Guirlanden um Die Urnen der Zukunft Eine interessante, originelle Familiengeschichte aus dem drei und zwanzigsten Jahrhunderte

Part 13

Chapter 133,367 wordsPublic domain

Anfangs der erwähnten großen Schlacht stritt er -- das muß ich zu seinem Anlobe gestehen -- nicht sowohl aus Vaterlandsliebe so tapfer und entschlossen, er suchte den Tod und Ruhe für den Sturm seines Innern zu finden; aber der gefoderte Tod maß sich mit Salassin nicht. Als er aber von der Gefahr des Kaisers benachrichtigt wurde, vergaß er seinen Wunsch, und das Wohl des Vaterlands schwebte ihm hängend an einem Haare vor seiner Seele. Hier focht er ein rasender Roland, für seine Pflicht, und ward durch den herrlichsten Sieg durch den glänzendesten Ruhm belohnt, daß man nur ihm die Rettung des Monarchen verdankte.

Kaum hatten die gänzlich geschwächten Feinde demüthig, und mit unendlichem Verluste um Friede gebeten, kaum waren die Gesandten aus dem Zelte des Kaisers zurück mit dem abgeschlossenem Friedenskontrakt in ihr Land, als Salassin den Monarchen, mit der jenen unerwarteten Bitte um Entlassung vom Heere sich meldete.

Warum? -- fragte ihn verwundernd der erlauchte Monarch, und Salassin konnte nur schwache Gründe entgegensetzen. Als die Stunden die ihm zur Ueberlegung überlassen waren, verschwunden, und Salassin wieder im kaiserlichen Zelte um seine Entlassung bat, begann der Kaiser:

»Wohlan! Da beharrest bei deinem Entschlusse?«

Salassin stand erschüttert, unentschlossen ob er gehen solle oder nicht. Der Monarch fuhr fort:

Du bist entlassen.

Salassin fühlte die Bitterkeit dieser kurzen Rede, er wankte, aber bei der Erinnerung an seine Freunde, stand Sebald und Lolly vor ihm, und -- er taumelte unwillkührlich aus dem Zelte.

»Verweile noch! -- sprach der Kaiser: Salassin! Noch eins! Eh du das Lager verläßt.

Mein Monarch! -- rief Salassin niedergedonnert, und sank vor der Majestät nieder --

Wenn es dich so viel kostet, in deinem Vaterlande auf den Lorbern des belohnten Ruhms zu ruhen, wenn es vielleicht dein eigen Wohl gälte -- dann fodre ichs nicht. Aber nur einen Tag genüsse die Früchte des Friedens in der Residenzstadt, dann geh du hin, wohin jenes Gewitter deines Innern dich jagt, so du für gut findest mir zu verbergen.

Salassin begab sich verwirrt in sein Zelt.

Der zum Aufbruch bestimmte Tag dämmerte, und das Heer brach unter wiederhallenden Musiken das Lager ab. In wenigen Tagen glänzten die vergoldeten Thurmspitzen der Residenzstadt den Siegern in die Augen, auf viele Meilen kam das Volk laut frohlockend entgegen, und begleitete sie in die wimmelnde Stadt.

Siebentes Kapitel.

Der Flüchtling in der Jammerburg.

Aus allen Provinzen Germaniens waren Menschen nach der Stadt gereist, um den Helden und die beneidenswürdigen Sieger zu sehen. Ein undurchdringliches Gemenge der Menschen regte sich auf den Plätzen und in den Strassen, wo das Heer durchziehen sollte. Alle Fenster waren gefüllt mit Menschen, und Bäume der Alleen in den Gässen und die Dächer der Gebäude trugen Zuschauer, die voll der gespanntesten Erwartung ihre Blicke dahin hefteten, wo die Tapfern zogen.

