Handbuch der Aquarellmalerei Nach dem heutigen Standpunkte und mit vorzüglicher Anwendung auf Landschaft und Architektur nebst einem Anhange über Holzmalerei

Part 10

Chapter 103,371 wordsPublic domain

Vorausgesetzt, daß das Papier den früher erwähnten ersten Ton erhalten hat und nunmehr zur Aufnahme weiterer Farbe bereit ist, setzt man die blauen Streifen im unteren Theile der Luft mit entschiedenen Umrissen ein. Sodann legt man die oberen Wolkenschichten mit ~Indigo~ und ~Indian Red~ an, wobei an den oberen Rändern Blau, an den unteren aber Roth vorherrschen muß. Im unteren Drittel beginnt man gegen die Mitte hin mit Wasser und setzt dann bis zum Horizont von dem rötheren Ton zu. -- Ist alles trocken, so beginnt man am Zenith mit Wasser und setzt nach einiger Zeit einen etwas kräftigen Ton von ~Yellow Ochre~ ein, welchen man bis zum Horizont führt und gegen diesen hin etwas ~Rose Madder~ zusetzt. -- Hierauf werden die Farben der oberen Wolken mit ~Indigo~ und ~Indian Red~ verstärkt. -- Im unteren Drittel beginnt man dann abermals oben mit Wasser, ohne jedoch die purpurnen Wolken zu berühren, setzt dann ~Yellow Ochre~ ein und verstärkt ihn nach unten mit etwas ~Rose Madder~. -- Ist dies trocken, so wäscht man die ganze Oberfläche mit reinem Wasser, trocknet aber nicht ab. Ist die Nässe verschwunden, die Oberfläche aber noch feucht, so legt man den dunklen, warmen Purpurton über die oberen Wolken mit ~Indigo~, ~Indian Red~ und ~Rose Madder~, wobei die Farbe nach unten an Tiefe zunehmen muß, aber nicht bis zum Rande der Wolken geführt werden darf. Diese Manipulation ist zwei bis dreimal zu wiederholen, jeder folgende Auftrag aber an Umfang zu verringern, um Abstufung der Töne zu erreichen und für die beiden letzten Male ist anstatt des ~Indigo Cobalt~ zu nehmen. Hierauf trägt man im untern Theil den warmen Ton mit ~Yellow Ochre~ und ~Rose Madder~ auf, welchem man, gegen den Horizont hin, etwas ~Indian Red~ zusetzt und muß dieses ebenfalls mehrmals wiederholt werden, wobei man jedesmal etwas tiefer beginnt. -- Ist dieses beendet, so setzt man die kleinen, fliegenden Wölkchen im unteren Theil mit ~Rose Madder~ und ~Cobalt~ ein, sowie die Schichte ~Cobalt~, welche, um unbestimmt und zart zu verlaufen, oben und unten einen Streifen mit wenig Wasser erhalten muß. In die hellen Stellen zwischen den oberen Wolken bringt man ~Rose Madder~ mit ~Gamboge~ und auf die hellsten Lichter ~Yellow Ochre~ mit ~Gamboge~. Die Ausführung muß eine leichte, transparente sein, weßhalb man nicht zu viel Farbe in den Pinsel nehme, die Töne stets sehr dünn anwende und die Tiefe des Tons durch +öftere+ Aufträge zu erreichen suche, wodurch alle Schwere verbannt bleibt. Mit nur wenigen Aufträgen ist in derartigen Stimmungen nichts zu erreichen als Schwere und Dunkel.

