Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst. Erster Teil Erfindung. Verbreitung. Blüte. Verfall. 1450-1750.

Part 7

Chapter 73,197 wordsPublic domain

Der Lactantius war das erste Buch, welches in römischer Schrift gedruckt wurde. Die Kalligraphie hatte in Italien bereits zu den Zeiten der Römischen Kaiser eine hohe Stufe erreicht. Durch den Wechsel der herrschenden Völker in Italien änderte sich auch die Schrift vielfach. Als die Gothen im □v.□ Jahrh. sich zu Herren Italiens machten, fingen die römischen Kapital-Buchstaben schon an, eine veränderte Gestalt anzunehmen; die eigentliche kleinere runde Kurrentschrift kam jedoch erst im □viii.□ Jahrhundert auf. Nichts natürlicher, als dass Sweynheim und Pannartz sich dem nationalen und gefälligen Schriftsystem zuwendeten und für ihr Werk die römische Schrift annahmen, der sich die jetzige Antiqua fast ganz anschliesst. Ein in Paris befindliches Manuskript, welches 1459 in Italien geschrieben wurde, des heiligen Augustinus _De civitate dei_, zeigt ganz die Schrift, wie sie in dem Lactantius verwendet wurde. In dem ersten Bogen des Werkes ist, um die griechischen Zitate hineinzuschreiben, Raum gelassen; in den späteren Bogen wurden zum erstenmal griechische Typen verwendet, denn die Zitate in Schöffers Princeps-Ausgabe von Ciceros _De officiis_ waren Holzschnitte.

Es zeigten sich jedoch bald die Schwierigkeiten einer so abgelegenen, schwer zugänglichen Lage und Sweynheim und Pannartz folgten daher gern der Einladung der beiden Brüder Pietro und Francesco Marquis von Massimi, nach ROM zu kommen; in deren Palast sie 1467 installiert wurden, zunächst um Ciceros Briefe zu drucken. In dieser Ausgabe findet man zum erstenmale die reine Antiqua, wie sie schon in den Manuskripten des □viii.□ u. □ix.□ Jahrh. vorkommt.

Pannartz und Sweynheims Unglück.

In den fünf folgenden Jahren entwickelten Sweynheim und Pannartz eine grosse, jedoch weit über ihre Kräfte gehende Thätigkeit, die sie dem geschäftlichen Ruin entgegenführte. Aus ihren Pressen gingen hauptsächlich Ausgaben der Klassiker hervor, unter anderen ein _Livius_ (1469), von welchem ein Exemplar, 1815, mit nahe an 20000 Mk. bezahlt wurde. Rom war zwar ein Sitz der Gelehrsamkeit, lag aber ausserhalb des grossen Verkehrskreises. In dem Verhältnis, wie sich das Bücherlager von Sweynheim und Pannartz füllte, leerte sich ihre Kasse, und als sie den 5. Band der Bibelerklärungen des Nikolas de Lyra gedruckt hatten, waren sie ganz ohne Mittel. Der Herausgeber des Werkes, ihr Freund der Bischof Andr. Bussi, empfahl sie zwar dringend der Unterstützung des Papstes Sixtus □iv.□ Das Gesuch, welches für die Buchdruckergeschichte deshalb ein besonderes Interesse hat, weil man daraus erfährt, dass die gewöhnliche Auflage eines Buches 275 Exemplare gewesen, von den populären Werken 550, hat jedoch entweder gar keinen oder keinen genügenden Erfolg gehabt und die Vereinigung ward aufgelöst. Sweynheim scheint sich nach der Trennung hauptsächlich mit Schriftschneiderei beschäftigt zu haben und machte auch die ersten Versuche, Landkarten für die Buchdruckerpresse in Kupfer hoch geschnitten herzustellen, um damit die Geographie des Ptolomäus zu drucken, erlebte aber nicht die Vollendung dieses ausgezeichneten Unternehmens, dessen letzte Platten von Arnold Bucking angefertigt wurden. Von Sweynheim hört man nach 1473 nichts mehr. Pannartz druckte bis 1476, um welche Zeit beide Teilnehmer gestorben zu sein scheinen.