Im tellmannischen Pallaste waren die Wallingauer und ihre Freunde, mit klopfenden Herzen und unaufhörlich forschenden Augen den geliebten Helden zu ersehen; denn sie bezweifelten, daß Salassin das Heer doch verlassen habe, wiewohl sie keinen andern Grund dazu hatten, weil es ihre Herzen nicht glauben konnten, Salassin würde so übereilt seyn.

Die donnerngleich schmetternden Trompeten und Pauken erhallten und schallten endlich in der ersten Strasse beim Thore, das Volk rief laut sein kosendes Willkommen! Es lebe der Kaiser! Es lebe der Held!

Die Musiken erklangen, und das Heer stimmte sein Triumpflied an, daß es wie ein Strom durch die Stadt sich wälzte:

Triumpf! Triumpf! Triumpf! Erschallt Ihr Siegeshymnen tönt und hallt Durch Lüfte hoch empor! Der vor den Feinden uns erhob Dem Gott des Sieges Ruhm und Lob Erhalle Jubelchor!

Triumpf! Erklinge Liederklang! Wir ziehen unter Jubelsang In unser Vaterland! Um unsre Häupter grünt das Reiß Vom Eichenbaum, der Helden Preis, Der Tapferkeit Gewand!

Wir standen in dem Schlachtgewühl Ein Fels im Wogenschaumgespühl Und standen fest und kühn. Die Brust vom hohen Muth geschwellt Ein Gott war unsers Kaisers Held, Er schlägt, die Feinde fliehn!

Sie fliehn zerschlagen durch die Fluth Der Brüder schwarzgeronnen Blut, Ersiegt ist Heil und Ruh! Wir kämpften ja in Gottes Sold, Der Tapferkeit mit Siegen zollt, Uns floß sein Segen zu!

Triumpf! Wir kommen im Gewand Der Sieger heim ins Vaterland, Wo unsre Lieben sind! Mit doppelt hohem Brustgefühl Vertauschen wir das Schlachtgewühl, Und unser Friede grünt!

Triumpf! Triumpf! Triumpf! Erschallt Ihr Siegeshymnen, tönt und hallt Im Vaterland empor! Der vor den Feinden uns erhob, Dem Gott des Sieges Ruhm und Lob! Erhalle Jubelchor.

So sangen die Helden in den wiederhallenden Klang der Kriegsmusiken, und das Volk stimmte mit ein.

Der Kaiser mit den vornehmern Führern voran, das Heer nach über den großen Platz zur Residenz des Monarchen, an den sich die lärmende Menschenmenge unaufhörlich mit dem lauten Ruf ihres Jubels drängte.

Schon zog der letzte Trupp in schöner Ordnung bei dem Fürstenpallaste Tellmanns vorüber, und noch hatten die Freunde Salassins vergebens ihre Blicke in die Glieder des Heeres gelenkt. Salassin schloß mit einem zweiten Theil der vornehmern Offiziers den ganzen Zug.

Alle wähnten nun sicher und gewiß: Salassin ist doch fort! Der Kaiser ritt voran, und wenn Salassin das Heer nicht verlassen hätte, warum wäre er denn nicht an der Seite der Majestät, als ein so berühmter Held? -- So glaubten die Guten und zogen traurig die Blicke zurück, als sie im Gefolg des Monarchen den Ersehnten nicht gesehen hatten.

Nun spähen wir schon vergebens! -- rief Jadilla an Wellys Seite, und drehte sich vom Fenster.

So hat ihn doch sein Sturm in die Fremde verschlagen! -- sprach Bengler!

Ach! -- Wenn er mich so liebte wie ich ihn -- er wäre gewiß da! -- seufzte Lolly traurig, und sah noch ganz allein auf den Zug hinab.

Aber welch ein süsser Schrecken übergoß plötzlich ihre blassen Wangen mit Morgenröthe, als der letzte Trupp näher rückte, und Salassin in der Mitte der Offiziers auf einem stolzwiehernden Fuchse ritt! Ihr lautes Freudengeschrey: Salassin! Salassin! riß schnell alle wieder zum Fenster, und die Freunde erblickten ihn endlich. Er saß sinnig in sich gekehrt auf dem Pferde, und schien des Volkes Geschrey nicht zu hören, nicht zu sehn das Gedränge um ihn, und das Winken der Freunde, der Eltern, und Geliebten.