* * * * *

Nach Rowbotham empfiehlt sich für Darstellung eines glühenden Sonnenunterganges +mit+ Sonne folgende Behandlung: Die Sonne lege man mit recht dickem ~Chinese White~ an, welches man, wenn trocken, je nach der nothwendigen Farbe, entweder mit ~Cadmium~ oder mit ~Indian Yellow~ und ~Vermilion~ lasirt, -- oder aber man radire die Sonnenscheibe aus, glätte das Papier gut und colorire dann mit vorstehenden Tönen. Am Horizont lagern häufig kalttönige Wolkenstreifen, welche nicht selten quer vor der Sonnenscheibe liegen und letztere halbiren. Sie lassen sich am besten mit ~Cobalt~, ~Rose Madder~ und ein wenig ~Chinese White~ geben; man sei indessen vorsichtig, damit nicht durch Zusatz von etwas zu viel von letzterem diese Wolken ein kreidiges Ansehen erhalten.

Die oben angeführten Beispiele sind so verschieden im Charakter, daß sie wenigstens zu mehr als allgemeiner oder einseitiger Kenntniß der Behandlung der Lüfte den Grund zu legen geeignet sind. Es sind Motive, welche in der Natur sowohl, wie in Gemälden, häufig wiederkehren und dem Lernenden den Einblick in das Entstehen der ausgeführtesten und vollendetsten Werke vermitteln. ~Cadmium~ ist nur in einem Falle angewendet worden. Wo aber ein sehr glänzender Effekt wiedergegeben werden soll, wird seine Anwendung stets eine erfolgreiche sein.

An dieser Stelle muß noch betont werden, daß der Luftton stets über die ganze Ferne bis in den Mittelgrund und bei Vorhandensein von Wasser, Teichen, Flüssen etc. im Vordergrunde, auch über diesen zu legen ist. Größere helle Lichter spart man aus. Schließlich will ich auch bemerken, daß bei Gemälden von größeren Dimensionen, oder bei solchen, welche zu größerer Vollendung bestimmt sind, das auch in den angeführten Beispielen mehrmals eingehaltene Verfahren, wonach bei Anlage der ersten Töne das genäßte Papier nicht mit Löschpapier abgetrocknet wird, sondern die Anlage der ersten Farbentöne noch in ziemlich nassem Zustande erfolgt, mit Vortheil angewendet wird, da hierdurch ein hoher Grad von Weichheit erzielt wird und die einzelnen Töne sehr schön in einander laufen. Legt man eine größere Luftfläche in dieser Weise an, so nimmt man keine weitere Rücksicht auf die Formen der Farbentöne, als etwa in Bezug auf Lage und setzt alle Töne ohne Unterbrechung neben oder in einander. Ist die Fläche trocken, so zeigt die Luft eine Anzahl formlos in einander verlaufender Farbentöne, worauf abgewaschen, die überschüssige Nässe nunmehr aber aufgetrocknet wird. Der zweite Auftrag wird dann in der gewöhnlichen Weise behandelt und wird dabei selbstverständlich näher auf die Formen der Wolkenbildungen etc. eingegangen.

~=B.=~ =Die Ferne.= -- Gebirg.

=1. Colorit.=

~a.~ +Töne für größte Ferne.+

~Cobalt~ allein, oder lasirt mit ~+Light Red+~ -- ~+Indian Red+~ -- ~Burnt Sienna~ -- ~Vermilion~ -- ~+Rose Madder+~ oder ~+Brown Madder+~.

~+Cobalt+~, ~+Rose Madder+~ und ~+Yellow Ochre+~ in den verschiedensten Nüancen (auch 1. 3. 2. -- 2. 3. 1. -- 2. 1. 3. -- 3. 2. 1.)

~+Cobalt+~, ~+Naples Yellow+~ und ~+Rose Madder+~ wie voriger Ton, besonders aber 2. 3. und wenig 1. für +neblige+ Stimmungen und dämpfige Schwüle unersetzlich, darf aber immer erst bei Beendigung der Ferne aufgetragen werden, wobei man gewöhnlich oben mit Wasser anfängt und etwa, von der Mitte der Luft an mehr und mehr von diesem Ton zuzusetzen beginnt.

~Cobalt~, ~Indigo~ und ~Rose Madder~.

~Cobalt~, ~Indigo~ und ~Brown Madder~.

~French Blue~ und ~Lamp Black~, milder Ton.

