Gordon, der Held von Khartum

Part 29

Chapter 29807 wordsPublic domain

[4] »+Soldier of fortune+« sagte die Times -- »Held von Gottes Gnaden« wäre richtiger.

[5] Von Heinrich +IV.+ zur Belohnung für ausgezeichnete Kriegsdienste gestiftet und so benannt, weil die Ritter als Sinnbild ihrer geistigen Reinigung vor der Aufnahme ein Bad nehmen mußten.

[6] »Die ihn angeschmiert haben,« sagte ein Armer, »haben's selber am meisten bereut, wenn sie merkten wie gut er war; und erst recht leid mußte es ihnen thun, als sie hörten, er sei tot!«

[7] Obschon ein Kriegsheld wie wenige, so war er's doch keineswegs aus Liebe zum Krieg. Er selbst sagt: »Die Leute irren sich, wenn sie meinen, ein Krieg sei etwas Glorreiches. Es ist nichts anders als organisierter Totschlag, Plünderung, Grausamkeit. Und es sind nicht die Soldaten, auf die die schlimmste Last fällt, sondern Frauen und Kinder und alte Leute. Man mag's betrachten wie man will, so ist der Krieg ein rohes, grausames Handwerk.«

[8] Diese etwas eigentümliche Begrüßungsformel beschreibt der englische Afrikareisende Petherick folgendermaßen: »Der Häuptling ergriff meine rechte Hand und spuckte herzhaft hinein; dann blickte er mir ernsthaft ins Gesicht und wiederholte die Zeremonie mit aller Umständlichkeit. Im ersten Augenblicke stand ich verblüfft, dann erfaßte mich ein wütendes Verlangen, den Menschen durchzuprügeln; er guckte mich aber so leutselig an, daß ich statt der ihm zugedachten Züchtigung mich damit begnügte, ihm seinen Gruß mit gleicher Münze heimzugeben, und zwar mit reichlichen Zinsen. Da überkam ihn eine gewaltige Freude: ich müsse ein großer Häuptling sein! sagte er zu seinem Hofstaat.«

[9] Sir Samuel Baker erzählt in seinem Buch »Ismailia«, daß der Thron der Könige von Unyoro aus einem sehr kleinen und alten, aus Holz und Kupfer verfertigten Stuhl besteht, der seit Generationen von König auf König übergeht und als ein Talisman gilt. Gelänge es einem Feind, des Stuhles habhaft zu werden, so würde der König so lange aller Autorität verlustig sein, als der kostbare Sessel nicht wieder zurückerobert würde. Der König und sein Sitz sind deshalb fast unzertrennlich; wo er hingeht nimmt er ihn mit.

[10] Als Streiflicht hierzu dient folgendes: Gordon schreibt auf dem Weg nach Kairo anläßlich der von ihm nicht gebilligten Anstellung eines jener europäischen ›Mitregenten‹: -- »Ich habe meinen Gehalt von hundertzwanzigtausend Mark auf die Hälfte herabgesetzt; ich habe genug mit sechzigtausend Mark, und die andern sechzigtausend können dem Land das wieder ersetzen, was diese Anstellung kostet. Aber ich fürchte, ich thue dies mehr aus Zorn als in Liebe ... Je älter man wird, um so besser lernt man so an seinen Nebenmenschen handeln, als wären sie leblose Gegenstände, d. h. für sie thun was man kann, ohne sich im geringsten darum zu kümmern, ob sie es einem Dank wissen oder nicht. So handelt Gott gegen uns. Er läßt regnen über Gerechte und Ungerechte. Dank findet er selten; im Gegenteil, er wird selbst meist vergessen.«

[11] Der ungenügende Zustand des Gesetzes ergiebt sich aus folgender Mitteilung Gordons: »Ich besitze vier Erlasse, 1. einen persönlichen Befehl des Khedive, alle Sklavenhändler mit dem Tod zu bestrafen; 2. den Vertrag (zwischen der englischen und ägyptischen Regierung, zur Unterdrückung des Sklavenhandels, Alexandrien 4. August 1877), welcher Sklavenjagd als Raub, beziehentlich als Raubmord kennzeichnet; 3. eine gleichzeitige Verordnung des Khedive, welche dieses Verbrechen mit Gefängnis von fünf Monaten bis zu fünf Jahren bestraft haben will; 4. ein Telegramm des Nubar Pascha folgenden Wortlauts: >Der An- und Verkauf von Sklaven in Ägypten ist gesetzlich gestattet‹«!

[12] Mit welcher Klarheit Gordon in die Zukunft sah, ergiebt sich aus diesem im April 1879 geschriebenen Satz: »Wenn die Befreiung der Sklaven i. J. 1884 im eigentlichen Ägypten stattfindet, und die Regierung in ihrem gegenwärtigen System verharrt, dann ist ein Aufstand hier (im Sudan) zu erwarten; unsere (die englische) Neuerung aber schläft ruhig weiter, bis es zu spät ist, und dann handelt man +à l'improviste+.«

[13] Die abessinische Kirche erhält seit Jahrhunderten ihren Abuna von der koptischen Kirche in Alexandrien; durch die Mißhelligkeiten zwischen den Regierungen entbehrte Abessinien zur Zeit dieses Würdenträgers und der König hatte niemand, der ihm seine Feinde exkommunizierte.

[14] Leider hat in letzter Zeit der Branntweinhandel im Basutoland Eingang gefunden mit traurigen Folgen für die Eingebornen. Nicht ernstlich genug kann es den europäischen Regierungen, die in Afrika Einfluß gewinnen, ans Herz gelegt werden, diesem verderblichen Handel möglichst zu steuern. Das ist doch der geringste »Schutz,« den die europäischen Machthaber den unwissenden Eingebornen Afrikas angedeihen lassen können!

[15] Gordons Aufzeichnungen, oder richtiger Stewarts Tagebuch aus dieser Zeit, das, wie Gordon in seinen »Tagebüchern« bemerkt, auch als ~sein~ Tagebuch anzusehen sei, ist, wie späterhin ersichtlich, dem Mahdi in die Hände gefallen, weshalb über diese fünf Monate nur spärliche Berichte vorliegen.

[16] Sir Henry Lawrence, der in Indien vorzügliche Dienste leistete und während der Meuterei bei der Verteidigung von Laknau fiel -- ein tüchtiger Soldat und demütiger Christ. Er hatte den Wunsch geäußert, daß man ihm keine andere Grabschrift setzen möge als: »Hier liegt Henry Lawrence, der versucht hat, seine Pflicht zu thun.«