Handbuch der praktischen Kinematographie Die verschiedenen Konstruktions-Formen des Kinematographen, die Darstellung der lebenden Lichtbilder sowie das ...

Part 12

Chapter 123,250 wordsPublic domain

Das Druckreduzierventil, welches den hohen Druck des Gases herabmindert, wird mittels der Mutter an die Flasche angeschraubt, wobei man den zugehörigen Schraubenschlüssel zum festen Anziehen benutzt. Es ist dabei folgendes zu beachten: In der Mutter liegt gegen das Rohrstück ein kleiner Ring aus Leder oder Vulkanfiber, der zur Abdichtung dient und nicht fehlen darf, da sonst an dieser Stelle Sauerstoff entweicht. Sollte der Ring einmal verloren gehen, so schneide man einen solchen aus einem Stückchen Leder oder wickle starken Bindfaden um das Rohrstück. Das Druckreduzierventil ist außer der Handstellschraube, welche den Arbeitsdruck reguliert, und dem Manometer, welches diesen Druck anzeigt, noch mit einem Sicherheitsventil versehen; dieses macht einen überstarken Arbeitsdruck unmöglich und ist so eingestellt, daß der Sauerstoff bei einem Druck über 1-1/2 Atmosphären selbsttätig abbläst. Zum Anschluß an den Brenner ist ein abschraubbarer Schlauchansatz vorgesehen, worauf man den Verbindungsschlauch am besten mit einem Drahte befestigt.

Inhaltsmesser und Inhaltsbestimmung.

Wenn ein Inhaltsmesser zur Verwendung kommt, was sehr zu empfehlen ist, so wird er zwischen Stahlflasche und Druckreduzierventil geschraubt, wobei vorherige Prüfung, ob der Dichtungsring in der Mutter vorhanden ist, und festes Anziehen mit dem Schraubenschlüssel nicht zu unterlassen sind. Der Inhaltsmesser ist ein kleines Manometer, das zwar nicht direkt den Inhalt angibt, sondern den Druck anzeigt, unter welchem sich der Sauerstoff in der Flasche befindet. Daraus aber kann man den Inhalt leicht berechnen. Der Rauminhalt der meist gebrauchten Flaschen ist nämlich ungefähr 10 Liter; ist nun der Sauerstoff unter einem Druck von 120 Atmosphären angefüllt, so zeigt der Inhaltsmesser auf die Zahl 120 und der Inhalt beträgt 10 × 120 = 1200 Liter Sauerstoff. Wird nun Gas verbraucht und zeigt der Inhaltsmesser nach einiger Zeit beispielsweise auf 95, so wissen wir, daß noch 10 × 95 = 950 Liter Sauerstoff in der Flasche enthalten sind. Den genauen Rauminhalt findet man oben an der Flasche eingeschlagen; mit dieser Zahl hat man die angezeigte Atmosphärenzahl zu multiplizieren. Beim Arbeiten mit dem Inhaltsmesser ist der Ventilhahn der Stahlflasche langsam und vorsichtig zu öffnen, weil bei schneller Öffnung das Instrument durch den plötzlich eintretenden Gasdruck einen heftigen Stoß erhält und dadurch Schaden leiden kann.

Der Kalklichtbrenner.

Der Starkdruckbrenner, welcher für das Arbeiten mit komprimiertem Sauerstoff insbesondere in Betracht kommt, da er bei höchster Leistung einfach zu handhaben ist, wird in Fig. 88 dargestellt. Bei diesem Brenner ist eine injektorartige Vorrichtung zur Anwendung gebracht, dank welcher der unter starkem Druck stehende Sauerstoff das brennbare Gas ansaugt und mit sich fortreißt. Die beiden Gase werden darauf nochmals in einer Mischkammer gemischt und gelangen dann durch das gebogene Rohr zur Mündung. Vor der Brennerspitze befindet sich ein Stift, worauf das durchbohrte Kalkstück gesetzt wird. Mittels des Triebes A kann man den Kalkstift heben, senken und drehen, während der Spindeltrieb B dazu dient, die Entfernung des Kalkes von der Brennerspitze zu regulieren.

Die Kalkstifte und Kalkscheiben.

Ueber die Kalkstifte ist noch folgendes zu bemerken. Man bekommt solche im Handel in zwei Größen; die größere Sorte, auch Kalkklötze genannt, ist für diejenigen Fälle bestimmt, wo man zur Erzielung möglichst kräftigen Lichtes einen sehr hohen Arbeitsdruck aufsetzt; die dabei erzeugte größere Stichflamme wird dann besser ausgenutzt, als wenn man die gewöhnliche kleinere Sorte verwendet. Vielfach werden an Stelle der zylinderförmigen Stücke auch Kalkscheiben benutzt, die in einen Halter des Brenners eingespannt werden.

