Griechische Altertumskunde

Part 10

Chapter 103,080 wordsPublic domain

Die _Entwickelung des Bühnengebäudes_ sucht man sich in folgender Weise zurechtzulegen: Für den Schauspieler diente ursprünglich als Aufenthaltsort vor dem Auftreten, sowie als Umkleideraum die _Skene_, ein Zelt oder eine Bude. Diese verdeckte man im Lauf der Zeit durch eine davorgestellte _Dekorationswand_ (_Proskenion_, d. h. das, was vor der Skene sich befindet), welche mit einer oder mehreren Türen für die auf- und abtretenden Schauspieler versehen war und die Außenseite eines Hauses, in der Tragödie gewöhnlich eines Palastes, darstellte. Diese Dekorationswand gab zugleich der Orchestra einen auch aus akustischen Gründen wünschenswerten Hintergrund und baulichen Abschluß. Weiterhin wurde die _Skene zu einem massiven Gebäude_ ausgestaltet und die zunächst davorgesetzte bewegliche und temporäre Dekorationswand durch eine feste, mit Reliefs verzierte und durch Säulen oder Pfeiler gegliederte Steinwand ersetzt. So habe das ganze Bühnengebäude als Proskenion, d. h. als Hintergrund für die in der Orchestra stattfindenden Aufführungen gedient. Eigene erhöhte Sprechbühnen für die Schauspieler dagegen habe man erst in römischer Zeit gebaut, und erst durch Umbauten, die in dieser Zeit vorgenommen worden seien, hätten auch ältere griechische Theater solche erhalten.

Für die _Zuschauer_ schlug man in der ältesten Zeit _Holzgerüste_ (_ἴκρια_) auf, welche jedesmal nach den Aufführungen wieder abgebrochen wurden. Als man zum Bau fester Theater überging, angeblich infolge wiederholten Zusammenbrechens solcher Gerüste, benutzte man die natürlichen Verhältnisse des Erdbodens und wählte _eingebuchtete Anhöhen_, welche einen natürlichen Zuschauerhalbring darboten. Die konzentrisch „in weiter stets geschweiften Bogen“ aufsteigenden Sitzreihen wurden entweder aus dem lebendigen Felsen herausgehauen oder durch Steinplattenbelag hergestellt.

Die Anlage des Zuschauerraumes wie des griechischen Theaters überhaupt zur Zeit des entwickelten Theaterbaus veranschaulicht uns am deutlichsten der Grundriß des _Theaters von Epidauros_ (s. Abbildung S. 127 und Titelbild).

Hier ist der Zuschauerhalbring in halber Höhe durch einen 1,9 m breiten Umgang (Diazoma) in eine untere Abteilung von 32 und eine obere von 20 prächtigen Sitzreihen aus hellschimmerndem Kalkstein getrennt; dazu kommen 3 Reihen Ehrensitze, eine am Rande der Orchestra, 2 zu den beiden Seiten des Diazoma. Schmale Treppen, deren Stufen halb so hoch wie die Sitzstufen sind, teilen die untere Abteilung in 13, die obere in 25 keilförmige Ausschnitte (Kerkides), welche nach dort aufgestellten Bildsäulen benannt waren. Nach hinten war der Zuschauerraum durch einen 2 m breiten oberen Umgang und eine Gürtungsmauer abgeschlossen, welche an den beiden Endkeilen des Halbringes umbog und in 2 Seitenmauern zur Orchestra herabstieg. Die _Orchestra_ selbst ist eine von einem Plattenring umschlossene Kreisfläche, welche von der untersten Sitzstufe durch einen 0,2 m niederer gelegenen Umgang getrennt ist, der, wie zwei Abzugslöcher zeigen, auch als Wasserablauf diente. Genau in der Mitte der Orchestra ist ein runder Stein von 0,7 m Durchmesser eingelassen, der wohl den Rundaltar des Dionysos trug. Zwischen Zuschauerraum und Bühne führen 2 über 5 m breite Eingänge (Parodoi) zur Orchestra, durch welche sich das Publikum auf seine Plätze begab und der Chor einzog. Das _Bühnengebäude_ besteht in dem zurückliegenden Hauptbau, aus welchem sich drei Türen nach dem 3–4 m über die Orchestra erhöhten sogenannten Logeion oder Proskenion öffnen. Dieses ist beiderseitig von Flügelbauten (Paraskenia) umgeben, aus welchem je eine Rampe zu den Orchestraeingängen hinabführt. Trotz seiner großen Ausdehnung ist das griechische Theater sehr gehörsam. Bei meinem Besuche in Epidauros trug ich (Maisch), in der Orchestra stehend, das Sophokleische Chorlied „Vieles Gewaltige lebt“ mit halblauter Stimme vor, und doch vernahm mein Begleiter, der auf der obersten Reihe sitzend etwa 70 m von mir entfernt war, jedes Wort deutlich. Dabei ist zu beachten, daß die für die Schallverteilung besonders wichtige Gürtungsmauer und hintere Bühnenwand heutzutage fehlen.

