Handbuch der Germanischen Mythologie

Part 69

Chapter 693,458 wordsPublic domain

[568] Tac. Ann. 4, 73 _apud lucum quem Baduhennae vocant_. Nach Müllenhoff, Schmids Zeitschr. f. Geschichtswissenschaft 8, 264 und ZfdA. 9, 240 f. ist _h_ Trennungszeichen und _Baduennae_ zu lesen. Man denkt beim Suffix an kelt. _Arduenna_, Zeuss Gramm. celtica² 774. Siebs, ZfdPh. 24, 1 ff. erklärt _Baduhenna_ als Beiname Wodans, der im Kampfe tötende Walvater; das ist abgesehen von anderm sprachlich unmöglich.

[569] Vgl. v. Grienberger, Beiträge 19, 531 ff.

[570] Die Litteratur über den Stein wurde bereits im Abschnitt über Tiuȥ S. 204 Anm. 2 mitgeteilt. Zum oben Vorgetragenen Heinzel, Westd. Ztschr. 3, 292; Weinhold, ZfdPh. 21, 1 ff.; Kaufmann, Beiträge 16, 201 ff.; Siebs, ZfdPh. 24, 434 ff.

[571] _Hlóþyn_ begegnet Vǫl. 55; dass sie Widars, nicht Thors Mutter ist, zeigt Kauffmann, Beiträge 18, 136 ff.; _Hlóþyn_ gleich Jord SE. 1, 474; in der Olafssaga Tryggvasonar Fms. 1, 123 _hlóþyn markar_, terra silvae; in der Hervararsaga Fas. 1, 469 _í hlóþynjar skaut_, in gremium terrae. Die wichtigsten Inschriften der _dea Hludana_ sind die rheinischen von Birten und Iversheim (vgl. Brambach, Corpus inscriptionum rhenanarum 150; Bonner Jahrbücher 50, 184) und die friesische (W. Pleyte, in den Verslagen der kon. akad. letterkunde 3, 6, 58). Über die Göttin Sculo Thorlacius, _de Hludana_, _Germanorum gentilium dea_, Havniae 1782; Müllenhoff, Schmidts Ztschr. f. Geschichtswissenschaft 8, 264 Anm.; Jäkel, ZfdPh. 23, 129 ff.; Siebs, ZfdPh. 24, 457 ff.; Kauffmann, Beiträge 18, 134 ff.; Rödiger, ZfdPh. 27, 3. Gegen Mogk, Grundriss 1, 1094 Kauffmann a. a. O. 142. Bugge, Studien 19 u. 575 trennt Hlóðyn, die er aus Latona ableitet, von Hludana.

[572] Wol nach Ovid, Metam. 1, 393: _magna parens terra est, lapides in corpore terrae ossa reor dici._

[573] Germania Kap. 9 _pars Sueborum et Isidi sacrificat: unde causa et origo peregrino sacro, parum comperi, nisi quod signum ipsum in modum liburnae figuratum docet advectam religionem_. Zu Isis M. Haupt, Moriz von Craun S. 4; Kauffmann, Beiträge 16, 217 ff. Die von Aventinus (Chronik 1566 fol. 37) angedeutete, durch Simrock Myth.⁵ 372 ff. aufgenommene Ansicht, der Name der deutschen Göttin, etwa _Îsa_, Avent. _fraƕ Eysen_ (vgl. auch J. Grimm, Myth. 244) habe Isis bei Tacitus hervorgerufen als den nächstliegenden, ähnlich klingenden Namen, bedarf keiner ernstlichen Widerlegung. Die Litteratur über die suevische Isis verzeichnet Drexler in Roschers Lexicon der griech. u. röm. Mythologie 2, 548 ff.

