Handbuch der praktischen Kinematographie Die verschiedenen Konstruktions-Formen des Kinematographen, die Darstellung der lebenden Lichtbilder sowie das ...

Part 22

Chapter 223,441 wordsPublic domain

Die kinematographische Aufnahme sehr rascher Bewegungen, die eine wesentlich größere Zahl von Bildern -- bis zu mehreren Tausend in der Sekunde, wie insbesondere bei fliegenden Geschossen -- erfordern, läßt sich mit dem hier beschriebenen Apparat nicht ausführen. Man verwendet dazu Vorrichtungen mit kontinuierlich laufendem Filmband. Bei dem von Geheimrat Cranz konstruierten Apparat bewegt sich der Film mit einer Geschwindigkeit von 90 m in der Sekunde und es können 5000 Aufnahmen in der Sekunde gemacht werden. Die Belichtungen erfolgen mit Hilfe eines elektrischen Funkens.

Gänzlich anderer Art sind wiederum die Einrichtungen zur Herstellung kinematographischer Röntgenaufnahmen. Hier hat man in der Regel mit einem viel größeren Bildformat zu rechnen. Der Apparat von Dr. Rosenthal arbeitet mit Filmblättern, die einzeln in Kassetten sitzen und die dann durch einen Wechselmechanismus, ähnlich wie bei den Magazin-Handkameras, eines nach dem andern an die Belichtungsstelle gebracht werden. Die noch unbelichteten und bereits belichteten Films werden durch Bleiplatten gegen die Wirkung der Röntgenstrahlen geschützt. Die Zahl der Aufnahmen ist hier naturgemäß eine beschränktere; bei einer wohlgelungenen Serie, welche die Tätigkeit des Magens zeigt, wurden 12 Belichtungen innerhalb 20 Sekunden gemacht.

Hilfsmittel zur Entwicklung der Films.

Die Aufgabe, ein Filmband von vielen Metern Länge in einem Stück zu entwickeln, mag auf den ersten Blick selbst dem geübten Photographen beängstigend schwierig erscheinen. Es ist aber gar nicht so schlimm damit: man muß nur wissen, wie es gemacht wird. Vor allem gehört dazu eine Vorrichtung, auf welche der Film spiralenförmig aufgewickelt wird. Ohne jedes Hilfsmittel das lange Band in den Entwickler zu bringen, ist allerdings ein mehr oder minder gewagtes Beginnen.

Es sind verschiedenerlei Einrichtungen im Gebrauch. Vielfach benutzt man eine Trommel, worauf der Film spiralförmig gewickelt wird. Die erste Abbildung (Fig. 128) zeigt einen einfachen, aus lackiertem Holz gefertigten Zylinder, der mittels einer durchgehenden Achse beiderseitig von aufrecht stehenden Armen getragen wird; eine Kurbel dient dazu, ihn zu drehen. Die Trommel braucht nicht ganz geschlossen sein; man kann sie auch aus einzelnen Speichen zusammensetzen, doch bringe man die letzteren nicht zu nahe zusammen, damit das Innere sich gut reinigen läßt; denn die Möglichkeit einer gründlichen Reinigung ist sehr wichtig.

Die Trommel taucht mit ihrem unteren Teile in einen Trog, der mit Entwickler gefüllt wird; es dient dazu eine mit Metall (am besten Blei) ausgeschlagene Holzwanne, die man möglichst klein nimmt, damit man mit wenig Entwickler auskommt, wobei aber der Film nicht Gefahr laufen darf, sich an der Innenseite der Wanne zu reiben. Der Film wird, Schichtseite nach außen, spiralförmig auf die Trommel gewunden; Anfang und Ende befestigt man mittels eines Heftzweckes, der aber nicht verrostet sein sollte. Es ist zweckmäßig, wenn die Trommel mit Stiften versehen wird, welche die einzelnen Lagen des Films auseinanderhalten; denn der trocken aufgespannte Film dehnt sich beim Feuchtwerden aus und dadurch kommen sonst die locker gewordenen Lagen in Gefahr, sich übereinander zu schieben.

