Handbuch der Aquarellmalerei Nach dem heutigen Standpunkte und mit vorzüglicher Anwendung auf Landschaft und Architektur nebst einem Anhange über Holzmalerei

Part 4

Chapter 43,427 wordsPublic domain

Die übrigen in Katalogen und im Handel vorkommenden gelben Farben sind für unsere Zwecke entbehrlich und zum Theil höchst undauerhaft. Unter die ersteren gehört beispielsweise +Italienische Erde+, ~+Mars Yellow+~, ein schöner warmer nach Orange neigender, glanzvoller permanenter Ocker, -- unter die letzteren: ~+Gallstone+~, prachtvolle, tiefe Farbe -- ~+Italian Pink+~ -- ~+Yellow Lake+~ -- Schönfeld’s +Japanisches Gelb+ -- sowie die verschiedenen Nüancen von +Chromgelb+ und ~Stil de grain jaune~.

~Orange.~

+Allgemeines.+ Orange ist eine sekundäre Farbe und bildet den Uebergang von Gelb zu Roth, aus welchen beiden Farben sie zusammengesetzt ist. Je nachdem die eine oder andere derselben in der Combination vorherrscht, läßt sich eine lange Reihe von Uebergangstönen bilden. Ihr Charakter ist Wärme, welche mit Zunahme des Roth selbstverständlich gesteigert wird. Da Blau an der Zusammensetzung von Orange keinen Antheil hat, so ist es dessen Complementärfarbe und wirkt daher zerstörend auf dieselbe, was bei Anlage von Abendhimmeln zu beherzigen ist.

~Penley’s Neutral Orange.~

~W. & N. 1 ℳ. 54 ₰.~

Diese leuchtende Farbe ist aus ~Yellow Ochre~, ~Cadmium~ und ~Brown Madder~ zusammengesetzt und dient namentlich dazu, die Zeichnung vor dem Beginn der eigentlichen Anlage mit einem schwachen Orange-Tone zu übergehen, was, besonders in sonnigen Landschaften, gleich einen warmen, angenehmeren Grundton gibt als das weiße Papier. Der neutrale Charakter derselben dient zugleich, das spätere Blau der Luft etwas zu brechen, während die Farbe doch etwas durchschimmert und dem Bilde einen guten Lichtton verleiht. Man hüte sich, den Ton zu kräftig zu geben, in welchem Falle man nach dem Trocknen wieder mit Wasser abwaschen müßte, um das später aufzutragende Blau nicht zu zerstören. Wo übrigens der Himmel sehr rein ist und die Wolken absolut weiß erscheinen, läßt man diesen ersten Ton besser weg. Je nach der Abnahme des Lichtes mag indessen dieser Ton etwas verstärkt werden, wodurch die später aufzutragenden Töne mehr gebrochen werden. Auch für die erste Anlage entfernter Gebirge ist es brauchbar und liefert mit ~Rose Madder~ eine angenehme Reihe warmer, sonniger Töne. Mit ~Cobalt~ gemischt erhält man einen sehr brauchbaren, grünlichgrauen Ton für Schatten des Gebirgs und fernen Laubwerks. Mit ~Cobalt~ gebrochen liefert ~Neutral Orange~ auch sehr brauchbare Töne für Wege, welche alle Schattirungen zwischen Orange und Grau umfassen. Diese Farbe ist jedoch insofern entbehrlich, als man ihren Ton recht gut durch Mischung von ~Yellow Ochre~ mit etwas ~Brown Madder~ herzustellen vermag.