Noch vor der Übersiedelung der Genannten nach Rom war □Ulrich Han□ (Gallus) durch den Kardinal Torquemada nach dort berufen worden. Han druckte mit gothischer Schrift das erste Buch mit Holzschnitten in Italien, Torquemadas _Meditationes_ (1467).

Venedig.

Nach VENEDIG kam die Buchdruckerei erst 1469, überflügelte jedoch in dem mächtigen Stapelplatz des Handels, wo zugleich Wissenschaft und Kunst blühten, bald die aller anderen Städte Italiens. Auch hier traten Deutsche als die ersten Buchdrucker auf. □Johann von Speyer□ (_Johannes de Spira_) druckte 1469 als erstes, zugleich als Musterwerk, Ciceros Briefe. Sehr geschätzt ist auch sein Plinius, von dem ein Exemplar 1781 in Paris für ungefähr 4500 Mk. verkauft wurde. Seine Type nähert sich der Antiqua; in der Interpunktion wendet er Punktum, Kolon und Fragezeichen an. In einer Ausgabe des Tacitus, die jedoch möglicherweise von seinem Nachfolger herrührt, kommen arabische Zahlen als Pagination vor. Seine Verdienste wurden von dem Dogen, Pasquale Malipiero, so hoch geschätzt, dass man ihm das Privilegium als alleinigem Drucker auf venetianischem Territorium erteilte. Von diesem Privilegium, das glücklicherweise für die Verbreitung der Kunst nur ein persönliches war, sollte er jedoch keinen Nutzen ziehen, indem er 1470 starb. Sein Bruder □Johann Wendelin□ von Speyer setzte das Geschäft fort und druckte viele elegante Klassikerausgaben; auch die erste italienische Bibel. Er verband sich mit □Johann□ von Köln (1471-1487), der sich wieder später mit Nikolaus Jenson vereinigte.

Nik. Jenson.

Die lateinische Schrift.

Nach dem Erscheinen der Gutenbergschen Bibel war die Kunst in Paris nicht unbeachtet geblieben. Auf direkte Veranlassung des Königs Karl VII. erging am 3. Okt. 1458 eine Ordre an die königlichen Münzmeister, einen erfahrenen Mann nach Mainz zu senden, der die neue Kunst erlernen sollte. Die Wahl fiel auf □Nikolaus Jenson□, einen geschickten Graveur, dem es auch wirklich gelang, die Kunst sich zu eigen zu machen. Er kehrte jedoch nicht nach Paris zurück, sondern ging nach Venedig, wo er als einer der berühmtesten Buchdrucker von 1470-1481 wirkte. Er erkannte sofort die grosse Verwendbarkeit der Römischen Schrift, dabei jedoch auch die Mängel der vorhandenen Muster. Letztern half er ab, gab der Schrift noch mehr Rundung und brachte die schöne „lateinische Schrift“ zustande, die schnell zur allgemeinen Geltung kam und noch in solcher steht und stehen bleiben wird. Jensons Schrift wurde erst die venetianische genannt; in den italienischen Schriftproben heisst sie _lettera antiqua tonda_. Die Italiener behielten den Namen _Antico_. Deutschland und das nördliche Europa benannten sie _Antiqua_, Frankreich und Holland _Romain_ (auch _droit_) _Romeyn_, England _Roman_.

Um dem Geschmack der Zeit Rechnung zu tragen, schnitt Jenson jedoch auch gothische Schriften, die sich ebenfalls durch ihre Schönheit auszeichnen. Auch eine griechische Schrift, jedoch ohne Versalien, rührt von ihm her. Seine Werke sind alle typographische Meisterstücke. Er starb reich und angesehen im Sept. 1481; selbst der Papst ehrte ihn und verlieh ihm den Titel eines Pfalzgrafen.

Erhard Ratdolt.