Mit dem Theater hatte das „_Odeion_“, das „Gesangshaus“, den allgemeinen Grundriß gemein. Dasselbe unterschied sich nur durch geringere Ausdehnung und steileres Ansteigen der Sitzstufen, wodurch eine _Überdachung_ des ganzen Raumes ermöglicht wurde. Als das schönste Odeion galt das von Perikles erbaute; das besterhaltene ist dasjenige, welches Herodes Attikus (zwischen 160 und 170 n. Chr.) am Südwestfuß der Akropolis aus Marmor und Zedernholz erbaut hat, dessen gewaltige Ruine in den Kämpfen der Türken und Griechen als Festung diente und noch heute unser Staunen erregt.

An beweglichen _Dekorationen_ besaß das griechische Theater außer großen gemalten, vor der Rückwand aufgespannten _Szenerien_ seitlich angebrachte dreiseitige, um einen Zapfen drehbare Holzprismen, die _Periaktoi_, die auf jeder Seite eine verschiedene Dekoration hatten und etwa unseren heutigen Kulissen entsprechen. Götter und Heroen erscheinen entweder auf einem Balkon an der Skenenwand, der _Götterbühne_ (Theologeion), oder kommen durch die Luft auf der „_Maschine_“ (_θεὸς ἀπὸ μηχανῆς_, _deus ex machina_) angeschwebt, um die verwickelte Handlung durch einen Machtspruch zu lösen. Vorgänge, welche sich im Innern der Wohnung abspielen, zeigt das _Ekkyklema_, wohl ein Gerüst auf Rollen. Die Geister der Verstorbenen stiegen auf der _Charonischen Stiege_ empor; als solche diente vielleicht der unterirdische, aus dem Bühnengebäude in die Orchestra führende Gang, der neuerdings z. B. in Eretria und Sikyon aufgedeckt wurde. Auch hatte man _Blitz- und Donnermaschinen_ (_κεραυνοσκοπεῖα, βροντεῖα_) u. a. m.

Entsprechend dem religiösen Herkommen und dem Bedürfnis des weiten Raumes trugen die Schauspieler Charaktermasken (_προσωπεῖα, πρόσωπα_), Stiefel (_κόθορνος, ἐμβάτης_) mit hoher Korksohle und einen wattierten Leib (_σωμάτιον_). Ganz richtig sagt Schiller: „Es steigt das Riesenmaß der Leiber hoch über Menschliches hinaus.“ Mußte hierbei auf das Mienenspiel verzichtet werden, so wurden dafür die Maskentypen bis ins einzelne ausgearbeitet. Dabei konnte es nicht auffällig erscheinen, wenn die Frauenrollen von Männern gegeben wurden. In der Tragödie, wo Könige und Götter aus alter Zeit auftraten, wurde die altertümliche Tracht (vgl. § 58) mit dem feierlichen orientalischen Prunk beibehalten, während für die Komödie, welche die gegenwärtige Zeit behandelte, die gewöhnliche Volkstracht gewählt wurde.