~French Blue~, ~Rose Madder~ mit wenig ~Yellow Ochre~.

~Indigo~ und ~Lamp Black~ in Seestücken für ferne Klippen etc.

~+Indian Red+~ und ~+Indigo+~, tiefer, dunkler Ton.

~Ultramarin Ash.~

~Payne’s Grey.~

~b.~ Töne für Ferne bei heller Beleuchtung.

~+Light Red+~ -- ~+Rose Madder+~ -- ~+Raw Umber+~ -- ~Raw Sienna~.

~+Vermilion+~ und ~+Rose Madder+~.

~+Neutral Orange+~ und ~+Rose Madder+~ oder ~Brown Madder~.

~Cadmium~ allein oder mit ~Yellow Ochre~.

~+Lemon Yellow+~, (+nicht+ als erster Ton oder zur Untermalung.)

~Naples Yellow~ allein oder mit ~Rose Madder~.

~Yellow Ochre~ allein oder mit ~+Rose Madder+~, ~Indian Red~ oder ~Light Red~.

Für die +Schattentöne+ empfehlen sich:

~Cobalt~ und ~Rose Madder~.

~Cobalt~, ~Rose Madder~ und ~Yellow Ochre~ oder ~Raw Umber~.

~Cobalt~ und ~Indian Red~.

~Cobalt~, ~Lake~ und ~Burnt Sienna~.

~c.~ Töne für Ferne mittleren Grades

(weniger weit als unter ~a.~)

~+Cobalt+~ und ~+Brown Madder+~, sehr nützlicher Ton.

~Cobalt~, ~Indigo~ und ~Brown Madder~ oder ~Rose Madder~.

~+Cobalt+~ und ~+Light Red+~ (auch ~French Blue~ anstatt ~Cobalt~), sehr schön für duftige Effekte.

~+Cobalt+~, ~+Light Red+~ und ~+Rose Madder+~ liefert eine Unzahl brauchbarer Töne.

~Cobalt~, ~Sepia~ und ~Brown Madder~, sehr nützlich.

~Indigo~ und ~Purple Madder~, sehr zarter, schöner Purpurton.

~Cobalt~ und ~Purple Madder~, heller.

~Indigo~ mit ~Vermilion~ oder ~Rose Madder~.

~Indigo~, ~Yellow Ochre~ und ~Rose Madder~.

~French Blue~, ~Lamp Black~ und ~Rose Madder~.

~Naples Yellow~ allein oder mit ~Cobalt~, dick aufgesetzt, aber mit +sicherer+ Hand, liefert scharfe Lichter auf fernes Gebirg.

~Cobalt~, ~Yellow Ochre~ und ~Chinese White~ eignet sich für die Darstellung der Verzweigungen in den Gebirgsmassen; auch ~Cobalt~ allein, ebenfalls dick, mit wenig Wasser aufgetragen, paßt für manche Fälle.

Zusatz von etwas ~French Blue~ gibt den Tönen größere Tiefe.

~d.~ Töne für +fernes+ Grün.

~Roman Ochre~ und Blau, (~Cobalt~, ~French Blue~ oder ~Indigo~), tiefe, sanfte Töne. Zur Beurtheilung der Wirkungsweise der aus den verschiedenen blauen Farben resultirenden grünen Töne, habe man stets im Auge, daß ~+Cobalt+~ +zarte+ Töne +ohne große Tiefe+ liefert, ~+French Blue+~ dagegen +tiefe+, +dunklere+ Töne und ~+Indigo+~ +sehr dunkle+, leicht zu Schwärze neigende, weßhalb man sich vor einem Uebermaß desselben zu hüten hat. Der Lernende versäume nicht, sich mit den zahlreichen Nüancen des Grün möglichst vertraut zu machen.

~Roman Ochre~, ~Chrimson Lake~ und ~Indigo~.

~Roman Ochre~, ~Indigo~, ~Rose Madder~ und etwas ~Cobalt~.