[574] Die Nehalenniadenkmäler mit Abbildungen bei L. J. F. Janssen, de romeinsche beelden en gedenksteenen van Zeeland. Middelburg 1845; die rhein. Inschriften bei Brambach, Corpus inscriptionum rhenanarum Nr. 441 u. 442. Das Material verwerten neuerdings die Abhandlungen von Jäkel, ZfdPh. 24, 289 ff. und Kauffmann, Beiträge 16, 211 ff. Die letztgenannte treffliche Arbeit ist für die oben vorgetragenen Ansichten maassgebend. Dem gegenüber hat Muchs Aufsatz, ZfdA. 35, 324 ff. wenig Bedeutung. Detter, ZfdA. 31, 208 stellt Nehalennia zu νέκυς; das Grundwort _nehal_ kehre in an. _njól_, die Nacht, wieder. Dagegen Noreen, An. Gr.² § 106a u. 231; Abriss der urgerm. Lautlehre S. 14 u. 113, wonach _niól_ aus _niƀol_ abzuleiten ist.

[575] A. a. O. 228 ff.

[576] Die Bräuche des Schiffsumzuges bei J. Grimm, Myth. 237 ff.; 3, 86. Weiteres bei J. W. Wolff, Beiträge zur deutschen Mythologie 1, 1852, 149 ff. Die Hauptstelle für die niederländische Umfahrt in des Abtes Rudolf († 1138) Klosterchronik von St. Trond, Buch 12, Kap. 11-14 (MG Script. 10, S. 310 ff.).

[577] Vgl. darüber Mannhardt, Wald- und Feldkulte 1, 553 ff.

[578] Dümmler, Rhein. Museum, N. F. 43, 355 ff.

[579] Das Schiff auf Rädern im Moriz von Craon gehört gewiss zum Carneval und hat mit dem german. Heidentum nichts zu schaffen. Vgl. E. Schröder, Zwei altdeutsche Rittermären, Berlin 1894, S. XXVIII; das niederrheinische Schiff mag ebendaher stammen. Seine mythologische Bedeutung wird mindestens sehr zweifelhaft.

[580] Das gesamte Material bei Ihm, Der Mütter- und Matronenkult und seine Denkmäler, Bonner Jahrbücher des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande, Heft 83, 1887, S. 1-200; Much, ZfdA. 31, 354 ff. u. 35, 315 ff. germanische Matronennamen; Muchs Deutungen sind überaus unsicher, da sie nicht von den Ortsnamen ausgehen; Kauffmann, Der Matronenkultus in Germanien. Ztschr. d. Vereins f. Volkskunde, 1892, S. 24 ff.

[581] Zur _dea Sandraudiga_ J. Grimm, Geschichte der deutschen Sprache 588; Grienberger, ZfdA. 35, 390.

[582] Zu _dea Vercana_ Much, ZfdA. 31, 357 f.

[583] Zu _dea Vagdavercustis_ Grienberger, ZfdA. 35, 393 ff.; seine Erklärung, „die Lebenskraft wirkende“, die spendende Erdgöttin, ist sehr unsicher, zumal _vagda_ = ahd. _kiuuegida_, „vegetamen“; man würde mindestens _*ƕagida_ erwarten; ebenso die Ableitung _vercustis_, der zulieb ein unbelegtes _„ƕerkos“_ behauptet wird. Von weiteren Göttinnen z. B. _dea Garmangabis_, Grienberger, ZfdA. 38, 189 ff., wird hier besser geschwiegen.

[584] Widukind, Res gestae Saxonicae I, 23 MG. Script. 3, 428 _ut a mimis declamaretur, ubi tantus ille infernus esset, qui tantam multitudinem caesorum capere posset_. Dass hinter _infernus_ as. _hella_ steht, meint J. Grimm, Myth. 761.

[585] Die Höllenfahrt beschreiben Baldrs Draumar 2 u. 3; Gylfag. Kap. 49; Helreiþ Brynhildar.

[586] Bugge, Studien 179 erklärt Garmr aus Kerberos verderbt. Noreen, An. Gramm.² § 248 fasst Garmr als Metathesis zu Gramr, der Grimmige.

[587] Niflhel Baldrs. Dr. 2; Vafþr. 43; SE. 1, 136; Niflheim SE. 1, 38; 40; 68; 106; 136.