In Fig. 129 ist eine Trommel mit aufgespanntem Filmband dargestellt. Die Anordnung ist hier etwas anders als in der ersten Abbildung: die Trommel ist aus Metall gefertigt und mit ihrer Achse auf den Querwänden des Troges gelagert. Eine Trommel von 40 cm Durchmesser nimmt beispielsweise auf jede Umdrehung etwa 1,20 m Film; wenn sie 1 m lang ist und man für das Band einen Raum von 4 cm rechnet, was reichlich ist, so werden ungefähr 30 Meter Film darauf gehen.

Wo die Herstellung von Films in großem Maßstabe fabrikationsweise vorgenommen wird, verwendet man dem Bedürfnisse entsprechend auch viel größere Trommeln, z. B. solche von 1 Meter Durchmesser bei 1-1/2 bis 2 Meter Länge, die dann eine richtige »Seeschlange« von Film aufnehmen.

Als zweckmäßig wird die Verwendung von Glastrommeln oder Zylindern empfohlen; da sie sich sehr leicht reinigen lassen. Der Film wird auf dem Glaszylinder beiderseitig durch Klammern befestigt oder auf Korkstücke, die in entsprechende Öffnungen des Zylinders eingeklemmt sind, mittels Heftzwecken festgesteckt.

Während der Entwicklung wird die Trommel gleichmäßig gedreht, so daß alle Teile des Filmbandes gleichmäßig mit Flüssigkeit benetzt werden. Man kann den Film auf der gleichen Trommel in die anderen Bäder (Wasserbad und Fixierbad) bringen; es ist jedoch besser, ihn für jeden Prozeß auf eine andere Trommel, und zwar stets eine solche von größerem Durchmesser, umzurollen.

Innerhalb der Trommel kann man eine rote elektrische Glühlampe unterbringen, mit deren Hilfe sich (im transparenten Licht) das Fortschreiten der Entwicklung verfolgen läßt. Dazu muß die Trommel natürlich durchbrochen oder aus Glas sein.

An Stelle der Trommel wird sehr häufig ein Rahmen aus Holz oder Aluminium gebraucht, worauf man den Film in engen Windungen aufspannt. Damit sich die Ränder des Bandes nicht berühren oder gar aufeinander schieben, ist er oben und unten mit einer Reihe von Stiften versehen, welche die Windungen auseinander halten. Die Enden werden mittels Heftzwecken oder Klammern befestigt. Der mit Film bewickelte Rahmen wird in den Bädern geradeso wie eine Trockenplatte behandelt. Man nimmt den Entwicklungstrog so groß, daß der Film vollständig in die Flüssigkeit eintaucht, und wendet den Rahmen, um eine gleichmäßige Entwicklung zu erzielen, nochmals darin um. Die Filmfabriken verwenden vielfach hohe Tröge, worin die in Nuten eingeschobenen Rahmen hochstehen, und zwar eventuell zwei hintereinander. Zum bequemeren Aufwickeln des Films fertigt man einen Bock, worin sich der Rahmen einspannen und dann drehen läßt.

Während Fig. 130 einen solchen Rahmen zeigt, ist in der nächsten Abbildung (Fig. 131) eine dritte Anordnung veranschaulicht, die zur Entwicklung kleinerer Filmbänder ganz zweckmäßig ist. Sie besteht aus zwei zu einem Kreuz vereinigten Stäben, die mit einer Anzahl etwa 4 cm hohen Stiften versehen sind. Der Film wird mit einem Ende in der Mitte befestigt und dann, Schichtseite nach außen, um die Stifte geschlungen, so daß er eine »rechteckige Spirale« bildet; das letzte Ende wird an dem zunächst befindlichen Stifte befestigt. In der Regel ist das Gestell mit einem Griff versehen, woran man es bequem in die Schalen einsetzen kann.

Der Entwicklungstrog (Fig. 132) wird aus Holz gefertigt und mit einem Zink-, oder besser einem Bleieinsatz versehen, der mit einem geeigneten Lack ausgestrichen wird. Nicht minder brauchbar sind Tröge aus emailliertem Eisenblech.

