Part 8
Nachdem das Papier aufgespannt worden, was ich beim Malen im Zimmer unbedingt empfehle, und nachdem es absolut trocken geworden ist, gilt es, das Darzustellende zu zeichnen. Die Zeichnung, welche sich lediglich auf Umrisse ohne Schatten beschränkt, ist hierbei von solcher Wichtigkeit, daß ich mich etwas umständlicher darüber zu verbreiten für nothwendig erachte, umsomehr, als Manche oberflächlich darüber hinwegeilen, in der Meinung, unter dem Malen würde sich alles finden und manches Undeutliche oder Unrichtige ließe sich noch verbessern, was aber in vielen Fällen zu Enttäuschungen führt. Eine korrekte Zeichnung dagegen erspart vieles Unangenehme und läßt eine weit sicherere Pinselführung zu, wodurch die Töne hell und klar bleiben. Die Umrißlinien zeichne man leicht, aber doch immer so sorgfältig, daß unbestimmte, vage Deutungen vermieden werden, sofern solche der Gegenstand an und für sich nicht schon mit sich bringt. Wolken zeichne man als sehr veränderliche Gegenstände nur äußerst leicht oder noch besser gar nicht, sondern gebe sie erst mit dem Pinsel. Die Ferne, Gebirg etc. ist ebenfalls nur leicht und zart zu geben, aber doch korrekt und mit nicht zu geraden Strichen. Ferne Gegenstände zeichne man stets nur in der allgemeinen Form, ohne Detail, wie z. B. bei Gebirg die Silhouette genügt. Beim Zeichnen von Bäumen hat man sich ebenfalls +bestimmter+ Umrißlinien zu enthalten und letztere sehr flüchtig zu geben, da die Ausladungen, wie überhaupt die äußeren Formen der Laubtheile eine eigenthümliche, durchaus freie, ungezwungene Pinselführung erfordern, welche sich, ohne das Gemälde zu schädigen, nicht an eine streng vorgeschriebene Linie binden läßt. Stämme und Aeste, soweit solche sichtbar, wie Gegenstände des Vordergrundes erfordern schon größere Berücksichtigung des Details. Besonders große Aufmerksamkeit bedingen aber architektonische Entwürfe, namentlich die Fenster, Thüren, Schornsteine, Giebel, sowie etwaige ornamentale Theile.
Stets vermeide man jedoch die Bleistiftstriche zu stark zu markiren; auch reibe man nicht allzuviel mit Gummi, da ein zu starker Gebrauch des letzteren die Textur des Papieres angreift.
Nachdem eine korrekte Zeichnung hergestellt ist, bereitet man in einem nicht zu flachen Porzellannäpfchen einen flüssigen blassen Ton von ~Yellow Ochre~, welchem man etwas ~Brown Madder~ zusetzt. Von diesem Ton, welcher eine schwache Orangefarbe besitzen muß, bereite man eine hinreichende Quantität, nehme dann einen breiten, flachen Pinsel und übergehe das ganze Bild mit diesem Ton. Das Brett bringe man in geneigte Lage, damit die Farbe nach unten zu fließen geneigt ist, halte den Pinsel stets gefüllt und führe solchen in leichten Strichen über die Fläche.
Das Bild erhält diesen Unterton aus dem Grunde, weil das weiße Papier in den hellsten Lichtern, besonders in denen der Luft, etwas roh wirkt. Es bleibt aber zu beachten, daß obiger Ton nur für helle Tagesbeleuchtung und sonnige Effekte geeignet ist, während bei Abendbildern oder düsteren Stimmungen ~Brown Madder~ vorherrschen muß. Statt der angegebenen Mischung lassen sich auch ebensogut ~Mars~ und ~Neutral Orange~ verwenden, welchem letzteren man für düstere Stimmung etwas ~Brown Madder~ zusetzt. Nachdem dieser Ton vollständig aufgetrocknet ist, ja nicht früher, übergeht man das Bild sanft mit flachem Pinsel und reinem Wasser, wodurch alle nicht in das Papier gedrungene Farbe entfernt wird. Man sehe darauf, daß dieser erste Ton sich vom weißen Papier nur schwach abhebe, außer bei Darstellung intensiv gefärbter Abendhimmel, wo er um mehrere Grade farbiger sein darf, da ein zu starker Orangeton bei normaler Beleuchtung das Blau der Luft vollständig zerstören würde. Häufigere Praxis wird indessen, wie überall so auch hier, der beste Lehrmeister sein.