*Das Kriegswesen.*

*§ 56. Das Landheer.*

Jeder Bürger muß im Heere dienen, die Klassen I bis III (s. § 25) als Reiter bzw. Schwerbewaffnete, Klasse IV als Leichtbewaffnete oder Schiffsoldaten. Die Dienstpflicht dauert vom 18. bis 60. Jahre; frei vom Kriegsdienste sind nur Beamte, Ratsherren und Zollpächter. Nach der Aufnahme in die Gemeindebürgerliste (§§ 27. 32) schwuren die jungen Athener in dem Tempel der Aglauros den _Fahnen-_ und _Bürgereid_: „Ich will die Waffen nicht schänden, den Nebenmann im Kampf nicht im Stich lassen, für die Heiligtümer kämpfen und das Vaterland nicht gemindert, sondern größer und mächtiger, als ich es überkommen, hinterlassen; ich will den Befehlen der Vorgesetzten und den Gesetzen gehorchen, nicht dulden, wenn einer die Gesetze aufhebt oder ihnen nicht gehorcht, sondern sie verteidigen und die vaterländischen Heiligtümer ehren.“ Die Jünglinge eines Kreises lebten fortan gemeinsam unter der Aufsicht eines „Zuchtmeisters“ (_σωφρονιστής_), und wurden durch Turnlehrer (_παιδοτρίβαι_) und Waffenlehrer in Gymnastik und Waffenführung ausgebildet. Der Zuchtmeister erhält von der Gemeinde täglich eine Drachme, die Jünglinge 4 Obolen, wofür jener die Bedürfnisse des gemeinsamen Mittagsmahles einkauft. Nach Verfluß eines Jahres werden die Jünglinge im Theater dem Volke vorgestellt, wobei sie ihre Fertigkeit im Turnen und Exerzieren dartun, und erhalten hierauf von der Stadt Schild und Speer, um fortan ein Jahr lang in den festen Plätzen des Landes (Akte, Munychia, Phyle, Sunion, Eleusis u. a.) als Peripoloi (_περίπολοι_) Wachdienste zu tun.

Die _Aushebung_ erfolgte auf Grund von Stammrollen, welche nach den Gemeindebürgerlisten (§§ 27. 32) angefertigt waren. Jede Stammrolle enthält das vollständige Verzeichnis der in einem bestimmten Jahre in die Bürgerlisten Eingeschriebenen und am Kopf den Namen des in diesem Jahre amtierenden ersten Archon, welcher Eponymos hieß. Im ganzen gab es 42 dienstpflichtige Jahrgänge mit den Namen von ebenso vielen Archonten. Bei einer _Mobilmachung_ wird entweder ein _allgemeines Aufgebot_ der gesamten Kriegsmacht (_πανδημεί, πανστρατιᾷ_) erlassen, oder nur ein Teil derselben _nach der Stammrolle_ (_ἐκ καταλόγου_) eingezogen. Im letzten Fall wird bekanntgemacht, von welchem Archon bis zu welchem die Mannschaft auszumarschieren habe; und zwar können die betreffenden Jahrgänge ganz (_στρατεῖαι ἐν τοῖς ἐπωνύμοις_) oder nur teilweise (_στρ. ἐν μέρεσι_) mobilisiert werden.

_Jeder der 10 Kreise stellt ein Regiment_ (_τάξις_) unter einem selbstgewählten Obersten(8), Taxiarchos. Jedes Regiment gliedert sich in eine Anzahl _Kompagnien_ (_λόχοι_), welche von den Angehörigen eines oder mehrerer Demen gebildet und von _Hauptleuten_ (_λοχαγοί_) kommandiert werden. Im Jahr 431 konnte Athen etwa 18 000 Hopliten aufbieten.

Die _taktischen Manöver_ der attischen Hopliten unterschieden sich nicht wesentlich von denen der Spartaner (s. § 19).

Der Stolz der Athener war ihre _Reiterei_, wie z. B. deren besonders liebevolle Darstellung auf dem großen Parthenonfries (§ 70) lehrt; übrigens hat sich dieselbe mehr bei Festparaden (besonders an den Panathenäen) als in Schlachten hervorgetan, und der Reiterdienst galt für sehr ungefährlich. Die Klassen I–II dienten als Reiter; dieselben wurden von einer Zehnerkommission (_καταλογεῖς_) ausgehoben, mit einem Equipierungsgeld (_κατάστασις_) versehen und alljährlich vom Rat wiederholt auf die Tauglichkeit ihrer Person und Pferde geprüft. Die Reiterei gliederte sich in 10 Schwadronen (_φυλαί_) zu 100 Pferden mit einem Rittmeister (_φύλαρχος_) an der Spitze; den Oberbefehl führten zwei Reitergenerale (_ἵππαρχοι_).