Da die Kalkstücke Feuchtigkeit anziehen und daher, an freier Luft liegend, leicht zerbröckeln, werden sie in luftdicht verschlossene Büchsen verpackt (vergl. Figur 89); auch müssen sie an einem nicht zu warmen Orte aufbewahrt werden, keinesfalls in der Nähe eines Ofens. Beim Gebrauch ist es sehr wichtig, den Kalk erst langsam anzuwärmen, also die Leuchtgasflamme erst einige Minuten allein brennen zu lassen, damit die Feuchtigkeit allmählich ausgetrieben wird. Würde man von vorneherein Sauerstoff zugeben und die intensive Stichflamme gegen den Kalkstift richten, so verwandelte sich das darin enthaltene Wasser plötzlich in Dampf und zersprengte den Kalk in Stücke. Während der Erwärmung muß der Stift von Zeit zu Zeit gedreht werden.

Wenn die Stichflamme eine Zeit lang auf den Kalk gewirkt hat, brennt sie ein Loch hinein und das Kalkstück muß alsdann gedreht werden, weil die angegriffene Stelle an Leuchtkraft verliert. Es empfiehlt sich, während der Projektion ein zweites Kalkstück bereit zu halten, damit Ersatz zur Hand ist, falls der aufgesetzte Stift zerstört werden sollte. Man unterscheidet vielfach noch zwischen weichen und harten Kalkstiften. Wenn man mit starkem Gasdruck arbeitet, sind unbedingt harte Stifte erforderlich; denn die weiche Sorte wird viel rascher zerfressen und hält der intensiven Stichflamme kaum Stand.

Das Arbeiten mit Leuchtgas und komprimiertem Sauerstoff.

Wenn uns Leuchtgas aus der Rohrleitung und komprimierter Sauerstoff aus der Stahlflasche zur Verfügung stehen, so ist folgendermaßen zu verfahren:

Zunächst werden an die Stahlflasche in der oben angegebenen Weise Inhaltsmesser und Druckreduzierventil angeschraubt und letzteres durch einen kräftigen Schlauch mit dem rechten Brennerhahn verbunden, wobei man die beiden Schlauchenden am besten mit Drähten befestigt. Der linke Brennerhahn wird mittels eines zweiten Schlauches an die Gasleitung angeschlossen.

Bevor man den Ventilhahn der Stahlflasche öffnet, wozu eine einmalige Umdrehung genügt, dreht man die Stellschraube des Druckreduzierventils (links herum) so weit heraus, daß sie keinen Druck mehr auf die dahinter befindliche Feder ausübt, was man sogleich fühlt; dadurch wird das Ventil geschlossen und der Sauerstoff einstweilen abgesperrt. Man setzt nun ein Kalkstück auf, und zwar derart, daß es einige Millimeter von der Brennerspitze absteht, läßt Leuchtgas zu und entzündet die Flamme, die man zunächst klein brennen läßt. Nachdem man das Kalkstück genügend vorgewärmt hat, öffnet man den Gashahn vollständig und stellt desgleichen den rechten Brennerhahn ganz offen, dann dreht man langsam die Stellschraube des Druckreduzierventils (rechts herum) hinein, und zwar so weit, bis eine Stichflamme entsteht, welche das Kalkstück an der getroffenen Stelle in kräftige Weißglut versetzt.

Nun dreht man den Leuchtgashahn am Brenner so weit ab, daß die rotgelbe Flamme um den Kalkstift bis auf eine kleine Spur verschwindet, und zwar sucht man diejenige Einstellung des Hahnes zu gewinnen, bei welcher das Licht am hellsten erscheint. Eine weitere Regulation der Hähne ist alsdann nicht mehr nötig; der Sauerstoffhahn bleibt überhaupt stets vollständig geöffnet.

Um die Leuchtkraft des Brenners zu steigern, braucht man nur die Stellschraube des Druckreduzierventils weiter hineinzudrehen, wodurch der Arbeitsdruck erhöht wird. Man hat es auf diese Weise in der Hand, die Helligkeit nach Bedarf zu variieren. Die Höhe des Arbeitsdruckes, den das Manometer anzeigt, schwankt in der Regel zwischen 1/4 und 1 Atm., doch kann man auch bis zu 1-1/2 Atm. gehen; in letzterem Falle ist natürlich der Sauerstoffverbrauch entsprechend größer.