Unter den deutschen Buchdruckern in Venedig gehört in die erste Reihe □Erhard Ratdolt□ (1476-1486), der bereits oben unter den Augsburger Buchdruckern genannt wurde; sein „Euklid“ (1482) in gothischer Schrift und reich ornamentiert, gilt als ein Meisterwerk ersten Ranges und verschaffte ihm nach vielen Seiten den ehrenvollsten Ruf. Dieses Werk ist das erste mit mathematischen Figuren ausgestattete. In den Prachtexemplaren davon kommt auch zum erstenmale Golddruck vor. Seinen Kunstsinn zeigte Ratdolt besonders durch Anwendung schön verzierter Initialen, die unter dem Namen _litteræ florentes_ bekannt sind, und durch seine sehr fein in Holzschnitt ausgeführten Randverzierungen. Er war zugleich der erste, der Titelblätter in modernem Sinn allgemein aufnahm. Auch musikalische Werke mit beweglichen Typen führte er aus. Im Jahre 1486 folgte er dem Rufe des Bischofs Johann von Werdenberg und kehrte nach Augsburg zurück, wo er nur bis 1516 wirkte, wenigstens finden sich nach dieser Zeit keine Spuren einer geschäftlichen Thätigkeit.

Christoph Val- darfer.

Noch ist □Christoph Valdarfer□, der später nach Mailand übersiedelte, zu nennen. In Venedig druckte er noch das _Decamerone_ des Boccaccio, von welchem ein Exemplar im Jahre 1812 nach dem Tode des Herzogs von Roxburgh für 2260 £ Sterl. (über 45000 Mk.) verkauft wurde, die höchste Summe, die je für ein Buch gezahlt wurde.

Aldus Pius Manutius.

Am Schluss des Jahrhunderts (1494) ging noch ein typographischer Stern erster Grösse in Venedig auf: □Aldus Pius Manutius□, dessen Glanz die nächste Periode erfüllt. Zu dieser Zeit waren gegen 150 Druckereien auf einmal in Venedig in Betrieb. Über 3000 Werke hatten bis dahin hier das Licht erblickt. Nimmt man die Auflage eines Werkes durchschnittlich auf nur 300 Exemplare an, und jedes Werk durchschnittlich zu zwei Bänden, so macht dies gegen zwei Millionen Bände.

Joh. Numeister.

Das Städtchen FOLIGNO im Kirchenstaate ist durch Zufall zu einer typographischen Rolle gekommen. □Johann Numeister□, ein Schüler Gutenbergs, suchte sein Glück in Italien und kam auf seiner Reise nach Rom durch Foligno. Ein angesehener Bürger dort, Emilianus de Orfinis, veranlasste ihn (1470), seine Presse in Foligno aufzuschlagen. Im Jahre 1472 erschien seine Prachtausgabe von Dantes _Divina commedia_. Numeister verwendete anfänglich die römische Schrift, später eine gothische, der Gutenbergschen Bibelschrift ähnliche.

Mailand.

Florenz.

Bern. Cennini.

MAILAND und FLORENZ bekamen die ersten Pressen durch Eingeborene. Über die Einführung in Mailand ist viel gestritten worden; es scheint jedoch unzweifelhaft, dass sie durch □Philippus de Lavagna□ (1469) geschah. In Florenz lebte ein Goldschmied, □Bernardo Cennini□, der mit an Ghibertis berühmten Thüren gearbeitet hatte. Es schmerzte ihn, dass Italien gänzlich von Deutschland in der Buchdruckerkunst abhängig sein sollte. Er studierte deshalb genau die Drucke und Manuskripte und ging nun selbst daran, Stempel, Schriften, Pressen u. s. w. herzustellen, was ihm zwar gelang, jedoch unter solchen Opfern, dass er bald wieder zu drucken aufhören musste. Es scheint, als habe er die griechischen Schriften für den Homer geliefert, womit Demetrius Chalcondylas, ein von Candia ausgewanderter Grieche, im J. 1488 hervortrat[2]. Es dauerte aber nicht lange, dass kunsterfahrene Deutsche nach Florenz kamen, darunter □Nikolas von Breslau□, der 1477 Bellinis _Monte Sancto di Dio_ druckte, das erste Werk mit Illustrationen in Metallplatten, da Sweynheims Ptolomäus noch nicht erschienen war. Noch bedeutender ist seine Ausgabe von Dante. Die Wirksamkeit der berühmten Familie _Giunta_ gehört der folgenden Periode an.