~Burnt Sienna.~

~W. & N. 1 ℳ. 3 ₰. S. & C. 35 ₰.~

Die gebrannte Sienna ist eine unentbehrliche, dauerhafte Farbe von großer Transparenz und Tiefe, welche allen Mischungen für das Grün und Braun der Vegetation eine natürliche, angenehme Wärme verleiht. Für Luft und Ferne ist sie dagegen nicht zu verwenden, indem ihr die der Atmosphäre eigenthümlichen Töne abgehen. In Mischung mit ~French Blue~ erhält man zahlreiche kalte und warme graue Töne für dunkle Interieurs und Hintergründe mit Figuren; sie besitzen sowohl Zartheit wie Tiefe. Dunkle Räume und Ecken, Thorwege und dergleichen übergeht man mit +transparenten+ Tönen dieser Combination und erhält man durch häufiges Wiederholen dieser Procedur einen sehr tiefen, aber doch transparenten Schatten. Mit Schwarz erhält man sehr schöne braune und mit ~Payne’s Grey~ eben solche für Schiffe und Boote sehr geeignete Töne. Für Architekturmalerei ist ~Burnt Sienna~ sehr werthvoll, denn in Combination mit ~Rose Madder~ und ~Cobalt~, oder mit ~Cobalt~ und ~Chrimson Lake~, oder mit ~French Blue~ und ~Rose Madder~, oder mit ~Indigo~ und ~Chrimson Lake~ erhält man endlose Verschiedenheiten von an Gebäuden, aber auch an Wegen und Ufern vorkommenden Tönen. Für alle Markirungen und Drucker von tiefem und sehr warmem Tone findet ~Burnt Sienna~ in Mischung mit ~Chrimson Lake~ und ~French Blue~ oder ~Indigo~, dick aufgesetzt, erfolgreiche Anwendung. Bei dieser Gelegenheit mögen einige Worte über tiefe Stellen und Drucker eingefügt werden. +Kein+ Strich oder Punkt, er möge noch so dunkel und tief in der Farbe sein, darf sich dem Beschauer eines Bildes als +schwarzer+ Fleck bemerklich machen. In der Natur kommt derartiges nicht vor, sondern nur Schattenwirkungen, welche dem Auge überhaupt keine Farbe zeigen. Alle sehr dunkeln Stellen müssen daher +warm+ im Tone gehalten werden, andernfalls sie an Transparenz verlieren und dem ganzen Bilde eine unangenehm wirkende Kälte geben. -- Für die Mischungen von Grün ist ~Burnt Sienna~ durch keine andere Farbe zu ersetzen, einerseits ihrer Transparenz, andererseits ihres kraftvollen Tones wie ihrer angenehmen Verarbeitung wegen. +Besonders+ werthvoll für Laubwerk aller Art ist sie in Combination mit ~Gamboge~ oder ~Indian Yellow~ und ~Blau~ (~Indigo~, ~French Blue~ oder ~Cobalt~); ebenso in Mischung mit ~Gamboge~ oder mit ~Indigo~. Zusatz von ~Sepia~ zu diesem Grün liefert feine olivenfarbige neutrale Töne.

~Mars-Orange.~

~W. & N. 5 ℳ. 14 ₰. S. & C. 45 ₰.~

Eine sehr schöne, permanente, transparente und tieftönige Farbe, welche ungeachtet vieler vortrefflicher Eigenschaften wenig verbreitet ist. Sie bietet glanzvolle Töne für Abendhimmel und +beleuchtete+ Berge, Felsen und Wege. Für Grün ist sie nicht brauchbar. Im Ton weicht sie von der vorigen Farbe ziemlich ab und schließt sich entschiedener an Roth an.

~Brown Ochre.~

~W. & N. 1 ℳ. 2 ₰. S. & C. 35 ₰.~

Ein permanentes, braunröthliches Gelb, welches besonders allein, oder in Mischung mit ~Brown Madder~, für sandigen Vordergrund zu empfehlen ist und mit ~Indian Yellow~ einen tiefen, glanzvollen Ton von großer Kraft für +Herbstlaub+ liefert. Sonst ist sie entbehrlich.

~Orange-Vermilion.~

~W. & N. 2 ℳ. 5 ₰.~

Der Orange-Zinnober ist eine permanente und unter Umständen sehr nützliche, dabei aber entbehrliche Farbe. Er findet hauptsächlich Anwendung für Draperien und Fleischtöne; für letztere besonders in der Staffage in Mischung mit ~Chinese White~, welche ausgezeichnete Töne für Gesichter, Hände und Füße liefert. Da beide Farben decken, so läßt sich mit ihnen eine reine und brillante Fleischfarbe auf jeden beliebigen farbigen, beziehungsweise fertigen Grund bringen.

* * * * *

Von den übrigen entbehrlichen Orange-Farben will ich nur erwähnen, daß ~Burnt Roman Ochre~ der ~Burnt Sienna~ in Ton und Tiefe zwar sehr ähnlich ist, letztere Farbe aber nicht zu ersetzen vermag, da ihm die nöthige Transparenz abgeht. Mehr in’s Rothbraune nach ~Brown Madder~ zu fallen +Gebrannte Italienische Erde+ und ~Laque Robert~ Nr. 7 (Schönfeld), ein Krapppräparat, welches im Ton an Mischungen von ~Chrimson Lake~ mit ~Brown Pink~ erinnert.

