Part 3
Die Kataloge der Farbenfabrikanten enthalten eine große Anzahl theils ganz entbehrlicher, theils für unseren speziellen Zweck mehr oder weniger unnöthiger Präparate, welche zum Theil lediglich durch Mischung oder auch durch geringfügige Nüancirung längst bekannter gewonnen worden sind. Indessen kommen nicht selten Fälle vor, wo es sehr angenehm ist, eine bestimmte Farbennüance in größerer Menge, also als fertige Farbe zu besitzen, besonders im Genre und Stillleben, überhaupt da, wo es sich um glanzvolle Darstellung handelt, da zu vieles Mischen den Glanz der Farbe beeinträchtigt und daher Combinationen von mehr als drei Farben nur in einzelnen Fällen statthaft erscheinen, beziehungsweise zu vermeiden sind. Die nachstehend ausgeführten Farben sind solche, welche in Landschaft-, Marine- und Architekturmalerei vorzugsweise Anwendung finden und ist keine hierher gehörige ausgelassen worden. Wie sehr auch manche derselben anderen ähnlich sehen, so sind solche dennoch in mancher Beziehung sehr verschieden, besonders in Bezug auf Transparenz, Ton, Art des Auftrags und Haltbarkeit. Zur Annehmlichkeit der Interessenten habe ich jeder Farbe die Preise von ~Winsor & Newton~ (~W. & N.~), welche auch für ~Ackermann~ gelten und ~Schönfeld & Co.~ (~S. & C.~) beigesetzt. Erstere beziehen sich auf ganze Täfelchen, ganze Näpfchen (~Pans~) und Tuben --, halbe Täfelchen und Näpfchen kosten die Hälfte --; letztere (~S. & C.~) auf Tuben und ganze Näpfchen; halbe Näpfchen kosten hier etwa zwei Drittel des Preises.
Um der möglichsten Vollständigkeit zu genügen, habe ich indessen auch die für unsere Zwecke entbehrlichen Farben überall, wo es passend schien, nach Namen und Farbennüancen eingereiht, da sich unter solchen immerhin einzelne finden, welche für gewisse Zwecke hier und da wünschenswerth erscheinen können.
Alle Farben kommen zwischen den zwei Endpunkten Licht und Finsterniß -- Weiß und Schwarz zur Erscheinung.
Weiß.
+Allgemeines.+ Weiß ist Licht, Abwesenheit jeder Farbe und steht blassem Gelb am nächsten. Der schwächste Farbenauftrag wird durch Weiß nicht verändert, weßhalb es als Malgrund von hohem Werth ist. Während alle anderen Farben durch die Ferne bald neutrale Töne annehmen, bleibt Weiß am längsten unverändert. Es tritt daher vor, d. h. es bringt die betreffenden Gegenstände dem Auge näher. In Combination mit Gelb hat es dieselbe Eigenschaft, nicht aber in derjenigen mit Roth. Mit Blau und Schwarz tritt es zurück und gibt jenen Farben Lufttöne. Sehr werthvoll unter Umständen ist seine Anwendung im Vordergrund, da es durch seinen Gegenwerth alle anderen Farben hebt. Absolutes Weiß kommt indessen in Gemälden selten und dann nur mit letzterer Absicht vor, indem reichlichere Anwendung einen matten Gesammtton und kreidiges Ansehen zur Folge hat. Grelle Lichter sind überhaupt stets wenig umfangreich und finden sich nur an vorstehenden Kanten und Ecken, ebenso wie ganz tiefe, dunkle Stellen immer nur klein sind. Neben einander gesetzt werden sie zu den stärksten Contrasten und verleihen bei sinnreicher Anwendung bedeutende Kraft. Die Anwendung dieser Farbe verlangt daher Ueberlegung.
~Permanent Chinese White.~
~W. & N. 1 ℳ. 3 ₰. S. & C. 35 ₰.~
Von den verschiedenen Arten Weiß ist dieses aus schwefelsaurem Baryt bestehende das einzige, welches im Aquarell Anwendung findet und verdient, da die übrigen aus Bleipräparaten bestehenden weißen Farben im Aquarell bald durch den in der Atmosphäre enthaltenen Schwefelwasserstoff getrübt und später schwarz werden, weil sie nicht, wie auf den Oelgemälden durch den Firniß von der Luft abgeschlossen sind.
