleiben. Man kann nun recht hübsche Effekte auch durch Färben der ganzen Schicht bekommen, was mit Hilfe von wasserlöslichen Anilinfarben oder ähnlichen Farben geschieht. Das Färben nimmt man nach dem Auswaschen vor dem Trocknen vor; geschieht es später, so muß man die Schicht des Film zuvor durch ein Wasserbad aufweichen, damit die Farbe gut und gleichmäßig aufgenommen wird. Nach dem Färbebade spüle man den Überschuß an Farbe ab, damit nicht Ungleichmäßigkeiten oder z. B. durch Eintrocknen von Tropfen der Lösung Ränder entstehen.

Durch Tonen des Film in einem der oben besprochenen Bäder und nachherige Färbung kann man alle möglichen Kombinationen erzielen. Tont man den Film z. B. blau, wobei die Lichter weiß bleiben, und färbt ihn dann gelb, so werden die Lichter gelb, während die vorher blaue Farbe in Grün übergeht. Eine Behandlung in blauem Tonbad mit darauffolgender Rotfärbung gibt ein violettes Bild mit roten Lichtern; eine solche Zusammenstellung ist eventl. zur Darstellung von Nachteffekten gut zu brauchen.

Weiter oben habe ich darauf hingewiesen, daß sich bei harten kontrastreichen Films mit scharfen Lichtern das »Flimmern« stärker bemerkbar macht, als bei Bildern, deren Weißen etwas gedeckt sind. Ich machte gleichzeitig darauf aufmerksam, daß man durch Färben der Films in einfacher Weise Abhilfe schaffen kann. Namentlich bei Films, deren Bilder große weiße Flächen zeigen und die deshalb besonders zum Flimmern neigen, sollte man diese Methode häufiger anwenden. Für jedes Sujet wird sich leicht ein geeigneter Farbton finden lassen; natürlich muß man sich vor Übertreibungen hüten und sich in der Regel auf zarte Tönungen beschränken. Bei den Titeln wird das Färben in der Regel angewandt.

Das Gleiche kann man durch Kolorieren erreichen. Das Kolorieren der Films geschieht mit Hilfe von Anilinfarben, die man mittels eines feinen Marderpinsels aufträgt. Die Schicht muß dazu vorher mit Wasser aufgeweicht werden, damit sie die Farbe gut aufnimmt. Das Auftragen erfordert Geschick und Übung; der Anfänger bekommt leicht Farbränder und Kleckse. Ein feines Ausmalen aller Details ist bei Films meist nicht nötig; man bekommt eine gute, oft viel schönere Wirkung durch Auflage einiger Farbtöne. Durch viele, in Details gebrachte Farben, namentlich gegeneinander abstechende Farben, wird das Bild leicht »auseinander gerissen«; es ist wichtig beim Kolorieren, die Gesamtwirkung stets im Auge zu behalten und sich nicht zu sehr in Einzelheiten zu verlieren.

Noch auf eines sei dabei aufmerksam gemacht. Wenn man die Films bis in die Details ausmalt, so ist es erforderlich, die Konturen peinlichst genau einzuhalten. Geht man nämlich in einem Bild mit der Farbe bis an die Linie heran, während man in anderen Bildern darüber hinwegstreicht oder nicht ganz herankommt, so wird diese Linie infolge des schwankenden Farbenumrisses in der Projektion hin und her pendeln, was natürlich einen sehr schlechten Eindruck macht. Auch aus diesem Grunde ist es zweckmäßiger, die Farben nur in einigen Tönen aufzusetzen.

In den großen Fabriken geschieht das Kolorieren mit Hilfe sinnreicher Maschinen. Bei diesem maschinellen Verfahren muß man mehrere der Films, welche die betreffenden Aufnahmen darstellen, opfern. Aus diesen werden nämlich Schablonen hergestellt; für jede Farbe eine. Der Arbeiter schneidet dazu mit großem Geschick zunächst aus einem Film, Bild um Bild, alle die Stücke aus, die rot werden sollen. Dieser Schablonenfilm läuft nun mit dem zu kolorierenden Film, wobei sich die Bildteile beider genau decken, durch die Maschine und diese trägt mechanisch durch die ausgeschnittenen Stücke rote Farbe auf. Dann erhalten ein zweiter, dritter und wer weiß wie viele Films mit Hilfe derselben Schablone den gleichen »Aufdruck« in Rot. Inzwischen ist der zweite Schablonenfilm fertig geworden, bei dem alle blauen Stücke ausgeschnitten sind. Nun wird die ganze Reihe mit diesem »gedruckt«, worauf in gleicher Weise die übrigen Farben daran kommen. Diese Methode lohnt sich natürlich nur für einen Betrieb, der eine große Anzahl Films in kolorierter Ausführung absetzen kann.