Roth.

+Allgemeines.+ Roth tritt stark vor. Gelb hebt feinen warmen Ton; mit Blau sinkt er ins Kalte. Als energische Farbe ist Roth jedoch weder durch Gelb noch durch Blau sofort zu verändern und bleibt gegen diese Farben lang in entschiedenem Uebergewicht. Durch Zusatz von wenig Blau geht Roth in das sogenannte +Carmoisin+ über, eine, hohe Pracht mit großer Tiefe vereinigende Farbe. Mit weiterem Zusatz, von Blau werden die Töne unruhiger und fallen dann in Violett. In sekundären Farben ist Roth bei der Zusammensetzung von Orange und Violett betheiligt, fehlt aber in Grün, dessen Complementärfarbe es ist. Die bedeutende Wirkung von Roth in einer Wald- oder Wiesenlandschaft ist durch keine andere zu ersetzen, aber man lasse sich nicht hierdurch veranlassen, in solchen Motiven zu verschwenderisch damit umzugehen, da deßfallsiger Mißbrauch die Lufttöne vernichtet.

~Light Red.~

~W. & N. 1 ℳ. 2 ₰. S. & C. 35 ₰.~

Diese Farbe wird aus dem feinsten hellen Ocker gebrannt und ist weniger ein absolutes Roth, als vielmehr ein sehr tiefes, gebrochenes Orange. Für Gebäude, Draperien und Vieh ist sie für sich allein oft mit Vortheil zu verwenden, während sie in Mischung mit ~Cobalt~ oder ~French Blue~ sehr schöne, luftige Töne liefert, welche sich für zarte, nebelige, dämpfige Effekte, sowie für Schönwetter-Wolken eignen. Durch Zusatz von etwas ~Rose Madder~ zu diesem Grau fällt es mehr ins Purpurne und eignet sich mehr für Ferne und Wolken überhaupt. Mit ~Indigo~ erhält das Grau einen grünlichen Ton (Lasuren von ~Light Red~ über Blau geben ebenfalls einen warmen grünlichen Ton) und mit mehr ~Indigo~ erhält man eine für getreue Darstellung von Regenwolken sehr brauchbare Farbe. Die verschiedenen Combinationen mit letzterem sind übrigens sämmtlich als Schattentöne für Gebäude, Steine, Wege und dergleichen sehr zu empfehlen. Auch für das Grün in Ferne und Mittelgrund läßt sich ~Light Red~ gut verwenden, in Mischung mit ~Blue Black~ und ~Brown Pink~ auch für Vordergrund und die Combination ~Light Red~, ~Indigo~ und ~Gamboge~ liefert ein sehr brauchbares graues Grün für Darstellung von Kiefern, welches, je nach der größeren oder geringeren Menge der letzteren Farbe, im Tone gehoben oder gemildert werden kann. In der Carnation findet ~Light Red~ zur Darstellung der Fleischtöne und Schatten ebenfalls erfolgreiche Anwendung. Dünne Lasuren von ~Light Red~ über Wolken und deren Lichter wirken oft sehr zart und fein.

Anstatt ~Light Red~ können auch die im Tone sehr ähnlichen Farben ~Venetian Red~ und ~Red Ochre~ in derselben Weise benutzt werden. Ich gebe jedoch ~Light Red~ den Vorzug, da sein Ton etwas mehr in’s Gelbliche neigt. Aehnlich aber etwas stumpfer in der Farbe ist das für Carnation brauchbare +Neapelroth+, welchem sich das in’s Braune neigende Braunroth anschließt. Letztere sind ebenfalls Eisenoxydfarben.

~Vermilion.~

~W. & N. 1 ℳ. 2 ₰. S. & C. 35 ₰.~

Zinnober ist das intensivste Roth und dient vorzugsweise für Draperien, ist aber zu allen rothen Gegenständen, namentlich Ziegeln, Backsteinen, Schiffstheilen etc. sehr brauchbar. Rein wird es selten benutzt. Von vielen englischen Malern wird es mit sehr schöner Wirkung in Mischung mit ~Indian Yellow~, ~Rose Madder~ etc. für glänzende Abendhimmel, und in Mischung mit Blau für Ferne und Wolken aller Art verwendet, von welch letzterem besonders die Mischung mit ~Cobalt~ sehr schöne graue Töne liefert. Als Deckfarbe fordert jedoch seine Verwendung in Mischungen für Lüfte bedeutende Geschicklichkeit, weßhalb ich solche nur geübteren Dilettanten, diesen aber mit vollster Ueberzeugung von seiner Brauchbarkeit in dieser Beziehung empfehlen kann. Schließlich liefert ~Vermilion~ in Combination mit ~Blue Black~ und ~Burnt Sienna~ äußerst naturwahre Töne für rostiges Eisenwerk jeden Grades.