Ach! -- sein kämpfendes Herz befürchtete nur zu sehr, wie wehe es ihm werde, blickte er auf den tellmannischen Pallast, und sähe Lolly mit Sebalden da!

Dem Himmel sey Dank! Da ist er doch! -- riefen die Versammelten und schwammen in Entzücken.

Wie traurig er auf dem Pferde sitzt! Er sieht nicht einmal her auf uns. Er hört unsre Grüsse nicht! Sprachen sie wechselweise, und Lolly lief von einem Fenster zum andern.

Endlich stand der Zug grade vor Tellmanns Fenstern. Salassin war in der regesten Bewegung. Er warf einen flüchtigen Blick auf den Pallast, und -- wäre beinahe vom Gaule gesunken; denn Jilla lag neben Sebald im Fenster, er hatte diese sogleich erblickt, und die ungemeine Aehnlichkeit mit Lolly machte, daß er nun für ganz gewiß ihn mit Lolly glücklich und eins hielt.

Wie von Donner gerüttelt ermannte er sich, spornte das Roß, und gallopirte aus der Reihe heraus der kaiserlichen Residenz zu, mit dem festen Willen, sogleich die Stadt und das Land zu verlassen.

Noch war der Monarch mit dem herum sich drückenden Volke beschäftigt, das ihn Salassins Worte gar nicht einmal hören ließ, als Salassin Pflicht vergessend fortrannte, um durch das erste beste Thor in das Freye zu kommen.

Seine hitzige Eile machte alles aufmerksam -- Ein grosser Theil sah ihm nach, der größere drängte sich an ihn, hielt ihm des Pferdes Zaum und er mußte halten. Zwar that dies das Volk blos aus leidenschaftlicher Begeistrung, das den Retter des Vaterlandes vergötterte, und Salassin hatte Mühe das nächste Stadtthor zu erreichen.

Wohin? -- fragte der Thorsteher, und hielt den Zügel des Pferdes mit Mühe.

Salassin spornte den Renner, und wollte gewaltsam durchdringen. Jener winkte und die Thore schlossen sich.

»Nicht weiter! Wir dürfen heute Niemanden herauslassen.«

»Ich bin Salassin.

»Schon gut! So muß ich meinem Befehle gehorchen, und dich in dieses Gebäude da führen.« Er zeigte auf ein nahes Haus.

Mich? Warum? --

Der Thorsteher wies ihm des Kaisers Handschrift, und Salassin mußte sichs gefallen lassen, ihm zu folgen.

Im Vertrauen -- begann sein Verhaftsnehmer, als er den Helden in ein ganz artiges Zimmer geführt hatte -- Du wirst bald in Freiheit kommen. Sey so gut und bleibe hier -- mein Leben haftet für dich -- Du sollst alle Bequemlichkeit haben. Bis ich es dem Kaiser vorgezeigt habe, nur so lange verhalte dich da --

Es ist ohne Zweifel zu deinem Besten gemeint. Ich zeig es sogleich an.

Salassin warf sich in einen Sessel, und war zufrieden, wenigstens allein, und ungestört von allem, was ihm lästig fiel, worunter sogar des Volkes Freudenäußerungen waren, mit sich selbst zanken zu können.

So eben war der Monarch in den Gesellschaftssaal der Residenz getreten: Tellmann und seine Gäste nebst unzähligen Andern Edlen standen da, als der Thorsteher mit einem Papiere in der Hand hereintrat, und es Tellmann als dem Vorsteher der Polizey zur Seite gewinkt ins Ohr flüsterte, was mit Salassin vorgegangen war.

Warte nur! Du Wildfang! sprach Tellmann für sich. Du sollst uns entschädigen für die Streiche, die du machst. -- Er theilte den Vorfall seinen Freunden mit, mit denen er bald darauf den Residenzsaal verließ.