[588] Baldrs Draumar 6, 7; Gylfag. K. 49 SE. 1, 178.

[589] Die mittelalterlichen Christen meinten, die Leiber der Ungläubigen und Unbussfertigen müssten in der Hölle grausigem Gewürm zur Nahrung dienen. Den Angelsachsen ist die Hölle ein Schlangensaal (_ƕyrmsele_); vgl. Bugge, Studien über die Entstehung der nordischen Götter- und Heldensagen S. 482 ff.

[590] Über die Wanderung nach dem Tode und den eisigen, Schneiden mit sich führenden Höllenfluss vgl. Müllenhoff, Deutsche Altertumskunde 5, 113 ff.

[591] Egilssaga Kap. 45 _til hásalar Heljar helgengnir_.

[592] Die Schilderung der Hel Gylfag. Kap. 34; über die Sage, wie sie von Allvater hinunter nach Niflheim geschleudert wird, Bugge, Studien 511.

[593] Gylfag. Kap. 51 SE. 1, 190 _þar er ok þá Loki kominn ok Hrymr, ok međ honum allir Hrímþursar, en Loka fylgja allir Heljar sinnar_. Danach bessert Bugge Str. 51 der Vǫl., was Sijmons annimmt:

_kjóll ferr norþan: koma mono Heljar of lǫg lýþer, en Loke stýrer._

Die Hss. haben _austan_ statt _norþan_, _muspellz_ statt _heljar_; aber SE. setzt die Lesart Bugges voraus.

[594] Íslendinga sögur 2, 361 _an mér ǫlselja Heljar eplis_, die Frau gönnt mir Hels Äpfel, d. h. will meinen Tod. Zur Stelle Sveinbjörn Egilsson, Lex. poet. 318. Deutsche Seitenstücke zur griechischen Mythe bei W. Müller, Niedersächsische Sagen S. 372 ff.

[595] Myth. 291; 3, 94. Unter den vielen Sagen von verwünschten Jungfrauen, die Panzer, Beitrag z. deutschen Myth. 1, München 1848, behandelt, kommt auch einmal eine schwarz und weiss gefärbte Jungfrau, vom Volk die _Held_ genannt, vor; daraus eine germanische Halja zu erschliessen, wie es seit Panzer beliebt, ist nicht zu billigen. Die Sagen fallen ins Bereich des Gespensterglaubens, in den die höllische Verdammniss oft hereinspielt.

[596] _Rán_ bedeutet Raub. Über die Ran vgl. SE. 1, 338; Reginsmǫ́l Prosaeingang; Helgakv. Hj. 18; Helg. Hund. I, 31; die Strophe des Ref, SE. 1, 326; Fóstbrœðrasaga älterer Text Kap. 4, jüngerer Text Kap. 6; Friðþjofssaga Kap. 6; Eyrbyggjasaga Kap. 54; Sneglu-Halla þáttr (Fornmannasögur 6, 376); Egill im Sonartorrek 7. Thjodolf in der Haustlǫng nennt Ran, indem er das Meer als _Rán-himinn_ bezeichnet. Das Netz der Ran führt Bugge, Studien 20 f. auf das Netz der Aranea zurück; _Aranea casses in alto suspendit_ sei missverstanden, _in alto_ als in der Meerestiefe gefasst worden. Übrigens hat nach Kuhns märk. Sagen, S. 374, der Wassermann auch ein Netz, und der Vita Sulpicii († 614) zufolge wird in einem Wasserstrudel von Geistern mit Stricken den Menschen nachgestellt (_repente funibus daemoniacis circumplexus amittebat crudeliter vitam_); vgl. W. Müller, System der altdeutschen Religion S. 375 Anm. 4.

[597] Eyrbyggjasaga Kap. 11.

[598] Vgl. oben S. 238 ff.; Detter, Beiträge 18, 76 ff. sucht Spuren des Skaðimythus in andern Sagen nachzuweisen.

[599] So Müllenhoff, ZfdA. 23, 117.