Das chinesische Weiß ist dauerhaft, besitzt Körper, läßt sich angenehm verarbeiten und mischt sich leicht mit den anderen Farben. Um eine vollkommene Wirkung zu erzielen, erfordert seine Anwendung aber Geschick und Ueberlegung. Man merke, daß, wo man es immer verwenden mag, der Beschauer nur den +Effekt+ sehen darf, nicht aber, daß dieser Effekt durch +Chinesisches Weiß+ hervorgebracht worden ist.
Ich bemerke noch, daß es mir wohl bekannt ist, daß viele Künstler den Gebrauch desselben, als dem Aquarell nicht entsprechend, verwerfen; allein dieselben würden nach öfterer Besichtigung guter englischer Aquarelle anderer Ansicht werden.
Mit besonderem Erfolge benutzt man es in folgenden Fällen:
1. Luft, Wolken und Ferne werden durch Zusatz von sehr wenig Weiß zu der betreffenden Mischung, wenigstens in den letzten Aufträgen, im Luftton sehr verstärkt.
2. In allen Fällen, wo durch häufiges Waschen oder Ueberarbeiten unreine, gequälte Farbentöne entstanden sind, gibt ein wenig Weiß, zu dem gewünschten Ton gemischt und über die betreffende Stelle gelegt, die Farbe in einer Frische wieder, welche alle Erwartung übertrifft.
3. Wo man im Vordergrund helle Gegenstände, wie Mauern etc. zu malen hat, mischt man zu den grauen, röthlichen oder gelblichen Tönen ein wenig Weiß, welches letzteren Körper gibt. Der dadurch erzielte Effekt ist ein sehr naturwahrer, während ohne Weiß behandelt die betreffenden Gegenstände nicht selten sehr matt und flach aussehen. -- Auch wo zwischen Steinen der weiße Mörtel sichtbar ist, bringt Weiß mit spitzem Pinsel dick und mit kecken Strichen eingesetzt oft günstigere Wirkung hervor, als ausgesparte, ausgewischte oder radirte Lichter. Doch hüte man sich vor +übermäßiger+ Anwendung.
4. Kleinere Steine von heller Farbe auf Rasen etc. spare man nicht aus, sondern setze sie nach Beendigung des Untergrundes mit Weiß zu dem betreffenden Ton gemischt auf.
5. Kleinere Figuren, Vieh etc., deren Aussparen der einheitlichen Behandlung des Grundes Eintrag thun würde, setzt man bei Beendigung der Arbeit mit Weiß dick auf und colorirt nach dessen gänzlichem Trocknen vorsichtig mit den nöthigen Tönen, ohne jedoch zu viel zu wischen.
Für diejenigen Fälle, wo Weiß ohne Zusatz aufgesetzt wird, ist es räthlich, der Farbe, wie sie aus der Zinnkapsel gedrückt wird, eine unbedeutende Kleinigkeit Wasser zuzusetzen und sie damit auf der Palette zu verreiben, da die Farbe ohne diesen Zusatz meist etwas zu zähe ist. Ist die Farbe aber ganz frisch, so bedarf es dieses Zusatzes in der Regel nicht. Die Praxis wird bald auf die richtige Consistenz leiten.
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Anstatt des ~Permanent Chinese White~ läßt sich in Fällen wo absolutes Weiß nicht erforderlich ist, auch das stark deckende, blaßgelbe ~Jaune brillant~, mit gleicher Wirkung verwenden. Es ist dies eine aus Neapelgelb, Weiß und Schwefelkalium bereitete Mischfarbe, von welcher man mehrere Nüancen hat, welche für helle, sehr leuchtende Stellen hier und da Verwendung finden können.
Gelb.
+Allgemeines.+ Gelb ist mit Weiß am nächsten verwandt und bildet in blassen Tönen den Uebergang von Licht in Farbe. Es tritt vor und wird von der Ferne ebenfalls wenig alterirt. Gelb ist eine warme Farbe und wo ein Gemälde warme Töne verlangt, bildet es in Verbindung mit rothen Tönen ein Hauptmittel zur Darstellung derselben. Es contrastirt mit Violett, findet in den meisten gemischten Tönen Anwendung, und ist sehr empfindlich gegen Blau, von dessen geringster Menge es sofort verändert wird.
