Goethes Briefe an Leipziger Freunde

Part 7

Chapter 73,790 wordsPublic domain

Was von Goethes Briefen an Oeser und seine Tochter Friederike erhalten ist, befindet sich jetzt im Besitz der Bibliothek zu Weimar, von wo aus mir die Erlaubniß zur Veröffentlichung derselben gegeben worden ist. Ein Theil derselben war bereits im Morgenblatt 1846, Nr. 112 ff. 117. gedruckt worden.

Manche Papiere und Nachrichten, welche Oeser und seine Familie angehen, verdanke ich der gütigen Mittheilung seines Enkels, Herrn _Geyser_, in dessen Besitz sich auch das von _Tischbein_ aus Cassel gemalte Bild von Friederike Oeser befindet, welches hier copirt ist.

Fußnoten:

[58] Vgl. Seume, N. Teutsch. Merc. 1799 ~II.~ S. 152 ff. Leipziger Kunstblatt 1817 N. 8. 9.

[59] Winckelmanns Briefe ~I.~ S. 102.

[60] Winckelmanns Briefe ~I.~ S. 105. 165.

[61] Winckelmanns Briefe ~I.~ S. 145. ~II.~ S. 292.

[62] Weimar. Herder-Album S. 456.

[63] Vgl. Werke ~I.~ S. 83 (222), 115 (224), 214 u. S. ~VIII.~

[64] Werke ~I.~ S. 212.

[65] Werke ~I.~ Vorr. S. 4.

[66] Weißes Selbstbiographie S. 97.

[67] Vgl. Werke ~XXI.~ S. 183. Das Gedicht auf Gellerts Monument von Oeser gehört ebenfalls in diese Zeit.

[68] Werke ~XXIV.~ S. 287.

[69] Werke ~XXII.~ S. 66.

[70] Briefe an Reich ~IV.~

[71] Briefe an Frau v. Stein ~I.~ S. 19 ff. an Merck ~II.~ S. 58. Riemer Mittheil. ~II.~ S. 24. Vgl. Briefe an Lavater S. 15. 18.

[72] Briefe an Frau von Stein ~I.~ S. 73. Riemer Mitth. ~II.~ S. 36 f.

[73] Als sie wieder zurückgekehrt waren, schrieb Goethes Diener Seidel an Reich: „Der Hr. Geh. L. R. hat bei seiner Durchreiße durch Leipzig einem Uhrmacher in oder neben dem ~Hotel de Bavière~ (dessen Namen der Bediente nicht weiß) eine goldne Uhr zu repariren gegeben. Haben Sie die Güte diese zurückzufordern, die Gebühr auszulegen und solche anher zu senden.“

[74] Briefe an Merck ~II.~ S. 146 vgl. S. 140. Goethes Briefe an Frau v. Stein ~I.~ S. 165. Riemer Mitth. ~II.~ S. 59.

[75] Briefe an Merck ~I.~ S. 241. 242. 243.

[76] Riemer Mitth. ~II.~ S. 128. Briefe an Merck ~II.~ S. 184 f.

[77] Briefe an Frau v. Stein ~II.~ S. 103. 105.

[78] Briefe an Frau v. Stein ~II.~ S. 277 ff.

[79] Die Xenien trafen in Leipzig besonders Dyk, Platner, Blankenburg, Heydenreich, den literarischen Anzeiger; sie scheinen aber meistens von Schiller herzurühren.

[80] Briefe an Schiller ~II.~ S. 302. ~III.~ S. 1. Werke ~XXVII.~ S. 61.

[81] Schiller Briefw. mit Körner ~IV.~ S. 177.

[82] Briefe an Merck ~I.~ S. 242. an Frau v. Stein ~II.~ S. 278.

[83] Briefe an Merck ~II.~ S. 185.

[84] Briefe an Oeser ~V.~

[85] Riemer Mitth. ~II.~ S. 327.

[86] Briefe an Merck ~I.~ S. 204. 211.

[87] Briefe an Frau v. Stein ~I.~ S. 353. 362.

[88] Briefe an Frau von Stein ~I.~ S. 312 f. 316. 319. an Merck ~I.~ S. 252. 256. ~II.~ S. 177. an Knebel ~I.~ S. 116. 186. Riemer Mitth. ~II.~ S. 122.

[89] Briefe an Knebel ~I.~ S. 189.