Alle brannten vor Begierde, den geliebten Flüchtling einmal wieder zu umarmen; am meisten was am wenigsten zu verargen ist -- Lolly.

Mädchen überzieht euch geschwinde! Aber ihr müßt Beide so ähnliche Kleider nehmen als ihr nur immer habt! Wir wollen uns zu gutem Ende mit dem Erstaunen Salassins ergötzen. -- So sprach Tellmann, und Lolly und Jilla thatens. Sie kleideten sich einfach und kunstlos, ein blaues Gewand mit rosenrothen Schleifen, Herbstveilchen im natürlich gelockten Haare -- kurz mit dem Zauber der Grazien geschmückt standen die Mädchen da, ähnlich daß ihren Eltern beinahe schwer zu rathen wurde, welches Jilla, welches Lolly sey.

»Ihr fahrt in dem Wagen, der hier unten vorm Pallaste steht -- fuhr Tellmann fort, als die beiden Anadyomenen fertig waren -- dahin wo der Kutscher euch führen wird. Das Zimmer, wo Salassin ist, wird man euch deuten. Ihr überreicht ihm diesen Verhaftsbefehl, und bringt den unbändigen Flüchtling in der Kutsche hieher. Doch die Fensterchen müßt ihr verschliessen, und wann er aussteigen soll, ihm die Augen verbinden. Nur stellt es hübsch klug an, und macht als kenntet ihr ihn nicht!«

Die Beiden fuhren dahin, das Zimmer ward ihnen gezeigt, sie traten hinein als Salassin eben in einer schwermüthigen Stellung Lollys Bildniß, das er damals mit forttrug, als er in den Krieg zog, in seinen Händen hielt. Eine Thräne stand dem Helden im Auge, und er drückte das Bildniß an seinen Mund.

Er erschrak bei dem Anblick der beiden Grazien so sehr, daß er das Bild aus den Händen fallen ließ.

Leb ich in einer Feenwelt? stotterte er vor sich hin, unentschlossen ob er ihnen entgegen kommen sollte oder nicht.

Wie nach einem Traumbild, das seine ganze Seele mit magischen Zauber verwirrte, streckte er unwillkührlich seine Arme aus; aber zog sie eben so schnell zurück, denn hier waren zwei Mädchen und eine nur konnte Lolly seyn, wenn es ja nicht etwa gar Geister sind.

Die Mädchen kicherten halb laut auf einander, als sie Salassin in seiner Verlegenheit sahen. Er starrte sie an, wie ein Träumer, der sein Traumbild plötzlich, wenn er erwacht, in Wirklichkeit sieht.

Kommt ihr aus den Gefilden der Feenwelt, Mädchen! -- fieng er endlich lächelnd an, als er sich von seinem Erstaunen erholt hatte: Die Mädchen blieben stumm. Nehmt mich auf in eure seeligen Fluren! Wer seyd ihr? Schwebt ihr hernieder aus Griechenlands Götterthum, oder aus Geßners Hirtenwelt? Führt mich, führt mich dahin woher ihr kommt! Wer seyd ihr?

Jilla wies schalkhaft auf Lolly, und diese auf jene, als wollten sie sagen, ich bin sie, und sie ist ich.

Redet, redet -- fantasirte Salassin trunken vom Zauberwein der schönen Empfindung fort -- Redet -- wo bin ich? Oder könnt ihr nicht sprechen?

Lolly hatte das Bildniß, so Salassin aus der Hand fallen ließ, aufgehoben, zeigte es Jillan und warf einen Blick auf den wirren Salassin, als wollte sie fragen, wer das sey?

Das bist du -- antwortete Salassin, indem er auf Jilla zeigte, welche das Köpfchen schüttelte, und auf Lolly wies.

O so mußt du es seyn! -- wandt er sich nach Lolly, die lächelnd nickte. Mit herzlichem Ungestümm wollte sie Salassin umarmen, aber sie sträubte sich mit erborgten Unwillen von ihm, und zog den Verhaftsbefehl aus dem Busen.

