Part 18
Ich habe hier die Feuersgefahr bei kinematographischen Vorführungen eingehend behandelt, und zwar absichtlich. Eine so ausführliche Darlegung erschien mir deshalb besonders wichtig, weil in dieser Hinsicht viel Ungewißheit herrscht -- man findet Übertreibungen auf der einen und Sorglosigkeit auf der ändern Seite. In aller Interesse ist es zu wünschen, daß sowohl eine übertriebene Angst vor dem Kinematograph einer ruhigen und sachlichen Beurteilung Platz macht, als daß namentlich auch die genaue Kenntnis der Gefahren allenthalben die genügende Vorsicht im Betriebe herbeiführt.
Allerdings werden sich Kinematographen-Unfälle nicht ganz ausrotten lassen. Es wird damit gerade gehen wie mit vielen ändern Sachen: hier passiert das Unglück einem Neuling, der unerfahren und nicht unterrichtet ist, dort einem sorglos gewordenen Praktiker, der, weil es immer gut ging, vertraut, daß es ohne Zutun so weiter laufen müsse; auch wird es immer wieder einen fahrlässigen Vorführer geben, der sich über die Vorschriften hinwegsetzt und sich z. B. nichts daraus macht, beim Apparat zu rauchen und die Filmbüchsen als Aschenbecher zu benutzen. -- Aber es kann doch vieles geschehen, die Zahl der Unfälle zu beschränken: durch Auswahl geeigneten Personals, durch genaue Unterweisung und durch strenge Einhaltung der Sicherheitsmaßregeln.
Noch eins! Die besonderen Gefahren, welche den kinematographischen Vorführungen anhaften, sind, wie wir gesehen haben, dem leicht entzündlichen Filmmaterial, dem Zelluloid, zuzuschreiben. Welch gewaltigen Fortschritt die Einführung eines unverbrennlichen oder doch schwer brennbaren Filmmaterials bedeuten würde, ist leicht einzusehen. Die Schwierigkeiten, welche die Herstellung eines solchen Film bereitet, sind außerordentlich; viele Versuche sind gescheitert. Es steht aber zu erwarten, daß das unter dem Namen »Cellit« bekannte Material in nicht zu ferner Zeit erfolgreich zur Verwendung gelangt.
Vorführung und Programm.
Auch bei der Vorführung halte man an dem Prinzip fest, dem Publikum den Aufenthalt möglichst angenehm zu machen. Wer in dieser Hinsicht gleichgültig ist, wer da meint, es geschehe genug, wenn jeder Zuschauer seinen Sitzplatz habe und dann die Bilder heruntergerasselt sehe, der mag leicht mancherlei Anlaß zur Unzufriedenheit bieten, und wenn er das Auge offen hält, so wird er beobachten, daß er damit seinem Unternehmen am meisten schadet. Es heißt auch hier, mit Überlegung an die Sache heranzugehen.
In erster Linie muß der Vorführer den Apparat sowohl wie die Lichteinrichtung durch und durch kennen und mit deren Bedienung völlig vertraut sein. Es genügt nicht, daß er die Einrichtung einmal tadellos vorführt: er muß auch über fehlerhafte Erscheinungen Bescheid wissen, damit er solche zu vermeiden versteht, und muß in der Lage sein, bei irgendwelcher Störung, ohne den Kopf zu verlieren, sofort Abhilfe zu schaffen. Alle Vorbereitungen, wie Einrichten des Apparates, Zentrieren der Lichtquelle und Scharfeinstellen des Objektivs, sollten vorher erledigt werden, und wenn etwas noch nach Erscheinen des Publikums zu geschehen hat, so besorge man es möglichst unbemerkbar. Daß man die Zuschauer vor Nebenlicht bewahren und mit dem Geräusch des Apparates möglichst verschonen muß, sowie daß die Sitzplätze zweckmäßig anzuordnen sind, habe ich oben schon gesagt.