Will man das Licht abstellen, so sperrt man zunächst den Sauerstoff durch Herausschrauben der Stellschraube im Druckreduzierventil ab, schließt dann das Ventil der Stahlflasche und zuletzt den Leuchtgashahn.

Anwendung von komprimiertem Wasserstoff.

Wenn man an Stelle von Leuchtgas komprimierten Wasserstoff benutzt, so wird der linke Brennerhahn mit dem Druckreduzierventil der Wasserstoffflasche verbunden; nachdem die Anschlüsse gemacht sind, läßt man zuerst Wasserstoff zum Brenner und entzündet. In der Folge verfährt man geradeso wie beim Arbeiten mit Leuchtgas.

Das Arbeiten mit dem Gasator.

Den Anschluß des Gasators an den Starkdruckbrenner zeigt Fig. 90. Als Füllung für den Gasator wird reinster Schwefeläther (spezifisches Gewicht 0,72) benutzt. Auf Vorsicht mit diesem leicht entzündlichen Material sei besonders hingewiesen. An Stelle von Äther kann man auch Ligroin, Gasolin und leicht flüssiges Benzin verwenden; jedoch ist das, was man unter diesen Namen im Handel bekommt, in vielen Fällen zu schwer flüchtig und ungeeignet. Allerdings sind diese Materialien wesentlich billiger als Äther.

Der Gasator wird zu 3/4 gefüllt und faßt dann etwa 450 ccm Äther. Der Verbrauch ist zwar pro Stunde kaum größer als etwa 100 ccm, jedoch erleichtert die starke Füllung die Vergasung, und da der Rest in die Flasche zurückgegossen wird, geht nichts verloren. Nach dem Füllen, was nicht bei offenem Licht geschehen darf, muß der Apparat wieder gut geschlossen werden.

Um das Licht darzustellen, öffnet man beide Hähne des Brenners, dreht die Stellschraube des Druckreduzierventils langsam hinein, bis an der Brennerspitze ein schwaches Rauschen bemerkbar ist, und zündet dann nach einigen Augenblicken an. Die Stichflamme, welche dann entsteht, stellt man zunächst auf einige Minuten klein, um das Kalkstück vorzuwärmen; alsdann werden beide Hähne wieder geöffnet und die Stellschraube im Druckreduzierventil so weit hineingedreht, daß der Brenner das gewünschte Licht gibt, worauf man den Brennerhahn wie beim Arbeiten mit Leuchtgas einreguliert. Mit Hilfe der Stellschraube des Druckreduzierventils kann man auch hier die Helligkeit des Lichtes steigern und schwächen.

Das Auslöschen des Lichtes geschieht, indem man zuerst den linken Brennerhahn schließt und dann den Sauerstoff an der Stahlflasche absperrt. Der nicht verbrauchte Äther wird in die Vorratsflasche zurückgegossen.

Das Arbeiten mit dem Äthersaturator.

Über das Arbeiten mit dem Äthersaturator ist folgendes zu sagen: Als Füllung muß hier reinster Schwefel-Äther verwandt werden. Es empfiehlt sich, das Einfüllen eine oder mehrere Stunden vor dem Gebrauch vorzunehmen, weil der Äther dann Zeit hat, von dem porösen Material aufgesaugt zu werden, und weil dann von vorneherein eine bessere Vergasung garantiert ist. Nach dem Einfüllen wird die Füllschraube fest angezogen. Die Hähne des Saturators halte man bei Nichtgebrauch fest geschlossen, da der Äther außerordentlich leicht verdunstet. Abdichten der Hähne durch Fett oder dergleichen nützt nichts, da Äther diese Stoffe löst. Selbst bei kräftigem Verschluß wird, wenn der Apparat längere Zeit gefüllt steht, von dem Inhalte durch Ausdunsten etwas verloren gehen.

Wieviel Äther gebraucht wird, hängt von der Art des angewendeten Brenners ab und von dem Druck, unter welchem man den Sauerstoff zuführt; man wird im allgemeinen pro Stunde nicht mehr als 100 ccm verbrauchen; jedoch empfiehlt es sich, den Inhalt reichlich zu bemessen, da man während der Vorführung nicht nachfüllen kann.