Salassins Augen verschlangen das Papier, das er kaum durchlesen betäubt fallen ließ.

Ich als ein Flüchtling gegen des Monarchen Gebot in die Jammerburg? Beim Himmel, fast glaub ich, mein Verstand ist dahin! O bringt mich, bringt mich nur immerhin in dies Gefängniß -- wenn ihr mir zur Seite bleibt, dann bin ich der seligste der beneidenswertheste Wahnsinnige.

Die Beiden lächelten und verbanden ihm die Augen, führten ihn in den Wagen, und rollten fort in den tellmannischen Pallast, wo alle mit unbeschreiblicher Spannung harrten.

Endlich kamen die Mädchen mit dem Flüchtling zurück, die Thüre öffnete sich, und sie führten den Augenverbundenen Salassin auf den Gesellschaftssaal, wo Welly und Jadilla, Bengler, Jehnsen und Marlon mäuschenstill saßen, und trotz der stürmenden Wonne, die ihnen im Innern arbeitete, kaum freien Athem schöpften, um Salassin nicht zu verrathen, daß er unter mehrern Menschen sich befände.

Als er in der Mitte des Saals stand, erhob sich Bengler, und sprach mit verstellter Stimme:

Junger Mann, diese Wohnung sey dein künftiger Aufenthalt! Du handeltest wider das Gebot deines erhabenen Monarchen, man hat Beweise von deiner Narrheit -- hier wirst du dein Leben verbringen.

Ich bins zufrieden -- antwortete Salassin mit etwas ernsthafter Stimme -- Nehmt mit nur die Binde ab, damit ich doch meine Wohnung sehen kann.

Beng. Gleich! Deine Freiheit hast du gesezmäßig verloren -- du wirst zwar alle Bequemlichkeiten des Lebens hier finden, aber aus diesem Gefängnisse kömmst du nie heraus. Des Monarchen Großmuth giebt dir überdies eine von den beiden stummen Führerinnen zur Pflegerinn, damit du bei ihrem Anblicke für das gestraft werdest, was du gegen Lolly deine ehmalige Geliebte verbrachst.

Sal. Das ist eine grausame Großmuth!

Beng. Nicht wieder voreilig! Bist du zufrieden mit dieser Strafe? Willst du nimmer entweichen diesen Banden, so dich jetzo umschlingen?

Sal. (den Lolly ihren Armen umschlang) Was bleibt dem Gefangenen übrig!

Beng. (Indem er Salassin die Binde vom Auge nimmt) Nun bleibe lebenslänglich in dieser Gefangenschaft.

Die Binde fiel ihm von den Augen, und Lolly hielt ihn in ihren Armen, indem sie sich zärtlich an ihn preßte, und Salassin! mein Geliebter! rief.

Sprachlos stand Salassin, die Ueberraschung tödtete alle Worte, er warf einen Blick auf die aufstehenden Freunde, und schloß Lolly in seine Arme.

Noch immer fand er die Sprache nicht, als seine Mutter und sein Vater und die Andern ihn brünstig umhalsten. Eine marmorne Bildsäule stand er da, als fühlt er nichts, als wäre das Bewustseyn auf immer entflohen.

Endlich erholte er sich, und eine heiße Freudenthräne rann über seine blasse Wange als Sebald ihn an sein Herz drückte. »Mein Sebald! vergieb! ich that dir Unrecht. Ja hielt dich mit Lolly einverstanden, und wollte mein Vaterland auf immer fliehen!« So sprach er und nun -- bricht die Urkunde aus dem Archiv der Zukunft ab, vermuthlich sah der Autor ein, daß seine Feder eben so schwach wie die meine sey -- alle die herzlichen Ergüssungen der namenlosen Freuden zu schildern, die hier jegliches Herz, wie die Frühlingssonne die verjüngten Gefilde durchstrahlten; wie Welly und Jadilla dem Bruder die Schwester, die er einst in der Fieberfantasey der Liebe in Sebalds Armen für Lolly hielt, zuführten; wie Salassin erstaunte, als man ihm alles enträthselte.