+Anmerkung.+ Beim Malen nach der Natur verliere man keine Zeit mit Untermalen, wo es nicht gerade wünschenswerth oder unbedingt nöthig erscheint, wie z. B. bei Abendhimmeln.
7. Farbenmischung.
„Es fällt mir so schwer die richtigen Farbentöne durch das Mischen heraus zu bekommen“ ist eine Klage, welche man von Anfängern im Malen häufig zu hören Gelegenheit hat und mir selbst ist sie nicht erspart worden. Da die Natur so unendliche Verschiedenheit in den Farbentönen bietet und jeder dieser Töne mehr oder weniger von den zu unserer Disposition stehenden Farben abweicht, -- oder mit anderen Worten, da fast alles, was wir in der Natur sehen, gebrochene Töne zeigt, so ist die Klage in Bezug auf ihr Entstehen eine sehr verständliche. Wer sich +gründliche+ Kenntniß der Farbenmischung verschaffen will, dem rathe ich folgenden Weg. Er ist etwas umständlich, aber er führt sicher zum Ziele. Man lege ein aus gut geleimtem Papier bestehendes Heft an und liniire solches in Quadraten von etwa 1 Centimeter. In dieses Heft trage man alle in den Kapiteln über das Colorit angegebenen Farbenmischungen in etwa nachstehender Weise ein:
1. ~Cobalt~ und ~Rose Madder~ □ □ □
Das erste Quadrat kolorire man mit einem Ton, worin die erste Farbe, also ~Cobalt~, vorherrscht, in dem zweiten halte man die Quantität beider Farben gleich und im dritten sei die letztere Farbe im Ueberschuß und so fort. Dasselbe gilt auch von den Mischungen aus drei Farben, z. B. ~Cobalt~, ~Rose Madder~ und ~Yellow Ochre~. Hier sei im ersten Quadrate ebenfalls die erste Farbe im Ueberschuß, im zweiten die Quantität aller gleich und im dritten die letztere Farbe vorherrschend. Zur genauen Kenntniß der mit Mischung von +drei+ Farben zu erhaltenden Töne und zu einem +vollständigen+ und +klaren+ Einblick in die Natur der Mischungsverhältnisse gelangt der Anfänger jedoch besser auf folgendem Wege: Er fülle zehn Quadrate mit einer Mischung von drei Farben (1. 2. 3.) in folgenden Verhältnissen aus:
1. Quadrat die 3 Farben in gleichem Verhältniß, 2. „ 1 im Ueberschuß, 2 und 3 gleich unter sich, 3. „ 2 „ „ 1 „ 3 „ „ „ 4. „ 3 „ „ 1 „ 2 „ „ „ 5. „ 1 „ „ 2 weniger, 3 noch weniger 6. „ 1 „ „ 3 „ 2 „ „ 7. „ 2 „ „ 1 „ 3 „ „ 8. „ 2 „ „ 3 „ 1 „ „ 9. „ 3 „ „ 1 „ 2 „ „ 10. „ 3 „ „ 2 „ 1 „ „
Dabei ist zu beobachten, daß man die einzutragenden Töne nicht allzusehr verwässere; dieselben müssen zwar durchsichtig, aber immer noch ziemlich kräftig in der Farbe sein. Diese Arbeiten sind zwar etwas mühsam und ziemlich zeitraubend, aber für genaue Kenntniß der Mittel müssen solche als äußerst instruktiv bezeichnet werden und sind dieselben umsomehr zu empfehlen, als Gewöhnung an wenige konventionelle Töne für gewisse Zwecke, wie man es selbst in besseren Bildern leider noch immer findet, der künstlerischen Darstellung wenig angemessen ist.