Die Schlauchverbindung unterscheidet sich hier von der Anordnung beim Gasator dadurch, daß auch der Äther-Saturator mit der Stahlflasche verbunden wird. Der im Saturator entwickelte Ätherdampf soll nämlich zum Brenner vorwärts getrieben werden, und um dieses zu erreichen, läßt man einfach den Sauerstoffdruck darauf wirken. Man muß gutes Schlauchmaterial verwenden, da Äther den Gummi auf die Dauer angreift. Aus Fig. 93 (s. Seite 180) ist die Schlauchverbindung ersichtlich, nur ist dort an Stelle der Stahlflasche ein Sauerstoff-Gasometer verwandt.

Um das Licht darzustellen, verfährt man hier folgendermaßen: Man öffnet beide Hähne des Saturators sowie den linken Hahn des Brenners, während der rechte Brennerhahn einstweilen geschlossen bleibt. Dann dreht man, nachdem der Ventilhahn der Sauerstoffflasche geöffnet ist, langsam die Stellschraube des Druckreduzierventils hinein, bis sich ein schwaches Sausen an der Brennerspitze bemerkbar macht; der in den Saturator eintretende Sauerstoff drückt nun die Ätherdämpfe vorwärts und nach einigen Augenblicken kann man entzünden. Zunächst läßt man die Flamme einige Minuten klein brennen, um das Kalkstück vorzuwärmen, dann stellt man den linken Brennerhahn weiter offen, sodaß eine kräftige Flamme herausschlägt, und öffnet nun langsam den rechten Brennerhahn; alsbald entsteht eine Stichflamme und das Kalkstück wird an der getroffenen Stelle in Weißglut versetzt. Durch Einregulieren des linken Brennerhahnes sucht man den besten Lichteffekt zu erzielen.

Die Helligkeit des Lichtes kann auch hier durch Erhöhung des Arbeitsdruckes, der mittels der Stellschraube am Druckreduzierventil reguliert wird, gesteigert werden. Doch soll man dabei nur langsam vorgehen, denn eine schnelle Druckänderung hat in der Regel ein Zischen des Brenners zur Folge; sollte sich ein solches Zischen bemerkbar machen, so muß man den rechten Brennerhahn so weit schließen, bis das Zischen aufhört, und ihn dann langsam und vorsichtig wieder öffnen.

An Stelle des Starkdruckbrenners kann hier auch der sogenannte Mischbrenner verwendet werden, der sich von ersterem dadurch unterscheidet, daß die injektorartige Vorrichtung fehlt. Bei einem solchen Brenner muß außer dem linken Hahn auch der rechte Brennerhahn zur Erzielung des besten Lichtes einreguliert werden, während man diesen beim Starkdruckbrenner stets ganz offen stellt.

Um das Licht auszulöschen, schließt man zuerst den linken Brennerhahn und sperrt dann erst den Sauerstoff ab; wenn man in dieser Weise verfährt, wird sich beim Auslöschen niemals ein Knall bemerkbar machen, was sonst unter Umständen eintreten kann.

Während der Vorführung ist dafür Sorge zu tragen, daß der Äther gleichmäßig vergast. Namentlich bei niedriger Zimmertemperatur sowie bei stärkerem Ätherverbrauch ist es dazu notwendig, dem Saturator etwas Wärme zuzuführen; dieses geschieht, indem man ihn neben oder hinter die Projektionslaterne stellt oder in ein am Ofen gut erwärmtes großes wollenes Tuch wickelt. Eine zu starke Erhitzung des Saturators ist ebenso zu vermeiden wie eine zu starke Abkühlung: der Apparat soll handwarm bleiben. In der wärmeren Jahreszeit sowie beim Arbeiten mit schwächerem Gasdruck geht die Vergasung in der Regel ohne Wärmezuführung vonstatten.

Fehlerhafte Erscheinungen beim Äthersaturator.

Wenn man beim Inbetriebsetzen kein ordentliches Licht bekommt, so ist anzunehmen, daß der Äther zu schwach vergast. Der Grund muß dann gesucht werden in zu niedriger Temperatur oder in zu geringer Füllung oder in unbrauchbarem Äther. Kommt flüssiger Äther aus der Brennerspitze heraus, so ist übermäßig viel Äther in den Saturator gefüllt (der Überschuß muß dann abgeschüttet oder herausgeblasen werden) oder man hat den Sauerstoff unter zu starkem Druck aufgesetzt.

