Grundriß der menschlichen Erblichkeitslehre und Rassenhygiene (1/2) Menschliche Erblichkeitslehre

Part 4

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Man kann nun auch Rassen kreuzen, die in noch mehr Merkmalen verschieden sind. Wir können etwa kreuzen ein elfenbeinfarbiges normales hochwüchsiges Löwenmaul mit einem roten pelorischen niedrigwüchsigen. F_{1} ist dann rot normal und hoch. Es dominiert hoher Wuchs ziemlich weitgehend über niedrigen Wuchs. Bezeichnen wir eine Geschlechtszelle, welche das Merkmal „hoher Wuchs“ überträgt, mit #X# und eine, welche das Merkmal „niedriger Wuchs“ überträgt, mit #x#, und behalten wir für Form und Farbe die früheren Bezeichnungen bei, so ist die „Formel“ der elfenbeinfarbigen normalen hohen Rasse #ff EE XX# und die der roten pelorischen niedrigen #FF ee xx#. Der Bastard ist dann #EeFf Xx# und bildet ~achterlei~ verschiedene Geschlechtszellen aus, nämlich: #FEX#, #FEx#, #FeX#, #Fex#, #fEX#, #fEx#, #feX#, #fex#, zwischen denen #64# verschiedene Vereinigungen möglich sind. Äußerlich verschieden sind auch hier nicht alle 64 Kombinationen, sondern, wenn wir die Unterschiede zwischen den Homo- und Heterozygoten außer acht lassen, finden wir in F_{2} achterlei verschiedene Pflanzen, nämlich: #1.# rot normal hoch (27), #2.# rot normal niedrig (9), #3.# rot pelorisch niedrig (9), #4.# rot pelorisch hoch (9), #5.# elfenbein normal hoch (3), #6.# elfenbein normal niedrig (3), #7.# elfenbein pelorisch hoch (3), #8.# elfenbein pelorisch niedrig (1). Das Zahlenverhältnis, in dem in F_{2} diese verschiedenen Pflanzen auftreten, ist überall in () beigefügt. Jeder von diesen Typen kann, homozygotisch gezüchtet werden, es ist also leicht möglich, durch eine einzige solche Rassenkreuzung eine ganze Reihe ~neuer~ Rassen zu erhalten, die freilich im Grunde genommen alle nur neue ~Kombinationen~ der sich unabhängig voneinander vererbenden Unterschiede zwischen den Ausgangsrassen sind. Kreuzen wir Rassen, die sich in noch mehr Merkmalen unterscheiden, dann gelten dieselben Gesetzmäßigkeiten weiter. Was für Zahlenverhältnisse dabei auftreten, und welche allgemeine Formel für n-Merkmale aufgestellt werden kann, zeigt die nebenstehende Tabelle (S. 35).

Mit der zunehmenden Zahl von selbständig sich vererbenden Unterschieden zwischen zwei gekreuzten Rassen wird demnach die Zusammensetzung der F_{2}-Generation rasch ganz ungemein kompliziert. Zeigen z. B. zwei Rassen sieben selbständige Unterschiede, so treten in F_{2} schon 2^7 = 128 äußerlich verschiedene Sorten von Individuen auf.

==================================================================== Zahl der Unterschiede der P_{1}-Individuen | |Zahl der ~verschiedenen~ Arten von Geschlechtszellen, welche in | F_{1} gebildet werden | | | |Zahl der möglichen Kombinationen der Geschlechtszellen | | | | | |Höchstzahl d. äußerlich verschiedenen Kategorien von | | | F_{2}-Individuen, wenn überall völlige Dominanz | | | vorliegt | | | | | | | |Die ~äußerlich~ verschiedenen Sorten von F_{2}- | | | | Individue nsind, wenn überall völlige Dominanz | | | | vorliegt, vertreten durch Individuenzahlen | | | | welche zueinander in den folgenden | | | | Verhältnissen stehen. (Hängt ~eine~ äußerlich | | | | sichtbare Eigenschaft von ~mehreren~ | | | | heterozygotisch vorkommenden Faktoren ab, dann | | | | treten hier abweichende, allerdings aus den | | | | nachstehend genannten ableitbare Zahlenreihen | | | | auf.) ==+====+=====+====+================================================= 1 | | | | |2^1 | | | |= 2 | | | | |(2^1)^2 | | | = 4 | | | |2^1 | | | |= 2 | | | | | 3 : 1 | | | | --- --- | | | | | | | | | | 1 1 --+----+-----+----+------------------------------------------------- 4 | | | | |2^4 | | | |= 16| | | | |(2^4)^2 | | | = 256 | | | |2^4 | | | |= 16| | | | | 81:27:27:27:27:9:9:9:9:9:9:3:3:3:3:1 | | | | -- ----------- ----------- ------- - | | | | | | | | | | | | | 1 4 6 4 1 --+----+-----+----+------------------------------------------------- n | | | | |2^n | | | | |(2^n)^2 | | | | | | | |2^n | | | | | | | | |3^n:3^{n-1}:3^{n-1}:3^{n-1}...:3^{n-2}:3^{n-2}: | | | | 3^{n-2}...usw. | | | |------------------------------------------------- | | | | | | | | | | | 1 .. _usw. = Koefficienten d. Binoms (a+a)n_ .. 1