~+Yellow Ochre+~ und +Blau+ (auch 2. 1.) +sehr brauchbare+ Töne besonders mit ~French Blue~, in +dicker+ Mischung d. h. mit wenig Wasser angerieben, aufzutragen.

~+Yellow Ochre+~, ~+Cobalt+~ und wenig ~+Rose Madder+~, dick.

~Yellow Ochre~, ~Cobalt~ und ~Indigo~, tiefer im Ton.

~+Yellow Ochre+~, ~+Cobalt+~ mit ~+Light Red+~ -- oder ~Rose Madder~ -- oder ~+Brown Pink+~.

~Yellow Ochre~, ~Indigo~, etwas ~Cobalt~ und ~Indian Red~.

~Gamboge~, ~Yellow Ochre~ und Blau.

~+Gamboge+~, ~+Brown Madder+~, ~+Indigo+~ und ~+Cobalt+~.

~+Raw Sienna+~, +Blau+ und ~+Rose Madder+~, schöne, graugrüne Töne, besonders auch 2. 1. 3., mit Indigo aber weniger zu empfehlen.

~+Raw Umber+~ und +Blau+, besonders ~Cobalt~, desgleichen.

~+Raw Umber+~, ~+Indigo+~ und ~+Gamboge+~, ruhiges Grün.

~+Cobalt+~, ~+Chinese White+~, ~+Rose Madder+~ und ~+Brown Pink+~, sehr brauchbares Graugrün von duftiger, nebelhafter Wirkung.

~Naples Yellow~ und ~Cobalt~ (auch 2. 1.)

~Brown Pink~ und ~French Blue~.

~Olive Green~ mit wenig ~Indigo~.

~+Naples Yellow+~, ~+Cobalt+~ und ~+Rose Madder+~, besonders brauchbar für einzelne Bäume in Silhouette vor Luft oder Gebirg.

~Naples Yellow~ und ~Rose Madder~ mit wenig ~Cobalt~.

~Lemon Yellow~ und ~Cobalt~, schöner Ton für ferne Wiesen und Felder.

~Cobalt~, ~Gamboge~ und ~Light Red~.

~Cobalt~, ~Yellow Ochre~, ~Chrimson Lake~ und ~Gamboge~.

~+Cobalt+~, ~+Rose Madder+~ und ~+Brown Pink+~.

~Cobalt~ und ~Light Red~ oder ~Neutral Orange~ liefert gute Schattentöne.

* * * * *

In vielen Fällen ist es geeignet, obenverzeichneten Mischungen etwas ~Naples Yellow~ (sofern solches nicht bereits in denselben enthalten ist) zuzusetzen und zwar vorzugsweise für neblige Effekte oder dicke, dämpfige Atmosphäre, endlich auch da, wo Anwendung einer +deckenden+ Farbe erwünscht ist, wie auf dunkelem Hintergrund, wo es wegen verschiedenartigen Gründen nicht rathsam gewesen die helleren, etwas vorliegenden Gegenstände auszusparen.

~e.~ +Lasurfarben+ für obige Töne.

~Brown Pink.~

~Terra Verte~, reicher, kräftiger Ton.

~Viridian.~

~Lemon Yellow.~

~Indian Yellow~, auch mit ~Brown~ oder ~Purple Madder~.

~Gamboge~, allein oder mit ~Brown~ oder ~Rose Madder~, oder mit ~Vandyke Brown~.

~Burnt Sienna.~

~Raw Sienna.~

~Mars Orange~, sehr durchsichtig.

~Yellow Ochre~ allein oder mit ~Light Red~ oder ~Rose Madder~.

Diese Lasuren, welche für Vegetation überhaupt Anwendung finden, kommen für Ferne nur da in Betracht, wo ein Ton nicht ganz nach Wunsch ausgefallen ist und etwas verändert werden soll, sei es durch lebhaftere oder gedämpftere Färbung, wie auch für Lichter und Halblichter.