[600] Dass Skadi eine Vertreterin der Finnen und Lappen, der vorgermanischen Bevölkerung des Nordens sei, behaupten W. Müller, Zur Mythologie der griechischen und deutschen Heldensage S. 101 und Müllenhoff, Deutsche Altertumskunde 2, 55 ff.; über den Namen Skandinavia Müllenhoff, a. a. O. 357 ff.

[601] Über Thorgerd Hölgabrúðr, die in späterer Verderbniss auch als _Hörđabrúđr_, _höldabrúđr_, _hörgabrúđr_ erscheint, vgl. G. Storm, Arkiv for nordisk filologi 2, 124 ff.; Detter, ZfdA. 32, 394 ff.

[602] Belege sammelt Uhland, Schriften 6, 403.

[603] In der Jómsvíkinga saga Kap. 44 (Fornmannasögur 11, 134 ff.).

[604] Þáttr Þorleifs jarlaskálds, Flateyjarbók 1, 213.

[605] B. G. 6, 21 _deorum numero eos solos ducunt, quos cernunt et quorum aperte opibus iuvantur, Solem et Vulcanum et Lunam, reliquos ne fama quidem acceperunt_.

[606] J. Grimm, Myth. 666 f.

[607] Über Sol und die Sonnenpferde Vafþr. 23, 47; Grimn. 37; Sigrdr. 15; Gylfag. Kap. 11 u. 12. Vgl, E. H. Meyer, Die eddische Kosmogonie S. 105 f.; Mythologie 293 ff.

[608] Aind. _usrâ_, lit. _auszrà_, „Morgenröte“, kehrt im german. Stamm _austra-_, „Osten“, wieder; vgl. _Ôstrogotha_; _Austro-_, _Austar-_ in Eigennamen; an. _austr_, as. ahd. _ôstar_, „ostwärts“, dazu _ôstrun_, ags. _éastro_, „Ostern“. Vgl. Brugmann, Grundriss 2, 185; Noreen, Abriss der urgerm. Lautlehre 167; Kluge, Etym. Wb. unter Osten und Ostern.

[609] Bäda _de tempor. rat._ cap. 13 _eosturmonath qui nunc pascalis mensis interpretatur, quondam a dea illorum, quae Eostre vocabatur et cui in illo festa celebrabant, a cuius nomine nunc paschale tempus cognominant, consueto antiquae observationis vocabulo gaudia novae solemnitatis vocantes._ -- _Hredmônath_ (März) _a dea illorum Hreda cui in illo mense sacrificabant, nominatur_. Diese angeblichen Göttinnen sind von Bäda erfunden und haben so wenig Gewähr als die ndl. _Leva_, nach der _leumaent_, _laumaent_, der Laubmond, heissen soll. Wir haben auch nicht persönlich gewordene, vom Volk geglaubte Monate zu denken wie im isl. _Þorri_, _Gói_, _Einmanuđr_, _Harpa_, in der rheinfränkisch-märkischen _Sporkele_, _Spurkele_ (Februar). Vgl. Weinhold, Die deutschen Monatsnamen, Halle 1869 im alphabetischen Verzeichniss der germanischen Namen.

[610] Ricen vermutet J. Grimm, Myth. 268 Anm. †; dagegen Sievers, Beiträge 16, 366 ff.

[611] Zisa ist von den Gelehrten im Mittelalter aus dem Namen Augsburgs Cisburg oder aus dem Cisatag (*_sisetag_ = _kartag_, Tag der Totenklage) gefolgert; vgl. Bachlechner, ZfdA. 8, 587 f.; Laistner, Würtemb. Vierteljahrshefte f. Landesgeschichte, Neue Folge; 1892, S. 5. Vgl. oben S. 205.

[612] So z. B. die Frie und Fricke, der „_vergodendel_“, als Teil des _frô Wodan_, wogegen Knoop, Ztschr. f. Volkskunde 2, 449 ff. u. 3, 41 ff.