Auch zahlreiche Kreuzungsergebnisse, die zunächst sich durchaus nicht den Spaltungsgesetzen zu fügen schienen, sind bei näherer Untersuchung doch als völlig mit ihnen in Einklang stehend erkannt worden. Freilich sind dabei sehr viele Verwickelungen der Spaltungserscheinungen bekannt geworden, welche das Verständnis einer Kreuzung oft sehr erschweren können. Die wichtigste ist die, daß eine scheinbar einheitliche Eigenschaft immer abhängt von mehreren selbständig mendelnden „Faktoren“. Es kann z. B. die braune Farbe in den Federn eines Vogels dadurch zustande kommen, daß ein farbloses Chromogen durch die Einwirkung eines Enzyms erst die braune Farbe erhält. „Fähigkeit zur Bildung des Enzyms“ und „Fähigkeit zur Bildung des Chromogens“ können aber ~selbständig~ sich vererbende und ~jede für sich unabhängig~ mendelnde Eigenschaften sein. Es kann z. B. ~einer~ weißen Hühnerrasse die Fähigkeit zur Enzymbildung fehlen, während die Fähigkeit zur Chromogenbildung vorhanden ist. Einer ~anderen~ weißen Rasse kann die Fähigkeit zur Chromogenbildung fehlen bei Vorhandensein der Fähigkeit zur Enzymbildung. Kreuzt man zwei derartige, ~aus verschiedenen Ursachen weiße~ Rassen, so werden Bastarde entstehen, die von dem einen Elter her die Fähigkeit zur Enzymbildung, vom anderen die Fähigkeit zur Chromogenbildung ererbt haben, und die demnach durch „Bastardatavismus“ ~gefärbtes~ Gefieder haben, und die weiterhin bei Paarung untereinander aufspalten müssen in neun Teile gefärbte und sieben Teile weiße Nachkommen.

Wenn wir mit irgendeiner Pflanze oder irgendeinem Tier zahlreiche Kreuzungsversuche durchführen, dann kommen wir rasch dazu, eine gewisse Anzahl solcher Erbfaktoren festzustellen, und dabei zeigt sich immer wieder, ~daß der scheinbar unübersehbaren großen Zahl von Sorten- und Rassenunterschieden innerhalb einer~ „~Art~“ #immer nur wieder andere Kombinationen# ~einer verhältnismäßigen kleinen Zahl mendelnder Unterschiede zugrunde liegen~. Das ist wohl am leichtesten an dem Beispiel der ~Kaninchen~ zu zeigen. Die wichtigsten und am häufigsten vorkommenden Farbenrassen lassen sich hier auf folgende Unterschiede zurückführen:

Grundunterschied ~Wirkung.~

#A a# Alle #aa#-Tiere können überhaupt keine Haar- und Augenfärbung ausbilden, ganz einerlei, was sie im übrigen für eine Erbformel haben, sie sind weiß mit roten d. h. farblosen Augen, „typische Albinos“.

#Aa# und #AA#-Tiere, denen aber der zweite wichtige Pigmentfaktor #X# fehlt (die also #XX# oder #Xx# in der Erbformel haben) sind weiß mit ~blauen~ Augen (z. B. die „weißen Wiener Kaninchen“).

#X x# #X# ist der zweite wichtige Faktor für Farbstoffbildung, zusammen mit #A# ermöglicht er die Bildung einer ~gelben~ Haarfarbe.

#B b# #B# ermöglicht die Umwandlung der durch #A# und #X# zuwege gebrachten ~gelben~ Haarfarbe in ein ~helles Braun~.