=2. Technik.=

Die Ferne (häufig auch der Mittelgrund) steht, in Hinsicht der Farbe wie der technischen Behandlung, der Luft sehr nahe. Beleuchtung, Tages- und Jahreszeit wie nicht minder Wind und Wetter üben sehr bedeutenden Einfluß auf ihren Charakter; doch hat die Ferne in der Regel einen kühlen, bläulichgrauen Luftton, auf dessen Wiedergabe man stets bedacht sein muß, da dieser Ton, sobald er durch unzweckmäßige Farbenaufträge vernichtet worden, meist nur sehr schwer wieder im nöthigen Duft herzustellen ist. Wo überhaupt ein Bild im Luftton nicht befriedigt, trägt meistens der Mangel jener in’s Blaue fallenden grauen Töne hauptsächlich die Schuld. In den meisten Fällen besteht die Ferne aus Gebirg und Wald und bildet, was Tiefe der Farbe anbelangt, einen bedeutenden Contrast zu dem Himmel, von welchem sie sich bei hellem Wetter dunkel +abhebt+, was der Anfänger stets beachte. Die Technik ist, wie bereits erwähnt, dieselbe wie bei der Behandlung der Luft, weßhalb man bei erster Anlage mit den Lufttönen in der Regel auch die Ferne und alle +dunkleren+ Gegenstände in Mittel- und Vordergrund (hellere nicht) übermalt. Hierdurch wird einerseits die spätere Arbeit wesentlich erleichtert, andererseits aber auch das Glänzende und Rohe der hellen Töne gebrochen und in das Ganze ein Luftton gebracht. Der nothwendigen Weichheit der Töne der Ferne wegen, müssen sich daher auch die Waschungen zwischen den einzelnen Aufträgen über die Ferne erstrecken, mit Ausnahme der Fälle, wo letztere in der Farbe grün ist, da grüne Töne meistens gegen Waschungen empfindlich sind und daher erst +nach+ gänzlicher Vollendung der Luft und des blauen Theiles der Ferne aufzutragen sind. Ueberhaupt gehe man stets erst nach Vollendung der Luft an die Verstärkung der Aufträge der Ferne. Die Schatten der Ferne müssen sehr luftig sein; da sie jedoch ziemlich kalt sind, so empfiehlt es sich, zur Erreichung dieses Zweckes den Schattentönen (~Cobalt~ mit ~Rose Madder~, ~Light Red~, ~Indian Red~ etc.) etwas ~Chinese White~ zuzusetzen. Im Allgemeinen genügt ~Cobalt~ für die Ferne nicht, sondern muß mit ~Indigo~ oder ~French Blue~ verstärkt werden, wobei wieder zu erinnern ist, mit ~Indigo~, der Schwärze wegen, in tiefen Tönen vorsichtig umzugehen. Auch wird der Lernende hier nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß Transparenz, welche den Zauber der Ferne bedingt, nur durch öftere Aufträge dünner Farbentöne +sicher+ zu erreichen ist. Bei diesen wiederholten Aufträgen ist es, wie auch bei gewissen Theilen der Luft, unbedingt nothwendig, +genau+ die Silhouette des früheren Auftrages einzuhalten, sofern, selbstverständlich nicht zugleich eine Modellirung, z. B. eines näher gelegenen Gebirgsabschnittes, gegeben wird, und ist dieses genaue Einhalten der Grenze früherer Aufträge eine goldene Regel beim Aquarelliren.