Die Entwicklung des Film wird in einer Dunkelkammer bei rotem Licht vorgenommen; man sorge dafür, daß die Dunkelkammer dicht ist und nirgends Licht von außen zuläßt, sowie ferner, daß die Lampen nur spektral geprüftes, nicht aktinisches rotes Licht liefern. Das Dunkelzimmer und alle Geräte darin müssen recht sauber gehalten werden. Die Temperatur des Raumes sollte der normalen Zimmertemperatur entsprechen und gleichmäßig sein; bei Kälte arbeitet der Entwickler zu langsam, bei Wärme zu rasch.

Der Entwickler.

Jeder gute, langsam arbeitende Entwickler kann benutzt werden. Aber namentlich bei Anwendung der Trommel sind Entwickler zu vermeiden, die beim Oxydieren stark gefärbte Produkte geben und dadurch Farbschleier bewirken, da der Entwickler bei diesem Verfahren besonders stark mit der Luft in Berührung gebracht wird. Zu verwerfen ist daher insbesondere Pyrogall mit Ammoniak, eine Zusammensetzung, die in England für Trockenplatten vielfach im Gebrauch ist. Den Pyro-Soda-Entwickler kann man, wenn der Film auf einen Rahmen gespannt in das Bad gebracht wird, allenfalls zur Anwendung bringen. Ein langsames Arbeiten des Entwicklers ist notwendig, weil man sonst den Prozeß nicht in der Hand hat und auch leicht ungleichmäßige Entwicklung eintreten kann. Das Bild sollte in etwa 5 Minuten herauskommen und in 10 bis 15 Minuten ausentwickelt sein. Sehr beliebt ist der Hydrochinon-Metol-Entwickler, welcher den Vorteil bietet, daß man ihn wiederholt benutzen kann; hierfür sei folgendes Rezept angegeben, nach dem man sich die erforderliche Menge den Verhältniszahlen gemäß ansetzt.

Wasser 1 Liter Metol 3 gr Hydrochinon 3 gr Schwefligsaures Natron 50 gr Kohlensaures Natron 30 gr Bromkali 1 gr

Von anderer Seite wird folgende Zusammensetzung empfohlen:

Wasser 2 Liter Metol 3 gr Sulfit (wasserfrei) 60 gr Hydrochinon 5 gr Pottasche 40 gr Bromkali 2 gr

Dieser Entwickler arbeitet anfangs rasch, später langsamer. Wenn das Bad schon zuviel Brom enthält und die Negative zu hart werden, so setzt man frischen Entwickler zu, oder wenn es zu alt wird, ist es vollständig zu erneuern.

Ausgezeichnet ist auch folgendes, speziell für Films ausgearbeitetes Rezept des Edinol-Entwicklers:

Wasser 1 Liter krist. Natriumsulfit 200 gr Edinol 5 gr Hydrochinon 5 gr Wasserfreie Soda 50 gr Bromkali 2 gr

Das Entwickeln der Films.

Man tut gut, zuerst ein kleines Stück des Filmbandes abzuschneiden und zur Probe zu entwickeln, um zu kontrollieren, ob der Entwickler für die Aufnahme gut ist. Zeigt es sich dabei, daß der Film überbelichtet ist, so gibt man in entsprechendem Maße Bromkalium in Lösung 1: 10 zu; wenn der Film unterbelichtet ist, benutzt man den oben angegebenen Entwickler unverdünnt. In beiden Fällen ist es zweckmäßig, noch eine zweite Probe vorzunehmen. Umfaßt der Film mehrere verschiedene Aufnahmen, so schneide man ihn durch und entwickle jede Aufnahme für sich.

Ferner empfiehlt es sich, den Film vor dem Entwickeln in ein Wasserbad zu bringen und gehörig einzuweichen, weil er dann den Entwickler besser und vor allem gleichmäßig annimmt. Luftbläschen, die sich nach dem Bade auf dem Film zeigen sollten, sind mit einem breiten, weichen Pinsel zu entfernen.