[90] Briefe an Frau von Stein ~II.~ S. 256. an Merck ~II.~ S. 214 vgl. 212. an Knebel ~I.~ S. 193. Riemer Mitth. ~II.~ S. 162.

[91] Briefe an Frau v. Stein ~II.~ S. 327.

[92] Briefe an Merck ~I.~ S. 459. Riemer Mitth. ~II.~ S. 193.

[93] Briefe an Merck ~I.~ S. 242. 256. 328. ~II.~ S. 212. an Knebel ~I.~ S. 186.

[94] Briefe an Frau v. Stein ~I.~ S. 312. 321.

[95] Briefe an Knebel ~I.~ S. 116 f. an Frau v. Stein ~I.~ S. 312 f.

[96] Riemer Mitth. ~II.~ S. 162.

[97] Briefe an Merck ~I.~ S. 256. an Knebel ~I.~ S. 186. 193.

[98] Briefe an Merck ~I.~ S. 253 f.

[99] Briefe an Merck ~I.~ S. 459.

[100] Nicht lange vorher schrieb Wieland an Merck (~I.~ S. 451), daß Alles davon gegangen sei, so daß die gute ~duchessa madre~ zu thun haben werde, sich der Langenweile zu erwehren. „Wenn uns (wie wir hoffen) der podagrische Freund Oeser nicht bald zu Hilfe kommt, so sei uns der Himmel gnädig.“

[101] Werke ~XXI.~ S. 115 ff.

[102] Werke ~XXIII.~ S. 179.

[103] Werke ~XXIII.~ S. 205. vgl. S. 176. 177 f. 186. 194. 195.

[104] Werke ~XXIV.~ S. 154.

[105] Werke ~XXIV.~ S. 164 f. vgl. Eckermann Gespräche ~I.~ S. 215. 341.

[106] Werke ~XXIV.~ S. 270 f.

An Adam Friedrich Oeser.

I.

Theuerster Herr Professor,

Zwölf Tage bin ich nun wieder in meiner wehrten Vaterstadt, von Anverwandten, und Freunden, und Bekanndten umgeben die sich über meine Ankunft teils freuen, teils verwundern, und alle sich bemüen, dem neuen Ankömling, dem halben Fremdling gefällig zu seyn, und ihm eine Stadt, die zu sehr Antithese von Leipzig ist um viel Annehmlichkeiten für ihn zu haben durch einen freundschafftlichen Umgang erträglich zu machen. Wir wollen sehen wie weit sie's bringen, jetzo kann ich nichts sagen, ich binn zu zerstreut, und mit meiner neuen Einrichtung zu sehr beschäfftigt, als daß mein Herz für das was ich verlohren habe, und für das was ich hier wieder finde, viel Empfindung haben sollte. Ich schreibe Ihnen auch für dießmal nichts, als daß meine Ankunft nach einer glücklichen Reise, eine erwünschte Ruhe über meine Famielie verbreitet hat, daß meine Kranckheit, die nach dem Ausspruch meiner hiesigen Ärtzte nicht so wohl in der Lunge als in denen dazu führenden Teilen liegt, sich täglich zu bessern scheint. Daß Ihr Tischer[107] nachdem er sich einige Tage bey uns aufgehalten, mit guten Empfelungsschreiben an den Ort seiner Bestimmung, in der Hoffnung seine Sache so gut als möglich auszuführen gereißt ist, und sich Ihnen und Ihrem ganzen Hause bestens empfelen läßt. Und das sey für diesesmal alles. Jede danckbaare Empfindung für alles was ich Ihnen schuldig binn, sey biß zu einer ruhigern und glücklichern Zeit aufgehoben, sobald ich diese so sehr erwartete Epoche werde erreicht haben, will ich Ihnen einen längern und bessern Brief schreiben; mittlerweile erhalten Sie mir Ihre Liebe, Ihre Freundschafft die mir so sehr geschmeichelt, die mich so sehr aufgemuntert hat, erhalten Sie mich in dem Andencken Ihrer verehrungswürdigen Gattin und Ihrer liebenswürdigen Kinder, und aller meiner Freunde; Hrn. Kreuchauf, Hrn. Cravinus, Hrn. v. Hardenberg, Hrn. v. Lieven, Hrn. Huber, bitte ich insbesondere meiner Ergebenheit zu versichern, und meinem Successor Hrn. Grönig den schnellsten Fortgang in der Kunst zu wünschen. Ich binn mit der beständigsten Hochachtung,

Theurester Hr. Professor

Franckfurt am Mayn, am 13 Sept. 1768.