Macht sich ein wiederholtes Zucken des Lichtes bemerkbar, so hat sich wahrscheinlich etwas flüssiger Äther in der Schlauchleitung vom Saturator zum Brennerhahn gesammelt. Der Saturator ist in diesem Falle übermäßig erwärmt worden, was eine zu starke Vergasung und damit Niederschlagen des Überschusses an Ätherdämpfen im Schlauche zur Folge gehabt hat. Man stellt das Licht ab und entfernt den Äther aus dem Schlauche.

Läßt während der Vorführung die Helligkeit nach und muß man, um das Licht beizubehalten, den rechten Brennerhahn nach und nach abdrehen, so ist das ein sicheres Zeichen dafür, daß die Vergasung zu schwach geworden ist. Grund dafür: entweder zu niedrige Temperatur bezw. zu starke Abkühlung des Saturators oder aber die Ätherfüllung geht zu Ende.

Entsteht andererseits während des Projizierens um den Kalk eine rötlichgelbe Flamme, so vergast der Äther zu stark; zeigt sich diese Flamme trotz Nachregulierens des Hahnes wiederholt, so ist die Erwärmung des Saturators eine zu starke und man muß für Abhilfe sorgen.

Ein Knallen des Brenners, d. h. ein Auslöschen des Brenners, kann nur bei falscher Handhabung vorkommen, und zwar auch nur dann, wenn die Vergasung des Äthers zu schwach geworden ist -- sei es infolge zu niederer Temperatur bezw. zu starker Abkühlung des Saturators oder weil die Ätherfüllung zu Ende geht. In diesem Falle dringt nämlich Sauerstoff durch den Saturator hindurch und statt reinen Ätherdampfes gelangt ein Äthersauerstoffgemisch zum linken Brennerhahn. Wenn man nun zum Auslöschen des Lichtes -- entgegen der Regel -- zuerst den rechten Brennerhahn schließt, so schlägt die Flamme unter einem kurzen, scharfen Knall zurück. Dieses Zurückschlagen kann jedoch niemals eintreten, solange der rechte Brennerhahn geöffnet ist, und man beachte streng die Vorschrift, stets zuerst den linken Hahn (Äther) zu schließen. Das Zurückschlagen der Flamme, wenn es in der eben beschriebenen Weise vorkommen sollte, ist übrigens mit keiner Gefahr, sondern lediglich mit einem mehr oder minder heftigen Knall verbunden.

Die Darstellung von Azetylen-Kalklicht.

Bei der Darstellung von Kalklicht macht in solchen Fällen, wo eine Leuchtgasleitung nicht zur Verfügung steht, das Azetylen dem Wasserstoff und Äther erfolgreich Konkurrenz, nachdem es gelungen ist, einen brauchbaren Azetylen-Kalklichtbrenner zu konstruieren, und zwar um so mehr, als der erzielte Lichteffekt ein sehr großer ist. Namentlich auf dem Lande findet man zuweilen in der Ortschaft oder in dem Gebäude eine Azetylen-Zentrale, der man das Azetylen gerade so wie Leuchtgas entnimmt, um es mit einem Schlauche dem Brenner zuzuführen. Andernfalls muß man sich das Azetylen selbst herstellen, was mittels der im Handel erhältlichen Apparate, die für Projektionszwecke gebaut werden, sehr einfach vonstatten geht. Es sei besonders hingewiesen auf die sogen. Beagidpatronen, die aus einem Gemenge pulverisierten Kalziumkarbids und Paraffin oder dergl. Material bestehen und welche die Darstellung des Gases bequemer machen als mit Kalziumkarbid.

Der Anschluß geschieht in der gleichen Weise wie beim Arbeiten mit dem Starkdruckbrenner: der rechte Brennerhahn wird durch einen kräftigen Schlauch mit dem Druckreduzierventil der Stahlflasche verbunden; in die Schlauchleitung, welche vom Azetylenapparat zum linken Brennerhahn führt, ist eine sogenannte Wolfsche Flasche einzuschalten, die etwa zu 1/2 mit Wasser gefüllt wird. Diese dient auf alle Fälle zur Sicherung gegen einen Rückschlag der Flamme. Das Kalkstück stellt man so ein, daß es sich etwa 10 mm weit von der Brennerspitze befindet.