Das Fortschreiten der Entwicklung läßt sich bei dem Lichte der Dunkelzimmerlampe zur Genüge beobachten; man setze den Film allerdings nicht zu viel und zu lange dem Lichte aus. Wenn die Entwicklung sich der Vollendung nähert, löst man ein Ende des Bandes ab, damit man es, gegen die Lampe gehalten, im durchfallenden Lichte betrachten kann. Man beachte, daß wie bei Trockenplatten das »Durchschlagen« des Bildes (die Sichtbarkeit von der Rückseite her) bei verschiedenen Fabrikaten oft sehr ungleich ist.

Fertigmachen des Negativs.

Der Entwicklung folgt eine gründliche Wasserspülung; es muß nicht nur die Schicht ausgewaschen, sondern auch alles, was sich vom Entwickler am Rahmen oder an der Trommel festgesetzt hat, entfernt werden. Dann wird der Film, aufgespannt wie er ist, in ein saures Fixierbad gebracht, wie man es im Handel fertig bekommt oder das man beispielsweise nach folgendem Rezept ansetzt:

Unterschwefligsaures Natron 200 gr Wasser 800 gr

Nach der Auflösung kommt hinzu:

Wasser 60 gr Natriumsulfit, chem. rein, krist. 6 gr Essigsäure 18 gr Pulverisiertes Alaun 6 gr

Nach etwa 10 bis 15 Minuten wird in der Regel das Bromsilber entfernt und die Fixierung beendet sein. Der Film muß dann über eine Stunde gehörig mit fließendem oder öfters erneuertem Wasser ausgewaschen werden, worauf man ihn auf 5 Minuten in ein Glyzerinbad bringt, das aus 1 Teil Glyzerin auf etwa 40 Teile Wasser besteht. Dieses Bad bewirkt, daß der Film geschmeidig bleibt. Man läßt ihn dann einige Minuten abträufeln und entfernt etwa sitzengebliebene Glyzerintropfen, die sonst beim Eintrocknen Ränder hinterlassen könnten.

Nun läßt man den Film trocknen, und zwar am besten in einem möglichst staubfreien, luftigen Raum. Ein kleiner elektrischer Ventilator kann dabei gute Dienste leisten.

Wo die Herstellung im großen betrieben wird, richtet man einen besonderen Trockenraum her, der mit filtrierter Luft ventiliert und in geeigneter Weise erwärmt wird; die Films sind auf Trommeln gespannt darin aufgehängt, wie es die Abbildung Fig. 133 zeigt. Auf einer Trommel trocknet das Band am schönsten auf; man hat es dann nachher hübsch glatt und kann es leicht aufrollen. Den Film zum Trocknen auf dem Rahmen und namentlich auf dem Stiftgestell zu belassen, ist mehr oder minder gefährlich; denn er schrumpft beim Trocknen etwas ein und möchte infolge der dadurch entstehenden Spannung Beschädigungen erleiden. Hat man keine Trommel zur Verfügung, so spannt man zwei Bindfaden in einigem Abstand nebeneinander und windet den Film darum. Vor dem Aufrollen putze man die Zelluloidseite mit einem weichen Lappen und überzeuge sich, ob der Film auch völlig trocken ist. Gleichzeitig prüfe man ihn auf Fehler und helfe erforderlichenfalls mit Retouche nach. Der Film wird mit der Schichtseite nach außen aufgerollt.

Die Anwendung eines Härtebades, wie Alaun oder Formalin, hat hier keinen Zweck, da die Gelatineschicht gegen Hitze weniger empfindlich ist als das Zelluloid. Verstärken erfolgt, wenn es nötig sein sollte, wie bei Trockenplatten mit Sublimat und Nachbehandlung mit Ammoniak; Abschwächen mit rotem Blutlaugensalz und Fixiernatron. Man darf die Films nicht, um ein rascheres Trocknen zu erzielen, in Alkohol baden, da dieser durch Auslösen des Kampfers das Zelluloid verdirbt.