Vor allem lasse man das Publikum nicht im Dunklen sitzen, wenn kein Bild auf der Projektionswand steht; man sorge vielmehr für ausreichende Beleuchtung vor und nach der Vorführung, und zwar muß der Raum hell gemacht werden, sowie der Apparat aufhört zu spielen. Ferner richte man es so ein, daß die Zuschauer niemals die weiße Wand zu sehen bekommen. Man vermeide es auch möglichst, den Beginn der Vorstellung zu verschieben; denn, müssen die Leute über die angesetzte Zeit hinaus warten, so werden sie ungeduldig und unzufrieden. Kurz und gut: man strebe darnach, alles so gut zu gestalten, daß die Zuschauer nichts auszusetzen haben; wenn man dies im Auge hält, findet sich der richtige Weg von selbst und man wird gut dabei fahren.
Wie eben schon gesagt, muß man es unbedingt vermeiden, die Zuschauer die weiße Wand sehen zu lassen. Wenn die Films aneinander geklebt werden, wie dies meist üblich ist, so klebe man stets ein kurzes Stück schwarzen Film dazwischen. Spannt man die Films einzeln ein, so muß der Vorführer aufpassen, daß er im rechten Augenblick den Verschluß schließt, denn wenn er das Ende des Film hindurchdreht, so kommt der weiß beleuchtete Schirm zum Vorschein und das Publikum wird plötzlich durch den grellen Schein geblendet. Darunter leidet der Eindruck auch des besten Bildes. Der Schluß eines jeden Bildes läßt sich übrigens leicht dadurch kenntlich machen, daß man ein Stück schwarzen Film anklebt.
Nun das Programm! -- Ich denke hierbei an eigentliche kinematographische Vorführungen, wie solche z. B. in den zahlreichen Kinematographen-Theatern veranstaltet werden. Wenn man sich da zunächst umsieht, was auf dem Gebiete der Filmfabrikation geleistet wird, so muß man geradezu staunen; Phantasie und Unternehmungsgeist überbieten sich, immer Neues und Originelles zu schaffen. Die Auswahl an Sujets ist ganz enorm; leider aber findet sich manches Stück darunter, dessen Vorführung lieber unterbliebe. Jeder Leiter eines Kinematographien-Unternehmens tut gut daran, sein Programm rein zu halten von solchen Bildern, die verrohend wirken und die Sensationslust der Menge züchten; er halte fest an dem Grundsatz, nur Darstellungen zu geben, welche Belehrung und Unterhaltung im edlen Sinne bieten.
Für die Zusammenstellung des Programms läßt sich natürlich kein allgemein gültiges Schema geben. Bei der Auswahl der Bilder muß man sich zunächst nach dem Publikum richten. In einer Industriestadt z. B., wo man hauptsächlich mit Fabrikarbeitern zu rechnen hat, wird man andere Zusammenstellungen wählen, wie in einem Landstädtchen oder in einem Militärplatz; und für Kinder hinwieder wird man ein anderes Programm machen als für Erwachsene. In dieser Hinsicht mag es vielleicht schwer sein, von vorneherein das Richtige zu treffen: Es gilt daher beobachten, welcherlei Bilder am besten gefallen.
Ist man hierüber im klaren, so heißt es nun, Sujets auszusuchen, welche zusammen passen, und diese dann in geeignete Reihenfolge zu bringen. Da muß der Leiter des Unternehmens zeigen, was ihm an Erfahrung, Geschick und Geschmack eigen ist; er nehme diese Arbeit nicht zu leicht, denn der Erfolg hängt doch in erster Linie von seiner Darbietung ab. Die Bilder mögen an sich noch so schön sein, werden sie wahllos bunt durcheinander gezeigt, so kann ihre Wirkung zerstört werden; der Gesamteindruck der Vorführung wird dann keinesfalls befriedigend ausfallen.
