Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage
Part 110
======+================+=================+====== Proc. | Dens. | Diff. | Proc. | Dens. | Diff. ======+================+=================+====== 0 | 0,9992 | | 52 | 1,0631 | 1 | 1,0007 | +15 | 53 | 1,0638 | 7 2 | 1,0022 | 15 | 54 | 1,0646 | 8 3 | 1,0037 | 15 | 55 | 1,0653 | 7 4 | 1,0052 | 15 | 56 | 1,0660 | 7 5 | 1,0067 | 15 | 57 | 1,0666 | 6 6 | 1,0083 | 16 | 58 | 1,0673 | 7 7 | 1,0098 | 15 | 59 | 1,0679 | 6 8 | 1,0113 | 15 | 60 | 1,0685 | 6 9 | 1,0127 | 14 | 61 | 1,0691 | 6 10 | 1,0142 | 15 | 62 | 1,0697 | 6 11 | 1,0157 | 15 | 63 | 1,0702 | 5 12 | 1,0171 | 14 | 64 | 1,0707 | 5 13 | 1,0185 | 14 | 65 | 1,0712 | 5 14 | 1,0200 | 15 | 66 | 1,0717 | 5 15 | 1,0214 | 14 | 67 | 1,0721 | 4 16 | 1,0228 | 14 | 68 | 1,0725 | 4 17 | 1,0242 | 14 | 69 | 1,0729 | 4 18 | 1,0256 | 14 | 70 | 1,0733 | 4 19 | 1,0270 | 14 | 71 | 1,0737 | 4 20 | 1,0284 | 14 | 72 | 1,0740 | 3 21 | 1,0298 | 14 | 73 | 1,0742 | 2 22 | 1,0311 | 13 | 74 | 1,0744 | 2 23 | 1,0324 | 13 | 75 | 1,0746 | 2 24 | 1,0337 | 13 | 76 | 1,0747 | 1 25 | 1,0350 | 13 | 77 | 1,0748 | 1 26 | 1,0363 | 13 | 78 | 1,0748 | 0 27 | 1,0375 | 12 | 79 | 1,0748 | 0 28 | 1,0388 | 13 | 80 | 1,0748 | 0 29 | 1,0400 | 12 | 81 | 1,0747 | 1 30 | 1,0412 | 12 | 82 | 1,0746 | 1 31 | 1,0424 | 12 | 83 | 1,0744 | 2 32 | 1,0436 | 12 | 84 | 1,0742 | 2 33 | 1,0447 | 11 | 85 | 1,0739 | 3 34 | 1,0459 | 12 | 86 | 1,0736 | 3 35 | 1,0470 | 11 | 87 | 1,0731 | 5 36 | 1,0481 | 11 | 88 | 1,0726 | 5 37 | 1,0492 | 11 | 89 | 1,0720 | 6 38 | 1,0502 | 10 | 90 | 1,0713 | 7 39 | 1,0513 | 11 | 91 | 1,0705 | 8 40 | 1,0523 | 10 | 92 | 1,0696 | 9 41 | 1,0533 | 10 | 93 | 1,0686 | 10 42 | 1,0543 | 10 | 94 | 1,0674 | 12 43 | 1,0552 | 9 | 95 | 1,0660 | 14 44 | 1,0562 | 10 | 96 | 1,0644 | 16 45 | 1,0571 | 9 | 97 | 1,0625 | 19 46 | 1,0580 | 9 | 98 | 1,0604 | 21 47 | 1,0589 | 9 | 99 | 1,0580 | 24 48 | 1,0598 | 9 | 100 | 1,0553 | 27 49 | 1,0607 | 9 | | | 50 | 1,0615 | 8 | | | 51 | 1,0623 | 8 | | | | | 8 | | |
[Sidenote: Acetometrie.]
Der im Handel vorkommende Essig ist immer von sehr ungleichem Essigsäuregehalt. Aus seinem specifischen Gewichte lässt sich in dieser Hinsicht nicht schliessen, weil die anderen Bestandtheile der Flüssigkeit zur Vermehrung des specifischen Gewichtes beitragen und die Essigsäure wenig schwerer als Wasser ist. Zur Prüfung der Stärke des Essigs bleibt daher kein anderer Ausweg, als denselben mit Alkali zu sättigen.