[2] □F. Fantozzi□, _Notizie di B. Cennini_. Florenz 1839.

Genua und an- dere Städte.

Nach GENUA kam als erster Drucker □Matthias Moravus□ („aus Olmütz“, 1474), die Schreiber petitionierten jedoch gegen die Konkurrenz und Moravus ging nach Neapel. In SONCINO druckte □Abraham Colorito□ 1488 eine schöne hebräische Bibel mit reichen Ornamenten und Einfassungen. Die erste Offizin Siciliens wurde in MONTREALE bei Palermo 1472 angelegt. In FANO druckte 1514 □Gregor Gregorio□ das erste arabische Buch.

Fünf Jahre nach der Ankunft Sweynheims und Pannartz' in Subiaco war die Kunst überall in Italien und zwar fast nur durch Deutsche eingeführt.

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Spanien.

SPANIEN[3]. Obwohl die Gelehrsamkeit und die Wissenschaften in Spanien hoch in Ehren gehalten wurden, so fand die Einführung der Buchdruckerkunst doch verhältnismässig spät statt. Sie geschah dort, wie fast überall, durch Deutsche, die Lehrlinge unter den Eingeborenen ausbildeten, bis diese nach und nach die Plätze der Lehrmeister einnahmen.

Valencia.

Trotz aller inneren Kriege und der Strenge der geistlichen Zensur muss die Buchdruckerkunst doch manche Aufmunterung seitens hochgestellter und wissenschaftlich gebildeter Männer gefunden haben. Früher wurde allgemein die _Historia Hispanica_ des Roderic Sanctius de Arevalo, Erzbischofs von Valencia, als das erste in Spanien gedruckte Werk betrachtet; es stammt jedoch aus den Pressen von Ulrich Han in Rom. Nachdem im J. 1470 VALENCIA eine Universität erhalten hatte, liess die Druckkunst nicht lange auf sich warten. Das älteste dort gedruckte Buch ist mutmasslich die, 1474 erschienene Sammlung von 36 Gedichten zur Ehre der heiligen Jungfrau; 1475 folgten ein Sallust und ein _Dictionarium linguæ latinæ_ in fol.; sämtlich ohne Nennung des Druckers.

[3] □Francesco Mendez□, _Tipografia española_. 2. Ed. Madrid 1861-66. -- □J. F. Nee de la Rochelle□, _Recherches historiques et critiques sur l'établiss. de l'art typographique en Espagne et en Portugal_. Paris 1830. -- □Vincent Salva□, _Catalogue of Spanish and Portuguese books_. 2 vols. London 1826-1829. -- Deutsche Buchdrucker des □xv.□ u. □xvi.□ Jahrh. in Portugal (Augsb. Allgem. Zeit. 1878, Nr. 49).

Lamb. Palmert.

Der erste datierte Druck ist eine _Biblia sacra_ in fol. von □Lambert Palmert□ (Palomar), einem Deutschen, begonnen im Febr. 1477, beendigt im März 1478. Von diesem Werk sind nur die vier letzten Blätter in einem Exemplar in den Archiven des Domes zu Valencia entdeckt worden. Wahrscheinlich ist die Auflage nach geistlicher Ordre auf das gründlichste vernichtet. Als Protektor oder Mitarbeiter Palmerts wurde der ausgezeichnete Astronom Alfons Fernandes von Cordova genannt. Palmert druckte bis 1494, um welche Zeit sich nicht wenige deutsche Drucker in Valencia etablierten.

Saragossa.

Aus SARAGOSSA findet sich ein, 1475 von □Matthias Flander□, wahrscheinlich einem fahrenden Buchdrucker, geliefertes Buch: _Guidonis de Monte-Rocherii, manipulus curatorum_ vor. Der erste, fest in Saragossa etablierte deutsche Buchdrucker war □Paulus Huros□ aus Constanz (1485-1499).