#C c# #C# verändert die durch #A#, #X# und #B# erzielte braune Farbe in ~Blau~.

#D d# #D# macht die durch die übrigen Faktoren bewirkte Haarfarbe dunkler.

#AXBcd# ist hellbraun.

#AXBcD# ist schokoladebraun (die als „havannafarbig“ bezeichneten Kaninchen haben diese Farbe). #AXBCd# ist blau (wie die „~blauen Wiener~“).

#AXBCD# ist satt schwarz.

#G g# #G# bedingt, daß die Haare nicht in ihrer ganzen Länge gleichmäßig gefärbt sind, sondern ~bandartig helle und dunkle Zonen zeigen~. Ein Tier von der Formel #AXBCDg# ist ~schwarz~, eines von der Formel #AXBCD# ist ~wildfarbig~, wie die wilden Kaninchen. Entsprechend ist ein Tier von der Formel #AXBCdg# einheitlich ~blau~, eines von der Formel #AXBCdG# dagegen „~blau-wildfarbig~“, d. h. blau im Grundton, aber mit der gebänderten Haarzeichnung der wilden Kaninchen. Ebenso gibt es zu den gelben Tieren entsprechende „gelb-wildfarbige“ usw.

Außer in der Haarzeichnung äußert sich #G# auch darin, daß alle #G#-Tiere einen weißen, oder doch sehr hellen Bauch und eine weiße Unterseite des Schwänzchens haben, während alle #gg#-Tiere Bauch- und Schwanzunterseite ebenso gefärbt haben wie den übrigen Körper.

#K k# Alle #K#-Tiere sind gescheckt, d. h. sie zeigen in dem je nach ihrer übrigen Formel gefärbten Fell ~weiße~ unregelmäßige ~Flecke~.

#M m# Alle #mm#-Tiere, die ihrer übrigen Formel nach schwarz sein sollten, sind ~schwarz gefleckt auf gelbem Grunde~. Entsprechende #mm#-Tiere, die ihrer sonstigen Formel nach ~wildfarbig~ sein sollten, sind ~wildfarbig gefleckt~ auf ~gelb-wildfarbigem Grunde~ und ihrer sonstigen Formel nach blaue Tiere sind blau gefleckt auf hellgelbem Grunde usw.

#N n# #nn#-Tiere haben die durch ihre übrige Formel bedingte Farbe, nur auf der Nase, in den Ohren, den Pfoten und dem Schwanz. Man heißt die so gefärbten Tiere „~russisch gefärbt~“, sie sind im übrigen weiß behaart und rotäugig. Was für eine Farbe sie in ihren „peripheren“ Körperteilen haben, hängt ab von ihrer übrigen Formel. Es gibt wildfarbige, schwarze, blaue usw. Russen-Kaninchen.

#O o# #O# bedingt ebenfalls eine bestimmte Verteilung der Farbe über den Körper. Ein Tier von der Formel #AXBCDgkMNo# ist ~rein schwarz~, eines von der Formel #AXCDgkMNO# ist „~schwarzloh~“ gefärbt (black and tan), d. h. schwarz mit lohfarbener Tönung über den Augen, in den Ohren, an den Pfoten und an einigen anderen Stellen des Körpers (es ist das eine Färbung, die bei Dachshunden, Dobermannpintschern usw. sehr häufig gefunden wird). #O#-Tiere, die ihrer übrigen Formel nach blau sein sollten, sind ~blau-loh~ farbig (blue and tan) usw.

#P p# Alle #P-#Tiere haben in dem je nach ihrer übrigen Formel gefärbten Felle weiße Grannenhaare eingesprengt, sind „silberig“. Diese Silberung, die offenbar der ~Schimmelung der Pferde~ entspricht, tritt erst an etwa 6 Wochen alten Tieren auf. Es gibt mehrere „gleichsinnig wirkende Faktoren“ (vgl. S. 40), die alle die Silberung verstärken.

#V v# Alle #vv#-Tiere haben Angorahaar.

Allein diese zwölf Grundunterschiede bedingen in ihren verschiedenen Kombinationen eine sehr große Zahl (4096) von Rassen, und man kann sich durch Kreuzung von Tieren, deren Formel man kennt, beliebige neue Kombinationen, d. h. neue Rassen machen, das sei an einem Beispiel gezeigt.