Nach der gewöhnlichen, von =Otto= eingeführten Methode, wird der zu prüfende Essig mit Ammoniak neutralisirt, so lange bis die anfangs zugesetzte Lakmustinktur wieder blau wird. Obgleich diese Methode nicht absolut genau ist, weil es eine Eigenschaft der neutralen essigsauren Alkalien ist, alkalisch zu reagiren, so beeinträchtigt doch diese alkalische Reaction die Genauigkeit nicht in beachtenswerthem Grade. Das von =Otto= construirte =Acetometer= ist eine 36 Centimeter lange und 1,5 Centimeter weite, unten zugeschmolzene Glasröhre mit doppelter Theilung, einer untern einfachen, für den mit Lakmus gefärbten Essig und einer obern für die Probeflüssigkeit. Beim Gebrauche füllt man den Raum der Proberöhre bis zu einem gewissen Punkte mit Lakmustinktur, dann bis zu einem zweiten Theilstriche mit dem zu untersuchenden Essig und setzt nun nach und nach von der Probeflüssigkeit hinzu, bis die rothe Farbe der Flüssigkeit oben wieder blau geworden ist. Die Zahl, die den Stand der Flüssigkeit in der Proberöhre bezeichnet, giebt sofort den Gehalt des Essigs an Essigsäure in Procenten an. Die Genauigkeit des Resultates ist abhängig von der Sorgfalt, mit welcher man bei Bereitung der Aetzammoniakflüssigkeit zu Werke gegangen ist; diese Flüssigkeit muss genau 1,369 Proc. Ammoniak enthalten. Nach dem von =Mohr= angegebenen Verfahren nimmt man von dem zu prüfenden Essig, welchen man auf seinen Gehalt an Essigsäure (2C_{2}H_{4}O_{2} - H_{2}O = 102 / 2 = 51) prüfen will und der gewöhnlich ein spec. Gewicht von 1,010-1,011 hat, 5,04 Kubikcent. (denn 5,1 / 1,011 = 5,04) oder einfacher 5 K.-C., versetzt sie mit Lakmustinctur und titrirt mit Normalkali blau. Am besten nimmt man 10 K.-C. des Essigs und halbirt die verbrauchten K.-C. des Kalis.
=Beispiele.= 1) 10 K.-C. eines Würzburger Tafelessigs brauchten 11,8 K.-C. Kali; er enthielt demnach 5,9 Proc. sogenannter wasserfreier Säure oder 6,7 Proc. Essigsäure C_{2}H_{4}O_{2}; 2) 10 K.-C. eines theilweise aus Holzessig bereiteten Essigs erforderten 12,5 K.-C. Kali, welche entsprechen 6,25 Proc. wasserfreier Säure oder 7,3 Proc. Essigsäure C_{2}H_{4}O_{2}.
[Greek: b]) _Darstellung des Essigs aus Holzessig._
[Sidenote: Holzessig.]
Bei der trocknen Destillation des Holzes bleibt ein Theil des Kohlenstoffes als Kohle zurück und der Rest der Holzbestandtheile tritt theils in Gestalt von Gasen und Dämpfen -- Kohlenoxyd, Kohlensäure, Wasserstoff, leichten und schweren Kohlenwasserstoffen --, theils in Form condensirbarer Körper auf, welche letztere nach ihrer Verdichtung eine braungefärbte dicke ölige Flüssigkeit und eine wässrige Schicht unter derselben bilden. Die letztere (der =Holzessig=) besteht wesentlich aus wässeriger unreiner Essigsäure, etwas Propionsäure und Buttersäure, kleinen Mengen von Oxyphensäure (Brenzcatechin) und ausserdem Kreosot und dem alkoholähnlichen =Holzgeiste= (einem Gemenge von Methylalkohol, Aceton und essigsaurem Methyl), die braune, dickflüssige Substanz, der =Holztheer=, besteht aus einer Anzahl flüssiger und fester Körper, unter denen neben noch nicht näher untersuchten Brandharzen auch Paraffin, Naphtalin, Kreosot und mehrere flüssige Kohlenwasserstoffe wie Benzol, Toluol, Xylol u. s. w. auftreten. Die bei gut geleiteter Verkohlung gewinnbare Essigsäure beträgt höchstens 7-8 Proc. vom Gewichte des Holzes. Nach den Untersuchungen von =H. Vohl= kann auch der Torf unter Umständen zur Fabrikation von Essigsäure (und von Holzgeist) Anwendung finden. 10 Ctr. Torf lieferten 3 Kilogr. Essigsäure und 1,45 Kilogr. Holzgeist. Folgendes Schema zeigt die hauptsächlichsten Produkte, die bei der trocknen Destillation des Holzes sich bilden:
{ {Acetylen C_{2}H_{2} Xylol C_{8}H_{10} } { {Elayl C_{2}H_{4} Naphtalin C_{10}H_{8} } { {Trityl C_{3}H_{6} Kohlenoxyd CO } {[Greek: a]){Ditetryl C_{4}H_{8} Kohlensäure CO_{2} } {Leuchtgas {Benzol C_{6}H_{6} Methylwasserstoff CH_{4}} { {Toluol C_{7}H_{8} Wasserstoffgas H_{2} } { { Benzol C_{6}H_{6} { {Toluol C_{7}H_{8} { {Styrolen C_{8}H_{8} { {Naphtalin C_{10}H_{8} { {Reten C_{18}H_{18} { {Paraffin C_{20}H_{42} bis C_{22}H_{46} { { Holz { { {Carbolsäure C_{6}H_{6}O +--- {[Greek: b]){Phenole{Cresylsäure C_{7}H_{8}O | {Theer { {Phlorylsäure C_{8}H_{10}O | { a) { { | { Holzmasse { {Guajacole {Oxyphensäure C_{6}H_{6}O_{2} | { { { { +-{ b) { { { {C_{7}H_{8}O_{2} }[a] { Hygroskop.{ { {Kreosote{C_{8}H_{10}O_{2}} { Wasser { { { {C_{9}H_{12}O_{2}} { {Brandharze{ { } { { { { } { { { { } { { {Essigsäure C_{2}H_{4}O_{2} { {Propionsäure C_{3}H_{6}O_{2} { {Buttersäure C_{4}H_{8}O_{2} { {Valeriansäure C_{9}H_{10}O_{2} {[Greek: g]){Capronsäure C_{10}H_{12}O_{2} {Holzessig {Aceton C_{3}H_{6}O { {Essigsaures Methyl C_{3}H_{6}O_{2} { {Holzgeist CH_{4}O { {Phenole, Guajacole und Brandharze { {Kohlenstoff 85 Proc. {[Greek: d]){Hygroskop. Wasser 12 " {Holzkohle {Asche 3 "
[a] Verbindungen der Oxyphensäure und damit homologer Säuren mit Methyl[132].
[132] Nach =S. Marasse= (1868) ist das rheinische Buchenholztheerkreosot ein Gemenge von gleichen Theilen
Cresylsäure C_{7}H_{8}O (bei 203° siedend), und Guajacol C_{7}H_{8}O_{2} ( " 200° " ).
Letzteres aber ist der saure Methyläther der Oxyphensäure (C_{6}H_{5} / CH_{3})} O_{2}.
Der =rohe= Holzessig enthält nicht unbedeutende Mengen von Brandharz aufgelöst, ausserdem noch wie bereits erwähnt geringe Mengen von Phenolen und Guajacolen; alle diese Körper ertheilen dem Holzessig eine braune Farbe und den bekannten empyreumatischen Geruch und Geschmack, ihnen verdankt aber auch der rohe Holzessig seine ausgezeichnet antiseptische Eigenschaft. Dort, wo die Gewinnung von Holzessig Hauptsache ist, wendet man zur Destillation des Holzes eiserne Retorten an, denen ähnlich, die man bei der Leuchtgasfabrikation anwendet, in Frankreich zuweilen auch stehende Cylinder aus Schwarzblech (siehe Fig. 249). Ein solcher Cylinder _A_ hat in der oberen Hälfte eine Oeffnung _o_, an welcher der Vorstoss _B_ angeschraubt wird. Auf den Cylinder kommt der Cylinderdeckel, welchen man, sobald der Cylinder mit Holz angefüllt ist, festschraubt; der Cylinder selbst wird mit Hülfe des Kranichs _D_ in einen cylinderförmigen Ofen _B_ gebracht, welchen man mit dem steinernen Deckel _E_ verschliesst. Die durch Erhitzen des mit Holz gefüllten Cylinders sich entwickelnden Produkte gehen durch das Rohr _b_ (Fig. 250), welches mit dem Cylinder verbunden und zickzackförmig gebogen ist, durch den in dem Gestelle _d_ befindlichen Kühlapparat _c_, welchem durch _f_ kaltes Wasser zugeführt wird, während das Erwärmte bei _k_ abfliesst. Essig, Theer und Holzgeist condensiren sich und fliessen in den Bottich _g_, in welchem sich vorzugsweise der Theer absetzt; die leichteren Flüssigkeiten laufen durch _m_ nach dem Bottich _h_ ab. Die nicht condensirten brennbaren Gase werden durch das Rohr _i_ in die Feuerung geleitet, wo sie zu geruchlosen Produkten verbrennen und durch die dabei erzeugte Hitze erheblich zur Heizung des Cylinders beitragen, sodass in den späteren Stadien der Destillation kein Brennmaterial mehr nachgelegt zu werden braucht. -- In grösseren Fabriken benutzt man anstatt der hölzernen Bottiche in die Erde eingelassene gemauerte oder aus Cäment construirte Cisternen, von denen eine jede durch ein am obern Ende befindliches Rohr mit der nächstfolgenden communicirt. Hierbei sammelt sich die grösste Menge des Theers in der ersten Cisterne, während der Holzessig, von mechanisch darin schwimmendem Theer befreit, in die letzte Cisterne übergeht, von wo aus er der weitern Verwendung übergeben wird. Die Holzgasfabriken (nach =v. Pettenkofer='s Patent) erzeugen gegenwärtig nicht unerhebliche Mengen von Holzessig.