8. Lasuren.
Unter Lasiren versteht man das rasche Uebergehen eines eigentlich bereits fertigen größeren oder kleineren Theiles eines Bildes oder eines einzelnen Gegenstandes, um die Farbe desselben entweder zu erhöhen, in der Wirkung herabzustimmen, oder um dieselbe überhaupt im Ton zu verändern. Zu diesem Zwecke bedient man sich einer +ziemlich flüssigen+ transparenten Farbe, welche in raschem Auftrag über die betreffende Stelle gelegt werden muß, damit die früheren Töne nicht gestört werden. Der Pinsel darf hiebei aber nicht mit Farbe überladen sein. Die Wirkung, welche durch diese Lasuren erreicht wird, ist in den meisten Fällen eine wesentlich andere, als diejenige, welche durch das Mischen der betreffenden Farben erreicht werden würde. So liefert z. B. I~ndian Red~ mit ~Rose Madder~ gemischt einen wesentlich anderen Ton als wenn ein Auftrag ersterer Farbe später mit letzterer lasirt wird.
Zu Lasuren eignen sich vorzugsweise die +leichten durchsichtigen+ Farben, wie Gummigutt, Indischgelb, ~Light Red~, die Krappfarben etc., doch können selbst schwere Farben und Deckfarben, wie Chromoxyd, ~Lemon Yellow~, ~Indian Red~, ~Cadmium~ bei genügender Verdünnung und gewandter Behandlung zu Lasuren verwendet werden. Häufige Anwendung findet die Mischung von ~Gamboge~ mit ~Rose Madder~, welche allen Tönen als Lasur einen +leuchtenden+ Charakter ertheilt.
II. Das Colorit.
In den nachfolgenden Kapiteln werde ich zu Anfang eines jeden eine Tabelle der für den betreffenden Gegenstand dienlichen Farben und Mischungen geben. Der Kenner wird keinen brauchbaren Ton vermissen, eher vielleicht zu große Ausführlichkeit finden. Ich bin aber absichtlich in Betreff der Angabe der Mischungen so ausführlich wie möglich gewesen, um dem strebsamen Dilettanten nichts vorzuenthalten. Wenn auch die Wenigsten alle von mir angegebenen Töne durcharbeiten werden, vielmehr der Eine sich mehr diese, der Andere sich mehr jene Reihe von Tönen in der Praxis aneignen wird, so kam es mir doch hauptsächlich darauf an, zu zeigen, +unter welchen Umständen+ und +in welchen Combinationen jede Farbe der Verwendung fähig ist+. Nur mit +vollständiger+ Kenntniß und Beherrschung des zu Gebote stehenden Materials ist es möglich, ein guter Colorist zu werden und bei Angabe nur der hauptsächlichsten Farbentöne wäre ich Gefahr gelaufen, den Weg zu dem verwerflichen +conventionellen+ Colorit zu bahnen, welches leider, besonders bei Dilettanten, noch allzuhäufig angetroffen wird. Nach Angabe der zu verwendenden Farbencombinationen werde ich dann in Fällen, wo es nothwendig erscheint, ganz besonders bei der Luft, das praktische Verfahren so eingehend, als es das geschriebene Wort zuläßt, erläutern, muß aber darauf aufmerksam machen, daß ich mit Angabe der Farben bei diesen technischen Anweisungen über Behandlung von Luft und Wolken keine +Normal-Rezepte+ zu geben beabsichtige, welche in +allen+ Fällen anzuwenden seien, vielmehr wollte ich mit diesen Darstellungen nur irgend welche Mittel zum Zwecke und ihre Anwendung ausführlicher erörtern.
Beim Mischen combinirter Töne mache man es zur Regel, mit der vorherrschenden Farbe zu beginnen und in geringer Menge die übrigen nach und nach, bis zur Erreichung des beabsichtigten Tones beizumischen. Die vorzugsweise brauchbaren Töne sind =fett= gedruckt.
A. Luft und Wolken.
1. Colorit.
Für Tageshimmel.
~=Cobalt=~ allein oder mit ~=Rose Madder=~ -- mit ~+Light Red+~, -- mit ~+Indian Red+~, -- mit wenig ~+Purple Madder+~, -- mit wenig ~+Indigo+~ und ~+Rose Madder+~.
Statt des ~+Cobalt+~ kann auch bei +sehr+ klarer Luft ~+French Blue+~ genommen werden, doch wird ~+Cobalt+~ in den meisten Fällen besser entsprechen. ~+French Blue+~ paßt +im Allgemeinen+ mehr für südliche Himmel.
~+Ultramarin Ash.+~
Obigen Tönen sehr wenig ~Permanent Chinese White~ zugesetzt gibt mehr Tiefe.