Soviel als ich vermuthen kann, dachte von itzo an Salassin nie wieder nach fremden Ländern zu fliehen, und es war ihm in der That wunderlich und banger zu Muthe als in der gefährlichsten Schlacht.

»Kinder!« -- sagte Bengler lächelnd -- »Wenn euch des Priesters Band wird umschlungen haben, irrt euch ja nicht einmal mit den Weibern. Du Salassin, daß du nicht Jilla für Lolly, und du Sebald, daß du nicht Lolly für Jilla in die Schlafkammer führst.«

_Ende_.

Epilog an meine Leser.

So weit war die Geschichte dieser Familie in dem Buche der Zukunft erzählet. Noch so manche Andere ist darinn beschrieben; erst will ich aber abwarten, ob mich ein süsses Beifallächeln meiner Leser aufmuntern wird, meine Mühe nicht unbelohnt zu verwenden. Von Vergangenheit und Gegenwart erfährt man in tausend tausendmal Büchern, es war wenigstens meine Absicht gut, wenn ich auch sehr wenig geleistet habe, einmal ein etwas neueres Gerücht aufzutischen. Manchmal wagt man ja doch auch, einen Blick weiter voraus zuwerfen, und ich bin hinlänglich belohnt, wenn mir hie und da ein freundliches Lächeln sagt: »Dein Büchelchen ist doch kein fader, gespenster wunder und märchenstrotzender Ritterroman. Du hast uns in einem kleinem Bändchen das erzählt, was ein Anderer in drei Alphabeten geliefert hätte.« Dann reut mich die Stunde nicht, die ich auf dieses Kind meiner Muse anwandte, und ich werde mich bemühen, den Beifall der Leser verdienter zu ärndten.

Inhaltsanzeige.

Erster Abschnitt.

Seite I. Kapitel. Blicke in die Zukunft. 5 II. -- -- Graf von Wallingau. 8 III. -- -- Der Spaziergang im Kastanienwäldchen. 12 IV. -- -- Auf Sonnenschein folgt Regen. 21 V. -- -- Der Gasthof. 28 VI. -- -- Die Abreise. 46 VII. -- -- Der Besuch. 56 VIII. -- -- Komm bald wieder zur Rosenfischerey! 71 IX. -- -- Die müden Wanderer. 81 X. -- -- Geschichte der müden Wanderer. 87 XI. -- -- Die Stadt. 95 XII. -- -- Das unvermuthete Wiedersehen. 99 XIII. -- -- Die Audienz. 104 XIV. -- -- Eine fürchterliche Begebenheit. 111 XV. -- -- Trennung. 118

Zweiter Abschnitt.

I. Kapitel. Fürst von Tellmann. 121 II. -- -- Eine Eroberung. 131 III. -- -- Das Bildniß. 140 IV. -- -- Das Gesellschaftshaus. 151 V. -- -- Die Bestellung. 154 VI. -- -- Die Portraitsvorzeigung. 169 VII. -- -- Das Abentheuer. 179 VIII. -- -- Das Aerndtefest. 185 IX. -- -- Die Einsiedeley. 190 X. -- -- Wohlthun bekäme bald übel. 203 XI. -- -- Die Erscheinungen im Lager. 219 XII. -- -- Unfall und Zufall. 227 XIII. -- -- Eine Nachricht aus der Heimat. 247 XIV. -- -- Die Verzweiflung. 258 XV. -- -- Begebenheiten. 270 XVI. -- -- Der neue Krieger. 286

Dritter Abschnitt.

I. Kapitel. Die Wahrheit in der Lüge. 296 II. -- -- Eine Hochzeit. 317 III. -- -- Eine Entdeckung. 336 IV. -- -- Der Gastwirth im Vollmond. 353 V. -- -- Jillas Eltern. 360 VI. -- -- Der Zurückzug der Sieger. 378 VII. -- -- Der Flüchtling in der Jammerburg. 383 Epilog an den Leser.