[613] Walahfrid Strabo in einem lat. Gedicht im 8. Jahrh. erwähnt _Hulda_, weshalb J. Grimm, Myth. 3, 87 die Holda schon in die ahd. Zeit verlegt. Aber es ist gar nicht die angebliche deutsche Göttin gemeint, vielmehr die _biblische Wahrsagerin Hulda_, vgl. Müllenhoff, ZfdA. 12, 404; Schmeller, B. W. 1², 1084; E. H. Meyer, Myth. 273; Kauffmann, Beiträge 18, 146. Ebensowenig hält die von J. Grimm, Myth. 245 und ebenda 3, 407, Kl. Schriften 5, 416 ff. aus Handschriften des Burchard von Worms († 1024) entnommene _Holda_ oder _Frigaholda_ stand; vgl. Kauffmann, Beiträge 18, 145 ff. Die Hauptquellen für die Holdasagen des 17. Jahrh. bilden die Schriften des Prätorius, ausgeschöpft von den Brüdern Grimm in den Deutschen Sagen 1, Nr. 4-8; weiteres Myth. 246 ff., 3, 87 f.; Mannhardt, German. Mythen 255 ff. Ortsnamen wie Frau Hollenteich, Frau Hollenberg u. dgl. stammen ursprünglich wol von den „_hollen_“ und sind erst dort auf „Frau Holle“ bezogen worden, wo diese umging. Das Hollenloch in Kuhns Sagen aus Westfalen 1, 193 zeigt einen solchen Ortsnamen in ursprünglicher Bedeutung; Hollenloch ist die Elben-, Zwergenhöhle. Die isländ. Bezeichnung _huldufólk_, _huldumađur_, _huldukona_, die norweg. _huldrefolk_, wozu die norweg. Waldfrau _Hulla_, _Huldra_, _Huldre_, die isl. Hexe _Huld_ gehören, darf man nicht derart zu den deutschen Hollen und Frau Holle stellen, als handelte es sich um eine gemeingerm. Anschauung. Ausgangspunkt für die nordischen Elbennamen bildet an. _hulda_ „Decke“, verwandt mit ahd. _hulid_, ags. _hulu_ „Hülle“ vgl. Noreen, Abriss der urgerm. Lautlehre S. 171. Es sind die verhüllten d. h. mit Tarnkappen unsichtbaren Elbe gemeint. Gleichwie Holle einzeln aus den Hollen ragt, hebt sich dann allerdings auch im neunorweg. Volksglauben Huldra aus den Huldren.

[614] Die Berchtasagen gibt Börner, Volkssagen aus dem Orlagau, Altenburg 1838, S. 153 u. ö. Das Übrige bei Grimm, Myth. 250 ff.; 3, 88 ff.; Schmeller, B. Wb. 1², 269 ff.; Zingerle, ZfdM. 3, 203 ff. Auch Müllenhoff, ZfdA. 30, 240 stellt die Gleichung _Berhta_: _berhten naht_ = _Befana_: _epiphania_ auf.

[615] Sagen vom Fronfastenweib Stöber in der Alsatia 1852, 145; 1856/7, 134. Über die Personifikation von Kalendertagen und Festen überhaupt vgl. Mannhardt, Wald- und Feldkulte 2, 184 Anm. 2.

[616] Stempe und Trempe bei Grimm, Myth. 255 f.; 3, 90. _Daȥ mære von der Stempen_ oder _von Berchten mit der langen nas_ in Haupts Altdeutschen Blättern 1, 105 und v. d. Hagens Gesamtabenteuern Nr. LIV.

[617] Fru Freke nach Eccard de orig. Germanorum 1750, p. 398; J. Grimm, Myth. 281. Kuhn und Schwartz stellen de Fuik, Fui (den Teufel) und erfundene Namen wie Frîe, Frê, Frick zu Freke, wogegen Knoop, Ztschr. f. Volkskunde 2, 449 ff.