Dero ergebenster J W _Goethe_

Fußnote:

[107] Der nachher noch genannte _Joh. Christ. Jung_, Aufwärter bei der Kunstakademie auf der Pleißenburg, welcher seines Handwerkes ein Tischler war und den Titel eines Modelltischlers führte.

II.

Franckfurt, am 9 Nov. 1768.

Hochgeehrtester Herr Professor,

Das Aussenbleiben Ihres Junges, hat diesen Brief, den ich so balde zu schreiben schuldig war, um einen Monat und drüber verzögert. Mit ihm hoffte ich ein Paquet Briefe, und ein Paquet Kleinigkeiten nach Leipzig zu schicken, die nun auf eine andre Gelegenheit warten mögen.

Wenn Sie nicht mehr Nachricht von ihm haben als ich; so werden Sie unruhiger seyn als ich; denn ich dencke immer, er hat entweder an Sie geschrieben, oder ist durch einen andern Weeg zu Ihnen zurückgekehrt. Bald hoffe ich's zu erfahren; ein guter Freund hat es auf sich genommen, sich in Grehweiler zu erkundigen wie es mit ihm und seinen Sachen steht.

Meine Gesundheit fängt an, wieder etwas zu steigen, und doch ist sie noch nicht viel über's Schlimme. Inliegender Brief, den ich mich unterstanden habe an Ihre Mademoiselle Tochter zu schreiben, sagt mehr von diesem Punckte, und mehr von meinem übrigen Leben.

Die Kunst, ist, wie sonst, fast jetzt meine Hauptbeschäfftigung, ob ich gleich mehr drüber lese, und dencke, als selbst zeichne, denn jetzt da ich so allein lauffen soll, fühle ich erst meine Schwäche; es will gar nicht mit mir fort Herr Professor, und ich weiss vor der Hand nichts anders, als das Lineal zu ergreifen, und zu sehen, wie weit ich mit dieser Stütze in der Baukunst und in der Perspecktiv kommen kann.

Was binn ich Ihnen nicht schuldig, Theuerster Herr Professor, dass Sie mir den Weeg zum Wahren und Schönen gezeigt haben, dass Sie mein Herz gegen den Reitz fühlbaar gemacht haben. Ich binn Ihnen mehr schuldig, als dass ich Ihnen dancken könnte. Den Geschmack den ich am Schönen habe, meine Kenntnisse, meine Einsichten, habe ich die nicht alle durch Sie? Wie gewiss, wie leuchtend wahr, ist mir der seltsame, fast unbegreifliche Satz geworden, dass die Werckstatt des grossen Künstlers mehr den keimenden Philosophen, den keimenden Dichter entwickelt, als der Hörsaal des Weltweisen und des Kritickers. Lehre tuht viel, aber Aufmunterung tuht alles. Wer unter allen meinen Lehrern hat mich jemals würdig geachtet mich aufzumuntern, als Sie. Entweder ganz getadelt, oder ganz gelobt, und nichts kann Fähigkeiten so sehr niederreissen. Aufmunterung nach dem Tadel, ist Sonne nach dem Reegen, fruchtbaares Gedeyen. Ja Herr Professor wenn Sie meiner Liebe zu den Musen nicht aufgeholfen hätten ich wäre verzweifelt. Sie wissen was ich war da ich zu ihnen kam, und was ich war da ich von Ihnen ging, der Unterschied ist Ihr Werck. Ich weiss wohl, es war mir wie Prinz Biribinckern nach dem Flammenbaade,[108] ich sah ganz anders, ich sah mehr als sonst; und was über alles geht, ich sah was ich noch zu tuhn habe, wenn ich was seyn will.

Sie haben mich gelehrt demütig ohne Niedergeschlagenheit, und stolz ohne Präsumtion zu seyn. Ich würde kein Ende finden, zu sagen was Sie mich gelehrt haben; verzeihen Sie meinem danckbaaren Herzen diese Apostrophe, diese Sentenzen; das habe ich mit allen tragischen Helden gemein, dass meine Leidenschafft sich sehr gerne in Tiraden ergiesst, und wehe dem der meiner Lava in den Weeg kömmt.