Wenn der Film fertig und völlig trocken ist, muß man ihn einer genauen Prüfung auf etwaige Fehler unterziehen. Recht störend sind helle Flecken und Risse in der Schicht, namentlich wenn solche in einer Reihe aufeinanderfolgender Bilder auftreten. Das gibt ein »Blitzen und Blinkern«, wodurch das Auge irritiert und ermüdet wird. Man muß dann zusehen, wieweit sich durch Retusche Abhilfe schaffen läßt, oder, wenn es gar zu schlimm ist, eine neue Kopie herstellen.

Alphabetisches Inhaltsverzeichnis.

Seite

Aequivalente Brennweite 95 Aethersaturator 155, 166 Antriebswerk 69 Aufnahme-Apparat 4, 275 Aufnahme-Apparat, Handhabung 288 Aufnahme-Film 285 Aufstellung d. Apparates 195, 202 Aufrollvorrichtung 53, 212 Ausrüstungsgegenstände 195, 204 Auswahl der Systeme 33, 71 Auswechselbare Objektive 105 Automat. Feuerschutz 66, 235 Azetylen-Kalklicht 157, 171

Bewegungsmechanismus 18 Bildgröße 96 Bildhalter 84 Blende 7, 39, 265 Blendscheibe 276, 292 Bogenlampe 136 Bogenlampe, Handhabung 147 Bogenlicht 122 Bogenlicht, Helligkeit desselben 146 Braunsteinkuchen 177 Brennweiten-Bestimmung 91

Copierapparat 312

Doppelapparat 83 Doppelkondensoren 88 Dreifacher Kondensor 89 Druckreduzierventil 153, 159 Dunkler Raum 200

Einstellung der Lichtquelle 193 Elektrisches Bogenlicht 122 Endlose Films 214, 273 Entwickler 306 Entwicklung der Films 302, 308

Färben der Films 318 Fehlerhafte Erscheinungen 260, 311 Feuersgefahr 233 Feuersichere Trommel 56, 241 Feuerschutz-Vorricht. 66, 235 Film 10 Film-Aufwinder 212 Films, Behandlung 221 Filmrahmen 305 Filmspule 56 Films, Verkleben derselben 224 Fixieren 309 Flickern 8, 219, 265 Flimmern 5, 39, 216, 264

Gasator 155, 164 Gassack 173, 189 Geräusch des Apparates 73 Geräuschmaschine 254 Gestell für die Wand 199 Gitter 87 Glasbilder 15 Gleichrichter 132 Grammophon 259 Greifer 26

Inhaltsmesser 154, 160

Kalklicht 152 Kalklicht-Brenner 161 Kalkstifte 153, 161 Kamera 275 Kinematogr.-Handhabung 207 „ Mechanismus 48 Kinem.-Mech.-Instandhalt. 229 Kinematograph-Werk 48 Klebmittel 226 Klemmvorrichtung 227 Klemmzug 31 Kohlenstifte 147 Kolorieren der Films 319 Komprim. Sauerstoff 153, 163 „ Wasserstoff 157, 164 Kondensor 14, 88, 260 Kopier-Apparat 312 Korrigier. d. Bildeinstellung 58 Kühlflüssigkeit 85 Kühlgefäß 84, 236

Lichtbilder-Apparat 13, 75 Lichteindruck 2 Lichteinrichtungen 122 Lichtmaschinen 135 Lichtquelle 14 Lichtquelle, Einstellung 193