Fehlerhafte Erscheinungen.

_Fehlerhafte Erscheinungen._ Verschleierung des Negativs ist ein Zeichen dafür, daß falsches Licht an den Film gelangt ist; das kann beim Laden der Kassette, unter Umständen in der Kamera selbst, indem man beispielsweise bei dem in Fig. 117 abgebildeten Modell vergessen hat, das Einstellrohr rückwärts durch die Büchse zu schließen, oder beim Entwickeln selbst geschehen. Man untersuche die Dunkelkammer auf Lichtsicherheit, desgleichen prüfe man die rote Lampe. -- Flaue, verschwommene Bilder können dadurch entstanden sein, daß die Linsen des Objektivs beschlagen waren. Über Fehler, die bei der Entwicklung auftreten sollten, unterrichtet man sich am besten in einem photographischen Lehrbuch.

Kratzen auf der Schichtseite zeigen sich, wenn das Sammetstück, welches sich in den Kassetten und ev. in der Türführung befindet, nicht völlig sauber gehalten ist. Kleine weiße Pünktchen werden verursacht durch anhaftende Staubteilchen, die den Entwickler von diesen Stellen fernhalten. Einreißen der Perforation ist die Folge, wenn man beim Einspannen in den Apparat die Bauschbildung unterläßt oder die Schlaufe zu klein macht.

Eine störende Erscheinung, die sich dann und wann zeigt, sind elektrische Entladungen. Sie machen sich beim Entwickeln in der Bildschicht bemerkbar durch Verästelungen von der Gestalt eines elektrischen Funkens und treten insbesondere bei trockenem Wetter auf. Den Anlaß dazu gibt starke Reibung am Sammet der Türe, was der Fall ist, wenn die Federn zu stark aufdrücken. Ferner können solche Entladungen entstehen durch zu straffes Auf- und Abrollen des Bandes von den Kassetten-Spulen, indem die Windungen dann stark gegeneinander reiben und zur Bildung von Elektrizität Anlaß geben. Es liegt schließlich noch die Möglichkeit vor, daß die Entladungen beim Perforieren des Film entstanden sind.

Der Kopier-Apparat und das Kopieren der Films.

Manche Aufnahme-Apparate, insbesondere die Miniatur-Kameras, sind zum Kopieren des Positivfilm nach dem Negativfilm eingerichtet. Der Vorgang ist in der Regel derart, daß die beiden Films auf Spulen oben an der Kamera angebracht werden, dann zusammen, Schicht gegen Schicht, durch den Bewegungs-Mechanismus laufen, worauf der belichtete Positivfilm auf eine dritte Spule aufgerollt wird, während man den Negativfilm unten frei austreten und in einen Behälter laufen läßt. Die Belichtung geschieht mit irgend einer künstlichen Lichtquelle, wie Petroleum-, Gasglühlicht oder elektrischem Glühlicht.

Die Benutzung des Aufnahme-Apparates zum Kopieren ist weniger zu empfehlen, wenn bei ihm die Weiterbewegung durch eine ruckweise, bewegte Zahntrommel geschieht, wie dies z. B. beim Malteserkreuz-System der Fall ist. Die Trommel muß hier nämlich die beiden aufeinander liegenden Films gleichzeitig transportieren, und da das obere Band einen weniger sichern Halt darauf haben wird wie das untere, so liegt die Gefahr vor, daß es sich zeitweise, wenn auch nur sehr wenig, verschiebt. Zur Erzielung eines genauen, gleichmäßigen Transportes, wie er von größter Wichtigkeit ist, eignet sich weit besser das Greifersystem, da der Greifer in die beiden aufeinander liegenden Perforationen gleich sicher einfaßt. Deshalb wird auch der Greifer gern zum Transport bei solchen Apparaten verwandt, die speziell nur für das Kopieren der Films gebaut sind. Kopierapparate, bei denen die Bänder kontinuierlich laufen, sind ebenfalls weniger zuverlässig.