~Rose Madder.~

~W. & N. 3 ℳ. 8 ₰. S. & C. 75 ₰.~

Der Rosa Krapp ist eine sehr werthvolle und unentbehrliche rosenrothe Farbe, welche früher durch ~Chrimson Lake~ und ähnliche flüchtige Cochenillfarben ersetzt wurde. Was daher früher mit letzteren Farben, besonders in helleren Tönen, gemalt wurde, hatte keinen Bestand; daher die vielen verblichenen Aquarelle aus früheren Zeiten. Die Anwendung von ~Rose Madder~ eingehend zu erörtern ist eine überflüssige Aufgabe, da diese Farbe fast überall Anwendung findet, besonders aber in den zarten Tönen der Luft, des Wassers und der Schatten, wo sie gewöhnlich in Mischungen mit ~Cobalt~ oder mit ~Cobalt~ und ~Yellow Ochre~ benutzt wird, und zwar nur in +zarten+ Tönen. Für tiefe und kraftvolle Töne ist ~Rose Madder~ nicht geeignet und muß in solchen durch ~Chrimson Lake~ oder ~Brown Madder~ ersetzt werden. Für Lasuren über Grün gilt das bei ~Brown Madder~ Erwähnte.

~Chrimson Lake.~

~W. & N. 1 ℳ. 54 ₰. S. & C. 45 ₰.~

~Chrimson Lake~ ist zwar keine dauerhafte, aber wo starke, +tiefe+ Töne erforderlich sind, dennoch sehr brauchbare Farbe, und umsomehr in Combinationen mit anderen Farben von Tiefe des Tons zu empfehlen, als sie in diesem Fall in Bezug auf Haltbarkeit wenig gefährdet ist. In zarten Tönen dagegen ist sie gänzlich zu meiden, da solche schon nach kurzer Zeit erblassen. Ihr eigentliches Feld sind die dunkelsten Stellen und die warmen, tiefen Drucker in Architektur, Felsen, Baumstämmen etc. Ueberall überhaupt, wo +starke+, tiefe und warme Farbe verlangt wird, findet sie ausgezeichnete Verwendung. Besonders häufig benutzt man sie in dicker Mischung mit ~Brown Pink~ und ~French Blue~ für diese Zwecke; und mit ~Burnt Sienna~ mit oder ohne Zusatz von ~French Blue~, erhält man eine sehr kräftige, heiße Farbe für Rindvieh, Pferde etc., wie auch für Draperien.

~Indian Red.~

~W. & N. 1 ℳ. 2 ₰. S. & C. 35 ₰.~

Dieses etwas deckende, tiefe, gebrochene Roth, welches angeblich in Bengalen aus sehr reinem, natürlichem Eisenoxyd bereitet wird, ist eine sehr starke Farbe und dient in Combination mit ~Indigo~ oder ~Cobalt~ namentlich für dunkle, neutrale Schatten, +fernes Gebirg+, +schwere Regen-+ und +Gewitterwolken+, sowie für die +tieftönigen+ Wolken bei +Sonnenuntergängen+, bei welch letzteren sie überdies weitere Anwendung findet. Für die genannten Zwecke ist sie sehr werthvoll; für andere dagegen kann sie durch ~Brown Madder~ ersetzt werden.

In Ton und Schwere stehen dem ~Indian Red~ nahe das ~Persian Red~, sowie das aus geglühtem Eisenvitriol erhaltene ~+Mars Red+~. Ersteres fällt mehr in’s Braune, letzteres mehr in’s Rothe. Noch mehr nach Braun und nebenbei noch nach Violett neigt ~Caput mortuum~, welches aus den Rückständen bei Fabrikation der Nordhäuser Schwefelsäure gewonnen wird.