Der Kriegsdiensteifer und die Mannszucht im Bürgerheer ließen im 4. Jahrhundert viel zu wünschen übrig; wir hören von Prozessen wegen eigenmächtigen Ausbleibens (_ἀστρατείας_), Fahnenflucht (_λειποταξίου_), Feigheit (_δειλίας_), welche die Feldherrn vor das Volksgericht zu bringen hatten. Den Reiterobersten rät Xenophon, mehr durch Überredung als durch Befehl auf die Reiter zu wirken. Doch hüte man sich, hieraus auf die Abnahme der kriegerischen Tüchtigkeit der Hellenen zu schließen; die Züge eines Kyros und Alexander bewiesen das Gegenteil. Überdies erfolgte zugleich mit dem _Aufkommen des Söldnerwesens_ eine durchgreifende Neuordnung des Heerdienstes, welche Iphikrates in Athen einführte (392 v. Chr.).

Das einzige griechische Heer, das wir genauer kennen, ist das aus _Xenophons Anabasis_ bekannte griechische _Söldnerheer des jüngeren Kyros_, dessen größere Hälfte aus dem Peloponnes stammt und durchaus spartanische (vgl. § 19) Kriegsordnung zeigt. Den Kern bilden die _Schwerbewaffneten_ (Hopliten) mit Helm (_κράνος_), Brustharnisch (_θώραξ_) oder Lederkoller (_σπολάς_), Beinschienen (_κνημῖδες_), schwerem Schild (_ἀσπίς_), Stoßlanze (_δόρυ_) und Schwert (_ξίφος_). Ihnen stehen am nächsten die _Peltasten_ mit leichtem Schild (_πέλτη_), Wurfspießen (_ἀκόντια_) und Schwert. Zu den _Leichtbewaffneten_ (_ψιλοί, γυμνῆτης_), die nur Angriffswaffen für die Ferne führen, gehören: Bogenschützen (_τοξόται_), meist Kreter, Schleuderer (_σφενδονῆται_) und Speerschützen (_ἀκοντισταί_).

*§ 57. Die Flotte.*

Die Stärke Athens war seine _Flotte_. Zwischen den Höhen von Akte und Munychia liegen tiefeingebuchtet die windgeschützten, wohlverschlossenen Häfen Munychia, Zea und der tiefe, geräumige _Peiraieus_, welcher noch heute einer großen Flotte, selbst den größten Kriegsschiffen, sichere Unterkunft bietet. Der innere Teil der Peiraieusbucht, das _Emporion_, war für die Handelsflotte bestimmt, während der südwestliche Teil derselben, der _Kantharoshafen_, ebenso wie die Buchten Zea und Munychia ausschließlich zur Aufnahme der Kriegsmarine diente. Seit Themistokles, Kimon und Perikles die ganze Halbinsel mit einer gewaltigen, noch in ihren heutigen Überresten staunenerregenden Befestigung umschlossen und mit Athen durch die „langen Mauern“ (_σκέλη_) verbunden hatten, welche 404 teilweise zerstört, aber von Konon 392 wiederhergestellt wurden, besaß Athen im Peiraieus den stärksten Kriegshafen der alten Welt, dem nur der von Syrakus im 4. Jahrh. v. Chr. annähernd gleichkam. Am Ufer der 3 Häfen Athens lagen die _Werften_ (_νεώρια_) mit ihren _Schiffsbauplätzen_ (_ναυπῆγια_), den _Schiffshäusern_ (_νεώσοικοι_), in welchen die Schiffskörper samt dem sog. hölzernen Gerät (Masten, Rahen, Ruder usw.) gegen Sonne und Regen geschützt im Trocknen aufbewahrt wurden, und den _Zeughäusern_ (_σκευοθῆκαι_), die zur Unterbringung des hängenden Geräts (Segel, Taue) dienten.