In der Aufeinanderfolge der Darstellungen sind harte Gegensätze zu vermeiden; es wäre z. B. verfehlt, auf einen »Film zum Totlachen« eine grausige Tragödie zu bringen. Das Programm soll in allen Teilen abgestimmt und harmonisch sein; diese Forderung ist hier ebenso berechtigt wie bei einem Konzert, wo man nicht nur schöne Musik zu hören wünscht, sondern auch eine geschmackvolle Zusammenstellung auserlesener Stücke verlangt. Ein erfahrener Unternehmer wird nicht das Beste zuerst bringen; er wird vielmehr für eine gewisse Steigerung sorgen, um dadurch das Publikum in Spannung zu halten. Auf keinen Fall darf die Vorführung auf die Dauer ermüdend wirken, was z. B. eintreten kann, wenn man des Guten zuviel tut. Das Einlegen von Pausen ist unbedingt erforderlich. In den Kinematographen-Theatern wickelt sich das Programm in der Regel in einer bis anderthalb Stunde ab, und zwar wird es in drei Abteilungen gebracht, zwischen denen Pausen von etwa 10 Minuten liegen.
Es ist üblich, jedes Bild durch einen Titel anzuzeigen; diesen Brauch halte man unbedingt bei. Besteht ein Film aus mehreren Abteilungen, so empfiehlt es sich, den Übergang zu jeder neuen Szene ebenfalls durch eine »Überschrift« zu kennzeichnen. Gelegentlich wird es möglich sein, das Programm unter einem bestimmten Motto herauszugeben, und wenn das geschickt gemacht wird, so gewinnt die Vorführung dadurch unbedingt an Interesse. Natürlich muß dabei Eintönigkeit vermieden werden. Welche Abwechslung läßt sich z. B. schaffen in einem Programm mit dem Motto: Reise um die Erde in so und so vielen Szenen oder Bildern! Da kann man Landschaften, Panoramas, Straßenszenen, Seestücke, Darstellungen aus dem Volksleben, Jagd- und Tierbilder, und wer weiß was sonst noch, vereinen, auch geeignete humoristische Films lassen sich darin unterbringen. Es ist kein schlechter Gedanke, zwischendurch einige »stehende Lichtbilder« zu zeigen, welche auf das gemeinsame Thema Bezug haben. Das Programm erfährt dadurch eine treffliche Ergänzung; gleichzeitig wird so der Zuschauer davor bewahrt, durch die ewige Bewegung auf der Wand, der das Auge rastlos folgen soll, zu ermüden. Es gibt eine Art Erholungspause.
Daß man durch Einschalten von »Nebelbildern« das Programm noch prächtiger ausgestalten kann, darauf möchte ich hier immerhin aufmerksam machen. Der Nebelbilderapparat besteht bekanntlich aus zwei oder drei Projektionslaternen, die unter einem Winkel über- oder nebeneinander so aufgestellt sind, daß ihre Lichtkreise auf der Wand sich decken, und aus einem Dissolver, d. h. einer Vorrichtung, welche die Bilder ineinander übergehen, oder, wie man sagt, »verschwinden« läßt. Die beigegebene Abbildung (Fig. 110) zeigt z. B. einen aus drei übereinander stehenden Laternen gebauten Apparat, deren untere mit Kinematograph versehen ist und lebende Lichtbilder wirft, während die beiden oberen zur Darstellung von Nebelbildern sowie auch einfachen stehenden Lichtbildern dienen. Man kann die Einrichtung auch so treffen, daß für beide Zwecke besondere Apparate benutzt werden, daß man also eine Laterne mit Kinematograph für sich aufstellt und daneben eine Doppellaterne.