+Sehr+ zarte luftige Töne liefern:
~+Cobalt+~, ~+Rose Madder+~ und ~+Naples Yellow+~, eine besonders für neblige Effekte und schwüle Atmosphäre unersetzliche Combination.
~+Cobalt+~, ~+Rose Madder+~ und ~+Aureolin+~.
In der +Dämmerung+ kommen für die +oberen+ Theile der Luft in Betracht:
~+Cobalt+~ mit ~+Indigo+~.
~+Indigo+~ mit ~+Rose Madder+~ -- mit ~+Purple Madder+~ -- oder mit ~+Indian Red+~.
~+Indigo+~, ~+Cobalt+~ und wenig ~+Purple Madder+~ oder ~+Indian Red+~.
Für +mondhelle Nächte+ passen:
~+Indigo+~, +Schwarz+ und ~+French Blue+~ oder ~+Vandyke Brown+~.
~+Indigo+~ mit ~+French Blue+~ lasirt.
Für die +Wolken+ in Mondscheinlandschaften eignen sich vorzugsweise: ~+Lamp Black+~ mit ~+French Blue+~, dann ~+Sepia+~, ~+Brown Madder+~ und ~+Indigo+~. Der Mond selbst ist in blassem ~+Gamboge+~, und, wenn nahe dem Horizont, im unteren Theile in ~+Light Red+~ zu halten.
Für einfarbige, +graue+ Lüfte eignen sich außer den weiter unten für Wolken angegebenen Tönen besonders:
~+Cobalt+~ (oder ~Indigo~) mit ~+Sepia+~ und ~+Brown Madder+~.
(Für Wolken in solcher Luft: ~+Sepia+~, ~+Brown Madder+~ und ~+Indigo+~ -- etwas schattirt mit ~+Brown Madder+~ und ~+Cobalt+~.)
Für +Sonnenaufgang+ wie +Sonnenuntergang+ kommen in den verschiedenen Theilen der Luft in Anwendung:
~+Cobalt+~ mit ~+Indigo+~ -- mit ~+Rose Madder+~ -- mit ~+Purple Madder+~ -- mit ~+Vermilion+~ und ~+Yellow Ochre+~.
~+Yellow Ochre+~ allein oder mit ~+Light Red+~ -- mit ~+Indian Red+~ -- mit ~+Rose Madder+~ -- oder mit wenig ~+Indian Yellow+~.
~+Cadmium+~ mit ~+Indian Red+~ oder mit ~+Rose Madder+~.
~+Indian Yellow+~ allein oder mit ~+Yellow Ochre+~, -- ~+Roman Ochre+~, -- ~+Rose Madder+~, -- ~+Raw Umber+~, -- ~+Burnt Sienna+~, -- ~+Burnt Umber+~, -- ~+Vandyke Brown+~, -- oder ~+Brown Madder+~.
~+Gamboge+~ allein oder mit ~+Yellow Ochre+~, -- ~+Rose Madder+~ -- oder mit ~+Burnt Sienna+~.
~+Rose Madder+~ allein oder mit ~+Indian Red+~ -- oder mit ~+Purple Madder+~.
~+Naples Yellow+~ mit ~+Rose Madder+~.
~+Purple Madder.+~
~+Mars Orange.+~
+Töne für Wolken.+
Allgemeine Töne bei schönem Wetter.
~=Cobalt=~, ~=Rose Madder=~ und ~=Yellow Ochre=~. Herrliche, silbergraue Töne. Je nach den Mischungsverhältnissen 1. 3. 2. -- 2. 3. 1. -- 2. 1. 3. -- 3. 2. 1. liefern diese drei Farben die verschiedensten brauchbaren Nüancen.
~=Cobalt=~ mit ~=Light Red=~ (auch 2. 1. -- oder ~+French Blue+~ statt ~Cobalt~) zarte, luftig wirkende Töne.
~=Cobalt=~ und ~=Rose Madder=~ oder ~=Brown Madder=~ (auch für Schatten.)
~+Cobalt+~ und ~+Vermilion+~.
~+Lamp Black+~, ~+Light Red+~ und ~+Cobalt+~.