Die Behandlung des Mittelgrundes, in welchen die Ferne nicht selten allmälig übergeht, ist im Wesentlichen dieselbe, doch ist es sehr vortheilhaft, die Farbe hier etwas consistenter aufzutragen. Für solche Behandlung eignen sich jedoch nur ganz bestimmte Farben, wie ~Cobalt~, ~Rose Madder~, ~Yellow Ochre~, ~Light Red~ und ~Naples Yellow~, und zwar deßwegen, weil sie alle, selbst in großer Intensität, +hell+ und somit auch für die Ferne vorzugsweise nützlich sind. Diese Farben haben die weitere schätzbare Eigenschaft, daß, wenn sie zusammen in dickerer Mischung angewendet werden, man, während sie noch naß sind, in sie hinein malen kann, ohne die Töne zu stören, wodurch man befähigt ist, wie beim Malen in Oel, Detail und Schatten vor dem Trocknen fertig zu arbeiten. Auch im Mittelgrunde kann den Schatten, um solche wegen der Mitteltöne nicht zu schwer zu bekommen, etwas ~Chinese White~ zugemischt werden. Schmidt hat für die Ferne ~Indian Red~ als Ersatz für ~Rose Madder~ empfohlen und auf mehrfache Versuche hin kann ich dies nur bekräftigen.

Die Ferne, wie bei Behandlung der Luft angeführt, in stärkeren Tönen anzulegen, um solche alsdann mittelst Wasser und Schwamm wieder bis zum gewünschten Grade aufzuhellen, möchte ich nicht empfehlen, da dieses Verfahren nicht immer die für die Ferne meist nothwendige Durchsichtigkeit und Leichtigkeit wahrt.

Kleinere Gegenstände, welche aus dem Vordergrund in die Ferne hineinragen, oder solche, welche der Ferne selbst angehören und sich besonders bemerkbar machen, beachtet man in den früheren Stadien der Arbeit nicht, sondern, sofern sich dieselben hell abheben, nimmt man sie mit Wasser und Waschleder oder einem seidenen Tuche bei Fertigstellung des Bildes heraus und colorirt sie dann entsprechend, -- oder aber setzt man ~Chinese White~ ziemlich trocken und dick in entsprechender Form auf und colorirt nach dem Trocknen. Dunkle Gegenstände werden dann einfach mit entsprechenden Tönen eingesetzt. Sollte der Gegenstand aber der Art sein, daß er ohne besondere Schwierigkeit ausgespart werden könnte, was indessen meist nicht thunlich ist und der gleichmäßigen Anlage der Töne des Hintergrundes leicht Eintrag thut, so spare man aus, was noch mit am natürlichsten wirkt. Kleinere Lichter auf Gebirg, Felsen, Bäumen und der Vegetation im Allgemeinen, werden, ihrer Form entsprechend, mit spitzem Pinsel exact mit wenig Wasser gezeichnet und nach früher dargelegtem Verfahren herausgenommen. Genügt ein Versuch nicht, dann wiederholt man das Aufsetzen von Wasser, wendet dann Löschpapier an und reibt die Stelle mit Brod, welches jedoch nicht zu frisch sein darf. Letzteres Verfahren ist sehr sicher und nimmt die Farbe ohne Nachtheil für das Papier weg, welch letzteres sofort jeden beliebigen Ton annimmt. Dieses Herausnehmen der Lichter macht einen erstaunlich +frischen+ Effekt, welcher nicht leicht in anderer Weise erreicht wird, und dieser Fähigkeit, Farbe ganz oder theilweise entfernen zu können, verdankt die Aquarellmalerei manche ihrer Schönheiten und Eigenthümlichkeiten. Sehr +vorsichtig+ sei man aber in der Wiedergabe weißer Lichter durch ~Chinese White~. Welche der obigen Verfahrungsweisen man anwende, hängt übrigens theils vom Bilde selbst, theils aber auch vom Geschmacke, wie von der Geschicklichkeit des Darstellenden ab.