Mit dem Nebelbilderapparat wird man an geeigneter Stelle das eine oder andere Effektstück einschalten. Es heißt aber: sorgsam Auswahl treffen und nicht zu viel bringen. Am besten kommen diese Effekte zur Wirkung, wenn die ganze Vorführung nach einem bestimmten Motiv zusammengestellt ist. So würde man in dem oben angedeuteten Programm »Reise um die Erde« z. B., nachdem der Kinematograph in lebendigem Bilde die Ausfahrt des Ozeandampfers gezeigt hat, ein Effektbild »Sonnenuntergang auf dem Meere« bringen. Dazu projiziert zunächst die erste Laterne ein prächtig koloriertes Bild eines Sonnenunterganges, wie er sich uns vom Schiff aus auf dem unendlichen Ozean darbietet. Alsdann setzt man in die zweite Laterne dasselbe Bild, jedoch als Mondschein koloriert, und dreht den Dissolver; das Purpur des Sonnenuntergangs geht nun allmählich in Blau über, und während die erste Laterne langsam außer Tätigkeit tritt, gewinnt das dunkle Blau immer stärker an Kraft, Mondschein schimmert auf den Wellen. Ein derartiger Effekt, so einfach er sich erzielen läßt, ist von unbeschreiblicher Wirkung; das Publikum wird um so mehr Gefallen daran finden, als das Auge die Ruhe eines solchen Bildes zwischen den kinematographischen Darstellungen recht wohltuend empfindet.
Wenn ich es eben als zweckmäßig empfahl, stehende Lichtbilder bei der Kinematographien-Vorführung zu Gaste gehen zu lassen, so möchte ich jetzt darauf hinweisen, daß umgekehrt der Kinematograph eine prächtige Ergänzung zu einer Darbietung von einfachen Lichtbildern wie auch von Nebelbildern bildet und daß er namentlich bei Projektionsvorträgen vorzügliche Dienste leisten kann. Denn das stehende Lichtbild kann doch, was Anschaulichkeit betrifft, an die kinematographische Darstellung nicht heran. Wer noch nie am Meere war, erhält wohl vom Lichtbilde einen Begriff von der unendlichen Wasserfläche, aber erst der Kinematograph zeigt ihm -- gleich der Wirklichkeit -- wie die mächtigen Wogen dahin gehen oder wie sie brandend und schäumend gegen die Küste schlagen, zeigt ihm, wie ein Ozeandampfer hinausfährt oder ein Kriegsschiff manövriert. Das Lichtbild greift eben nur einen einzelnen Moment aus dem Leben heraus, während der Kinematograph eine ganze Episode wiedergibt und uns geradezu in die Wirklichkeit versetzt. Daher sollte dieser Apparat, wo es angeht, zur Erhöhung der Anschaulichkeit bei Lichtbildervorträgen herangezogen werden; er kann da in vielen Fällen von großem Nutzen sein.
Namentlich in Spezialitäten-Theatern, wo der Kinematograph sich als Schlußnummer eingebürgert hat, ist es üblich, die Vorführung der lebenden Bilder mit Musik zu begleiten. Wer in solchen Fällen das Programm aufzustellen hat, hüte sich davor, in Geschmacklosigkeiten zu verfallen und Musikstücke zu wählen, die zu den Films nicht passen. Denn unter einer ungeeigneten Begleitung muß der Eindruck leiden, wenn er nicht gar ein schlechter wird; dann lieber keine Musik!