Ein Tier von der Formel #~aa XX BB CC DD gg kk MM NN oo pp vv~# ist #weiß Angora mit roten Augen#. Ein Tier von der Formel #~AA XX BB CC dd GG kk MM~ NN oo pp VV# ist #blau wildfarbig und kurzhaarig#.

Die Bastarde zwischen diesen beiden Tieren sind wildfarbig, und glatthaarig (gleichen also ganz den wilden Kaninchen). In F_{2} erfolgt aber eine Spaltung in folgenden Sorten: 1. wildfarbig kurzhaarig, 2. wildfarbig angorahaarig, 3. schwarz kurzhaarig, 4. schwarz angorahaarig, 5. blau wildfarbig kurzhaarig, 6. blau wildfarbig angorahaarig, 7. blaugrau kurzhaarig, 8. blaugrau angorahaarig, 9. weiß kurzhaarig, 10. weiß angorahaarig. Oder um ein weiteres Beispiel zu geben, die Kreuzung #~aa XX BB CC dd gg kk MM NN oo pp vv~# (weißes Angora-Kaninchen) #~AA xx BB CC dd GG kk MM NN oo pp VV~# (weißes Wiener Kaninchen) gibt wildfarbige, kurzhaarige Tiere, die weiterhin in F_{2} eine sehr bunte Aufspaltung geben. Einen entsprechenden Fall bei Menschen hätten wir in der Kreuzung eines albinotischen Negers (weißhäutig) mit einem hellhäutigen Europäer, wo F_{1} ~dunkel~ gefärbt ist, wie die sonstigen Mulatten.

Die aufgeführten Grundunterschiede sind nicht die einzigen, die bei den Kaninchen bisher herausgearbeitet sind. Es ist heute schon eine ganze Reihe von anderen bekannt, aber immerhin ist die Zahl der Grundunterschiede ~eine verschwindend geringe im Vergleich mit der sehr großen Zahl von Rassenunterschieden~. Allein die aufgeführten #12# Grundunterschiede ermöglichen, wie gesagt, #4096# erblich verschiedene Typen, von denen allerdings 1/4 d. h. #1024# weiß und rotäugig und weitere 768 weiß und blauäugig sind. Alle anderen #2304# Typen sind aber auch äußerlich verschieden. Hergestellt und als Zuchtrassen gezogen sind davon nur verhältnismäßig wenige, es ist aber sehr leicht, sich irgendeine heute im Handel nicht aufzutreibende, vielleicht überhaupt noch nie vorhanden gewesene bestimmte Kombination herzustellen und als „Rasse“ rein herauszuzüchten. ~Man kann also mit einer erst einmal genügend analysierten Spezies ganz ähnlich wie ein Chemiker synthetisch und ganz zielbewußt bestimmte, gewünschte Eigenschaftskombinationen d. h. bestimmte neue Rassen herstellen.~

* * * * *

Was wir an einem fertigen Organismus als eine einheitliche Eigenschaft sehen, etwa eine bestimmte Färbung der Haare, wird, wie wir bisher schon an einer ganzen Reihe von Beispielen kennen gelernt haben, stets bedingt durch eine größere Anzahl von Erbfaktoren, man denke z. B. an die vielen Faktoren, die beim Zustandekommen der Wildfarbe der Kaninchen mitspielen. Es kommt ferner auch häufig vor, daß ~ganz verschiedene und unabhängig voneinander sich vererbende Faktoren ganz in gleicher Weise sich äußern~. Ein schematisches Beispiel macht es wohl am raschesten klar: Daß eine Weizenrasse ziemlich immun gegen einen parasitischen Pilz ist, kann dadurch bedingt sein, daß sie durch den ~Bau ihrer Zellwände~ besonders gut gegen das Eindringen der Haustorien der Pilze geschützt ist.