~Yellow Ochre.~
~W. & N. 1 ℳ. 3 ₰. S. & C. 35 ₰.~
Gelber Ocker ist permanent, von großer Brauchbarkeit und +unentbehrlich+. Er macht sich vorzugsweise in Ferne und Mittelgrund nützlich, theils weil sein Gelb ein gebrochenes ist, theils weil er schwach deckt. In schwachen Tönen ist er von großer Schönheit und bringt das herrschende Licht in das Bild, da er in Mischung mit ~Rose Madder~, ~Brown Madder~, ~Light Red~, ~Indian Red~ und ~Vermilion~ jeden nur wünschenswerthen warmen Ton für die Lichter von Luft, Wasser, Wolken, Bergen, Gebäuden, Felsen, Steinen, Bäumen etc. hervorbringt. Ein sehr schönes, luftiges Grau entsteht bei Zusatz, von ein wenig ~Yellow Ochre~ zu der Mischung von ~Cobalt~ mit ~Rose Madder~. Mit ~Cobalt~ oder ~French Blue~ gemischt liefert er eine Reihe sehr weicher brauchbarer Töne für das Grün der Ferne, welchen man, um sie etwas zu brechen, ein wenig ~Rose Madder~ oder ~Light Red~ zusetzen kann. Je nach dem Ueberschuß des Blau oder Gelb lassen sich eine Unzahl von Tönen darstellen. Der eigenthümliche Charakter des gelben Ocker als halbe Deckfarbe, sowie sein in jedem Grade von Consistenz lichter Ton ermöglichen das Grün aus der Mischung mit ~Cobalt~, nach Art der Oeltechnik, ganz entschieden und kräftig aufzutragen, was immer wünschenswerth ist, wenn die Formen so verschwommen sind, wie es in der Ferne meistens der Fall ist. Den zur Herstellung des Grün im Vordergrunde dienenden Farben zugesetzt, verleiht ~Yellow Ochre~ bei der Untermalung Kraft und Körper. Für Gras etc. ist er ebenfalls gut zu verwenden und zwar liefert er in Mischung mit ~Gamboge~ und wenig ~Cobalt~ oder ~French Blue~ sehr brauchbare Töne für sonniges Grün. So sehr er aber für die Mischung des Grüns der Ferne paßt, so ist er doch für das Grün des Vordergrundes +allein+, d. h. ohne Zusatz eines anderen Gelb +nicht+ zu verwenden; da ihm hierzu die nöthige Frische, Leichtigkeit und Durchsichtigkeit fehlt; dessenungeachtet ist er als Hülfsfarbe für erste Anlage des grünen Vordergrundes, z. B. ~Yellow Ochre~ mit ~Gamboge~, sehr werthvoll. Mit wenig ~Indigo~ gemischt und mit wenig Wasser behandelt, liefert er ein für Weidenbäume sehr passendes Grün, welches auch im Vordergrund angewendet werden kann. Für sich allein wie in Mischung mit ~Vermilion~, ~Light Red~ und ~Burnt Sienna~ liefert ~Yellow Ochre~ schließlich sehr geeignete Töne für Vieh, Schiffe, Segel etc.
~Roman Ochre.~
~W. & N. 1 ℳ. 3 ₰. S. & C. 35 ₰.~
Der römische Ocker ist ein tiefes, stark gebrochenes Gelb und etwas dunkler als der gelbe Ocker. Er dient hauptsächlich für farbiges Segelwerk, Architektur, sowie für sanfte, tiefe grüne Töne des Mittelgrundes. Mit Schwarz liefert er viele sehr brauchbare Töne für Mauern und Felsen, welche durch Zusatz von ~Rose Madder~ noch mehr nüancirt werden können. Im Ganzen ist er entbehrlich.
Aehnlich in der Farbe verhalten sich die übrigen Ockerarten, so Goldocker und ~Ochre de Rue~, letzterer weniger transparent und brauner im Ton als ~Yellow Ochre~.
~Gamboge.~
~W. & N. 1 ℳ. 3 ₰. S. & C. 35 ₰.~
Es ist zu empfehlen, diese Farbe +roh+ in einer Droguenhandlung zu kaufen. Man nehme nur Prima Qualität, welche in dicken, walzenförmigen Stücken von rothgelber Farbe und krustenartiger Außenseite im Handel vorkommt.