Es ist wiederholt darauf hingewiesen worden, daß den »lebenden Lichtbildern« eigentlich etwas fehlt, um wirklich »lebendig« zu wirken; und gewiß, wenn da auf der Wand in wundervoller und naturgetreuer Darstellung ein mächtiger Wasserfall herunter »braust« oder wenn die wilden Wogen des sturmgepeitschten Meeres gegen die Küste »donnern« -- was sagen denn unsere Ohren ob dieser geräuschlosen Darstellung! Je natürlicher und packender das Bild ist, je tiefer wir uns in die Situation hineindenken, desto mehr vermissen wir den Laut; jeden Augenblick vermeint unser Ohr das Brausen oder Donnern müßte losbrechen und ist gewissermaßen enttäuscht über die atemlose Stille. Nicht nur aus der Natur, sondern auch vom Theater her sind wir gewohnt, gleichzeitig zu sehen und zu hören. Ja, die Bühne bringt das, was der Kinematographien-Vorführung fehlt: die Nachahmung des Naturlautes; dort können wir also lernen. Wer etwas in die Geheimnisse der Bühnentechnik eindringt, wird finden, daß verhältnismäßig einfache Mittel genügen, um ausgezeichnete Wirkungen hervorzurufen. Natürlich muß man sich auch hier vor Übertreibungen hüten; es heißt sorglich abwägen, wann solche Mittel überhaupt angebracht sind, und dann ängstlich beachten, daß sie im richtigen Augenblick einsetzen.
Um demjenigen, der sich für diesen Gegenstand interessiert, einen Begriff zu geben, will ich die eine oder andere Vorrichtung kurz beschreiben. Die beistehende Abbildung (Fig. 111) zunächst stellt eine Maschine dar, mit der man das Brausen des Wassers nachahmen kann. Sie besteht aus einem einfachen hölzernen Gestell, welches eine Trommel trägt; diese Trommel ist mit grobem Glaspapier überspannt und läßt sich mittels einer Kurbel drehen. Oben ist schaukelartig, rechts und links durch Stifte gehalten, ein langer, flacher Kasten aus Weißblech aufgesetzt, in welchen eine Reihe Nägel eingeschlagen ist; diese gehen durch das Metall in einen zweiten darunter angebrachten hölzernen Boden. Auf den Holzboden ist grobes Glaspapier aufgespannt, welches mit dem Glaspapier der Trommel in Berührung kommt. Wenn man nun mit der linken Hand den Kasten in schräger Stellung festhält und mit der rechten die Kurbel dreht, so gibt es ein Geräusch, das sich wie das unaufhörliche Rauschen eines Wasserfalles anhört. Um das Rauschen und Brechen der Wogen an einer steinigen Küste nachzuahmen, bringt man in den Kasten eine Anzahl kleiner Steinchen und dicker Schrotkugeln; ferner braucht man dazu ein langes Stück Blech. Im Augenblick, wo die Welle sich bricht, läßt man das Blech durch einen Druck von beiden Seiten her sich durchbiegen, sodaß es hin- und herschwingt, wie dies die punktierten Linien in Fig. 112 andeuten; unmittelbar darauf gibt man der Kurbel eine rasche Drehung, um das Vorschießen des Wassers auf den Strand wiederzugeben, und neigt dann den schräg stehenden Kasten nach der ändern Seite, so daß die Steinchen und Körner herüber rutschen und rollen, wobei sie immer gegen die eingeschlagenen Nägel stoßen. Hierdurch wird das Zurückziehen des Wassers und das Nachrollen der Steine trefflich imitiert. Mit derartigen Vorrichtungen kann man vielerlei Kombinationen machen; natürlich muß die Wirkung gehörig studiert und in Verbindung mit dem Bilde ausprobiert werden.