Malteserkreuz 20 Meßvorrichtung 287 Motorantrieb 70

Nachstellung des Bildes 58 Nebelbilder 248 Neigevorrichtung 285 Nockenapparat 31

Objektiv 14, 89, 281 „ Anpassung desselben 101 Optische Ausrüstung 88 „ Formeln 106

Perforation 10 Perforiermaschine 285 Phonograph 255 Polizei-Vorschriften 243 Positivfilms 315 Programm 245 Projektions-Apparat 13, 75 „ -Wand 195

Quecksilberdampf-Gleichrichter 132

Regnen 8, 42, 265 Reflexwand 197

Sauerstoff-Gasometer 179, 189 „ -Generator 177 „ -Retorte 171 „ -Selbstherstellung 158, 171, 175 Schalttafel 143 Schläger 23 Schonung der Films 8, 64 Schwungrad 49 Selbsttät. Feuerschutz 66, 245 Sicherheitsbrenner 189 Sicherheitsrohr 191 Sicherheits-Vorrichtungen 237 Sicherung 142 Spannung 123 Sprechmaschine 255 Spule 56 Stahlflasche 153, 159 Stativ 195, 284 Stehende Lichtbilder 220 Synchronismus 256

Tabellen 114 Tageslicht-Projektion 201 Tonbild 259 Tonen der Films 316 Transformator 126 Trockenraum 309 Türe 19, 36

Umformer 129 Umrollvorrichtung 204, 212

Verkleben von Films 224 Verstellbarkeit d. Filmbildes 58 Verstellb. Transporttrommel 63 Vertikaleinrichtung 81 Vibrieren 7, 266 Vorführung 245 Vorschub des Filmbandes 50 Vorschubtrommel 51

Wärmeschutz 87 Wand 195 Waschgefäß 172 Wasserdruck-Gasometer 182 Wasserstoff, kompr. 157, 164 „ Selbstbereitung 186 Werkzeugkasten 205 Widerstand 141 Windmaschine 253 Wirkungsweise 1

Zählwerk 287 Zuschauerplätze 202

Von demselben Verfasser und im gleichen Verlage erschien die von der Presse außerordentlich günstig beurteilte Schrift:

Das lebende Lichtbild.

Entwicklung, Wesen und Bedeutung des Kinematographen.

Mit 53 Abbildungen, Modellen für Wunderscheibe, Lebensrad und Malteserkreuz sowie mit Taschenkinematograph.

Preis Mark 2.--.

_Inhaltsübersicht des Werkes_.

Vorwort

Die Entwicklung des Kinematographen

Einleitung -- Die Wunderscheibe und die Geschichte ihrer Erfindung -- Das Lebensrad (Stroboskop, Phenakistiskop) -- Die Wundertrommel -- Taschenkinematograph und Mutoskop -- Verbindung von Lebensrad und Lichtbilderapparat -- Die Anfänge der Bewegungsphotographie -- Herstellung der ersten Reihenaufnahmen durch Muybridge -- Förderung der Reihenphotographie durch Anschütz -- Marey, der Begründer der modernen Kinematographie -- Ausbau der modernen Kinematographie

Wesen und Wirkungsweise des Kinematographen

Wirkungsweise des Aufnahme-Apparates -- Das Filmband und seine Fertigstellung -- Wirkungsweise des kinematographischen Wiedergabe-Apparates -- Das Flimmern und die Mittel zur Behebung -- Konstruktion des Transport-Mechanismus -- Die Malteserkreuz-Einrichtung -- Andere Bewegungs-Mechanismen -- Kinematographen mit gleichmäßig laufendem Filmband -- Ausstattung des Kinematograph-Mechanismus -- Der Aufnahme-Apparat

Das kinematographische Aufnahme-Verfahren

Wie man mit der Aufnahme-Kamera arbeitet -- Aufnahme-Ateliers -- Lebensgeschichte des Kinematographenfilm -- Wie die Trickfilms hergestellt werden

Die Bedeutung des Kinematographen

Der Kinematograph als Forscher und Lehrer -- Macht der kinematographischen Darstellung -- Das Kinematographen-Theater -- -- Das Tonbild -- Fehlerhafte Erscheinungen -- Das lebende Lichtbild in Schule und Vortragssaal -- Was es an lehrhaften Films gibt -- Kinematographische Aufnahmen für Kunstschulen -- Der Kinematographenfilm als geschichtliche Urkunde -- Das lebende Lichtbild im Dienste der Reklame -- Der Kinematograph in der Wissenschaft -- Wirtschaftliche Bedeutung des Kinematographen

Die Projektions-Kunst

für Schulen, Familien und öffentliche Vorstellungen

mit einer Anleitung zum Malen auf Glas und Beschreibung chemischer, magnetischer, optischer und elektrischer Experimente

Von _Dr. Paul Ed. Liesegang_.