Der Vorzug des Kopierapparates mit Greifer, wie ein solcher in Fig. 134 abgebildet ist, zeigt sich namentlich in Fällen, wo die Perforation des Positivfilm und des zu kopierenden Negativfilm nicht absolut identisch sind. Der Greifer schafft hier einen Ausgleich, während eine kontinuierliche Transportvorrichtung, bei der beide Films zusammen über Zahntrommeln laufen, Ungleichmäßigkeiten durch Verschiebungen der Films gegeneinander befürchten läßt. Wenn Positiv- und Negativfilm mit einer und derselben Maschine perforiert sind, so kann doch eine, wenn auch geringe Differenz dadurch entstehen, daß der Negativfilm in den Bädern, die er durchgemacht hat, etwas geschrumpft ist.

Der dargestellte Kopierapparat hat oben eine Kassette mit zwei übereinander befindlichen Spulen; der Negativfilm kommt auf die untere Spule, und zwar die Schichtseite nach außen, während der Positivfilm, Schicht nach innen, oben eingesetzt wird -- natürlich in der Dunkelkammer bei rotem Licht. Alsdann zieht man beide Films durch den Schlitz, schließt die Kassette und legt die Bänder in die Transportvorrichtung; zur Kontrolle, ob der Greifer auch richtig faßt, gibt man der Kurbel ein paar Umdrehungen. Ein Triebknopf an der Seite des Apparates dient dazu, das Fenster so einzustellen, daß sich genau ein Bildchen des Negativs innerhalb desselben befindet. Die Films läßt man unten in einen Behälter laufen.

Das Kopieren geschieht am einfachsten in der Dunkelkammer; die zur Belichtung dienende Lampe muß dabei so abgedeckt sein, daß kein Licht auf den austretenden Positivfilm gelangt. Will man das Kopieren bei Tageslicht ausführen, so ist es erforderlich, den Auffang-Behälter für die Films lichtdicht an den Apparat anzusetzen. Da der Positivfilm in der Regel weniger empfindlich ist als das zur Aufnahme benutzte Filmband, können die Arbeiten damit meistens bei gelbem Licht vorgenommen werden.

Beim Kopieren gilt es in erster Linie, die richtige Geschwindigkeit zu finden, mit der man die Kurbel drehen muß, damit der Positivfilm nicht zu schwach und nicht zu stark belichtet wird. Angaben können da nicht helfen: man muß in jedem Falle zuerst mit einem kleinen Filmstück eine Probebelichtung vornehmen und die Probe, wenn nötig, wiederholen, bis man das Rechte getroffen hat. Dann kommt ein Zweites: gleichmäßiges Drehen. Ändert man nämlich die Geschwindigkeit, so ist ungleiche Belichtung unausbleiblich. Wenn man den Apparat mit der Hand betreiben will, so tut vorherige Übung gerade so not wie zur Aufnahme. Hat man viel zu kopieren, so empfiehlt sich ein Antrieb mit Elektromotor nebst Regulierwiderstand. Gestattet der Apparat, den Negativfilm während des Kopierens, von rückwärts her im Auge zu halten, so ist man unter Umständen in der Lage, Mängel, die in verschiedener Dichte einiger Partien bestehen, durch rascheres bezw. langsameres Belichten oder ev. durch Veränderung der Breite der Belichtungsöffnung oder durch Nähern bezw. Entfernen der Lampe auszugleichen.

Wenn ein Negativfilm aus mehreren verschieden dichten Teilen besteht, so kopiere man diese einzeln, um sie nachher getrennt zu entwickeln. Läßt man einen solchen Film in einem Stück durch den Kopierapparat und durch den Entwickler laufen, so wird man unmöglich ein in allen Teilen gutes Positiv erhalten.

Die Herstellung der Titel geschieht in folgender Weise. Man läßt eine geeignete Vorlage anfertigen durch Druck oder Zeichnung und macht darnach mittels der Aufnahmekamera ein einziges kleines Negativbildchen. Dieses wird im Kopierapparat an der Belichtungsstelle fest eingespannt, derart, daß der Positivfilm bei ruckweisem Durchlaufen dagegen zu liegen kommt. Dann kopiert man wie sonst.