[Sidenote: Reinigen des Holzessigs.]
Der rohe Holzessig ist eine dunkelbraune klare Flüssigkeit von säuerlich theer- und rauchartigem Geruch und Geschmack. Man verwendet einen kleinen Theil des rohen Holzessigs zum Conserviren des Fleisches, von Holzwerk, Tauen etc.; der grösste Theil dient, theils um verschiedene essigsaure Salze darzustellen, welche in der Färberei und im Zeugdruck in grosser Menge verbraucht werden und dazu schon im unreinen Zustande verwendbar sind wie das holzessigsaure Eisen und die holzessigsaure Thonerde (Eisen- und Alaunbeize), theils zur Darstellung einer concentrirten Essigsäure (für industrielle Zwecke, z. B. für die Darstellung des Anilins aus Nitrobenzol) und essigsaurer Salze (namentlich Bleizucker), endlich und hauptsächlich zur Fabrikation von Tafelessig, welche indessen mit ökonomischem Vortheil nur in solchen Ländern ausgeführt werden kann, wo, wie in England, die Essigerzeugung aus alkoholischen Flüssigkeiten wegen der hohen Steuer äusserst kostspielig ist.
Unter den Mitteln, den _Holzessig zu reinigen_, ist, wenn man von der von =E. Assmuss= empfohlenen Filtration durch gröblich gestossene Holzkohle absieht, das einfachste die Destillation, die man gewöhnlich aus einer kupfernen Blase mit kupfernem Kühlapparate vornimmt. Zuerst geht eine gelblich gefärbte Flüssigkeit -- =roher Holzspiritus= -- über, die auf Holzgeist verarbeitet wird. Später wird das Destillat reicher an Essigsäure.
Die heutzutage angewendeten Methoden, dem Holzessig die letzten Antheile der brenzlichen Stoffe zu entziehen, zerfallen in zwei Abtheilungen, nach
[Greek: a]) =der ersten= geschieht die Reinigung des Holzessigs ohne Sättigung mit einer Base, nach
[Greek: b]) =der zweiten= dadurch, dass man ihn in essigsaures Salz verwandelt und daraus durch Destillation mit einer stärkeren Säure die Essigsäure wieder abscheidet.