Die Gesellschafft der Musen, und eine fortgesetzte schrifftliche Unterredung mit meinen Freunden, wird mir diesen Winter ein kränckliches einsames Leben angenehm machen, das ohne sie für einen Menschen von zwanzig Jahren eine ziemliche Folter seyn möchte.

Mein Freund Seekatz[109] ist einige Wochen vor meiner Ankunft gestorben. Meine Liebe für die Kunst, meine Danckbarkeit gegen die Künstler, werden Ihnen das Maas meines Schmerzens angeben. Sollte Hr. CrStEinnehmer Weise die Gefälligkeit für mich haben wollen, einige Nachrichten von seinem Leben und seiner Kunst in die Bibliotheck einzurücken: so wollte ich sie Ihnen zusenden.[110] Haben Sie die Gütigkeit, ihn bey Gelegenheit darum zu ersuchen. Idris habe ich eben gelesen, meine Gedancken hiervon ein andermal. Meine Eltern grüssen Sie und Ihre Famielie, mit der Liebe und Danckbaarkeit, die sie einem Manne schuldig sind, dem ihr Sohn so viel schuldig ist. Leben Sie wohl.

Ich binn Theuerster Hr. Professor Der Ihrige Goethe.

Fußnoten:

[108] In Wielands Don Sylvio von Rosalva. Th. ~VI.~ S. 215 f.

[109] Vgl. Goethes Werke ~XX.~ S. 29. 103. ff. 131 ff.

[110] In der Neuen Bibliothek der schönen Wissensch. findet sich nur eine kurze Notiz über Seekatz, die nicht von Goethe herrührt.

III.

Franckfurt, am 24 Nov. 1768.

Hochgeehrtester Herr Professor,

Junge, geht Morgen ab, sollte ich diese Gelegenheit versäumen, an Sie zu schreiben? Ich beneide alle Welt, die nach Sachsen geht, und meine Briefe dazu; und doch ist meine Correspondenz nach Sachsen, jetzt fast das einzige, daran ich ein würckliches Vergnügen finde.

Sie werden Sich verwundern, was Ihr Tischer für Kostbaarkeiten mitbringt; wir haben uns alle gefreut, dass seine Reise, die Kranckheit ausgenommen, so glücklich gewesen ist, und hoffen, dass seine Rückreise bey dieser schlimmen Jahrszeit, so gut gehen wird, als es wahrscheinlich ist.

Wäre der Weeg nach Leipzig, nur nicht gar so schlimm, und gar so lang; ich wollte Sie einmal recht unvermuhtet überfallen. Denn Ich habe Ihnen gar zu viel zu sagen. Sie wissen ich hatte immer einen hübschen Fond von Reflecktiohnen die ich Ihnen meistenteils vortrug, freylich gingen sie manchmal etwas queer, nun, da belehrten Sie mich eines bessern; aber es giebt tausend Dinge, die man ohne Bedencken sagt, die man aber groses Bedencken trägt zu schreiben.

Meine Gedancken über den Idris, und den Brief an Riedeln,[111] über den Ugolino, über Weissens Grosmuht für Grosmuht, über die Abhandlung von Kupferstichen, aus dem Englischen,[112] sind zwar zum erzälen ganz erträglich, zum Schreiben noch lange nicht ordentlich, nicht richtig genug.

Die Cabinette hier, sind zwar klein, dafür sind sie häufig und ausgesucht, mein gröstes Vergnügen ist, mich recht darinne umzusehen. Es ist gut dass Sie mich gelehrt haben, wie man sich umsieht.

Sonst leide ich viel der Kunst wegen; mein Glück, dass ich schon gewohnt binn, um meiner Freunde willen zu leiden. Apostel, Propheten und Poeten, schätzt man selten in ihrem Vaterlande, und noch seltner zu der Zeit, da man sie alle Tage sehn kann; und doch kann ich mich nicht enthalten den guten Geschmack zu predigen; richtet man gleich nicht viel aus, so lernt man doch immer dabey, und sollte man auch nur bey der Gelegenheit erfahren, dass weit ausgebreitete Gelehrsamkeit, tiefdenckende spitzfündige Weisheit, fliegender Witz und gründliche Schulwissenschafften, mit dem Guten Geschmacke, sehr heterogen sind.