~+French Blue+~, ~+Lake+~ und ~+Burnt Sienna+~ (auch 2. 3. 1. -- 1. 3. 2. -- 3. 1. 2.) weniger zu empfehlen.
~+Brown Madder+~, ~+Yellow Ochre+~ und ~+Cobalt+~ für Mitteltöne.
~+Light Red+~, ~+Cobalt+~ und ~+Brown Madder+~, auch für Schatten.
+Töne für Wolken, deren Ton in’s Purpurne fällt.+
~=Light Red=~, ~=Rose Madder=~ und ~=Cobalt=~ liefert einen unermeßlichen Reichthum von Tönen.
~+Indian Red+~ und ~+Cobalt+~.
~+Brown Madder+~ und ~+Cobalt+~.
~Purple Madder~, ~Yellow Ochre~ und ~Cobalt~.
~Lamp Black~ mit ~Rose Madder~ oder mit ~Brown Madder~.
Für Töne von beträchtlicher Kraft ist ~+French Blue+~ anstatt des ~Cobalt~ zu verwenden, wenigstens stets in den letzten Aufträgen.
+Töne für Regenwolken, wie überhaupt für dunkeltönige Wolken, auch für Wolken in der Dämmerung und außer dem Bereich der Sonne.+ -- Siehe auch unter den Tönen für Gewitterwolken.
~=Indigo=~ mit ~=Light Red=~ oder ~=Indian Red=~. Sehr nützliche Combinationen.
~Indigo~ mit ~Brown Madder~ -- oder mit ~Lake~ und ~Sepia~.
~Indigo~, ~Indian Red~ und ~Yellow Ochre~.
~Indigo~, ~Indian Red~ und ~Rose Madder~.
+Töne für Wolken von kaltem Grau.+
~Cobalt~ (oder ~French Blue~) und Schwarz.
~=French Blue=~, ~=Lamp Black=~ und ~=Rose Madder=~. Zart.
~French Blue~, ~Blue, Black~ und ~Light Red~.
~French Blue~, ~Sepia~ und wenig ~Purple Madder~.
~Ultramarin Ash~ und ~Lamp Black~. Sehr zart.
+Töne für Gewitterwolken und stürmische Luft.+
~=French Blue=~ und ~=Lamp Black=~.
~=French Blue=~, ~=Lamp Black=~ und ~=Light Red=~, noch drohender.
Schwarz und ~Light Red~, sehr trüber, schmutziger Ton; auch für dunkle Stellen der Wolken passend.
~=Indigo=~ mit ~=Indian Red=~ oder ~Brown Madder~.
~Indigo~ mit ~Blue Black~ für schwere Güsse herabschüttende Wolken.
~Indigo~ mit ~Indian Red~ und ~Yellow Ochre~ -- mit ~Lamp Black~ und ~Lake~ -- mit ~Burnt Sienna~ und ~Lake~.
+Töne für Gewölk des Abend- und Morgenhimmels.+
~a.~ Für goldglänzende Wolken.
~Cadmium~.
~Indian Yellow~ allein oder mit ~Rose Madder~.
~Yellow Ochre~ allein oder mit ~Rose Madder~ -- oder mit ~Cadmium~.
~Gamboge~ allein oder mit ~Yellow Ochre~.
~b.~ Für orangetönige Wolken.
~Yellow Ochre~ und ~Indian Red~.
~Cadmium~ mit ~Indian Red~ oder mit ~Rose Madder~.
~Indian Yellow~ mit ~Rose Madder~ oder ~Light Red~.
~Mars Orange.~
~Gamboge~ mit ~Burnt Sienna~ oder mit ~Rose Madder~, letztere Combination zu Lasuren.
~c.~ Wolken in Scharlachtönen.
Hier kommen die oben aufgeführten Combinationen in Betracht, jedoch mit dem Unterschiede, daß +Roth+ vorherrschen muß, dann Lasuren von ~Gamboge~ mit ~Rose Madder~.
~d.~ Wolken in Carmoisintönen.
~Indian Red~ lasirt mit ~Rose Madder~.
~Light Red~ und ~Rose Madder~. Glühender Ton.
~Rose Madder~ mit wenig ~Purple Madder~ oder ~Lake~ verstärkt.
~Rose Madder~ mit ~Vermilion~.
~e.~ Purpurfarbige Wolken.