Zu der _ersteren Art_ der Reinigung des Holzessigs gehören die von =Stoltze= herrührenden Vorschläge, von dem Holzessig, nachdem 10 Proc. abdestillirt und für sich als roher Holzspiritus aufgefangen worden sind, 80 Proc. durch Destillation zu gewinnen, und darin die brenzlichen Stoffe durch Oxydation (durch Ozon oder Chlor) zu zerstören. Die Reinigung des Holzessigs _nach der zweiten Art_ ist das gewöhnliche, in den Fabriken angewendete Verfahren; im Wesentlichen wurde es von =Mollerat= zuerst angegeben. Zunächst wird aus dem Holzessig durch Sättigen mit Kalk und Fällen der Lösung mit Glaubersalz Natriumacetat dargestellt, dieses Salz wird durch Krystallisation gereinigt und dann im trockenen Zustande so weit erhitzt, dass es selbst nicht zersetzt wird, die beigemengten Brenzstoffe aber verkohlt und unlöslich werden, worauf man das reine Salz durch Auslaugen von den Kohlentheilen trennt und daraus die Essigsäure durch Destillation mit Schwefelsäure wieder abscheidet. Anstatt des Natriumacetates wendet man häufig auch das =Kalksalz= zur Darstellung der Essigsäure aus dem Holzessig an, welches man durch Sättigen des Holzessigs mit Kalk und Abdampfen zur Trockne darstellt. Das trockne Salz wird geröstet, um in gleicher Weise wie bei dem Natriumsalze, die brenzlichen Stoffe zu zerstören. Zur Gewinnung der Essigsäure destillirt man (nach der vortrefflichen Methode von =C. Völckel= in Solothurn) mit Salzsäure. Die Destillation kann in einer Blase mit Helm aus Kupfer und einer Kühlröhre aus Blei, Zinn oder Silber vorgenommen werden. Auf 100 Th. Calciumacetates braucht man 90-95 Th. Salzsäure von 20° B. (= 1,16 spec. Gewicht). Der Gebrauch der Salzsäure statt der Schwefelsäure hat den Vortheil, dass eine Verunreinigung des Calciumacetates mit Harzen etc. nichts schadet, wenn nur das Calciumacetat bis zur Entfernung aller flüchtigen Substanzen ausgetrocknet worden war. Bei Anwendung von Schwefelsäure erhält man dagegen eine übelriechende Essigsäure, die viel schweflige Säure und ausserdem Zersetzungsprodukte der beigemengten Brandharze enthält.
[Sidenote: Der Holzgeist.]
Wenn die bei der trocknen Destillation des Holzes erhaltene saure Flüssigkeit im Grossen abdestillirt wird, so geht zu Anfang eine gelbe Flüssigkeit über, welche leichter ist als Wasser und einen ätherartigen, zugleich brenzlichen Geruch hat. Diese Flüssigkeit (=Holzspiritus=) besteht hauptsächlich aus =Holzgeist= (Methylalkohol CH_{4}O oder (CH_{3} / H)} O), Aceton und essigsaurem Methyl, ausserdem auch noch aus einer Reihe von Körpern, welche für den vorliegenden Zweck nicht weiter in Betracht kommen. Der =Holzgeist= wurde 1812 von =Taylor= entdeckt und lange Zeit als Brennmaterial für Spirituslampen verkauft; erst im Jahre 1822 wurde er von ihm als ein neuer Körper beschrieben. Der Holzgeist im reinen Zustande ist eine farblose Flüssigkeit von 0,814 spec. Gewicht, die bei 66° C. siedet. Er hat grosse Aehnlichkeit mit dem Alkohol, sowol in Bezug auf seine Eigenschaften als seine Zersetzungsprodukte und chemische Constitution, und kann als Brennmaterial für Lampen gebraucht werden, er verdunstet aber rascher und giebt weit weniger Wärme[133]. Man verwendet ihn ferner zur Schreinerpolitur und zu Harzfirnissen, wozu er jedoch schon ziemlich rein sein muss und wobei eine raschere Verdunstung ein Uebelstand ist. In England soll man ihn auch als berauschendes Mittel versucht haben, ohne dass er Unbequemlichkeiten gemacht habe. Die Anwendung des Holzgeistes hat bis jetzt in Deutschland, trotz vielfältiger Versuche, keine grosse Wichtigkeit erlangen können, theils weil er nur in kleinen Quantitäten producirt wird, theils auch, weil er, wenn er nicht gereinigt ist, den Alkohol nur unvollkommen ersetzt, daher billiger sein muss als dieser, was bei den umständlichen Reinigungsmethoden des Holzgeistes nicht wol möglich ist. Neuerdings verwendet man den Holzgeist in grosser Menge zur Herstellung von Methyljodür und -bromür, die in der Fabrikation von violetten und blauen Theerfarben Verwendung finden.
[133] 1 Gewichtstheil Alkohol giebt beim Verbrennen zu Kohlensäure und Wasser 7189 W.-E., Holzgeist dagegen nur 5307 W.-E.
Die Conservirung des Holzes.
[Sidenote: Allgemeines über Dauer des Holzes.]