[618] Über Frau Harke Knoop, Ztschr. f. Volkskunde 4, 81 ff. Eine „Frau Hacke“, die etwa mit der Harke zusammenhängen könnte, aus einem Liede Hartmanns von Aue schon fürs 13. Jahrh. zu entnehmen, wie A. Höfer, Germania 15, 411 ff. versucht, bedarf keiner ernstlichen Zurückweisung mehr.

[619] Über Frau Gode nach dieser Seite Kuhn und Schwartz, Norddeutsche Sagen S. 413; Bartsch, Sagen aus Mecklenburg 1, 23 f. Zum Wesen der Frau vgl. Knoop, am Urquell 5, 9 ff; 45 ff.; 69 ff.

[620] J. Grimm, Myth. 251 Anm.

[621] J. Grimm a. a. O.

[622] Hyltén-Cavallius, Wärend och Wirdarne 236 f.

[623] Die Sagen von Herodias und Diana bei J. Grimm, Myth. 260 ff.; Schmeller, B. Wb. 1², 270. Herodias soll nach dem in den Niederlanden um 1100 verfassten Gedicht Reinardus späterhin Pharaildis geheissen haben. Faro, Faramann, Faraburg sind german. Namen mit demselben Stammwort, Pharaildis ist Farahild. Die mit Fara gebildeten Namen zählt Henning, ZfdA. 36, 325 auf. Willkürlich deutet J. Grimm den Namen zu mnl. Verelde = Frau Hilde, Holde um.

[624] Kaufmann, Beiträge 18, 150.

[625] Wolff, Beiträge zur deutschen Mythologie 1, 163 ff.

[626] Mannhardt, German. Mythen 256. Panzer, Beitrag zur deutschen Mythologie 2, 1855, 13 f. verzeichnet eine Mariensage, welche an die bekannte Geschichte vom Thränenkrüglein (Börner, Sagen aus dem Orlagau 142 f.) erinnert. Man darf Kindern, die zu Marias Schar verstarben, nicht nachweinen.

[627] Von dem plötzlichen Schneefalle sagt Ludwig nach Pomarius: _dit is tomalen hilde snee_. Der Verf. sucht ein Wortspiel: Hildesheim sei nach Hildesnee (plötzlichem Schnee) genannt; im Nds. bedeutet _hilde_, _hille_ rasch, plötzlich. Es ist überkühn, mit J. Grimm, Myth. 246, Simrock, Myth.⁵ 368 an den Schnee der Frau Hilde (Verelde, Pharaildis) und Frau Holda zu denken und darauf hin die Schneesage der german. Göttin zu überweisen.

[628] Wie Grimm, Myth. 3, 87 f. nach Gegenbach anmerkt, heisst es auch im Elsass beim Schneefall: _d’ engele hans bed gemacht, d’ fedre fliege runder_.

[629] Knoop, Am Urquell 5, 9 ff.; 45 ff.; 69 ff.

[630] Mannus ist zum eranisch-indischen Manu zu stellen, über welchen Spiegel, Die arische Periode und ihre Zustände, Leipzig 1887, S. 271 ff. nachzulesen ist.

[631] Über die Anthropogonie der Germanen vgl. Wackernagel, ZfdA. 6, 15 ff.; Müllenhoff, Schmidts allgemeine Zeitschrift f. Geschichtswissenschaft 8, 209 ff.; Kögel, Geschichte der deutschen Litteratur I, 1, 12 ff.; Kögels Zusammenstellung von Buri, Bur mit Mannus a. a. O. 16 kann ich nicht billigen; die von ihm behauptete Gleichheit der Genealogie des Tacitus und der nordischen Berichte scheint mir gezwungen.