Eine ~andere~ Weizenrasse kann genau denselben Grad der Immunität zeigen, aber hier beruht die Immunität etwa auf dem Vorhandensein von bestimmten ~Schutzstoffen~ im ~Zellsaft~. Kreuzt man die beiden gleich stark immunen und vielleicht auch sonst äußerlich nicht verschiedenen Rassen, so wird man einen Bastard bekommen, der jetzt die ~beiden~ Ursachen der Immunität ererbt hat, aber jede nur ~heterozygotisch~ enthält und deshalb -- wenn nur teilweise Dominanz vorliegt -- ebenfalls nur ungefähr ebensogut immun ist, wie jede der beiden Ausgangsrassen. In der F_{2}-Generation dieser Bastarde müssen nun aber auch Pflanzen auftreten, die ~homo~zygotisch, #beide# Ursachen der Immunität ererbt haben, also ~doppelt so stark immun sind~, als die Ausgangsrassen es waren, es müssen ferner -- als die ganz rezessiven Kombinationen -- Pflanzen auftreten, die ~keine~ von den beiden Ursachen ererbt haben, infolgedessen ~überhaupt nicht immun~ sind, und endlich muß eine Reihe von Zwischentypen, deren Immunität ungefähr derjenigen der Ausgangsrassen entspricht, entstehen. Ein sehr lehrreicher Fall dieser Art sei nach ~Nilsson-Ehle~, dem wir die Aufklärung dieser zunächst unverständlichen Vererbungserscheinungen verdanken, genauer besprochen. Es ist wahrscheinlich, daß ähnliche Verhältnisse sich bei Menschen ~sehr~ häufig finden. Beim ~Weizen~ wird rote Kornfarbe bedingt durch mindestens drei unabhängig voneinander mendelnde Faktoren #R#, #S# und #T#. Eine Pflanze, die nur ~einen~ von diesen Faktoren heterozygotisch enthält, etwa #Rrsstt# oder #rr Ss tt# usw., ist ganz ~blaß~rot, eine Pflanze, die einen von diesen Faktoren ~homo~zygotisch enthält, also etwa #RR ss tt# oder #rr SS tt# usw. ist, hat ein etwas dunkleres Rot, und endlich, am anderen Ende der Reihe, Pflanzen, die alle drei Faktoren homozygotisch enthalten -- #RR SS TT#-- sind am dunkelsten rot.

Kreuzt man eine weiße Rasse, die keine von diesen Faktoren enthält (#rr ss tt#) mit einer homozygotisch dunkelroten (#RR SS TT#), so bekommt man einen Bastard #Rr Ss Tt#, der in der Farbe eine ~Mittelstellung~ einnimmt, ~blaßrot~ gefärbt ist. Dieser Bastard bildet die acht Geschlechtszellen: #RST#, #RSt#, #RsT#, #Rst#, #rST#, #rsT#, #rst#, und diese achterlei Geschlechtszellen können sich in den nebenan in Tabellenform dargestellten Kombinationen vereinigen.

In der zweiten Spalte ist angegeben, welche Kornfarbe die einzelnen Kategorien haben, dabei ist das durch die drei homozygotisch vorhandenen Faktoren bedingte dunkelste Rot als rot VI, Weiß als rot 0 und das nur durch einen heterozygotischen Faktor bedingte ~hellste~ Rot als rot I bezeichnet, und entsprechend ist die Bezeichnung der übrigen Abstufung der Farbe.

Die Tabelle zeigt, daß in der F_{2}-Generation der Kreuzung neben ganz seltenen Pflanzen, welche genau die Färbung der Elternrassen zeigen, eine lange Reihe von verschieden gefärbten ~Zwischenstufen~ auftreten müssen, nämlich mehr oder weniger dunkelrot gefärbte Pflanzen mit den Färbungsabstufungen rot I bis rot V.