Die =Dauer= des Holzes gegen die auf seine Zerstörung einwirkenden Einflüsse ist eine höchst verschiedene und weicht selbst bei einer und derselben Holzart, je nach Ursprung, Alter, Jahresringbreite, Splint und Kern sehr ab. Ferner verhalten sich die einzelnen Hölzer unter verschiedenen Umständen, im Freien, unter Dach oder im Wasser verbaut, keineswegs gleich. Buchenholz kann, wenn es fortwährend unter Wasser steht, Jahrhunderte lang dauern, eben so Eichenholz. Erlenholz dauert im Trocknen nur kurze Zeit, unter Wasser hat es dagegen grosse Beständigkeit. Das Holz der Edelkastanie besitzt, im Trocknen verbaut, die Dauer des Eichenholzes. Bei der grossen Verschiedenheit des Verhaltens der Holzarten und bei der Manichfaltigkeit ihrer Anwendung muss man die Dauer des Holzes betrachten:
1) je nachdem es in freier Luft, in feuchter oder nasser Lage der Fäulniss oder Zerstörung mehr oder weniger unterworfen ist;
2) oder durch verschiedene Insekten, welche zum grossen Theile im Larvenzustande in dem Holze leben, im trocknen Zustande mehr oder minder angegriffen wird.
Reine Holzfaser ist an sich nur wenig der Zerstörung durch die Zeit unterworfen. Wenn man aber dessenungeachtet wahrnimmt, dass das Holz mit der Zeit nachtheilige Veränderungen erleidet, so ist der Grund dieser Erscheinung in Substanzen zu suchen, welche der reinen Holzfaser fremd sind, aber dieselbe stets begleiten, nämlich in den Saftbestandtheilen, unter denen stets auch eiweissähnliche Körper sich finden. Diese Veränderungen treten bei den verschiedenen Hölzern nach kürzerer oder längerer Zeit ein. Am längsten widersteht sehr harzreiches Holz, da der Harzgehalt das Eindringen der Feuchtigkeit verhindert. Darauf folgen die Hölzer, welche sehr dichte Holzlagen haben und die eine die Fäulnis aufhaltende Substanz -- Gerbsäure oder Tannin -- enthalten wie die Eiche. Das Verhalten des mit Wasser völlig bedeckten Holzes ist ein sehr verschiedenes. Mehrere Holzgattungen wie Birke, Aspe, Linde und Weide werden im Wasser nach und nach dergestalt verändert, dass aller Zusammenhang aufhört und das Holz breiähnlich wird. In den Torfmooren trifft man nicht selten Stämme der genannten Holzarten, welche mit dem Spaten eben so leicht durchstochen werden können als die Torfmasse. Andere Hölzer erleiden im Wasser keine Veränderung und nehmen eine grosse Härte an, so die Eiche, Erle und Föhre.
Die Insekten greifen vorzüglich nur das trockne Holz an; einige leben jedoch auch im grünen Holze der Eiche. Der Splint wird im Allgemeinen leichter angegriffen als der Kern. Der Splint der Eiche ist dem Wurmfrasse am meisten ausgesetzt, wogegen der gesunde Kern des Eichenholzes wenig darunter leidet. Ulmen- und Aspenholz, eben so harzreiche Hölzer werden von den Insekten wenig angegriffen. Junge, an Saftbestandtheilen reiche Hölzer, zumal Stangen in der Rinde werden in der Luft bald vom Wurmfrass der Nagekäfer und Kammnagekäfer heimgesucht; am meisten suchen die Insekten Erlen, Weiden, Birken, Roth- und Hainbuchen heim.
Auf die grössere oder geringere Dauer haben gewisse Verhältnisse Einfluss, von denen wir im Folgenden einige der wichtigeren anführen wollen: a) die Umstände, unter denen das Holz gewachsen ist. In kälterem Klima erzeugtes Holz ist dauerhafter als das aus wärmeren Gegenden genommene. Armer Boden erzeugt dauerhafteres Holz als feuchter und an Pflanzennährstoffen reicher. Fichtenholz auf einem reichen Mergelboden gewachsen ist ausserordentlich verschieden von demjenigen, welches auf Felsen langsam erwuchs; b) die Verhältnisse, unter denen das Holz verbraucht wird, sind ferner von grossem Einflusse auf die Dauer des Holzes. Je wärmer und feuchter das Klima und die Temperatur des Ortes, wo das Holz sich findet, desto schneller tritt die Fäulniss ein; umgekehrt conservirt ein trocknes kaltes Klima das Holz ausserordentlich; c) die Zeit des Fällens. Winterholz gilt als dauerhafter als im Sommer gefälltes. Es ist deshalb auch in vielen Forstordnungen gesetzlich verboten, das Holz ausser der »Wadelzeit«, welche gewöhnlich vom 15. November bis zum 15. Februar geht, zu fällen.