[632] ZfdPh. 25, 401 ff.; Kögel, Geschichte der deutschen Litteratur I, 1, 32 ff. Die wichtigsten Sätze aus Daniels Brief an Bonifacius (Jaffé, _Monumenta Moguntina_ 71 ff.) sind folgende: _Neque enim contraria eis de ipsorum quamvis falsorum deorum genealogia astruere debes .... secundum eorum opinionem. quoslibet ab aliis generatos per conplexum mariti ac femine concede eos asserere; ut saltim modo hominum natos deos ac deas homines potius, non deos fuisse, et cepisse, qui ante non erant, probes. cum vero, initium habere deos, utpote alios ab aliis generatos, coacti didicerint, item interrogandi: utrum initium habere hunc mundum an sine initio semper exstitisse arbitrentur. si initium habuit, quis hunc creavit? cum procul dubio ante constitutionem saeculi nullatenus genitis diis inveniunt subsistendi vel habitandi locum. mundum enim non hunc visibilem tantum, caelum et terram, sed cuncta etiam extensa locorum spatia -- quae ipsi quoque pagani suis imaginare cogitationibus possunt -- dico. quodsi sine initio semper exstitisse mundum contenderint -- quod multis refutare ac convincere documentis argumentisque stude -- tamen altercantes interroga: quis ante natos deos mundo imperaret? quis regeret? quo modo autem suo subdere dominatui vel sui juris facere mundum, ante se semper subsistentem, potuerunt? unde autem vel a quo vel quando substitutus aut genitus primus deus vel dea fuerat? vel si jam non generant, quando vel cur cessaverunt a concubitu et partu; si autem adhuc generant, infinitus jam deorum effectus numerus est. et quis tam inter tot tantosque potentior sit, incertum mortalibus est; et valde cavendum, ne in potentiorem quis offendat. utrum autem pro temporali ac praesenti, an potius pro aeterna et futura beatudine colendi di sint, arbitrantur? si pro temporali, in quo jam feliciores pagani christianis sunt, dicant. quid autem se suis conferre sacrificiis lucri diis suspicantur pagani, cuncta sub potestate habentibus? vel cur, in potestate sibi subjectorum fieri, permittunt ipsi dii, quod ipsis tribuant? si talibus indigent, cur non ipsi magis potiora elegerunt? si autem non indigent, superflue jam talibus hostiarum conlationibus placare se passe deos pulant. haec et similia multa alia, quae nunc enumerare longum est, non quasi insultando vel inritando eos, sed placide ac magna obicere moderatione debes. et per intervalla nostris, id est christianis, hujuscemodi conparandae sunt dogmatibus superstitiones, et quasi e latere tangendae; quatenus magis confuse quam exasperate pagani erubescant pro tam absurdis opinionibus et ne, nos latere ipsorum ritus ac fabulas, estiment. hoc quoque inferendum: si omnipotentes sunt dii et benefici et justi, non solum suos remunerant cultores, verum etiam puniunt contemptores, et si haec utraque temporaliter faciunt, cur ergo parcunt christianis, totum pene orbem ab eorum cultura avertentibus idolaque evertentibus? et cum ipsi, id est christiani, fertiles terras vinique et olei feraces ceterisque opibus habundantes possident provincias, ipsis autem, id est paganis, frigore semper rigentes terras cum eorum diis reliquerunt; in quibus, jam tamen toto orbe pulsi, falso regnare putantur._ -- -- --

[633] Über das Wessobrunner Gebet vgl. Müllenhoff u. Scherer, Denkmäler II, 1 ff., wo natürlich heidnische Herkunft behauptet wird; ebenso Müllenhoff, Altertumskunde 5, 15 u. 68; auch Kögel, Geschichte der deutschen Litteratur I, 1, 271 findet das Bild von der Weltschöpfung „heidnisch untermalt“; dagegen vertritt Kelle, Geschichte der deutschen Litteratur, Berlin 1892, S. 75 ff. die oben vorgetragene Ansicht, dass nicht kosmogonische Vorstellungen des Heidentums, sondern alttestamentliche Ideen den Inhalt des Gedichtes bilden.

[634] Die Sagen über die letzte Weltschlacht sammelt und deutet zuerst J. Grimm, Myth. 908 ff.; dazu Müllenhoff, Sagen aus Schleswig, Holstein und Lauenburg S. L u. 378 ff.; Kuhn und Schwartz, Norddeutsche Sagen S. 495 ff.; Sagen aus Westfalen 1, 204 ff.; Simrock, Mythologie S. 148 ff. und andere mehr. Über die Zubehör zur deutschen Kaisersage vgl. G. Voigt, Sybels historische Zeitschrift 26, 131 ff.; J. Häussner, Die deutsche Kaisersage, Bruchsal 1882; J. Häussner, Unsere Kaisersage, Berlin 1884.