~Yellow Ochre~, ~Indian Red~ und ~Cobalt~.
~Indian Red~, ~Rose Madder~ und ~Cobalt~.
~Purple Madder~ und ~Cobalt~.
~Purple Madder~, ~Cobalt~, ~Indian Red~ und ~Lake~.
Für tiefe Töne nehme man statt ~Cobalt~ ~+French Blue+~.
~f.~ Schieferfarbiges Gewölk.
~Indigo~, ~Cobalt~ und ~Brown Madder~.
~Cobalt~, ~Sepia~ und ~Brown Madder~.
~Lamp Black~, ~Indigo~ und ~Indian Red~.
~Lamp Black~, ~Purple Madder~ und ~Cobalt~.
~g.~ Wolken von kalten, neutralen, grünlichen Tönen.
(Bei größter Entfernung von der Sonne.)
~Cobalt~ mit ~Burnt Umber~ oder mit ~Vandyke Brown~.
~Indigo~, ~Cobalt~, ~Yellow Ochre~ und ~Rose Madder~.
* * * * *
Der Lernende mache sich nach und nach mit sämmtlichen oben aufgeführten Combinationen praktisch bekannt, damit er gegebenen Falles nicht erst lange zu suchen braucht oder gar den gewünschten Ton nicht darzustellen vermag.
2. Technik der Anlage der Lüfte.
Die feine, naturwahre Darstellung der Luft in ihren verschiedenen Stimmungen -- besonders wenn sie an Farbentönen, Dunstschichten und Wolken reich ist -- oder sobald sie, wie bei Darstellungen von Seestücken, Wiesengründen oder flachen Gegenden, den größten Theil des Bildes einnimmt -- gehört zu den größten Schwierigkeiten der Aquarelltechnik, bildet aber zugleich einen ihrer hervorragendsten Reize. Wo dagegen die Luft nur einen kleinen Theil des Bildes einnimmt, ist sie von geringerer Wirkung und in den meisten Fällen auch von sehr leichter, mindestens einfacher Behandlung. Hauptsache ist Zartheit und Weichheit der Töne. -- Man darf nicht die +Farbe+, sondern nur die +Wirkung+, die +Luft+ sehen. Der Anfänger präge sich vorerst folgende allgemeine Bemerkungen ein:
1) Die Wolken zeichne man, sobald solche nicht allzu zahl- und formenreich sind, in der Regel +nicht+, da es bei solchen, in steter Veränderung begriffenen Dingen wie Wolken, auf +ganz absolute+ Wiedergabe der Formen in allen Einzelheiten nicht ankommt. Ist man jedoch genöthigt zu zeichnen, so skizzire man nur ganz flüchtig, nur ganz im Allgemeinen und +sehr leicht+, damit die Bleistiftstriche nicht später durch die Farbe sich in unangenehmer Weise dem Auge bemerkbar machen. Bleistifte mittlerer Härte sind am geeignetsten.
2) Die nöthigen Farbentöne bereite man, sobald man im Zimmer arbeitet, in Porzellannäpfchen in +flüssigem+ Zustande und in ausreichender Quantität, damit während der Anlage keine Unterbrechung eintritt, was unbedingt zu vermeiden ist. Man beginne stets mit sehr hellen Tönen -- ohne jedoch allzuviel zu wässern, da die Farben stets +heller+ auftrocknen -- und verstärke solche nach und nach, welche Behandlungsweise den Lufttönen ungemein zu Statten kommt.
3) Dasselbe Resultat läßt sich indessen auch erreichen, wenn man die ersten Farbenlagen etwas dunkler als nöthig hält, nach dem Trocknen mit breitem Pinsel die Luft mit reinem Wasser übergeht und dann die dunkleren Töne mit einem ganz weichen Schwämmchen vorsichtig wischt, wodurch die Töne erheblich gemildert werden. Ist nach dieser Operation das Bild wieder getrocknet, so werden nicht selten manche Stellen zu matt geworden sein, was durch Uebergehen mit leichten entsprechenden Tönen ausgeglichen wird. Die Wirkung wird dann ebenfalls eine zarte und luftige sein, jedoch ist dem Anfänger unbedingt das unter 2) angegebene Verfahren anzurathen.