Das Frauenzimmer liebt sich hier sehr das erstaunliche, vom schönen, naiven, komischen halten sie weniger. Desswegen sind alle Meerwunder: Grandison, Eugenie,[113] der Galeerensclave,[114] und wie die ganze fantastische Famielie heisst, hier im grossen Ansehn. Von der Wilhelmine, die doch dem Himmel sey Danck, dreymal aufgelegt ist,[115] habe ich trutz aller Nachfrage in keiner Damenbibliotheck Ein Exemplar auftreiben können. Nächstens ein mehreres von diesen betrübten Umständen.

Wenn der Rothstein und die schwarze Kreide gut sind, so steht Ihnen mehr zu Diensten. Empfelen Sie mich gütig, Ihrer Frau Gemalinn, und der ganzen Famielie; wie auch meinen Gönnern und Freunden, denen Herren Creuchauf, Weisse, Clodius Hubert, v. Hartenberg, Cravinus, Gröning, namentlich. Meine Eltern empfelen sich Ihnen. Und ich binn, mit der zärtlichsten Hochachtung,

Ihr ergebenster Schüler und Diener, Goethe.

Fußnoten:

[111] _Wielands_ Brief an _Riedel_ war der ersten Ausgabe von _Idris_ und _Zenide_ (1767) vorgedruckt.

[112] ~An essay upon prints. Lond.~ 1768. 8.

[113] Eine Übersetzung der ~Eugenie~ von _Beaumarchais_ (Paris 1767) erschien Leipzig 1768; vgl. Werke ~XXII.~ S. 147.

[114] Der Galeerensclave (Leipz. 1768) war eine Übersetzung von ~L'honnête criminel~ von ~Fenouillot de Falbaire~ (Par. 1766). _Lessing_ dachte einmal an eine Bearbeitung desselben Stoffs, „denn er war mit dem französischen Stücke davon nicht zufrieden, soviel auch deren deutsche Vorstellung damals Beifall erhielt.“ Lessings theatr. Nachlaß ~I.~ S. ~XLVII.~

[115] _Thümmels Wilhelmine_ war in Leipzig 1764, 1766, 1768 erschienen; vgl. Werke ~XXII.~ S. 148.

IV.[116]

Ich bin verschwunden wie ich erschienen bin. Liebster Mann, tausend Danck für alles, und unveränderliche Liebe ~in saecla saeclorum~. Grüsen Sie ihre ganze Famielie, und Beckern[117]. Vergessen Sie die Abgüsse nicht und schicken sie bald. Der Herzog hat auf meine Beschreibung Lust zu den Snayers gekriegt, man muss sehn wie sie ihm gegenwärtig behagen. Drum bitt ich Sie, mir sie wohl _gesäubert_ und wohl gepackt mit dem Postwagen zu übersenden. -- Ich habe Leipzig ungern verlassen, -- M. Becker soll mir manchmal schreiben.

Weimar d. 6. Apr. 1776. Goethe.

Fußnoten:

[116] Hier fehlen mehrere Briefe; s. oben S. 107.

[117] W. G. _Becker_, Herausgeber der Erholungen und des Taschenbuchs zum geselligen Vergnügen, später Aufseher der Antikensammlung in Dresden, welcher in Oesers Hause sehr viel verkehrte.

V.

Wir wollen der Hrz. Louise auf ihren Geburtstag auf unsern Brettern ein neu Stück geben[118] und bedürfen dazu eines hintersten Vorhanges zum _Wald_. Wir mögten auf diesem Prospeckt gern eine herrliche Gegend vorstellen mit Haynen Teichen, wenigen Architeckturstücken &c. denn es soll einen Parck bedeuten.

Hätten Sie so was vorräthig so schicken Sies doch aber mit nächster Post, allenfalls ein Kupfer von Poussin, oder sonst eine Idee, wir bitten recht sehr drum. Sie haben erinnere ich mich so was auf einem Vorhang in Leipzig. Die Büste kriegen Sie ehstens. Ihr Andencken ist lebendig unter uns. Herzoginn Louise hat mir Vorwürfe gemacht dass ich Sie nicht zu ihr gebracht habe, also müssen Sie bald wiederkommen das gut zu machen. Addio ist Ihnen nichts weiter von meiner Gottheit offenbaart worden?

d. 7 Jan. 77. Goethe.

Fußnote:

[118] _Proserpina_ wurde am 30. Jan. 1777 aufgeführt. Riemer Mittheilungen ~II.~ S. 38.

VI.