[635] Jüngere Olafssaga Kap. 201 ff.; vgl. E. H. Meyer, Kosmogonie 16 ff.

[636] Über solche ernste Heidengemüter vgl. Munch, det norske folks historie I, 2, 272, 279; Maurer, Bekehrung 2, 253 ff.

[637] _ginnunga gap_ erscheint gleichsam umgekehrt in _gapanda gin_, gähnender Rachen in der Flateyjarbók 1, 530. _gap_ steht zu _gapa_, gaffen, gähnen. _ginnung_ ist abgeleitet vom Adj. _*ginnr_ (ags. _ginn_, weit, geräumig; vgl. auch das an. ags. mhd. Substantiv _gin_, der Rachen). Über die weitere Geschichte dieses Wortstammes vgl. Mogk, Beiträge 8, 153 ff.; Mogks frühere Schlussfolgerung, _ginnunga_ sei Gen. sing, zu _Ginnungi_, dem persönlich gedachten Chaos, zu welcher im Griechischen und Nordischen vorliegenden Vorstellung bereits die Indogermanen sich bekannt hätten, ist hinfällig. Besteht ein Zusammenhang zwischen dem persönlichen Chaos, dem Riesen Abyssus der christlichen Mythologie, über welchen Meyer, Völuspa 57, Eddische Kosmogonie 74 nachzulesen ist, und Ymir, so beruht er auf später Entlehnung und Nachahmung, nicht auf Urverwandtschaft, _ginnunga gap_, von Adam v. Bremen 4, Kap. 38 mit _immane abyssi baratrum_ wiedergegeben, erscheint auch in der Geographie der alten Nordleute. Die Norweger versetzten es in den Norden, die Isländer in die Gegend zwischen Winland und Grönland. Vgl. G. Storm, Arkiv f. nord. filologi 6, 340 ff. Im Mhd. wird _ginunge_ von der Hölle gesagt: _diu helle heiȥit ouch barathrum daȥ kît sƕarziu ginunge ƕan sie ginit biȥ an den jungisten tac_ (Benecke-Müller, Mhd. Wb. 1, 527). Dahin gehört wol auch nds. _ovelgünne_, ein Ausdruck für Hölle im Sinne von Übelloch; vgl. J. Grimm. Myth. 953; Schiller-Lübben, Mnds. Wb. 3, 248.

[638] Man vgl. Stellen wie Servius zu Ecl. 6, 31 ff.: _variae sunt philosophorum opiniones de rerum origine. nam alii dicunt omnia ex igni procreari ut Anaxagoras. alii ex humore ut Thales Milesius: unde est, Oceanumque patrem rerum. alii ex quattuor elementis ut Empedocles, secundum quem ait Lucretius: ex imbri, terra, atque anima nascuntur et igni. Epicurei vero nihil horum comprobant, sed dicunt duo esse rerum principia, corpus et inane.... et corpus esse volunt atomos ... inane vero dicunt spatium in quo sunt atomi. de his itaque duobus principiis volunt ista quattuor procreari, ignem, aerem, aquam, terram: ex his caetera...._ Dass das Chaos als leerer Raum, gähnender Schlund gefasst wird, mag im Bedeutungswandel des Wortes liegen; im späteren Latein wird Chaos im Sinne von chasma, hiatus gebraucht, Belege bei Forcellini, totius latinitatis lexicon Bd. 2; Lucas 16, 26 überträgt die Vulgata χάσμα μέγα mit chaos magnum. Die nordische Kosmogonie übersetzt solche naturphilosophische antike Anschauungen auf die heimische Naturumgebung, vielleicht im Anschluss an ältere Sagen, die wissenschaftlich gerechtfertigt werden sollen.