4) Jeder aufgetragene Ton muß +vollständig+ getrocknet sein, bevor ein anderer Ton darüber gelegt werden darf. Unaufmerksamkeit in dieser Beziehung oder Mißachtung dieser Regel kann zum gänzlichen Verderben eines vielleicht schon weit vorgeschrittenen Bildes führen.
5) Zur Erreichung des zarten +Luft+tons auf Luft- und Wasserflächen ist es nothwendig, daß nach +jeder+ Farbenlage die Luft mit dem breiten Pinsel zart mit reinem Wasser übergangen wird, wodurch etwaige überschüssige Farbe und allenfallsige Härte weggenommen werden. Die übermäßige Feuchtigkeit wird sodann mittelst gelinden Aufdrückens einiger Lagen reinen Löschpapieres aufgesogen. Dieses Uebergehen mit Wasser muß übrigens auch bei ersten Anlagen +vor+ Auftrag einer Farbe angewendet werden, da sich anderfalls an den Grenzen der Farbentöne harte Ränder bilden.
6) Mit den Tönen für die Luft übergehe man stets auch Ferne und Mittelgrund des Bildes, und sobald Wasser vorkommt, auch dieses. Daß letzteres in Betreff der Waschungen ebenso wie die Luft behandelt wird, wurde bereits angedeutet.
7) Man bringe bei Anlage der Luft etc. das Brett in geneigte Lage, und beginne mit dem Auftrag der Töne +Oben+ und in +horizontalen+ Strichen. Der Pinsel muß stets von entsprechender Größe und +gefüllt+ sein. Das richtige Maß ergibt sich nach den ersten Versuchen von selbst. Ist der erste Ton, etwa einer blauen Luft, nach dem Trocknen zu schwach in der Farbe, so übergeht man solchen mit einem zweiten schwachen Ton. Die Zahl der einzeln aufzutragenden Töne richtet sich überhaupt einerseits nach der Mannigfaltigkeit der Farbentöne, andererseits nach dem Grade der Vollendung, welchen man dem Bilde zu geben beabsichtigt. Einfache Vorwürfe erfordern häufig nur einen einzigen Auftrag; complizirte dagegen in der Regel eine große Zahl.
8) Man beginne nie mit dem Detail des Vorder- oder Mittelgrundes, bevor die Luft vollendet ist, da es, besonders in den zahlreichen Fällen, wo der Mittelgrund grüne oder grünliche Töne zeigt, nach Anlage der grünen Töne nicht mehr räthlich ist, dieselben zu stören. +Kleinere+ Verstärkungen der Wolkenschatten oder des Blau können indessen später immer noch ohne Nachtheil ausgeführt werden, was sogar in den meisten Fällen bei Fertigstellung des Bildes noch nothwendig erscheint, während umfangreichere Aenderungen in der Luft in späteren Stadien der Arbeit nur in sehr seltenen Fällen ausführbar sind.
9) Die Wolken erfordern eine sehr aufmerksame, etwas abweichende Behandlung. Vor allen Dingen gilt es hier nicht formlos zu werden und bloße Flächen darzustellen, da Wolken eine, wenn auch feine, doch sehr bestimmte Modellirung erfordern. Die erste Anlage der Wolken sei eine breite, jeder folgende Auftrag aber beschränke sich auf kleineren Umfang. Auch enthalte der Pinsel nur wenig Farbe, damit keine Pfützen entstehen. Man bediene sich bei Modellirung der Wolken, d. h. bei dem Eingehen auf die Formen, nur der +Spitze des Pinsels+ und zwar in +Strichen von der Seite+, womit eine sehr erfreuliche Wirkung erzielt wird. Man erhält auf diese Weise schwache, aber immerhin bestimmte, um nicht zu sagen scharfe Striche mit vielen Lichtern dazwischen, welche die Wirkungen von +Wind+ veranschaulichen, wie sich überhaupt mit dieser Pinselführung alle eckigen Formen nach einiger Uebung sehr leicht wiedergeben lassen. Flach gehalten und von der Seite über die Fläche geschleppt oder absatzweise gezogen -- nur darf der Pinsel nicht mit Farbe überladen sein -- lassen sich besonders zerrissene Wölkchen mit großer Wahrheit darstellen und können solche auf keine andere Weise gleich wirkungsvoll erreicht werden.