Zum Inbetriebsetzen läßt man zunächst Azetylen zu, zündet an und läßt nun sofort Sauerstoff zu; letzteres muß rasch geschehen, da das allein brennende Azetylen stark schwalcht. Den Sauerstoff setzt man von vornherein mit einem kräftigen Druck von mindestens 1/2 Atm. auf. Mit geringerem Druck arbeitet der Brenner nicht gut. Das Azetylen verwendet man mit dem Druck, wie es aus der Leitung kommt; bei Anwendung eines kleinen Tauchapparates kann man ein kleines Gewicht auflegen, wodurch das Licht ein wenig gewinnt. Will man beim Anzünden das Schwalchen ganz vermeiden, so läßt man zunächst Sauerstoff zum Brenner zu, hält ein brennendes Zündholz vor die Brennerspitze und dreht nun den Azetylenhahn auf. Das Gasgemisch entzündet sich dann mit einem Puff. Es ist wichtig zu beachten, daß das Kalkstück in einem Abstand von 10 mm von der Brennerspitze gehalten werden muß. Wenn das Licht rot erscheint, so ist Azetylen im Überschuß vorhanden und man muß den Azetylenhahn etwas abstellen. Doch darf man den Hahn nicht zu weit zustellen, vielmehr soll sich stets eine gelbrote Flamme um das Kalkstück zeigen. Dreht man zuviel ab, so kann die Flamme ausknallen. Dies kann namentlich beim Anzünden vorkommen; es ist aber ohne Gefahr. Wenn die Flamme einmal zurückschlagen sollte, so überzeuge man sich, ob die Siebe im Brenner noch in Ordnung sind. Dazu schraubt man die Überfangmutter der Mischkammer ab, wodurch letztere freigelegt wird. Wenn die Siebe durchgeschlagen oder herausgefallen sein sollten, so kann der Brenner nicht gut funktionieren. Zum Auslöschen drehe man zuerst den Azetylenhahn zu und stelle dann erst den Sauerstoff ab.

Retorte zur Selbstherstellung von Sauerstoff.

Die Selbstherstellung von Sauerstoff geschieht mit Hilfe einer Retorte, in der eine Mischung von chlorsaurem Kali und Braunstein erhitzt wird, und einem Behälter zum Auffangen des dabei entwickelten Gases. Früher war es üblich, den Sauerstoff vor der Vorführung auf einmal herzustellen, und man benutzte dazu einen großen Gassack; auch heute wird zuweilen noch in dieser Weise gearbeitet, meist aber wendet man jetzt eine bequemere Art an, die gestattet, während der Vorführung selbst soviel Sauerstoff nachzuentwickeln, als man braucht. Dabei dient als Behälter ein Gasometer oder ein kleiner Gassack.

Wenn man allen Sauerstoff von vornherein herstellen will, so kommt eine eiserne Retorte zur Anwendung, in welche das Material pulverförmig eingefüllt wird. Die Form der Retorte spielt keine Rolle; vielfach macht man sie z. B. trichterförmig. Wichtiger ist es aber, daß sie eine Sicherheitsvorrichtung gegen zu starken Gasdruck besitzt. Eine solche besteht beispielsweise aus einem nicht zu fest eingesteckten und mit Waschleder überzogenen Kork oder sie wird in der Weise bewirkt, daß die Abdichtung des Retortendeckels mittels aufgekitteten Gipses geschieht, der bei starkem Druck nachgibt. Auch kann die Sicherheitsvorrichtung in einem federnden Verschluß bestehen, welcher den dicht aufpassenden Deckel niederhält. Ein zu starker Gasdruck mag beispielsweise eintreten, wenn die Retorte umfällt und das Pulvermaterial infolgedessen das Abzugsrohr verstopft; wenn dann keine Sicherheit vorhanden ist, kommt die Retorte in Gefahr, zu platzen.

Das Waschgefäß.

Aus der Retorte führt man den Sauerstoff mittels eines Schlauches zunächst in ein zum Teil mit Wasser gefülltes Waschgefäß, wie es die Fig. 91 zeigt, welches zum Kühlen und Waschen des Gases dient, und von diesem mit Hilfe eines zweiten Schlauches in den Gassack. Die Schläuche nehme man nicht zu eng und ziemlich dickwandig, um einem Verstopfen vorzubeugen; alle Verbindungen schnüre man mit Bindfäden fest. Die ganze Anordnung ist in der Abbildung Figur 92 skizziert. A ist die Retorte, die auf einem Kohlenfeuer oder Gasbrenner steht; sie ist durch einen Schlauch mit dem längeren Rohr C des mit Wasser halbgefüllten Waschgefäßes verbunden, und das kürzere Rohr D desselben wiederum mit dem Gassack E. Letzteren legt man etwas höher, damit die Einführung von Wasser in den Sack vermieden wird.

Material zur Sauerstoffentwicklung.