~Gamboge~ (Gummigutt) ist ein reines und besonders in seinen Mitteltönen sehr brillantes und transparentes Gelb welches häufigste Anwendung in den Mischungen der grünen Töne findet, außerdem aber auch für helle Töne in Abendlüften geeignet ist. Für kalte Lichter der Vegetation im Allgemeinen erhält man sehr reine Töne durch Zusatz von ~Emerald Green~, welcher Ton auch zum Herabstimmen von gebrochenem Grün sehr dienlich ist. In hohem Grade geeignet für sonniges Grün des Vordergrundes, namentlich für Grasflächen, ist die Mischung von ~Gamboge~ mit etwas ~Green Oxyde of Chromium~ (Chromoxyd), ein sehr naturwahrer, brillanter Ton, welchem sich die Mischungen mit ~Cobalt~ und ~French Blue~ anreihen. Selbstverständlich ist, daß in diesen Mischungen ~Gamboge~ stets mehr oder weniger stark vorherrschen muß. Mit ~Indigo~ gemischt sinkt es im Ton und geht durch Zusatz von Schwarz in Olivengrün über. Auch in Mischung mit ~Neutral Tint~ liefert es ein sehr brauchbares, ruhiges Grün für Vorder- und Mittelgrund. Sehr beliebt seit Jahren schon ist die Mischung für Grün aus ~Gamboge~, ~Burnt Sienna~ und ~Indigo~ oder ~French Blue~, da dieselbe eine lange Reihe brauchbarer Töne für Frühlings-, Sommer- und Herbstlaub liefert, je nachdem man von jeder der drei Farben mehr oder weniger nimmt. Bei soliderem Farbenauftrag läßt diese Mischung jedoch insofern im Stich, als in tiefen Tönen, wo schon die beiden letzteren Farben sehr dunkel sind, ~Gamboge~ als Harzfarbe Schwärze erzeugt. Wo daher Tiefe des Tons von +grünem+ Charakter erforderlich ist, ist ~Gamboge~ zu vermeiden und durch ~Indian Yellow~ zu ersetzen. Als Lasurfarbe wird ~Gamboge~ von keiner anderen Farbe in Transparenz erreicht, wobei sein Ton durch Zusatz von etwas Roth, wie ~Light Red~, ~Rose Madder~, ~Burnt Sienna~ sehr erwärmt werden kann.
~Indian Yellow.~
~W. & N. 1 ℳ. 54 ₰. S. & C. 75 ₰.~
Das indische Gelb wird aus Kameelurin bereitet und ist eine sehr dauerhafte, schöne, kraftvolle Farbe von tiefem Ton, weßhalb es auch für Draperien und Figuren sehr geschätzt ist. In sehr dünnen, zarten Tönen findet es Verwendung bei Sonnenauf- und Untergang; dagegen paßt es, seiner intensiven Farbe wegen, nicht in Mischungen von Grau für Schatten und Wolken. Sehr dienlich ist es für Lichter mit goldenem Schimmer, nach Umständen mit ~Rose Madder~ erwärmt, sowie auch zu Lasuren. Besonders prachtvoll macht sich die Lasur über gelben Ocker, welch letzterer überhaupt durch ~Indian Yellow~ in der Farbe sehr bedeutend erhöht werden kann. Zusatz von ~Yellow Ochre~, ~Raw Umber~, ~Burnt Sienna~, ~Burnt Umber~, ~Vandyke Brown~ oder ~Brown Madder~ stimmt, je nach dem gewünschten Ton, den Glanz der Farbe herab. ~Indian Yellow~ in Mischung mit ~Burnt Sienna~ und ~French Blue~ (~Indigo~) oder mit ~Vandyke Brown~ und ~French Blue~ liefert die verschiedensten Töne für das Grün der Bäume und haben diese Mischungen den Vortheil, daß sie, wie schon bei ~Yellow Ochre~ erwähnt, wie in der Oelmalerei mit sehr wenig Wasser aufgetragen werden können, welche Behandlung sich sehr empfiehlt. Die gebrochenen Ausladungen der Bäume, das Zufällige der Silhouetten, läßt sich so mit großer Eleganz