~Brown Madder.~

~W. & N. 1 ℳ. 45 ₰. S. & C. 75 ₰.~

~Brown Madder~ ist ein permanentes Krapp-Präparat von sehr tiefer und dunkler, ins Braune fallender Farbe, welches besonders in gesättigten, tiefen Tönen des Vordergrundes und in allen dunklen Stellen äußerst brauchbar ist. Mit ~Cobalt~ oder ~French Blue~ gemischt erhält man sehr zarte Töne für Wolken, Ferne und Schatten von etwas tieferem Charakter als diejenigen, welche mit ~Rose Madder~ erhalten werden. Sehr schöne Schattentöne für Gebäude, Boote, Felsen, Steine etc. erhält man aus der Mischung mit ~Raw Umber~ und ~Cobalt~, welche, bedingt durch luftigen Ton, schon bei Vielen zur Lieblingsmischung geworden ist. Dünne Lasuren von ~Brown Madder~ über Grün geben letzterem nicht selten einen sehr +feinen+ Ton, was bei der schwierigen Wiedergabe +feiner+ grüner Töne sehr werthvoll ist. Schönfeld’s Brauner Krapp ist im Tone nicht identisch mit dem englischen ~Brown Madder~, sondern gehört zu den braunen Farben, während letzterem seither Schönfeld’s Madder-Braun entsprach, welcher Unterschied jetzt wegfällt, da diese Firma den braunen Krapp als entbehrliches Präparat fallen läßt.

~Purple Madder.~

~W. & N. 5 ℳ. 14 ₰. S. & C. 1 ℳ.~

Der Purpur Krapp ist permanent, von feinem, tiefem Ton und gebrochener, schon etwas in’s Blaue fallender Farbe. In leichten wie tiefen Tönen ist er gleich nützlich, obgleich nicht gerade unentbehrlich. Für röthlichgraue Schatten in Architekturen paßt er in Combination mit Blau oder Schwarz und Gelb, welche Combinationen auch sehr natürliche Töne für alte, verwitterte Strohdächer liefern. Als sehr schöne Schattenfarbe kann ich namentlich ~Indigo~, ~Purple Madder~ und ~Raw Sienna~ in Mischung empfehlen und als schöne tiefe und durchsichtige Combination für Interieurs und dunkle Ecken etc.: ~Purple Madder~, ~Burnt Sienna~ und ~Brown Pink~. Für Lasuren über Grün gilt das bei ~Brown Madder~ gesagte.

* * * * *

In den Farbenkatalogen kommen noch eine große Anzahl entbehrlicher rother, theils guter, haltbarer -- wie verschiedene weitere Krapp- und Zinnober-Präparate -- theils aber auch sehr flüchtiger Farben vor. Zu warnen ist namentlich vor einigen zu letzterer Klasse gehörenden, wie: ~Carmine~, ~Purple Lake~, ~Pure Scarlet~, ~Scarlet Lake~, ~Indian Purple~, von welchen jedoch letztere Farbe in +tieferen+ Tönen wie ~Chrimson Lake~ verwendet werden.

Was die übrigen Krappfarben betrifft, so kommen solche zwar für die Landschaft nicht in Betracht, sie können aber zum Theil für besondere Effekte in Staffage, in Stillleben, besonders für Draperien, wo ein recht tiefes Roth erwünscht ist, Anwendung finden, da sie mit großer Tiefe hohe Pracht vereinigen. Hierher gehören in erster Linie Schönfeld’s +Rothbrauner+ Krapp (75 ₰.) von sehr tiefer, leuchtender, zwischen ~Brown Madder~ und gebranntem Karmin stehender Farbe; sodann der noch leuchtendere, etwas hellere und ein wenig röthere ~+Rubens Madder+~ (~W. & N. ℳ. 1.45. S. & C. ℳ. 0.75.~)

Eine Farbe von äußerst feinem Ton ist der ganz hell rosenrothe ~+Pink Madder+~ von gleichem Preise, welcher auch für zarte, frische Fleischtöne paßt. Weniger tief im Ton als die beiden erstgenannten sind Schönfeld’s +Dunkler Krapp+, welcher sich dem ~Chrimson Lake~ nähert, sowie der zwischen letzterem und dem gebrannten Karmin stehende +Krappkarmin+, ~+Madder Carmine+~, während Schönfeld’s +Braunrother Krapp+ sich im Tone auffallend den Eisenfarben (~Light Red~ etc.) nähert, deren ~Van Dyk Red~ -- dunkler, geglühter Eisenvitriol -- dagegen sich wieder entschieden dem rothbraunen Krapp nähert, jedoch etwas brauneren Ton und stumpfere Farbe zeigt. Aehnlich in der Farbe verhält sich das etwas röthere, aber +nicht haltbare Pompejanischroth+ Schönfeld’s.