Fertigmachen der Positivfilms.

Der Positivfilm wird in der gleichen Weise entwickelt, fixiert und getrocknet wie der Negativfilm. Es kann auch hier jeder gute Entwickler genommen werden; doch muß er recht klar arbeiten. Von Entwicklern, die dazu neigen, Farbschleier zu geben, wie Pyrogall, wird man unter allen Umständen absehen. Recht geeignet ist z. B. der oben angeführte Hydrochinon-Metol-Entwickler, dem man einen stärkeren Zusatz von Bromkali beigibt; empfohlen wird ferner der Rodinal-Entwickler in einer wässerigen Lösung 1: 20, die man wiederholt gebrauchen kann. Wenn man den hierzu ebenfalls recht guten Eisenoxalat-Entwickler anwendet, so vergesse man nicht, dem Film direkt nach der Entwicklung ein Essigsäurebad zu geben. Positivfilms fallen leicht zu dicht aus; man achte besonders darauf, daß auch die Schattenpartien schön klar bleiben. Über das Auswaschen und Fixieren ist nichts Besonderes zu sagen; ein Abschwächen geschieht, wenn nötig, mit rotem Blutlaugensalz und Fixiernatron. Zum Schluß wird ebenfalls ein Glyzerinbad angewandt.

In manchen Fällen läßt sich der Film durch nachherige Behandlung in einem Tonbad bedeutend wirkungsvoller machen. Seestücke z. B. werden häufig sehr gehoben durch eine Blautonung. Ein Blaueisenbad gibt Blau, ein Urantonbad Braun und eine Mischung beider Grün, während Rot mittels eines Kupfertonbades erzielt wird. Die erforderlichen Substanzen werden von verschiedenen Firmen in Patronenform geliefert. Es seien jedoch hier einige erprobte Rezepte angegeben.

Für das Blaueisenbad setzt man zwei Vorratslösungen an:

Lösung I.

Abgekochtes Wasser 10 Liter Zitronensaures Eisenoxyd-Ammon (grün) 100 gr

Lösung II.

Abgekochtes Wasser 10 Liter Rotes Blutlaugensalz 100 gr

Zum Gebrauch mischt man 5 Teile Lösung I mit 1 Teil Eisessig und 5 Teilen Lösung II.

Man beläßt den Film je nach dem Ton, den man erzielen will, in dem Bade 1 bis 5 Minuten; der Ton geht in dieser Zeit von Schwarzblau zu einem klaren Blau über. Darauf wäscht man unter laufendem Wasser 10 bis 15 Minuten aus, bis das Wasser keine Spuren von Farbe mehr zeigt.

Urantonbad für braune Töne, wie man sie z. B. für Panorama-Aufnahmen und dergl. gern nimmt, setzt man folgendermaßen zusammen:

Vorratslösung I.

Abgekochtes Wasser 10 Liter Salpetersaures Uran 100 gr

Vorratslösung II.

Abgekochtes Wasser 10 Liter Rotes Blutlaugensalz 100 gr

Zum Gebrauch mischt man 5 Teile Lösung I mit 1 Teil Eisessig und 5 Teilen Lösung II. Bei diesem Bad muß man darauf achten, fleckige Tonung zu vermeiden, was bei einiger Übung leicht erreicht wird.

Ein Grüntonbad stellt man her, indem man Blaueisenbad und Urantonbad zu gleichen Teilen mischt oder auf 1 Teil des ersteren zwei Teile des letzteren gibt. Besser noch ist es, die Bäder nacheinander anzuwenden, den Film also zuerst blau zu tonen und darauf im Urantonbad zu behandeln. Zu langes Auswaschen ist zu vermeiden, weil sonst das Grün in Blau ausbleicht; dies geschieht übrigens auch, und zwar im Laufe mehrerer Tage, wenn der Film dem Licht ausgesetzt ist.