wiedergeben, ebenso Stämme, Aeste und Zweige, und ist diese Mischung sowohl für Effekte von großer Tiefe und Kraft, wie von besonderer Feinheit gleich anwendbar. Die Anwendung des ~Indigo~ erfordert jedoch Vorsicht, da ein Uebermaß desselben Schwärze verursacht. Nimmt man hierauf Rücksicht, so kann naß in naß, Farbe auf Farbe gesetzt, die größte Verschiedenheit in Ton und Kraft erreicht werden, ohne daß man in Schwärze verfällt. Wo dies geschehen ist, bietet ~Indian Yellow~ wieder das Gegenmittel, indem man es in mehr oder weniger kräftigem Ton über die betreffende Stelle legt, was überhaupt für zu dunkel gerathene Bäume gilt. Wünscht man in solchen Fällen jedoch wieder einen entschieden grünen oder helleren Grund herzustellen, so wende man ~Indian Yellow~ mit Chromoxyd gemischt an. Letztere Combination läßt sich auch mit großer Wirkung in tiefen Schattenmassen des Laubes verwenden, da beide Farben, besonders letztere, bis zu einem gewissen Grade decken, und bietet solche ein sehr erfrischendes ruhiges Grün für Rasenflächen. Mit ~Burnt Umber~ oder ~Brown Madder~ gemischt liefert ~Indian Yellow~ sehr warme und tiefe Töne für Drucker, welche durch Zusatz von etwas ~French Blue~ im Tone herabgestimmt werden können. Diese Töne eignen sich vorzugsweise für tiefe Schatten unter Moos, Steinen und unter dunklen erdigen Ufern, Abhängen und Terrain-Einschnitten. Man vermeide zu viel Blau zuzusetzen, da der Ton hiedurch zu kalt würde und alle tiefen Schatten in +warmem+ Ton gehalten werden müssen.
~Cadmium.~
~W. & N. 3 ℳ. 9 ₰. S. & C. 75 ₰.~
Hiervon hat man in neuester Zeit mehrere Nüancen in den Handel gebracht: ~pale~ (blaß), ~deep~ (dunkel) und ~orange~, deren erstere und letztere hier nicht in Betracht kommen. Wo kein Beiwort steht, ist stets die dunklere Sorte, von ähnlicher Farbe wie ~Indian Yellow~ gemeint. Sie ist die intensivste und leuchtendste der gelben Farben, ist dauerhaft und mischt sich gut mit anderen Farben. Ihre charakteristische Eigenschaft, das gelbe Licht, sowie ihr leichter Auftrag machen sie für Morgen- und Abendhimmel beliebt; jedoch lasse man sich durch ihren fesselnden Glanz nicht verführen, zu verschwenderisch damit umzugehen. Sehr am Platze ist sie als Begleiterin einer blutrothen Sonne; dabei habe man indessen immer im Auge, daß solch ungebrochene Farbe stets nur sehr kleine Theile des Himmels einnimmt und die hellsten Lichter ebenfalls nur kleine Dimensionen haben. Sehr werthvoll ist ~Cadmium~ für Draperien. Mit Roth gemischt liefert es jeden Ton von Orange und mit den verschiedenen Blau sehr schöne grüne Töne, von welchen besonders die Mischung mit ~French Blue~ sehr natürliche Töne für Seewasser liefert. Für das Grün der Vegetation ist ~Cadmium~ indessen, seiner Schwere wegen, wenig geeignet, da man für diesen Zweck so viele zweckmäßigere Farben zu Gebote hat, doch findet es in der Herbstlandschaft für +gelbes+ Laub zuweilen recht geeignete Verwendung. In Mischung mit ~Yellow Ochre~ kann es für die beleuchtete Seite ferner Gebirge benutzt werden und ein +sehr kleiner+ Zusatz zu ~Chinese White~ für glänzende Lichter macht sehr gute Wirkung und verhindert das kreidige Aussehen.