Sevilla.

In SEVILLA traten die ersten einheimischen Buchdrucker: □Anton Martinez□, □Bartholomäus Segur□ und □Alphons del Puerto□ zusammenwirkend auf zum Druck eines Sacramentale. 1480 fällt schon der Name Martinez weg; 1482 ist Alphons del Puerto allein zurück. Später folgen mehrere Deutsche, als: □Paul von Köln□, und □Joh. Pegnizer□ aus Nürnberg. Das Tribunal der Inquisition hatte i. J. 1500 eine eigene Druckerei, aus welcher die Ordonnanzen des Grossinquisitors Didacus Deca hervorgingen.

Barcelona.

Aus BARCELONA ist mutmasslich: _Th. von Aquino, commentar. in libros ethicor. Aristotelis_ von □Petrus Brunus□ et □Nicolaus Spindeler□ (1478) das erste Buch. SALAMANCA zeigt trotz seiner berühmten Universität erst zu Ende des □xv.□ Jahrh. Drucke auf.

Unter Basel wurde bereits mitgeteilt, dass □Friedr. Biel□ nach BURGOS ging und dort 1485-1517 druckte. Er war ein sehr tüchtiger und erfahrener Mann.

In dem Kloster auf dem Berge MONSERRAT druckte ein Deutscher □Joh. Luschmer□ in den Jahren 1499-1500, und ging dann nach Deutschland zurück. Madrids Buchdruckergeschichte gehört der folgenden Periode an.

Portugal.

PORTUGAL verdankt den Juden die Einführung, den Deutschen die Fortbildung der Druckerkunst. Die portugiesischen Juden wurden seit jeher von ihren Stammesgenossen als eine Art Aristokratie betrachtet und hatten zu Ende des □xv.□ Jahrhunderts durch ihre Bildung und Wohlhabenheit eine grosse Bedeutung erlangt.

Der Jude _Mestre_ (_Magister_) □Abraham d'Ortas□ druckte 1484 zu LEIRIA den _Almanach. perpetuus ecclesiasticus astronomi Zacubi_, den ältesten Druck Portugals. Ob der _Sephar Orach Chaim_ (1485) in Leiria oder in Ixar in Spanien gedruckt wurde, ist wohl nicht ganz zu entscheiden. 1489 druckten die Rabbis □Eliezer□ und □Samuel Zorba□ in Lissabon des Rabbi Mosis Nachmanidis hebräischen Kommentar zum Pentateuch und das _Sepher Thephilod_ (1495). Eliezers Sohn □Zacchäus□ setzte das Geschäft fort.

Valentin aus Mähren.

Um für den Druck christlicher Werke nicht auf Juden angewiesen zu sein, liess die Königin Eleonora, Gemahlin Johanns □ii.□, die Buchdrucker □Valentin aus Mähren□ (Valentin de Moravia oder _Valentin Fernandes Allemão_) und □Nikolaus aus Sachsen□ nach LISSABON kommen. Valentin wirkte von 1495-1513 und wird _servidor e empremidor de sua Alteza_ genannt. Er nahm durch seine Bildung eine angesehene Stellung ein, ward Sekretär für die lateinische Korrespondenz des Königs, Dom Manuel, und verfasste nach den Berichten des Seefahrers Diego Gomes zwei Schriften über dessen Reisen. Als 1496 das Edikt erschien, nach welchem es jedem Nichtchristen unter Todesstrafe verboten wurde, im Lande sich aufzuhalten, mehrte sich die Arbeit seiner Pressen, auch gaben die umgestalteten Justizverhältnisse, der rasch steigende Handelsverkehr und die Kolonialverwaltung, sowie die rege Missionsthätigkeit für die Kolonien viel zu thun. Eine seiner ersten Arbeiten war die, im Verein mit Nikolaus von Sachsen gedruckte _Vita Christi_ des Karthäusermönches Ludolfo de Sachsonia (1495), welche auf direkte Veranlassung der königlichen Familie unternommen wurde. Nur ein einziges vollständiges Exemplar in der Lissaboner Bibliothek existiert. Unter den vielen Werken Valentins befindet sich eine, von ihm selbst besorgte Übersetzung der Reisen des Marco Polo. Nach 1506 verringert sich seine Thätigkeit und sein Name verschwindet 1513, ohne dass es bekannt ist, ob Tod, Geschäftsaufgabe oder Rückreise Veranlassung gewesen.