An die Eingangs genannten tieftönigen Krappfarben reiht sich noch ~Burnt Carmine~, gebrannter Carmin (~W. & N. ℳ. 3. 10. -- S. & C. ℳ. 1. --~), eine glühende Farbe von großer Tiefe für Draperien und dunkle Drucker und hier wenig gefährdet, sobald noch eine dauerhafte Farbe in die Mischung tritt.

Hier lassen sich auch am Besten einige Farben von ungewöhnlichem, ins Gelbe fallendem, feinem Tone einreihen, welche auch als Orange gelten könnten und an Figürlichem gelegentliche Verwendung finden dürften. Es sind ~Red Lead~, Mennig, und ~Jaune Capucin~ (~S. & C. 75 ₰.~), erstere etwas gelber, letztere etwas mehr ins Rothe fallend, sehr transparent, aber nicht ganz dauerhaft.

Blau.

+Allgemeines.+ Blau ist ruhig, kalt und lichtschwach. Es tritt zurück, stimmt alle warmen Töne herab und ist an der Bildung aller gebrochenen Farben und kalten Töne betheiligt. Es ist dem Auge angenehm und gibt der Landschaft im Allgemeinen eine poetische Stimmung, doch bemerke man, daß kräftiges Blau bei häufigerem Vorkommen sehr störend auf die Landschaft einwirkt. Wo immer zarte, ruhige Töne anzugeben sind, kommt Blau in Anwendung und ebenso verdanken dunkle, düstere Töne ihren Eindruck feiner Gegenwart. Durch Contrast macht Blau alles übrige heiter. Mit Gelb, von welchem es sofort verändert wird, bildet es Grün, mit wenig Roth Purpur. An der Bildung von Orange nimmt es nicht Theil, daher dies seine Complementärfarbe ist. Nebeneinander gesetzt bringen beide eine ziemlich starke Wirkung hervor.

In Folge seiner Lichtschwäche ist Blau die Farbe der Ferne, auf welcher Modellirung und Luftperspektive vorzugsweise beruhen.

~Ultramarine.~

~W. & N. 21 ℳ. 77 ₰.~ Vierteltafeln ~5 ℳ. 61 ₰.~

~NB.~ Es ist hier das ächte, aus Lasurstein bereitete gemeint. Das in den französischen Farben vorkommende und von Schönfeld fabricirte „~Ultramarin~“ gehört unter die folgende Farbe, da dies künstliche, nach der chemischen Analyse des ächten Ultramarin verfertigte Fabrikate sind.

In Reinheit der Farbe und Transparenz wird das ächte Ultramarin, welches selbstverständlich dauerhaft ist, von keiner anderen Farbe erreicht, allein ungeachtet dieser Vorzüge stehen zwei sehr gewichtige Eigenschaften seiner allgemeineren Anwendung entgegen. Die erste ist der Preis, die zweite seine schwierige Behandlung, da es große Neigung zu einem feinkörnigen Niederschlage zeigt, von welcher selbst die feinste Zubereitung es nicht gänzlich zu befreien vermag, und seine Anwendung aus diesem Grunde große Vorsicht und Gewandtheit verlangt. Ein dünner Auftrag über ~Cobalt~ gibt der Luft eine beträchtliche Tiefe und der Ferne überhaupt einen leuchtenden Charakter. In Werken von hoher Vollendung und wo in Draperien große Pracht erfordert wird, ist seine Anwendung zu empfehlen; für weniger wichtige Fälle aber ersetze man es durch ~French Blue~.

Die bei der Bereitung des Ultramarin bleibenden Rückstände liefern eine sehr schöne blaugraue Farbe von feinem, wärmerem Ton, und, je nach dem Grade der Auslaugung, verschiedener Schattirung, welche als „~Ultramarin-Ash~“ --~ W. & N. 5 ℳ. 14 ₰. S. & C. 3 ℳ.~ -- im Handel vorkommt. Sie ist bei Luft und Ferne in gewissen Fällen recht erwünscht, im Ganzen aber entbehrlich.