Mit 153 Abbildungen. _{1}2. Auflage._

In 11. Auflage vollständig umgearbeitet und vermehrt von _F. Paul Liesegang_ und _Dr. Berghoff_.

Preis Mk. 5.--, gebunden Mk. 6.--.

_Inhaltsverzeichnis_.

_Die Projektionskunst._ Die verschiedenen Lichtquellen. _Das optische System des Projektions-Apparates._ Der Kondensor. Das Objektiv. Der Bildhalter. Dissolver. Stativ für Projektions-Apparate. Die Wand. Der dunkle Raum. Die Zentrierung des Lichtpunktes. Die Größe des Lichtbildes. Die Aufstellung des Projektions-Apparates. _Der Projektions-Apparat und die Lichtquellen._ Die Bauart des Skioptikons. _Die Petrol- oder Skioptikon-Lampe._ Die Handhabung der Skioptikon-Lampe. Gasglühlicht. Spiritusglühlicht. _Das Azetylen._ _Das Kalklicht._ Bereitung von Sauerstoff. Die Gassäcke und Verbindungsschläuche. Sauerstoff-Generator mit Gasometer. Komprimierter Sauerstoff. _Wasserstoff-Bereitung._ Kontinuierliche Herstellung von Wasserstoff-Gas. Komprimierter Wasserstoff. _Die Kalklichtbrenner._ Die Kalkzylinder. _Sicherheits-Vorrichtungen gegen Explosionsgefahr._ Das Projizieren mit Kalklicht. Der Aether-Saturator. Das elektrische Bogenlicht. Das elektrische Glühlicht. _Die Projektion undurchsichtiger Gegenstände._ _Nebelbilder-Apparate._ _Der Kinematograph._ _Die Herstellung der Projektionsbilder._ A. Ohne Hilfe der Photographie. Statuen auf mattem Glas. Astronomische Tafeln. B. Photographische Projektionsbilder. Chlorbromsilberplatten. Abziehpapier. Aristoplatten. Pigment- (Kohle-) Druck. Photorelief- oder Woodbury-Druck. Das Albuminverfahren. _Das Malen von Glasbildern mit Wasserfarben._ Die Umrisse des Bildes. Die erste Farblage. Die zweite Farblage. Die dritte Farblage. _Das Malen mit Diaphanfarben._ Farbige Glasscheiben. _Die Projektion in natürlichen Farben._ _Experimente mit der Laterne._ Darstellung von Schneefall. Darstellung des Blitzes. Der Vorhang. Bewegliche Bilder. Das Cycloidotrop. Bewegliche Schiffsbilder. Springbrunnen. Farbiger Springbrunnen. Das Kaleidoskop. Vorführung des Pulsschlages. _Physikalische Experimente._ Der Projektions-Apparat. _Mechanik flüssiger Körper._ _Diamagnetische Erscheinungen._ _Akustik._ _Aus der Optik._ Darstellung der Lichtbrechung. Totalreflexion. Spektral-Erscheinungen. Dunkle Linien. Darstellung des Regenbogens. Mischfarben. Kontrastfarben. Fluoreszenz-Erscheinungen. Interferenz-Erscheinungen. Polarisation. Doppelbrechung durch Druck und Wärme. _Chemische Versuche._ _Pflanzenphysiologische Experimente._ _Experimente mit dem Horizontal-Apparat._ _Das Projektions-Mikroskop._ _Stereoskopische Projektion._ _Die Panorama-Projektion._ _Die Laterne im Dienste des Theaters._ _Der begleitende Vortrag._

BUCHDRUCKEREI ED. LINTZ DÜSSELDORF