~Naples Yellow.~
~W. & N. 1 ℳ. 3 ₰. S. & C. 35 ₰.~
Neapelgelb, antimonsaures Bleioxyd, dessen hellere Sorte ich empfehle, ist eine sehr empfindliche, größte Reinlichkeit erfordernde Farbe. Es ist zwar Deckfarbe, allein für gewisse Effekte durch keine andere Combination zu ersetzen. Man nehme jedoch immer nicht mehr, als gerade nöthig ist, um den gewünschten Ton herzustellen, da ein Ueberschuß eine gewisse mehlige, pulverige Wirkung zur Folge hat. Mit ~Rose Madder~ gemischt erhält man sehr schöne, zarte Töne für Ferne und zum Uebergehen der helleren Theile eines Abendhimmels, wo die Wirkung oft eine außerordentlich schöne ist. Mit ~Cobalt~ erhält man ein nebliges Grün, sehr geeignet für ferne Bäume, welche den Himmel zum Hintergrund haben, welches Grün durch Zusatz von etwas ~Rose Madder~ noch zarter wirkt. Wunderbar schön, zart und weich sind die grauen Töne, welche man aus ~Cobalt~, ~Rose Madder~ und etwas Neapelgelb darstellt -- wohl das schönste Silbergrau, welches die Palette bietet. Es gibt kein wirksameres Mittel, um eine schwüle, dämpfige Atmosphäre oder schwache ziehende Nebel, wie sie in Waldungen häufig vorkommen, darzustellen. Man wende indessen die Töne mit ~Naples Yellow~ nicht zur Untermalung, sondern immer nur bei Beendigung der betreffenden Stellen an. ~Naples Yellow~ und ~Cobalt~ in dicker Mischung und ziemlich trocken angewendet gibt sehr gute Effekte, wenn man sie mit der Seite eines flachen Pinsels über die Abtheilungslinien und Schatten auf fernen Gebirgen schleppt. Dieses Schleppen fast trockener Farbe erfordert viel Uebung; ist aber die Schwierigkeit überwunden, so ist die Wirkung eine höchst erfreuliche. Sehr schön wirkt auch ~Naples Yellow~, wenn man es der Mischung für Bäume aus ~Indian Yellow~, ~Burnt Sienna~ und ~French Blue~ in geringer Menge zusetzt, welche Combination dann für dicke, dämpfige Atmosphäre sehr brauchbar ist. Auch zu frisches und transparentes Grün kann man mit Neapelgelb leicht herabstimmen. In einer Hinsicht ist der Werth dieser Farbe ein sehr bestimmter und zwar ertheilt sie als Deckfarbe denselben Charakter allen Farben, mit welchen sie gemischt wird, was unter Umständen hohen Werth hat. Im Stillleben sind die Nüancen des Neapelgelb bei der Darstellung gelber Metalle sehr dienlich und ähnlich läßt sich auch das bereits erwähnte ~Jaune Brillant~ anwenden.
~Raw Sienna.~
~S. & N. 1 ℳ. 3 ₰. S. & C. 35 ₰.~
Ein schönes, warmes, gebrochenes permanentes Gelb, welches, wenn nicht mit +viel+ Wasser angerieben, etwas gelatinös, daher im Auftrag weniger angenehm ist und in consistenteren Tönen stark nachdunkelt. Die grünen sonnigen Töne, welche es mit Blau liefert, sind alle gut und für gewisse Stimmungen, auch für Ferne, sehr brauchbar. Mit ~Cobalt~ oder ~French Blue~ gemischt lassen sich sehr natürliche Farben für Seewasser gewinnen, welche durch Zusatz, von etwas ~Brown Madder~ noch sanfter werden. Für die Behandlung von Flüssen und Bächen ist es sehr werthvoll, sowohl allein als mit anderen Farben, je nach dem Tone des Wassers. Mit ~Brown Madder~ gemischt erhält man prachtvolle tiefe, dunklem Bier ähnliche, transparente Töne, mit ~Vandyke Brown~ transparente grünbraune, während mit Zusatz von ~French Blue~ oder ~Indigo~ für die dunklen Töne der Vegetation unter Wasser sehr geeignete Farben herzustellen sind. Für das Markiren der Steine im Flußbett sind die warmen gelatinösen Töne von ~Raw Sienna~, ~Vandyke Brown~ und ~Chrimson Lake~ sehr zu empfehlen, da solche bei Durchsichtigkeit große Tiefe und Kraft besitzen. Als Lasurfarbe ist ~Raw Sienna~ sehr dienlich zur Erhöhung der Töne der Vegetation des Mittelgrundes.
Für Carnation ist ~Raw Sienna~ unentbehrlich, besonders in Mischung mit ~Rose Madder~, welche sehr feine Töne für Gesicht und das Fleisch überhaupt liefert. Durch Zusatz von sehr wenig ~Cobalt~ oder ~French Blue~ können diese Töne herabgestimmt werden. Dagegen liefert die Mischung: ~Cobalt~, ~Rose Madder~ und ~Raw Sienna~ eine Reihe schwacher perlgrauer und grünlicher Töne, welche nur bei der schönsten Hautfarbe vorkommen. Für sich allein dient es in ausgezeichneter Weise für die Reflexe, wie z. B. unter dem Kinn etc.