Das Rollen des Donners läßt sich sehr gut wiedergeben mit Hilfe eines großen Eisenblechs, das etwa ein Meter oder noch mehr lang und breit ist; man stellt es mit einer Kante auf den Boden und drückt von oben derart darauf, daß es hin und her schwingt, wie es bei dem oben benutzten Blech (Fig. 112) geschah. Wind und Sturm werden mit Hilfe einer Trommel zur Darstellung gebracht, die mit einer Art Schaufeln wie ein Dampferrad versehen und drehbar angeordnet ist. Oben über die Trommel ist möglichst stramm ein Stück schwerer grober Seide oder auch Segeltuch gespannt, das bei rascher Umdrehung der Trommel das gewünschte Geräusch gibt. Bei einer ändern Ausführung sind auf der Trommel an Stelle der Schaufeln scharfkantige Leisten angebracht und um die Trommel ist eine Reihe von starken Schnüren gespannt, die unten am Gestell der Maschine befestigt werden. Bei raschem Drehen reiben die Kanten über die Schnüre und bringen das Geräusch hervor. Zur Not läßt sich das Heulen des Windes auch in der Weise nachahmen, daß man einen kräftigen Gartenschlauch um den Kopf schwingt. Das Prasseln des Regens wiederzugeben, dazu wird man bei kinematographischen Vorführungen wohl selten in die Lage kommen. Immerhin sei hier beschrieben, wie man sich helfen kann. Es wird ein Stück Packpapier auf einen großen Reif geklebt und eine Handvoll Körner darauf gebracht. Wenn man den Reif nun rundum schwenkend von einer Seite zur andern neigt, rollen die Körner auf dem Papier herum und rauschen dabei wie der Regen. Damit ein solcher Effekt zur Geltung kommt, darf das Geräusch des Kinematograph allerdings nicht vorherrschend sein. Bei der jetzt üblichen Anordnung der Kinematographen-Theater, wo der Apparat in einem isolierten Vorführungsraum steht, ist letzteres nicht zu befürchten.
Zur Nachahmung der verschiedenen Geräusche hat man auch Apparate konstruiert, die gewissermaßen in komprimierter Form alle möglichen Vorrichtungen dieser Art umfassen. Eine solche Geräuschmaschine ist in Fig. 113 dargestellt. Damit läßt sich nun alles wiedergeben, was man wünscht: Donnern und Kanonen, Pferdegetrampel, Automobilgerappel, Trommelschlag, Flöten, Glockenschlag und Signal, Wasserfall und Regen, Zerbrechen von Glas, Kindergeschrei, Hundegebell usw.
Verbindung von Kinematograph und Sprechmaschine.
Eine weit natürlichere Wiedergabe, und zwar mit viel größerem Spielraum bietet uns der Phonograph; er beschränkt sich nicht auf die Laute der Natur, sondern bringt auch Musik, Rede und Gesang. Die Bemühungen, Kinematograph und Sprechmaschine zu verbinden, haben schon recht hübsche Resultate gezeitigt. Beide Apparate müssen natürlich exakt zu rechter Zeit einsetzen und genau taktmäßig laufen, wenn man nicht ein wirres Durcheinander bekommen will. Diese Forderung zu erfüllen, erscheint an sich einfach: man braucht nur die Räderwerke von Kinematograph und Sprechmaschine durch eine geeignete Übersetzung »zwangläufig« miteinander zu verbinden, dann muß der eine genau mit dem anderen gehen, er kann nicht vorstreben oder zurückbleiben. Indessen bietet die praktische Ausführung insofern zunächst eine Schwierigkeit, als man die Sprechmaschine, um die richtige Wirkung zu erzielen, beim Projektionsschirm, also weit vom Kinematograph entfernt, aufstellen muß. Besondere Schwierigkeiten aber liegen in folgender Bedingung: die Sprechmaschine muß mit einer bestimmten, gleich bleibenden Geschwindigkeit laufen, damit der Ton die richtige Höhe erhält, und darin ist die Maschine sehr empfindlich -- jede Abweichung bringt einen Mißton. Nun ist der Kinematograph ein unruhiger Bruder; er läuft nicht so gleichmäßig: da kommt z. B. einmal eine Klebstelle im Filmband, die momentan eine geringe Verzögerung der Geschwindigkeit herbeiführt. In diesem Augenblick schreit die Sprechmaschine, welche, da sie fest mit dem Kinematograph gekuppelt ist, nun ebenfalls etwas langsamer läuft; der Ton geht dabei herunter, um dann aber sofort wieder in die Höhe zu schnellen. Um diesen Übelstand zu vermeiden, läßt man die Sprechmaschine, so wie sie soll, ruhig für sich laufen und reguliert nun nach ihrem Gang mittels einer Anzeigevorrichtung die Geschwindigkeit des Kinematograph-Mechanismus. Man muß ferner auch noch mit der Möglichkeit rechnen, daß einmal die Nadel der Sprechmaschine entgleist und in eine benachbarte Schallfurche überspringt. In solchem Falle ist ein entsprechendes Beidrehen des Kinematographen erforderlich, damit Bild und Ton wieder in Einklang kommen. Der Vorrichtungen, die zur Kontrolle des Gleichlaufes dienen und die man »Synchronismen« nennt, gibt es verschiedene.