Hermann von Kempen in Setuval.

Im Jahre 1509 hatte sich □Hermann von Kempen□ (_Armão de Campos, Alemã_) in Setuval niedergelassen. Später zog er nach Lissabon mit dem Titel _empremidor_ und _bombardeyro d'El Rei_. Die Bombardiere bildeten eine aus hundert Mann bestehende Leibgarde des Königs, die viele Vorteile, als Freiheit von Steuern, vom Kriegsdienst, von Einquartierung, ausserdem einen nicht geringen Sold hatte. Da hauptsächlich Metallarbeiter, die selbst ihre Munition anfertigen konnten, wozu sie das Rohmaterial erhielten, in diese Garde gewählt wurden, so ist Hermanns Beruf als Schriftgiesser wahrscheinlich bei seiner Aufnahme bestimmend gewesen. Sein Hauptwerk ist das von Garcia de Resende herausgegebene _Cancioneiro Geral_, ein berühmtes Liederbuch, das die Poesien von 275 höfischen Dichtern enthält. Der Druck ist sauber und geschmackvoll in gothischer Schrift. Von diesem Buch sind nur ganz wenige unverstümmelte Exemplare übrig geblieben. Der König, Dom Fernando, übersandte das in seinem Besitz befindliche dem Stuttgarter Verein der Bücherfreunde behufs einer von Dr. v. Kausler 1846-1849 veranstalteten Ausgabe, welche dieses wichtige Werk der portugiesischen Nation erhalten hat.

Andere deutsche Buchdrucker.

Als Valentins Wirksamkeit zu stocken begann, berief der König, Dom Manuel, □Jakob Kromberger□ aus Sevilla nach Lissabon (1508) und verlieh ihm, wie allen fremden Buchdruckern, die sich in Portugal niederlassen wollten, den Titel Ritter des königlichen Hauses. Sie mussten jedoch den Besitz von 2000 Dublonen in Gold nachweisen und Altchristen (_christãos velhos_) sein.

Ob □Johann Gerling□, der 1494 in BRAGA druckte, auch auf königliche Veranlassung berufen wurde, oder ob er ein fahrender Buchdrucker war, lässt sich nicht bestimmen. Das von ihm gedruckte Brevier von Braga, seine einzige Leistung, ist deshalb besonders wichtig, weil es die Gebete und Hymnen nach dem Ritus der Mosaraber, einer Christengemeinde, die unter der Maurenherrschaft fast ohne jede Verbindung mit Rom fortbestanden hatte, enthält. Schliesslich siedelte noch im □xvi.□ Jahrhundert □Joãs Blavio de Colonia Agrippina□ (1554) als Hofbuchdrucker nach Lissabon über und druckte (bis 1556) 36 Werke.

Die älteren portugiesischen Drucke gehören zu den grössten bibliographischen Seltenheiten. Unter 739 Inkunabeln der Lissaboner Bibliothek sind nur 4 portugiesische. Die Bibliothek zu Oporto zählt 109 Inkunabeln, davon bloss 2 portugiesische.

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Paris

Dass FRANKREICH[4], wo die Universität PARIS eine so grosse Anziehungskraft auf die ganze wissenschaftliche Welt ausübte, mit der Einführung der Buchdruckerkunst zurückblieb, muss hauptsächlich den ungünstigen politischen Verhältnissen nach dem Tode Karls □vii.□ und der Thronbesteigung seines grausamen Sohnes Ludwigs □xi.□ zugeschrieben werden, obwohl dieser, nach seiner Art, ein Freund der Wissenschaft war. So begünstigte er unter anderen auch □Jean Fouchet□ von Tours, den bedeutendsten Illuminator damaliger Zeit, dessen Miniaturen in Josephus' „Jüdischen Altertümern“ in ihrer Art unerreicht sind. Dass der König an Schöffer einen Ersatz von 2425 Thaler für sein, von dem Gerichte mit Beschlag belegtes Bücherlager gewährte, zeugt auch von Interesse für die Kunst.