Anmerkungen zur Transkription

Die kräftig variierende Schreibweise, Grammatik und Interpunktion des Originales wurden unverändert beibehalten. Lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher): [p. 9]: ... Genuße der Früchte seiner Thatigkeit; häuslich ... ... Genuße der Früchte seiner Thätigkeit; häuslich ...

[p. 75]: ... meisten was ganz natürlich zu enträhtseln ... ... meisten was ganz natürlich zu enträthseln ...

[p. 87]: ... wollte nach der Residenzstand des Kaisers. ... ... wollte nach der Residenzstadt des Kaisers. ...

[p. 90]: ... Armen aus England zum Vater turg, ... ... Armen aus England zum Vater trug, ...

[p. 109]: ... Saal, wo die prächtigtigsten Denkmale ... ... Saal, wo die prächtigsten Denkmale ...

[p. 112]: ... hoch in die Luft, und sanken dornernd wieder ... ... hoch in die Luft, und sanken donnernd wieder ...

[p. 112]: ... Die beiden rannten dem Volksgegedränge ... ... Die beiden rannten dem Volksgedränge ...

[p. 126]: ... sie sah, gewahn er ihre Liebe, und Selmsons ... ... sie sah, gewann er ihre Liebe, und Selmsons ...

[p. 127]: ... mächtiger die alte Freundschaft, er mißgännte ... ... mächtiger die alte Freundschaft, er mißgönnte ...

[p. 170]: ... in einen Vovsaal des Musäums gelassen. ... ... in einen Vorsaal des Musäums gelassen. ...

[p. 210]: ... schrie er, esgriff einen Stab, und ... ... schrie er, ergriff einen Stab, und ...

[p. 211]: ... er vom Thoms nichts annehnen? ... ... er vom Thoms nichts annehmen? ...

[p. 220]: ... Er rief einige Grüsse den Aufsteigengen ... ... Er rief einige Grüsse den Aufsteigenden ...

[p. 229]: ... liefen eilends erschrocken herbei und halben ... ... liefen eilends erschrocken herbei und halfen ...

[p. 262]: ... tiefe grauervolle Todtenstille -- Kröten ... ... tiefe grauenvolle Todtenstille -- Kröten ...

[p. 288]: ... Jügling feurig, entschlossen, der diese ... ... Jüngling feurig, entschlossen, der diese ...

[p. 290]: ... Der Kaiser. Wolh! Es sey dir gewährt ... ... Der Kaiser. Wohl! Es sey dir gewährt ...

[p. 332]: ... ein Blitz alle Kieger entflammte, mit unbeschreiblicher ... ... ein Blitz alle Krieger entflammte, mit unbeschreiblicher ...

[p. 334]: ... Der Küster hatte sich schell an einem Zuge ... ... Der Küster hatte sich schnell an einem Zuge ...

[p. 335]: ... Bengler stand vor Erstauen und Freude ... ... Bengler stand vor Erstaunen und Freude ...

[p. 338]: ... gut ausfällt! Sie mir nur einmal den ... ... gut ausfällt! Sieh mir nur einmal den ...

[p. 348]: ... lächelnden Geis. ... ... lächelnden Greis. ...

[p. 358]: ... die Reizen durchschweben! Das soll ... ... die Reigen durchschweben! Das soll ...

[p. 358]: ... mir ein Fest werden! Marlon -- nicht war ... ... mir ein Fest werden! Marlon -- nicht wahr ...

[p. 387]: ... und zohen traurig die Blicke zurück, als ... ... und zogen traurig die Blicke zurück, als ...

[p. 388]: ... als der letze Trupp näher rückte, ... ... als der letzte Trupp näher rückte, ...

End of Project Gutenberg's Guirlanden um Die Urnen der Zukunft, by A. K. Ruh