Eine einfache Anordnung zu diesem Zwecke ist in Fig. 114 dargestellt. Das Werk der Sprechmaschine, die mittels eines Uhrwerkes oder eines Elektromotoren angetrieben wird, betreibt gleichzeitig einen kleinen Kollektor: es ist das eine Trommel, die auf ihrem Umfange mehrere Kontakte besitzt. Darauf schleift eine Feder, von der eine Stromleitung zu einer elektrischen Uhr führt. Wenn nun die Sprechmaschine läuft, so erhält die elektrische Uhr bei jeder Kontaktberührung, die die Feder auf dem Kollektor macht, einen Stromstoß; der in der Uhr angeordnete Elektromagnet stößt dann mit seinem Anker das Steigrad weiter und mit diesem dreht sich der Uhrzeiger jeweils um ein kleines Stückchen vorwärts. Auf diese Weise wird also der Uhrzeiger durch die Sprechmaschine in Betrieb gesetzt, und zwar hängt die Geschwindigkeit, mit der er sich bewegt, von der Umdrehungsgeschwindigkeit der Sprechplatte oder -walze ab. Nun besitzt die Uhr noch einen zweiten Zeiger. Dieser wird durch Zahnradübersetzung vermittels einer biegsamen Welle angetrieben, die an einer der rasch laufenden Achsen des Kinematograph-Mechanismus angebracht ist. Wenn man den Kinematograph-Mechanismus dreht, so läuft dieser Zeiger rund. Die gesamte Anordnung ist nun derart getroffen, daß Kinematograph und Sprechmaschine richtig zusammen laufen, wenn sich die beiden Uhrzeiger mit gleicher Geschwindigkeit drehen. Der Vorführer braucht also beim Betriebe nur die Uhr zu beobachten und seinen Mechanismus derart zu drehen, daß die Uhrzeiger sich stets decken. Bleibt einer der Zeiger zurück oder strebt er vor, so muß der Vorführer entsprechend rascher oder langsamer drehen. Erfolgt der Antrieb des Kinematographien mit Motor, so muß der Vorführer je nach der Verschiebung der Zeiger den Regulierwiderstand des Motors entsprechend verstellen, damit dessen Geschwindigkeit geregelt wird. Zum Betriebe der Uhr genügt eine Batterie von zwei Trockenelementen. In diesen Stromkreis werden zur Verständigung zwischen Vorführer und dem Mann, der die Sprechplatte auflegt, Telephone mit Anrufklingeln eingeschaltet. Die Auslösung der Sprechmaschine kann durch den Vorführer von seinem Stande aus bewirkt werden; es ist eine derartige Fernauslösung praktisch, weil dann ein gleichzeitiges Einsetzen beider Apparate leichter zu erzielen ist.
Man hat die Uhr auch in der Weise abgeändert, daß nur ein einziger Zeiger zur Verwendung kommt, der mittels Differentialgetriebes gleichzeitig vom Kinematograph-Mechanismus und durch Vermittlung der elektrischen Übertragung von seiten der Sprechmaschine angetrieben wird. Hier muß bei Gleichlauf der Zeiger stillstehen. Schlägt er nach rechts oder links aus, so weiß der Vorführer, daß der Kinematograph zu rasch oder zu langsam läuft, und er muß dann entsprechend korrigieren.