Die oben für das Colorit angegebenen Töne sind sämmtlich sehr schön und entsprechen allen Anforderungen, welche an den Lernenden herantreten können. Ich will aber noch ganz besonders darauf aufmerksam machen, daß jede Mischung in den Verhältnissen ihrer Bestandtheile stets etwas wechseln muß, damit nicht eine monotone, unangenehme Färbung erzielt werde, welche in der Ferne nur sehr selten, im Mittelgrunde aber niemals vorkommen dürfte. Bei Behandlung der Vegetation in Ferne und Mittelgrund arbeite man mit der Seite des Pinsels, besonders wenn man mit dicker Farbe operirt. Die Farbe läßt sich dann in breiten, flachen Tönen auftragen und bietet eine günstige Fläche für die weitere Vollendung. Man setzt stets zuerst den allgemeinen Ton, dann die Schatten ein und geht dann zu etwaigem Detail über, vermeide aber zu dunkle Drucker oder sonst auffallende Punkte, Striche oder Flecke, welche besondere Aufmerksamkeit erregen und in den Leistungen von Anfängern häufig angetroffen werden.

Ferne und Mittelgrund der Gemälde sind so wichtig und meist so schön, daß dem Lernenden sorgfältige Studien nach der Natur, vom Einfachsten bis zum Erhabenen, nicht genug zu empfehlen sind. Die +richtige+ Darstellung ist häufig sehr schwierig, da die Formen in der Regel so unbestimmt dem Auge sich darstellen, daß man wieder und wieder sehen muß, um zum richtigen Verständniß zu gelangen. So unbestimmt aber immerhin etwas wiederzugeben sein möge, so trachte der Darstellende dennoch stets es so zu geben, daß der Beschauer, bei aller Unbestimmtheit, über die wirkliche Bedeutung des Gegenstandes nicht in Zweifel bleibe, was indessen bei der bloßen Skizze weniger in Betracht kommt.

Da die Ferne häufig aus Gebirg besteht, so will ich hier noch etwas einschalten, was von manchem Lernenden dankend anerkannt werden dürfte. Alle Bergformen besitzen sowohl eine ihnen speziell eigenthümliche Gestalt, wie eine gewisse Großartigkeit, welche beide Momente in dem Abbild nicht selten beträchtlich Schaden nehmen. Es resultirt dies lediglich aus den in der Zeichnung in der Regel zu flüchtig und allgemein angedeuteten Formen, namentlich den +gerade+ fortlaufenden Umrißlinien, welche in der Natur nur selten vorkommen. Man meide daher diese gerade fortlaufenden Linien und halte solche etwas unregelmäßig, copire getreu die auffallenderen Unterbrechungen und Absätze, besonders die +Winkel+ der größeren Abweichungen, da der wahrheitsgetreue Eindruck lediglich durch Aufmerksamkeit auf diese Unregelmäßigkeiten im Detail der Umrißlinien bedingt wird.

Zum Untermalen von Gebirgsketten eignet sich in vorzüglicher Weise der Neutralorangeton von ~Yellow Ochre~ mit ~Brown Madder~ in den Licht-, und ~Brown Madder~ mit ~Yellow Ochre~ in den Schatten-Partien, da die späteren blauen Töne auf diesem Unterton sehr gut wirken. Sehr naturwahr läßt sich die verschiedene Beleuchtung ferner Gebirgsketten wiedergeben, wenn man die verschiedenen Töne, etwa ~Cobalt~, ~Indigo~ und ~Rose Madder~ -- dann ~Rose Madder~ und ~Cobalt~ -- dann ~Rose Madder~ und ~Yellow Ochre~ -- dann ~Yellow Ochre~ allein etc., naß in einander laufen läßt; überhaupt versäume man nicht, bewaldete Bergketten oder Höhenzüge bei der verschiedensten Beleuchtung, Tages- und Jahreszeit zu studiren, da solches von immensem Nutzen ist.

=~C.~ Die Vegetation.=

=1. Colorit.=

~a.~ Grün für Laubwerk des Mittelgrundes.[B]

~+Brown Pink+~ und ~+Indigo+~ oder ~French Blue~.

~Indigo~ und ~Sepia~, sehr kalter, dunkler Ton.

~Neutral Orange~ und ~Cobalt~.

~Cobalt~, ~Chrimson Lake~ und ~Gamboge~.