~Lemon Yellow.~
~W. & N. 3 ℳ. 6 ₰. S. & C. 35 ₰.~ (Gelber Ultramarin.)
Zitrongelb, eine bei Schönfeld gelber Ultramarin genannte, aus chromsaurem Baryt bestehende Farbe bietet ein sehr blasses, dauerhaftes aber etwas deckendes Gelb, welches trotz seines blassen Tones dennoch von überraschender Kraft ist. Seine Anwendung verlangt daher Vorsicht, da bei Nichtbeachtung sein durchdringender Ton sich in höchst unerfreulicher Weise bemerkbar macht. Wo sanfter Sonnenschein das Gebirg oder ferne Wälder beleuchtet wirkt es sehr gut. Für +erste+ Anlage, ausgenommen für die hellsten Lichter des Laubes, paßt es jedoch nicht, und benutze man statt dessen ~Yellow Ochre~ und seine Combinationen zur Anlage für helle oder grüne sonnige Töne der Ferne. Mit ~Emerald Green~ erhält man sehr reine, helle, glanzvolle Töne für gelegentliche Lasuren von Grasflächen oder für die hellsten Lichter auf Gras, Draperien etc. Mit ~Cobalt~ liefert es eine treffliche Lasurfarbe für ferne Wiesen. Obgleich seine Anwendung eine beschränkte ist, so ist dieselbe doch in vielen Fällen von großer Wirkung.
~Aureolin.~
~W. & N. 3 ℳ. 9 ₰. S. & C. ℳ. 1. --~
Ein neueres, sehr reines, glanzvolles, transparentes, selbst in den lichtesten Tönen noch permanentes Gelb, welches in der Farbe dem Gelb des Sonnenspectrums am nächsten steht. Es scheint mir eine combinirte Farbe zu sein, da sein Geruch an Gummigut erinnert und wäre in diesem Fall sein Preis als ein höchst exorbitanter zu bezeichnen. Unentbehrlich ist es gerade nicht, allein ich mache doch darauf aufmerksam, daß +alle+ Töne, in deren Mischung es enthalten ist, sich durch +ungemeine Frische+, +Glanz+ und +Reinheit+ auszeichnen. Das Grau aus ~Cobalt~, ~Rose Madder~ und ~Aureolin~ ist äußerst zart und für transparente, weiche Lufttöne sehr geeignet, und wo für das Grün der Vegetation des Vorder- und Mittelgrundes größere Frische verlangt wird, wirken die betreffenden Mischungen mit ~Aureolin~ unvergleichlich. Für das tiefe Grün der Ferne ist es dagegen seiner Leuchtkraft wegen weniger angenehm; doch liefert die Combination von ~Cobalt~, ~Aureolin~ und ~Sepia~ oder ~Rose Madder~ sehr angenehme zarte Töne für ferne Bäume in schwachem Licht oder bei dämpfiger Atmosphäre. Als Farbe für Draperien ist es unersetzlich. Besonders werthvoll und nützlich ist es in Mischung mit ~Burnt Sienna~ und ~Indigo~ oder ~French Blue~ -- mit ~Indigo~ -- mit ~Vandyke Brown~ und ~Indigo~ oder ~French Blue~ -- mit ~Oxyde of Chromium~ -- mit ~Burnt Umber~ -- mit ~Sepia~ -- mit ~Emerald Green~ -- mit ~Brown Madder~ -- mit ~Sepia~ und ~Cobalt~ -- mit ~Rose Madder~ und ~Cobalt~ -- mit ~Light Red~ und ~Cobalt~ oder ~Indigo~ -- und mit ~Rose Madder~.
Das von Schönfeld & Comp. neuerdings hergestellte ~Aureolin~ wich seither im Ton ganz entschieden von dem englischen ab. Während letzteres sich im Ton stark dem Gummigutt nähert, übertrifft ersteres an Intensität der Farbe noch das Indischgelb und nähert sich dem ~Cadmium Orange~; es wird jedoch künftig dem englischen entsprechend bereitet werden.
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