~French Blue.~

~W. & N. 3 ℳ. 8 ₰. S. & C. 75 ₰.~ (~Ultramarin.~)

Diese schöne, unentbehrliche, kräftige, permanente, im Ton dem ächten Ultramarin sehr ähnliche Farbe, welche nach der Analyse des letzteren bereitet ist, ist sehr angenehm im Arbeiten und da sie weit tiefer im Ton ist als ~Cobalt~, so kommt sie in Anwendung, wo dieser nicht ausreicht, sowohl in Luft und Ferne, als im Vordergrunde, besonders bei Bäumen und Architekturen, sowie in Draperien. Sie liefert sehr zartes, wie sehr starkes Grau, und da sie Körper und große Durchsichtigkeit besitzt, so eignet sich ihr Grau in besonderer Weise für Felsen und Steine. Für Bäume und die Vegetation des Vorder- und Mittelgrundes ist sie dem Indigo insofern vorzuziehen, als sie in tieferen gesättigten Tönen immer noch ihre leuchtende Kraft bewahrt, während Indigo in solchen sehr leicht zu Schwärze neigt.

~Cobalt.~

~W. & N.~ 2 ℳ. 5 ₰. ~S. & C.~ 75 ₰.

Ein sehr schönes, permanentes, zartes und reines Blau, dessen leichter, angenehmer Auftrag es, abgesehen von seinen ausgezeichneten Tönen, dem Maler unentbehrlich macht. Bei ~Rose Madder~ habe ich bemerkt, es sei überflüssig in eine detaillirte Aufzählung seiner Anwendung einzugehen. Dasselbe gilt auch von ~Cobalt~. ~Cobalt~ ist für jeden Ton brauchbar, welcher Blau enthält, ausgenommen jedoch, wo ein dunkeles Blau oder große Tiefe und Kraft verlangt wird, in welchem Falle ~French Blue~ eintreten muß. In Luft, Ferne, Wasser, Vegetation (besonders der Ferne), Architektur, Gestein und Boden findet ~Cobalt~ allein oder in Combination Anwendung. Für das Grün der Ferne ist zu empfehlen ~Cobalt~ in Mischung mit ~Yellow Ochre~ mit wenig Wasser und möglichst trockenem Pinsel aufzutragen. Mit Zusatz, von etwas ~Chinese White~, in derselben Weise aufgetragen, eignet sich vorerwähnte Mischung auch zur Wiedergabe der Configurationen entfernter Gebirge, wobei die Anwendung des Pinsels +von der Seite+ eine sehr entsprechende Wirkung hervorbringt. Unbestimmte Formen werden sehr vortheilhaft in dieser Weise gegeben und einige kleine Stellen der Ferne in reinem Blau erhöhen dann das allgemeine Grau. Mit ~Rose Madder~ gibt ~Cobalt~ sehr schöne perlgraue Töne und mit ~Light Red~ sehr brauchbare Schatten für Wolken etc. Dieselben Töne sind als Lasuren sehr geeignet, allenthalben zu warme Töne herabzustimmen. Wo ~Cobalt~ zu blau und kalt wirkt, wird sein Ton durch dünne Lasuren von ~Light Red~ etc., ~Burnt Sienna~ oder ~Terra Verte~ erwärmt.

* * * * *

Wohl in Farbe, aber nicht in Haltbarkeit stehen ~+New Blue+~ und +Pariser Blau+ dem ~Cobalt~ sehr nahe. Haltbare Farben dagegen sind drei neuere dem ~Cobalt~ verwandte Farben, +Blau Oxyd+, ~+Coelin Blau+~ (~Bleu céleste~) und +Grünblau Oxyd+. Erstere und letztere -- im Wesentlichen Chrom-Cobaltoxyde -- gehören zu den theuren Farben (~S. & C.~ ℳ. 1. 50). +Blau Oxyd+ ist etwas tiefer im Ton als ~Cobalt~, hat aber einen Stich ins Grünliche, welches bei dem dessenungeachtet in Lüften verwendbaren ~+Coelin Blau+~ noch etwas ausgesprochener auftritt. Grünblau Oxyd fällt dem Namen entsprechend in die Combination von ~French Blue~ und ~Emerald Green~, kann aber in Landschaft und Marine für Wasser und gewisse Stimmungen, nebenbei auch in Stillleben Anwendung finden.

~Indigo.~

~W. & N.~ 1 ℳ. 2 ₰. ~S. & C.~ 35 ₰.