~+Cobalt+~, ~+Naples Yellow+~, ~+Rose Madder+~ und ~+Yellow Ochre+~, duftig.

~+Aureolin+~, ~+Sepia+~ und ~+Cobalt+~, duftig.

~Vandyke Brown~ und ~Indigo~, klarer, neutraler Ton.

~Burnt Sienna~, ~Sepia~, ~Indigo~ und ~Yellow Ochre~.

~Burnt Sienna~, ~Sepia~, ~Indigo~ und ~Raw Sienna~.

~Raw Umber~ und ~Indigo~.

~Olive Green~ und ~Indigo~.

~Olive Green~, ~Indigo~ und ~Sepia~ (auch mit Zusatz von ~Vandyke Brown~.)

~Brown Pink~, ~Indigo~ und ~Sepia~ (auch mit Zusatz von ~Vandyke Brown~.)

~Cobalt~, ~Chrimson Lake~ und ~Yellow Ochre~. } ~Brown Pink~, ~Cobalt~ und ~Chrimson Lake~ als } Schattenton. }

~+Cobalt+~, ~+Brown Pink+~ und ~+Rose Madder+~. } ~+Cobalt+~, ~+Rose Madder+~ und wenig~ +Brown } Pink+~, als Schattenton. }

~Yellow Ochre~ und ~Cobalt~. } ~Yellow Ochre~, ~Brown Pink~, ~Cobalt~ und etwas ~Rose } Madder~ als Schattenton. } ~Rose Madder~ und ~French Blue~, für tiefste Schatten. }

~Sepia~ und ~Cobalt~, Rasenflächen.

~Vandyke Brown~ und ~Indigo~, Rasenflächen.

Für Bäume des Mittelgrundes in voller Beleuchtung eignen sich:

~+Gamboge+~ und ~+Neutral Tint+~.

~Gamboge~, ~French Blue~ und ~Raw Umber~ oder ~Burnt Umber~.

~Gamboge~, ~Cobalt~ und ~Brown Pink~.

~Gamboge~, ~French Blue~ und ~Yellow Ochre~.

~Oxyde of Chromium~, ~Brown Pink~ und ~Gamboge~.

~+Aureolin+~, ~+Sepia+~ und ~+Cobalt+~.

~Aureolin~ und ~Indigo~.

~+Indian Yellow+~, ~+Vandyke Brown+~ und ~+French Blue+~.

~+Indian Yellow+~, ~+Sepia+~, ~+Cobalt+~ und ~+Indigo+~.

~b.~ Grün für Laubwerk des Vordergrundes.

~NB.~ +Für Bäume des Vordergrundes ist ~Cobalt~ weniger geeignet als ~French Blue~ oder ~Indigo~.+

~+Gamboge+~, ~+Burnt Sienna+~ und ~+Indigo+~.

~+Gamboge+~, ~+Burnt Sienna+~ und ~+French Blue+~, klarer im Ton.

~+Indian Yellow+~, ~+Burnt Sienna+~ und +Blau+, für Laub im Allgemeinen zu empfehlen.

~+Indian Yellow+~, ~+Vandyke Brown+~ und +Blau+.

+Die vorstehend namhaft gemachten Combinationen liefern fast jede erdenkliche Nüance von Grün für vorliegenden Zweck.+

~+Gamboge+~, ~+French Blue+~ und ~+Burnt } Umber+~, } ~Brown Pink~, ~French Blue~ und ~Burnt } düstere Töne. Sienna~, } ~+Brown Pink+~, ~+Vandyke Brown+~ und } +Blau+. }

~Burnt Sienna~, ~Indigo~ und ~Yellow Ochre~ oder ~Raw Sienna~.

~French Blue~, ~Burnt Umber~ und ~Indian Yellow~.

~Indigo~, ~Light Red~ und ~Yellow Ochre~ (auch 1. 3. 2.) für Nadelholz, Kiefern etc.

~Brown Pink~, ~French Blue~ und ~Blue Black~, dick, für Nadelholz.