Wir sind durch einen andern Weeg wieder in unser Land gegangen, und haben Sie nicht mit nehmen können[119]. Es ist auch iezt Herzoginn Mutter in Ilmenau, ob Sies gleich wohl auch hätte freuen können Ihr dahin zu folgen.

Nun bitte ich inständig um die Basreliefs weil ich gern möchte die Rahmen fertigen lassen in ihrer Abwesenheit.

Gern unterhielt ich Sie von dem gebetnen Tische und von andern Sachen aber ich weis schon wies einem mit Ihnen geht.

Schicken Sie mir doch ein paar Zeichnungen zu steinernen Garten Bäncken ganz simpel aber schöne Formen.

Wenn ich von Ilmenau komme hören Sie mehr von mir.

Von dem Tische schreib ich Ihnen meine Gedancken. Ich hab mir wieder so ein fest Bild gemacht wie er aussehn soll und das ist wieder ein bisgen gothisch. Wir werden wieder Händel haben; es ist so schlimm was für mich zu machen als für irgend einen Philister. Schreiben Sie und schicken Sie bald.

d. 15 Jun. 78. Goethe.

Fußnote:

[119] Goethe war mit dem Herzog Anfang Mai in Leipzig gewesen, und dann mit ihm nach Berlin gereist, von wo sie Anfang Juni nach Weimar zurückkamen. Briefe an Frau v. Stein ~I.~ S. 165 ff. Merck Briefe ~II.~ S. 140. 146. Riemer Mittheilungen ~II.~ S. 59 f.

VII.[120]

Weimar den 10 Merz. 1780.

Meinen besten Dank werthester Herr Professor bezeige ich Ihnen für das gütig überschickte. Das Gefängniss soll abgezeichnet sogleich wieder zurückkommen.

Sie schreiben: „das mitfolgende auf Papier entworffene soll Schuman in des obigen Tone ausführen“ ich finde aber nichts worauf sich diese Linien beziehen könnten.

Die Zeichnung des Tischfuses liegt wieder bei ich wähle die ~terms~ und bitte Sie versprochnermassen so wohl um die Reinlichkeit des Details als um die Stellung, Construktion und Verbindung des Ganzen.

Auch ersuche ich sie mir bald möglichst einen Theaterleuchter zu schicken, denn wir sind bald so weit dass wir des Lichts bedürfen.

Sie stehen mein lieber Herr Professor mit noch verschiednen andern Sachen auf meinem Zettelein und ich bitte Sie aber und abermal ja Ihren Plan sicher zu machen, dass Sie mit eintretendem Frühjahr bei uns sein können.

Den Brief werd' ich besorgen und die Kiste erwarten.

Goethe

Fußnote:

[120] Von hier an sind die Briefe nicht mehr von Goethes Hand geschrieben.

VIII.

Ihre Briefe habe ich übergeben und Ihre Aufträge ausgerichtet. Wahrscheinlich erhalten Sie mit der heutigen Post auch Ihre Büste und ich hoffe dass Sie einigermassen mit der Arbeit zufrieden sein werden.[121] Ich habe mit Clauern gesprochen, wegen des Verlangens das Sie haben ihn auf eine Zeit bei Sich zu sehen. Er scheint unentschlossen und ich wünschte selbst, ehe ich Durchl. dem Herzog etwas davon sage und um Urlaub für ihn bitte, näher unterrichtet zu sein, auf was für eine Art, wie lang und zu welchem Zweck Sie ihn bei Sich zu haben wünschen, denn nach allen diesem wird der Herr mich gewiss fragen. Klauer selbst scheint wegen einiger näherer Bestimmung verlegen und ich wollte selbst rathen mit ihm dadrüber so ausführlich und deutlich als möglich zu handeln. Es giebt bei Arbeiten des Künstlers die schweer zu schätzen sind meistentheils zulezt ein Misvergnügen, wenn man sich nicht gleich Anfangs zusammen auf einen festen Fus gesezt hat. Es bleibt ihm ohnedem auch hier noch verschiedenes zu thun, wo er unter ein Viertel Jahr schweerlich fertig wird.

Ich schicke hier versprochener massen ein Exemplar der berühmten Correspondenz, die ich mir zu seiner Zeit wieder zurück erbitte. Ich weis nicht ob es Ihnen gehen wird, wie mir, Sie ist mir in der Erzählung hübscher und lustiger vorgekommen als Sie mir gedruckt erscheint.