Während man in der älteren Zeit lange niedrige Schiffe mit nur 1 Ruderreihe (_μονήρης_) hatte, die nach der Gesamtzahl der Ruder als _Triakontoroi_, _Pentekontoroi_ usw. bezeichnet wurden, baute man später Fahrzeuge mit 2 oder 3 Ruderreihen: Dieren und _Trieren_. Aus letzteren bestanden seit den Perserkriegen ausschließlich die _Kriegsflotten_. Die _athenische_ war bei Ausbruch des Peloponnesischen Kriegs 300–400 _Trieren_ stark.

Die _Triere_, ein leichtgebautes, 40–50 m langes (daher _νῆες μακραί_) und etwa 5 m breites Fahrzeug mit niedrigem Bord und geringem Tiefgang, hatte in geringem Abstand schräg übereinander 3 Ruderreihen. Ein eisenbeschlagener _Sporn_ oder _Schnabel_ (_ἔμβολον_) am Vorderteil (_πρῷρα_) diente dazu, dem feindlichen Schiffe beim Anrennen ein Leck beizubringen. Außer dem _Großmast_ in der Mitte des Schiffes, der vor dem Gefecht regelmäßig umgelegt wurde, stand im Vorderschiff noch der kleine _Vormast_; jeder trug an einer Rahe, d. i. an einer horizontal am Mast befestigten Stange, ein viereckiges Segel (_ἱστίον_). Am Hinterteil (_πρύμνα_) des Schiffes befanden sich die beiden großen Steuerruder (_πηδάλια_). Seit 330 kamen in der attischen Marine auch _Tetreren_, seit 325 auch _Penteren_ (mit 4 und 5 Reihen) vor. Der Neubau von Trieren wurde unter der _Oberaufsicht des Rates und der 10 Werftaufseher_ (_ἐπιμεληταὶ τῶν νεωρίων_) ausgeführt. Bei einer Seeunternehmung lieferte der Staat den Schiffsrumpf und die Geräte, sowie Sold und Verpflegungsgeld für die Mannschaft; der _Trierarch_ (§ 45) hatte das Schiff segelfertig zu machen, zu bemannen, ein Jahr lang zu unterhalten und nach den Befehlen des Admirals (eines Strategos) zu führen, und nach Ablauf seiner Zeit in gutem Stand an seinen Nachfolger zu übergeben.

Die _Bemannung_ (_πλήρωμα_) einer Triere zählte etwa 200 Köpfe: Steuermann (_κυβερνήτης_), Proreus, der das Kommando auf dem Vorderdeck führte, Keleustes mit drei Pentekontarchen, welche die Ruderer kommandierten, die Matrosen für das Takelwerk, die Seesoldaten (_ἐπιβάται_, durchschnittlich nur etwa 10), etwa 170 Ruderer (_ναῦται_). Die Ruderer der 3 Reihen hießen (von unten nach oben): _Thalamiten_, _Zygiten_ und _Thraniten_; die letzten hatten mit den längsten Rudern die schwerste Arbeit und waren dementsprechend höher besoldet. Bei gewöhnlicher Fahrt wurde nur etwa vom dritten Teil derselben, doch in allen 3 Reihen zugleich gerudert unter Flötenspiel und gleichmäßigen Rufen, während die andern auf ihren Plätzen ausruhten. Die ganze Mannschaft stand unter dem Kommando des Trierarchen. Als Ruderer wurden ärmere Bürger, Metöken, Sklaven und angeworbene Ausländer verwendet; nur auf den beiden schnellsegelnden Ordonnanzschiffen, der _Paralos_ und _Salamina_, die allein von den athenischen Kriegsschiffen ständig im Dienst waren, bestand die ganze Mannschaft aus attischen Bürgern. Die Fahrgeschwindigkeit der Triere war verhältnismäßig bedeutend, aber stets von Wind und Wetter abhängig. Wie die heutigen „Hellenen“, waren die alten Griechen tüchtige Seeleute, aber – wie alle alten Völker – „Schönwetterpiloten“. Im Winter ruhte die Seefahrt, die Schiffe lagen abgetakelt in den Schiffshäusern.