[4] □P. Lacroix□, □E. Fournier□ et □F. Seré□, _Hist. de l'impr. et des arts et professions, qui se rattachent à la typogr. Avec fig._ Paris 1852.

Ulrich Gering.

Buchschriften in Frankreich.

Der Anblick der gedruckten Bücher, die gebotene Möglichkeit, z. B. eine gedruckte Bibel für 50 Kronen kaufen zu können, veranlasste Wilhelm Fichet, Doktor an der berühmten theologischen Fakultät, der sogenannten Sorbonne, den Rektor der Universität Johann Heinlein, nach seinem Geburtsort Stein bei Constanz Johann von Stein genannt, zu bewegen, für die Einführung der Kunst Schritte zu thun. Stein berief demzufolge seinen Landsmann □Ulrich Gering□ aus Constanz nach Paris. Gering, der die Kunst in Mainz gelernt hatte, brachte □Martin Crantz□ von Basel und □Michel Friburger□ von Colmar mit sich und errichtete die erste Buchdruckerei Frankreichs in den Gebäuden der Sorbonne. Das erste Buch, welches dort gedruckt wurde, waren die Briefe von Gasparino di Bergamo (1470), denen später ein rhetorisches Werk Fichets und mehrere Klassikerausgaben mit Kommentaren von Stein folgten. Für diese Werke bediente sich Gering, vielleicht unter dem Einflusse seiner Gönner von der Sorbonne, einer, der römischen Type Jensons ähnlichen Schrift. Als er aber später die Räume der Sorbonne verliess und seine Offizin nach der _rue St. Jacques_ verlegte, nahm er die allgemein beliebte gothische Type an, die man _Allemand_, oder auch, nach den gebrochenen Ecken, _lettres de forme_ nannte. Die kleinere Schrift, mit der man Schulbücher druckte, wurde nach der: _Summa St. Thomæ_, einem solchen Buche, _lettres de somme_ genannt. Die grössern Anfangsbuchstaben hiessen _lettres cadeaux_, die runden Anfangsbuchstaben der Kapitel _lettres tourneurs_. Die gothische Schrift wurde auch von □Peter Kaiser□ (_Caesaris_) und □Johann Stoll□, ebenfalls zwei Deutschen, die sich kaum drei Jahre nach Gering in Paris etabliert hatten, angewendet. Später bildete sich eine halbgothische Schrift aus, bis Jod. Badius 1501 die römische Type wieder einführte, die nun endgültig die herrschende blieb.

Gerings Wirken.

Durch das Beispiel mit Schöffers Faktor klug geworden, hatte Gering schon 1474 um Naturalisation nachgesucht, die ihm auch gewährt wurde. Crantz und Friburger gingen 1478 wieder nach Deutschland zurück und Gering nahm später □Berthold Remboldt□ zum Teilnehmer, dessen Virgil so sorgfältig korrigirt war, dass er als fehlerfrei gilt. Ein Meisterwerk ist sein _Corpus juris canonici_, in fünf Spalten, mit verschiedenen Schriften, rot und schwarz, gedruckt. Gering erwarb sich ein bedeutendes Vermögen und vermachte dasselbe bei seinem Tode (1510) grösstenteils der Sorbonne.

Das erste „französisch“ in Frankreich gedruckte Buch _Les grandes chroniques de la France_ stammt nicht aus Gerings Presse, sondern wurde 1476 von □Pasquier Bonhomme□ gedruckt. Einmal aufgenommen, verbreiteten sich die Buchdruckereien rasch, es sind deren bis zum Jahre 1500 in Paris 66 bekannt.

Lyon.

Joh. Trechsel.