Wollen Sie etwa einige architektonische Zeichnungen für Durchl. den Prinzen[122] hierher schicken so würde ich sorgen dass sie kopirt werden.

In dem ich dieses schreibe sind Sie wohl in einer wichtigen Handlung begriffen, wozu ich alles Glück wünsche.[123] Vielleicht steht die Statue schon auf ihrem Plaz und ich bin recht neugierig sie zu sehen.

Leben Sie recht wohl. Denken Sie gelegentlich an die Aufträge mit denen wir Sie belästigt haben. Weimar den 3 Aug. 1780.

Goethe

Fußnoten:

[121] Der Bildhauer _Klauer_ hatte, als Oeser im Sommer 1780 in Weimar war, dessen Büste modellirt, mit welcher Goethe seine Zufriedenheit wiederholt ausspricht, Briefe an Frau v. Stein ~I.~ S. 318. 319. 321 an Merck ~I.~ S. 252.

[122] Prinz _Constantin_, Bruder des Herzogs.

[123] Das Oesersche Standbild Friedrich Augusts ~III.~ auf dem Königsplatz in Leipzig wurde am 3. Aug. 1780 feierlich aufgerichtet.

IX.

In der Zerstreuung, in die mich vielerley Geschäfte bey meiner Ankunft versezen, kann ich nur mein bester Herr Profeßor Ihnen für die viele Liebe und Freundschaft danken die Sie mir bey meinem Aufenthalt in Leipzig bezeiget. Da mir meine Stunden so knapp zugemeßen waren, wie viel bin ich Ihnen nicht schuldig dass Sie mir den größten Theil davon so angenehm und nüzlich haben verbringen machen.

Da ich übermorgen als den 3t. schon wieder von hier abreisen muß,[124] so bitte ich Sie wegen der abzuschickenden Statue mit dem Herrn Rath Bertuch zu korrespondiren, dem ich den umständlichen Auftrag gegeben habe. Er wird auf Ihre Nachricht den Fuhrmann zur rechten Zeit nach Leipzig schicken, und das nöthige besorgen.

Ich empfehle mich Ihnen und den Ihrigen aufs beste, wobey sich mein kleiner Reisegefährdte[125] mit anschließt. Verzeihen Sie alle Beschwerden die ich Ihnen mache, und bleiben Sie meiner vollkommensten Ergebenheit versichert. Weimar d. 1 Okt. 1781.

Das bewußte ~Basrelief~ wird nächstens anlangen.

Goethe

Fußnoten:

[124] Nach Gotha. Briefe an Frau v. Stein ~II.~ S. 103 ff.

[125] Friedrich v. Stein. Briefe an Frau v. Stein ~II.~ S. 102 ff.

X.

Mein Dank kommt spät lieber Herr Professor und ist noch immer so warm als beym Abschiede, da ich gewiß sehr ungerne Leipzig verließ.[126] Sie haben mir meinen Aufenthalt so angenehm und nüzlich gemacht als möglich und ich bin wie immer bereichert von Ihnen weggegangen.

Zwar habe ich es gemacht wie das Volk Israel bey seinem Auszuge aus Egypten. Sie werden verschiedenes vermissen worunter besonders ein großer Pinsel ist, welchen ich aber mir ohne Furcht und Reue zugeeignet habe. Wenn wir so glücklich sind Sie aufs Frühjahr hier zu sehen[127] soll Ihnen alles vorgelegt werden was ich damit biß dahin zu Stande bringe. Die Farbe ist gekocht, die Kunststüke werden geübt, aber leider ists noch immer das Rähmchen was mir an solchen Arbeiten am besten gelingt.

Die verlangte Büste für Herrn Breitkopf ist eingepackt und geht mit dem Schaurischen Wagen ab. Den Riß des Observatorii habe ich in eine Schachtel an Rosten beypacken laßen, und auch dieser wird hoffentlich zur rechten Zeit anlangen.

Nun aber muß ich auf das dringendste um den berühmten Brunnen bitten. Der Versuch ist gemacht worden, man hat ihn in die Höhe gestaucht, welches wohl angeht. Freylich läuft er da in einer starken Röhre und in einem schwachen Spiegel. Haben Sie die Güte mir die Zeichnung so bald als möglich zu schicken, denn es warten die Anlagen der Weege und die Pflanzungen darauf und ob gleich die Jahrszeit strenge ist so sind doch immer unsere gnädigsten Herrn in Arbeit.