Die _Seeschlacht_ (_ναυμαχία_) glich in der älteren Zeit ganz einer Landschlacht, indem man von den Verdecken der ruhig nebeneinander liegenden Schiffe kämpfte. Später wurde das Hauptgewicht auf geschicktes Manövrieren der Schiffe gelegt: man suchte möglichst viele feindliche Fahrzeuge kampfunfähig zu machen. Dies geschah entweder vermittelst des _Durchfahrens_ (_διέκπλους_), indem man die gegnerische Aufstellung durchbrach und die Ruder des feindlichen Fahrzeugs in raschem Vorbeifahren abstreifte oder den Sporn in seine Flanke bohrte, oder vermittelst des _Umfahrens_ (_περίπλους_), indem man dem feindlichen Schiffe von der Seite oder von hinten einen Spornstoß beibrachte.

*C. Häusliches Leben.*

*§ 58. Das Haus*

_a) der Homerischen Zeit._

Dieses ist für uns spurlos vom Erdboden verschwunden; keine Ruine, kein Grundriß hat sich erhalten, auch der klare Plan des neuerdings aufgedeckten Königspalastes auf der Oberburg von Tiryns (s. Plan S. 179) kann nicht ohne weiteres als Ersatz für das einfacher und bescheidener angelegte homerische Herrscherhaus dienen. Der Grundriß desselben ist aus dem _ländlichen Gehöfte_ erwachsen. Noch sind die Spuren nicht ganz verwischt: der heimkehrende Odysseus findet im Hof seinen getreuen Hund auf dem Dunghaufen liegend. Ein stark in die Länge gezogenes Viereck ist mit einer Mauer umfriedigt. Der vordere größere Teil ist der _Hof_ (_αὐλή_); wir treten in ihn durch ein zweiflügeliges _Hoftor_, zu dessen beiden Seiten sich eine _Halle_ (_αἴθουσα αὐλῆς_) hinzieht: der Hof enthält in der Mitte einen Altar des hausbeschützenden Zeus (_ἑρκεῖος_), zu beiden Seiten Schuppen für Wagen und Geräte, für die Dienerschaft und das Vieh, einen Ziehbrunnen oder eine Zisterne für Trinkwasser. Ist, wie bei Odysseus, die Landwirtschaft nach den Gehöften auf dem Lande hinausverlegt, so laufen an den Wänden ringsum Schattendächer(9), während der freie Mittelraum zum Tummelplatz eingerichtet ist, worauf die Freier sogar den Diskos- und Speerwurf üben können. Haben wir den Hof in der Längsachse durchschritten, so stehen wir vor dem Eingang in das _Wohngebäude_ (_δῶμα, δόμος_), treten in eine durch Vorsprünge der Steinmauern und zwei Säulen gebildete _Vorhalle_ (_αἴθουσα δώματος, πρόθυρον, πρόδομος_), von hier durch eine zweiflügelige Türe über eine mächtige Schwelle in den weiten „schattigen“ _Männersaal_ (_μέγαρον_). Hohe Säulen tragen das Dach, welches nur in der Mitte eine Öffnung für das Licht und den vom Herd (_ἐσχάρη_) aufsteigenden Rauch zeigt. An den Männersaal schließt sich der kleinere _Frauensaal_, in dem die Hausfrau, von ihren Mägden umgeben, mit weiblichen Arbeiten sich beschäftigt, weiterhin das _eheliche Schlafgemach_, die _Waffen-_ und die _Schatzkammer_ und das _Badezimmer_. Eine Treppe führt zu einem über dem Frauengemach gelegenen _Oberstock_ (_ὑπερῷον_), wohin sich Penelope oft aus dem lärmenden Treiben des Erdgeschosses zurückzieht.

_b) Das Haus der klassischen und der hellenistischen Zeit._

Die Beschränktheit des Baugrundes in dichtbevölkerten und ummauerten Städten wie Athen veranlaßte bei der Anlegung des Privathauses eine Zusammendrängung der oft sehr kleinen Wohnräume und weiteren Ausbau des Oberstocks. Als während des Dekeleischen Krieges die Bevölkerung Attikas in der Hauptstadt zusammengedrängt war, vermißten die reicheren Landbewohner ihre bequemer eingerichteten Landhäuser aufs schmerzlichste.