========================================================== Mögliche | | Kombinationen | F_{2} | F_{3} der | | Geschlechtszellen | | ------------------+----------+---------------------------- 1) RST × RST | rot VI | rot[B] 2) RST × RSt | „ V | „ 3) RST × RsT | „ V | „ 4) RST × Rst | „ IV | „ 5) RST × rST | „ V | „ 6) RST × rSt | „ IV | „ 7) RST × rsT | „ IV | „ 8) RST × rst | „ III | spaltend in 63 rot: 1 weiß | | 9) RSt × RST | „ V | rot 10) RSt × RSt | „ IV | „ 11) RSt × RsT | „ IV | „ 12) RSt × Rst | „ III | „ 13) RSt × rST | „ IV | „ 14) RSt × rSt | „ III | „ 15) RSt × rsT | „ III | spaltend in 63 rot: 1 weiß 16) RSt × rst | „ II | „ „ 15 „ : 1 „ | | 17) RsT × RST | „ V | rot 18) RsT × RSt | „ IV | „ 19) RsT × RsT | „ IV | „ 20) RsT × Rst | „ III | „ 21) RsT × rST | „ IV | „ 22) RsT × rSt | „ III | spaltend in 63 rot: 1 weiß 23) RsT × rsT | „ III | konstant 24) RsT × rst | „ II | spaltend in 15 rot: 1 weiß | | 25) Rst × RST | „ IV | rot 26) Rst × RSt | „ III | „ 27) Rst × RsT | „ III | „ 28) Rst × Rst | „ II | „ 29) Rst × rST | „ III | spaltend in 63 rot: 1 weiß 30) Rst × rSt | „ II | „ „ 15 „ : 1 „ 31) Rst × rsT | „ II | „ „ 15 „ : 1 „ 32) Rst × rst | „ I | „ „ 3 „ : 1 „ | | 33) rST × RST | „ V | rot 34) rST × RSt | „ IV | „ 35) rST × RsT | „ IV | „ 36) rST × Rst | „ III | spaltend in 63 rot: 1 weiß 37) rST × rST | „ IV | rot 38) rST × rSt | „ III | „ 39) rST × rsT | „ III | „ 40) rST × rst | „ II | spaltend in 15 rot: 1 weiß | | 41) rSt × RST | „ IV | rot 42) rSt × RSt | „ III | „ 43) rSt × RsT | „ III | spaltend in 63 rot: 1 weiß 44) rSt × Rst | „ II | „ „ 15 „ : 1 „ 45) rSt × rST | „ III | rot 46) rSt × rSt | „ II | „ 47) rSt × rsT | „ II | spaltend in 15 rot: 1 weiß 48) rSt × rst | „ I | „ „ 3 „ : 1 „ | | 49) rsT × RST | „ IV | rot 50) rsT × RSt | „ III | spaltend in 63 rot: 1 weiß 51) rsT × RsT | „ III | rot 52) rsT × Rst | „ II | spaltend in 15 rot: 1 weiß 53) rsT × rST | „ III | rot 54) rsT × rSt | „ II | spaltend in 15 rot: 1 weiß 55) rsT × rsT | „ II | rot 56) rsT × rst | „ I | spaltend in 3 rot: 1 weiß | | 57) rst × RST | „ III | spaltend in 63 rot: 1 weiß 58) rst × RSt | „ II | „ „ 15 „ : 1 „ 59) rst × RsT | „ II | „ „ 15 „ : 1 „ 60) rst × Rst | „ I | „ „ 3 „ : 1 „ 61) rst × rST | „ II | „ „ 15 „ : 1 „ 62) rst × rSt | „ I | „ „ 3 „ : 1 „ 63) rst × rsT | „ I | „ „ 3 „ : 1 „ 64) rst × rst | weiß 0 | weiß

Wenn wir die Tabelle daraufhin ansehen, wie häufig die einzelnen Färbungen in F_{2} vertreten sein müssen, so ergibt eine Auszählung folgendes:

Von den 64 möglichen Kombinationen ergeben:

#1# Kombination Pflanzen mit der Farbe rot VI (wie die eine P_{1}-Pflanze)

#6# Kombinationen „ „ „ „ „ V

#15# „ „ „ „ „ „ IV

#20# „ „ „ „ „ „ III

#15# „ „ „ „ „ „ II

#6# „ „ „ „ „ „ I

#1# Kombination „ „ „ „ „ 0 (weiß, wie die andere P_{1}-Pflanze).

Es ist danach zu erwarten, daß F_{2} einer solchen Kreuzung besteht aus ~sehr zahlreichen~ Pflanzen, welche eine ~mittlere~ Stärke der roten Färbung zeigen, und aus ~sehr wenigen~, welche ~sehr dunkel~ und ebenso ganz wenigen, welche ~sehr hell~ sind. Ferner zeigt ein Blick auf die Zahlenreihe 1, 6, 15, 20, 15, 6, 1, welche die Häufigkeit der einzelnen Intensitäten angibt, ~daß diese Zahlenreihe der~ #Zufallskurve# ~entspricht~.

Also wenn, so wie in unserem Beispiel, die Kornfarbe von einer Anzahl Faktoren beeinflußt wird, die unabhängig mendeln, und auch unabhängig voneinander sich äußern, die sich aber in ihrer Wirkung ~summieren~, dann wird eine in mehreren von diesen Faktoren heterozygotische Pflanze Nachkommen geben, die eine ganze Reihe von Färbungsabstufungen aufweisen; dabei werden Pflanzen mit einer mittleren Stärke der Färbung sehr häufig sein, ganz helle und ganz dunkle Pflanzen dagegen seltener und zwar der ~Zufallskurve entsprechend~ immer seltener, je heller und je dunkler sie sind.