Der bei Homer vor dem Wohngebäude gelegene Hof erscheint _in den Mittelpunkt der ganzen Hausanlage gerückt_; er dient keinerlei landwirtschaftlichen Zwecken mehr, sondern ausschließlich als Wohn- und Aufenthaltsraum bei schönem Wetter. Wir treten von der Straße durch das Tor in den _Hausflur_ (_θυρωρεῖον_), zu dessen beiden Seiten Remisen und Ställe sich befinden; in Wohnungen von Handwerkern und Krämern liegen hier Buden, welche gegen die Straße offen stehen. Daran schließt sich der _Hof_, der in den vornehmen Häusern von Säulenhallen umgeben ist und um den sich Arbeitsräume, Vorratskammern, Schlaf- und Gastzimmer gruppieren. Haben wir den Hof durchschritten, so gelangen wir durch eine dem Eingang gegenüber gelegene _Vorhalle_ (_προστῷον_) oder ein _Vorgemach_ (_παστάς_) in den _Männersaal_, welcher als Gesellschaftszimmer diente. Die _Frauenwohnung_ (_γυναικωνῖτις_) mit den Arbeits- und Schlafräumen für die Mägde liegt in wohlhabenden Häusern dahinter zu ebener Erde, in ärmeren im Obergeschoß. Hinter dem Hause ist oft ein _Garten_.

Solange die Athener fast den ganzen Tag im Rathaus, auf dem Markt, in den Palästen, im Theater oder Gerichtshof verbrachten – Kleobold in den „Wespen“ will im Drang des Richterberufes schon um Mitternacht aufbrechen – und das Haus mehr als Obdach für die Ruhezeit und als Aufenthaltsort für die Frau, Kinder und Sklaven diente, wurde auf dessen Ausbau wenig verwandt. Als Material dienten für die Fundamente Bruchsteine, für die Mauern ungebrannte Lehmziegel und Holzsparrenwerk; daraus erklärt es sich auch, daß sich von dem griechischen Wohnhaus nur ganz spärliche Reste erhalten haben. Seitdem aber im 4. Jahrhundert das Interesse der Gebildeten am öffentlichen Leben nachließ, begann man die häusliche Wohnung bequemer einzurichten und reicher auszustatten. So klagt Demosthenes in patriotischer Entrüstung, daß heute Privathäuser reichere Pracht zeigen, als öffentliche Gebäude, während die Wohnungen eines Miltiades und Themistokles ganz einfach gewesen seien.

In der Tat entfaltet das _Prachthaus der hellenistischen Zeit_ den vollen Prunk des durchgebildeten Tempelstiles. In dem _dreischiffigen Säulensaal_ der Männerwohnung, dem großen Empfangssaal für Gäste, ist der Boden mit farbigen Marmorplatten oder kunstreichem Mosaik belegt; Türen, Pfeiler, Säulen sind mit Bronzeblech überzogen, die Wände mit zierlicher Freskomalerei geschmückt, alle Eingänge sowie die große Oberlichtöffnung mit farbenprächtigen Teppichen behangen, der Plafond mit reichgeschnitztem Getäfel ausgestattet. Rings um den großen Saal liegen kleinere Gelasse, Studierzimmer, Bibliothek u. dergl. Durch einen offenen Gang bietet sich eine Durchsicht in einen reichen Ziergarten von allerhand einheimischen und ausländischen Pflanzen. Die _Frauen- und Familienwohnung_ gruppiert sich um _einen eigenen Hof_ (_περίστυλος_), während der vordere Hof mehr dem gesellschaftlichen Verkehre dient. Es ist, als ob in der weiten, völlig selbständigen Anlage dieser Familienwohnungen die Verinnerlichung des Familienlebens und die nahende Gleichstellung der Frau mit dem Manne sich ankündigen wollte.

Die _Grundrißgestaltung_ des griechischen Wohnhauses ist ganz wesentlich _durch_ das warme und trockene _Klima_ des Südens _bedingt_: während wir möglichst viele geschlossene, helle Räume zu gewinnen suchen, legte der Grieche den Hauptwert auf den geräumigen, offenen Säulenhof, welcher der ganzen Wohnung Licht und Luft spendete. So lebte der Hellene auch im Innern der Wohnung unter dem freien, warmen Himmel; gegen Sonnenglut und Platzregen bot eine offene Säulenhalle genügenden Schutz.

*§ 59. Die Wohnungseinrichtung*